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Zombieworld – Die Untoten und das Huhn

Gam man da song si

Von Volker Schönenberger

Horror // Ein Wachmann erblickt des Nachts in einem düsteren Gang eine seltsame Figur – eine Art Hühnchen-Karnevalskostüm. Aus deren Schnabel entweicht eine Seifenblase grausigen Inhalts und trifft den Bedauernswerten, der zu Boden geht. Seine Haut verfärbt sich …

Mit Eigenbau-Waffen wollen sich die beiden Freunde der …

Im Anschluss an diesen kurzen Prolog bekommen wir einen schönen Comic-Vorspann zu sehen, der Vorfreude auf ein zünftiges Splatterspektakel weckt. Diese Erwartungshaltung erfüllt „Zombieworld“ leider nicht, ihre Momente hat die Hongkong-Produktion aber dennoch. Die Handlung folgt den beiden Kumpels Lung (Michael Ning) und Chi-Yeung (Cheung Kai-Chung), die gern große Helden mit Schlag bei Frauen wären, aber leider kleine Lichter sind. Ihre Chance scheint gekommen, als aus heiterem Himmel eine Zombie-Pandemie ausbricht. Ihre erste Begegnung mit dem Grauen: ein untoter Minderjähriger, den die beiden erst einmal zünftig verprügeln. Jetzt können Lung und Chi-Yeung zeigen, was in ihnen steckt. Zombie-Vernichtungswaffen sind schnell zusammengebastelt, dann geht es auf Patrouille. Doch Helden werden ist nicht schwer, Helden sein dagegen sehr …

Tödliche Hühnereier

„Hey! Dein Mund blutet.“ „Ach, das ist nichts Schlimmes. Ein paar Makler wollten mich beißen, ich hab aber zurückgebissen.“ Mit solchen Dialogen kratzt „Zombieworld“ an der Grenze zur Komödie. Ich bin aber bei fernöstlichen Filmen des Öfteren am Zweifeln, ob das Ganze wirklich komödiantisch gemeint ist. Endgültig bizarr gerät das Ganze, wenn die sonderbare Hühnchen-Figur aus dem Prolog erneut auftaucht und tödliche Eier umherfliegen. Dann mutiert „Zombieworld“ fast zur Groteske, bevor daraus ein Psychogramm des Protagonisten Lung wird.

… Heerscharen der Untoten erwehren

Überhaupt erweckt der Film den Eindruck eines Genre-Hybriden, der diverse Themen aufgreift und Elemente aus Horror, Drama, Komödie und Coming of Age kreuzt. Das gelingt mal gut, mal weniger gut. Tragik und Komik liegen oft nah beieinander, und in einigen Szenen passt das vorzüglich. Probleme bereiten den beiden Möchtegern-Helden nicht nur die Zombies, sondern auch Lungs Vater (Alex Man), der nach Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden ist und plötzlich daheim vor der Tür steht. Wird sich die Familie im Angesicht des Untoten-Unheils zusammenraufen?

„Zombieworld“ hat Prominenz im Cast: Cheung Kai-Chung hat es unter dem Namen Louis Cheung in China zu Popstar-Ruhm gebracht und als Synchronsprecher einem gewissen Anakin Skywalker in „Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“ und „Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith“ die Stimme geliehen. Mit Nebendarsteller So Wai-Chuen findet sich sogar ein in Hongkong aktiver Fußballprofi in der Besetzungsliste.

Erinnerung an „I Am a Hero“

In seinem Langfilm-Regiedebüt lässt sich Alan Lo etwas Zeit, bevor er die Handlung Fahrt aufnehmen lässt. Wenn ihm da mal nicht einige Zuschauerinnen und Zuschauer vorzeitig abspringen. Diese verpassen dann aber eine nicht immer runde, aber stets ungewöhnliche Geschichte, die mit ein paar schönen praktischen Make-up-Effekten angereichert wurde und deren Schauspielerinnen und Schauspieler diese Bezeichnung auch verdienen. Zum Finale werden die Comicmotive aus dem Vorspann wieder aufgegriffen, bevor der Abspann einsetzt. Dann noch nicht sofort die Stop-Taste drücken, es folgt nach ein paar Sekunden in den Credits noch eine kurze Szene. Die hat mich aber verwirrt zurückgelassen. Womöglich deutet sie auf eine etwaige Fortsetzung, aber das ist spekulativ. Ein paar Mal kam mir der japanische Zombiefilm „I Am a Hero“ von 2015 in den Sinn. Dessen Qualität erreicht „Zombieworld“ nicht, aber wer den einen mag, kann auch an dem anderen Gefallen finden.

Ganz gesund sieht das nicht aus

Veröffentlichung: 6. Juni 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 107 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Kantonesisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Gam man da song si
HK/CHN 2017
Regie: Alan Lo
Drehbuch: Nick Cheuk, Nero Ng, Chi Hoi Pang
Besetzung: Cheung Kai-Chung, Alex Man, Carrie Ng, Cherry Ngan, Michael Ning, Angie Shum, Wai-Chuen So, Venus Wong
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Auf der Flucht

Szenenfotos: © 2019 Tiberius Film

 

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China Salesman – Propaganda-Machwerk in Actionfilm-Tarnung

China Salesman

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // In einem nicht näher genannten, vom Bürgerkrieg gezeichneten nordafrikanischen Land hat der Wiederaufbau begonnen. Das hat die internationale Geschäftswelt auf den Plan gerufen. Für einen chinesischen Konzern will der junge Geschäftsmann Yan Jian (Dong-xue Li, „Brotherhood of Blades – Kaiserliche Assassins“) einen Vertrag für den Aufbau des Mobilfunknetzes abschließen. Doch er bekommt es mit korrupten Gegnern und einer groß angelegten Verschwörung zu tun.

Tausendsassa Yan Jian (M.) findet sich …

Name-Dropping gleich zum Auftakt: „China Salesman“ beginnt mit einer Barszene, in der gleich Mike Tyson und Steven Seagal eingeführt werden. Der Ex-Box-Champion spielt Kabbah, der sich von einem skrupellosen US-Konzern instrumentalisieren lässt, Seagal tritt als undurchsichtiger Schmuggler in Erscheinung. Seine Hauptaufgabe besteht darin, in wenigen Szenen einfach da zu sein. In besagter Startszene bestreitet er sogar eine Kampfeinlage gegen Tyson. Worum es dabei geht – egal, Hauptsache, die chinesische Produktion kann sich mit zwei international bekannten Akteuren brüsten.

China und seine edlen Absichten

Als Hauptfigur fungiert erwähnter Yan Jian, ein redlicher, etwas naiv wirkender Geselle, der jedoch in diversen Situationen eine Lösung parat hat – und bei telefontechnischen Problemen sowieso. Die Botschaft ist klar: Er personifiziert ein China, das nur lautere Ziele verfolgt und der Welt das Gute bringen will. Wiederholt schwenkt Yan Jian die Flagge der Volksrepublik China, wobei nicht ganz deutlich wird, was er in dem Moment damit bezweckt. Letztlich bleibt der junge, nicht korrumpierbare Chinese die einzige Person, die verhindern kann, dass das afrikanische Land in den Bürgerkrieg zurückgeworfen wird. Der US-Konkurrent zieht natürlich das eine oder andere fiese Ass aus dem Ärmel, während die Chinesen nur Gutes im Sinne haben und niemals Daten missbrauchen würden. Ist klar! Die plump vorgetragene propagandistische Intention von „China Salesman“ gibt Anlass zu Kritik, aber auch das US-Actiongenre hat sich ja wiederholt auf diese Weise missbrauchen lassen. Dass diesmal vornehmlich Weiße die Schurkenparts innehaben, kann man für rassistisch halten, aber da es oft genug andersrum ist, werden wir Hellhäutigen das verschmerzen können. Ärgerlicher ist da schon die Art und Weise, wie Chinesen gegenüber Afrikanern als überlegen präsentiert werden.

… in jeder Situation …

Auch die dreiste Behauptung, das Gezeigte basiere auf einer wahren Geschichte, lässt den einen oder anderen Zehennagel aufgerollt zurück. Die Action ist dafür explosiv und bleihaltig inszeniert, reißt das Ruder aber auch nicht herum. Für Regisseur und Ko-Drehbuchautor Tan Bing ist es das Filmdebüt, er ist international ein unbeschriebenes Blatt. Ob er mehr drauf hat, als chinesische Propaganda zu verbreiten, wird womöglich die Zukunft zeigen. Für eine gradlinige Story mangelte es ihm wohl an Erfahrung, die Handlung verliert sich in Nebensträngen.

… heldenhaft zurecht

Mike Tyson tummelt sich seit geraumer Zeit im Filmgeschäft. Häufig war er in Cameos als er selbst zu sehen, etwa in „Hangover“ (2009) nebst Fortsetzung und „Scary Movie 5“ (2013). Zuletzt trat er verstärkt auch in Nebenrollen in Erscheinung, etwa im kernigen Actioner „Kickboxer – Die Abrechnung“. Uns soll’s recht sein. In „China Salesman“ stört er nicht weiter, bis er im Showdown aber leider einen arg peinlichen und pathetischen Abgang hinlegt. Ein westliches Raubein mit asiatischem Pathos zu versehen, funktioniert eher suboptimal.

Wann geht Steven Seagal in den Ruhestand?

Steven Seagal demontiert weiter fleißig sein Denkmal, das er sich einst mit Filmen wie „Nico“ (1988) und „Alarmstufe: Rot“ (1992) im Actiongenre errichtet hat. Mittlerweile reicht die Kraft offenbar nur noch für wenige Szenen pro Film. Und wenn er mal seine Kampfkunst demonstriert wie zu Beginn, wird seine mangelnde Beweglichkeit mit reichlich Schnitten kaschiert. „China Salesman“ steht in der Hinsicht in einer Reihe mit Billigware vom Schlage „Code of Honor – Rache ist sein Gesetz“ und „Sniper – Special Ops“ (beide 2016). 2016 nahm Seagal die russische Staatsbürgerschaft an, im August 2018 ließ der russische Präsident Vladimir Putin ihn zum Sondergesandten für humanitäre Beziehungen mit den USA ernennen. Irgendjemand hätte ihm vielleicht „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ zurufen sollen, aber seine Actionleisten sollte Seagal mittlerweile besser an den Nagel hängen. „China Salesman“ belegt dies leider eindrucksvoll.

Ob er auch mit Kabbah (l.) fertig wird?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steven Seagal sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Was will der denn hier?

Veröffentlichung: 6. September 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: China Salesman
Alternativtitel: Deadly Contract
CHN 2017
Regie: Tan Bing
Drehbuch: Tan Bing, Scott Salter
Besetzung: Steven Seagal, Mike Tyson, Dong-xue Li, Janicke Askevold, Li Ai, Eriq Ebouaney, Zijian Wang, Bryan Byrne, Anthony Gavard, Marc Philip Goodman, Diana Hübel
Zusatzmaterial: Trailershow
Label/Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 EuroVideo Medien GmbH

 
 

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The Mermaid – Stephen Chows Umweltfilm

Mei ren yu

Von Matthias Holm

Fantasy-Komödie // Lang ist es her, dass man in unseren Breitengraden etwas von Stephen Chow gehört hat. Nach dem überaus merkwürdigen „Shaolin Soccer“ (2001), der Fußball und überdrehte Kampfkunst-Action mischte, drehte Chow mit „Kung Fu Hustle“ (2004) eine überaus witzige Hommage an die alten Wuxia-Filme. Zwar sind beide Filme in Fankreisen durchaus beliebt, allerdings bekam man danach eher wenig von dem Regisseur mit – auch wenn sein „Journey to the West – Conquering the Demons“ die erfolgreichste chinesische Produktion aller Zeiten ist. Umso schöner, dass mit „The Mermaid“, nachdem er bereits beim Fantasy Filmfest lief, endlich wieder eine Regiearbeit von Chow in die Läden kommt.

Shan soll den fiesen …

Liu Xuan (Chao Deng) hat nur eine Sache im Sinn – mehr Geld, mehr Profit. Dafür will er ein geschütztes Delfinreservat aufschütten und darauf Häuser bauen. Mit fiesen Schallsendern hat er bereits alle Meerestiere aus der Bucht vertrieben. Was er nicht ahnen konnte – darunter befanden sich diverse Meermenschen. Die sind natürlich stinksauer auf den Unternehmer. Also schicken sie Shan (Jelly Lin) los, um Liu Xuan zu töten. Allerdings ist Shan nicht unbedingt die hellste und der Mordauftrag erweist sich als schwieriger als gedacht.

Das gefälschte Museum

Wer sich bereits in den ersten Minuten des Films fragt, was da eigentlich gerade passiert, sollte womöglich schnell ausschalten. Im Intro sieht man nämlich einen Mann, der angeblich ein Museum führt – aber nur mit schlecht gefälschten Ausstellungsstücken arbeitet. Das hat zwar mit der Haupthandlung absolut nichts zu tun, ist aber so herrlich verdreht inszeniert, dass man gut auf den restlichen Film eingestellt wird.

… Liu Xuan umbringen

In erster Linie ist „The Mermaid“ absoluter Quatsch. Hier gibt es Slapstick-Einlagen mit tödlichen Seeigeln, deren Gift man nur mit Alkohol kontern kann, Schnauzbärte stehen für Männlichkeit, und zwischendurch gibt es eine komplett übertriebene Musical-Einlage. Je länger der Film aber geht, umso ernster wird er. Die Figurenentwicklung verläuft dabei ein bisschen platt, aber wenn am Ende Meermenschen von Harpunen durchlöchert werden, geht das schon an die Nieren – trotz all des Unsinns ist die Freigabe ab 16 Jahren absolut gerechtfertigt.

Selbstzweckhaftes 3D

Dabei gibt es allerdings einen großen Kritikpunkt. Der Film verlässt sich zu stark auf seine Spezialeffekte. Leider sehen die im Vergleich zu anderen Blockbuster unterdurchschnittlich aus, sodass gerade die Unterwasser-Szenen unangenehm herausstechen. Auch sieht man dem Film an, das bestimmte Szenen für die 3D-Auswertung gedreht wurden, allerdings hat das außer eben diesen Pop-out-Effekten keinen Mehrwert, er kann auch die schlechte Optik nicht kaschieren.

Allerdings haben die beiden viel Spaß

Dafür besticht „The Mermaid“ in anderen Dingen. Auch wenn die Moral platt ist – Umweltschutz ist wichtig – und sie dem Zuschauer förmlich mit dem Holzhammer eingebläut wird, zieht Stephen Chow sie konsequent durch. Auch gibt es viele tolle Szenenbilder zu bestaunen und witzige Nebenfiguren. Allerdings muss man eben mit dem Humor des Regisseurs umgehen können. Wer schon an den eingangs erwähnten Filmen keinen Gefallen gefunden hat, wird auch vor „The Mermaid“ mit einem Fragezeichen im Gesicht sitzen. Alle anderen dürfen sich auf einen nicht sonderlich hübschen, aber unterhaltsamen Abend freuen.

Was plant die finstere Li Ruolan?

Veröffentlichung: 17. November als 3D-Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Mandarin
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Mei ren yu
CHN 2016
Regie: Stephen Chow (als Xingchi Zhou)
Drehbuch: Hing-Ka Chan, Stephen Chow, Chi Keung Fung, Miu-Kei Ho, Ivy Kong, Si-Cheun Lee, Zhengyu Lu, Kan-Cheung Tsang
Besetzung: Chao Deng, Zhixiang Luo, Yuqi Zhang, Jelly Lin, Ke Xu, Zhang Wen, Yifan Wu
Zusatzmaterial: Trailer, Musikvideo
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Matthias Holm

Fotos, Packshots & Trailer: © 2017 Al!ve AG / capelight pictures

 

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