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F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg: Gewerkschafter in den Fängen des Mobs

F.I.S.T.

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Über den guten Sly und seine begrenzten schauspielerischen Fähigkeiten ist im Lauf seiner Karriere viel Häme ausgeschüttet worden – etliche Goldene Himbeeren sprechen Bände, darunter die als schlechtester Schauspieler des Jahrzehnts 1990 sowie des Jahrhunderts im Jahr 2000 – für 99,5 Prozent von allem, was er je gemacht habe. Dazu hat zweifellos Sylvester Stallones bisweilen suboptimale Rollenwahl beigetragen, auch einige Teile seiner an sich ikonischen Reihen „Rocky“ und „Rambo“ sind nicht frei von Kritik. Wenn er denn mal überzeugend ablieferte, wie 1997 in James Mangolds „Cop Land“ an der Seite von Schwergewichten wie Robert De Niro und Harvey Keitel, wurde das als einmaliger Ausrutscher nach oben abgetan. Dabei wird oft verkannt, dass Stallone zu Beginn seiner Karriere ein paar guten Figuren Profil verlieh, allen voran natürlich seinem Rocky Balboa in „Rocky“. Dafür gab’s 1977 gar nicht mal unverdiente Nominierungen für den Oscar und den Golden Globe als bester Hauptdarsteller – für sein Drehbuch ebenfalls. Auch an seiner Verkörperung des Mafiosos Frank Nitti im Gangsterdrama „Capone“ (1975) gibt es wenig auszusetzen. Über die hierzulande später unter dem Titel „Randy – Die Sexabenteuer des Sylvester Stallone“ bekannt gewordene 1970er-Entgleisung „The Party at Kitty and Stud’s“ decken wir einfach den Mantel des Schweigens.

Sylvester Stallone als Arbeiterführer

Mimisch und stimmlich ist er zweifellos limitiert, was natürlich auch mit seiner geburtsbedingten Muskellähmung im Gesicht zu tun hat, aber dieses Manko lässt sich mit passender Rollenwahl ausgleichen. Das gelang dem 1946 in New York City geborenen und in Philadelphia aufgewachsenen Sylvester Stallone 1978 auch mit „F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg“. Er verkörpert darin den Hilfsarbeiter Johnny Kovak, der sich im Cleveland des Jahrs 1937 zu Beginn die Drangsalierungen seines Arbeitgebers nicht gefallen lässt und dafür prompt mit all seinen Kollegen gefeuert wird. Doch er ist einigen Leuten positiv aufgefallen und wird daher von der Fernfahrergewerkschaft „F.I.S.T.“ engagiert (der fiktiven „Federation of Interstate Truckers“). Derweil macht er auch der aparten Litauerin Anna Zarinkas (Melinda Dillon) den Hof. Johnny und sein bester Kumpel Abe Belkin (David Huffman) lassen sich von der Arbeitgeberseite nicht einschüchtern, organisieren einen Streik. Als der eskaliert, kommt ihnen Johnnys Freund aus Jugendtagen Vince Doyle (Kevin Conway) zu Hilfe, der sich im organisierten Verbrechen einen Namen gemacht hat. In der Gewerkschaftshierarchie steigt Johnny nun auf, doch die Unterstützung durch Mobster ist ein zweischneidiges Schwert.

Johnny macht Anna den Hof …

Zwar inszeniert Regisseur Norman Jewison („In der Hitze der Nacht“, 1967) das New-Hollywood-Krimidrama als fiktive Geschichte, die inhaltliche Nähe von „F.I.S.T. – ein Mann geht seinen Weg“ zu wahren Begebenheiten um die Transportarbeitergewerkschaft Teamsters und ihren kriminellen Führer Jimmy Hoffa ist jedoch unverkennbar. Hoffa verschwand am 30. Juli 1975 unter ungeklärten Umständen. 1992 drehte Danny DeVito das Biopic „Hoffa“ mit Jack Nicholson in der Titelrolle.

… und hat damit Erfolg

Stallones Johnny Kovak manövriert sich mit steigender Macht immer mehr in eine ausweglose Situation hinein. An sich will er seinen Idealen von Gerechtigkeit für die Arbeiter treu bleiben, doch mehr und mehr lässt er sich korrumpieren, erkennt auch keinen Ausweg aus der Verbindung zum organisierten Verbrechen. Dieses Dilemma verkörpert Sylvester Stallone mit einer Mischung aus Coolness und Leidenschaft. Meist verfolgen wir das Geschehen aus Johnny Kovaks Perspektive, die dadurch entstehende Nähe zu ihm macht es phasenweise schmerzhaft, seinen Aufstieg und Fall über mehrere Jahre zu verfolgen. Die sorgfältige Ausstattung trägt dazu bei, ein authentisch wirkendes Bild einer maroden Gewerkschaftsbewegung zu zeichnen, die mit dem hehren und legitimen Ziel aufgebrochen war, der Arbeiterschaft würdige Bedingungen zu verschaffen. In Nebenrollen werten Rod Steiger als Senator und Brian Dennehy als Gewerkschafter die Besetzung auf.

Erstmals ungekürzt in Deutschland

Koch Films hat hierzulande erstmals die ungekürzte US-Fassung von „F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg“ veröffentlicht. Bis dato war europaweit nur eine um eine runde Viertelstunde gekürzte Fassung erhältlich gewesen, deren Lücken spürbar sind. Zu den Unterschieden beider Fassungen sei auf den Schnittbericht verwiesen. Auf der Blu-ray von Koch ist die europäische Fassung im Zusatzmaterial enthalten, sie ist aber entbehrlich. Löblich, dass auch deutsche Stallone- und Film-Fans nun endlich in den vollen Genuss dieses trotz seiner Länge durchweg fesselnden Krimidramas kommen – die zusätzlichen Szenen sind nicht neu synchronisiert, sondern mit Untertiteln eingefügt worden. Ein Stern in Stallones Filmografie. Und nach „Creed – Rocky’s Legacy“ (2015) haben ihn ja sogar die Ausrichter der Goldenen Himbeere mit dem Himbeeren-Erlöser-Preis rehabilitiert.

Er steigt zum mächtigen Gewerkschaftsboss auf …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sylvester Stallone sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… und wird vor einen Untersuchungsausschuss zitiert

Veröffentlichung: 25. Januar 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 145 Min. (Blu-ray), 131 Min. (Blu-ray, deutsche Kinofassung), 140 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: F.I.S.T.
USA 1978
Regie: Norman Jewison
Drehbuch: Joe Eszterhas
Besetzung: Sylvester Stallone, David Huffman, Melinda Dillon, Kevin Conway, Rod Steiger, Brian Dennehy, Peter Boyle, Tony Lo Bianco, Ken Kercheval
Zusatzmaterial: Interviews mit Regisseur Norman Jewison und Autor Joe Eszterhas, englischer Trailer, Bildergalerie, Wendecover, nur Blu-ray: deutsche Kinofassung
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 Koch Films

 

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FX 2 – Die tödliche Illusion: Ideenreich an der Grenze zur Albernheit

FX2-Cover

F/X2

Von Volker Schönenberger

Actionkomödie // Einst war er der Meister der Illusionen und schuf an Filmsets Spezialeffekte. Nach den Ereignissen in „FX – Tödliche Tricks“ hat Rollie Tyler (Bryan Brown) jedoch umgesattelt: Er lebt mit seiner Freundin Kim (Rachel Ticotin) und ihrem Sohn Chris (Dominic Zamprogna) zusammen und stellt allerlei elektronisches Spielzeug her. Chris’ Vater Mike (Tom Mason), Polizist in New York City, bittet Rollie bei der Jagd auf einen Serienkiller um Hilfe: Rollie soll ihn als Frau maskieren, damit Mike in der Wohnung eines potenziellen Opfers als Lockvogel herhalten kann. Der Einsatz geht jedoch auf entsetzliche Weise schief. In der Folge muss sich Rollie erneut mit korrupten Polizisten und mörderischen Gangstern herumplagen. Dabei kriegt er unverhofft Unterstützung von Leo McCarthy (Brian Dennehy).

Schade, dass Brian Dennehy und Bryan Brown recht wenige gemeinsame Szenen haben. Das ungleiche Gespann harmoniert an sich nicht schlecht. Dennehys Figur des Leo McCarthy taucht – wie im ersten Teil – ohnehin recht spät zum ersten Mal auf.

Wie schon bei „FX – Tödliche Tricks“ sind auch in der Fortsetzung visuelle Spezialeffekte und Maske durchweg gelungen. Auch die Action ist gefällig inszeniert. Etwas irritierend wirkt bisweilen das Lavieren zwischen tragischen und komödiantischen Elementen. Letztgenannte überschreiten obendrein mitunter die Grenze zur Albernheit. Wenn sich Rollie in einem Supermarkt trickreich eines Killers erwehrt, indem er beispielsweise Konserven mit gebackenen Bohnen zum Explodieren bringt, dann ist das des Klamauks etwas zu viel. Auch eine Würstchenkanone zur Ablenkung von scharfen Wachhunden muss nicht sein. Es scheint, als habe sich das Filmteam vor Beginn der Dreharbeiten zu einer Brainstorming-Sitzung zusammengefunden und einander die Ideen für Tricks nur so um die Ohren gehauen. Das bringt ein paar nette Überraschungen, ist gelegentlich aber auch etwas vorhersehbar.

Insgesamt ist zu konstatieren, dass „FX 2 – Die tödliche Illusion“ von Freunden gepflegter B-Action bedenkenlos konsumiert werden kann, auch wenn das Sequel nicht an die Qualität des Vorgängers herankommt. Die 1991 erschienene MGM-DVD des Films ist mittlerweile im Handel vergriffen, insofern hat diese Neuveröffentlichung unter dem Dach der Reihe „Action Cult Uncut“ ihre Berechtigung. Im Nachklapp der beiden Kinofilme gab’s ab 1996 eine TV-Serie, der immerhin eine Lebensdauer von zwei Staffeln und 41 Folgen beschieden war.

Veröffentlichung: 6. Dezember 2013 als DVD

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Holländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Portugiesisch, Polnisch
Originaltitel: F/X2
USA 1991
Regie: Richard Franklin
Drehbuch: Bill Condon
Besetzung: Bryan Brown, Brian Dennehy, Rachel Ticotin, Joanna Gleason, Philip Bosco, Kevin J. O’Connor, Tom Mason, Dominic Zamprogna
Zusatzmaterial: Kinotrailer, Wendecover
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2013 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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FX – Tödliche Tricks: Die Täuschung mit der Täuschung

FX-Cover

F/X

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Ein Mann mit Hut und Mantel betritt ein Restaurant und eröffnet mit einer Maschinenpistole das Feuer auf die Anwesenden. Einer der Gäste wird flambiert, andere gehen durch Kugeln drauf – zuletzt eine schnittige Blondine. „Cut, Cut, Cut“, erklingt’s plötzlich. Das Restaurant ist ein Filmset in New York City, die blutigen Körpereinschläge gut getrickst von Effektespezialist Roland „Rollie“ Tyler (Bryan Brown).

Rollies Fähigkeiten rufen einen Beamten der Justizbehörde auf den Plan: Martin Lipton (Cliff De Young) beauftragt ihn, einen Mordanschlag auf einen im Zeugenschutzprogramm befindlichen Kriminellen zu inszenieren: Nicolas De Franco (Jerry Orbach), einen mächtigen Mafioso. Der soll als tot gelten und dann eine neue Identität erhalten. Rollie erhält sogar die zweifelhafte Ehre, den vermeintlichen Killer zu geben und in aller Öffentlichkeit mit Platzpatronen auf De Franco zu schießen.

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Meister der Maske: Rollie Tyler (r.)

Mensch, der war mir bislang entgangen. Dabei bin ich doch in den 80er-Jahren mit all diesen Actionfilmen aufgewachsen. „FX – Tödliche Tricks“ habe ich seinerzeit im Kino verpasst, ein Versäumnis, das ich später auch nicht per VHS-Cassette nachgeholt habe. Besser spät als nie: Die Story ist originell, Maske und andere visuelle Effekte überzeugen – müssen sie bei dem Thema natürlich auch. Dass Rollies Auftrag anders abläuft als geplant und der eine oder andere Beteiligte mit gezinkten Karten spielt, lässt sich schnell erahnen; dennoch hält der Plot die eine oder andere clever aufgezogene Überraschung parat. Etwa ab der Hälfte der Spielzeit gewinnt der Film zusätzlich durch das Auftauchen von Brian Dennehy, der als unverdrossener Polizist Lieutenant Leo McCarthy mit dem richtigen Riecher eine gute Figur macht.

„FX – Tödliche Tricks“ ist ein Actionthriller alter 80er-Schule mit feinem Nostalgie-Flair. Die MGM-DVD von 2006 ist im Handel nach wie vor erhältlich, nun bringt Twentieth Century Fox Home Entertainment den Actionfilm in der Reihe „Action Cult Uncut“ erneut auf den Markt. Probleme mit der FSK gab und gibt es keine. Parallel erscheint u. a. auch die Fortsetzung „FX 2 – Die tödliche Illusion“.

Veröffentlichung: 6. Dezember 2013 als DVD

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McCarthy (l.) schnappt sich Rollie

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Holländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Portugiesisch, Polnisch
Originaltitel: F/X
USA 1986
Regie: Robert Mandel
Drehbuch: Robert T. Megginson, Gregory Fleeman
Besetzung: Bryan Brown, Brian Dennehy, Diane Venora, Cliff De Young, Mason Adams, Jerry Orbach, Joe Grifasi, Martha Gehman, Roscoe Orman
Zusatzmaterial: US-Kinotrailer, Wendecover
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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