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Carol – Die Dame im Pelz

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Carol

Von Andreas Eckenfels

Liebesdrama // Durch Kriminalromane wie „Der Fremde im Zug“, „Der talentierte Mr. Ripley“ und „Die zwei Gesichter des Januars“ erlangte Patricia Highsmith Weltruhm. Doch zu einem ihrer Werke bekannte sich die Bestseller-Autorin erst knapp 40 Jahre nach dessen Erstveröffentlichung – und das obwohl er seit 1952 mehrere Millionen Mal verkauft wurde. Aufgrund des für die damalige Zeit delikaten Inhalts hatten sich Highsmith und der US-Verlag Coward-McCann entschieden, „Salz und sein Preis“ unter einem Pseudonym herauszugeben.

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Carol und Therese lernen einander in einem Kaufhaus kennen

Erst 1990 zur Veröffentlichung einer neu überarbeiteten Fassung mit dem Titel „Carol“ erklärte die Autorin, dass sie sich hinter dem Namen Claire Morgan verbirgt. Der Liebesroman trägt autobiografische Züge. Highsmith selbst arbeitete als Verkäuferin im Kaufhaus Bloomingdale’s in New York, wo eine „Dame im Pelz“ sie zu der Geschichte inspirierte. Außerdem pflegte die Autorin 1949 eine kurze Liebesbeziehung zu Kathryn Cohen, der Ehefrau eines englischen Verlegers, mit der sie ein paar Monate in Italien verbrachte.

Verbotene Liebe

New York, 1952: Die mondäne Carol (Cate Blanchett) befindet sich in einem Scheidungskrieg mit ihrem Mann Harge (Kyle Chandler) und kämpft um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Rindy. Die junge Verkäuferin Therese (Rooney Mara) weiß noch nicht, ob sie den Heiratsantrag ihres Freundes Richard (Jake Lacy) annehmen soll. Sie träumt vielmehr von einer Karriere als Fotografin. Während Carols Weihnachtseinkäufen lernen die beiden unterschiedlichen Frauen einander kennen. Ein vergessener Handschuh führt zu einer weiteren Begegnung. Trotz des großen Altersunterschieds entsteht eine emotionale Bindung zwischen Carol und Therese. Gemeinsam unternehmen sie eine Reise, um dem Alltag zu entfliehen. Doch Harge versucht alles, um seine Frau zurückzubekommen …

(L-R) JAKE LACY and ROONEY MARA star in CAROL

Richard macht Therese einen Heiratsantrag …

Sechs Nomierungen für den Oscar, fünf Nominierungen bei den Golden Globes. Ohne Frage hätte „Carol“ jede einzelne Auszeichnung verdient gehabt. Dass Todd Haynes‘ Romanadaption dennoch keine einzige Trophäe mit nach Hause nehmen durfte, lag wohl an der starken Konkurrenz im Kinojahr 2015. Kameramann Edward Lachmann drehte im Super-16-Format, welches dem Film einen wunderschönen, körnigen Look verleiht. Die hervorragende Ausstattung und der Soundtrack versetzen uns in die USA der 50er-Jahre.

Zwei starke Frauen

Aber erst das Zusammenspiel von Cate Blanchett, die nach „I’m Not There“ erneut mit Regisseur Haynes zusammenarbeitete, und Rooney Mara machen „Carol“ zum Erlebnis. Mit kleinen, überaus gefühlvollen Gesten und ohne das Wort Liebe in den Mund zu nehmen, entsteht eine sehnsuchtsvolle Verbindung zwischen den beiden grundverschiedenen Frauen. Mara kann sich dabei mühelos gegen die große Blanchett behaupten und wurde für ihre Leistung in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet.

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… aber sie lässt sich Zeit mit einer Antwort und träumt von einer Karriere als Fotografin

Dabei ist besonders die Wandlung der beiden Frauenfiguren interessant: Während die erfahrene Carol zunächst in der Beziehung über die junge Therese dominiert, wirkt sie zunehmend zerbrechlicher, je mehr sie unter Druck gerät, ihre Tochter zu verlieren. Therese reift dagegen vom scheuen Reh zur selbstbewussten Frau, die nicht gleich vor Glück auf die Knie fällt, wenn ihr ein Heiratsantrag gemacht wird, sondern ihre Zukunft selbst in die Hand nimmt. Haynes zeigt uns die 50er-Jahre zwar noch als große Moralanstalt, die solch eine verbotene Liebe nicht duldet. Dennoch wird klar, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse langsam im Wandel begriffen sind.

Ein moderner Klassiker

Zwar konnte „Carol“ keinen Oscar oder Golden Globe gewinnen, dennoch wurde dem meisterhaft inszenierten Liebesdrama eine andere große Ehrung zuteil: Bei einer Umfrage des British Film Institutes unter Filmexperten wurde „Carol“ noch vor Klassikern wie „Brokeback Mountain“, „Weekend“ und „Happy Together“ zum besten LGBT-Film aller Zeiten gewählt. Somit kann man Haynes‘ noch recht jungen Film schon jetzt als einen modernen Klassiker bezeichnen, den man nicht nur aufgrund seiner zwei starken Hauptdarstellerinnen gesehen haben sollte.

CATE BLANCHETT stars in CAROL

Carol wird von ihrem Noch-Ehemann zunehmend unter Druck gesetzt

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Cate Blanchett und Rooney Mara sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Kyle Chandler unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 22. April 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 118 Min. (Blu-ray), 114 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Carol
USA 2015
Regie: Todd Haynes
Drehbuch: Phyllis Nagy, nach dem Roman „Salz und sein Preis“ von Patricia Highsmith
Besetzung: Cate Blanchett, Rooney Mara, Kyle Chandler, Sarah Paulson, John Magaro, Jake Lacy
Zusatzmaterial: Interviews mit Cast & Crew, Behind the Scenes, Kinotrailer
Vertrieb: DCM Film Distribution GmbH / Universum Film

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos © Wilson Webb / DCM, Packshot & Trailer: © 2016 DCM Film Distribution GmbH / Universum Film

 

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Das Filmjahr 2015 – Top Ten Simon Kyprianou (II)

Von Simon Kyprianou

5. Alles steht Kopf

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Alles steht Kopf (© Disney/Pixar. All Rights Reserved)

Der Film versucht gar nicht erst, komplexe Dinge zu vereinfachen, und das ist seine große Qualität. Unglaublich emphatisch und lebensklug lädt „Alles steht Kopf“ dazu ein, sich in seiner fantastisch arrangierten Welt zu verlieren.

4. Bridge of Spies – Der Unterhändler

Ungewöhnlich kühle Bilder für Steven Spielberg, inhaltlich aber voll von wunderbarem Pathos, glücklicherweise niemals bieder patriotisch – ganz im Gegenteil. Außerdem unheimlich elegant inszeniert und fantastisch fotografiert von Janusz Kaminski. Nach dem etwas trockenen „Lincoln“ wieder ein fantastischer Spielberg.

3. Carol

Maybe the only way to be transgressive these days is to be shockingly tasteful. So John Waters über Todd Haynes’ Patricia-Highsmith-Verfilmung mit Cate Blanchett. Der schönste Film des Jahres.

2. Polizeiruf 110 – Kreise

Der Münchner „Polizeiruf“ ist anscheinend ein Tummelplatz für großartige Regisseure: 2014 sahen wir Dominik Grafs „Smoke on the Water“ (vorher schon seinen unglaublichen „Cassandras Warnung“), 2015 dann „Kreise“ von Christian Petzold. Ein fantastischer Genrefilm in dem der Regisseur viele seiner Motive aufregend variiert, voller Verlangen und Erotik. Am Ende steht die schönste Liebeserklärung ans Kino seit langer Zeit.

1. Mad Max – Fury Road

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Mad Max – Fury Road (© Warner Bros. Ent.)

Inmitten eines millionenschweren Blockbusters setzt ein Auteur seine ganz eigenen Vorstellungen von radikalem (Action-)Kino durch, wild und ungestüm, zärtlich und poetisch. Mit durchaus radikalen feministischen Tendenzen, Beraterin war keine Geringere als Eve Ensler, Autorin von „Die Vagina Monologe“. Ein fantastisches kleines Wunder, eine derart eigensinnige Stimme mitten im Blockbuster-Einerlei. Hoffentlich kann sich Miller bei der Fortsetzung ebenso durchsetzen gegen kommerzielle und künstlerische Einschränkungen.

Zu meinen Rängen 10 bis 6 geht’s hier.

Copyright 2016 by Simon Kyprianou

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2016/01/02 in Film

 

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