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Horror für Halloween (XXX) / David Cronenberg (VIII): Shivers – Parasiten-Mörder: Die Sexbestien im Hochhaus

Shivers

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Ein älterer Mann jagt in einem Appartement einer jungen Frau in Schuluniform hinterher. Sie wehrt sich, aber schließlich gelingt es ihm, sie zu erwürgen. Er legt ihren Oberkörper frei, zieht sie aus, dann auch sich. Mit einem fachmännischen Schnitt legt der Mann die Bauchhöhle der Toten frei. Er gießt Säure in die Wunde, dann schneidet er sich selbst die Kehle durch.

Parallel erfahren wir mehr über den hochmodernen Hochhauskomplex, in dem sich das beklemmende Geschehen abspielt. Es handelt sich um die Starliner Towers auf Starliner Island, einer bei Montreal gelegenen Insel. Die Appartements sind offenbar heiß begehrt. Der in der kleinen Klinik des Gebäudes tätige Arzt Roger St. Luc (Paul Hampton) entdeckt die beiden Leichname und benachrichtigt die Polizei. Zuvor hatte schon der Nachbar Nicholas Tudor (Allan Kolman) das Appartement betreten, angesichts des grausamen Anblicks aber nur fluchtartig das Weite gesucht.

Parasiten als Organersatz

Beim Mörder handelt es sich um den Wissenschaftler Dr. Hobbes. Dessen Partner Rollo Linsky (Joe Silver) klärt St. Luc darüber auf, dass die beiden daran gearbeitet hatten, einen Parasiten zu züchten, der in der Lage ist, die Funktion eines menschlichen Organs zu übernehmen. Bald darauf entdeckt Linsky, dass Hobbes die Experimente insgeheim etwas modifiziert hat, um einen Parasiten zu entwickeln, der die sexuelle Gier steigert und gleichzeitig das Denken ausschaltet, damit sich die Menschen hemmungslosen Orgien hingeben. Die junge Frau diente ihm dabei als Versuchskaninchen. St. Luc berichtet dem Wissenschaftler, sie habe in den Starliner Towers diverse Affären gehabt …

Sexuelle Triebhaftigkeit

Orgien, Orgien, wir wollen Orgien! Verzeiht mir diese kleine Asterix-Reminiszenz in einer Rezension eines David-Cronenberg-Films, aber sie passt ja. Wobei die Sexbesessenheit der von den Parasiten befallenen Unglückseligen in „Shivers – Parasiten-Mörder“ nicht unbedingt gewollt ist. Mit der übersteigerten Triebhaftigkeit geht auch Aggressivität einher, jedenfalls haben die Befallenen keinerlei Hemmungen, lüstern über bislang nicht infizierte Menschen herzufallen und ihnen dabei auch den Parasiten unterzujubeln.

Wer Cronenbergs Durchbruch-Film von 1975 mit voyeuristischer Erwartung startet, sei gewarnt: Zwar bekommen wir reichlich nackte Haut und sich wälzende Körper zu sehen, die Erotik geht dabei aber eher flöten. Vielmehr haben die Sexbestien mit ihrer Fixierung auf einen Aspekt der Körperlichkeit Ähnlichkeit mit Zombies. Hat George A. Romero je zugegeben, „Shivers“ vor den Dreharbeiten zu „Zombie“ („Dawn of the Dead“, 1978) gesehen zu haben? Die mangelnde Befriedigung des Voyeurs verleiht Cronenbergs Regiearbeit Distanz zu reiner Exploitation.

David Cronenbergs Body Horror

Der Ausdruck Body Horror muss in Texten über viele Arbeiten des kanadischen Filmemachers natürlich fallen, so auch in diesem, dem sei hiermit Genüge getan. Er passt perfekt zu Cronenbergs erstem abendfüllenden Spielfilm, das brauche ich wohl nicht weiter auszuführen. Die Parasiten sind eben sehr körperlich, machen sich unter der Bauchdecke bemerkbar, kommen aus Mündern hervorgekrochen … Da kann sich schon mal ein gewisser Ekel einstellen.

Warnung vor dem Spoiler

In diesem Absatz spoilere ich etwas. Wer „Shivers“ noch nicht geschaut hat, möge spätestens nach dem nächsten Satz direkt zum Folgeabsatz springen. Gedreht wurde auf der Île des Sœurs oder Nuns’ Island im Sankt-Lorenz-Strom bei Montreal, ein dort befindlicher Hotelbau diente als Starliner Towers. Glück für die Menschheit, möchte man meinen, da die Verbreitung der Parasiten so begrenzt bleibt – doch weit gefehlt: Am Ende verlassen die Menschen per Auto das Gebäude, zweifellos, um den Parasiten in die Welt zu tragen, wie auch eine über den Beginn des Abspanns gelegte Radiomeldung andeutet. Von sexueller Raserei ist dabei nichts mehr zu bemerken, fast verwundert es, dass die Menschen überhaupt noch Auto fahren können. Hat Cronenberg in der Hinsicht etwa ein kleines Logikloch übersehen? Vielleicht hat der Parasit aber auch eine Art Schwarmintelligenz entwickelt, die ihm bewusst gemacht hat, auf welche Weise er seine Art am besten erhält – nämlich, indem er die Starliner Towers verlässt und sich in die Welt begibt. Hier meine ich, ein paar Parallelen zu Don Siegels „Die Dämonischen“ („Invasion of the Body Snatchers“, 1956) zu bemerken. Fast hätte ich auf Philip Kaufmans „Die Körperfresser kommen“ („Invasion of the Body Snatchers“, 1978) verwiesen, aber der ist ja drei Jahre nach „Shivers“ entstanden.

Was haben sich die Kanadier damals nur gedacht?

„Shivers“ entstand seinerzeit mit Fördermitteln des kanadischen Staats. Ob die Entscheider wussten, was sie da förderten? Im Booklet des NSM-Mediabooks erfahren wir, dass sich nach dem Kinostart der kanadische Senat mit der Frage beschäftigte, was für Filme man finanziell fördern soll. Nach einem Verriss in einer Zeitschrift wurde Cronenberg angeblich sogar aus seiner Wohnung geworfen, weil er einen so unmoralischen Film gedreht hatte. Vermutlich hatte sein Vermieter (oder seine Vermieterin) „Shivers“ nicht mal gesehen – die heftigsten Reaktionen auf kontroverse Werke kommen ja oft von Menschen, die wissen, wie schlimm ein Film ist, ohne auch nur eine Minute davon geschaut zu haben. Übrigens hatte ich mich bis hierhin erfolglos gefragt, wie ich meinen Leserinnen und Lesern den Parasiten beschreiben soll, glücklicherweise nimmt mir der Booklettext das Problem ab: … wie eine Mischung aus Phallus und Exkrement. Generell ein interessanter Text, den Manfred Riepe fürs Mediabook verfasst hat, aber noch mehr will ich daraus nicht abschreiben.

Featurette von Cronenberg-Kenner Marcus Stiglegger

Im Zusatzmaterial des Mediaboooks gefallen vor allem das Interview mit David Cronenberg sowie das eigens für diese Edition produzierte 23-minütige Featurette „Creative Cancer and the New Flesh“, in welchem sich der Publizist und Kulturwissenschaftler Marcus Stiglegger ausgiebig über David Cronenberg und „Shivers“ auslässt. Das hat er übrigens auch schon in gedruckter Form getan – Stigleggers Standardwerk „David Cronenberg“ ist 2011 bei Bertz & Fischer erschienen. Blu-ray und DVD des Mediabooks enthalten sowohl die ursprüngliche deutsche Synchronisation von 1975, bei der die damals fehlenden Sequenzen nachsynchronisiert worden sind, als auch die neue Synchronisation von 2002. Eine empfehlenswerte Veröffentlichung. Mein Steelbook aus dem englischen Hause Arrow Video möchte ich dennoch nicht missen (siehe Foto ganz oben), auch wenn das Label in der Erstauflage irrtümlich die zensierte R-Rated-Fassung aus den USA auf die Discs gepackt hatte. Die Nachlieferung der ungeschnittenen Fassung lief aber problemlos, nachdem Arrow die Ersatz-Discs produziert hatte.

J. G. Ballard grüßt aus seinem Hochhaus

Das Hochhaus-Setting erinnert an J. G. Ballards im selben Jahr wie Cronenbergs Film veröffentlichten Roman „Hochhaus“ („High-Rise“), in welchem die Bewohnerinnen und Bewohner sich nach und nach der Anarchie hingeben, 2015 vom englischen Regisseur Ben Wheatley („Sightseers – Killers on Tour“) als „High-Rise“ in die Kinos gebracht. Die Exzesse in „Shivers – Parasiten-Mörder“ sind roher, enthemmter, Cronenbergs Regiearbeit wirkt im Vergleich zu „High-Rise“ deutlich räudiger. Als weiterer Vergleich bietet sich der mit Cronenbergs späteren Filmen „Rabid – Der brüllende Tod“ (1977) und „Die Brut“ (1979) an, aber dazu müsste ich beide erst mal wieder sichten. Es gehört nicht viel Fantasie zu der Annahme, dass diese Cronenbergs Können gereift zeigen. „Shivers – Parasiten-Mörder“ ist dennoch unverzichtbar, ein so raues wie brillantes Frühwerk des großen kanadischen Autorenfilmers.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von David Cronenberg sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Barbara Steele unter Schauspielerinnen.

Veröffentlichung: 29. März 2019 als limitiertes 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 6 Covermotive à 555, 2 x 333 und 3 x 222 Exemplare), 25. September 2009 und 14. Oktober 2002 als DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Shivers
Alternativtitel: They Came from Within / It Came from Within
KAN 1975
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Besetzung: Paul Hampton, Joe Silver, Lynn Lowry, Allan Kolman, Susan Petrie, Barbara Steele, Ronald Mlodzik, Barry Baldaro, Camil Ducharme, Hanna Poznanska, Wally Martin, Vlasta Vrana, Silvie Debois
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar von Dr. Gerd Naumann und Dr. Rolf Giesen, Interview mit David Cronenberg, „Creative Cancer and the New Flesh“ (Featurette mit Marcus Stiglegger, 23 Min.), Open-Matte-Fassung (R-Rated, Standard Definition), Super-8-Fassung, Bildergalerie, deutscher Trailer, Vintage Trailer, Originaltrailer, neuer englischer Trailer, 16-seitiges Booklet mit einem Text von Manfred Riepe
Label/Vertrieb Mediabook: NSM Records
Label DVD: splendid film
Vertrieb DVD: splendid film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Packshots: © 2019 NSM Records

 
 

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Horror für Halloween (VIII): Skinless – Body Horror aus dem Keller des Regisseurs

Skinless

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // „The Ballad of Skinless Pete“ – dieser stimmungsvolle Alternativtitel gefällt mir ausgesprochen gut, aber letztlich haben sich die Macher für das kürzere „Skinless“ entschieden. Mir auch recht. Den hautlosen Pete lernen wir – mit vollständigem Hautkostüm – gleich zu Beginn kennen: Der junge Wissenschaftler Dr. Peter Peele (Brandon Salkil) will den Hautkrebs besiegen. Dazu forscht er privat an einem Parasiten, den er aus dem medizinischen Labor gemopst hat – einem gefräßigen Bandwurm, der in Gewässern auf Borneo entdeckt wurde und aus dem er ein heilendes Serum zu gewinnen hofft.

Peter hat Großes vor – Alice ist skeptisch

Unterstützung erhält Peter von seiner Ex-Kommilitonin Dr. Alice Cross (Erin R. Ryan), für die er mehr empfindet als sie für ihn. Doch seine Forschungen drohen ein abruptes Ende zu nehmen, als ihr Finanzier Neil (Dave Parker) den beiden den Geldhahn abdreht. Da ihn selbst ein großes Melanom unter der Schulter plagt, wagt der Wissenschaftler kurzerhand den Selbstversuch. Am nächsten Morgen entdeckt Peter das Undenkbare: Sein Hautkrebs ist verschwunden. Der Krebs ist besiegt, die medizinische Sensation ist geschafft. Aus der Pharma-Werbung kennen wir jedoch alle den guten Rat: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

Der erkrankte Wissenschaftler wagt den Selbstversuch

Was folgt, ist ein Body-Horror-Exzess sondergleichen. Und der muss sich natürlich am Großmeister dieses Sektors messen lassen – David Cronenberg („Die Fliege“). Von wegen, Kommando zurück! Wir müssen einen Undergroundfilm mitnichten an der Genre- oder Subgenre-Referenz messen, sondern erst einmal nur daran, ob er uns gefällt. Und jawohl: „Skinless“ hat mir gefallen.

Heureka! Eine Wunderheilung?

Die Grenzen des Budgets offenbaren sich allein schon darin, dass sich ein Großteil des Films im Keller abspielt. Drehbuchautor und Regisseur Dustin Wayde Mills nutzte einfach seinen eigenen Keller als Drehort, auch die übrigen Szenen entstanden dem Vernehmen nach in seiner Behausung. Da er auch die Make-up-Effekte selbst zusammenbastelte, verwendete Mills die dafür notwendigen Mittel und Utensilien, um den Keller für den Film als Labor herzurichten. Dazu passt, dass der Protagonist Peter Peele seine Forschung privat betreibt und somit sowieso kein professionelles Labor zur Verfügung hat – ein gutes Beispiel, wie man aus der Not eine Tugend macht. Ob sich Mills bei der Namenswahl seines Protagonisten an Spider-Man Peter Parker und der Hautabschälung „Peeling“ orientiert hat?

Blutiges von Hand gemacht

Undergroundfilmer haben selten die Möglichkeit, ausufernd CGI einzusetzen, da ihnen die dafür erforderliche Hard- und Software fehlen. Im Sektor blutiger Horrorfilme ist das aber ohnehin zu begrüßen, da wir somit in den Genuss handgefertigter Make-up-Effekte kommen. Das gilt auch für „Skinless“. Ein paar Einstellungen bringen dem geneigten Fan zünftigen Splatters wirklich Freude. Da ich Zersetzungen menschlicher Körper wie die meisten von uns noch nie in der Realität verfolgt habe, kann ich nicht beurteilen, ob das Gezeigte authentisch wirkt. Es erfüllt jedenfalls seinen Zweck. Wo das mal nicht möglich war, greifen Kamera und Beleuchtung kaschierend ein. Zwar kann der Look von „Skinless“ seine Herkunft aus den Niederungen des Undergrounds nie verleugnen, aber er spielt uns auch nicht mehr vor.

Von wegen

Hauptdarsteller Brandon Salkil hat sich seine laut Internet Movie Database bislang 20 Credits ausschließlich im Low-Budget-Bereich erspielt, vorzugsweise mit einem gewissen Dustin Mills auf dem Regiestuhl. Ein eingespieltes Team also, zumal eine gewisse Sherriah Salkil Mills beim Make-up unterstützte und als „Lead Puppeteer“ ausgewiesen wird. Familiäre und freundschaftliche Bande spielen hier offenbar eine Rolle, daran ist auch gar nichts auszusetzen. Wir folgen dem von Brandon Salkil verkörperten Peter Peele gern in seinen Abgrund. Ein „Mad Scientist“ ist er nicht gerade, nur ein wenig übermütig, und er schwankt zwischen Großspurigkeit und Naivität. Sein persönliches Drama in Form der tödlichen Hautkrebs-Erkrankung kommt etwas zu kurz – dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, erfahren wir eher beiläufig. Diese psychologische Tiefe ist aber vielleicht auch etwas viel verlangt, darum geht es „Skinless“ gar nicht. Glaubwürdig genug ist der Protagonist allemal porträtiert, das gilt ebenfalls für seine Partnerin Dr. Alice Cross. Für Schauspielerinnen und Schauspieler im Laiensegment und etwas darüber ist das Gezeigte völlig im grünen Bereich.

Offenbar ist nun eine Maske erforderlich

Die Story transportiert das, was sie transportieren soll. Wie glaubhaft oder überzogen uns medizinische und wissenschaftliche Details dargeboten werden, entzieht sich sowieso dem Urteilsvermögen von uns Laien. Außerdem hat uns manch großer Hollywood-Blockbuster schon mehr hanebüchenen Unfug präsentiert. Ich bin zwar mit niedrig budgetierten B-Horrorfilmen vertraut, mit dem noch eine Etage tiefer angesiedelten Underground aber bislang nur punktuell in Berührung gekommen. „Skinless“ motiviert mich, ab und zu weitere Schritte in diesem Terrain zu unternehmen. Enthusiastische Selfmade-Filmemacher haben Wohlwollen verdient, erst recht, wenn das Ergebnis so aussieht wie in diesem Fall.

Zweite DVD von Dirt ’n Dust Films

Dirt ’n Dust Films veröffentlicht „Skinless“ hierzulande am 1. November 2018 auf DVD. Es handelt sich um die zweite DVD des jungen fränkischen Underground-/Amateurlabels nach dem in Eigenregie gedrehten und produzierten „Weakness of a Sick Mind“. Mit „After Midnight“ ist bereits der dritte Streich angekündigt – der italienische Anthologie-Film soll noch in diesem Jahr erscheinen. Somit lässt sich konstatieren: Der Underground lebt!

Schmerzhafter Handschlag

Eine deutsche Synchronisation sucht man auf der DVD vergebens. Dafür fehlen einer Unternehmung wie Dirt ’n Dust Films zweifellos die Mittel. Und wenn Labelboss Dominik Pascal Heit in seinem Umfeld ein paar Sprecher aufgetrieben und ein paar Mikrofone angeschmissen hätte, hätte das Ergebnis wohl Schlimmes befürchten lassen. Immer besser, wenn man seine Grenzen kennt. Immerhin hat Dominik seiner Veröffentlichung deutsche und englische Untertitel spendiert. Hier allerdings ist ein Wort der Kritik angebracht – die Untertitel hätten eine gründlichere Korrekturlesung vertragen. Auch das womöglich eine Frage der zur Verfügung stehenden Bordmittel. Dieses kleine Manko, an dem sich ein Großteil der Underground-Kunden vermutlich sowieso nicht stören wird, gleicht das Bonusmaterial der DVD aus: Dustin Mills hat aus seinen Produktionstagebüchern fünf kleine, aber feine Featurettes spendiert, die uns insgesamt eine Dreiviertelstunde lang Details des Entstehungsprozesses von „Skinless“ vermitteln. Auf diese Weise lernen wir den Regisseur besser kennen und erfahren einiges darüber, wie man sich mit wenig Geld, aber vielen Ideen behelfen kann. Prima! Wer Horrorfilme mag und dabei nicht nur auf Hochglanzproduktionen der großen Studios schielt, wird ja vor Billigproduktionen nicht zurückschrecken. Euch sei „Skinless“ bedenkenlos ans Herz gelegt.

Wer braucht schon einen Unterkiefer?

Ein lesenswerter Text zu „Skinless“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Das nimmt kein gutes Ende

Veröffentlichung: 1. November 2018 als DVD, zu bestellen über den Webshop von Dirt ’n Dust Films

Länge: 80 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Skinless
Alternativtitel: The Ballad of Skinless Pete
USA 2013
Regie: Dustin Wayde Mills
Drehbuch: Dustin Wayde Mills, Brandon Salkil
Besetzung: Brandon Salkil, Erin R. Ryan, Allison Egan, Dustin Wayde Mills, Dave Parker
Zusatzmaterial: Trailer, Produktionstagebücher: „Building the Lab“ (8:40), „Colorcorrection and J. J. Abrams“ (11:53), „Fake Blood Recipe“ (6:12), „About Ass and Titties“ (12:29), „Gore Slime Goodness“ (7:01)
Label/Vertrieb: Dirt ’n Dust Films

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Plakat: © 2018 Dirt ’n Dust Films

 
 

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Baskin – Okkulter Body-Horror aus der Türkei

Baskin-Plakat

Baskin

Kinostart: 1. Januar 2016

Von Volker Schönenberger

Horror // Der türkische Regisseur Can Evrenol drehte 2013 seinen achten Kurzfilm „Baskin“. Daraus machte er in den nachfolgenden zwei Jahren seinen ersten abendfüllenden Spielfilm mit dem gleichen Titel. Nach seiner Westpremiere beim Toronto International Film Festival im vergangenen September und kurzer deutscher Festivalauswertung bei den Fantasy Filmfest White Nights Anfang Dezember erhält „Baskin“ nun auch einen regulären Kinostart – im türkischen Original mit deutschen Untertiteln, was zweifellos Zuschauer kosten wird. Das ist bedauerlich – wann bekommt man schon mal einen türkischen Horrorfilm zu sehen? Noch dazu einen derart eigenständigen und fantasievollen. Die türkische Tonspur ist natürlich gewöhnungsbedürftig, unterstreicht aber die Originalität der Bilder und passt daher sehr gut. Sofern eines der wenigen deutschen Kinos, die „Baskin“ zeigen, in eurer Nähe liegt: Lasst euch drauf ein!

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Was erwartet die Polizisten?

Auf ein Erlebnis sehr unangenehmer Art muss sich die Gruppe Polizisten einlassen, die des Nachts in abgelegener Gegend als Verstärkung zu einem einsamen Haus kommandiert wird. Bereits auf dem Weg dorthin kommt ihnen auf dunkler Straße eine sonderbare Kreatur in die Quere, die ihr Fahrzeug vom Weg abkommen lässt. Endlich zu Fuß am Ziel, bemerken die Ordnungshüter das Polizeiauto der Kollegen – es ist leer. Die Männer ahnen nicht, dass sie im Gebäude ein Inferno aus Grauen und Schmerz erwartet. Für die Polizisten tut sich die Hölle auf …

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Jedenfalls nichts Gutes

„Baskin“ beginnt mit einem Prolog, der ein traumatisches Erlebnis des Knaben Arda (Berat Efe Parlar) zeigt. Die Haupthandlung spielt sich vollständig an einem Abend und in der folgenden Nacht ab. Als Erwachsener ist Arda (Gorkem Kasal) Teil der Polizeieinheit, die ins rabenschwarze Herz der Finsternis eindringt. Ein paar Rückblenden geben etwas Aufschluss über Ardas Trauma, aber nicht alle Fragen werden beantwortet. Speziell die letzte, sehr rätselhafte Szene entlässt den Zuschauer verwirrt in die Düsternis. Aber muss jede Frage beantwortet werden? Sicher nicht.

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Im Gegenteil

Einige Referenzen drängen sich auf. Der Verleih capelight pictures nennt Clive Barkers „Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ als ersten Verweis. Das kann man stehen lassen. Dario Argento und John Carpenter sind in der Pressemitteilung ebenfalls genannt. Die beiden Horror-Altmeister mögen Einflüsse sein, kamen mir bei der Sichtung aber in erster Linie beim Soundtrack in den Sinn – und Argento beim Spiel mit Farben. David Cronenberg mit seinen Body-Horror-Inszenierungen ist sicher ein Einfluss. An Blut und Gewalt geizt „Baskin“ nicht, die 18er-Freigabe ist voll und ganz berechtigt, Gorehounds kommen auf ihre Kosten. In ein paar Sequenzen huschte kurz der französische Extremschocker „Martyrs“ von 2008 durch meinen Kopf, auch Rob Zombies okkulter „The Lords of Salem“ (2012) machte eine Aufwartung.

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Ein Hohepriester mit seinen Schäfchen?

Den vielen Referenzen zum Trotz hat Can Evrenol einen originellen Horrorschocker geschaffen, der das Zeug hat, bei Horrorfreunden über einen Geheimtipp hinaus zum Fanliebling zu werden. Für Ende April hat capelight bereits die Heimkinoauswertung in Form eines Mediabooks mit Blu-ray und DVD angekündigt. Wer trotz meiner Empfehlung aufgrund der Originalfassung den Gang ins Kino scheut, muss also nur ein paar Monate warten. Es lohnt sich!

Länge: 97 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Originaltitel: Baskin
TÜR/USA 2015
Regie: Can Evrenol
Drehbuch: Ogulcan Eren Akay, Can Evrenol, Cem Ozuduru, Ercin Sadikoglu
Besetzung: Mehmet Cerrahoglu, Gorkem Kasal, Ergun Kuyucu, Muharrem Bayrak
Verleih: capelight pictures

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

Baskin-Cover-MB

Filmplakat, Fotos & Packshot: © 2015 capelight pictures

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2015/12/30 in Film, Kino, Rezensionen

 

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