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Die Legende von Beowulf – Episches Heldengedicht als brutaler Computertrickfilm

Beowulf

Von Volker Schönenberger

Computertrick-Fantasy-Abenteuer // Im Jahr 507 n. Chr. feiert der dänische König Hrothgar (Anthony Hopkins) in seinem Methalle Heorot ein ausschweifendes Gelage. In einiger Entfernung bleibt das nicht unbemerkt: Der riesenhafte Unhold Grendel (Crispin Glover) hat empfindliche Ohren und stört sich an der Ausgelassenheit und dem Lärm. Das grauenhaft entstellte Wesen dringt in Heorot ein richtet mit seinen übermenschlichen Kräften ein Massaker an. Die stärksten Krieger des Königs können nichts gegen Grendel ausrichten, er zerschmettert sie und reißt sie in Stücke, um sich anschließend am Blut seiner Opfer zu laben.

König Hrothgar wird vom …

Weil er keine Möglichkeit sieht, Grendel zu besiegen, lässt Hrothgar die Festhalle versiegeln und gebietet, dass die Zeit des Feierns vorbei ist. Er verspricht demjenigen die Hälfte seiner Reichtümer, der den Unhold bezwingt. Auf Gebete zu den alten Göttern oder dem neuen Gott der Christen will er sich nicht verlassen. „Wir brauchen jetzt einen Helden.“ Der naht in Gestalt von Beowulf (Ray Winstone) vom Volk der Gauten. Mit 14 tapferen Mitstreitern will er Grendel töten.

Episches Heldengedicht aus dem Frühmittelalter

Die am Computer animierte Verfilmung des frühmittelalterlichen epischen Heldengedichts „Beowulf“ wurde mit Motion Capture zum Leben erweckt und in 3D fürs IMAX-System produziert. Regisseur Robert Zemeckis („Zurück in die Zukunft“) konnte sich dabei auf einen illustren Cast verlassen: Als Hrothgars Gemahlin Wealthow – und Beowulfs Love Interest – ist Robin Wright zu sehen. Grendels Mutter wird von Angelina Jolie verkörpert. John Malkovich spielt Unferth, den Berater des Königs, die Rolle von Beowulfs bestem Freund Wiglaf übernahm Brendan Gleeson.

… Unhold Grendel heimgesucht

Angesichts all dieser Prominenz ist es fast bedauerlich, dass „Die Legende von Beowulf“ als Computertrickfilm konzipiert worden ist, fallen die Gesichter der Figuren doch zwangsläufig gegenüber den echten Antlitzen der Stars ab, was durchaus zu Lasten charakterlicher Tiefe geht. Aber das Fantasy-Abenteuer hat andere visuelle Reize zu bieten. Mit Ausnahme einiger Bewegungen und von ein paar Gesichtern beeindruckt die spektakuläre technische Umsetzung ungemein. Die FSK-12-Freigabe überrascht etwas – der Film strotzt vor blutigen Details: Da werden Gliedmaßen abgerissen, Körper von Speeren durchbohrt, einem Krieger beißt Grendel sogar genüsslich den Kopf ab. Die artifizielle Visualisierung als Computeranimation mag den Ausschlag für die niedrige Altersfreigabe gegeben haben. In die Kinos kam seinerzeit eine entschärfte Fassung, die dafür entfernten erotischen und gewalthaltigen Bilder wurden später für den Director’s Cut wieder eingefügt. Der erhielt allerdings ebenfalls eine Altersfreigabe ab zwölf Jahren.

Ein tragisches Ereignis

Fürs Drehbuch nahmen sich der renommierte englische Autor Neil Gaiman („American Gods“, „The Sandman“) und sein Ko-Autor Roger Avary (gemeinsam mit Quentin Tarantino Drehbuch-Oscar für „Pulp Fiction“) einige Freiheiten gegenüber der Vorlage. Ob Werktreue der Filmhandlung größere inhaltliche Tiefe gegeben hätte? Die Frage ist nicht zu beantworten, aber „Die Legende von Beowulf“ ist letztlich mehr Spektakel als Heldenepos. Dabei handelt es sich um die dritte Kino-Adaption der gewaltigen Sage. 1999 entstand der britisch-amerikanische „Beowulf“ mit Christopher Lambert in der Titelrolle, 2005 eine kanadisch-isländisch-britische Version mit dem Titel „Beowulf & Grendel“ mit Gerard Butler als Beowulf. Mangels Sichtung der beiden kann ich keine Vergleiche ziehen. „Die Legende von Beowulf“ zeigt mächtige Fantasy, wobei mich bei der Sichtung das Gefühl beschlichen hat, dass mehr drin gewesen wäre.

Beowulf hat die Krone übernommen und ist alt geworden

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brendan Gleeson und Anthony Hopkins sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Wiglaf steht treu an der Seite seines Herrschers

Veröffentlichung: 9. Oktober 2014 als Blu-ray 3D, 4. März 2012 als Blu-ray und DVD im Steelbook, 28. Mai 2010 als Premium Collection Blu-ray, 14. März 2008 als 2-Disc Special Edition DVD, 13. März 2008 als Blu-ray

Länge: 115 Min. (Director’s Cut, Blu-ray), 100 Min. (Director’s Cut, DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Audiodeskription für Blinde und Sehbehinderte
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch u. a.
Originaltitel: Beowulf
USA 2007
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: Neil Gaiman, Roger Avary
Besetzung: Ray Winstone, Anthony Hopkins, Robin Wright, John Malkovich, Angelina Jolie, Dominic Keating, Brendan Gleeson, Costas Mandylor, Alison Lohman, Crispin Glover
Zusatzmaterial: Die Reise eines Helden – Das Making-of von „Die Legende von Beowulf“, Die Legende von Beowulf – Eine lange Reise (The Volume, Voerbereitungen für die T-Pose, Was ist E.O.G.?, Die Requisiten, Die Scanner, Die Stunts, animiertes Storyboard der Grendel-Kampfszene, „Fight Me“ – Robert Zemeckis bei der Arbeit, „Baby, It’s Cold Inside“, Der Ursprung der Legende von Beowulf, Die Entstehung von „Die Legende von Beowulf“, Beowulfs Beast of Burden – Beowulfs Monster, Auf der Suche nach dem perfekten Beowulf), zusätzliche Szenen
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenbilder & Steelbook-Packshot: © Warner Home Video

 
 

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Paddington 2 – Leckere Orangenmarmelade

Paddington 2

Kinostart: 23. November 2017

Von Matthias Holm

Familienkomödie // 2014 überraschte Regisseur Paul King viele Zuschauer. Seine Adaption des „Paddington“-Stoffs erwies sich als zeitgemäß, blieb aber gleichwohl der Vorlage treu. Nun folgt der zweite Teil um den peruanischen Bären mit rotem Hut und Dufflecoat – und der übertrumpft seinen sympathischen Vorgänger sogar.

Dieb Paddington?

Tante Lucy wird 100. Ein stolzes Alter für Bären. Da reicht die selbst gemachte Orangenmarmelade nicht, Paddington (deutsche Stimme: Elyas M’Barek) muss ein besonderes Geschenk besorgen. Sein Auge fällt auf ein schönes Pop-up-Buch über London, was jedoch nicht ganz billig ist. Zwar sammelt Paddington mit einigen Jobs das nötige Geld ein, doch plötzlich wird das Buch gestohlen – und Paddington verdächtigt! Während der Bär das Leben im Gefängnis ordentlich aufmischt, versucht Paddingtons Ziehfamilie Brown, den wahren Täter zu finden.

Paddington entdeckt das perfekte Geschenk

Die große Stärke des ersten Films war es, dass eine bekannte Geschichte – das Zusammenfinden der Familie – mit ordentlich Slapstick und einer großen Menge an Kreativität gewürzt wurde. Auch diese Elemente finden sich im zweiten Teil wieder, so befindet sich zum Beispiel Mr. Brown (Hugh Bonneville) in einer Midlife-Crisis und Sohn Jonathan (Samuel Joslin) möchte aus irgendeinem Grund nur noch J-Dogg genannt werden. Durch die unbedarfte Perspektive von Paddington wirken diese durchaus bekannten Probleme wieder so skurril, dass man sich das Lachen nur schwer verkneifen kann.

Hugh Grant als heimlicher Star

Das Tolle aber an „Paddington 2“ ist, dass er nicht nur ein bloßer Aufguss von Teil 1 ist. Vielmehr sind das Teile der Geschichte, aber der große Plot um das Pop-up-Buch nimmt einen viel größeren Teil ein. Hier darf einer der Neuzugänge glänzen: Hugh Grant ist als nicht mehr allzu gefragter Schauspieler Phoenix Buchanan der heimliche Star des Films. Eitel, überkandidelt und in den seltsamsten Verkleidungen treibt er den Plot voran, der einen schönen Twist in Richtung Abenteuer erhält.

Was plant Buchanan?

Währenddessen darf Paddington sich wieder austoben. Ob im Friseursalon, als Fensterputzer oder in der Gefängnisküche, wo der Bär hingeht folgt ihm das Chaos. Und das ist auch gut so! Die Slapstick-Momente sind natürlich vollkommen übertrieben, gefallen aber mit ihren immer absurder werdenden Kapriolen Jung wie Alt. Dass neben diesen humoristischen Einlagen auch sehr herzliche Momente Einzug in die Familienkomödie erhalten und sie so nicht zur bloßen Nummern-Revue verkommt, ist dem Team hoch anzurechnen.

Für die ganze Familie

Dazu kommt die Kreativität in der Gestaltung. Ob nun der famose Soundtrack von Dario Marianelli oder unzählige kluge Wortspiele, Bildideen und Szenenübergänge, „Paddington 2“ ist zu jeder Zeit eine Wonne für die Sinne. Wenn da noch ein perfekt aufgelegtes Schauspiel-Ensemble hinzukommt, in dem sowohl die alten Bekannten, neuen Freunde und diversen Gaststars ihr Bestes geben, steht einem perfekten Familienfilm nichts im Wege. Auch wenn man danach großen Hunger auf Orangenmarmelade hat.

Die Browns wollen Paddington helfen

Zur Rezension des Vorgängers geht’s auch hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sally Hawkins sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Brendan Gleeson und Hugh Grant unter Schauspieler.

Knastkoch Knuckles (Brendan Gleeson)

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Paddington 2
GB 2017
Regie: Paul King
Drehbuch: Paul King, Simon Farnaby, Jon Croker, nach den „Paddington“-Büchern von Michael Bond
Besetzung: Hugh Bonneville, Sally Hawkins, Samuel Joslin, Madeline Harris, Julie Walters, Hugh Grant, Brendan Gleeson, Jim Broadbent, Peter Capaldi
Verleih: Studiocanal Filmverleih GmbH

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Studiocanal Filmverleih GmbH

 
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Verfasst von - 2017/11/22 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Das Gesetz der Familie – Im White Trash Englands

Trespass Against Us

Kinostart: 3. August 2017

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Brendan Gleeson („Am Sonntag bist du tot“) als Vater und Michael Fassbender („Alien – Covenant“) als sein Sohn in einem Gangsterfamiliendrama – da kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Und an der Schauspielkunst der beiden ist dann auch nichts auszusetzen – an der ihrer Mitstreiter ebenfalls nicht. Trotzdem fehlt es bei der Ausgestaltung von Fassbenders Figur an ein paar Details, was ich aber nicht ihm anlasten will. Insgesamt hinterlässt „Das Gesetz der Familie“ einen zwiespältigen Eindruck.

Familienoberhaupt Colby Cutler duldet keine Widerworte

Gleeson spielt Colby Cutler, Oberhaupt einer Familie von Kriminellen, die in der englischen Grafschaft Gloucestershire am Rande der Gesellschaft lebt – haust, ist an sich der passendere Begriff für das Dasein in schäbigen Wohnwagen, umgeben von Chaos und Schrott. Bei ihren Raubzügen sitzt Colbys Sohn Chad (Fassbender) am Lenkrad, schlägt den Polizeiwagen mit Chuzpe und Glück stets ein Schnippchen. Er unterwirft sich den Regeln, die Colby macht, der seine Kinder bewusst nie zur Schule geschickt hat. Insgeheim wünscht sich Chad jedoch für seine Kinder ein anderes Leben als das vermeintlicher Freigeister ohne Sinn für die Bedeutung von Bildung und ohne Krankenversicherung. Auch seine Frau Kelly (Lyndsey Marshal) sorgt sich um die Zukunft der gemeinsamen Kinder, erkennt aber, dass Colby die Zügel in der Hand hält.

Chad lenkt die Fluchtautos …

Der White Trash strömt „Das Gesetz der Familie“ aus allen Poren. Die Bezeichnung „Heim“ verbietet sich für die Wohnwagensiedlung der Cutlers. Kein Wunder, dass Chad aussteigen will, aber Blut war schon immer dicker als Wasser. Ohne dass das jemals ausgesprochen wird, ist anzunehmen, dass der Clan zu den Pavees zu zählen ist, einer im angelsächsischen Sprachraum beheimateten Volksgruppe von Jenischen oder Travellern.

… selbst wenn sie arg auffällig lackiert sind

So recht deutlich wird nicht, weshalb Colby Cutler das Heft so stark in der Hand hält. Sohn Chad erscheint deutlich cleverer, auch wenn er bisweilen zu viel riskiert. Sympathieträger sind Vater und Sohn beide nicht. Chad noch am ehesten – bis er den etwas zurückgebliebenen Gordon (Sean Harris, „Prometheus – Dunkle Zeichen“), den Colby einst in die Familie aufnahm, auf eine Weise demütigt, die beim Zusehen schmerzt. Colby hingegen mangelt es an Empathie dafür, was in seinen Kindern und Enkelkindern vorgeht. Zwar geht ihm die Familie über alles, aber viel tut er nicht dafür.

Für seine Familie will er nur das Beste

Der breite, undefinierbare englische Slang der Originalfassung ist als Pluspunkt des Milieufilms zu werten, verlangt aber nach Untertiteln. Ob die deutsche Synchronisation das auffangen kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Hier sind wir dann bei Michael Fassbender. Der in Heidelberg geborene und in Irland aufgewachsene Schauspieler ist längst im großen Hollywood angekommen, wo klares Englisch gesprochen wird. In „Trespass“ Against Us“, so der Originaltitel, spricht er Slang wie alle anderen, so weit, so gut. Er raucht überall, auch im Wohnwagen direkt neben seinen Kindern, kann nicht mal lesen. Trotzdem wirkt Fassbenders Aussehen eine Nuance unvollständig, Gesicht und Frisur mögen nicht recht zur White-Trash-Existenz im Südwesten Englands passen. Aber vielleicht habe ich auch nur zu viele Fassbender-Darbietungen aus Hollywood gesehen.

Aber was ist das Beste für die Cutlers?

Ein paar Verfolgungsjagden peppen „Das Gesetz der Familie“ auf. Die Actionszenen sind rasant inszeniert. Das Finale hinterlässt die Zuschauer dann mit einem unbequemen Gefühl der Unvollständigkeit. Wo die Reise für die einzelnen Mitglieder des Cutler-Clans hinführt, bleibt offen – auch und besonders bei Chad, der eine Dummheit begeht, die aber vielleicht doch gar nicht so dumm ist. Darüber mehr zu schreiben, wäre allerdings ein unfairer Spoiler. Ob einem der Ausklang ge- oder missfällt, liegt vermutlich auch sehr im Auge des Betrachters.

Überraschender Besuch am Morgen

Als Mischung aus Familien- und Krimidrama funktioniert „Das Gesetz der Familie“ recht gut, seine Botschaft bleibt aber unklar. Für einen Unterhaltungsfilm ist er in einigen Sequenzen zu unangenehm zu schauen, zu tiefergehender Auseinandersetzung mit Fragen zur britischen Unterschicht regt er aber auch nicht an. So bleibt sehenswertes Schauspielerkino, das aber vermutlich wenig Aufmerksamkeit erhalten wird.

Chad wird festgenommen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Fassbender und/oder Brendan Gleeson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Das Ehepaar erhält bittere Nachricht von der Schule seiner Kinder

Länge: 99 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Trespass Against Us
GB 2016
Regie: Adam Smith
Drehbuch: Alastair Siddons
Besetzung: Michael Fassbender, Brendan Gleeson, Lyndsey Marshal, Rory Kinnear, Killian Scott, Sean Harris, Kingsley Ben Adair, Gerard Kearns, Tony Way, Barry Keoghan, Alan Williams
Verleih: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Filmplakat & Fotos: © 2017 Koch Films

 

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