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Ernest Borgnine (VI): Willard – Herr der Ratten

Willard

Von Andreas Eckenfels

Horrordrama // Seinen 27. Geburtstag hatte sich Willard (Bruce Davison) sicherlich anders vorgestellt. Doch nun sitzt er in dem langsam renovierungsbedürftigen Anwesen, in dem der schüchterne junge Mann mit seiner bettlägerigen Mutter Henrietta (Elsa Lanchester) lebt. Frau Mama erinnert ihn auch gleich daran, dass sie während seiner Geburt höllische Schmerzen durchleiden musste. Jaja, die Geschichte hat Willard wahrscheinlich schon zigfach gehört. Am Geburtstagstisch nehmen keine Freunde von Willard Platz, nur Menschen, die einige Jahrzehnte älter sind als er. Alte Bekannte seiner Eltern, die ihn in die Wange kneifen und ihm zu allem Überfluss ein albernes Partyhütchen aufsetzen. Wann endlich ein echter Mann aus ihm wird, fragen sie ihn. Dann würde er auch endlich eine Freundin abbekommen. Willard hat darauf nichts zu erwidern.

Außenseiter Willard hat sehr spezielle Freunde gefunden

Eigentlich hätte er es besser wissen müssen. Aber er will ja seine arme Mutter nicht enttäuschen. Sie kann auch nichts dafür, dass sein Vater viel zu früh starb und danach alles den Bach herunterging. Jetzt fristet Willard sein Dasein in der einstigen Firma seines Vaters, die vom aufbrausenden Mr. Martin (Ernest Borgnine) geleitet wird. Willard ist dort nur geduldet, aufgrund eines alten Versprechens darf er auf seinem Posten verharren. Immerhin sitzt er mit der sympathischen Joan (Sondra Locke) an einem Schreibtisch. Da fallen die Überstunden, die Schikanierungen durch seinen Chef und die miese Entlohnung etwas leichter.

Willards Leben ändert sich schlagartig, als Henrietta ihrem Sohn befiehlt, die Ratten aus dem wild wuchernden Garten zu vertreiben. Statt die Tiere zu ertränken, gibt er ihnen zu fressen und lässt sie im Keller des Hauses wohnen. Es entwickelt sich eine Art Freundschaft zwischen den Nagetieren und Willard. Besonders zu der Albinoratte Socrates und zu Ben, wie er sie genannt hat, fühlt er eine enge Bindung. Bald wird das Untergeschoss von einem Heer aus Ratten bevölkert, die ihm aufs Wort gehorchen. Willard wird zum Herrn der Ratten. Erstmals verspürt er ein Gefühl von Macht. Und diese wird er gemeinsam mit den Vierbeinern zur Frustbewältigung nutzen. Nach einem weiteren Schicksalsschlag will Willard an jenen Menschen Rache üben, die ihm Zeit seines Lebens übel mitgespielt haben.

Aufstand der Unterdrückten

Basierend auf dem Roman „Willard oder Aufstand der Ratten“ von Stephen Gilbert, der die Geschichte des Titelhelden in Tagebuchform erzählt, entwirft Regisseur David Mann („Telefon Butterfield 8“, 1960) ein sensibles Psychogramm eines Außenseiters, welches sich im letzten Drittel zu einem wahren Horrorstück entwickelt. Von Anfang an ist klar, dass Willards Leben in Trümmern liegt, aus dem es kein Entrinnen gibt. Seine Mutter als auch sein Chef haben ihn komplett unter Kontrolle. Ihnen kann der liebenswürdige Willard keinen Wunsch abschlagen.

Schmieriger Chef: Mr. Martin drangsaliert Willard

Erst als Willard merkt, dass er selbst ebenfalls Macht über andere ausüben kann – kurz vor dem Ertrinken, befreit er doch noch die Rattenfamilie, die er töten sollte – dreht er den Spieß um. Die Ratten geben keine Widerworte, werten seine Taten nicht und stellen keine Fragen. Sie wollen nur versorgt werden, was die Tiere wiederum in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Willard treibt. Dass dies keine Grundlage für eine gesunde Freundschaft ist, wird sich am Ende zeigen. „Willard“ demonstriert auf intelligente Weise, dass jeder Unterdrückte, und sei er noch so klein, einmal gegen seinen Meister aufbegehren wird, wenn dieser ihm den Rücken zudreht.

Echte Ratten im Einsatz

Nach Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ (1963) gilt „Willard“ als einer der ersten Filme, die dem Subgenre des Tierhorrors zuzuordnen sind. Die Tatsache, dass David Mann mit etwa 600 lebenden, trainierten Ratten drehte, verleiht „Willard“ einen hohen Grad von Glaubwürdigkeit. Wenn der überzeugende Hauptdarsteller Bruce Davison („Freundschaft fürs Leben“, 1989) zupackt, hat er echte Ratten in der Hand, mit denen er mitunter auch mal kuscheln darf. Wer vor diesen Nagetieren eine natürliche Abneigung verspürt, wird zusätzlichen Ekel empfinden. Zudem wirken die Tiere mit ihren kleinen Schneidezähnen in extremer Nahaufnahme äußerst bedrohlich. Dabei kann einem durchaus ein Schauer über den Rücken laufen – und man schaut umher, ob nicht doch so ein Viech im eigenen Wohnzimmer sein Zuhause eingerichtet hat. Die Müsli-Packung war so seltsam schnell geleert die letzten Tage …

Immer mehr Ratten machen sich im Keller breit

Überhaupt ist die Besetzung von „Willard“ wirklich außerordentlich. Neben Davison gibt Ernest Borgnine einen wunderbar schmierigen Auftritt ab. Fieser war der Charaktermime selten – vielleicht 1953 in „Verdammt in alle Ewigkeit“. Daneben freut man sich auf ein Wiedersehen mit der Frau mit den grotesken Gesichtszügen Jody Gilbert („Butch Cassidy und Sundance Kid“, 1969), Clint Eastwoods langjähriger Lebensgefährtin Sondra Locke („Der Texaner“) und keiner Geringeren als „Frankensteins Braut“ persönlich: Elsa Lanchester, die sich als Willards Mutter in Selbstmitleid ergeht. Regisseur Mann ist es obendrein hoch anzurechnen, dass es sich so anfühlt, als seien selbst die Ratten Ben und Socrates eigenständige Figuren. Als Zaubermittel für die Vierbeiner mit dem langen Schwanz erwies sich übrigens Erdnussbutter. War jemand damit eingeschmiert, fielen die Tiere gleich in Scharen über ihr Opfer her.

Extra-Kohle für Borgnine

Für Ernest Borgnine erwies es sich als cleverer Schachzug, statt einer höheren Gage eine Beteiligung am Einspielergebnis zu fordern. „Willard“ erwies sich 1971 als Überraschungserfolg, der knapp 20 Millionen US-Dollar einspielte. Ein Remake mit Crispin Glover („Die Legende von Beowulf“) in der Hauptrolle entstand im Jahr 2003.

Mit der hierzulande ersten offiziellen Veröffentlichung des Tierhorror-Klassikers startet Anolis nun die neue Reihe „Phantastische Filmklassiker – Die 70er“. Auch der zweite Titel der Reihe wurde bereits bekanntgegeben: Es ist „Ben“ (1972), die direkte Fortsetzung von „Willard“. Baut also besser schon mal die Mausefallen auf!

Keine gute Idee: Aus Mitleid will Joan Willard eine Katze schenken

Die Anolis-Entertainment-Reihe „Phantastische Filmklassiker“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ernest Borgnine sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Ein lesenswerter Text zu „Willard“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed, und auch das „Filmforum Bremen“ hat Lektüre darüber zu bieten.

Ratte Ben schwingt sich zum Anführer seiner Artgenossen auf

Veröffentlichung: 30. Mai 2018 als Blu-ray im limitierten Mediabook mit zwei Covervarianten

Länge: 95 Min. (Blu-ray)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Willard
USA 1971
Regie: David Mann
Drehbuch: Gilbert Ralston, nach dem Roman „Willard oder Aufstand der Ratten“ von Stephen Gilbert
Besetzung: Bruce Davison, Elsa Lanchester, Sondra Locke, Ernest Borgnine, Michael Dante, Jody Gilbert, Alan Baxter, Joan Shawlee
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Bruce Davison, Interview mit Bruce Davison, amerikanischer Trailer, Radiospots, Super-8-Fassung, Werberatschlag, Bildergalerie, Booklet mit Texten von Ingo Strecker und David Renske
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos & Packshots: © 2018 Anolis Entertainment GmbH

 

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Gewinnspiel: 3 x Keine Gnade für Ulzana auf DVD

Verlosung

Das kleine, aber feine Label explosive media hat im Vertrieb von Koch Films Robert Aldrichs 1972er-Western „Keine Gnade für Ulzana“ veröffentlicht. Wir haben davon drei DVDs erhalten, die wir gern unters Volk bringen. Vielen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner!

Teilnahmebedingungen

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort bis Freitag, 29. Dezember 2017, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Fallen euch keine Filme ein, die Ihr nennen könnt, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich fünf Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die DVD. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Borris,
– Mike Hennig,
– Christoph Streuli.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Da Christoph Streuli zurücktritt, habe ich einen neuen Gewinner ausgelost: Timo Kapprell. Herzlichen Glückwunsch! Du wirst benachrichtigt.

Die Rezension von „Keine Gnade für Ulzana“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 

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Keine Gnade für Ulzana – Abtrünnige Apachen in Arizona

Ulzana’s Raid

Von Volker Schönenberger

Western // Ulzanas Raubzug hat es tatsächlich gegeben. Ulzana (1821–1909) von der Apachen-Stammesgruppe der Chiricahua zog 1885 von Mexiko aus mit einigen Mitstreitern marodierend durch Arizona.

Lieutenant DeBuin (M.) und seine Leute sollen Ulzana ausschalten

„Keine Gnade für Ulzana“ beginnt mit der Nachricht, der Apache habe die San Carlos Apache Indian Reservation verlassen und sei auf dem Kriegspfad. Der junge Lieutenant Garnett DeBuin (Bruce Davison) erhält den Auftrag, eine Schar Soldaten anzuführen und Ulzana (Joaquín Martínez) unschädlich zu machen. Die erfahrenen Scouts McIntosh (Burt Lancaster) und Ke-Ni-Tay (Jorge Luke) – letztgenannter vom selben Stamm wie der Verfolgte – begleiten den Trupp. Der unerfahrene Lieutenant DeBuin muss schnell merken, wie grausam die Apachen vorgehen.

Ulzanas brutale Guerilla-Taktik

Neben Burt Lancaster, der sein berühmtes breites Grinsen zugunsten einer stoischen Haltung beiseite gelegt hat, und dem jungen Bruce Davison (1991 für „Freundschaft fürs Leben“ Oscar-nominiert) überzeugt auch Richard Jaeckel („Das dreckige Dutzend“), der einen Sergeant im Suchtrupp verkörpert. Zwar behält der Western über weite Strecken eine ruhige Gangart bei, das ändert aber nichts daran, dass seine Intensität stetig steigt. Jäger und Gejagte – wir haben es mit einem Katz-und-Maus-Spiel unter der gleißenden Sonne Arizonas zu tun. Gnade ist auf beiden Seiten ein Fremdwort, der New-Hollywood-Western kommt deutlich brutaler und blutiger daher als viele andere Vertreter. Da wird nichts glorifiziert, obgleich es auch an einer kritischen Behandlung des Umgangs der Weißen mit den Indianern mangelt. Das ultrabrutale Vorgehen der Apachen mag auch angetan sein, empfindsame Gemüter zu verstören. Aufgrund ihrer Guerilla-Taktiken lässt sich der Film vielleicht sogar als Vietnam-Kommentar interpretieren.

Der besonnene McIntosh führt den Trupp als Scout …

Bereits 1954 hatte Regisseur Robert Aldrich mit „Massai“ („Apache“) einen Indianer-Western gedreht und dort eine deutlich optimistischere Haltung an den Tag gelegt, auch wenn ihm der Schluss aufgezwungen worden war. Auch damals war Burt Lancaster dabei, er spielte den titelgebenden Apachen. „Keine Gnade für Ulzana“ zeigt sich ungleich räudiger und zynischer, gerade was das Verhalten der Apachen angeht. Individuell porträtiert werden allerdings nur die Verfolger, Ulzana und seine Männer lernen wir nicht wirklich kennen.

… und gerät ins Kreuzfeuer …

Weil Burt Lancaster inoffiziell viele Produzentenaufgaben übernahm, ließ er auch eine von ihm persönlich abgesegnete Schnittfassung anfertigen. Sie ist im Zusatzmaterial der Veröffentlichung von explosive media enthalten, wenn auch nur im 4:3-Format und in bescheidener Bildqualität – Bild und Ton der Aldrich-Fassung überzeugen qualitativ. Die Unterschiede zur unter dem Auge von Robert Aldrich entstandenen Fassung sind erkennbar, aber wohl nur von historischem Interesse, um eine unterschiedliche Haltung von Lancaster und Aldrich herauszuarbeiten.

Ulzana auch in der DDR

Ein Jahr nach „Keine Gnade für Ulzana“ entstand in der DDR der Western „Apachen“ mit Gojko Mitić in der Rolle des Ulzana, dem ein weiteres Jahr später die Fortsetzung „Ulzana“ – ebenfalls mit Mitić – folgte. Diese beiden ostdeutschen Vertreter gehen eher als Kuriositäten durch. „Keine Gnade für Ulzana“ hingegen besticht durch seine so desillusionierte wie schonungslose Darstellung einer Jagd, die keine Sieger kennen wird.

… der Apachen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Robert Aldrich sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Burt Lancaster unter Schauspieler. Welche dort noch nicht vermerkten Filme dieser beiden Herren sollen wir zusätzlich rezensieren?

Es gibt kein Entrinnen

Veröffentlichung: 9. November 2017 als 2-Disc Special Edition (Blu-ray & DVD) und DVD, 2. August 2007 und 14. August 2003 als DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Ulzana’s Raid
USA 1972
Regie: Robert Aldrich
Drehbuch: Alan Sharp
Besetzung: Burt Lancaster, Bruce Davison, Jorge Luke, Richard Jaeckel, Joaquín Martínez, Lloyd Bochner, Karl Swenson, Dran Hamilton, Douglass Watson
Zusatzmaterial: Burt-Lancaster-Schnittfassung in 4:3 (96 Min.), Originaltrailer, Bildergalerien, Wendecover
Label: explosive media
Vertrieb: Koch Films (alte DVDs: Universal Pictures Germany GmbH)

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films / explosive media

 
 

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