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Unter Feinden – Walking with the Enemy: In feindlicher Uniform

Walking with the Enemy

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Ungarn trat als Verbündeter des Deutschen Reichs in den Zweiten Weltkrieg ein. Als Reichsverweser führte Admiral Miklós Horthy das Königreich ohne König in autoritärer Weise. Doch als sich der Kriegsverlauf zuungunsten der Deutschen drehte, wandte sich das Land nach und nach den Alliierten zu. Folge: Am 19. März 1944 begann das Unternehmen Margarethe – der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Ungarn.

Noch ist der Krieg nicht in Budapest angekommen

Damit beginnt auch „Unter Feinden – Walking with the Enemy“. Das Kriegsdrama steht in einer Tradition europäischer Filme, mit denen einzelne Nationen ihre Beteiligung am Zweiten Weltkrieg aufarbeiten, etwa Finnland („Winterkrieg“, 1989), Dänemark („9. April – Angriff auf Dänemark“, 2015), Estland („Brüder – Feinde“, 2015) und Norwegen („The King’s Choice – Angriff auf Norwegen“, 2016). „Unter Feinden – Walking with the Enemy“ ist allerdings unter der Ägide der US-Produktionsfirma Liberty Studios an Drehorten in Rumänien entstanden.

Die Pfeilkreuzler machen mit den einmarschierten Deutschen gemeinsame Sache

Kurz nach dem Einmarsch der Deutschen trifft auch SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann (Charles Hubbell) in Budapest ein, um die Deportation der ungarischen Juden zu organisieren und zu überwachen. Die beiden jungen jüdischen Männer Elek Cohen (Jonas Armstrong) und Ferenc Jacobson (Mark Wells) kommen in ein Arbeitslager, doch bei einem alliierten Luftangriff gelingt ihnen die Flucht. Derweil muss sich Admiral Horthy (Ben Kingsley) mit dem deutschen SS-Oberst Otto Skorzeny (Burn Gorman) herumplagen, der mehr ungarische Kollaboration in der „Judenfrage“ einfordert. Als Elek und Ferenc an zwei SS-Uniformen gelangen, reift in den beiden Freunden ein waghalsiger Plan.

Die jungen Juden planen ihren Widerstand

Von den etwa 825.000 ungarischen Juden, die in der ersten Hälfte der 1940er-Jahre in dem Königreich lebten, kamen etwa 525.000 im Holocaust ums Leben. Die Geschichte von „Unter Feinden – Walking with the Enemy“ ist inspiriert von den Taten Pinchas Tibor Rosenbaums, der als Faschist getarnt – wenn auch in Uniform der ungarischen Pfeilkreuzler – hunderte jüdische Landsleute vor der Deportation nach Auschwitz rettete. Hauptfigur des Ensemblefilms ist dann auch Elek. Die Produktion hat internationales Format, folgt aber bewährten Pfaden heldenhafter Kriegsdramen, inszenatorische Finessen oder Überraschungen bleiben daher Mangelware. Ausstattung, Setdesign und auch Schauspielkunst genügen hohen Ansprüchen, bemerkenswert für ein Regiedebüt – es ist die bislang einzige Regiearbeit von Mark Schmidt. Der getragene Score wirkt allerdings etwas beliebig. Szenen mit Admiral Horthy dienen in erster Linie dem Zweck, den Widerstand des ungarischen Reichsverwesers gegen die antijüdischen Maßnahmen der deutschen Besatzer zu dokumentieren, eine differenzierte Auseinandersetzung mit Horthys Rolle in dieser Zeit findet nicht statt.

SS-Oberst Otto Skorzeny zieht seine Maßnahmen durch

Kriegs-Action, Spannung und bewegende Szenen halten sich die Waage. „Unter Feinden – Walking with the Enemy“ reiht sich im guten Mittelfeld vergleichbarer Kriegsdramen ein, die bestimmten Ereignissen und Handlungsorten des Zweiten Weltkriegs ein Denkmal setzen wollen.

Reichsverweser Admiral Horthy (l.) widersetzt sich den Deutschen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ben Kingsley sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Elek Cohen spielt ein gewagtes Spiel

Veröffentlichung: 5. Juli 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 113 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Walking with the Enemy
RUM/UNG/KAN/USA 2013
Regie: Mark Schmidt
Drehbuch: Kenny Golde
Besetzung: Ben Kingsley, Jonas Armstrong, Mark Wells, Hannah Tointon, Burn Gorman, David Leon, Flora Spencer-Longhurst, Michelle Miklosey, Jeffrey C. Hawkins, Simon Kunz, Charles Hubbell
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 Tiberius Film

 

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Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen: Schauermär um grausame Psychiatrie

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Eliza Graves

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // In einem Hörsaal in Oxford führt ein Irrenarzt (Brendan Gleeson) im Jahr 1899 einer Schar Medizinstudenten eine junge Frau (Kate Beckinsale) vor, die an Hysterie leide. Zur Sicherheit habe er ihr Heroin verabreicht.

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Edward Newgate (l.) nimmt seine Arbeit auf

Szenenwechsel: Oxford-Absolvent Edward Newgate (Jim Sturgess) kommt im Stonehearst Asylum an, einer abgelegenen Einrichtung für psychisch Gestörte, in der er nach seinem Studium nun praktische Erfahrungen sammeln will. Anstaltsleiter Dr. Silas Lamb (Ben Kingsley) führt das Stonehearst Asylum mit ungewöhnlichen Methoden, verzichtet weitgehend auf medikamentöse Betäubung der Patienten. Einige Mitarbeiter wecken zwar Newgates Misstrauen, etwa der grobe Mickey Finn (David Thewlis); immerhin lernt er mit Eliza Graves auch eine aparte junge Frau kennen (die Zuschauer erkennen sie als die Patientin aus dem Prolog wieder). Als Newgate jedoch eines Nachts in die Kellerräume des Gebäudes vordringt, macht er eine grauenerregende Entdeckung.

Nach einer Erzählung von Edgar Allan Poe

Immer wieder faszinierend, wie aus kurzen Erzählungen von Edgar Allan Poe abendfüllende Spielfilme werden können. In diesem Fall ist es „The System of Dr. Tarr and Prof. Fether“, erstmal im Jahr 1845 veröffentlicht. Regisseur Brad Anderson macht daraus eine wendungsreiche Gothic-Schauermär, die die recht simple Auflösung der Vorlage zwar aufgreift, aber weit hinter sich lässt. Das liegt nicht zuletzt an dem erlesenen Ensemble – diverse Figuren erhalten ausreichend Raum zur Entfaltung ihrer Ab- und Hintergründe. Auch mit der gediegenen Ausstattung und den Kulissen punktet das Drama, es entfaltet sich eine sehr schöne viktorianische Atmosphäre, in der man allerdings gewiss nicht als psychisch Kranker auffällig werden sollte.

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Was verbirgt Anstaltsleiter Silas Lamb?

Edgar Allan Poe mag beim Schreiben eine Anklage gegen die unwürdige und nach heutigen Maßstäben menschenverachtende Behandlung psychisch Kranker in geschlossenen Einrichtungen im Sinn gehabt haben. Dies greift auch „Stonehearst Asylum“ auf – und das funktioniert gut, auch wenn es sich nicht mehr auf heute übertragen lässt. Milos Formans „Einer flog über das Kuckucksnest“ (1975) lässt aber grüßen. Auch „Bedlam“ (1946) mit Boris Karloff sei am Thema Interessierten ans Herz gelegt. Des Weiteren beschäftigt sich die Serie „American Horror Story – Asylum“ mit Zuständen in einer psychiatrischen Einrichtung.

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Weiß Eliza Graves mehr?

Die Karriere von Regisseur Brad Anderson lässt sich nur schwer greifen. Zwar hat er schon zu einem frühen Zeitpunkt seiner Laufbahn mit den verstörenden „Session Nine“ (2001) und „The Machinist“ (2004) nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht, doch damals wie heute ist er hauptsächlich fürs Fernsehen tätig, nur gelegentlich unterbrochen von Kinoausflügen wie dem Krimidrama „Transsiberian“ (2008), dem Horrorthriller „Die Herrschaft der Schatten“ (2010) und dem Kidnapping-Thriller „The Call – Leg nicht auf“ (2013). Derzeit dreht er den Politthriller „High Wire Act“ mit Rosamund Pike und Jon Hamm. Mit „Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen“ hat er wieder einmal seine eigene Handschrift gezeigt und Vorfreude auf mehr geweckt. Gern häufiger auf der großen Leinwand!

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Ein geheimnisvoller Gefangener

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Caine, Jason Flemyng, Brendan Gleeson und Ben Kingsley sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 30. Januar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 113 Min. (Blu-ray), 108 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Eliza Graves
USA 2014
Regie: Brad Anderson
Drehbuch: Joe Gangemi, nach einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe
Besetzung: Kate Beckinsale, Jim Sturgess, Michael Caine, Ben Kingsley, Brendan Gleeson, David Thewlis, Jason Flemyng, Sophie Kennedy Clark, Sinéad Cusack
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Universum Film

 

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Life – Wie die berühmten James-Dean-Fotos entstanden

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Life

Von Anja Rohde

Drama // Ein Biopic, das einen Zeitraum von nur zwei Wochen beleuchtet – das ist ungewöhnlich. Aber gelungen, denn es sind zwei sehr intensive Wochen. Für James Dean (Dane DeHaan), dessen Premiere von „Jenseits von Eden“ ansteht und der auf die Zusage für „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ wartet. Und für Dennis Stock (Robert Pattinson), der es in diesem Zeitraum schafft, den Sprung vom Auftragsfotografen zum Künstler zu machen.

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Stock ahnt, dass Dean Starpotenzial hat …

Der Fotograf und der Schauspieler teilen sich in „Life“ die Bühne, sagt Regisseur Anton Corbijn („Control“, „A Most Wanted Man“, „The American“). Die beiden jungen Männer im Amerika der 50er-Jahre eint, dass sie mit persönlichen Dilemmas zu hadern haben. Stock ringt mit den Konformitätserwartungen der Gesellschaft, er hat früh geheiratet, die Ehe ist jedoch gescheitert, er versagt als Vater. Er will Karriere als Künstler machen, muss sich aber mit Auftragsarbeiten auf Hollywood-Partys und den klassischen Roter-Teppich-Fotografien begnügen. Dean hat kein Problem damit, Konventionen abzulehnen. Er lebt im Moment, will seine Unabhängigkeit bewahren – was in der Publicity-Maschinerie, die sein Agent und sein Studio gerade anlaufen lassen, nicht einfach ist.

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… und porträtiert Dean im Alltag …

Romanschriftsteller, Lyriker und Drehbuchautor Luke Davies hatte sich auf James Dean gestürzt, weil er einen Künstler im Mittelpunkt seines neuen Films sehen wollte. „Ich nahm mir jedes kleine bisschen Information über James Dean vor, das ich in die Finger bekommen konnte. Am Ende hatte ich einen unglaublich breiten Überblick über sein kurzes Leben.“ Dabei tauchten immer wieder die Fotos von Dennis Stock auf: James Dean im Regen mit hochgeschlagenem Mantelkragen am Times Square. James Dean im Rauch seiner Zigarette. James Dean auf der Farm seiner Verwandtschaft in Indiana. Letztere entstanden auf der Fotoreise in Deans Vergangenheit, die Dean und Stock im Februar 1955 gemeinsam unternahmen. Sie erschienen zwei Tage vor der Filmpremiere von „Jenseits von Eden“ im „Life Magazine“ und begründeten Stocks Karriere.

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… in der Kneipe …

Um die Geschichte über die legendäre Fotostrecke und die schwierige Freundschaft, die zwischen den ungleichen Künstlern entsteht, in Bilder zu fassen, wurde der niederländische Anton Corbijn als Regisseur verpflichtet. Corbijn selbst arbeitet seit Jahrzehnten als Fotograf mit Kunstschaffenden zusammen und ist somit prädestiniert für den Job, den er wie immer mit dem Gefühl fürs perfekte Bild umsetzt, auch wenn „Life“ emotional nicht ganz an „Control“ und „A Most Wanted Man“ herankommt.

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… auf der Reise nach Indiana …

Dass Robert Pattinson aus den Schuhen des Vampir-Teenagers herausgewachsen ist, bewies er schon in „The Rover“ und „Maps to the Stars“. In „Life“ überzeugt er als zerrissener, aber gleichzeitig zielstrebiger junger Mann. Dass einer, der selbst als Posterboy in zahlreichen Mädchenzimmern anzutreffen war, nun einen spielt, der die Postermotive schießt (allerdings 60 Jahre früher), ist eine schöne Nettigkeit am Rande.

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… auf einem Highschool-Ball, zu dem Fans sie eingeladen haben …

Von Dane DeHaan wird berichtet, dass er die Rolle des James Dean mindestens fünfmal ablehnte – Dean ist einer seiner Lieblingsschauspieler und er traute sich nicht zu, in diese Rolle zu schlüpfen. Aber die Filmemacher blieben beharrlich. DeHaan nahm ein paar Kilo zu, bekam künstliche Ohrläppchen, wie er im Bonus-Interview leicht amüsiert erzählt (DeHaan hat angewachsene Ohrläppchen, Dean nicht), und eine Perücke, und studierte die Posen und die Sprache ein. Hier ist Platz für den dringenden Rat, den Film im Original zu schauen. Die deutsche Stimme ist zu hoch und fiepsig geraten und hat auch mit James Deans deutscher Synchronisation nichts gemein – er wurde seinerzeit von Dietmar Schönherr gesprochen.

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… und im Haus der Verwandtschaft …

Die Nebenrollen sind hochkarätig besetzt. Ben Kingsley spielt den Studio-Boss Jack Warner als eine Respekt einflößende Mischung aus väterlichem Mentor und keinen Widerspruch duldenden Oligarchen. Joel Edgerton verkörpert den Leiter der Agentur Magnum Photo mit derselben Sensibilität, mit der wohl auch der echte John Morris seine Fotografen angeleitet, unterstützt und gefordert hat.

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… wo sich Dean sichtlich wohlfühlt

In die 50er-Jahre wird man sofort hineingeworfen. Kleidung, Musik, Autos – und immer und überall wird geraucht, selbst am öffentlichen Fernsprecher ist ein kleiner Aschenbecher montiert. Alles, was über James Dean erzählt wird (und was sich überprüfen lässt), stimmt. Wenn man kein ausgemachter Dean-Fan ist, erfährt man einiges, das man vorher nicht wusste. Es gibt auch Aspekte aus Deans Leben, die keinen Platz im Film gefunden haben, zum Beispiel sein Faible für Autorennen. Das verdichtet die Geschichte über die beiden gegensätzlichen Künstler, die voneinander profitieren, privat wie beruflich.

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James Warner ist der Boss …

Zweimal im Film sind die Originalfotos zu sehen. Einmal, als sich Dean die Kontaktabzüge mit einer Lupe anguckt, und dann erneut, als Stock seinem Agenten die fertigen Bilder auf den Schreibtisch legt – mit einem Notizzettel, auf dem „LIFE?“ steht. Das ist hübsch und fügt sich organisch ein.

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… und macht die Ansagen

Ob sich Corbijn allerdings einen Gefallen damit getan hat, die Bilder im Abspann noch einmal groß und unkommentiert zu zeigen, ist fraglich. Spiegel Online übertreibt vielleicht ein bisschen mit der Formulierung „Ganz zum Schluss schießt sich Anton Corbijn in den Fuß“, aber man kommt in der Tat nicht umhin festzustellen: Der echte James Dean sah einfach besser aus.

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Auch Dean gefallen Stocks Aufnahmen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ben Kingsley sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 26. Februar 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 112 Min. (Blu-ray), 108 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Life
D/GB 2015
Regie: Anton Corbijn
Drehbuch: Luke Davies
Besetzung: Robert Pattinson, Dane DeHaan, Joel Edgerton, Alessandra Mastronardi, Ben Kingsley, Peter Lucas
Zusatzmaterial: Interview mit Cast & Crew, B-Roll, Hörfilmfassung, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Anja Rohde

Fotos, Packshot & Trailer: © 2015 Square One Entertainment / Universum Film

 

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