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1917 – Im Westen was Neues

1917

Kinostart: 16. Januar 2020

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Die beiden Golden Globes für den besten Film in der Drama-Kategorie und Sam Mendes als Regisseur sind schon Hausnummern. Am 9. Februar kann „1917“ bei der Oscarverleihung mit satten zehn Nominierungen noch einen drauflegen und am Ende sogar Quentin Tarantino in die Suppe spucken: Der Gute hat zwar bereits zwei Academy Awards zu Hause, jedoch lediglich für die Drehbücher von „Pulp Fiction“ und „Django Unchained“. Das ist zwar aller Ehren wert, aber Tarantino schielt natürlich auf die Oscars für die beste Regie und den besten Film, hat „Once Upon a Time in Hollywood“ doch immerhin den Golden Globe als bester Film in der Kategorie Musical/Komödie abgeräumt. Ein heißes Rennen deutet sich also an. Und wer weiß, ob nicht noch einer der anderen Filme und Regisseure zum lachenden Dritten wird? Mendes hat den Regie-Oscar immerhin schon 2000 für „American Beauty“ erhalten, der ihm zuvor auch seinen ersten Golden Globe beschert hatte.

General Erinmore hat ein Himmelfahrtskommando zu vergeben

Bei dem Erster-Weltkriegs-Drama „1917“ handelt es sich um einen sogenannten One-Take-Movie, also einen Film, der den Eindruck erweckt, in einem Take ohne Schnitte gedreht worden zu sein. Dabei bedient sich Kameramann Roger Deakins bisweilen eines Tricks, den auch Alfred Hitchcocks Kameraleute 1948 für „Cocktail für eine Leiche“ („Rope“) angewandt hatten: eine kurze stockdunkle Einstellung. Bei Hitchcock war es beispielsweise der Rücken eines Mannes im dunklen Anzug, auf den die Kamera zielte, um aufzuzoomen, bis der gesamte Bildschirm dunkel war. Dann ein unsichtbarer Schnitt, die Kamera zoomt ab und die Handlung setzt sich fort. In „1917“ hat diese Funktion beispielsweise ein lichtloser Bunkerraum in einer der Schützengraben-Anlagen, den die Protagonisten durchschreiten. Zuständig für den Schnitt war übrigens Christopher Nolans Stamm-Cutter Lee Smith, 2018 für Nolans „Dunkirk“ mit dem Oscar für den Schnitt prämiert. Für „1917“ ist er allerdings nicht nominiert worden – vielleicht waren es der Academy einfach zu wenige Schnitte, um Smiths Arbeit als preiswürdig zu erachten.

Zweiter Oscar für Kameramann Roger Deakins?

So oder so sehe ich „1917“ als Oscar-Favoriten in der Kategorie Kamera. Inklusive „1917“ hat Roger Deakins es auf satte 15 Oscar-Nominierungen gebracht, beginnend 1995 für „Die Verurteilten“ („The Shawshank Redemption“). Doch der Stamm-Kameramann der Coen-Brüder erhielt den Academy Award erst 2018 für seine Arbeit an „Blade Runner 2049“. Nun winkt der zweite Oscar, und verdient wäre er allemal. Wenn die Kamera den beiden Lance Corporals Blake (Dean-Charles Chapman) und Schofield (George MacKay) gleich zu Beginn durch eine mit Soldaten gefüllte Schützengraben-Anlage folgt, mal hinter den beiden herschwebt, sie dann überholt und von vorn zeigt, während hinter ihnen die Soldatenmassen zu sehen sind, durch die der Kameramann eben noch hindurchgeschritten sein muss, ahnt man, welcher logistische Aufwand und welches Auge für die richtige Einstellung dahinterstecken.

Der deutsche Rückzug – ein Hinterhalt

Deakins’ Kamera hat meist die beiden Protagonisten Blake und Schofield im Fokus, die im Frühjahr 1917 an der Westfront im umkämpften Nordfrankreich zu einer lebensgefährlichen Mission abkommandiert werden: Deutsche Truppen haben sich zur sogenannten Siegfriedstellung (Hindenburg Line) zurückgezogen. In Erwartung eines leichten Siegs bereitet sich ein britisches Regiment auf die Erstürmung dieser Linie vor, doch alliierte Aufklärer haben herausgefunden, dass die Deutschen die feindliche Attacke mit ihrem Rückzug provozieren wollen und bis an die Zähne bewaffnet nur darauf warten. Dem britischen Regiment droht eine vernichtende Niederlage, der Angriff muss abgeblasen werden. Doch weil die Kommunikationskanäle unterbrochen sind, müssen Kuriere die Nachricht zu Fuß überbringen – und da kommen Blake und Schofield ins Spiel. Die Zeit drängt, sie brechen umgehend auf. Ein Fußmarsch durch Tod und Verwüstung erwartet das Duo.

Also ziehen Blake (l.) und Schofield los

Zu Beginn ganz ohne kriegerische Handlungen und Gefechte auskommend, gelingt Sam Mendes schon mit den ersten Schritten der beiden Soldaten aus dem Schützengraben hinein ins Niemandsland zwischen den britischen und deutschen Linien eine heftige Antikriegsbotschaft. Blake und Schofield robben sich durch den Schlamm, versuchen Krater zur Deckung zu nutzen, in denen tote Soldaten in den Pfützen vor sich hin verwesen. Zur Orientierung ihres Wegs hat man sie auf einen Leichnam hingewiesen, der sich im Draht verfangen hat und an dem sie sich vorbeizwängen müssen. Das sind intensive Bilder, die die ganze Sinnlosigkeit des Krieges offenbaren.

Tod im Schützengraben

Verweise auf die Grabenkämpfe des Ersten Weltkriegs eignen sich ohnehin vorzüglich für Antikriegsappelle, waren sie doch geprägt von unter ungeheuren Opfern erzielten Raumgewinnen, die für den Ausgang des Krieges völlig bedeutungslos gerieten. Beim nächsten Gegenangriff musste man sich oft wieder zurückziehen. Nicht umsonst zählt Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ zu den großen Antikriegsromanen, Lewis Milestones 1930er-Verfilmung zu den besten Antikriegsfilmen überhaupt, und auch Delbert Manns fürs Fernsehen gedrehte zweite Adaption hat Format. Als großer Antikriegsfilm mit dem Sujet des Grabenkriegs im Ersten Weltkrieg sei auch die deutsche Produktion „Westfront 1918 – Vier von der Infanterie“ (1930) von Georg Wilhelm Pabst genannt, und Stanley Kubricks „Wege zum Ruhm“ von 1957 gehört ebenfalls in diese Aufzählung.

Durch verlassene Stellungen der Deutschen

Wird „1917“ dereinst in einem Antikriegs-Atemzug mit diesen Werken genannt werden? Die Zeit wird es zeigen, ich halte es jedenfalls für möglich, da Sam Mendes die Sinnlosigkeit des Kriegsgetümmels und die Narben, die es bei den Menschen und in den Landschaften hinterlässt, vortrefflich visualisiert. Die Set- und Produktionsdesigner haben ganze Arbeit geleistet, ob in den Schützengräben, dem zerbombten Schlachtfeld oder einer in Stücke geschossenenen Ortschaft, die es zu durchqueren gilt – ein rabenschwarzer Trip, der die Eingeweide zusammenziehen lässt. Nicht umsonst fällt die bisherige Rezeption durch Filmkritik und Publikum gleichermaßen hervorragend aus, und dem schließe ich mich vorbehaltlos an.

Kann Captain Smith helfen?

Regisseur Sam Mendes und seine Ko-Drehbuchautorin Krysty Wilson-Cairns ließen sich von ihrem jeweiligen Großvater zu „1917“ inspirieren, wie beide im Interview bekundeten. Mendes’ Großvater zog 1916 mit 17 Jahren in den Krieg und kämpfte bis zum Ende, der von Wilson-Cairns weckte bei seiner Enkelin das Interesse an historischen Ereignissen. Mendes begründete seine Entscheidung, einen One-Shot-Movie zu drehen, damit, dass das Publikum zu Beginn ohne jegliche Exposition auf die beiden Protagonisten treffe und sie somit nicht wirklich kennenlerne. Die One-Shot-Technik erlaube es den Zuschauern, mit den beiden zu leben und jeden ihrer Atemzüge mit ihnen zu atmen, die Uhr herunterticken zu sehen. Bei der Bewertung als One-Shot-Movie kann hintangestellt bleiben, dass „1917“ keineswegs in Echtzeit spielt, wie es genau genommen sein sollte. Dann würde die Handlung zwei Stunden dauern – so lang ist der Film. Die Mission der beiden Protagonisten beginnt allerdings bei Tageslicht und dauert über die Nacht hinaus bis zum nächsten Tag. Da wollen wir mal nicht so sein. Wie die im Film nicht zu sehenden Stunden überbrückt werden, will ich nicht ausführen, man könnte es als Spoiler sehen. Es handelt sich somit nicht um einen „echten“ One-Shot-Film wie beispielsweise den deutschen Thriller „Victoria“ (2015), der tatsächlich in einem einzigen Take gedreht wurde, das ändert aber nichts an der Brillanz der technischen Umsetzung. Kameramann Roger Deakins wollte im Interview nicht verraten, wie viele Schnitte genau in „1917“ enthalten sind.

Minirollen für arrivierte Stars

Wenn Sam Mendes ruft, begnügen sich auch namhafte Akteure mit Minirollen: So sehen wir Oscar-Preisträger Colin Firth („The King’s Speech – Die Rede des Königs“) zu Beginn als General Erinmore, der die beiden Lance Corporals auf das Himmelfahrtskommando schickt. Mark Strong („Kingsman – The Secret Service“) ist als Captain Smith zu sehen, der den Weg der beiden Kuriere kreuzt. Benedict Cumberbatch („Doctor Strange“) schließlich tritt als Colonel MacKenzie in Erscheinung, dem die beiden Lance Corporals die Botschaft überbringen sollen, die ihn von der Attacke abhält.

Ein zerschossener Ort ist zu durchqueren

Zuletzt hatte 2010 ein Kriegsfilm die Oscars als bester Film und für die beste Regie abgeräumt: „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ von Kathryn Bigelow. Auch das nach einer längeren Pause – 1999 war Steven Spielberg als bester Regisseur für „Der Soldat James Ryan“ prämiert worden (als bester Film wurde in jenem Jahr „Shakespeare in Love“ geehrt). Es wäre also gar nicht mal inflationär, würden die Academy Awards für den besten Film und die beste Regie 2020 an „1917“ gehen. Verdient wäre das auf jeden Fall, aber das mag auch für die Mitbewerber gelten. Um der Chronistenpflicht Genüge zu tun, seien hier alle zehn Nominierungen genannt: Sam Mendes’ Werk hat Aussichten auf die Oscars als bester Film, für die beste Regie und die Kamera, dazu fürs beste Originaldrehbuch, Make-up/Hairstyling, Produktionsdesign, für die beste Musik, die besten visuellen Effekte, die Tonmischung und den Tonschnitt. Unabhängig davon, wie viele es am 9. Februar werden, hat sich „1917“ einen Status als großes Kriegsdrama und womöglich gar Antikriegsfilm redlich erarbeitet. Meisterhaft!

Immer wieder Leichen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Benedict Cumberbatch, Colin Firth und Mark Strong haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Wird die Botschaft Colonel MacKenzie rechtzeitig erreichen?

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: 1917
GB/USA 2019
Regie: Sam Mendes
Drehbuch: Sam Mendes, Krysty Wilson-Cairns
Besetzung: George MacKay, Dean-Charles Chapman, Mark Strong, Andrew Scott, Richard Madden, Claire Duburcq, Colin Firth, Benedict Cumberbatch
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Universal Pictures and Storyteller Distribution Co., LLC. All rights reserved.

 

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Doctor Strange – Marvels LSD-Trip

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Doctor Strange

Kinostart: 27. Oktober 2016

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Während das Filmuniversum des Comic-Giganten Marvel durch die Serien auf Netflix im Fernsehen einen durchaus realistischen Anstrich bekommt, setzen die Kinofilme im Gegensatz dazu weiter auf überbordenden Bombast. Nun kommt mit „Doctor Strange“ auch noch eine magische Komponente in das eigentlich schon sehr volle Filmkonglomerat.

Ohne Hände kein Chirurg

Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist ein erfolgreicher Chirurg, dem aber nach einem schlimmen Schicksalsschlag seine Arroganz teuer zu stehen kommt: Ein Unfall zerstört die Nerven in seinen Händen, kein Arzt kann oder will ihm helfen. Auch das Verhältnis zu seiner Kollegin Christine Palmer (Rachel McAdams) geht in die Brüche. Doch Stephen hört von der Wunderheilung eines Querschnittsgelähmten – und trifft bei seiner Suche nach einer Erklärung auf die „Uralte“ (Tilda Swinton, im Original: „The Ancient One“). Diese erklärt Stephen, dass es etliche Universen gibt und man aus diesen Energie abzapfen kann, um in unserer Realität Magie zu bewirken. Das fasziniert den Doktor so sehr, dass er bei der Uralten und ihrem Assistenten Mordo (Chiwetel Ejiofor) in Lehre geht. Bald schon wird Stephen seine neuen Fähigkeiten dringend brauchen, denn der finstere Kaecilius (Mads Mikkelsen) hat es darauf abgesehen, die Realitäten zu zerstören.

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Stephen Strange fällt nach seinem Unfall in ein Loch

Die Zaubertricks, die man bereits im Trailer gesehen hat und ein wenig an Christopher Nolans „Inception“ erinnern, sind tatsächlich nur die Spitze des Eisberges. Wenn die Uralte Stephen Strange die Weiten des Multiversums zeigt, kommt man sich vor wie auf einem exzessiven Drogentrip. Wilde Formen und Farben prasseln auf den Zuschauer ein, visuell ist „Dr. Strange“ wohl der bisher beeindruckendste Film des Marvel Cinematic Universe.

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Die Uralte unterrichtet den Arzt

Das ist dann leider auch schon der prägendste Charakterzug des Films. Gerade die Geschichte wirft immer wieder Fragen auf. So weiß man zum Beispiel nicht, wie viel Zeit über die Dauer der Handlung vergeht, was zu einem merkwürdig losgelösten Gefühl führt. Das wird dadurch verstärkt, dass penibel darauf geachtet wurde, den Film eigenständig zu halten. Zwar werden kleine Details wie der Unfall von War Machine in „Civil War” erwähnt, die Verzahnung im großen Marvel-Universum beschränkt sich jedoch auf ein Minimum.

Humor als Problem

Auch erweist sich eine Sache als Problem, die Marvel bisher dem Konkurrenten DC voraus hatte – der Humor. „Dr. Strange“ ist an sich ein ziemlich ernster Film, dazu passt auch die Inszenierungsweise von Horror-Spezialist Scott Derrickson („Erlöse uns von dem Bösen“, „Sinister“). Dadurch wirken allerdings viele der Witze enorm deplatziert. Natürlich gibt es den einen oder anderen guten Gag, doch das wirkt im Gesamtkontext des Films falsch. Auch kann Derrickson seine Stärken nie ganz ausspielen. Außer am atmosphärischen Anfang, bei dem der Marvel-typisch blasse Bösewicht Kaecilius einen Bibliothekar köpft, und den Spezialeffekten hat der Film kein Alleinstellungsmerkmal, welches ihn visuell von den anderen Superhelden-Produktionen abhebt.

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Mordo überwacht die Lehrlinge

Und dann gibt es noch eine Sache, die sich durch den kompletten Film zieht: Die Macher erklären sämtliche Dinge mehrfach. Gerade in der Szene, in der Stephen das Auge von Agamotto und dessen zeitmanipulierenden Fähigkeiten entdeckt, wird dies dem Zuschauer so lange gezeigt, bis auch der letzte geistige Tiefflieger im Kinosaal verstanden hat, wie das Artefakt funktioniert. Auch die wiederholten Einstellungen, in denen die Hände von Doctor Strage gezeigt werden, wirken spätestens nach dem vierten Mal einfach gekünstelt und unnötig.

Spielfreudig: Tilda Swinton und Benedict Cumberbatch

Zum Glück gibt es einen spielfreudigen Cast, zumindest bei den beiden Hauptakteuren. Benedict Cumberbatch hat sichtlich Spaß an dem magischen Brimborium und verleiht seiner Figur vor allem am Ende eine beeindruckende Tiefe. Auch Tilda Swinton spielt ihre Uralte nicht als weise Lehrmeisterin, sondern gibt der Figur einen spitzbübischen Charme. Der Rest der Figuren wirkt leider noch ein wenig unterentwickelt, gerade Rachel McAdams („Spotlight“) hat als Love Interest nicht viel mehr zu tun als präsent zu sein.

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Christine hilft Stephen – selbst wenn der in merkwürdigen Klamotten ankommt

Das Ganze ist natürlich das bekannte Meckern auf hohem Niveau – „Dr. Strange“ ist bei weitem kein schlechter Film. Dennoch passen nach der tollen letzten Einführung eines neuen Helden in „Ant-Man“ zu viele Zahnräder nicht ineinander, sodass ein sehr unrunder Film entsteht. Allerdings wird in einer der obligatorischen Abspannszenen bereits darauf hingewiesen, dass Dr. Strange in einem der nächsten Marvel-Abenteuer mitmischen wird – und diese Kooperation könnte enorm unterhaltsam werden …

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Kaecilius und seine finstere Gang

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tilda Swinton sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Scott Adkins, Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Chris Hemsworth und/oder Mads Mikkelsen in der Rubrik Schauspieler.

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So sieht ein wahrer Zauberer aus

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Doctor Strange
USA 2016
Regie: Scott Derickson
Drehbuch: Jon Spaihts, Scott Derickson, C. Robert Cargill, nach der Comic-Figur von Steve Ditko
Besetzung: Benedict Cumberbatch, Rachel McAdams, Tilda Swinton, Mads Mikkelsen, Chiwetel Ejiofor, Scott Adkins, Benedict Wong, Benjamin Bratt, Chris Hemsworth
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Marvel. All Rights Reserved.

 
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Verfasst von - 2016/10/24 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Black Mass – Pakt mit dem Teufel

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Black Mass

Kinostart: 15. Oktober 2015

Gastrezension von Andreas Eckenfels

Gangsterdrama // Als James „Whitey“ Bulger am 22. Juni 2011 in einem Parkhaus in Santa Monica, Kalifornien, vom FBI geschnappt wurde, stand der 81-Jährige bereits zwölf Jahre auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher der Welt. Zwei Millionen US-Dollar Belohnung waren für Hinweise auf seine Ergreifung ausgelobt worden. Nur ein Bösewicht stand vor ihm auf der Liste: Osama bin Laden.

Jimmy „Whitey“ Bulger (r.) geht einen Deal mit FBI-Agent John Connolly ein

Wie der irischstämmige Whitey Bulger sein Verbrecher-Syndikat Anfang der 70er-Jahre in Boston aufbauen konnte, erzählten zwei Journalisten des Boston Globes, Dick Lehr und Gerard O’Neill, in ihrem Bestseller „Black Mass: Der verhängnisvolle Pakt zwischen dem FBI und Whitey Bulger, einem der gefährlichsten Gangster der Welt“. Diese fast unglaubliche Geschichte verfilmte nun „Crazy Heart“-Regisseur Scott Cooper mit Johnny Depp in der Hauptrolle.

Das FBI macht den Weg frei

Whitey Bulger (Johnny Depp) verdankte im Grunde dem FBI seinen Aufstieg zu einem der berüchtigsten Verbrecher. Der FBI-Agent John Connolly (Joel Edgerton), der Bulger schon seit Kindheitstagen kannte, verpflichtete ihn als Informanten. Mit Bulgers Hilfe wollte er die Mafia in Boston aus dem Verkehr ziehen – was ihm auch gelang. Gleichzeitig war dadurch aber auch der Weg für die kriminellen Energien von Whitey Bulger frei. Das FBI erledigte sozusagen seine Arbeit.

Mit Freundin Lindsey bekommt Whitey einen Sohn

Ohne nennenswerte Konkurrenz katapultierte sich der skrupellose Gangster mit Drogenhandel, Morden und Geldwäsche an die Spitze der Bostoner Unterwelt. Connolly nahm ihn zudem jahrelang in Schutz und bewahrte ihn vor möglichen Verurteilungen. Auch Whiteys Brud Bruder Billy er Billy (Benedict Cumberbatch) schlug eine erfolgreiche, aber komplett andere Karriere als Whitey ein: Er wurde zum Senator von Massachusetts gewählt.

Comeback für Johnny Depp

Nach seinen Rollen in „Blow“ und „Public Enemies“ verkörpert Johnny Depp bereits zum dritten Mal einen realen Verbrecher. Mit blonden, zurückgegelten Haaren, Geheimratsecken, glasigen Augen und einer ordentlichen Wampe ist der gefallene Superstar kaum wiederzuerkennen. Natürlich liebt Johnny Depp schon immer die Verkleidung, doch im Gegensatz zu seinen letzten Flops „Lone Ranger“, „Transcendence“, „Tusk“ und „Mortedecai“ schaltet er bei seiner Performance mal nicht den Autopilot ein, er neigt auch nicht zur spielerischen Übertreibung, die nach einiger Zeit nur noch nervt.

Whiteys Bruder Billy wird zum Senator gewählt

Als eiskalter Gangster, der sich auch nicht davor scheut, die Hände schmutzig zu machen, versprüht er gerade durch seine Zurückhaltung eine diabolische Präsenz, bei der es auch den Zuschauer ab und an fröstelt. In einem Interview sagte Depp zuletzt, es sei seine beste Rolle bisher. Wahrscheinlich war es lediglich PR-Gefasel – aber es ist auf jeden Fall seine beste Darbietung in den vergangenen Jahren, mit der Depp ein gelungenes Comeback zu seiner alten Form gelingt.

Whitey hasst Verräter

Doch während auch Joel Edgerton eine ordentliche Leistung abliefert, bleibt „Black Mass“ doch über weite Strecken belanglos. Zwar wurde an Originalschauplätzen in Boston gedreht, dennoch erwacht die Szenerie nur selten zum Leben. Regisseur Cooper inszeniert spannungsarm, trist und ohne Rafinesse. Die Episoden ähneln einander: Eine Drogenübergabe hier, ein wenig Geplänkel im FBI-Gebäude, ein Geldtausch da – zwischendrin greift Whitey oder einer seiner Handlanger zur Waffe und ein Verräter wird umgelegt. Denn, das begreift man schnell: Whitey hasst nichts mehr als Verräter.

Dummerweise werden diese meist von namhaften Schauspielern verkörpert: Peter Sarsgard oder Juno Temple etwa. Deswegen spielen sie auch nur kurzzeitig mit. Doch anders ergeht es auch nicht Dakota Johnson, Kevin Bacon und Benedict Cumberbatch. Ihre Figuren sind gerade eingeführt, dann sind sie schon wieder verschwunden. Nicht viel anders ergeht es dem Zuschauer nach Filmende: Gerade „Black Mass“ gesehen, schon wieder vergessen.

Whitey ist sich nicht zu schade, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Benedict Cumberbatch und/oder Johnny Depp sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 122 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Black Mass
USA 2015
Regie: Scott Cooper
Drehbuch: Mark Mallouk, Jez Butterworth basierend auf dem Buch von Dick Lehr und Gerard O‘Neill
Besetzung: Johnny Depp, Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch, Dakota Johnson, Kevin Bacon, Jesse Plemons, Peter Sarsgard, Rory Cochran, Juno Temple
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Warner Bros. Ent.

 
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Verfasst von - 2015/10/15 in Film, Kino, Rezensionen

 

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