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Full Moon (V): Laserkill – Todesstrahlen aus dem All: Teenager im Zerstörungswahn

Laserblast

Von Andreas Eckenfels

SF-Action // Ein Mann mit recht ungesunder Gesichtsfarbe und ausdruckslosen Augen rennt durch die kalifornische Wüste. Am rechten Arm trägt er eine merkwürdige Gerätschaft und um den Hals ein großes Amulett, das die Form eines Tannenzapfens besitzt. Aus dem Nichts erscheint ein Raumschiff am Himmel aus dem nach seiner Landung zwei Aliens entsteigen. Sie suchen offenbar nach dem Mann, der sogleich das Feuer eröffnet – mit der Gerätschaft, bei der es sich offenbar um eine Laserwaffe handelt. Doch die Außerirdischen fackeln nicht lange und erwidern die Schüsse. Der Mann wird getroffen und löst sich nach einem weiteren Treffer durch die Waffe der Wesen in Luft auf. Als ein Sportflugzeug vorbeifliegt, suchen die Aliens fluchtartig das Weite. Dabei vergessen sie jedoch komplett, die Waffe und das Amulett mitzunehmen.

Kurze Zeit später entdeckt zufällig der Teenager Billy (Kim Milford) die außerirdischen Gegenstände. Es gelingt ihm, diese zu aktivieren – von der extremen Feuerkraft der Laserkanone ist er überwältigt. Doch je länger Billy im Besitz der Waffe und des Amuletts ist, desto mehr übernehmen diese die Kontrolle über seinen Verstand.

Keiner will ein Stück Kuchen essen

Mit einer Durchschnittsbewertung von gerade einmal 2,7 Sternen (Stand: April 2020) rangiert „Laserkill“ in der Beliebtheitsskala der IMDb-Nutzer nicht gerade auf den vordersten Plätzen. Das lässt Schreckliches erahnen und tatsächlich erweist sich eine der ersten Produktionen des späteren „Full Moon Features“-Gründers Charles Band als ziemliche Vollkatastrophe.

Die Aliens wollen ihre Laserwaffe zurück

Die Grundidee über eine außerirdische Waffe, die die Kontrolle über einen Menschen übernimmt, mag noch recht interessant sein, aber auf Spielfilmlänge gestreckt fällt dem Regiedebütanten Michael Rae sowie den Drehbuchautoren Franne Schacht und Frank Ray Perilli („Zoltan, Draculas Bluthund“, 1977) überhaupt nichts ein, um die Geschehnisse in irgendeiner Weise spannend zu gestalten. Die bescheidene Handlung findet auf einer Briefmarke Platz, statt Billys fortschreitender Transformation zum gewissenlosen Killer beizuwohnen, wird der Fokus unnötigerweise viel zu sehr auf den Alltag und die Teenagernöte in dem tristen US-Kaff gelegt, in dem er und seine Freunde leben.

Peinliche Dialoge inklusive: Da beklagt sich Geburtstagskind Franny (Joanna Lipari) bei Billys Freundin Kathy (Cheryl Smith), dass keiner der geladenen Gäste ihren Kuchen essen wolle, sondern alle nur wegen ihres Swimmingpools gekommen seien und sie deshalb eigentlich gar keine wahren Freunde habe. Nach Meinung der Autoren handelt es sich hier offenbar um echte Probleme, die das jugendliche Publikum mit Sicherheit vollen Herzens nachempfinden kann. Dazu gibt es ein kiffendes Cop-Duo, ein paar lächerlich inszenierten Autostunts und einen geheimnisvoll wirkenden Spezialagenten (Gianni Russo), der die Vorkommnisse in dem Ort untersucht und Befehle erteilt, aber ansonsten überhaupt keine Funktion erfüllt. Auch wenn es sich um eine Low-Budget-Produktion handelt, – angeblich belief sich das Budget auf etwa 280.000 US-Dollar –, darf man hier doch etwas mehr Liebe zum Detail erwarten, um die Laufzeit von knapp 80 Minuten einigermaßen anständig zu füllen.

Billy, der armselige Held

Ein viel größeres Problem des Films ist die Hauptfigur Billy. Der entpuppt sich von Beginn an als absolutes Weichei. Schon in seiner ersten Szene bedauert er es zutiefst, dass seine Mutter (Janet Dey) ein weiteres Mal auf Geschäftsreise nach Acapulco fährt, statt sich um ihren gelangweilten Sohn zu kümmern. Kurz darauf lässt sich Billy von Kathys durchgeknallten Opa vor ihrem Haus vertreiben und kann somit seine Freundin nicht besuchen. Und als Kathy auf Frannys Party durch die Kumpels Chuck (Mike Bobenko) und Froggy (Eddie Deezen) fast Opfer einer Vergewaltigung wird, schreitet er zwar ein, muss sich aber am Ende selbst von Kathy retten lassen. Bei dem Auftritt hilft es auch nicht, dass der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten Endzwanziger Kim Milford trotz seiner vollen, blonden Haartolle nicht mehr wie ein Teenager aussieht und er nahezu im gesamten Film oberkörperfrei herumlaufen muss. Einen armseligeren Helden als Billy hat man in der Filmgeschichte wohl selten gesehen.

Immerhin: Wenn man nur nach dem englischen Original-Filmtitel geht, löst „Laserblast“ die Erwartungshaltung ein: Die Laserwumme verursacht riesige, völlig übertriebene Explosionen, die sich aber durchaus sehen lassen können. Da hat die Pyroabteilung ganze Arbeit geleistet. Nur zwei der Anschläge sind allerdings auch für die Story relevant: Aus Rache lässt Billy Chucks Auto in Flammen aufgehen und um einen Wagen zu kapern, bläst unser „Held“ den Besitzer samt Tür vom Fahrersitz. Ansonsten verläuft Billys Zerstörungswahn in unkontrollierbaren und sinnlosen Bahnen – auch ein stacheliger Kaktus in der Wüste und ein äußerst gefährlich dreinblickender Briefkasten müssen dran glauben.

Frühe Tode, Tarantinos Liebling und ein großer Debütantenball

Kim Milford stand schon als Teenager am Broadway in einer Produktion des Musicals „Hair“ auf der Bühne, später spielte er für einige Auftritte Rocky in „The Rocky Horror Show“. Für „Laserkill – Todesstrahlen aus dem All“ wurde er sicher auch aufgrund seiner entfernten Ähnlichkeit mit Mark Hamill verpflichtet, der 1977 als Luke Skywalker zum Star wurde. Tatsächlich stand Milford auch 1978 in „Zwei heiße Typen auf dem Highway“ neben Hamill vor der Kamera. Tragischerweise war ihm keine lange Karriere beschieden: Im Alter von 37 Jahren starb Milford 1988 an Herzversagen.

Auch Cheryl „Rainbeaux“ Smith starb 2002 bereits im Alter von 47 Jahren an Hepatitis. Aufgrund ihres Mitwirkens in einer Reihe von Cheerleader-Filmen wie „Footballmatch und süße Girls“ (1974) und Exploitationfilmen wie „Caged Heat – Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen“ (1974) hatte sie sich einen Namen gemacht. Produzent Charles Band verpflichtete sie bereits in der Sexkomödie „Die tolle Geschichte der C.“ (1977) in der Hauptrolle als Cinderella, bevor er sie zu „Laserkill – Tödliche Strahlen aus dem All“ holte. Quentin Tarantino gilt als großer Fan der „Rainbeaux“.

Einer der wenigen Darsteller aus dem Film, der heute noch erfolgreich im Geschäft ist, ist Eddie Deezen. Häufig als typischer Nerd besetzt, startete er anschließend mit Nebenrollen im Musicalklassiker „Grease – Schmiere“ (1978) und danach in der Chaoskomödie „1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood“ (1979) von Steven Spielberg durch. Heute ist Deezen häufig als Synchronsprecher in Cartoonserien wie „SpongeBob Schwammkopf“ aktiv.

Für Michael Rae blieb „Laserkill“ der einzige Versuch als Regisseur. In „Aliens Gone Wild“ (2005), einem Zusammenschnitt von Science-Fiction-Clips aus vergangenen Charles-Band-Produktionen, sind auch Ausschnitte aus seinem Debüt enthalten. Zudem schrieb Richard Band erstmals die Musik für einen Film seines Bruders, übrigens gemeinsam mit Joel Goldsmith (1957–2014), dem Sohn des großen Hollywood-Komponisten Jerry Goldsmith (1929–2004).

Dank SchleFaZ doch noch genießbar

Obwohl wir es hier mit Trash in Reinkultur zu tun haben, der in diesem Fall allerdings nicht, wie sonst häufig üblich, irgendwie dennoch unterhaltsam ist, hat sich eine gewisse Fanschar um „Laserkill – Todesstrahlen aus dem All“ gebildet. Dies liegt zum einen an den charmanten, krötenähnlichen Aliens, die durch Stop-Motion-Technik unter anderem von Effekte-Experte David Allen („The Howling – Das Tier“) zum Leben erweckt wurden, und zum anderen auch daran, dass das Machwerk 1996 in der US-Comedyserie „Mystery Science Theater 3000“ veralbert wurde. Die Episode mit „Laserkill“ erschien gemeinsam mit drei anderen Filmen sogar innerhalb der „20th Anniversary Edition“-DVD-Box. Bei knapp 200 Folgen der Serie zum damaligen Zeitpunkt eine reife Leistung, unter die vier besten auserwählt zu werden.

Und was ist das deutsche Pendant zu „Mystery Science Theater 3000“? Richtig, die TELE-5-Reihe „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“, kurz „SchleFaZ“, mit Oliver Kalkofe und Peter Rütten, die sich um „Laserkill – Todesstrahlen aus dem All“ auch schon „gekümmert“ haben. Großartig, dass es Wicked Vision für die Blu-ray-Premiere gelungen ist, die „SchleFaZ“-Fassung des Streifens auf der Scheibe als Bonus mit draufzupacken. Dank Kalkofes und Rüttens Kommentaren und einem fetzigen „Free Billy Silly Killy Master Blaster Disaster“-Cocktail in der Hand, kann man „Laserkill“ dann doch noch einigermaßen genießen. Weil derzeit bedingt durch die Corona-Krise die Kanäle zum Kauf des Films limitiert sind, bin ich abschließend so frei, darauf hinzuweisen, dass „Laserkill – Todesstrahlen aus dem All“ direkt im Online-Shop der Wicked Vision Distribution GmbH bezogen werden kann.

Die Filme der „Full Moon Classic Selection“ und der „Full Moon Collection“ der Wicked Vision Distribution GmbH haben wir in unserer Rubrik Filmreihen gelistet.

Veröffentlichung: 14. Oktober 2019 als Blu-ray, 12. Dezember 2011 auf DVD, 6. Oktober 2009 auf DVD

Länge: 82 Min. (Blu-ray), 79 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Laserblast
USA 1978
Regie: Michael Rae
Drehbuch: Franne Schacht, Frank Ray Perilli
Besetzung: Kim Milford, Cheryl Smith, Gianni Russo, Ron Masak, Dennis Burkley, Barry Cutler, Eddie Deezen, Mike Bobenko, Roddy McDowall, Joanna Lipari
Zusatzmaterial: Vorwort von Charles Band, Audiokommentar mit Regisseur Charles Band und Komponist Richard Band, Originaltrailer, Bildergalerie, „SchleFaZ“-Fassung (128 Min), Wendecover mit alternativem Motiv
Label/Vertrieb: Wicked Vision Distribution GmbH / Full Moon Germany

Copyright 2020 by Andreas Eckenfels

Szenenfoto & Doppel-Packshot: © 2019 Wicked Vision Distribution GmbH / Full Moon Germany

 

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Full Moon (IV): Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes – Wenn Männer zur bedrohten Art werden

Cannibal Women in the Avocado Jungle of Death

Von Andreas Eckenfels

Abenteuerkomödie // Zur Zeit des Kalten Kriegs reißen sich die Kommunisten weltweit immer mehr Anbaugebiete eines überaus wertvollen Guts unter den Nagel: die Avocado. Die Frucht stärkt angeblich das nationale Sicherheitsgefühl der Bevölkerung der Vereinigten Staaten – doch nun werden im Land langsam die Vorräte knapp. Die letzten Bestände liegen in einem größtenteils unerforschten Dschungelgebiet in Kalifornien, das allerdings vom radikalen Stamm der Piranha-Frauen beherrscht wird.

Die Legende besagt, dass die Frauen einer ehemaligen Feministinnen-Kommune entstammen und eine besondere Leibspeise haben: Männer. Die Regierung hat schon mit mehreren Bataillonen versucht, die Frauen zu vertreiben. Doch keiner der Soldaten kam lebend zurück. Auch Dr. Kurtz (Adrienne Barbeau), Autorin von „Frauen sind klug, Männer sind Idioten“, ist in der sogenannten Avocado-Bucht vor zwei Jahren verschollen. Nun erhält die Ethnologin und Feministin Dr. Margo Hunt (Shannon Tweed) den Auftrag in das Gebiet vorzudringen. Dort soll sie mit den Piranha-Frauen über eine Umsiedlung in ein Luxusresort verhandeln. Gemeinsam mit ihrer Assistentin Bunny (Karen Mistal) und dem Abenteurer Jim (Bill Maher) macht sie sich auf den gefährlichen Weg ins Herz der Finsternis.

Avocado Now

Der zweite Blu-ray-Titel aus der „Full Moon Classic Selection“ von Wicked-Vision Media stellt in der umfangreichen Filmografie des Low-Budget-Labels eine kleine Seltenheit dar: Normalerweise stammen die Werke meist aus dem Horror- oder Science-Fiction-Genre, hier handelt sich aber um eine handfeste Abenteuerkomödie. Wer beim Lesen des Figurennamens Dr. Kurtz kurz gezuckt hat, dem sei gesagt: Es bleibt nicht die einzige Anspielung auf „Apocalypse Now“ (1979) – auch sind unter anderem einige mehr oder weniger deutliche Zitate aus „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981) und „2001 – Odyssee im Weltraum“ (1968) zu finden. Die absurde Handlung und der teils durchgeknallte Humor erinnern dabei durchaus an die großen Komödien der Zucker-Brüder („Die nackte Kanone“) – allerdings wird die hohe Gagdichte der großen Vorbilder bei Weitem nicht erreicht.

Die Regie und gleichzeitig das Drehbuch wurden übrigens nicht, wie man(n) denken könnte, von einer männerhassenden Dame übernommen, sondern von J. F. Lawton, der nur ein Jahr später für eine der berühmtesten und erfolgreichsten Romanzen der Filmgeschichte verantwortlich zeichnen sollte: Er schrieb das Skript zu „Pretty Woman“ (1990), welches ihm eine BAFTA-Nominierung einbrachte. Anschließend folgten das Drehbuch zum Steven-Seagal-Kracher „Alarmstufe: Rot“ (1992) und die Regie zu „The Hunted – Der Gejagte“ (1995) mit Christopher Lambert.

Ein großer Verdienst von Lawton bei „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ ist, dass er sich offenbar ein paar Gedanken um die Piranha-Frauen gemacht und eine eigene kleine Mythologie um sie herum gesponnen hat, die die fremde Kultur greifbar macht. Zudem spielt er auch herrlich mit den Geschlechterrollen. Grandios fand ich die Idee rund um die „Donahues“. So werden die Männer genannt, die von den Piranha-Frauen im Dschungel als einzige ihrer Artgenossen geduldet werden. Sie hausen in kleinen Hütten und verrichten unterwürfig die „typischen“ Arbeiten, die von Frauen verrichtet werden – sei es Häkeln, Putzen oder Kochen. Vollmacho Jim kann es nicht fassen und bringt ihnen erstmal das Biertrinken bei und erklärt ihnen die Vorzüge des Penthouse-Magazins.

Playmate des Jahres

Dass die Rolle der Heldin ausgerechnet von einem ehemaligen Playboy-Model verkörpert wird, konterkariert die feministisch angehauchte Story kalkuliert zusätzlich: Die attraktive Kanadierin Shannon Tweed wurde 1982 zum „Playmate des Jahres“ gekürt. Seit 1986 ist sie weltweit hauptsächlich als Lebensgefährtin von Kiss-Bassist Gene Simmons bekannt. Das Paar heiratete schließlich 2011. Wer jetzt hofft, dass sich Shannon Tweed auch im „Avocado-Dschungel“ aufgrund der Hitze von ein paar Kleidungsstücken entledigt, der wird enttäuscht. Nur zu Beginn gibt es von einigen anderen Darstellerinnen ein wenig nackte Haut zu sehen, die dann von zwei geifernden Avocado-Pflückern beim Baden gestört werden. Ihre Strafe folgt auf dem Fuße …

Tweed zur Seite steht Stand-up-Comedian und Talkmaster Bill Maher als „Indy für Arme“-Verschnitt Jim. In einem seiner ersten Filmauftritte darf er Machosprüche raushauen und Wortgefechte führen, ist aber natürlich den Damen in allen Belangen hoffnungslos unterlegen. Karen Mistal als naive und lispelnde Studentin Bunny mit einem Hang zu rosa Kleidung sammelte schon zuvor in „Die Rückkehr der Killertomaten“ (1988) Erfahrung im B-Movie-Bereich. Dazu gesellt sich mit Adrienne Barbeau („The Fog – Nebel des Grauens“) eine echte Veteranin des Horrorgenres – allerdings anders als Marlon Brando als Dr. Kurtz ohne Glatze.

Willkommen im Dschungel

Das Budget reichte natürlich nicht aus, um in einem echten Dschungel zu drehen. Als Ersatz streifen die Darstellerinnen und Darsteller durch den blühenden Botanischen Garten der Universität von Kalifornien. Auch eine Angriffsszene durch ein Flusspferd musste etwas improvisiert werden: Das Trio bekämpft im Boot sitzend das monströse Tier, welches der Zuschauer allerdings niemals zu Gesicht bekommt. Einen Gegenschnitt gibt es nicht. Immerhin ist eine echte Raubkatze zu sehen – war es ein Leopard? –, die laut der Figuren auch äußerst gefährlich sein soll. Doch das Biest entpuppt sich als harmloser Stubentiger, der sich von Bunny gemütlich das Fell streicheln lässt.

Auf dem Backcover der Blu-ray-Hülle steht geschrieben, dass man während der Sichtung ruhig ein paar Guacamole-Biere konsumieren sollte. Ich denke, sogar ohne Alkoholgenuss hat man an dem herrlich selbstironischen „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ seinen Spaß! Aber schaden tut es auch nicht.

Die Filme der „Full Moon Classic Selection“ und der „Full Moon Collection“ der Wicked Vision Distribution GmbH haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Veröffentlichung: 6. Mai 2019 als Blu-ray, 18. September 2008 als DVD

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Cannibal Women in the Avocado Jungle of Death
USA 1989
Regie: J. F. Lawton (als J. D. Athens)
Drehbuch: J. F. Lawton (als J. D. Athens)
Besetzung: Shannon Tweed, Adrienne Barbeau, Karen M. Waldron (als Karen Mistal), Bill Maher, Barry Primus, James MacKrell, Paul Ross
Zusatzmaterial: Vorwort von Charles Band, Originaltrailer, Kinotrailer, Wendecover mit Original Artwork
Label/Vertrieb Blu-ray: Wicked Vision Distribution GmbH / Full Moon Germany
Label/Vertrieb DVD: KNM Home Entertainment GmbH

Copyright 2020 by Andreas Eckenfels

 

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Full Moon (II): Doctor Mordrid – Von Zauberern und Dinosauriern

Doctor Mordrid

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Abenteuer // Vor langer Zeit wurde der aus einer anderen Dimension stammende Dr. Anton Mordrid (Jeffrey Combs) auf die Erde geschickt, um diese vor finsteren Mächten zu beschützen. Getarnt als Wissenschaftler lebt der Zauberer gemeinsam mit seinem Raben Edgar Allan in einem Appartement-Komplex in New York City. Die Zeit des Wartens ist für Doctor Mordrid bald vorbei: Sein ebenfalls magiebegabter Erzfeind Kabal (Brian Thompson) kann sich aus seinem Gefängnis befreien und will die Erdenbewohner versklaven. Mit Unterstützung seiner Nachbarin Samantha (Yvette Nipar) bereitet sich Doctor Mordrid auf den ultimativen Kampf zwischen Gut und Böse vor.

Der Franchise-Traum

Mitte der 1980er-Jahre schwebte B-Movie-Produzent Charles Band Großes vor: Der Gründer von Empire Pictures holte keinen Geringeren als den legendären Marvel-Comiczeichner Jack Kirby („Fantastic Four“, „Iron Man“, „X-Men“) an Bord und plante, mit ihm ein weit verzweigtes Film-Franchise zu erschaffen, welches durch viele verschiedene Figuren eng miteinander verzahnt werden sollte. Denn was seit Jahrzehnten auf dem Comicmarkt gang und gäbe ist, muss doch auch im Filmbusiness funktionieren. Doch es kam anders. Empire Pictures ging nach einigen Hits wie „Ghoulies“ (1984), „Re-Animator“ (1985) und „Troll“ (1986) im Jahr 1988 pleite. Band hatte sich mit dem Zukauf eines italienischen Studios übernommen und war auch sonst schlicht überschuldet.

Doctor Mordrid soll die Erde beschützen

Dennoch ließ er sich nicht unterkriegen und gab nach dem Bankrott gleich die Gründung eines neuen Studios bekannt: Full Moon Entertainment. Mit ihm wollte Band sein lange geplantes Filmhelden-Universum nun endlich verwirklichen. Den Auftakt übernahm der große, kleine „Dollman“ (1991), der in der Fortsetzung „Tod im Spielzeugland“ (1993) bereits zum Duell mit den fiesen „Demonic Toys“ (1992) antrat. Ein weiterer Charakter war mit der von Jack Kirby aus alten „Empire Pictures“-Tagen entworfenen Figur des „Doctor Mortalis“ schnell gefunden. Dessen mehr als offensichtliche Anleihen an den berühmten Marvel-Zauberer „Doctor Strange“ waren sicherlich beabsichtigt. Nachdem der Name der Figur aus nicht ganz geklärten Gründen leicht verändert wurde, kam 1992 „Doctor Mordrid“ auf den amerikanischen „Direct to Video“-Markt.

Der böse Kabal kann sich von seinen Ketten befreien

Warum das Franchise nicht wirklich in die Gänge kam, erzählt Torsten Dewi, Mit-Autor der englischsprachigen Charles-Band-Biografie „Empire of the ’B’s“, ausführlich im informativen Booklet und zusammen mit Marco Erdmann im Audiokommentar der vorzüglichen Mediabook-Veröffentlichung von Wicked-Vision Media.

Es bleibt in der Familie

Charles Band erklärte die Inszenierung kurzerhand zur Familienangelegenheit, teilte sich mit seinem Vater Albert („Zoltan, Draculas Höllenhund“, 1977) die Regie, Bruder Robert war für den Soundtrack zuständig. Sogar Charles Bands damals elfjähriger Sohn Alex hat gegen Ende als Kind im Museum einen Kurzauftritt. Alex Band feierte Anfang 2000 kurzzeitig als Sänger von The Calling („Wherever You Will Go“) ein paar Charterfolge.

Samantha unterstützt Mordrid

Gleichzeitig verpflichtete Charles Band einen alten Bekannten für die titelgebende Hauptrolle: Nachdem er zuvor meist durchgeknallte Figuren gespielt hatte, durfte der charismatische Jeffrey Combs als geheimnisvoller Doctor Mordrid in seinen Morgenmantel gehüllt endlich auch mal in einer Heldenrolle glänzen. Im Gegensatz zu Doctor Strange ist das Full-Moon-Pendant nicht egozentrisch, sondern introvertiert und wortkarg angelegt, was ihn um einiges sympathischer als die von Benedict Cumberbatch verkörperte Figur macht. Gleichzeitig harmoniert Combs bestens mit Yvette Nipar, die vor und nach „Doctor Mordrid“ hauptsächlich durch TV-Serien wie „21 Jump Street“ und „RoboCop“ tingelte. Mit seiner kantigen Visage erweist sich Brian Thompson („Die City-Cobra“, „Moon 44“) ein weiteres Mal als Idealbesetzung für einen B-Movie-Bösewicht.

Als Saurier die Kinowelt beherrschten

Wer schon vorher nichts mit den eigenwilligen Full-Moon-Produktionen anfangen konnte, bei dem wird die Waage auch mit „Doctor Mordrid“ wohl kaum umschwenken. Dennoch gehört der „Doctor Strange“-Klon zweifelsohne zu den qualitativ besseren Filmen aus der Low-Budget-Schmiede. Wieder gibt es eine Vielzahl von belanglosen Dialogen, welche die mit knapp 70 Minuten sowieso knappe Laufzeit in die Länge ziehen. Die Gespräche werden diesmal aber dafür genutzt, die Hintergrundgeschichte und die Fähigkeiten des Superhelden näher zu beleuchten. Denn wer die Comic-Vorlage nicht kennt, muss natürlich erst mal erklärt bekommen, warum der Doktor seinen Geist vom Körper isolieren kann.

Die Actionszenen sind rar gesät, aber immerhin gibt es beim großen Finale eine Szene, die man garantiert nicht so schnell vergisst: Im Naturkundemuseum erwecken die Zauberer die Urzeit-Skelette eines Tyrannosarus Rex und eines Mammuts zum Leben und lassen sie gegeneinander antreten. Das Gigantenduell wurde unter anderem von David Allen per Stop-Motion-Technik umgesetzt. Der Effektemeister arbeitete bereits bei „Trancers“ (1984), „Ghoulies II“ (1988) und „Puppetmaster“ (1989) mit Charles und Albert Band zusammen. 1986 erhielt David Allen für seine Mitarbeit an Barry Levinsons „Das Geheimnis des verborgenen Tempels“ sogar eine Oscar-Nominierung.

Doctor Mordrid nutzt seine Kräfte

In Zeiten, in denen gerade „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (1991) und „Jurassic Park“ (1993) die Möglichkeiten von Spezialeffekten in neue Sphären hievten, verlieh die von Ray Harryhausen perfektionierte alte Technik auch „Doctor Mordrid“ einen nostalgischen und magischen Charme. Gleichzeitig sorgten diese Sequenz und der Erfolg von Steven Spielbergs Saurier-Abenteuer auch beim deutschen Verleiher von „Doktor Mordrid“ für eine Kuriosität: Highlight entschied sich nicht nur dazu, das VHS-Cover nachträglich zu ändern und darauf statt des Helden das Dinosaurier-Skelett abzubilden – gleichzeitig wurde auch noch der Titel in „Rexosaurus“ geändert. Sachen gibt’s …

Für Nachschub ist gesorgt

Die Fans der Trash-Schmiede scharren schon länger mit den Hufen: Der Nachschub an Veröffentlichungen der Full-Moon-Collection von Wicked-Vision Media ist ins Stocken geraten. Aber keine Sorge: Wie Labelchef Daniel Perée im „Movieside“-Forum verriet, wird es auf jeden Fall weitergehen. Innerhalb der Collection sollen drei weitere Filme erscheinen, voraussichtlich als nächstes „Creepzone“ (1987). Danach ist geplant, eine oder zwei Boxen mit mehreren Filmen aus den Häusern Full Moon Entertainment und Empire Pictures zu veröffentlichen. Wir freuen uns schon drauf!

Dinos im Duell

Die Filme der „Full Moon Collection“ von Wicked-Vision Media haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. April 2017 als 2-Disc-Mediabook-Edition (Blu-ray & DVD) in drei limitierten Covervarianten (Cover A: 222 Stück, Cover B: 333 Stück, Cover C: 444 Stück)

Länge: 75 Min. (Blu-ray), 71 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Doctor Mordrid
Deutscher Alternativtitel: Rexosaurus
USA 1992
Regie: Albert Band, Charles Band
Drehbuch: C. Courtney Joyner
Besetzung: Jeffrey Combs, Yvette Nipar, Jay Acovone, Keith Coulouris, Ritch Brinkley, Brian Thompson, Pearl Shear, Jeff Austin
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Charles Band und Hauptdarsteller Jeffrey Combs, Audiokommentar mit Torsten Dewi und Marco Erdmann, Videozone „Doctor Mordrid“, Uncut Footage: Hinter den Kulissen, Interviews, Trailer, Bildergalerie, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Torsten Dewi und einem exklusiven Interview mit Lee MacLead
Label/Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & Packshots: © 2017 Wicked-Vision Media

 

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