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Needful Things – In einer kleinen Stadt: Teuflische Streiche

Needful Things

Von Andreas Eckenfels

Horror // Castle Rock – allein der Name löst bei Horrorfans schon erwartungsvolles Schaudern aus. Benannt nach einem Felsen aus William Goldings Roman „Herr der Fliegen“ ist die im US-Bundesstaat Maine gelegene Kleinstadt neben Ludlow und Derry der wohl bekannteste fiktive Schauplatz der Erzählungen von Stephen King. Neben mehreren Kurzgeschichten und Novellen gelten „Stark – The Dark Half“, „Zeitraffer“ – erschienen unter anderem in der Sammlung „Nachts“ – sowie „Needful Things – In einer kleinen Stadt“ als die Hauptwerke des Castle-Rock-Zyklus. Inzwischen gibt es sogar eine gleichnamige TV-Serie, in der die Figuren des Horrorautors in Castle Rock ein- und ausgehen. Nach zwei produzierten Staffeln hat es den diabolischen Leland Gaunt allerdings bislang nicht erneut in das idyllische Örtchen mit dem Leuchtturm verschlagen.

Nur ein kleiner Gefallen

Needful Things. Sie werden ihren Augen nicht trauen. Eine neue Art von Laden! Mit diesen Worten wirbt Neuankömmling Leland Gaunt (Max von Sydow) in der örtlichen Zeitung für sein Geschäft, das demnächst in Castle Rock eröffnen soll. Was sich hinter diesen Zeilen verbirgt, will nicht nur die schüchterne Nettie (Amanda Plummer) zu gern wissen, die im Diner als Kellnerin arbeitet. Sheriff Alan Pangborn (Ed Harris) hat derweil andere Sorgen: Nervös bereitet er sich darauf vor, Netties Chefin Polly (Bonnie Bedelia) einen Heiratsantrag zu machen.

Leland Gaunt ist in Castle Rock eingetroffen

Teenager Brian (Shane Meier) ist der Erste, der mit dem neuen Laden und seinem Besitzer Bekanntschaft macht. Wie sich herausstellt, kann Leland Gaunt jeden geheimen Wunsch seiner Kunden erfüllen. Meist handelt es sich um Dinge, mit denen nostalgische Erinnerungen verbunden sind. Brian wünscht sich eine äußerst seltene Baseball-Sammlerkarte. Eigentlich nicht zu bekommen und unbezahlbar. Doch Leland Gaunt zaubert sie herbei – und hat es auch gar nicht auf Geld abgesehen: Alles, was er will ist, dass Brian für ihn einen Gefallen erledigt. Der Junge soll jemandem einen klitzekleinen Streich spielen, der auch garantiert niemandem schaden wird.

Mit der Zeit strömen immer mehr Bewohner in den Laden und verfallen in den Bann seines Besitzers. Als der erste Mord geschieht, nimmt Sheriff Pangborn den freundlichen alten Mann genauer unter die Lupe. Doch da ist der teuflische Plan von Leland Gaunt schon längst im Gange.

Neuanfang für Stephen King

Wie Autor Thorsten Hanisch in seinem Text des Mediabooks von Koch Films ausführlicher erzählt, bildete „Needful Things – In einer kleinen Stadt“ für Stephen King zugleich ein Ende und einen Neuanfang innerhalb seines Schaffens: Mit dem 1991 erschienen Roman verabschiedete sich King nicht nur von Castle Rock als Handlungsort, – auch, wenn er in künftigen Werken immer wieder in die Stadt zurückkehren oder Verweise darauf liefern würde, – es war zudem sein erstes Buch, welches King nach einem erfolgreichen Aufenthalt in einer Entzugsklinik schrieb. Statt Drogen und Alkohol waren während der Arbeiten diesmal lediglich Zigaretten als Suchtmittel im Spiel. Laut eigenen Worten wollte King mit „Needful Things – In einer kleinen Stadt“ einen schwarzhumorigen Blick auf die Vereinigten Staaten von Amerika werfen und dabei besonders das von Ex-US-Präsident Ronald Reagan geprägte Ethos „Habgier ist gut. Konsum ist gut“ satirisch beleuchten.

Sheriff Pangborn will seiner Polly einen Antrag machen

Die Drehbuchadaption übernahm W. D. Richter („Big Trouble in Little China“), die Regie wurde Fraser C. Heston übertragen. Der Sohn des legendären Hollywood-Veteranen Charlton Heston („Erdbeben“) bekam es in seinem Kinodebüt gleich mit einer anderen Schauspiellegende zu tun: Max von Sydow („Der Exorzist“), der am 8. März 2020 im Alter von 90 Jahren starb.

Der Teufel in Menschengestalt

Schau mal: Da steht Moses, der Jesus Christus erklärt, wie er den Teufel zu spielen hat! Dieser Satz soll ein nicht näher benanntes Crewmitglied angeblich während der Dreharbeiten zu „Needful Things – In einer kleinen Stadt“ geäußert haben. Im Bibelepos „Die zehn Gebote“ (1956) wurde Fraser C. Heston als Findelkind Moses vor die Kamera gesetzt. Max von Sydow wiederum übernahm in „Die größte Geschichte aller Zeiten“ (1965) die Christus-Figur – und nun spielte er unter Hestons Regie den Teufel in Menschengestalt.

Wer hat Farmerin Wilma einen bösen Streich gespielt?

Ohne Frage ist Max von Sydows Performance der Dreh- und Angelpunkt des Films. Wie der nette Opa aus der „Werthers Echte“-Werbung lockt er als Leland Gaunt die nichtsahnenden Bewohner nach und nach auf seinen Schoß, verführt sie mit einem Geschenk und hetzt sie dann gegeneinander auf. Daraus entwickelt sich ein wahrlich diabolisches Spiel, welches zwar im Film bei Weitem nicht so fein ausgetüftelt wirkt wie in der Buchvorlage, aber dennoch hemmungslos menschliche Schwächen offenbart. Kleines Detail am Rande: Die Castle-Rock-Bewohner, die Gaunt unter Kontrolle hat, notiert er fein säuberlich in einem schwarzen Notizbüchlein – nur hier sieht man auch die langen Fingernägel seiner Figur, die zusammen mit seinem adretten Auftreten an eine andere filmische Teufelsgestalt erinnern: den von Robert De Niro verkörperten Louis Cyphre aus „Angel Heart“ (1987).

Ed Harris als Sheriff

Die restliche Besetzung muss sich hinter von Sydows großem Schatten nicht verstecken. Fraser C. Heston konnte auf eine Vielzahl erfahrener Charakterdarsteller zurückgreifen: Ed Harris überzeugt als gutmütiger Sheriff Pangborn, der als einziger Gaunts Verführungskünsten misstrauisch gegenübersteht. In „Stark – The Dark Half“ wurde Pangborn noch von Michael Rooker verkörpert. Bonnie Bedelia, bekannt besonders als John McClanes Gattin Holly in der „Stirb langsam“-Reihe, begegnete bereits in der King-Verfilmung „Brennen muss Salem“ (1979) einem Fremden in einer kleinen Stadt. Neben Gaunt ist besonders J. T. Walshs Charakter des Stadtrats Danforth interessant, der mit seinen Pferdewetten am stärksten, wenn auch recht plakativ, die menschliche Habgier verkörpert.

Stadtrat Danforth wird wahnsinnig

Persönlich hatte ich „Needful Things – In einer kleinen Stadt“ zu VHS-Zeiten zuletzt gesehen und den Film weitaus schlechter in Erinnerung – was aber auch daran liegen mag, dass ich das Buch erst kurze Zeit davor gelesen hatte und mir die Unterschiede deshalb noch stärker aufgefallen sind. Den satirischen Ansatz der Vorlage erreicht Fraser C. Heston nicht, vielmehr setzt die Adaption auf den schwarzen Humor, der zunehmend bösartiger wird. Neben der namhaften Besetzung gelingt es Heston gut, das vorherrschende, heimelige Kleinstadt-Gefühl einzufangen und dies in ein Chaos zu verwandeln, bei dem sich die Bewohner gegenseitig an die Gurgel gehen. Das alles gipfelt in einem zwar explosiven, dennoch recht enttäuschenden Finale. Im Vergleich zum Roman ist dies verändert, weitere Unterschiede werden im Text von Thorsten Hanisch besprochen.

Premiere der TV-Langfassung

Wer aus dem Roman noch mehr Passagen vermisst, der wird vielleicht in der Langfassung von „Needful Things – In einer kleinen Stadt“ fündig. Und hier ist Koch Films mit der Mediabook-Veröffentlichung ein echter Coup gelungen: Diese beinhaltet erstmals weltweit die knapp dreistündige US-TV-Fassung in HD und SD, die 1996 auf dem Sender TBS ausgestrahlt wurde. Einen Schnittbericht findet ihr hier. Synchrogucker müssen aber in den neuen Szenen mit Untertiteln vorliebnehmen, und in der englischen Originalfassung sind einige Schimpfwörter fernsehgerecht abgemildert worden. Die Langfassung wirkt mitunter etwas unrund – gleich zu Beginn gibt es eine ausufernde Autoverfolgungsjagd zwischen Sheriff Pangborn und dem offenbar führerlosen schwarzen Mercedes von Leland Gaunt, die absolut keinen Sinn ergibt, dennoch lohnt sich die erweiterte Version: Es gibt mehr von den Bewohnern und ihren Streichen zu sehen, darunter wird auch Brian Rusks Mutter Cora, gespielt von Lisa Blount („Die Fürsten der Dunkelheit“), eingeführt, die sich als großer Fan von Elvis Presley entpuppt. Mit diesem Bonus an Bord sei auch Besitzern der vorigen Veröffentlichungen ein Wiedersehen mit Castle Rock in Form des schicken und dicken Mediabooks in der typischen Koch-Films-Größe empfohlen. Falls ihr es nicht mehr auftreiben könnt, stattet doch mal dem Antiquitätenladen um die Ecke einen Besuch ab. Vielleicht kann euch der Eigentümer euren Wunsch erfüllen …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Stephen-King-Adaptionen sind in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ed Harris und Max von Sydow haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Gaunts teuflischer Plan ist im vollen Gange

Veröffentlichung: 16. Januar 2020 als Mediabook (Blu-ray & 2 DVDs), 6. Dezember 2012 auf Blu-ray, 27. April 2000 auf DVD

Länge: 124 Min. (Blu-ray), 116 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Needful Things
USA 1993
Regie: Fraser C. Heston
Drehbuch: W. D. Richter, nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King
Besetzung: Ed Harris, Max von Sydow, Bonnie Bedelia, Amanda Plummer, J. T. Walsh, Ray McKinnon, Duncan Fraser, Shane Meier, Valri Bromfield
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar von Regisseur Fraser C. Heston, amerikanische TV-Fassung (ca. 180 Minuten), deutscher und englischer Trailer, Making-of, Hinter den Kulissen, 20-seitiges Booklet von Thorsten Hanisch
Label/Vertrieb Mediabook: Koch Films
Label/Vertrieb Blu-ray & DVD: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2020 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos: © 2020 Koch Films

 

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Brennen muss Salem – Vampirisches Unheil über der Kleinstadt

Salem’s Lot

Von Volker Schönenberger

Horror // 76 Minuten! Mit einer um so viel kürzeren Version müssen hierzulande Filmgucker ohne Blu-ray-Player vorliebnehmen. Für den europäischen Markt war die US-Miniserie seinerzeit zu einem Spielfilm zurechtgestutzt worden, und Warner hat 2006 diese Kurzfassung auf DVD veröffentlicht. Erst zehn Jahre später erschien die lange Version in Deutschland – und das auch nur als Blu-ray. Angesichts des Umfangs von Stephen Kings 700-Seiten-Roman fällt die Entscheidung zugunsten der Blu-ray nicht schwer. Ich schenke es mir auch, etwas über die Unterschiede beider Fassungen zu schreiben, das haben die Kollegen von Schnittberichte bereits ausführlich erledigt.

Das Leuchten des Weihwassers

In einer Kirche in Guatemala füllen ein Mann (David Soul) und ein Junge (Lance Kerwin) Weihwasser in kleine Flaschen. Plötzlich beginnt die Flüssigkeit in einer der Flaschen hell zu leuchten. „Sie haben uns gefunden“, sagt der Mann. „Ein anderer hat uns wiedergefunden.“ Nach diesem kurzen Prolog und dem folgenden Vorspann springt die Handlung zwei Jahre zurück – in den kleinen Ort Jerusalem’s Lot, kurz auch Salem’s Lot genannt. Der Mann, es handelt sich um den Schriftsteller Ben Mears, trifft per Auto in seiner Geburtsstadt ein. Ihn fasziniert das auf dem Pabscuitti Hill gelegene Marsten-Haus, doch er kommt zu spät, es zu mieten. Der örtliche Makler Larry Crockett (Fred Willard) hat es kurz zuvor an den Antiquitätenhändler Richard K. Straker (James Mason) vermietet, der sich zusammen mit seinem noch abwesenden Partner Kurt Barlow (Reggie Nalder) dort ansiedeln will. 20 Jahre lang hatte es leergestanden.

Mears lernt die aparte Susan Norton (Bonnie Bedelia) kennen und nimmt Kontakt zu seinem alten Lehrer Jason Burke (Lew Ayres) auf. Das Marsten-Haus zieht ihn auf beklemmende Weise an. Er offenbart Burke seine Überzeugung, das Haus verkörpere das Böse an sich. Dann wird eine große Kiste ins Marsten-Haus geliefert – und bald darauf verschwinden die ersten Menschen …

Vom Regisseur von „The Texas Chainsaw Massacre“

Seine TV-Herkunft kann „Salem’s Lot“ nicht verleugnen, was Bildgestaltung und Effekte angeht. Der Dauer und dem Alter sowie veränderten Sehgewohnheiten geschuldet werden manche heutigen Filmgucker vielleicht über die eine oder andere Länge hinwegsehen müssen. Dafür erhalten sie sich langsam, aber stetig aufbauende Spannung mit einigen sehr intensiven Szenen. Gegenüber seinem bahnbrechenden „The Texas Chainsaw Massacre“ (1974) wirkt Tobe Hoopers Miniserie um den Vampir, der das Unheil in eine kleine Stadt bringt, zwar handzahm, gleichwohl ist es mehr als ansehnlich, wie sich unerbittlich das Grauen auf Salem’s Lot legt. James Mason als menschlicher Unterstützer des obersten Blutsaugers und Reggie Nalder in seiner fiesen blutarmen Maske stehlen den Protagonisten um David Soul dabei die Schau.

Das vampirische 1979er-Trio

1979 war ein gutes Jahr für Fans von Vampirfilmen: Während sich Werner Herzogs „Nosferatu – Phantom der Nacht“ mit Klaus Kinski in der Titelrolle an F. W. Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922) orientierte, zeigte John Badhams „Dracula“ mit Frank Langella als kultivierter Vampirfürst eine romantischere Seite der Blutsauger. Barlow aus „Brennen muss Salem“ ist optisch näher an Kinskis Verkörperung, spricht aber nicht und gibt sich gemeinhin deutlich dämonischer als seine beiden „Artgenossen“ jenes Jahres. In puncto Gewaltdarstellung nimmt sich die TV-Adaption gegenüber einigen Szenen im Roman deutlich zurück – das Geschehen sollte immerhin in heimischen Wohnzimmern aus der Röhre flimmern können, ohne arglose Zuschauer zu verstören.

Stephen Kings zweite Romanveröffentlichung

Stephen Kings Vorlage bildet die zweite Roman-Veröffentlichung des Horror-Großmeisters nach „Carrie“, entstand aber früher und zählt zweifelsohne zu den Glanzstücken in seiner Bibliografie. Der Autor hat das fiktive Jerusalem’s Lot in seinem Heimatstaat Maine platziert und mehrfach als Handlungsort genutzt. Tobe Hoopers filmische Adaption nimmt sich ein paar Freiheiten, beispielsweise bei der Charakterisierung des Obervampirs, das steht der Miniserie aber gut zu Gesicht. Sie sollte zu einer vollwertigen Serie ausgebaut werden, dazu kam es aber nicht. Larry Cohens Fortsetzung „Salem 2 – Die Rückkehr“ („A Return to Salem’s Lot“) kann das Niveau nicht halten. Die zweiteilige TV-Neuverfilmung „Salem’s Lot – Brennen muss Salem“ von 2004 mit Rob Lowe, Donald Sutherland und Rutger Hauer hingegen ist ansehnlich geraten. Und Hoopers Version hat den fast 40-jährigen Alterungsprozess gut überstanden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Stephen-King-Adaptionen sind in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet, Filme von Tobe Hooper in der Rubrik Regisseure, Filme mit James Mason unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 22. September 2016 als Blu-ray, 13. Januar 2006 als DVD

Länge: 183 Min. (Blu-ray), 103 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch
Untertitel: Deutsch und Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch. Portugiesisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Originaltitel: Salem’s Lot
USA 1979
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Paul Monash, nach dem Roman von Stephen King
Besetzung: James Mason, David Soul, Lance Kerwin, Bonnie Bedelia, Lew Ayres, Reggie Nalder, Julie Cobb, Elisha Cook Jr., George Dzundza, Ed Flanders
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Tobe Hooper, Trailer
Label/Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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