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Maria Magdalena – Schwermütiges um die Jüngerin Jesu

Mary Magdalene

Von Philipp Ludwig

Religionsdrama // Die historische Figur der Jesus-Christus-Jüngerin Maria Magdalena bietet eine außerordentlich dürftige Quellenlage und findet auch in der Bibel nur wenig Erwähnung. Was aber vor allem die katholische Kirche jahrhundertelang nicht davon abgehalten hat, sie in ein mitunter verstörend unrühmliches Licht zu stellen. So wurde sie beispielsweise als Sünderin verschrien, als Prostituierte verunglimpft oder ihr gar eine Mitschuld am Untergang von Jesus unterstellt. Erst 2016 wurde sie vom gegenwärtigen Papst Franziskus endgültig auch von kirchlicher Seite aus offiziell in einen ihren männlichen Apostelkollegen gleichwertigen Rang erhoben. Der australische Regisseur Garth Davis, der 2016 mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm „Lion – Der lange Weg nach Hause“ in der internationalen Filmwelt auf sich aufmerksam machte, unternahm nun den Versuch, der lange Zeit verkannten historischen Persönlichkeit mit einer hochkarätigen Besetzung auch filmisch ein Andenken zu verleihen. Kann dies gelingen – oder droht am Ende der Bibelkitsch?

Für Maria gibt es in ihrer Heimat kaum Aussichten auf ein selbstbestimmtes Leben

Nun muss ich zunächst einmal einführend anmerken, dass ich als überzeugter Atheist und religionskritischer Mensch mit Bibelverfilmungen nun doch eher weniger was am Hut habe. Insbesondere unter Berücksichtigung jüngerer Werke in dieser Richtung wie beispielsweise „Noah“ und „Exodus – Götter und Könige“ (beide 2014), die, ebenfalls hochkarätig besetzt und von namhaften Regisseuren verantwortet, in meiner persönlichen Flopliste beide ganz weit vorn liegen. Auch die Themen der Bibel sind mir zwar bekannt, sprechen mich aber nicht wirklich an. Als außerordentlich geschichtsbegeisterter Mensch interessiert mich die historische Figur des Jesus dann aber doch ungemein, bedenkt man nur, welche Auswirkungen sein Handeln vor knapp 2.000 Jahren auf den Verlauf der Menschheitsgeschichte gehabt hat. Die Frage danach, was für ein Mensch diese vermutlich so faszinierende und beeindruckende Persönlichkeit der Weltgeschichte gewesen sein mag, finde ich daher überaus spannend und als Filmliebhaber natürlich auch die diversen filmischen Interpretationsversuche dessen. Vor allem dann, wenn sich mit Joaquin Phoenix („Her“) einer meiner Lieblingsdarsteller der Rolle annimmt. Doch geht es in Davis neuestem Werk in erster Linie weniger um Jesus, sondern um eine Art filmische Rehabilitierung der titelgebenden Maria Magdalena, die durch Rooney Mara („Verblendung“) von einer ebenso beeindruckenden und talentierten Darstellerin verkörpert wird.

Vom harten Leben in Judäa

Davis wirft uns dabei unmittelbar in Marias Leben als junge Frau in ihrem beschaulichen Fischerdorf. Hier hilft sie beim Flicken der Netze und als Hebamme aus, ihre traditionell fremdbestimmte Heirat steht kurz bevor. Da sie sich jedoch vor diesem, für sie aufgrund ihres Daseins als Frau in Stein gemeißelten, Schicksal zu fürchten scheint, wird sie zunehmend schwermütiger und geht infolgedessen, aufgrund einer Art Nervenzusammenbruch, auch außerhalb des Gottesdienstes zum Beten in die dörfliche Synagoge – als Frau ein wahres Sakrileg. Ihr zunehmender Unwille, sich den starren Traditionen ihrer Zeit hinzugeben, wird von den örtlichen, ausschließlich männlichen Entscheidungsträgern tragischerweise als Besessenheit durch Dämonen fehlinterpretiert. Geschwächt von einem erbarmungslosen Austreibungsritual im Meer scheint ihr Lebensmut sie dann auch vollkommen verlassen zu haben. Bis eines Tages zufällig Jesus mit seinen Jüngern in Maria Magdalenas Dorf vorbeikommt. Der berühmte Rabbi, der bereits zuvor als Gerücht durchs Dorf geisterte – als angeblicher Messias, der die Juden aus der römischen Unterdrückung befreien werde. Hier wird er auch auf die angeblich besessene Maria aufmerksam gemacht und es gelingt ihm, der geschwächten und lebensmüden Frau neue Kraft und Hoffnung zu verleihen. Ebenso wird sie anschließend bereits hier in ihrer Heimat Zeugin seiner schier unglaublichen Kraft, durch einfache Worte seine Botschaften in Windeseile in die Herzen der Menschen tragen zu können und diese massenweise zur Taufe und damit zum Eintritt in das künftige, von ihm wiederholt beschworene, spirituelle „Königreich“ zu bewegen.

Die Jünger lauschen ihrem Messias bei der Predigt

Tief beeindruckt von dem charismatischen Rabbi und darüber hinaus auch ohne eine nennenswerte sowie erstrebenswerte Zukunft in ihrem Dorf entschließt sich Maria, Jesus samt seinem kleinen Gefolge zu begleiten. Der vermeintliche oder tatsächliche Messias empfängt sie mit offenen Armen. Seine sofortige Zuneigung zu Maria Magdalena scheint jedoch nicht all seinen Jüngern zu gefallen. Insbesondere Petrus (Chiwetel Ejiofor, „12 Years a Slave“) scheint ein wenig neidisch gegenüber dem Neuankömmling zu sein. Deutlich freundlicher empfangen wird sie dagegen durch den sympathischen Judas (Tahar Rahim, „Der Adler der Neunten Legion“), der sie zudem auch weiter die Lehren Jesu einführt. Ebenso muss sie feststellen, dass der Glaube allein mitunter nicht die einzigen Beweggründe für Gefolgschaft gegenüber dem Rabbi darstellen. So hofft Petrus etwa dank dessen charismatischer Wirkung auf die Entfachung einer Rebellion gegen die römischen Besatzer, wohingegen Judas einer tragischen Fehlinterpretation der eher metaphorischen Lehren Jesu zum Opfer gefallen ist: Glaubt er doch, dass im von diesem beschworenen, spirituellen „Königreich“ auch die Toten physisch wieder zum Leben erweckt werden und er demnach mit seiner verstorbenen Familie vereint werden kann. Auf ihrer Reise wird Maria Magdalena wiederholt Zeugin von Jesus’ Predigerkunst und von ihm verübten Wundern, lernt dessen Mutter Maria kennen, erlebt die Folgen der Gräueltaten der römischen Besatzer und begleitet ihn auf seiner finalen Etappe nach Jerusalem. Dort nimmt sie teil am letzten Abendmahl, erlebt Judas’ Verrat, die Kreuzigung sowie die Auferstehung aus dem Grab.

Pseudodokumentarischer Stil statt biblischer Fantasy-Bombast

Auch „Maria Magdalena“ handelt die zentralen und bekannten Eckpunkte der biblischen Jesus-Geschichte systematisch ab, und aufgrund der Bekanntheit dieser hoffe ich, dass sich die Spoilergefahr in Grenzen hält. Dankenswerterweise verzichtet Davis in seiner filmischen Interpretation des Stoffes auf Anleihen aus dem Fantasy-Genre und ebenso auf große Bombasteffekte, meiner Meinung nach ein zentraler Fehler etwa für das Misslingen der bereits von mir erwähnten Negativbeispiele „Noah“ und „Exodus“ – neben einer ganzen Reihe anderer Mängel natürlich. Auch die Kreuzigungssequenz, die zudem nur einen kleinen Teil der Filmhandlung ausmacht, verzichtet auf Torture Porn, anders als etwa in Mel Gibsons stark umstrittenem „Die Passion Christi“ (2004). Stattdessen hat der Regisseur einen beinahe schon dokumentarischen Ansatz gewählt, weshalb er etwa auf knallige Farben, bombastische Kulissen (mit Ausnahme des imposanten Jerusalems), pompösen Luxus und sonstige visuell, religiös und spirituell überhöhte Schauwerte komplett verzichtet. Seine Darstellung vom Leben im historischen Judäa zeigt somit vor allem eins – Kargheit. Die Protagonisten verlieren sich dabei förmlich in den großformatig in Szene gesetzten, felsigen und unwirtlichen Landschaften der rauhen Natur. Auch die Kleidung ist bewusst in grauen, weißen oder beige-braunen Tönen gehalten und die Alltagsgegenstände sowie die Lebensumstände der Protagonisten sind außerordentlich spärlich. Somit dürfte sein Film, unter historischen Gesichtspunkten betrachtet, im Vergleich zu anderen Werken des Bibelgenres auf jeden Fall eine authentische Wirkung entfalten.

Maria tritt den Weg ins Ungewisse an

Ist dieser Ansatz aus historischer Perspektive natürlich absolut zu befürworten, so bietet er hierdurch leider auch Nährstoff für einen der zentralen Kritikpunkte an dem eigentlich ganz gut gemeinten Film „Maria Magdalena“. Denn dessen Dramaturgie lässt sich mit dem Adjektiv „karg“ ebenfalls recht treffend bezeichnen. Gerade die Exposition zu Marias Leben in ihrer Dorfgemeinschaft, die gut und gern die ersten 15 bis 20 Minuten der Handlung bestimmt, bietet einen äußerst zähen Auftakt. Der Film läuft somit leider direkt zum Start Gefahr, die Gunst seiner Zuschauerinnen und Zuschauer zu verlieren. Auch ich musste doch etwas mit mir kämpfen, anfangs eine Beziehung zu der durchweg deprimierenden filmischen Welt und vor allem zur Hauptfigur Maria aufzubauen. Insbesondere, da neben der kargen Umgebung, die Davis in seiner Diegese entwirft, auch die menschlichen Emotionen nur wenig Erwärmendes beizutragen haben. Die Kälte, mit der die Familienmitglieder etwa der angeblich besessenen Maria begegnen, wie allgemein deren doch recht trostloses Leben entfalten in der fast schon ein wenig zu gemächlichen Inszenierung keine Begeisterungsstürme. Erst mit dem Erscheinen von Joaquin Phoenix alias Jesus Christus sowie Marias Aufbruch kommt dann zumindest ein wenig Fahrt auf. Doch leider wird das Stimmungsbild des Films auch danach nie wirklich positiver und die durchweg bedrückende und schwermütige Atmosphäre bietet nicht zwingend das angenehmste Sehvergnügen. Diese Herangehensweise der ruhigen und bedächtigen sowie emotional fordernden Erzählung empfinde ich einerseits zwar als äußerst spannend und von den kreativ Verantwortlichen auch mutig, einen Film für Jedermann werden sie so aber ganz sicher nicht geschaffen haben. Wie die dann doch eher spärliche Zuschauerresonanz in den deutschen Kinos wohl auch ein Stück weit belegen kann. Auch in meiner Barmbeker Stammvideothek erweckt das einzige DVD-Exemplar im Neuheitenregal bislang nicht wirklich den Eindruck, besonders häufig mitgenommen worden zu sein.

Der Cast als Prunkstück

Können die unterkühlte Inszenierung, die mitunter zähe Dramaturgie sowie die wenig erheiternde Stimmung (einen Grund zum Lachen gibt es eigentlich nie) also durchaus zu einer ernsthaften Minderung des Sehvergnügens führen, so punktet der Film immerhin mit seinem hervorragenden Ensemble. Gerade Joaquin Phoenix liefert mit einer faszinierenden Interpretation des mit großen Hoffnungen versehenen Messias eine beeindruckende schauspielerische Leistung ab – auch wenn ich mich in den ersten Minuten an seine Rolle gewöhnen musste, da ich den Film gewohnheitsmäßig im Original schaute und Phoenix’ doch eher recht spezielle Art zu reden, in Kombination mit der Figur Jesus zunächst zumindest ein wenig skurril wirkte. Doch passt seine Begabung, einsame und verletzte, hochsensible und einfühlsame männliche Figuren darzustellen, wiederum ganz hervorragend zur hier präsentierten Messiasinterpretation. Denn fernab von einem Jesus Christ Superstar haben wir es hier mit einem Mann zu tun, der von dem, was er tut, nicht nur tief überzeugt ist, sondern der sich dafür zudem vollkommen aufzuzehren, ja beinahe schon aufzulösen scheint. So ist er selbst mitunter zutiefst und ehrlich berührt von der Wirkung seiner Worte und der von ihm bewirkten Wunder, gleichzeitig aber auch stets kurz davor, ob der Last auf seinen Schultern zu zerbrechen. Phoenix ist in der Lage, diese zahlreichen Facetten seines faszinierenden und zugleich zutiefst berührenden und verletzlichen Charakters auf eindringliche Weise, mitunter nur durch reines Mienenspiel auch ohne große Worte zu präsentieren. So sind etwa die zahlreichen Sequenzen, in denen minutenlang kaum bis gar nicht gesprochen wird, von einer unfassbar eindrücklichen, schauspielerischen und emotionalen Wucht. Ebenso wie die Szenen zwischen dem Rabbi und seiner Jüngerin Maria, in dem häufig nur durch Blickkontakt so viel Liebe und Zuneigung ausgetauscht wird, dass es einen durchaus auch auf der heimischen Couch packen kann. Allerdings betone ich, dass sich meine Bewertung von Phoenix Jesus-Darstellung auf die englische Originalfassung des Films bezieht. Allein der etwa zweiminütige deutsche Trailer am Ende dieses Textes lässt vermuten, dass die deutsche Synchronisierung einen ganz anderen Messias präsentiert – ist in dieser dessen Stimme doch deutlich „männlicher“ und auch kräftiger als die des ruhig und bedächtig, mitunter fast schon brüchig sprechenden Phoenix.

Jesus und seine Lieblingsjüngerin?

Schade ist vielleicht nur, dass wir es hier mit einer Jesus-Interpretation zu tun haben, bei der sich der Heiland bereits am Ende seiner Schaffensphase befindet und daher oft den Eindruck erweckt, am Rande des Burn-outs zu stehen, statt wirklich die Rolle eines Messias einzunehmen. Auch wenn gerade die Szenen mit den von Jesus bewirkten Wundern schon wirklich sehr beeindruckend und mitreißend inszeniert sind, glücklicherweise auch fernab von einer eventuell drohenden, religiös-spirituellen Überhöhung. Ebenso passt natürlich ein ausgezehrter und ermüdeter Jesus einerseits ziemlich gut zu einer realistischen Darstellung eines Mannes in so einer extremen Situation, andererseits wäre es aber interessant gewesen, die offensichtliche Strahlkraft seiner Figur, etwa durch eine imposantere Bergpredigt (die in Ansätzen vorkommt) noch stärker zu sehen oder wenigstens etwas weniger Schwermut geboten zu bekommen.

Im Schatten des Messias

Während des Schreibens dieser Zeilen fällt mir nun aber selbst etwas auf, was vielleicht auch der einen oder anderen Leserin sowie dem einen oder anderen Leser bereits aufgefallen sein könnte: Für einen Film über Maria Magdalena dreht es sich doch erstaunlicherweise immer wieder schnell um die Figur des Jesus und dessen Darsteller. Nun will ich mich da aufgrund meiner eventuell doch männlicher, als mir lieb ist, geprägten Sehperspektive natürlich nicht aus der Verantwortung nehmen, behaupte aber dennoch, dass dies in erster Linie dem Skript und dessen Inszenierung geschuldet ist – auch wenn Maria die zentrale Figur des Films darstellt, an deren Fersen wir quasi permanent geheftet sind und wir sämtliches Geschehen daher durch ihre Augen mitverfolgen. Doch wird sie uns zu Beginn noch als starke, durch ein modernes Frauenbild geprägte Figur mit freiem Willen in einer für Frauen äußerst unfreien Welt präsentiert, so zieht sie sich mit dem Auftreten von Jesus leider zunehmend in die zweite Reihe zurück. Auch wenn beispielsweise durch den Neid und die Missgunst Petrus’ sowie Maria Magdalenas Part als vermeintliche Lieblingsjüngerin wiederholt der Versuch unternommen wird, ihre Rolle im Gefolge mit einer stärkeren Bedeutung aufzuladen. Erst nach Jesus’ Ableben sowie seiner Auferstehung nimmt sie wieder eine aktivere Rolle ein, indem sie versucht, die anderen Jünger von dem von ihr bezeugten Wunder und dem ihrer Meinung nach weiteren, richtigen Weg der Gruppe zu überzeugen. Ob ihr das gelingt? Das halte ich dann aber doch lieber offen.

Petrus – Apostel und Freiheitskämpfer in Personalunion

Dass die titelgebende Filmfigur der Maria dann zeitweise doch wieder hinter der männlichen Gallionsfigur Jesus zurückstecken muss, liegt natürlich nicht an Rooney Mara. Auch sie ist in ihrer schauspielerischen Leistung über jeden Zweifel erhaben und hinterlässt auf allen Ebenen einen bleibenden Eindruck. Ebenso wie ihrem Partner Phoenix gelingt es ihr dabei, ihrer Figur ohne große Gesten und viel Aufsehen viel Tiefe und Emotionalität zu geben. Ihr unbeeindruckter, starrer Blick mit ihren tiefen Augen voller Traurigkeit und Stärke zugleich dürften dabei immer mehr zu einem ihrer zentralen Merkmale werden.

Judas heißt Maria in der Gemeinschaft willkommen

Ebenso wissen auch die Darsteller in den Nebenrollen zu überzeugen. Ejiofors Petrus, der sich im Film selbst als „Soldat ohne Waffen“ bezeichnet, strotzt vor unterdrückter Wut gegen die römischen Besatzer und deren Marionettenkönig Herodot. Sein ungeduldiges Warten auf den Ausbruch der von ihm erhofften Rebellion kommt dabei ebenso gut rüber wie etwa seine Missgunst gegenüber der für ihn schwer einzuschätzenden Maria Magdalena. Besonderen Eindruck hinterlässt darüber hinaus der Franzose Tahar Rahim, der bereits als Hauptdarsteller in Fatih Akins wohl meistunterschätztem Werk „The Cut“ überzeugte. Mit Judas hat er es nun mit einer der wahrscheinlich interessantesten sowie umstrittensten Figuren der menschlichen Historie zu tun und seine tragische Interpretation lässt sich definitiv sehen. So zeigt er uns einerseits einen lebensfrohen und offenen jungen Mann, voll der Liebe für Jesus, der andererseits aber auch zutiefst durch die Trauer über seine verstorbene Frau und kleine Tochter gezeichnet ist. Dieser Konflikt zwischen dieser unbedingten Liebe zu seinem spirituellen Führer, dem er sich mit Leib und Seele verschrieben hat, sowie seiner egoistischen Ungeduld in der verzweifelten Hoffnung, durch dessen Fähigkeiten zur Wunderwirkung mit seiner Familie wiedervereint zu werden, gehören dank Rahim zu den stärkeren Momenten des an echten Höhepunkten ansonsten leider eher rar gesäten Films.

Isländische Sphärenmusik

Als bekennender Filmmusikliebhaber kann ich nur darauf hinweisen, dass Gleichgesinnte voll auf ihre Kosten kommen. Schafft es der isländische Komponist Jóhann Jóhannsson („Arrival“), in Zusammenarbeit mit der bekannten Konzertcellistin Hildur Guðnadóttir doch, einen äußerst gefühlvollen und durchweg stimmigen Soundtrack anzubieten, der die melancholische und tief emotionale Grundstimmung des Films auf wundervolle Art musikalisch untermalt. Es ist für mich irgendwie auch immer wieder erstaunlich, wie dieser kleine, unwirtliche und abgelegene Flecken Erde mit seiner überschaubaren Bewohnerzahl es nicht nur zunehmend schafft, beachtliche Fußballer (und weitere Sportler) hervorzubringen, sondern insbesondere im Bereich der gefühlvollen und vom Klang einzigartigen Musiker immer wieder für Aufsehen zu sorgen. Neben der bekannten Musikgruppe und den ebenfalls filmusikerfahrenen Sigúr Ros sei hier auch Ólafur Arnalds erwähnt, der für die (sehr empfehlenswerte) britische Serie „Broadchurch“ ebenfalls einen beeindruckenden Score beigesteuert hat. Leider ist Jóhannsson Anfang des Jahres auf tragische Weise viel zu früh im Alter von 48 Jahren verstorben, sodass die Filmmusikwelt hier einen großen Verlust zu betrauern hat.

Die in ihn gesetzten Hoffnungen bringen den Messias an den Rand der Erschöpfung

Als der ungläubige und religionsferne Mensch, der ich erwähntermaßen bin, will ich mir nur ungern anmaßen, die religiöse Bedeutung des Films großartig zu bewerten. Erfreulich ist allerdings, dass Davis kaum Gefahr läuft, sich den Vorwurf der „Kirchenpropaganda“ stellen zu müssen. Im Gegenteil, lassen sich in diesem Werk doch eher religionskritische Untertöne ausmachen. So werden zwar die von Jesus bewirkten Wunder relativ unkritisch als mögliche Realität inszeniert, jedoch ohne übermäßigen symbolischen Religionskitsch zu fabrizieren. Sie sind halt irgendwie da. Wenn Jesus jedoch auf dem finalen Gabenfest in Jerusalem wuterfüllt die dortigen Priester mit ihrer Gier und Korruption konfrontiert, so lässt sich eine kritische Parallele zur späteren christlichen Kirchenindustrie, die auf Jesus hehren Zielen aufbaute, kaum verkennen. Mit Verzicht auf religiös überfrachtete Symboliken entscheidet sich Davis, ebenso wie sein filmischer Messias, eher zu metaphorischen Botschaften über die Gleichheit der Menschen sowie insbesondere die spirituelle und geistige Freiheit. Gelingt ihm dies meist sehr gut, packt er dabei aber mitunter den Holzhammer aus. So entscheidet er sich etwa dazu, seinen Film mit der Traumsequenz einer im tiefen Meer versinkenden Maria zu starten – unterschwellig geht anders.

Modernes Frauenbild und die Bibel, passt das zusammen?

Es ist zwar löblich, in Zeiten von #metoo und einer leider weiterhin brandaktuellen Geschlechterdebatte eine Frau auch filmisch aus ihrer jahrhundertelangen, patriarchalisch bedingten Verklärung befreien zu wollen. Doch passt das hier durch moderne Frauenbilder geprägte Bild der Figur Maria Magdalena nur wenig in den zeithistorischen Kontext der von Davis geschaffenen, diegetischen Welt. Darüber hinaus ist die als starke Frau inszenierte Titelfigur über weite Strecke einfach zu passiv und tritt wiederholt doch wieder hinter der Strahlkraft des männlichen Protagonisten Jesus zurück. In meinen Augen ist dieses ewige Thema eh eine äußerst leidige Angelegenheit, finde ich diese ständige Geschlechterunterteilung sowie die damit einhergehende Ungerechtigkeit persönlich sowieso vollkommen unnötig. Aber da ich die Wichtigkeit der Debatte aufgrund der leider bestehenden Missstände anerkennen muss, in der Hoffnung, dass wir diese eines Tages endlich nicht mehr nötig haben werden, ist der in „Maria Magdalena“ unternommene Versuch eines gendergerechten Bibelfilms ein Stück weit zu offensichtlich geworden. Immerhin ist ein übermäßig erhobener Zeigefinger ausgeblieben, der dabei ja schnell mitschwingen kann. Auch wenn Maria im Vergleich zu den restlichen Männerfiguren – natürlich mit Ausnahme von Jesus – manchmal zu gewollt als besonders gut und gläubig wegkommen muss. Gerade unter den Jüngern scheint sie die Einzige zu sein, die die Worte ihres Messias richtig deutet, während Petrus sich in Wut und Neid ergibt, Judas dem Heiland eher aus egoistischen Motiven folgt und der Rest der Jünger sowieso erstaunlich passiv bleibt. Wenigstens wird das Powerfrauenbild dann aber auch wieder nicht allzu sehr bemüht, wie in manch anderen zeitgenössischen Werken zu beobachten. Ja, ich meine euch, Disney! Betracht man beispielsweise die unerschrockene Instant-Alleskönnerin Rey in den neuen „Star Wars“-Filmen.

Eine Frau, ihrer Zeit voraus?

Alles in allem halte ich fest, dass „Maria Magdalena“ in gewisser Weise eine harte Nuss ist. Nicht nur im reinen Anschauen, sondern insbesondere auch, wenn man dazu ein paar mehr Worte verlieren möchte. So ist er im Prinzip ein gar nicht mal schlechter Film und macht sehr viele Dinge sehr richtig. Regisseur Davis versteht sein Handwerk und ist in der Lage, imposante und ansehnliche Bilder zu kreieren sowie eine tief emotionale Stimmung zu erzeugen. Ebenso regt er mit seinem Film zum Nachdenken an. In Verbindung mit den großartigen Darstellern und der fantastischen Filmmusik sorgt sein Werk somit schon für den einen oder anderen nachhaltig beeindruckenden, gefühlvollen Moment. Leider bewirken aber die mitunter zähe Dramaturgie und die durchweg schwermütige Stimmung wiederum auch ein eher unangenehmes Sehempfinden. Wer sich jedoch für Bibelthemen, historische Stoffe oder einfach nur einen mutigen Film fernab des effektheischenden modernen Kinos interessiert, kommt mit „Maria Magdalena“ schon auf seine Kosten – muss aber eine Menge Geduld mitbringen. Und sollte dabei, entgegen der Bewohner Judäas, auf keinen Fall auf die großen Wunder hoffen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Rooney Mara sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Joaquin Phoenix und Chiwetel Ejiofor in der Rubrik Schauspieler.

Judas (r.) – eine besonders tragische Figur

Veröffentlichung: 19. Juli 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 120 Min. (Blu-ray), 115 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Mary Magdalene
GB/USA/AUS 2018
Regie: Garth Davis
Drehbuch: Helen Edmundson, Philippa Goslett
Besetzung: Rooney Mara, Joaquin Phoenix, Chiwetel Ejiofor, Tchéky Karyo, Tahar Rahim, Ariane Labed, Denis Ménochet, Lubna Azabal, Charles Babalola
Zusatzmaterial: Faturettes zu Regie und Besetzung
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Philipp Ludwig

Fotos, Packshot & Trailer: © 2018 Universal Pictures Germany GmbH

 
 

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Doctor Strange – Marvels LSD-Trip

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Doctor Strange

Kinostart: 27. Oktober 2016

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Während das Filmuniversum des Comic-Giganten Marvel durch die Serien auf Netflix im Fernsehen einen durchaus realistischen Anstrich bekommt, setzen die Kinofilme im Gegensatz dazu weiter auf überbordenden Bombast. Nun kommt mit „Doctor Strange“ auch noch eine magische Komponente in das eigentlich schon sehr volle Filmkonglomerat.

Ohne Hände kein Chirurg

Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist ein erfolgreicher Chirurg, dem aber nach einem schlimmen Schicksalsschlag seine Arroganz teuer zu stehen kommt: Ein Unfall zerstört die Nerven in seinen Händen, kein Arzt kann oder will ihm helfen. Auch das Verhältnis zu seiner Kollegin Christine Palmer (Rachel McAdams) geht in die Brüche. Doch Stephen hört von der Wunderheilung eines Querschnittsgelähmten – und trifft bei seiner Suche nach einer Erklärung auf die „Uralte“ (Tilda Swinton, im Original: „The Ancient One“). Diese erklärt Stephen, dass es etliche Universen gibt und man aus diesen Energie abzapfen kann, um in unserer Realität Magie zu bewirken. Das fasziniert den Doktor so sehr, dass er bei der Uralten und ihrem Assistenten Mordo (Chiwetel Ejiofor) in Lehre geht. Bald schon wird Stephen seine neuen Fähigkeiten dringend brauchen, denn der finstere Kaecilius (Mads Mikkelsen) hat es darauf abgesehen, die Realitäten zu zerstören.

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Stephen Strange fällt nach seinem Unfall in ein Loch

Die Zaubertricks, die man bereits im Trailer gesehen hat und ein wenig an Christopher Nolans „Inception“ erinnern, sind tatsächlich nur die Spitze des Eisberges. Wenn die Uralte Stephen Strange die Weiten des Multiversums zeigt, kommt man sich vor wie auf einem exzessiven Drogentrip. Wilde Formen und Farben prasseln auf den Zuschauer ein, visuell ist „Dr. Strange“ wohl der bisher beeindruckendste Film des Marvel Cinematic Universe.

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Die Uralte unterrichtet den Arzt

Das ist dann leider auch schon der prägendste Charakterzug des Films. Gerade die Geschichte wirft immer wieder Fragen auf. So weiß man zum Beispiel nicht, wie viel Zeit über die Dauer der Handlung vergeht, was zu einem merkwürdig losgelösten Gefühl führt. Das wird dadurch verstärkt, dass penibel darauf geachtet wurde, den Film eigenständig zu halten. Zwar werden kleine Details wie der Unfall von War Machine in „Civil War” erwähnt, die Verzahnung im großen Marvel-Universum beschränkt sich jedoch auf ein Minimum.

Humor als Problem

Auch erweist sich eine Sache als Problem, die Marvel bisher dem Konkurrenten DC voraus hatte – der Humor. „Dr. Strange“ ist an sich ein ziemlich ernster Film, dazu passt auch die Inszenierungsweise von Horror-Spezialist Scott Derrickson („Erlöse uns von dem Bösen“, „Sinister“). Dadurch wirken allerdings viele der Witze enorm deplatziert. Natürlich gibt es den einen oder anderen guten Gag, doch das wirkt im Gesamtkontext des Films falsch. Auch kann Derrickson seine Stärken nie ganz ausspielen. Außer am atmosphärischen Anfang, bei dem der Marvel-typisch blasse Bösewicht Kaecilius einen Bibliothekar köpft, und den Spezialeffekten hat der Film kein Alleinstellungsmerkmal, welches ihn visuell von den anderen Superhelden-Produktionen abhebt.

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Mordo überwacht die Lehrlinge

Und dann gibt es noch eine Sache, die sich durch den kompletten Film zieht: Die Macher erklären sämtliche Dinge mehrfach. Gerade in der Szene, in der Stephen das Auge von Agamotto und dessen zeitmanipulierenden Fähigkeiten entdeckt, wird dies dem Zuschauer so lange gezeigt, bis auch der letzte geistige Tiefflieger im Kinosaal verstanden hat, wie das Artefakt funktioniert. Auch die wiederholten Einstellungen, in denen die Hände von Doctor Strage gezeigt werden, wirken spätestens nach dem vierten Mal einfach gekünstelt und unnötig.

Spielfreudig: Tilda Swinton und Benedict Cumberbatch

Zum Glück gibt es einen spielfreudigen Cast, zumindest bei den beiden Hauptakteuren. Benedict Cumberbatch hat sichtlich Spaß an dem magischen Brimborium und verleiht seiner Figur vor allem am Ende eine beeindruckende Tiefe. Auch Tilda Swinton spielt ihre Uralte nicht als weise Lehrmeisterin, sondern gibt der Figur einen spitzbübischen Charme. Der Rest der Figuren wirkt leider noch ein wenig unterentwickelt, gerade Rachel McAdams („Spotlight“) hat als Love Interest nicht viel mehr zu tun als präsent zu sein.

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Christine hilft Stephen – selbst wenn der in merkwürdigen Klamotten ankommt

Das Ganze ist natürlich das bekannte Meckern auf hohem Niveau – „Dr. Strange“ ist bei weitem kein schlechter Film. Dennoch passen nach der tollen letzten Einführung eines neuen Helden in „Ant-Man“ zu viele Zahnräder nicht ineinander, sodass ein sehr unrunder Film entsteht. Allerdings wird in einer der obligatorischen Abspannszenen bereits darauf hingewiesen, dass Dr. Strange in einem der nächsten Marvel-Abenteuer mitmischen wird – und diese Kooperation könnte enorm unterhaltsam werden …

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Kaecilius und seine finstere Gang

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tilda Swinton sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Scott Adkins, Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Chris Hemsworth und/oder Mads Mikkelsen in der Rubrik Schauspieler.

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So sieht ein wahrer Zauberer aus

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Doctor Strange
USA 2016
Regie: Scott Derickson
Drehbuch: Jon Spaihts, Scott Derickson, C. Robert Cargill, nach der Comic-Figur von Steve Ditko
Besetzung: Benedict Cumberbatch, Rachel McAdams, Tilda Swinton, Mads Mikkelsen, Chiwetel Ejiofor, Scott Adkins, Benedict Wong, Benjamin Bratt, Chris Hemsworth
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Marvel. All Rights Reserved.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 2016/10/24 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit: Nach der Apokalypse

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Z for Zachariah

Von Volker Schönenberger

SF-Endzeitdrama // Nach einer nicht näher benannten Katastrophe vermutlich nuklearer Art ist der Großteil der Menschheit ausgelöscht worden. In einer ländlichen Gegend hat sich Ann (Margot Robbie) mit ihrem Hund auf ein Leben in Einsamkeit eingerichtet. Sie bestellt ein paar Felder, geht auf die Jagd und überlebt. Eines Tages taucht John (Chiwetel Ejiofor) auf, den sie bei sich aufnimmt. Bald darauf gesellt sich mit Caleb (Chris Pine) ein weiterer Besucher dazu.

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Ann hat sich in der Einsamkeit eingerichtet

Schnell wandelt sich „Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit“ vom Endzeit- zum Beziehungsdrama. Unaufgeregt entfaltet sich ein Psychogramm dreier Menschen in einer Ausnahmesituation, die nicht recht wissen, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen sollen. Das ist Schauspielerkino, das gute Darstellungskunst erfordert, und die bekommen wir geboten. Dass Chiwetel Ejiofor kein Schlechter ist, wissen wir nicht erst seit „12 Years a Slave“. Chris Pine wird sehen müssen, dass es ihm gelingt, aus dem Schatten seiner Captain-Kirk-Rolle herauszutreten, da sind Figuren wie Caleb das probate Mittel. Die Australierin Margot Robbie hatte immerhin eine bedeutsame Nebenrolle in Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“, auch wenn dort doch eher Männer im Fokus standen. Demnächst sehen wir sie in „Legend of Tarzan“ und dem nächsten DC-Comic-Kino-Epos „Suicide Squad“.

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Eines Tages taucht John im Tal auf

Alle drei harmonieren in „Z for Zachariah“ gut miteinander. Etwas krankt der Film daran, dass zu wenig passiert, manch alltägliches Geschehen hätte nur angerissen werden müssen. Dann betrinkt man sich eben ab und zu – nichts dran auszusetzen, aber wenn es die Dramaturgie nicht erfordert und keine nachhaltigen Folgen fürs Geschehen hat, kann man das auch kürzer halten. Eine religiöse Debatte will sich auftun, bleibt aber vage. Der Titel bezieht sich darauf, dass mit A der erste Buchstabe des Alphabets für Adam – den ersten Menschen – steht, während der letzte Buchstabe womöglich für den letzten Menschen steht. Ein Abschnitt des Alten Testaments nennt sich „Das Buch des Propheten Sacharja“ (= Zacharias). Wir erkennen den religiösen Bezug, auch wenn er nebulös eingeflochten ist.

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Dann trifft Ann auch noch …

Etwas unausgereift wirkt auch die Regie von Craig Zobel, der 2012 mit „Compliance“ ein beeindruckendes Drama über einen vermeintlichen Diebstahl vorgelegt hat: „Z for Zachariah“ hat mit einigen Ungereimtheiten zu kämpfen. Weshalb ist ausgerechnet das Tal, in dem sich das Geschehen abspielt, von der Katastrophe verschont geblieben? Strahlung von außerhalb des Tals ist ein großes Problem, wie Zobel früh in einer Szene mit einem Wasserfall verdeutlicht. Aber was ist, wenn es regnet? Lösung: Es regnet einfach nicht – ganz logisch ist das nicht. Und wenn John vorschlägt, die von Anns Vater errichtete Kirche abzureißen, um Material zur Energiegewinnung aus Wasserkraft zu bekommen fragt man sich, weshalb er nicht im Wald Bäume fällt. Einige Abwegigkeiten mögen darin begründet liegen, dass in der Romanvorlage nur zwei Figuren auftauchen. Eine dritte ist erst im Drehbuch aufgetaucht – deshalb hakt es vielleicht an der einen oder anderen Stelle.

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… auf Caleb

Ab und zu hätte ich gern ganz auf musikalische Untermalung verzichtet, aber der Soundtrack übertreibt es wenigstens nicht. „Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit“ ist kein Glanzstück eines Endzeitfilms, sondern wirkt etwas unbeholfen, überzeugt aber durch ein motiviertes Darstellertrio und ruhige Atmosphäre.

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Im Trio kommt es zu Spannungen

Chiwetel Ejiofor bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Tatsächlich … Liebe (2003)
12 Years a Slave (2013)
Der Marsianer – Rettet Mark Watney (2015)
Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit (2015)
Doctor Strange (2016)

Chris Pine bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Star Trek – Into Darkness (2013, Kino)
Star Trek – Into Darkness (2013, Heimkino)
Into the Woods (2014)
Z for Zachariah – Das letzte Kapitel der Menschheit (2015)
Star Trek – Beyond (2016)

Veröffentlichung: 7. Juli 2016 als 3D Blu-ray (inkl. 2D-Version), Blu-ray und DVD sowie Limited 2-Disc Edition (Blu-ray & DVD)

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Z for Zachariah
ISL/CH/NZ/USA 2015
Regie: Craig Zobel
Drehbuch: Nissar Modi, nach einem Roman von Robert C. O’Brien
Besetzung: Chiwetel Ejiofor, Chris Pine, Margot Robbie
Zusatzmaterial: Deleted Scenes, Trailershow, Wendecover, nur Limited Edition: 24-seitiges Booklet
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Tiberius Film

 

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