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The Revenant – Der Rückkehrer: Der mit dem Bären tanzt

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The Revenant

Kinostart: 6. Januar 2016

Von Andreas Eckenfels

Abenteuer // Wird Leonardo DiCaprio im sechsten Anlauf endlich zum Oscargewinner? Verdient hätte der stets jugendhaft aussehende Hollywood-Star den Goldbuben schon vor Jahren. Doch mit der Hauptrolle in „The Revenant – Der Rückkehrer“ kann Leo es endlich schaffen. Für den beinharten Überlebenskampf, den er als legendärer US-Trapper Hugh Glass durchleiden muss, aß der bekennende Vegetarier nicht nur die rohe Leber eines Bisons. Der Weg, den er beschreiten muss, ist noch wesentlich beschwerlicher als sein berühmter, drogengeschwängerter Gang von seinem Sportwagen in sein Haus in Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“.

Die Nerven liegen blank

Enorme Anstrengungen musste auch die komplette Produktion durchmachen. Neun Monate dauerte der Mammutdreh von „Birdman“-Regisseur Alejandro González Iñárritu. Die eiskalten Temperaturen in der kanadischen Wildnis zehrten an den Kräften der Filmcrew. Das Wetter machte den Aufnahmen häufig einen Strich durch die Rechnung. Weil am Ende des Drehs überraschend, da völlig untypisch für die Jahreszeit, der Schnee in Kanadas Bergen bereits geschmolzen war, wurde das Finale stattdessen in Argentinien gedreht.

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Hugh Glass ist ein erfahrener Trapper

Die steigenden Kosten brachten nicht nur Produzent Jim Skotchdopole auf die Palme, auch Crewmitglieder verließen aus Protest über die Arbeitsbedingungen das Set. Iñárritu bestand zudem darauf, den Film in chronologischer Reihenfolge und nur mit natürlichem Licht zu drehen. Was alles zusätzliches Geld, Zeit und vor allem viele Nerven verschlang.

Mann gegen Grizzly

Doch die Strapazen haben sich mehr als gelohnt: Iñárritu ist mit der wahren Geschichte von Hugh Glass, der Mitte der 1820er-Jahre die Truppe von Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) auf der Jagd nach Tierfellen durch die kanadischen Wälder und entlang des Missouri River führt, ein ungeschliffenes, wildes und packendes Survival-Drama gelungen. Ein Grizzly kommt dem erfahrenen Scout in die Quere. Seine Flinte kann Glass nicht mehr rechtzeitig zücken.

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John Fitzgerald fällt eine folgenschwere Entscheidung

Der Kampf mit dem Bären ist unglaublich hart und authentisch inszeniert. Erinnerungen an die rohen Hundekämpfe aus Iñárritus brillantem Erstling „Amores Perros“ werden wach. Brüllen, Kratzen, Beißen – alles muss Glass über sich ergehen lassen, während das Tier mit seinem vollem Körpergewicht auf ihm herumtrampelt. Und ehe es sich Glass versieht, liegt er halb zerfetzt und mit gebrochenen Knochen am Boden. Doch wie durch ein Wunder hat er den Bären erlegt.

Totgeglaubt

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Im Bärenfell kämpft sich Glass zurück in die Zivilisation

Henry beschließt, den halbtoten Glass mit dessen halbindianischem Sohn Hawk (Forrest Goodluck), sowie dem kaltblütigen John Fitzgerald (Tom Hardy) und dem jungen Jim Bridger (Will Poulter) zurückzulassen. Doch die Wildnis und die Kälte machen ihnen zu schaffen. Zudem ist bei Glass‘ Zustand keine Besserung in Sicht und Indianer sind ihnen auf den Fersen. Schließlich eskaliert die Situation: Fitzgerald bringt Hawk um und überzeugt Bridger, ohne den dahinsichenden Glass abzuhauen. Doch Glass überlebt …

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Erinnerungen an bessere Zeiten

So wechselt „The Revenant“ vom Western zum Rachedrama. Es entspinnt sich ein knallhartes Epos über Naturgewalt, Habgier und Willenskraft, in dem auch immer wieder esoterische Elemente eingestreut sind. Die Bilder von Iñárritus Lieblingskameramann Emmanuel Lubezki – Oscar-gekrönt für „Gravity“ und „Birdman“ – tun ihr Übriges dazu, um für zweieinhalb Stunden in dieser rauen, eiskalten und brutalen Welt zu versinken.

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3.000 Meilen durch die eisige Wildnis – dann Rache!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Leonardo DiCaprio und/oder Tom Hardy sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 151 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The Revenant
USA 2015
Regie: Alejandro González Iñárritu
Drehbuch: Alejandro González Iñárritu, Mark L. Smith nach dem Roman „Der Totgeglaubte: Eine wahre Geschichte“ von Michael Punke
Besetzung: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Lukas Haas, Paul Anderson, Kristoffer Juan
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Twentieth Century Fox

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Der Oscar – Aufzucht und Pflege

So lief die lange Nacht der Academy Awards 2015

Gastbeitrag von Simon Kyprianou

Es ist Februar, im Terminkalender des geneigten Filmfans markiert und angestrichen ist also alljährlich die Oscar-Verleihung – ein erfahrungsgemäß eher durchwachsenes Ereignis in dem selten die wirklich besten Filme des Jahres nominiert sind. Mehrheitlich sind es Filme die einen Hauch von Anspruch vorweisen können, aber bloß nicht zu viel. Unlängst fragte sich ein Kritikerkollege völlig zu Recht, wieso nicht statt der Filme mit der oft dünnen Fassade des Anspruchs gute Blockbuster geehrt werden können.

Freude und Ärger schon bei den Nominierungen

Ein Blick auf die Nominierungen brachte auch wieder einigen Ärger: „American Sniper“ mit vielen Nominierungen, Bennett Millers großartiger „Foxcatcher“ nicht als bester Film nominiert, sondern lediglich für die beste Regie. „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ zeigt großes Desinteresse am Genie eines Mathematikers und schlachtet Stephen Hawkings Leben Gazetten-artig aus, hat selbstredend ebenfalls eine Menge Nominierungen in der Tasche.

Endlos auf dem Roten Teppich

Nach zwei Uhr morgens unserer Zeit begann die Veranstaltung dann endlich, nach schier endlos erscheinenden Stunden der Plaudereien auf dem Roten Teppich (mit den gewohnt grässlichen deutschen Oscar-Moderatoren). Neil Patrick Harris führte durch den Abend. Der Star aus „How I Met Your Mother“ moderierte den Abend recht vergnüglich, inklusive „Birdman“-Auftritt in Unterhose, inklusive der obligatorischen Musical-Einlagen, inklusive der üblichen Gags. Nett und harmlos.

Bildausfall in Deutschland

Die Übertragung begann mit einer fünfminütigen Übertragungs-Störung, der die Nennung des besten Nebendarstellers zum Opfer fiel. Oscars gab’s erfreulicherweise einige für Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“: für das Szenenbild, für Haare und Make-up, für Kostümdesign und für den Soundtrack des großen Alexandre Desplat, der in dieser Kategorie gleich zwei Mal nominiert war (auch für „The Imitation Game“).

Die Trophäe für das beste Drehbuch gewann „Birdman“, die fürs beste adaptierte Drehbuch „The Imitation Game“, dessen Autor Graham Moore eine schöne Rede auf Lager hatte. In letztgenannter Kategorie hätte man Paul Thomas Anderson den Sieg für seine geniale Thomas-Pynchon-Adaption „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ natürlich ebenfalls gegönnt.

Sehr schön: „Ida“ gewinnt den Auslands-Oscar

Bester fremdsprachiger Film wurde nach seinem Siegeszug beim Europäischen Filmpreis erwartungsgemäß „Ida“, mit einer ebenfalls sehr schönen Rede von Pawel Pawlikowski, der seine Redezeit souverän um das Doppelte überzog. Allerdings hätte man ihn nicht ausgerechnet in dem Moment abwürgen dürfen, als er den Oscar seiner verstorbenen Frau widmete. Gewohnt peinlich beim Unterbinden von zu langen Reden, die Organisatoren.

Der Academy Award für die beste Kamera ging an den virtuosen Emmanuel Lubezki für „Birdman“. Lubezki durfte sein Genie schon unter den Regisseuren Alfonso Cuarón und Terrence Malick beweisen. Für seine Kameraarbeit zu Cuaróns Weltraumdrama „Gravity“ hatte er den Oscar bereits im vergangenen Jahr nach Hause getragen.

Grüße nach Moskau

Der Oscar für den besten Schnitt ging an Tom Cross für „Whiplash“. Erfreulich war der Oscar des besten Dokumentarfilms, der an Laura Poitras und „Citizenfour“ ging. Ob sich Edward Snowden in Moskau gefreut hat? Erfreulich ebenfalls der Oscar für die beste Hauptdarstellerin, der verdient an die göttliche Julianne Moore für „Still Alice“ ging. Marion Cotillard hätte man ihn für „Zwei Tage, eine Nacht“ aber ebenfalls gegönnt. Völlig zu Recht hat „Glory“ von John Legend und Common den Oscar für den besten Filmsong gewonnen. Das Stück aus dem Martin-Luther-King-Film „Selma“ wurde in einer wundervoll emotionalen Show dargeboten.

Nebendarsteller souverän ins Ziel

Bei den Nebendarstellern gab’s keine Überraschungen, dort waren die Wettquoten vermutlich auch am niedrigsten: Die Oscars erhielten J. K. Simmons für seine Darstellung des besessenen Musiklehrers in „Whiplash“ und Patricia Arquette für ihre Rolle der Mutter in „Boyhood“. Beim Wettstreit um den besten Hauptdarsteller waren große Schauspieler nominiert: Michael Keaton, Steve Carell – Schauspieler die den Oscar wirklich verdient hätten. Gewonnen hat Eddie Redmayne mit einer guten, aber unbedeutenden Leistung in einem unbedeutenden Film: dem Stephen-Hawking-Biopic „Die Entdeckung der Unendichkeit“. Auch das keine Überraschung, hatte Redmayne doch zuvor schon Golden Globe, BAFTA und Screen Actors Guild Award abgeräumt – ein hundertprozentiger Dreifaltigkeits-Indikator für den Oscar (Dank für die Erkenntnis an Arthur von Filmfutter).

„Birdman“ ist der Sieger

Der beste Film und der beste Regisseur wurden in den frühen deutschen Morgenstunden gekürt, beide Oscars gingen erwartbar an „Birdman“.

Eine lange, Nacht – reich an Werbeunterbrechungen – ohne große Überraschungen also, mit Tiefen und Höhen. Am Ende kann man froh sein, dass „American Sniper“, „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ und „Boyhood“ vergleichsweise leer ausgegangen sind. Man trauert mit Steve Carell, Michael Keaton und Bennett Miller. Man freut sich mit Laura Poitras, Julianne Moore und Pawel Pawlikowski.

Traurig war auch der Animationsfilm-Oscar. Das große Meisterwerk „Die Legende der Prinzessin Kaguya“, dieses warmherzige Meisterstück, wurde übergangen zugunste von „Baymax – Riesiges Robowabohu“.

Die komplette Siegerliste gibt es hier.

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

 
5 Kommentare

Verfasst von - 2015/02/23 in Kino, Veranstaltungen

 

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