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Der sechste Kontinent – Effekte aus einem Land vor unserer Zeit

At the Earth’s Core

Von Leonhard Elias Lemke

SF-Abenteuer // Lava? Ein Vulkan? Nein, „Der sechste Kontinent“ beginnt in einem Stahlwerk. Dort wird gerade das Eisen für den „Iron Mole“ gegossen. Der eiserne Maulwurf ist eine gigantische Maschine, eine überdimensionierte Schraube mit einer rotierenden Spitze, die sich in den Boden und durch die verschiedenen Schichten der Erde bohren soll. Platz bietet sie für zwei Personen: den (über)motivierten Wissenschaftler Dr. Abner Perry (Peter Cushing) und den draufgängerischen Gentleman am Geldhahn, David Innes (Doug McClure). Beide wissen nicht so recht, was sie unter der Erdoberfläche erwartet – genauso unbekanntes Territorium wie das Weltall. Das erste Penetrieren des Maulwurfs wird genauso ekstatisch wie unwissend gefeiert.

Im eisernen Maulwurf

Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Eindringen flutscht es dann doch, und schnell bewegt man sich in Richtung Erdkern. Feste Strukturen, Feuer, Eis, ein See, und auf einmal machen die Forscher eine Bruchlandung – auf dem sechsten Kontinent, in der Erde. Ungläubig steigen sie aus ihrem Gefährt. Sie sind in Pellucidar, einer prähistorischen Welt unter unserer Welt. Die Vegetation ist unseren (immer kleiner werdenden) Dschungeln nicht unähnlich, dort wird es niemals Nacht und der Himmel ist immer rosa! Flora und Fauna sind kunterbunt und von groteskem Größenverhältnis, und auch das Bestiarium hat es in sich: Gigantische Schnabelmonster wollen alles kurz und klein stampfen, was ihnen in die Quere kommt – zum Beispiel Dr. Perry und David. In Pellucidar „regiert“ die Rasse der Mahar: fliegende, telepathische Vogelkreaturen, die über eine unterentwickelte Art von Menschen herrschen. Ihre Handlanger sind direkt vom Planet der Affen herbeigeorderte Fieslinge. Dr. Perry und David wollen eigentlich nur so schnell wie möglich raus aus diesem Schlamassel, sehen sich dann aber doch genötigt, die Menschen in Pellucidar vom Joch zu befreien. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn eine von ihnen (Caroline Munro) hat es in raffinierter Pocahontas-Manier David doch sehr angetan – und durch gute Taten kann man immer gut Eindruck schinden.

Nach einer Vorlage von Edgar Rice Burroughs

„Der sechste Kontinent“ wurde als britisch-amerikanische Koproduktion 1976 von Amicus in die Kinos gebracht. In den 60ern waren die Amerikaner Milton Subotsky und Max J. Rosenberg in das Vereinte Königreich ausgezogen, um dem enorm profitablen Hammer-Studio Paroli zu bieten. Amicus Markenzeichen waren Episodenfilme wie beispielsweise „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ (1965), mit denen man vielversprechend startete, aber nie auch nur ansatzweise an Hammers Erfolg – und Qualität – herankam. 1974 verfilmte man Edgar Rice Burroughs’ „Caprona – Das vergessene Land“ und machte sich zwei Jahre später, erneut unter der Regie von Kevin Connor und mit Hauptdarsteller McClure, an die Verfilmung eines weiteren Stoffs des populären Autors und Tarzan-Schöpfers. So richtig wollte es jedoch nicht an den Kassen klingeln und als 1977 auch „Caprona 2 – Menschen, die die Zeit vergaß“ – erneut mit Connor als Regisseur – nicht durch die Decke ging, kam für Amicus das Aus.

Auch die Monster haben gut lachen

Ein Jahr vor „Krieg der Sterne“ ist „Der sechste Kontinent“ auch ein später Film von Peter Cushing. Vollkommen überdreht und bar jeglichen Ernstes spielt er seinen Dr. Abner Perry. Und er tut gut daran, denn das Produktionsdesign ist nicht auf der Höhe der ambitionierten Geschichte, die von den faszinierendsten Fantasiewelten und -kreaturen erzählt, die dann auf Zelluloid eher enttäuschend daherkommen. So erheitert vor allem sein Schauspiel den Zuschauer sehr und steht in angenehmem Kontrast zu seinen verbitterten viktorianischen Autoritätsfiguren. Ein Jahr später sollte er für George Lucas mit Grand Moff Tarkin noch einmal eine solche spielen und dafür in gehobenem Alter – und von Krankheit gezeichnet – über sich hinauswachsen und endgültig in den Filmolymp einziehen.

Doug McClure wirft seinen Hut

Doug McClure dagegen mimt seinen David ein bisschen ernsthafter und will als Abenteurer brillieren, doch gehen ihm Charisma, Agilität und auch Jugendlichkeit dafür etwas ab. Das scheint ihm dann doch irgendwie bewusst geworden zu sein, und so gibt es beispielsweise eine herrliche Szene, in der er seinen Hut auf einen Haken werfen will, diesen aber verfehlt und er darüber nur schmunzelt – das ist alles so im Film geblieben. Jede Wette, dass das ursprünglich so nicht im Skript stand! Und so sind es eben vor allem jene bewussten Unsauberheiten – und das körperliche Talent von Horror-Ikone Caroline Munro (die man Hammer abluchste) – denen der Film seinen Unterhaltungswert zu verdanken hat.

Objekt der Begierde: die schöne Dia

Um mit besser ausgestatteten Fantasy- und Abenteuerfilmen aus Hollywood mitzuhalten, war das Budget einfach zu gering. Natürlich bringt der Zuschauer auch immer seine eigene Fantasie mit ins Kino, aber wenn er durch gut gemeinte, aber nicht überzeugend gestaltete Monster und Kulissen aus brüchigstem Pappmaché und eher niedliche als realistische Miniatureffekte immer wieder aus der Geschichte gerissen wird, ist es vielleicht mehr ein über den Film, als mit dem Film Lachen – was der Unterhaltung wie gesagt keinen Abbruch tut und ja von Cast und Crew durchaus auch gewollt scheint. Absolut routiniert und gar zu kunstvoll scheint die Kamera von Alan Hume, der später noch „Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ einfangen sollte. Qualität war da, fand jedoch nicht von allen Elementen der Produktion die volle Unterstützung.

Ein „Creature Feature“ in gelungener Edition

Kochs „Creature Feature“ Nummer 7 liegt hier in beeindruckender Bild- und Tonqualität vor. Schön, dass das original Postermotiv das Cover ziert und sofort in wohlige Sonntagnachmittag-Stimmung im Heimkino versetzt. „Creatures“ gibt es wahrlich genug und wenn schon nicht vollends überlegen und schon gar nicht furchteinflößend, so sind sie doch angenehm bizarr – wo sonst sieht man Dino-Warzenschweine beim Wrestling? Langeweile kommt jedenfalls nie auf. Dafür sorgt auch das in Kochs Reihe gewohnt sorgsam aufbereitete Bonusmaterial: Audiokommentar und Interview mit Regisseur Kevin Connor, Interview mit der liebenswerten Caroline Munro, Making-of, eine „Trailers from Hell“-Episode, die deutsche Super-8-Fassung, sowie Trailer und Bildergalerie sind ein Rundum-Sorglos-Paket und machen diese Edition für den Autor dieser Zeilen zur „Ultimate Edition“ des Films.

Die Reihe „Creature Feature“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Peter Cushing sind unter Schauspieler zu finden.

Fliegende telepathische Saurier!

Veröffentlichung: 22. November 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: At the Earth’s Core
GB/USA 1976
Regie: Kevin Connor
Drehbuch: Milton Subotsky, nach einer Vorlage von Edgar Rice Burroughs
Besetzung: Doug McClure, Peter Cushing, Caroline Munro, Cy Grant, Godfrey James, Sean Lynch, Keith Barron, Helen Gill, Robert Gillespie, Anthony Verner, Michael Crane
Zusatzmaterial: Deutscher und englischer Trailer, Audiokommentar, Interviews, Making-of, Super-8-Fassung, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2019 by Leonhard Elias Lemke
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Koch Films

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Vampyres – Lust auf Blut: Verführerisch und tödlich

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Vampyres

Von Andreas Eckenfels

Erotik-Horror // Anfang der 1970er-Jahre nahm die sexuelle Revolution auch im Horrorfilm ihren Lauf: Weibliche Vampire waren nicht mehr nur schmückendes Beiwerk, sondern rückten in Filmen wie „Vampyros Lesbos – Die Erbin des Dracula“ (1971), „Gruft der Vampire“ (1970) und „Blut an den Lippen“ (1971) in den Vordergrund – und das meist im Doppelpack. Denn wie ihr großes historisches Vorbild Elisabeth Báthory, genannt die Blutgräfin, sollten sie ebenfalls homoerotische Beziehungen führen. Das Bild der blutgierigen und lesbischen Vampirin prägte zudem Sheridan Le Fanu mit seiner Erzählung „Carmilla“ (1872), welche den Báthory-Mythos aufgriff – und das bereits 25 Jahre, bevor Bram Stokers „Dracula“ erschien, der davon auch maßgeblich beeinflusst gewesen sein soll.

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Leckeres Blut auf den Lippen

Neben den üblichen paar Litern (Kunst-)Blut konnte nun also auch durch eine ordentliche Prise Lesbensex die Schaulust gesteigert und das Publikum wieder in die Kinos gelockt werden. 1974 entstand dabei der in Großbritannien gedrehte „Vamypres“ des Spaniers José Ramón Larraz. Sein Landsmann Víctor Matellano versuchte sich nun an einer Neuauflage.

Gier nach Blut und Sex

In seinem zweiten Langspielfilm hat sich Matellano inhaltlich eng am Original orientiert: In den Wäldern der englischen Midlands frönen Fran (Marta Flich) und Miriam (Almudena León) einem obskuren Hobby. Das Liebespaar lauert ahnunglosen Wanderern auf. Einigen wird sofort der Hals durchgeschnitten, andere werden in ihr altes, abgelegenes Haus gelockt und nach allen Regeln der Kunst verführt – erst nach dem Sex wird ihr Blut getrunken. Nur bei Tourist Ted (Christian Stamm) macht Fran eine Ausnahme. Sie entwickelt Gefühle für ihn und hält den im Delirium dahinsiechenden Mann als Lustknaben am Leben. Bald geraten auch Harriet (Verónica Polo), John (Anthony Rotsa) und Nolan (Víctor Vidal) in das Jagdgebiet, die nach ihren verschwundenen Freunden suchen.

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Die Hotelbesitzerin warnt Ted vor den Gefahren, die im Wald lauern

Das Schmuddel-Image, welches einige Werke aus dem Subgenre des Lesbenvampirfilms einst umwehte und sie immer wieder zu gern gesehenen Gästen auf Zensurlisten machte, ist längst verflogen. Für manche Zuschauer bleibt die Mischung aus Softerotik und einigen deftigen Morden trotz häufiger inhaltlicher Leere dennoch Kult. Meist ist dies einer durchaus schaurigen Atmosphäre und einem hypnotischen Soundtrack geschuldet, bisweilen wohl einfach auch der Tatsache, dass man die Filme in einem Alter sah, in der man zuvor noch keine nackten Frauen gesehen hatte, die solch verbotene Dinge trieben.

Missglückte Modernisierung

Matellanos Versuch, die 70er-Jahre-Stimmung in die Moderne zu übertragen, bleibt erfolglos. Seine zeigefreudigen Hauptdarstellerinnen Marta Flich und Almudena León sind durchaus attraktiv, dennoch umweht sie wie dem gesamten Remake ein starker Hang zur Künstlichkeit. Die Bilder sind auf Hochglanz poliert, die Szenen ohne großen Zusammenhang wahllos aneinandergereiht, sodass eine echte Geschichte kaum auszumachen ist. Den zum Großteil spanischen Schauspielern tat man dabei auch keinen Gefallen, den Film – wohl aus Vermarktungsgründen – komplett auf Englisch zu drehen. Mit ihrer gebrochenen, akzentreichen Sprache geht bei den Vampirdamen jeglicher Rest an Leidenschaft und Sinnlichkeit verloren; Eigenschaften die der deutschen Synchronisation ebenfalls abgehen. Auch die anderen Darsteller bemühen sich redlich, ihre knappen Zeilen glaubhaft aufzusagen.

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Nolan (l.), Harriet und John suchen nach ihren Freunden

Ob es sich bei dem Liebespaar überhaupt um echte Vampire handelt, bleibt übrigens offen, was aber im Original ebenfalls der Fall war, wenn ich mich richtig erinnere. Fangzähne sind nie zu sehen, auch schlafen die Damen nicht in einem Sarg; vor der Sonne immerhin schützen sie sich mit einem dunklen Umhang. Bei den Tötungsakten, bei denen sich Fran und Miriam meist zu zweit nackt im Bett über ein Opfer hermachen, sind zwar immer Reißlaute zu hören, es ist aber nicht zu sehen, dass Stücke aus den Körpern herausgebissen werden. Blut fließt dennoch in Strömen. Von den Sexszenen indes sollte man sich nicht zu viel erwarten – da geht es auch nicht härter zu als in den „Fifty Shades of Grey“-Teilen.

Legendäres Blutbad

Auch die angeblich auf Blutgräfin Báthory zurückgehende legendäre Badeszene darf nicht fehlen. Dabei sitzt das Liebespaar in einer Badewanne, über ihnen ist eine tote Frau kopfüber aufgehängt. Der Frau wird ein Kehlenschnitt verpasst und ihr Blut sprudelt auf die Vampirdamen herab, die sich darin genüßlich waschen. Zweifellos als Einzelszene einer der sehr wenigen Höhepunkte von „Vampyres – Lust auf Blut“, dennoch hat diese bekannte Szene etwa auch Eli Roth in „Hostel 2“ (2007) schon weitaus kraftvoller inszeniert.

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Erst Sex, dann Tod

Der Gastauftritt der ehemaligen Hammer-Darstellerin und als Bond-Girl in „James Bond 007 – Der Spion der mich liebte“ (1977) zu kurzlebigem Ruhm gelangten Caroline Munro kann das Remake auch nicht retten. Sie hat als Hotelbesitzerin keine weitere Funktion, als über ihre Faszination für Post-Mortem-Fotografien zu reden und damit für etwas mysteriöse Stimmung zu sorgen.

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Fran und Miriam nehmen ein Bad

Das bereits im August 2016 erschienene Mediabook gibt es in zwei schönen, limitierten Covervarianten. Es enthält ein lesenswertes wissenschaftliches Essay über den „queeren Vampirismus“ im Film von Dr. Susanne Kappesser. Alternativ ist nun auch eine Single-Blu-ray beziehungsweise -DVD für den kleinen Geldbeutel zu haben.

Veröffentlichung: 17. Februar 2017 als Blu-ray und DVD, 29. August 2016 als 2-Disc Uncut Limited Special Edition (Mediabook mit Blu-ray & DVD) in zwei Varianten (Cover A 555 Exemplare, Cover B 777 Exemplare)

Länge: 79 Min. (Blu-ray), 76 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Vampyres
SP 2015
Regie: Víctor Matellano
Drehbuch: Víctor Matellano, José Ramón Larraz
Besetzung: Marta Flich, Almudena León, Alina Nastase, Fele Martínez, Verónica Polo, Anthony Rotsa, Víctor Vidal, Christian Stamm, Caroline Munro
Zusatzmaterial: Interview mit Caroline Munro, Making-of, Originaltrailer, deutscher Trailer, Teaser, Bildergalerie. Nur Mediabook: 24-seitiges Booklet von Dr. Susanne Kappesser
Label: donau film
Vertrieb Mediabook: Wicked-Vision Media
Vertrieb Blu-ray & DVD: Al!ve AG

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

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Fotos & Packshots: © 2016 Wicked-Vision Media / donau film

 
 

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