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Gewinnspiel: 5 x Scorpio, der Killer auf Blu-ray

Verlosung

„Scorpio, der Killer“ – das ist Alain Delon, der in der Titelrolle als CIA-Auftragsmörder seinen von Burt Lancaster verkörperten Ausbilder und Mentor um die Ecke bringen soll. Koch Films hat den Thriller von 1973 jüngst erstmals auf Blu-ray veröffentlicht und uns fünf Exemplare zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,45 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu Lucas Grönings Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 19. Mai 2019, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Ich benötige obendrein die Zusage, dass die Sendung nicht von Minderjährigen entgegengenommen werden kann. Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben,

– Christoph B.,
– Birgit,
– Dirk Busch,
– nowitzki.tim
– Rainer Pampuch.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Scorpio, der Killer“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 

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Scorpio, der Killer – Der Anti-Bond

Scorpio

Von Lucas Gröning

Thriller // Denken wir an die großen Agentenfilme, kommen uns in den meisten Fällen die Verfilmungen von Ian Flemings berühmtester Romanfigur in den Sinn. Die Rede ist natürlich von den Werken rund um James Bond. Seit 1962 ist Agent 007 regelmäßig in Bewegtbild dabei zu bewundern, wie er die Welt vor bösen Superschurken rettet, Cocktails schlürft und Sex mit einer Reihe attraktiver Frauen hat. Bond wirkt dabei wie ein verdammt cooler Typ, welcher vollkommen unantastbar scheint und jede noch so gefährliche Situation wieder unter Kontrolle bekommt. Michael Winners „Scorpio, der Killer“ steht als Agentenfilm selbstverständlich in der Tradition dieser Werke, geht jedoch einen vollkommen anderen Weg. Kommen wir aber zunächst zum Plot: Der alternde Auftragsmörder Cross (Burt Lancaster) tötet im Auftrag der CIA Menschen, welche der US-Regierung Schaden zufügen könnten. Für die Bewältigung dieser Aufgabe arbeitet er häufig mit dem jungen Killer Jean Laurier (Alain Delon), genannt „Scorpio“, zusammen. Diesen hat er zum Teil selbst ausgebildet, die beiden pflegen ein freundschaftliches Verhältnis zueinander. Als CIA-Chef McLeod (John Colicos) beschließt, dass Cross ausgeschaltet werden soll, ist es ausgerechnet dessen Schüler Scorpio, der den Auftag bekommt, seinen Mentor zu töten. Fortan beginnt eine nervenaufreibende Hetzjagd durch die USA, Europa und wieder zurück, bei der wir uns immer wieder fragen müssen, auf wessen Seite wir eigentlich gerade stehen.

Scorpio ist Cross dicht auf den Fersen

Der Thriller inszeniert seine Figuren dabei bewusst sympathisch, indem er uns viel aus dem Privatleben der beiden Killer zeigt. So erfahren wir, dass Cross ein sehr großes und schönes Haus hat sowie eine wundervolle Ehefrau namens Sarah (Joanne Linville), welche sich vermutlich in einem ähnlichen Alter befindet wie er. Wenn wir die beiden in ihrem Haus sehen, kommt uns automatisch das Bild von der bereits seit Ewigkeiten anhaltenden Jugendliebe in den Sinn. In diesen Szenen zeigt uns Winners Werk große Bodenständigkeit. Kein Vergleich zu Agent 007, welcher in seinen 25 Filmen Sex mit 53 verschiedenen Frauen praktizierte. Auch im weiteren Verlauf erfahren wir viel über den alternden Killer, vor allem über seine Vorlieben für Kultur, klassische Musik und das Theater. Wenn man noch den Faktor dazurechnet, dass Cross von der CIA regelrecht abserviert werden soll, können wir gar nicht mehr anders, als in ihm einen Sympathieträger zu sehen. Aber auch Cross’ Gegenpart Scorpio wird auf ähnliche Weise inszeniert. Das erste, was wir über den jungen Killer erfahren, ist, dass er eine große Anzahl von Katzen sein Eigen nennt. Diese Katzen wirken dabei nicht nur wie ein irgendein Element, welches man dem Charakter angedichtet hat, um ihn menschlicher erscheinen zu lassen. Uns wird unmissverständlich klar, dass Scorpio diese Katzen liebt. Er hebt sie hoch, lächelt sie an, schaut minutenlang auf sie, streichelt sie, knuddelt sie und es scheint so, als seien ihm diese Katzen wichtiger als die meisten Menschen. Sie sind es primär, die ihm in dieser dunklen, von Misstrauen und Verrat geprägten Welt Halt geben. Die einzige Figur, mit der er eine ähnliche Beziehung teilt, ist seine Freundin Susan (Gayle Hunnicutt), die er über seine Schwester Anne (Mary Maude) kennengelernt hat. Auch hier werden wir Zeuge einer von großer Liebe geprägten Beziehung, welche nur, im Gegensatz zur Beziehung von Cross und seiner Frau, noch sehr jung ist. Wir erfahren also sehr viel über das Privatleben von Cross und Scorpio, wodurch sie von uns zu Sympathieträgern erhoben werden.

Privatleben vor Beruf

Doch die Präsentation dieser Bilder der Liebe hat noch einen anderen Grund: Im Verlauf des Films weichen sie immer mehr anderen Motiven, welche uns Gewalt, Verrat und eine omnipräsente Gefahr zeigen. Das Leben beider Protagonisten wird mehrmals bedroht. Vor allem trifft dies auf Cross zu, welcher sich immer wieder auf der Flucht vor Scorpio und der CIA befindet. Man bekommt hier eine Konstellation „Einer gegen alle“ präsentiert, sodass die Sympathien mehr und mehr in Richtung des alternden Killers ausschlagen, ohne dass wir jedoch Scorpios Motivation nicht nachvollziehen könnten und ihm als Charakter gänzlich die Rolle des Antagonisten zuschreiben wollen. Gerade aufgrund der Informationen, die wir über beide haben, fällt es schwer, Partei zu ergreifen. Wir wissen viel über beider Privatleben und daher ist uns auch bewusst, dass beide enorm viel zu verlieren haben.

„Scorpio, der Killer“ nutzt dabei vor allem Cross, um uns diese Menschlichkeit und Antastbarkeit zu vermitteln und ihm ein anderes Antlitz zu geben als das des eiskalten Killers. Dies geschieht zum Beispiel, wenn er mit einem russischen Agenten (Paul Scofield) seiner Generation über den Verlust von Werten in der Gesellschaft, den Unterschied zwischen Kommunismus und Stalinismus sowie die Sinnlosigkeit von Agenten in einer nahezu gläsernen Gesellschaft spricht. Wir sehen hier einen Mann, der Zeit seines Lebens für die Regierung Menschen umgebracht hat, und wir erfahren in solchen Szenen, wie brüchig dieses Konstrukt tatsächlich ist. Cross hinterfragt seine eigene Existenz, und es wird klar, dass er selbst diesen Job verabscheut. Er sucht einen Ausweg, den er nicht finden kann. Mit den Hintergrundinformationen über Cross ist uns auch bewusst, dass er viel zu verlieren hat, was ihm deutlich wichtiger ist als sein von Gefahren geprägter Job. Hier finden wir einen fundamentalen Unterschied zu den James-Bond-Filmen. Bei Bond ist es der Beruf, der klar im Vordergund steht. Alles wird diesem untergeordnet und alle nebensächlichen Vergnügungen wie Cocktails, Frauen oder Partys sind bloß interessant, solange sie dem Auftrag nicht im Wege stehen. In Michael Winners Werk wird mit diesem Agentenbild gebrochen und der Privatmann tritt aus dem Schatten des Berufskillers.

Der gealterte Killer weiß um die Gefahr

Genau diesen Konflikt zwischen Privatperson und Berufsperson behandelt der Thriller. Wir wünschen uns einen Ausweg für beide Protagonisten aus dieser höllischen Welt, in der sie gegeneinander ausgespielt werden und in der ihnen die ganze Macht einer CIA vor Augen geführt wird, von der ihr Leben komplett abhängig ist. Cross wird als der Charakter dargestellt, der dies im hohen Alter erkannt hat und langsam die Ausweglosigkeit seiner Situation begreift. Der junge Scorpio hingegen erkennt noch nicht, was er verlieren kann und worin seine Tragödie begründet liegt. Er erkennt noch nicht, wie sehr er sich in die Abhängigkeit zu Leuten begibt, für die er nichts anderes ist als ein austauschbarer Killer, welcher irgendwann vielleicht auf die gleiche Weise abserviert werden soll wie sein Lehrmeister. Aufgrund von Cross’ Situation erkennt aber der Zuschauer dieses Dilemma, was es schmerzhaft macht, zu beobachten, wie der selbstsichere Scorpio immer tiefer in den Schlund hineinrutscht. Diesen Plot inszeniert der Regisseur großartig.

Tolle Schauspieler vor ansprechender Kulisse

Wir sehen fantastische schauspielerische Leistungen, insbesondere von Burt Lancaster, Alain Delon und Paul Scofield, die extrem nahbare und glaubwürdige Figuren erschaffen haben. Diese Schauspielkunst wird uns in wunderschönen Kulissen präsentiert – egal ob die idyllische Nachbarschaft in Washington D.C. oder die nächtlichen Straßen von Wien. Alles wirkt wie aus einem Guss. Auch technisch macht der Thriller einiges richtig und die Kamera zeigt uns Bilder, die lange im Gedächtnis bleiben. Wenn man hier etwas kritisieren möchte, sind es die teilweise lahm geschnittenen Actionsequenzen, die dem Genuss des Werks jedoch kaum im Wege stehen, da es seine Faszination sowieso eher aus den tollen Dialogen gewinnt.

Wer auf der Suche nach einem Agentenfilm ist, der das Klischee vom eiskalten, coolen Killer negiert und uns stattdessen angreifbare, nahbare Menschen in Ausnahmesituationen zeigt, kommt um „Scorpio, der Killer“ nicht herum. Ein wirklich toller Film. Einen Plot mit ähnlicher Figurenkonstellation hatte Michael Winner („Ein Mann sieht rot“) ein Jahr zuvor mit „Kalter Hauch“ („The Mechanic“) inszeniert – darin sind Charles Bronson als gealterter und Jan-Michael Vincent als Nachwuchskiller zu sehen. 2011 kam ein Remake mit Jason Statham und Ben Foster in die Kinos.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Alain Delon und Burt Lancaster sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Welche Alain-Delon-Filme sind eure Favoriten?

Eine blutige Hetzjagd

Veröffentlichung: 11. April 2019 als Blu-ray und DVD, 10. Februar 2004 als DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Scorpio
USA 1973
Regie: Michael Winner
Drehbuch: David W. Rintels, Gerald Wilson
Besetzung: Burt Lancaster, Alain Delon, Paul Scofield, John Colicos, Gayle Hunnicutt, J. D. Cannon, Joanne Linville, Mel Stewart, Vladek Sheybal, Mary Maude, James Sikking, William Smithers
Zusatzmaterial: Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Wendecover
Label/Vertrieb 2019: Koch Films
Label/Vertrieb 2004: MGM

Copyright 2019 by Lucas Gröning
Szenenfotos & Packshot: © 2019 Koch Films

 
 

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Urteil von Nürnberg – Gerichts- und Historiendrama in Perfektion

Judgment at Nuremberg

Von Volker Schönenberger

Nachkriegsdrama // Ungewöhnlich: „Urteil von Nürnberg“ beginnt mit einer Ouvertüre ohne Bilder. So etwas kennen die meisten gar nicht mehr, einen musikalischen Prolog vor Beginn der Handlung hatte aber immerhin Quentin Tarantino in der „Roadshow“-Version seines „The Hateful Eight“ (2015) eingebaut. In „Urteil von Nürnberg“ erklingt zum Auftakt Marschmusik vom Schlage „Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren“ und der „Westerwaldmarsch“. Beinahe hätte ich hier YouTube-Links zu dem Liedgut eingebaut, doch dann fiel mir auf, dass diese Stücke auch auf fragwürdigen YouTube-Kanälen rechtaußen zu finden sind.

Richter Haywood steht vor einer schweren Aufgabe

Erstes Bild des Films: das umkränzte Hakenkreuz auf der Haupttribüne des Zeppelinfeldes des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg. Als die Musik verstummt, ertönt eine Explosion – das Symbol der Nazis zerbirst, wohl eine authentische Aufnahme der Sprengung am 22. April 1945 (später werden auch echte Aufnahmen mit Leichenbergen aus befreiten Konzentrationslagern gezeigt). Es folgt eine Kamerafahrt durch das zerstörte Nürnberg des Jahrs 1948. Ruine reiht sich an Ruine, der Bombenkrieg hat schreckliche Spuren hinterlassen. Richter Dan Haywood (Spencer Tracy) trifft in der vom Zweiten Weltkrieg gezeichneten fränkischen Metropole ein. Er wird in der herrschaftlichen Villa eines deutschen Generals einquartiert, den die alliierte Gerichtsbarkeit nach Kriegsende zum Tode verurteilt und hingerichtet hatte, wie Haywood nach einiger Zeit erfährt.

Nazi-Juristen vor Gericht

Dem US-Richter wird Captain Harrison Byers (William Shatner) als Adjutant (oder Mädchen für alles) zur Seite gestellt. Haywood wurde aus Maine abbestellt, um im ehemals Deutschen Reich vier hochrangigen Juristen der Nazis den Prozess zu machen, darunter der schweigsame Ernst Janning (Burt Lancaster) als Hauptangeklagter. Emil Hahn (Werner Klemperer), Friedrich Hofstetter (Martin Brandt) und Werner Lampe (Torben Meyer) bekennen sich nicht schuldig. Janning lässt gar durch seinen Verteidiger Hans Rolfe (Maximilian Schell) ausrichten, er erkenne die Autorität des Gerichts nicht an und wünsche Protest einzulegen. Hauptankläger Colonel Tad Lawson (Richard Widmark) macht gleich in seinem ersten Plädoyer deutlich, dass er härteste Bestrafung fordert – die Angeklagten hätten in der Zeit des „Dritten Reichs“ das Gesetz pervertiert, das sie vertreten hätten. Mit Rolfe und Lawson stehen sich von Anfang an zwei Juristen gegenüber, die einander bezüglich Ehrgeiz und Durchsetzungswille in nichts nachstehen. Richter Haywood und seine beiden Kollegen Kenneth Norris (Kenneth MacKenna) und Curtiss Ives (Ray Teal) stehen vor einer gewaltigen Aufgabe.

Verteidiger Rolfe treibt der Ehrgeiz an

Justizdramen eignen sich mit ihrem Fokus auf Dialogen – und auch Monologen – vorzüglich für große Schauspielkunst, und „Urteil von Nürnberg“ bietet dies in üppigster Form, von Spencer Tracy, Maximilian Schell, Richard Widmark und Burt Lancaster bis hin zu Nebenrollen wie Virginia Christine und Ben Wright, die die Eheleute Halbestadt spielen, welche Richter Haywood den Haushalt führen. Marlene Dietrich („Der große Bluff“) spielt Frau Bertholt, Witwe des hingerichteten Generals, die bis Kriegsende mit ihrem Ehemann in der Villa lebte, die nun Richter Haywood bewohnt. Judy Garland („Der Zauberer von Oz“) tritt als Zeugin der Anklage Irene Hoffman in Erscheinung, die einen Prozess wegen „Rassenschande“ bezeugt, welcher sich in fiktionalisierter Form an einem realen Fall orientiert: Der jüdische Deutsche Leo Katzenberger war 1942 in München zum Tode verurteilt und hingerichtet worden, weil man ihn der Beziehung zu einer nichtjüdischen Frau bezichtigte. 2001 verfilmte Joseph Vilsmaier das Geschehen unter dem Titel „Leo und Claire“ mit Michael Degen und Suzanne von Borsody in den Titelrollen zu einem sehenswerten Drama.

Die Ankläger wissen um die Bedeutung des Prozesses

Wir sehen Montgomery Clift („Verdammt in alle Ewigkeit“) als gebrochenen Rudolph Petersen, den Lawson für die Anklage in den Zeugenstand ruft. Eine beeindruckende Sequenz – Petersen war seinerzeit von Richter Hofstetter, autorisiert von Janning, zur Sterilisation beordert worden, weil er einer kommunistischen Familie entstammte. Clift spielt seinen Part fahrig bis hin zum Stammeln – dem Vernehmen nach sprach er während der Dreharbeiten reichlich dem Alkohol zu, was bei aller Tragik des Schauspielers immerhin seiner Figur Petersen zugutekam. Das gesamte Ensemble bürgt für grandioses Schauspiel, folgerichtig gab’s 1962 einen Schauspiel-Oscar: für Hauptdarsteller Maximilian Schell. Wie verdient der ist, zeigt sich speziell bei Rolfes unerbittlicher Befragung der Zeugin Hoffman.

Adaption einer TV-Serienepisode

Einen zweiten Academy Award erhielt Abby Mann für sein adaptiertes Drehbuch. Der Autor hatte sein eigenes Skript einer von George Roy Hill („Der Clou“) inszenierten und 1959 ausgestrahlten Folge der TV-Anthologieserie „Playhouse 90“ zum Drehbuch für die Kinoadaption umgearbeitet. Ein paar der Darsteller der Episode erhielten auch unter Stanley Kramer die Rollen, die sie in der Fernsehfassung gespielt hatten, darunter der in den USA weitgehend unbekannte Maximilian Schell, der den Part behielt, obwohl Marlon Brando scharf drauf war. Angeblich prognostizierte Spencer Tracy während der Dreharbeiten gegenüber Richard Widmark den Oscar für Schell, weil er von dessen Schauspielkunst so beeindruckt war. Neun weitere Oscar-Nominierungen für „Urteil von Nürnberg“ blieben erfolglos: die für den besten Film und die beste Regie, Hauptdarsteller Spencer Tracy, Nebendarsteller Montgomery Clift und Nebendarstellerin Judy Garland sowie die Schwarz-Weiß-Kamera von Ernest Laszlo, der drei Jahre später für „Das Narrenschiff“ den Oscar gewann, die Schwarz-Weiß-Ausstattung, die Schwarzweiß-Kostüme und den Schnitt. Maximilian Schell hatte zuvor auch den Golden Globe gewonnen, Regisseur Stanley Kramer ebenfalls. An Robert Wises „West Side Story“ als dem mit zehn Oscars großen Gewinner der 1962er-Verleihung war in jenem Jahr kaum ein Vorbeikommen.

Ernst Janning – vom Richter zum Angeklagten

Einige Außenaufnahmen entstanden tatsächlich in Nürnberg. Der gesundheitlich angeschlagene Spencer Tracy hatte sich bereit erklärt, dafür nach Westdeutschland zu fliegen. Der Gerichtssaal hingegen wurde in einem Studio in Hollywood hergerichtet. Viel dreht sich im gezeigten Prozess bis zum abschließenden „Urteil von Nürnberg“ um die Frage, ob die angeklagten Juristen überhaupt Unrecht getan haben. Es geht also nicht in erster Linie darum, ihnen ihr Tun nachzuweisen – ihre Anklageschriften und Urteile liegen vor, die reine Beweisführung gestaltet sich für den Ankläger Lawson vergleichsweise unkompliziert. Darf man sie jedoch nach dem zum Zeitpunkt des Prozesses geltenden Recht aburteilen, oder müsste man nicht vielmehr das Recht zugrundelegen, das in der Zeit des „Dritten Reichs“ galt? Eine Frage, die auch nach dem Zusammenbruch der DDR aufkam, und ein gruseliger Gedanke, erst recht, wenn man bedenkt, dass in einigen US-Staaten bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein Gesetze zur Zwangssterilisation in Kraft waren. Diesen Umstand weiß Strafverteidiger Rolfe auch im fiktiven Prozess einzusetzen.

Die Zeugin Hoffman berichtet Schreckliches

„Glauben Sie, dass wir alle so sind? Dass wir von diesen Dingen gewusst haben?“ Bei einem Restaurantbesuch von Richter Haywood mit der Witwe Bertholt kommt auch dieses Thema auf. Hitler, Goebbels, die SS seien es gewesen, beteuert sie. „Soweit ich festgestellt habe, hat keiner was gewusst“, entgegnet der Jurist auf Frau Bertholts Beteuerungen, sie habe nichts von den Gräueltaten geahnt. Solche Fragen wirft Regisseur Stanley Kramer („Wer den Wind sät“) mit „Urteil von Nürnberg“ auf. Alle werden nicht beantwortet, sind womöglich auch nicht bis ins Letzte zu beantworten. Kramer thematisiert auch die zum Zeitpunkt der Handlung aufkommende Furcht vor der Sowjetunion – die Kommunistenangst kulminierte bekanntermaßen in der McCarthy-Ära, deren Auswirkungen während der Dreharbeiten vielen Filmschaffenden nocht bewusst gewesen sein dürften. Der Westen brauchte die Deutschen, vielen war nicht an harter Bestrafung der Nazitäter gelegen. Und so werden wir am Ende des Films darüber aufgeklärt, dass sich von den 99 zu Gefängnisstrafen verurteilten Angeklagten der Nürnberger Prozesse 1961 kein einziger mehr in Haft befand. Im Juristenprozess waren tatsächlich 16 reichsdeutsche Juristen angeklagt worden, was den Film bei akkurater Umsetzung zweifellos unübersichtlich gemacht hätte, weshalb man sich auf vier beschränkte.

Auch Petersen musste Grausames erleiden

Als sein Verteidiger die Zeugin Hoffman in die Mangel nimmt, greift der Angeklagte Janning ein und stoppt Rolfes Furor. Schuldeingeständnis und ehrliche Reue, wie sie bei dem von Burt Lancaster stoisch verkörperten Richter gezeigt werden, hat es meiner Kenntnis nach bei keinem wichtigen Angeklagten der Nürnberger Prozesse gegeben (ich lasse mich per Kommentar unter diesem Text gern eines Besseren belehren). Es mag dramaturgische Motive dafür gegeben haben, unter den Angeklagten eine solche Figur zu zeigen, und bringt in der Tat auch einige eindrucksvolle Szenen, darunter einen bedeutungsschwangeren Monolog Jannings, den man für übertrieben halten mag, der aber seine Wirkung nicht verfehlt. Noch beeindruckender gerät das auf Jannings Rede folgende Plädoyer von Strafverteidiger Rolfe.

Mediabook von capelight pictures

Nachdem die vergriffene deutsche DVD von Twentieth Century Fox Home Entertainment auf dem Sammlermarkt langsam teuer wurde, war es höchste Zeit für eine angemessene Neuveröffentlichung. Mit capelight pictures geriet „Urteil von Nürnberg“ dabei an das richtige Label, denn das Mediabook mit Blu-ray und DVD hält das übliche capelight-Niveau. Der mattschwarze Einband macht einen wertigen Eindruck, den das Innere bestätigt. Das Booklet mit tollen Fotos enthält einen langen Essay von Markus Obermann mit dem Titel „Das Urteil von Nürnberg – Anatomie einer Gerichtsverhandlung“. Anhand einer langen und vollständigen Inhaltsangabe gibt der Autor seine Wertung des Films ab. Wer „Urteil von Nürnberg“ bis heute nicht gesehen hat, sollte das Booklet erst im Anschluss an die Sichtung lesen. Ein paar feine Boni auf den Discs runden die Edition ab, darunter ein 20-minütiges Gespräch mit Maximilian Schell und Abby Mann.

Der Richter freundet sich mit der Witwe Bertholt an

„Diese armen Menschen, diese Millionen armer Menschen – ich habe niemals für möglich gehalten, dass es dazu kommen würde. Das müssen Sie mir glauben.“ So spricht es Ernst Janning am Ende bei einer kurzen privaten Unterredung in der Zelle zu Richter Haywood. Der erwidert: „Herr Janning, es kam schon dazu, als sie zum ersten Mal einen Mann zum Tode verurteilten, obwohl sie wussten, dass er unschuldig war.“ Das mag dann auch die Bedeutung des Gerichts- und Historiendramas fürs das Hier und Heute belegen – eines Films von 1961, der Ereignisse von 1948 und davor aufgreift, von denen manche Menschen heute nichts mehr wissen wollen. Insofern bleibt „Urteil von Nürnberg“ auch im 21. Jahrhundert wichtig. Ein Meisterwerk.

Zu welchem Urteil wird das Gericht gelangen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Marlene Dietrich sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Montgomery Clift, Burt Lancaster, Spencer Tracy und Richard Widmark in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 26. Oktober 2018 als 2-Disc Limited Collectors‘ Edition Mediabook (Blu-ray & DVD) & DVD, 14. März 2008 und 22. Oktober 2007 als DVD

Länge: 190 Min. (Blu-ray), 182 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Judgment at Nuremberg
Alternativtitel: Das Urteil von Nürnberg
USA 1961
Regie: Stanley Kramer
Drehbuch: Abby Mann
Besetzung: Spencer Tracy, Burt Lancaster, Richard Widmark, Marlene Dietrich, Maximilian Schell, Judy Garland, Montgomery Clift, William Shatner, Werner Klemperer, Martin Brandt, Kenneth MacKenna, Ray Teal, Torben Meyer, Alan Baxter, Edward Binns, Virginia Christine, Ben Wright
Zusatzmaterial Mediabook: Featurettes („Im Gespräch mit Abby Mann und Maximilian Schell“, „Der Wert eines einzelnen Menschen“, „Ein Tribut an Stanley Kramer“), Tonspur mit isolierter Filmmusik, original Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, Trailershow, 24-seitiges Booklet mit einem Text von Markus Obermann
Label Mediabook und DVD-Neuauflage: capelight pictures
Vertrieb Mediabook und DVD-Neuauflage: Al!ve AG
Label/Vertrieb alte DVDs: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot 2018er-DVD: © 2018 capelight pictures

 

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