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Kennwort 777 – Die Gerechtigkeit muss siegen

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Call Northside 777

Von Ansgar Skulme

Drama // Der Immigrant Frank Wiecek (Richard Conte) wird gemeinsam mit einem Freund (George Tyne) des Mordes beschuldigt und landet lebenslänglich im Zuchthaus. Für die Verurteilung maßgeblich ist einzig die Aussage von Wanda Skutnik (Betty Garde), die behauptet, ihn bei der Tat gesehen zu haben. Viele Jahre später stößt der Chefredakteur der Chicago Times Brian Kelly (Lee J. Cobb) auf eine Annonce von Wieceks Mutter (Kasia Orzazewski), die eine Belohnung von 5.000 Dollar aussetzt, um den Fall neu aufzurollen. Kelly beauftragt den Journalisten P.J. McNeal (James Stewart), daraus eine Story zu machen. Als McNeal feststellt, dass sich die alte Frau die Belohnung mühsam mit dem Schrubben von Fußböden zusammenspart, gewinnt er trotz anfänglicher Skepsis ein zunehmendes Interesse daran, ihr zu helfen.

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Eine junge Familie – ins Unglück gestürzt

Basierend auf dem wahren Fall von Joseph Majczek und Theodore Marcinkiewicz, dem der Journalist James McGuire ab Oktober 1944 nachging, ist Henry Hathaway die Inszenierung einer sehr spannenden und fast schon minutiös geschilderten Jagd nach dem rechtzeitigen Beweis für die Unschuld des Verurteilten gelungen. Semi-dokumentarisch gehaltene Film noirs, die eine Verbrecherjagd schildern, wurden in der zweiten Hälfte der 40er-Jahre zum Trend. In diesem Fall geht es zwar nicht um die Jagd nach dem wirklichen Täter, sondern um den Unschuldsbeweis, ansonsten jedoch bewegt sich der Film vollauf mit dieser Welle.

Ein Meilenstein für Chicago

Ein eindeutiges Kennzeichen für den hohen dokumentarischen Anspruch solcher Film noirs findet sich etwa in der Tatsache, dass sich der Erfinder des Lügendetektors, der in der Story zum Einsatz kommt, Leonarde Keeler, in „Kennwort 777“ praktisch selbst spielt und den Test mit dem Gefangenen durchführt. Der Einsatz von Laiendarstellern wurde etwa zeitgleich im italienischen Neorealismus sehr beliebt, war aber auch in solchen US-Produktionen durchaus üblich, wenngleich es oft nur einzelne Rollen pro Film betrifft. Des Öfteren wurden Geschichten in der Rahmenhandlung von tatsächlichen Beamten erzählt bzw. eröffnet und geschlossen, die teilweise während der Handlung als Erzähler fungierten. Zudem setzte man in „Kennwort 777“ für einige Rollen auf unbekannte Schauspieler: Joanne De Bergh und Kasia Orzazewski, in den Rollen der Ehefrau und der Mutter Wieceks, gaben beide ihr Filmdebüt; für John McIntire, der in der Rolle des Sam Faxon energisch zu verhindern versucht, dass die Arbeit von Justiz, Polizei und somit letztlich auch des Staates durch eine Begnadigung Wieceks diskreditiert werden, war es die erste namentlich genannte Filmrolle. Er wurde bald darauf ein gefragter Charakterdarsteller in Hollywood und hatte später mehrjährige Hauptrollen in den Westernserien „Wagon Train“ und „Die Leute von der Shiloh Ranch“ – in letztgenannter als Nachfolger von Lee J. Cobb, der in „Kennwort 777“ ebenfalls zu sehen ist. Nachgewiesen wird der dokumentarische Anspruch aber auch damit, dass es sich hierbei um den ersten abendfüllenden Hollywood-Spielfilm handelt, dessen Außenaufnahmen komplett in und um Chicago gedreht wurden, und man auch die Nachtszenen untypischerweise konsequent bei Nacht filmte – mochte es eine noch so große technische Herausforderung sein. Die Aufnahmen aus der Metropolregion Chicago zeigen unter anderem das letzte genutzte Panopticon der USA im Stateville-Hochsicherheitsgefängnis.

Alter Film, doch jung geblieben

Man kann geteilter Meinung sein, wie sinnhaft es ist, dass ein Film, der mit einem Mord beginnt und auch später in der Handlung Waffen zeigt, eine Freigabe ohne Altersbeschränkung bekommt – die er in Deutschland für seine DVD-Auswertungen erhalten hat –, sollte gerade deswegen allerdings auch nicht glauben, dass es sich bei „Kennwort 777“ um einen eher harmlosen Genrevertreter ohne Biss handelt. Der Film ist praktisch völlig zeitlos und wirkt durch den Einsatz des von James Stewart sehr offen und direkt verkörperten Journalisten mit zunehmender Dauer immer fesselnder. Man kann das Werk durchaus mit thematisch ähnlichen Produktionen wesentlich jüngeren Datums wie etwa „Zodiac – Die Spur des Killers“ (2007) vergleichen, in dem Jake Gyllenhaal den recherchierenden Zeitungsmitarbeiter verkörperte. James Stewart ermöglicht dem Zuschauer einen sehr guten Zugang zu dem Fall, da man sich mit der Figur ausgesprochen gut identifizieren kann und er schließlich sogar anfängt, für die Interessen der Öffentlichkeit zu sprechen – etwa als er heimlich ein Dokument auf einem Polizeirevier sichtet, das eigentlich öffentlich ist, aber unter Verschluss gehalten wird, und sich deswegen mit dem Diensthabenden anlegt. Dazu gibt es recht forsche Dialoge zwischen ihm und seiner filmischen Ehefrau, die auch heute noch zu amüsieren wissen, die gegenseitige Anziehung und Liebe der beiden in nur wenigen Szenen transparent machen. Dadurch wirkt der Film umso liebenswerter, ehrlicher und in seinen Ansinnen umso interessanter. Auch als der von Lee J. Cobb verkörperte Chefredakteur seine Motivation, den Fall bringen zu wollen, damit begründet, dass seine eigene Mutter ebenfalls Böden geschrubbt habe, um ihm die Schule zu finanzieren, gibt das dem Film eine sehr – nennen wir es – „bürgernahe“ Komponente. Und dies ist neben der dokumentarisch interessierten Kameraarbeit seine große Stärke.

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McNeal verbeißt sich in den Fall

Nur der deutsche Titel zeugt nicht gerade von einem Bemühen um Wirklichkeitsnähe. Mit „Northside 777“ ist die Telefonnummer gemeint, die in der Anzeige der Mutter angegeben ist. Mit einem Kennwort hat das wenig zu tun und ein solches kommt auch ansonsten nicht im Film vor. Man mag eine Bitte wie „Verbinden Sie mich doch mit Northside 777“ zwar durch die Kombination von Wort und Zahl für das deutsche Ohr, das diese Methodik der Telefonnummernvergabe nicht gewohnt ist, auch als Kennwort verstehen, dann jedoch müsste auch der Name „Northside“ – notfalls eingedeutscht – mit im Titel stehen. Von einem Kennwort bzw. Passwort allerdings, das nur „777“ heißt, würde heute nicht nur jeder IT-Experte abraten – egal wofür man es benutzt. Das mag banal klingen, aber wenn man als Laie vor einem DVD-Regal steht und diesen beileibe wirklich albernen Titel auf dem Niveau von „Passwort 0815“ oder „Geheimcode 0123“ liest, wird man von dem Film bei Weitem nicht den Intellekt erwarten, den er bietet – und das ist schlecht für die Vermarktung, zumindest wenn sich der Kunde dann denkt „Ach, die alten Schinken nun wieder … was für ein Quatsch.“ Aber das ist nicht Pidax‘ Schuld, sondern den deutschen Verleihern damaliger Zeiten anzulasten.

Alles gut, aber keine Neuentdeckung

Die DVD von Pidax lässt für den Preis wenig zu wünschen übrig. Es gibt ein Booklet von Reiner Boller, welches wie bei diesem Label üblich auch einen Nachdruck der Ausgabe der Illustrierten Film-Bühne beinhaltet, die sich mit „Kennwort 777“ befasst – hierbei handelt es sich um eine Art Kino-Programmheft, wie es damals für jeden Film üblich war. Dazu gesellen sich der Originaltrailer und der deutsche Vorspann des Films. Festzuhalten ist allerdings, dass „Kennwort 777“ vor zehn Jahren schon einmal von Universum Film in Deutschland auf DVD veröffentlicht wurde und die vorliegende Veröffentlichung insofern nur eine Neuauflage mit etwas erweitertem Bonus und neuen Menüs ist. Bei all den teils international renommierten Film noirs, die es bei uns immer noch nicht auf DVD gibt – wie etwa „Der Panther“ (1950) oder „Der Henker saß am Tisch“ (1950), welche allerdings von anderen Studios und nicht 20th Century Fox stammen –, sieht der Genre-Fan eine solche Veröffentlichung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zumal die Universum-DVD bis heute nicht vergriffen und die Auskopplung als Double Feature in der Box „Hollywood Highlights 2“ – gemeinsam mit „Der Engel mit der Mörderhand“ (1968) – sogar nach wie vor für einen sehr günstigen Preis zu haben ist. Den Originaltrailer gab es auch damals schon als Bonus, wenngleich kein Booklet.

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Wenn nur ein Zeuge die Täter identifiziert, sind sie schuldig

Einen Coup hätte man landen können, wäre es gelungen die von Reiner Boller auch in seinem Text erwähnte Kinosynchronisation mit Hans Nielsen in der Hauptrolle aufzutreiben. Auf der DVD befindet sich jedoch nur die für die ARD erstellte Neusynchronisation von 1969 mit Eckart Dux als Sprecher von James Stewart, die auch schon auf der Universum-DVD zu finden ist und zu der auch der nun als Bonus enthaltene deutsche Vorspann gehört. Auch wenn es Dux wirklich gut gelungen ist, Stewarts recht eigentümliche Sprechweise ins Deutsche zu übertragen und die Sprecher auch ansonsten durchweg überzeugen – besonders rührend ist Erna Großmann, die die Mutter mit vor Kummer wimmernder, teils fast erstickender Stimme spricht –, sind die Akustik und Geräuschkulisse in solch einer Fassung eben doch anders geartet als im Original oder einer Kinosynchronisation aus den 40er-/50er-Jahren. Es mag aber sein, dass die alte Kinosynchronisation dieses Films wirklich verschollen ist und nicht mehr verfügbar gemacht werden konnte. Lobenswert ist allemal, dass dieser starke Film durch eine neuerliche Veröffentlichung nun wieder langfristig einem großen Publikum zugänglich ist, das sich neu begeistern lassen möchte.

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Unermüdlich auf der Suche nach dem Licht im Dunkel

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Henry Hathaway sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Lee J. Cobb und James Stewart unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 17. März 2017 als Blu-ray, 16. September 2016 und 25. September 2006 als DVD

Länge: 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Call Northside 777
USA 1948
Regie: Henry Hathaway
Drehbuch: Jerome Cady & Jay Dratler, nach Artikel von James P. McGuire & Jack McPhaul
Besetzung: James Stewart, Richard Conte, Lee J. Cobb, Helen Walker, Betty Garde, Kasia Orzazewski, Joanne De Bergh, Howard Smith, Moroni Olsen, John McIntire, Paul Harvey
Zusatzmaterial: Booklet von Reiner Boller inkl. Nachdruck der Illustrierten Film-Bühne Nr. 380, Originaltrailer, deutscher Vorspann der ARD-Synchronfassung von 1969
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Ansgar Skulme
Fotos & Packshot: © Al!ve AG / Pidax Film

 
 

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Red Heat – Wer möchte Arnie nicht als Buddy haben?

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Red Heat

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Zwei ungleiche Typen raufen sich für eine Aufgabe zusammen. Das Subgenre der Buddy Movies erfreut sich besonders im Bereich der Thriller, Krimis und Actionfilme großer Beliebtheit. Mel Gibson und Danny Glover in der „Lethal Weapon“-Reihe, Nick Nolte und Eddie Murphy in „Nur 48 Stunden“, Michael J. Fox und James Woods in „Auf die harte Tour“, Sylvester Stallone und Kurt Russell in „Tango & Cash“, Will Smith und Martin Lawrence in „Bad Boys – Harte Jungs“, Jackie Chan und Chris Tucker in „Rush Hour“ – die Liste lässt sich beliebig verlängern. Die beiden stahlharten Profis Riggs und Murtaugh aus der „Lethal Weapon“-Reihe sind meine Favoriten, aber gleich danach kommen schon Captain Ivan Danko (Arnold Schwarzenegger) und Detective-Sergeant Art Ridzik (James Belushi).

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Böser Bube: Viktor Rosta (3. v. l.)

Arnie nackig im Schnee

Schon der Anfang verheißt großen Actionspaß: Captain Ivan Danko (Arnold Schwarzenegger) von der Moskauer Polizei marschiert nahezu nackt in eine Sauna, bekommt einen heißen Stein in die Hand gedrückt und zettelt eine zünftige Keilerei im Schnee an. Danko jagt den georgischen Drogenboss Viktor Rosta (Ed O’Ross), doch der setzt sich in die USA ab, wo er in Chicago verhaftet wird. Danko reist hinterher, um Rosta in die Sowjetunion zu überführen, doch der Verbrecher kann entkommen. Nun muss sich der linientreue sowjetische Polizist mit seinem großspurigen Chicagoer Kollegen Ridzik arrangieren. Gemeinsam begeben sich die beiden auf die Jagd nach Rosta.

Der Sowjet-Cop und der US-Bulle

Widerspruch zwecklos: „Red Heat“ ist klasse! Was Walter Hill da an pointierten Dialogen, Witz und knallharter Action zusammengerührt hat, ist ein über die volle Laufzeit höchst unterhaltsamer Culture Clash der polizeilichen Art. In Nebenrollen sind zudem Laurence Fishburne als überkorrekter Polizist und Gina Gershon als Rostas Freundin gern gesehene Gesichter.

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Danko (r.) lenkt, doch Ridzik reißt das Steuer herum

Unter Omnibus tut’s Schwarzenegger nicht

Mag sich der Actionfilm seit den 80er-Jahren auch aufgrund neuer Schnitttechniken, überbordender Spezialeffekte und übertriebener Soundtrack-Untermalung weiterentwickelt haben, einem Klassiker wie „Red Heat“ kann all das nichts anhaben, der bringt heute ebenso viel Spaß wie 1988. Wenn zum Finale die Omnibusse gegeneinander antreten, kann sich manch ein heutiger Actionfilmer warm anziehen.

Walter Hill!

Gastautor Simon Kyprianou und ich haben mittlerweile sechs Regiearbeiten Walter Hills rezensiert, er drei und ich drei (siehe unten). Wir schätzen diesen Regisseur beide sehr, weil er das Actionkino der späten 70er- und der 80er-Jahre mitgeprägt hat und Old School im allerbesten Sinne ist. Überzeugt euch selbst davon!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Walter Hill sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Laurence Fishburne und Arnold Schwarzenegger in der Rubrik Schauspieler.

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Auch ein Omnibus sollte sich nicht mit einer Lokomotive anlegen

Veröffentlichung: 6. Mai 2010 als Blu-ray, 21. November 2000 als DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Originaltitel: Red Heat
USA 1988
Regie: Walter Hill
Drehbuch: Walter Hill, Harry Kleiner, Troy Kennedy-Martin
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, James Belushi, Peter Boyle, Ed O’Ross, Laurence Fishburne, Gina Gershon, Pruitt Taylor Vince, Brion James, Richard Bright
Zusatzmaterial Blu-ray: Arnold Schwarzenegger – Der Mann, der Hollywood auf den Arm nahm, Der politische Hintergrund von „Red Heat“, Trailer, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: Originaltrailer, Making-of: „Action! “, „Schwarzenegger in Russia“, „Arnold & Jim: Buddy Piece“, „The Actor’s Perspective“
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

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Uhrentausch zum Abschied

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2000/2010 Studiocanal Home Entertainment

 
 

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Capone – Aufstieg und Fall der Mobster-Legende

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Capone

Von Volker Schönenberger

Gangsterdrama // Wer ist der beste Al-Capone-Darsteller? Den einen, alles überragenden Spielfilm über das Leben des notorischen Gangsters gibt’s nicht, wenn man von „Die Unbestechlichen“ (1987) absieht. Dort interpretierte ihn Robert De Niro als ebenso wortgewandten wie zynischen Brutalo mit einem Lächeln auf den Lippen. In Brian De Palmas Film ist Capone allerdings nicht die Hauptfigur, das ist der von Kevin Costner verkörperte Ermittler Eliot Ness. Das erste biografisch inszenierte Gangsterdrama entstand 1959: In „Al Capone“ spielt ihn Rod Steiger – passt. In Roger Cormans „Chicago-Massaker“ von 1967 drückt Jason Robards der Figur ihren Stempel auf. Aber wer weiß – vielleicht wird dereinst Stephen Graham („Blood“) als der große Capone-Darsteller gelten, der ihn aktuell in der großartigen TV-Serie „Boardwalk Empire“ verkörpert!?

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Capone (r.) lässt sich anwerben

Wie auch immer – selbstverständlich ist auch Ben Gazzara ein Kandidat für den Ehrentitel. Er hat die Rolle 1975 in Steve Carvers „Capone“ übernommen. Diese Interpretation ist nun erstmals auf Blu-ray erschienen – in anständiger Bildqualität, was man von einem 1975er-Film auch erwarten kann. Schade, dass der Ton da nicht mithalten kann – er ist zu dumpf, was sich besonders bei Schießerei-Szenen bemerkbar macht. Das mag an der damaligen Produktion in Mono liegen, ist aber unschön. Das von Roger Corman produzierte Werk enthält Szenen, die Corman bereits 1967 für den oben erwähnten „Chicago-Massaker“ gedreht und verwendet hatte.

„Capone“ hakt pflichtschuldig diverse Stationen im Leben der Titelfigur ab, nimmt sich einige Freiheiten, was die historischen Fakten angeht, und setzt den Fokus auf Action und gewalttätige Auseinandersetzungen. Die Handlung setzt 1918 im New Yorker Stadtteil Brooklyn ein. Al Capone (Ben Gazzara) lässt sich vom örtlichen Gangsterboss Frankie Yale (John Cassavetes) anheuern. Bald darauf wechselt er nach Chicago, wo er sich zum Boss der Gangster-Organisation Chicago Outfit aufschwingt und blutige Kämpfe mit der rivalisierenden North Side Gang austrägt. An Capones Seite wacht der ruchlose Frank Nitti (Sylvester Stallone) über seinen Boss.

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Frank Nitti (r.) bewacht seinen Boss

Die Episoden der kriminellen Laufbahn Capones sind gefällig inszeniert und ausgestattet. Richtig beeindruckend ist das aber nicht. Angesichts der schillernden Figur und des klangvollen Namens wäre ein Wow-Effekt schön gewesen. Ben Gazzara ist ein großartiger Schauspieler, der dem legendären Ganoven eine eigene Note verleiht. In die Riege der ganz großen Gangster-Epen schließt „Capone“ aber nicht auf. Dann bleibt wohl doch eher De Niro als ultimativer Capone haften.

Sylvester Stallone bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Capone (1975)
Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts (1985)
Shootout – Keine Gnade (2012)
Escape Plan (2013)
Zwei vom alten Schlag (2013)
Electric Boogaloo – Die unglaublich wilde Geschichte der verrücktesten Filmfirma der Welt! (2014)
The Expendables 3 (2014, Gastrezension Matthias Holm)
The Expendables 3 (2014, Gastrezension Florian Schneider)
Creed – Rocky’s Legacy (2015)

Veröffentlichung: 3. Januar 2014 als Blu-ray

Länge: 102 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Italienisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Türkisch, Holländisch, Portugiesisch u. a.
Originaltitel: Capone
USA 1975
Regie: Steve Carver
Drehbuch: Howard Browne
Besetzung: Ben Gazzara, Sylvester Stallone, Harry Guardino, Susan Blakely, John Cassavetes, Carmen Argenziano, Frank Campanella
Zusatzmaterial: Original Kinotrailer
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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