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Gottes General – Schlacht um die Freiheit: Epische Chronik eines Bürgerkriegs

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For Greater Glory – The True Story of Cristiada

Von Volker Schönenberger

Historien-Kriegsdrama // Sagt euch der Guerra Cristera etwas? Mir vor Sichtung von „Gottes General – Schlacht um die Freiheit“ auch nicht. In dem von 1926 bis 1929 dauernden Bürgerkrieg in Mexiko kämpften christliche Milizen, die sogenannten Cristeros, gegen die Regierung von Präsident Plutarco Elías Calles und dessen Maßnahmen gegen die katholische Kirche. Beide Seiten gingen mit brutalen Mitteln und ohne Gnade vor.

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Präsident Calles (3. v. r.) geht mit aller Härte vor

„Gottes General – Schlacht um die Freiheit“ beginnt mit einer Ankündigung von Präsident Calles (Rubén Blades), der die antiklerikalen Gesetze verschärft: Ausländische Geistliche müssen ausreisen, Priester, die die Regierung kritisieren, müssen mit fünfjähriger Haft rechnen; sie dürfen in der Öffentlichkeit keine religiöse Tracht tragen. In der Bevölkerung regen sich Proteste in Form von Demonstrationen und Boykotten. Calles ergreift härtere Maßnahmen, lässt das Militär Kirchen stürmen und Teilnehmer von Gottesdiensten massakrieren. Geistliche werden ohne Verfahren an die Wand gestellt oder gehenkt, darunter der greise Padre Christopher (Peter O’Toole). Dessen junger Schützling José Sánchez del Río (Mauricio Kuri) muss den Tod seines Mentors mit ansehen und schließt sich anschließend dem Widerstand an.

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Familie Gorostieta wird im Krieg getrennt

Die Cristeros formieren sich, darunter der heißspornige Victoriano „El Catorce“ Ramírez (Oscar Isaac) und der vom Priester zum General mutierte José Reyes Vega (Santiago Cabrera). Es gelingt der Nationalen Liga zur Verteidigung der Religionsfreiheit, den angesehenen General Enrique Gorostieta (Andy García) für ihre Sache zu gewinnen – er soll den Aufstand anführen. Der ist zwar nicht religiös, der Kirche jedoch um seiner Frau Tulita (Eva Longoria) willen wohlgesonnen. Er verlegt sich auf eine Guerilla-Taktik.

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Die Cristeros formieren sich

Knapp zweieinhalb Stunden – „Gottes General – Schlacht um die Freiheit“ verrät allein schon durch die Länge den epischen Anspruch. Etwas kürzer hätte es auch getan, aber die ambitionierte Produktion ist üppig ausgestattet und beim großen Ganzen um Genauigkeit bemüht – soweit ich das mit nur grober Kenntnis der historischen Ereignisse beurteilen kann. Es wird heldenhaft gekämpft und gestorben. Dass „Gottes General“ Enrique Gorostieta Kirche und Religion kritisch gegenübersteht, wird kurz thematisiert und löst sich am Ende etwas pathetisch auf. Aber in Unkenntnis der Haltung der historischen Gestalt Gorostieta zur Religion sei das hingenommen.

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Ungestüm: Victoriano Ramírez

Der echte José Sánchez del Río wird in Mexiko als Märtyrer verehrt und wurde 2005 von Papst Benedikt mit zwölf weiteren Märtyrern seliggesprochen. Entsprechend bewegend und pathetisch ist sein Tod im Film inszeniert worden – inklusive des Kreuzes, das er sterbend mit dem Finger in den Boden gemalt haben soll. Als sei das nicht genug, fand man nun sogar ein Wunder, das man José zuschreiben kann, sodass seiner für den Oktober 2016 angesetzten Heiligsprechung durch Papst Franziskus nichts mehr entgegensteht.

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Gottes General: Gorostieta zettelt einen Guerillakrieg an

Etwas verwundert nimmt man zur Kenntnis, dass in einer mexikanischen Produktion über bedeutsame mexikanische Ereignisse keine Mexikaner in Hauptrollen zu sehen sind, aber die erlesene internationale Besetzung ist über Zweifel erhaben. Immerhin haben Andy García („Die Unbestechlichen“), Oscar Isaac („Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“) und Rubén Blades („The Counselor“) lateinamerikanische Wurzeln, „Desperate Housewives“-Star Eva Longoria ist sogar mexikanischer Abstammung.

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Die Soldaten der Regierung …

Für Peter „Lawrence von Arabien“ O’Toole (1932–2013) war es eine seiner letzten Rollen. Als Regisseur verpflichteten die Produzenten den Debütanten Dean Wright, der ansonsten visuelle Effekte verantwortet, darunter für „Titanic“, zwei „Der Herr der Ringe“-Teile und zwei „Die Chroniken von Narnia“-Teile. Den Soundtrack lieferte James Horner (1953–2015), zweifacher Oscar-Preisträger für die Filmmusik und den Song „My Heart Will Go on“ aus „Titanic“. Da hat man sich also nicht lumpen lassen und vom nördlichen Nachbarn Kalifornien große Namen für Mexiko verpflichtet. „Gottes General – Schlacht um die Freiheit“ sollte Hollywood-Format erhalten, das ist zweifelsohne gelungen. Etwas glattes, gleichwohl beeindruckendes episches Breitwand-Kino.

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… kennen keine Gnade

Oscar Isaac bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Gottes General – Schlacht um die Freiheit (2012)
Revenge for Jolly! (2012)
Inside Llewyn Davis (2013)
A Most Violent Year (2014)
Ex Machina (2015)
Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht (2015)
X-Men – Apocalypse (2016)

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Vom Priester zum General: José Vega

Veröffentlichung: 12. Februar 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 139 Min. (Blu-ray), 135 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Spanisch/Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: For Greater Glory – The True Story of Cristiada
MEX 2012
Regie: Dean Wright
Drehbuch: Michael Love
Besetzung: Andy García, Oscar Isaac, Catalina Sandino Moreno, Rubén Blades, Peter O’Toole, Eva Longoria, Mauricio Kuri, Adrian Alonso, Eduardo Verástegui, Nestor Carbonell, Santiago Cabrera, Jorge Luis Moreno, Bruce Greenwood, Bruce McGill, Joaquín Garrido, Alma Martinez, Horacio Garcia Rojas, Raúl Méndez
Zusatzmaterial: Die wahre Geschichte der Cristeros (27. Min.), Wendecover
Vertrieb: Pandastorm Pictures

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Pandastorm Pictures

 

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Der stolze Rebell – Hoffnung im Schatten des Krieges

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The Proud Rebel

Von Ansgar Skulme

Western-Melodram // Ein früherer Südstaatensoldat (Alan Ladd) reist nach dem Bürgerkrieg mit seinem Sohn David (David Ladd) in den Norden, stetig auf der Suche nach einem Arzt für das Kind. Der Junge musste in Abwesenheit des Vaters mit ansehen, wie das Haus der Familie niederbrannte und die Mutter dabei zu Tode kam – seitdem hat er die Sprache verloren und hängt mehr denn je an seinem treuen Freund, einem kleinen Hund. Nur die alleinstehende Linnett Moore (Olivia de Havilland) und ein freundlicher Mediziner (Cecil Kellaway) kümmern sich um die Kriegsverlierer, aber auch auf dem Land von Miss Moore droht den Gebeutelten Unheil: Die Burleigh-Familie (unter anderem: Dean Jagger) hat es auf die Ländereien abgesehen und der Geschäftsmann Bates (James Westerfield) auf den Hund vom kleinen David …

Das Ganze liest sich auf den ersten Blick schrecklich vorhersehbar und rührselig, aber da man dem ohnehin in seinen 50er-Jahre-Filmen häufig recht resigniert wirkenden Alan Ladd diese Rolle hervorragend abkauft und seinem Sohn David im Alter von nur zehn Jahren eine enorm gute schauspielerische Leistung gelang, funktioniert dieses Spätwerk von Michael Curtiz durchaus ansprechend. David Ladd wurde verdient für gleich zwei reguläre Golden Globes nominiert und letztlich mit einem Special Award als bester jugendlicher Darsteller ausgezeichnet. „Der stolze Rebell“ wirkt bemerkenswert aufrichtig und ist dadurch bewegend, was letztlich in erster Linie dem guten Gespür von Michael Curtiz zu verdanken ist, die Bilder nüchtern zu belassen, da die Story ohnehin melodramatisch genug ist. Es besteht schlicht keine Notwendigkeit einer Dopplung von melodramatischer Handlung und Bildsprache, wie man es etwa von Douglas Sirk („Was der Himmel erlaubt“) kennt. Im Ergebnis heißt das: Viel glaubwürdiger als „Der stolze Rebell“ kann man ein Melodram im Grunde kaum inszenieren.

Momente das Abschieds

Glaubwürdig ist der Film aber auch, weil man Olivia de Havilland – hier im fünften ihrer nur sechs Filme aus den 50er-Jahren zu sehen – die bescheidene, alleinstehende Frau als ehrlich und liebevoll abnimmt; rüstig verwaltet sie ein großes Stück Land und ist glücklich, als sie sieht, wie sich der kleine Junge über sein neues Zuhause freut, das bisher ihr alleiniges Heim war. Einmal mehr überzeugt de Havilland als starke Kämpferin für das Gute, der alles Böse komplett fremd zu sein scheint – das Rollenprofil, mit dem sie seit den 30er-Jahren berühmt geworden war. Es war nicht nur ihr letzter Kino-Western, dem lediglich noch eine Episode der Serie „Big Valley“ von 1965 folgte, sondern auch ihr letzter Film mit Michael Curtiz, dem Regisseur, der sie mit Filmen wie „Unter Piratenflagge“ (1935) und „Die Abenteuer des Robin Hood“ (1938) berühmt gemacht hatte.

Mit Alan Ladd, der sich zunächst vor dem raubeinigen Umgang des Regisseurs mit seinen Stars gefürchtet hatte, drehte Curtiz unmittelbar danach noch den Kriminalfilm „Das tödliche Netz“ (1959). Binnen nur weniger weiterer Jahre sollten die Hollywood-Karrieren beider Stars und des Regisseurs enden: Michael Curtiz starb 1962, Alan Ladd 1964 und Olivia de Havilland war nachfolgend nur noch in vier Hauptrollen im Kino zu sehen – 1964 in ihrer letzten. Ein Spätwerk war der Film aber auch für den angehenden Jungstar Tom Pittman, welcher einen der beiden Söhne der Burleigh-Familie spielt. Pittman wurde seinerzeit als Nachfolger von James Dean gehandelt, starb aber fünf Monate nach der Premiere des Films mit 26 Jahren bei einem Autounfall. Der Film „Verboten!“, eine Zusammenarbeit mit Samuel Fuller, und seine erste Kinohauptrolle „High School Big Shot“, die ihm im Doppelpack wahrscheinlich eine große Tür aufgestoßen hätten, erschienen 1959 erst posthum.

Ein rares Synchronvergnügen

In den USA wurde der Film 2011 von Echo Bridge Home Entertainment auf DVD veröffentlicht und dabei offen als Familienfilm angepriesen – mit einem Cover, das stark an Disney-Veröffentlichungen von Produktionen jener Zeit erinnert. Zuvor gab es bereits 2007 eine Veröffentlichung, im August 2015 folgte eine weitere. Kurzum: Selbst in seinem Herkunftsland schieben kleine Labels den Film hin und her. Für den Kino-Verleih in den USA war ursprünglich Buena Vista zuständig, in Deutschland wurde der Film von MGM auf die Leinwand gebracht. Offen bleibt, ob es aus dieser Sachlage einen Ausweg für das Werk auf eine deutsche DVD gibt. Lohnend wäre eine Veröffentlichung in der Bundesrepublik schon allein deswegen, weil es sich hierbei um einen der wenigen Filme handelt, in denen Werner Peters (1918–1971) in der Hauptrolle, als Stimme von Alan Ladd, zu hören ist – ein auch vor der Kamera in den 50er- und 60er-Jahren durchaus namhafter deutscher Schauspieler („Der Untertan“, 1951), der es bis ins internationale Kino und in Filme wirklich großer Regisseure schaffte. Peters arbeitete in den 50ern zwar häufig als Synchronsprecher und war auch oftmals in recht großen Rollen im Einsatz, den an erster Stelle genannten Star eines Films durfte er aber leider nur ausgesprochen selten sprechen. Wer nach weiteren Beispielen Ausschau hält, dem sei noch der Film noir „Der Henker nimmt Maß“ (1957) empfohlen, in dem Werner Peters in einer Doppelrolle für Jack Palance zu hören ist. Auch hierbei handelt es sich um eine MGM-Veröffentlichung – ein Studio, das oftmals mit ungewöhnlichen Synchronbesetzungen auffiel und auch gern einmal lange bewährte Kontinuitäten missachtete, im Falle von Peters aber einen guten Schachzug tätigte.

Von der Reduzierung des Michael Curtiz

Abschließend bietet es sich an, ausgehend von diesem Film und anknüpfend an meinen Text zu „Goldene Erde Kalifornien“ (1938), den allgemeinen filmhistorischen Umgang mit Michael Curtiz zu kritisieren, nicht zuletzt was die Veröffentlichung seiner Filme bis heute anbelangt – speziell in Deutschland. Curtiz war ein überaus fleißiger Regisseur, der gewissermaßen bis zum letzten Atemzug auf höchstem Niveau arbeitete. Einer, der bereits in den 30er-Jahren enorm erfolgreich gewesen ist und nach dem Tonfilm auch alle neuen Farbverfahren stets zeitnah erproben durfte. Schon Anfang der 30er war er eine sichere Bank und die Produzenten brachten ihm großes Vertrauen entgegen. Viele seiner 30er-Filme waren bei uns in Deutschland noch sehr lange im TV präsent, regelmäßig im Nachtprogramm der ARD und der dritten Programme vertreten, und sind es teilweise noch heute. Ab Ende der 30er-Jahre wird Curtiz‘ Schaffen aber zu sehr mit Blick auf seine Zusammenarbeiten mit Errol Flynn (und Olivia de Havilland) reduziert – nicht nur in Deutschland.

Von den mehr als 30 Filmen, die er nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. etwa ab seinem 60. Lebensjahr bis zu seinem Tod binnen weniger als 20 Jahren fertigstellte, sind viele heute kaum noch bekannt, obwohl von fast allen (sogar von fast allen seit Anfang der 30er-Jahre!) eine deutsche Synchronfassung angefertigt wurde. Curtiz drehte rund 100 Tonfilme, die beinahe von Beginn an erfolgreich waren, und hatte zuvor auch schon rund 70 Stummfilme realisiert, aber eine Michael-Curtiz-Box oder -Collection lässt selbst in den USA oder Großbritannien bis heute auf sich warten. Curtiz war weder nur der Haus-und-Hof-Regisseur von Errol Flynn, als der er gern einmal verkauft wird, noch brachte der an Heiligabend geborene Regie-Veteran in den 50ern nicht mehr als lediglich die beiden großen Weihnachtsklassiker „Weiße Weihnachten“ (1954) und „Wir sind keine Engel“ (1955) zustande. Bis zu seinem Tod im Alter von 75 Jahren war er quer durch die Genrewelt aktiv, und noch seine finalen drei Filme waren bei Licht betrachtet Hausnummern: die Mark-Twain-Verfilmung „Abenteuer am Mississippi“ (1960), das heute fast vergessene Biopic „Franz von Assisi“ (1961) und schließlich der John-Wayne-Western „Die Comancheros“ (1961), doch ebenso stiefmütterlich wie „Franz von Assisi“ werden auch die meisten anderen Filme behandelt, die er vor, nach und während seiner Zeit mit Errol Flynn drehte. Selbst seine im TV noch einigermaßen präsent gebliebenen 30er-Filme gibt es hierzulande größenteils nicht auf DVD.

Das Problem der Vielseitigkeit

Die Filmografie von Michael Curtiz sachgemäß und qualitativ angemessen zugänglich zu machen und in ihrer Breite zu erschließen, für die Errol Flynn nur ein Baustein war, ist eine große, bisher nicht bewältigte Aufgabe. Was in Deutschland an Filmen vergessen wurde, wurde in den USA zu einem guten Teil zumindest degradiert. Stellt sich eigentlich nur die Frage, wo man zuzugreifen und dies zu ändern beginnt. Selbst wenn man vorerst nur die Filme ab dem Beginn seines wirklich großen Erfolgs mit einigen Genre-Meilensteinen im Horror-, Kriminal- und Gangsterfilm Anfang der 30er berücksichtigt, bleiben von dort aus bis zu seinem Tode immer noch dreißig Jahre eher spärlich beleuchtete Kinogeschichte übrig.

Der gebürtige Budapester Michael Curtiz ist einer der Regisseure, denen es zum Verhängnis geworden zu sein scheint, dass sie praktisch alles konnten, dies ausgewogen zeigten und einfach nicht auf ein Genre festzunageln sind, mit dem man sie assoziiert. John Ford verbindet man mit dem Western, James Whale oder Tod Browning mit dem Horrorfilm, Hal Roach mit Slapstick, Alfred Hitchcock mit dem Thriller, Cecil B. DeMille mit epischen Großproduktionen; allesamt werden sie als Meister des jeweiligen Sektors ausgerufen – und das sicher nicht zu Unrecht, aber ihre Schwerpunkte waren auch dementsprechend gelagert. Und Michael Curtiz, der keinen wirklichen Schwerpunkt hatte, sondern alles ausprobierte, technisch und inhaltlich sehr offen war, assoziiert man … mit Errol Flynn und „Casablanca“ (1942). Der einzige sehr rege bei großen Studios aktive Regisseur, dem man auf diese Weise Unrecht tut, ist er aber sicher nicht. Man könnte nun beispielsweise mit Allan Dwan weitermachen, dem das Cinema-Ritrovato-Festival in Bologna immerhin erst vor wenigen Jahren eine Retrospektive widmete, aber das ist eine andere Geschichte.

Olivia de Havilland bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Wiegenlied für eine Leiche (1964)

Michael Curtiz bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Die Comancheros (1961)

Veröffentlichung (USA): 12. August 2015, 3. Mai 2011 und 22. Mai 2007 als DVD

Länge: 103 Min. (Kino)
Originaltitel: The Proud Rebel
USA 1958
Regie: Michael Curtiz
Drehbuch: Joseph Petracca & Lillie Hayward, nach einer Geschichte von James Edward Grant
Besetzung: Alan Ladd, Olivia de Havilland, Dean Jagger, David Ladd, Cecil Kellaway, Harry Dean Stanton, Tom Pittman, Henry Hull, Eli Mintz, John Carradine, Percy Helton
Vertrieb: Buena Vista Film Distribution Company & Metro-Goldwyn-Mayer

Copyright 2016 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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Johnny Mad Dog – Der Kindersoldat und das Mädchen

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Johnny Mad Dog

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Filme dienen uns Zuschauern oft als Eskapismus, Alltagsflucht. Für eine Weile blenden wir unser Dasein oder das Elend der Welt aus und fliehen in ein besseres Dasein, vielleicht auch nur eine andere Welt. Dann aber gibt es Filme, die uns schonungslos mit der Realität konfrontieren – einer Realität, die uns ganz nah ist, weil sie sich in unserem Land und in einem mit unserem vergleichbaren Alltag abspielt, oder einer Realität, die uns zwar fern erscheint, aber letztlich zu unserem Leben gehört.

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Die Rebellen sind blutrünstig und minderjährig

„Johnny Mad Dog“ ist so ein Film. Er zwingt uns, die Augen zu öffnen für Ereignisse, die sich in einem fernen Land abspielen – dem von seinem zweiten Bürgerkrieg (1999–2003) geschüttelten Liberia und dem bitteren Phänomen der Kindersoldaten. Für sein Kriegsdrama nach einem Roman des kongolesischen Autors Emmanuel Dongala besetzte Regisseur und Drehbuchautor Jean-Stéphane Sauvaire die Rollen mit Laiendarstellern, die zum Teil tatsächlich als Kindersoldaten gekämpft hatten. Gedreht an Originalschauplätzen, erhielt „Johnny Mad Dog“ 2008 beim Filmfest Hamburg den Young Artist Award und in Cannes den Regard Hope Award.

Der Sohn muss den Vater töten

Ein paramilitärischer Trupp regierungsfeindlicher Rebellen dringt in ein afrikanisches Dorf ein. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden zusammengetrieben und mit Kalaschnikows im Anschlag in Schach gehalten. Die Milizionäre, vornehmlich minderjährig, sind aggressiv, aufgeputscht, suchen nach Geld, Wertgegenständen – und Kindern. Ein Junge wird aus einem Versteck geholt. Sein Vater hatte ihn verborgen, um ihn vor der Verschleppung als Kindersoldat zu bewahren. Vergeblich: Man zwingt den Knirps, zur Strafe seinen Vater zu erschießen. Vorerst kriegt er nur ein Holzgewehr als Waffe – er wird seine Zwangsrekrutierung nicht lange überleben.

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Mit Kalaschnikow fühlt sich No Good Advice unbezwingbar

Die Knaben mit Schusswaffen fühlen sich cool und verwegen, geben sich Künstlernamen wie No Good Advice (Dagbeth Tweh) und Small Devil (Barry Chernoh), kleiden sich lässig oder bizarr. Butterfly (Mohammed Sesay) trägt Schmetterlingsflügel eines Faschingskostüms auf dem Rücken. Ein anderer trägt stolz das Brautkleid, das er bei der oben erwähnten Dorfplünderung entdeckt hat. Wer nicht für sie ist, ist gegen sie. Wer ihnen zufällig über den Weg läuft, gilt als Feind, Spion, Regierungssoldat und muss fürchten, einfach abgeknallt zu werden.

Mit 15 ein Killer: Johnny Mad Dog

Der Film fokussiert sich auf zwei Protagonisten: Die Titelfigur Johnny Mad Dog (Christophe Minie) ist ein Kindersoldat mit Führungsrang. Der 15-Jährige marschiert in vorderster Front, übertrifft alle an Coolness und Aggressivität. Selten schimmert ein Hauch von Mitgefühl bei ihm durch.

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Opfer in den eigenen Reihen werden hingenommen

Dann ist da das Teenager-Mädchen Laokole (Daisy Victoria Vandy), das seinen verletzten und beinlosen Vater, seinen kleinen Bruder und sich selbst in Sicherheit bringen will – wo immer diese Sicherheit auch sein mag. Als Johnny Mad Dog und Laokole zum ersten Mal aufeinandertreffen, lässt der Kindersoldat sie laufen.

Gegen den Präsidenten – aber wofür?

Johnny Mad Dog und seine Rebellen sind Teil der LURD, deren erklärtes – und einziges – Ziel es ist, den liberianischen Präsidenten Charles Taylor zu stürzen. Der Krieg erscheint durch diese vergleichsweise kurzsichtige Forderung noch sinnloser als sowieso. Keiner der Kindersoldaten weiß wirklich, wofür er kämpft, aber sie alle spüren den Rausch von Macht und Gewalt, verstärkt noch durch das Kokain, das ihnen General Never Die (Joseph Duo) verschafft.

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Kinder in vorderster Front

Bedrohungsszenerien vibrieren vor Hektik, Unruhe und der bangen Erwartung des Todes der Zivilisten, die niederknien und in die Mündungen der Kalaschnikows blicken müssen. Argumenten sind die Milizionäre nicht zugänglich. Diese aggressiven Momente wechseln sich mit stillen Sequenzen ab, in denen Figuren wie Zuschauer kurz innehalten können. Die Ruhe ist trügerisch, obgleich ein paar Mal ein klein wenig Hoffnung durchschimmert – eine ganz kleine Hoffnung.

Zwei Jahre nach „Blood Diamond“

Hollywood hatte zwei Jahre zuvor mit Edward Zwicks „Blood Diamond“ einen afrikanischen Konflikt mit seinen bitteren Begleitumständen zum Action-Abenteuer verarbeitet und dabei immerhin auch das Thema Kindersoldaten ins Bewusstsein der internationalen Öffentlichkeit gerückt. „Johnny Mad Dog“ hat weit weniger Menschen erreicht, schafft aber mit seiner Rauheit einen Grad an Authentizität und Intensität, an den der Blockbuster mit Leonardo DiCaprio nicht herankommt. Eskapismus ist nichts Schlechtes, aber es muss auch Kino geben, das uns aufrüttelt und auf die Welt blicken lässt, wie sie ist. Das gelingt „Johnny Mad Dog“ – ein wichtiger Film.

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Verlorene Unschuld: Johnny Mad Dog

Veröffentlichung: 24. Juni 2011 als Blu-ray und DVD

Länge: 100 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Johnny Mad Dog
F/BEL/LIB 2008
Regie: Jean-Stéphane Sauvaire
Drehbuch: Jean-Stéphane Sauvaire, nach einem Roman von Emmanuel Dongala
Besetzung: Christophe Minie, Daisy Victoria Vandy, Joseph Duo, Dagbeth Tweh, Mohammed Sesay, Barry Chernoh
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2011 Koch Media

 

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