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Thor – Tag der Entscheidung: Jetzt wird es albern

Thor – Ragnarok

Kinostart: 31. Oktober 2017

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Thor war immer ein wenig das Problemkind bei Marvel. Während alle anderen Helden mindestens einen Film im Kino-Universum haben, den die Mehrheit mindestens gut findet, ist man sich bei den beiden Solo-Abenteuern des Donnergottes uneins. Der erste Film erzählt zwar eine schöne Geschichte über Verantwortung und das Lernen von Reue, nimmt sich dafür aber enorm viel Zeit. „The Dark Kingdom“ hingegen wollte ein düsterer Science-Fiction-Film sein, sodass die Slapstick-Einlagen deplatziert wirkten und ein enorm unrunder Film entstand. Dieses Problem hat „Thor – Tag der Entscheidung“ nicht. Mit Taika Waitit („5 Zimmer, Küche, Sarg“) nimmt ein Komödienspezialist auf dem Regiestuhl Platz – und der verbannt gleich mal allen möglichen Pathos.

Thor trifft auf den Hulk

Thor (Chris Hemsworth) kehrt nach Hause zurück. In Asgard trifft er auf seinen tot geglaubten Bruder Loki (Tom Hiddleston), mit dem er sich auf die Suche nach seinem Vater Odin (Anthony Hopkins) macht. Kaum haben sie ihn gefunden, erscheint das nächste Problem: Hela (Cate Blanchett), Göttin des Todes, will den Platz als Herrscherin von Asgard einnehmen. Beim Kampf mit ihr wird Thor aus dem Bifröst geschleudert und landet auf dem Planeten Sakaar. Dort herrscht der Grandmaster (Jeff Goldblum), der seine Untertanen mit einer Gladiatorenarena bei Laune hält. Thor muss dort direkt gegen den Champion antreten – zufällig sein alter Freund: der Hulk (Mark Ruffalo). Zusammen schmieden sie einen Plan, um von Sakaar zu fliehen und Hela zu besiegen.

Schräger Despot: der Grandmaster

Bereits die Intro-Sequenz macht klar, in welche Richtung der Film geht. Thors Kampf gegen das Lava-Monster Surtur (Stimme: Clancy Brown) ist schön anzusehen und jagt von einem Gag zum nächsten. Ob Thor seine flapsigen Sprüche zum falschen Zeitpunkt bringt oder einen fiesen Drachen besonders kreativ aufhält – hier bleibt kein Auge trocken. Dies zieht sich durch den ganzen Film, die Witze sind zwar selten besonders kreativ oder subversiv, aber der Großteil der Pointen sitzt.

Keine Zeit für Emotionen

So einen starken Fokus auf Albernheiten gab es bei Marvel noch nie – und das will was heißen. So bleiben auch eigentlich emotionale Szenen eher Mangelware, eine gemeinsame Szene der dauernd streitenden Brüder mit Odin oder Thors Entscheidung im Finale hätten ruhig mehr berühren können. Doch der Film will lieber schnell zum nächsten Gag kommen, da ist keine Zeit für schwere Gemüter. Auch fallen die Effekte etwas negativ auf. Waititi bemüht sehr überstilisierte Bilder. In Zeitlupe sieht Helas Kostüm zum Beispiel noch schick aus, wenn sie aber in Echtzeit in Action ist, wirkt das doch alles enorm künstlich.

Thor muss in der Arena …

Die Schauspieler hingegen sind sichtlich mit Spaß bei der Sache. Hemsworth hat Spaß daran, seinen Thor nicht mehr ernst geben zu müssen, sondern seinen spitzbübischen Charme stärker ausspielen zu können. Und doch scheint immer wieder durch, dass er bei all den Abenteuern, die er inzwischen durchleben musste, dazugelernt hat. Cate Blanchett ist als Antagonistin hervorragend, genauso wie Tom Hiddleston, der seine Rolle als Täuscher inzwischen perfekt beherrscht. Hervorheben muss man auch Jeff Goldblum. Sein Grandmaster ist zwar ein Bösewicht, behält aber immer die Balance zwischen Größenwahn und einem charismatischen, schlagfertigen Anführer.

Gefundenes Fressen für Kritiker

All jenen, die Marvel fehlende Tiefe und zu viele Albernheiten vorwerfen, spielt dieser Film komplett in die Karten. Er ist weder tiefgründig noch sonderlich spannend in seiner Geschichte. Aber er macht einfach extrem viel gute Laune, ein großer Teil der Gags zündet wie geplant und darauf konzentriert sich der Film auch. Dazu kommen noch diverse Querverweise auf ältere Filme des MCUs, die allen Fans mehr als nur ein Grinsen ins Gesicht treiben werden. So ist „Thor – Tag der Entscheidung“ der bislang beste Einzelfilm über den hammerschwingenden Helden.

… gegen den Hulk antreten

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Cate Blanchett sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Benedict Cumberbatch, Jeff Goldblum, Chris Hemsworth, Anthony Hopkins und Tom Hiddleston unter Schauspieler.

Auch Loki mischt wieder mit

Länge: 130 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Thor – Ragnarok
USA 2017
Regie: Taika Waititi
Drehbuch: Eric Peasron, Craig Kyle, Christopher Yost
Besetzung: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett, Idris Elba, Jeff Goldblum, Tessa Thompson, Karl Urban, Mark Ruffalo, Anthony Hopkins, Benedict Cumberbatch, Taika Waititi, Rachel House, Clancy Brown
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Marvel Studios

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2017/10/28 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Carol – Die Dame im Pelz

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Carol

Von Andreas Eckenfels

Liebesdrama // Durch Kriminalromane wie „Der Fremde im Zug“, „Der talentierte Mr. Ripley“ und „Die zwei Gesichter des Januars“ erlangte Patricia Highsmith Weltruhm. Doch zu einem ihrer Werke bekannte sich die Bestseller-Autorin erst knapp 40 Jahre nach dessen Erstveröffentlichung – und das obwohl er seit 1952 mehrere Millionen Mal verkauft wurde. Aufgrund des für die damalige Zeit delikaten Inhalts hatten sich Highsmith und der US-Verlag Coward-McCann entschieden, „Salz und sein Preis“ unter einem Pseudonym herauszugeben.

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Carol und Therese lernen einander in einem Kaufhaus kennen

Erst 1990 zur Veröffentlichung einer neu überarbeiteten Fassung mit dem Titel „Carol“ erklärte die Autorin, dass sie sich hinter dem Namen Claire Morgan verbirgt. Der Liebesroman trägt autobiografische Züge. Highsmith selbst arbeitete als Verkäuferin im Kaufhaus Bloomingdale’s in New York, wo eine „Dame im Pelz“ sie zu der Geschichte inspirierte. Außerdem pflegte die Autorin 1949 eine kurze Liebesbeziehung zu Kathryn Cohen, der Ehefrau eines englischen Verlegers, mit der sie ein paar Monate in Italien verbrachte.

Verbotene Liebe

New York, 1952: Die mondäne Carol (Cate Blanchett) befindet sich in einem Scheidungskrieg mit ihrem Mann Harge (Kyle Chandler) und kämpft um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Rindy. Die junge Verkäuferin Therese (Rooney Mara) weiß noch nicht, ob sie den Heiratsantrag ihres Freundes Richard (Jake Lacy) annehmen soll. Sie träumt vielmehr von einer Karriere als Fotografin. Während Carols Weihnachtseinkäufen lernen die beiden unterschiedlichen Frauen einander kennen. Ein vergessener Handschuh führt zu einer weiteren Begegnung. Trotz des großen Altersunterschieds entsteht eine emotionale Bindung zwischen Carol und Therese. Gemeinsam unternehmen sie eine Reise, um dem Alltag zu entfliehen. Doch Harge versucht alles, um seine Frau zurückzubekommen …

(L-R) JAKE LACY and ROONEY MARA star in CAROL

Richard macht Therese einen Heiratsantrag …

Sechs Nomierungen für den Oscar, fünf Nominierungen bei den Golden Globes. Ohne Frage hätte „Carol“ jede einzelne Auszeichnung verdient gehabt. Dass Todd Haynes‘ Romanadaption dennoch keine einzige Trophäe mit nach Hause nehmen durfte, lag wohl an der starken Konkurrenz im Kinojahr 2015. Kameramann Edward Lachmann drehte im Super-16-Format, welches dem Film einen wunderschönen, körnigen Look verleiht. Die hervorragende Ausstattung und der Soundtrack versetzen uns in die USA der 50er-Jahre.

Zwei starke Frauen

Aber erst das Zusammenspiel von Cate Blanchett, die nach „I’m Not There“ erneut mit Regisseur Haynes zusammenarbeitete, und Rooney Mara machen „Carol“ zum Erlebnis. Mit kleinen, überaus gefühlvollen Gesten und ohne das Wort Liebe in den Mund zu nehmen, entsteht eine sehnsuchtsvolle Verbindung zwischen den beiden grundverschiedenen Frauen. Mara kann sich dabei mühelos gegen die große Blanchett behaupten und wurde für ihre Leistung in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet.

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… aber sie lässt sich Zeit mit einer Antwort und träumt von einer Karriere als Fotografin

Dabei ist besonders die Wandlung der beiden Frauenfiguren interessant: Während die erfahrene Carol zunächst in der Beziehung über die junge Therese dominiert, wirkt sie zunehmend zerbrechlicher, je mehr sie unter Druck gerät, ihre Tochter zu verlieren. Therese reift dagegen vom scheuen Reh zur selbstbewussten Frau, die nicht gleich vor Glück auf die Knie fällt, wenn ihr ein Heiratsantrag gemacht wird, sondern ihre Zukunft selbst in die Hand nimmt. Haynes zeigt uns die 50er-Jahre zwar noch als große Moralanstalt, die solch eine verbotene Liebe nicht duldet. Dennoch wird klar, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse langsam im Wandel begriffen sind.

Ein moderner Klassiker

Zwar konnte „Carol“ keinen Oscar oder Golden Globe gewinnen, dennoch wurde dem meisterhaft inszenierten Liebesdrama eine andere große Ehrung zuteil: Bei einer Umfrage des British Film Institutes unter Filmexperten wurde „Carol“ noch vor Klassikern wie „Brokeback Mountain“, „Weekend“ und „Happy Together“ zum besten LGBT-Film aller Zeiten gewählt. Somit kann man Haynes‘ noch recht jungen Film schon jetzt als einen modernen Klassiker bezeichnen, den man nicht nur aufgrund seiner zwei starken Hauptdarstellerinnen gesehen haben sollte.

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Carol wird von ihrem Noch-Ehemann zunehmend unter Druck gesetzt

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Cate Blanchett und Rooney Mara sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Kyle Chandler unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 22. April 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 118 Min. (Blu-ray), 114 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Carol
USA 2015
Regie: Todd Haynes
Drehbuch: Phyllis Nagy, nach dem Roman „Salz und sein Preis“ von Patricia Highsmith
Besetzung: Cate Blanchett, Rooney Mara, Kyle Chandler, Sarah Paulson, John Magaro, Jake Lacy
Zusatzmaterial: Interviews mit Cast & Crew, Behind the Scenes, Kinotrailer
Vertrieb: DCM Film Distribution GmbH / Universum Film

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos © Wilson Webb / DCM, Packshot & Trailer: © 2016 DCM Film Distribution GmbH / Universum Film

 

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Cinderella – Sei mutig und gütig!

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Cinderella

Kinostart: 12. März 2015

Von Andreas Eckenfels

Fantasy // Es mag etwas erstaunen, aber tatsächlich gewann bei den ersten Filmfestspielen von Berlin im Jahr 1951 Disneys „Cinderella“ einen Goldenen Bären. Damit bot 64 Jahre später die 65. Berlinale den perfekten Rahmen für die Premiere der neuen Disney-Realverfilmung des beliebten Märchens. Shakespeare-Regisseur Kenneth Branagh übernahm die Inszenierung des klassischen Stoffs, dessen früheste bekannte Version sich in der ägyptischen Erzählung „Rhodopis“ des griechischen Historikers Strabon findet. 1697 entstand Charles Perraults französische Interpretation mit dem Titel „Cendrillon oder der kleine gläserne Pantoffel“, in der erstmals die gute Fee, die Kutsche aus Kürbis und der gläserne Schuh auftauchen. Die Brüder Grimm veröffentlichten ihre „Aschenputtel“-Variante im Jahr 1812. Die neue Disney-Version orientiert sich am ehesten an der französischen Fassung. Der Inhalt wird in dieser Rezension als bekannt vorausgesetzt.

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Die arme Cinderella muss für …

Szenenapplaus in Berlin – von Journalisten!

Im Berlinale-Palast herrscht während Pressevorführungen normalerweise entspannte Ruhe. Ab und an wird etwas gelacht oder auch gestöhnt. Wenn der Film langweilt, wird eben geschlafen. Geklatsche oder Buhrufe entbrennen meist erst mit Beginn des Abspanns. Doch bei der Vorführung von „Cinderella“ gab es sogar Szenenapplaus! Es handelte sich dabei um die Verwandlung der goldenen Kutsche zurück in den Kürbis, der Transformationen der Echsen, Gänse und Mäuse von Pferden und Kutschern zurück in ihre normale Form.

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… ihre Stiefmutter und deren Töchter mächtig schuften

Diese turbulente Szene zeigt, was in Branaghs neuer Version so gut funktioniert: Trotz der Computereffekte bleibt seine „Cinderella“ wunderbar klassisch erzählt, ja, komplett altmodisch. Es gibt keine Dekonstruktionen, keine Querverweise, keine Feminismus-Debatte, keine Ironie. Die Realverfilmung ist pures Märchen im positiven Sinn, wie man es inmitten des aktuell grassierenden Märchenfilm-Booms lange nicht mehr gesehen hat.

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Cinderella trifft auf den Prinzen

Starke Damen, tolle Ausstattung

Zwei starke Hauptdarstellerinnen tragen die Geschichte: Lily James („Downton Abbey“) verleiht der herzensguten Cinderella den nötigen Glanz, wirkt verletztlich, gleichzeitig sympathisch in ihrer Überzeugung, „immer mutig und gütig“ zu sein. Als biestige Stiefmutter macht die wie immer wunderbare Cate Blanchett mit tiefer Stimme eine diabolische Figur, ohne überzeichnet zu wirken. Helena Bonham Carter ist als verhuschte Fee perfekt besetzt. Dagegen wirkt „Game of Thrones“-Star Richard Madden als Prinz etwas zu glatt.

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Mit einem unvergesslichen Kleid zum Ball

Aber Vorsicht: Eine große Portion Kitsch gehört dazu und muss man ertragen können, wenn man „Cinderella“ genießen will. So wird die Botschaft des Märchens „Sei immer mutig und gütig!“ etwas zu häufig wiederholt. Doch an der überbordenden Ausstattung, den funkelnden Farben und beeindruckenden Landschaften kann man sich kaum satt sehen. Dazu prächtige Kostüme, allen voran das berühmte blaue Kleid, bei der jedes Mädchen – egal welchen Alters – davon träumt, es einmal tragen zu dürfen. So lässt man sich von Branaghs „Cinderella“ gern verzaubern!

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Da dürfen die passenden Schuhe natürlich nicht fehlen!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Cate Blanchett und Lily James sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Länge: 112 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Cinderella
USA 2015
Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Chris Weitz
Besetzung: Cate Blanchett, Lily James, Richard Madden, Stellan Skarsgård, Helena Bonham Carter
Verleih: The Walt Disney Company

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 The Walt Disney Company

 

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