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Knives Out – Mord ist Familiensache: Agatha Christie hätte ihre Freude

Knives Out

Von Volker Schönenberger

Krimikomödie // Die Filmografie des Regisseurs Rian Johnson liest sich denkbar interessant: Sein Langfilm-Debüt „Brick“ mit dem jungen Joseph Gordon-Levitt entpuppte sich 2005 als Jugend-Krimidrama im Highschool-Milieu, dessen coole Dialoge wie aus einem Film noir entnommen wirken. „Brothers Bloom“ (2008) porträtiert zwei von Adrien Brody und Mark Ruffalo verkörperte Brüder, die als internationale Betrüger unterwegs sind. „Looper“ (2012) hatte erneut Joseph Gordon-Levitt als Hauptdarsteller, der in einem Science-Fiction-Setting als Berufskiller agiert, dessen Aufträge aus der Zukunft kommen und der eines Tages sein 30 Jahre älteres Ich töten soll. Fünf Jahre später ging es für Johnson auf der Karriereleiter ein paar Stufen aufwärts: „Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi“ (2017) wurde zwar wie alle jüngeren „Krieg der Sterne“-Filme kontrovers aufgenommen, macht sich in der Filmografie aber natürlich schmuck. Und ist mit all seinen Stars ein gutes Übungsfeld für weitere Regiearbeiten, bei denen man viele Darstellerinnen und Darsteller von prächtiger Prominenz bändigen muss.

Bestseller-Autor Harlan Thrombey (M.) ist 85 Jahre alt geworden

Das gilt besonders für „Knives Out – Mord ist Familiensache“, der mit illustren Namen nur so gespickt ist. Im Zentrum der Handlung steht der erfolgreiche Krimiautor Harlan Thrombey (Christopher Plummer), den seine Haushälterin Fran (Edi Patterson) am Morgen nach seinem 85. Geburtstag tot auffindet. Trotz durchgeschnittener Kehle proklamieren die Behörden offiziell Selbstmord als Todesursache. Die beiden Polizisten Elliot (LaKeith Stanfield) und Wagner (Noah Segan) befragen die zahlreichen Familienmitglieder, die nach der Geburtstagsparty noch anwesend sind, beginnend mit Harlans Tochter Linda Drysdale (Jamie Lee Curtis) und ihrem Ehemann Richard (Don Johnson). Da sind etwa Thrombeys jüngster Sohn Walt (Michael Shannon), der das Verlagshaus der Familie leitet, und Schwiegertochter Joni Thrombey (Toni Collette), Witwe des vor 15 Jahren verstorbenen Sohns Neil. Harlan unterstützte Joni finanziell und bezahlte obendrein jedes Jahr die Studiengebühren ihrer Tochter Meg (Katherine Langford). Während der Befragung durch die beiden Kriminalbeamten wundern sich die Familienmitglieder über den im Hintergrund sitzenden Typen. Der stellt sich als Benoit Blanc (Daniel Craig) vor, seines Zeichens berühmter Privatdetektiv.

Die Pflegerin im Fokus

Brillant inszeniert: In diesen etwa 20 ersten Minuten der ersten Befragungen zeigt sich bereits der virtuose Einsatz von Montage und Schnitt. Geschickt wechselt Regisseur Rian Johnson die Befragten aus – was der eine gefragt wird, beantwortet die andere, um ein Beispiel zu geben. Enthüllungen über Gespräche – und Streitigkeiten – am Abend der Geburtstagsparty werden als Rückblenden gezeigt. Schnell offenbaren sich diverse Motive für einen Mord am Patriarchen. Benoit Blanc entdeckt zügig, dass Harlan Thrombeys junge Pflegerin Marta Cabrera (Ana de Armas) eine Schlüsselrolle zukommt. Die Tochter einer Einwandererfamilie aus Ecuador genoss das uneingeschränkte Vertrauen des Bestsellerautors. Sie hat eine Eigenschaft, die sie für Blanc zur perfekten Unterstützerin macht …

Doch dann müssen drei Ermittler den Tod des Familienoberhaupts untersuchen

Eine Rolle spielen auch Wanetta „Nana“ Thrombey (K Callan), Harlan Thrombeys Mutter, deren Alter niemand mehr weiß, und Linda und Richard Drysdales Sohn Hugh Ransom (Chris Evans), der am Abend des Geburtstags nach einem Streit mit seinem Großvater wütend aus dem Haus stürmte. Eine weitere interessante Figur ist Walt Thrombeys minderjähriger Sohn Jacob, gespielt von Jaeden Martell, den wir aus der zweiteiligen Stephen-King-Verfilmung „Es“ (2017) und „Es – Kapitel 2“ (2019) kennen. Leider bekommt er zu wenig Zeit, sich zu entfalten. Jacobs eher reaktionäre Einstellung hätte einiges hergegeben, so bleibt es bei ein paar Wortgefechten mit seiner freigeistigen Cousine Meg.

Von Hercule Poirot zu Sherlock Holmes

Puh, jetzt reicht es aber mit den Figuren. Immer diese Ensemble-Filme! Ich muss mir mal wieder ein Kammerspiel mit zwei Personen zum Rezensieren suchen. Ein paar Nebenrollen tauchen in „Knives Out – Mord ist Familiensache“ noch auf, aber das soll es zum Inhalt auch gewesen sein. Es entspinnt sich ein geradezu klassisch anmutendes Whodunit-Rätselspiel, bei dem das Publikum auf diverse Fährten und in die Irre geführt wird. Auch Benoit Blanc muss tief graben, aber er steht in bester Tradition eines Hercule Poirot, jenes von Agatha Christie ersonnenen belgischen Meisterdetektivs. Oder auch eines Sherlock Holmes, nennt er Marta doch spaßeshalber einmal sogar Watson.

Linda Drysdale und …

Auch wenn Blanc einen ganz anderen Typus verkörpert als Hercule Poirot, passt der Agatha-Christie-Vergleich doch insofern, als Rian Johnson 2010 in einem Interview bekannt hat, die Grande Dame der englischen Kriminalliteratur sehr zu lieben. In der Nacht zuvor erst sei ihm der Gedanke gekommen, einen schön altmodischen Krimi zu drehen: I haven’t told anyone this yet, but I was thinking last night it would be great to do an old fashioned murder mystery. Und so kam es zu „Knives Out“.

… ihr Bruder Walt sowie …

Nach knapp einer Stunde wird das Whodunit fürs Publikum plötzlich zu einem vermeintlichen Ende geführt – und dann geht es erst richtig los, und bald wissen wir nicht mehr, wo uns der Kopf steht. Dabei gibt es ein paar entscheidende Hinweise, die wir serviert bekommen. Wer ausreichend Agatha Christie gelesen hat, hat es vielleicht leichter – ich habe das in der Tat, aber meine Lektüre zahlreicher ihrer Romane liegt lange zurück. Jedenfalls kommt es zu fein ausgeklügelten Wendungen, die viel Freude bereiten.

Weltpremiere beim Toronto International Film Festival

Gedreht wurde im letzten Quartal 2018 im US-Bundesstaat Massachusetts, seine Weltpremiere feierte „Knives Out – Mord ist Familiensache“ am 7. September 2019 beim Toronto International Film Festival. Ende November jenes Jahres folgte die US-Premiere mit flächendeckendem Kinostart, in Deutschland lief die Krimikomödie ab dem 2. Januar 2020 in den Lichtspielhäusern.

… Schwägerin Joni sind scharf aufs Erbe

Mit Agatha Christie im Kopf lieferte Rian Johnson tatsächlich einen sehr britisch wirkenden Krimi ab, auch wenn er in den USA spielt. Auch Szenenbild und Kulissen tragen zu dem Eindruck bei. Die genaue geografische Lokalisierung der Handlung im Film ist mir entgangen, vielleicht wurde sie gar nicht genannt. Vermutlich soll sich das Thrombey-Anwesen irgendwo in Massachusetts nicht allzu weit von Boston entfernt befinden.

Es gibt ein Publikum für raffinierte Krimikomödien

Bemerkenswert, dass in Zeiten solcher Larger-than-Life-Blockbuster wie den Filmen des Marvel Cinematic Universe und der „Fast & Furious“-Reihe ein solch dialoglastiges Ensemble-Krimiratespiel reüssieren kann. Für die Raffinesse, den feinen Humor und die scharfen Dialoge gibt es offenbar ein Publikum. Die spielfreudigen Stars trugen zweifellos ein Gutteil dazu bei, Menschen in die Kinos zu locken.

Gestatten: Blanc. Benoit Blanc

Da wir unbedingt wissen wollen, wie alle Fäden zusammenlaufen, vergehen die mehr als zwei Stunden auch wie im Flug. Auf subtile Weise streute Rian Johnson zu allem Überfluss ein paar gesellschaftliche Kommentare ein: Sicher nicht umsonst kommt die nach dem Erbe gierende US-Familie Thrombey nicht allzu gut weg, während wir mit der sympathischen Marta mitfiebern und ihr wünschen, aus dem Schlamassel heil herauszukommen. Eine Lateinamerikanerin! Was würde Donald Trump dazu sagen? Aber vermutlich würde er gar nicht so weit kommen, darüber nachzudenken, sondern nach einer halben Stunde aufstehen und gehen, weil ihn die Vielzahl der Figuren und der klug ersonnene Plot überfordern.

Wiedersehen bei James Bond

Ohne die Corona-Krise hätten wir Marta-Darstellerin Ana de Armas („Blade Runner 2049“) schon kurz nach „Knives Out“ an der Seite von Daniel Craig auf der großen Leinwand wiedersehen können: Die 1988 in Kuba Geborene spielt in „James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben“ mit. Aktuell ist der Kinostart für den November angesetzt. Sowohl de Armas als auch Craig waren für ihre Parts in „Knives Out“ übrigens für einen Golden Globe nominiert – ebenso wie der Film. Rian Johnsons Originaldrehbuch erhielt sogar eine Oscar-Nominierung, unterlag aber dem koreanischen Sensations-Abräumer „Parasite“.

Pflegerin Marta steht im Zentrum des Geschehens

Manche Filme sind Kritikerlieblinge ohne großen Erfolg an den Kinokassen, manche sind Publikumslieblinge, an denen die Kritiker kaum ein gutes Haar lassen. Die geistreiche Krimikomödie „Knives Out – Mord ist Familiensache“ vereint beide Gruppen – und das völlig zu Recht. Und deshalb wird Daniel Craig den Privatdetektiv Benoit Blanc beizeiten erneut verkörpern. Rian Johnson wird erneut für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnen, viel mehr ist noch nicht bekannt. Freuen wir uns darauf!

Welche Absichten verfolgt Harlans Enkel Hugh Ransom?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Toni Collette und Jamie Lee Curtis haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Daniel Craig, Chris Evans, Christopher Plummer und Michael Shannon unter Schauspieler.

Wanetta „Nana“ Thrombey schaut sich das Ganze scheinbar unbeteiligt an

Veröffentlichung: 8. Mai 2020 als 2-Disc 4K Ultra HD Blu-ray (inkl. Blu-ray), Blu-ray und DVD

Länge: 131 Min. (Blu-ray), 126 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Knives Out
USA 2019
Regie: Rian Johnson
Drehbuch: Rian Johnson
Besetzung: Daniel Craig, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Toni Collette, Michael Shannon, Don Johnson, Ana de Armas, Katherine Langford, Christopher Plummer, LaKeith Stanfield, Noah Segan, Jaeden Martell, Riki Lindhome, Edi Patterson, Frank Oz, M. Emmet Walsh, K Callan, Raúl Castillo, nur Stimme: Joseph Gordon-Levitt
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Rian Johnson, Kameramann Steve Yedlin und Noah Segan (Schauspieler), entfernte Szenen, Rian Johnson: Planning the Perfect Murder, Meet the Thrombeys (Viral Ads), 3 Kinotrailer, Trailershow, nur Blu-ray: Kino-Kommentar von Rian Johnson, Multi-Part-Dokumentation „Making a Murder“, Director and Cast Q&A
Label/Vertrieb: Leonine

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & 4K-UHD-Packshot: © 2020 Leonine

 
 

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The First Avenger – Civil War: Blockbuster des Jahres?

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Captain America – Civil War

Kinostart: 28. April 2016

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Auch wenn ich „Avengers – Age of Ultron“ nach wie vor für einen guten Film halte – nach dem zweiten Aufeinandertreffen der Avengers wurden die Stimmen laut, Joss Whedon habe den Großteil seines Pulvers bereits im ersten Teil verschossen. Dennoch war die Überraschung groß, als Marvel nach der Vergabe des „Civil War“-Regiestuhls an die Russo-Brüder ankündigte, die beiden würden auch bei den vorerst abschließenden Filmen der Rächer Regie führen – der „Infinity War“ wird nach bewährtem Hollywood-Muster 2018 und 2019 in zwei Teilen ins Kino kommen. Diese Entscheidung ist unterm Strich allerdings logisch – schließlich inszenierte das Duo mit dem zweiten Captain-America-Film „The Return of the First Avenger“ einen der besten Filme aus dem gesamten Franchise.

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Team Cap gegen …

Und dann kam auch noch die Ankündigung, mit dem dritten Abenteuer des patriotischsten aller Helden würden die Brüder eine der berühmtesten Story-Linien der jüngeren Comic-Geschichte aufgreifen: den „Civil War“. Würden es die aus dem TV-Comedy-Fach kommenden Russos schaffen, ein solch riesiges Ensemble an Figuren zu führen, wie es sich im Marvel-Bürgerkrieg tummelt? Kann ihr Film überhaupt dem ursprünglichen „Civil War“ gerecht werden?

Müssen die Avengers kontrolliert werden?

Nach einem Einsatz in Lagos stehen die von Captain America Steve Rogers (Chris Evans) geführten Avengers unter enormen Druck. Es kam zu heftigen Kollateralschäden, bei denen auch Diplomaten ihr Leben verloren. Die UN in Gestalt von General Ross (William Hurt) tritt an die Rächer heran. Sie sollen von nun an nicht mehr privat geführt, sondern von den Regierungen der Welt reguliert werden. Kein eigenmächtiges Handeln mehr also. Rogers sieht darin einen Verlust der Freiheit, die die Avengers ausmachen. Doch andere Mitglieder der Rächer sehen in dieser Regulierung eine Möglichkeit, weitere Tote bei ihren Einsätzen zu verhindern, darunter auch Tony Stark (Robert Downey Jr.). Während sich die Superhelden streiten, verrichtet im Hintergrund ein gewisser Zemo (Daniel Brühl) sein Werk.

Es ist Zeit für alle da

Eine einzelne Inhaltsangabe kann nur schwer dem kompletten Spektrum gerecht werden, welches der Film öffnet. Es gibt so viele Figuren, so viele Motivationen, dass der Zuschauer leicht den Überblick verlieren könnte. Doch zum Glück geben die Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely sowie die Russo-Brüder fast jeder Figur die Zeit auf dem Bildschirm, die sie verdient. Seien es die beiden Alpha-Streithähne Steve Rogers und Tony Stark, seien es erst vor kurzem bekannt gewordene Figuren wie Vision (Paul Bettany) und Ant-Man (Paul Rudd), seien es mit Black Panther (Chadwick Boseman) und Spider-Man (Tom Holland) komplett neue Figuren im Marvel Cinematic Universe, zu denen wir nichts weiter verraten werden, um Spoiler zu vermeiden – niemand von den Haupthelden wird benachteiligt. Ausgenommen sind natürlich diejenigen, die aufgrund von Ereignissen in den vorangegangenen Filmen nicht vor Ort sein können, wie beispielsweise Thor.

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… Team Iron Man

Hierbei tut sich allerdings ein kleines Problem auf – die Nebenfiguren werden bei der schieren Masse an Heldenpower fast vollständig zu Stichwortgebern degradiert. William Hurt und Marvel-Neuling Martin Freeman haben einfach nicht genügend Zeit, um Akzente zu setzen. Immerhin gibt es mit Agent 13 alias Sharon Carter (Emily VanCamp) eine Nebenfigur, die den Protagonisten etwas mehr hilft. Dass sämtliche Schauspielerinnen und Schauspieler ansonsten auf dem für dieses Genre höchsten Level agieren, sollte bei einer Produktion dieser Größenordnung klar sein. Trotzdem möchte ich einen besonders hervorheben – Daniel Brühl.

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Falcon sondiert die Lage

Der Deutsche bekommt mit Zemo eine Figur auf den Leib geschnitten, die nach Loki endlich wieder einen wirklich interessanten Marvel-Antagonisten darstellt. Zemo war in keinen bisherigen Trailer zu sehen und das ist gut so. Jede seiner Szenen trägt ein gewisses Gewicht, auch weil man bis zum Schlussakt nicht weiß, worin letzten Endes seine Motive bestehen.

Comic-Elemente

Kommen wir zur Einbindung des Comics. Es ist für mich das erste Mal, dass ich eine Geschichte gelesen habe, bevor sie als Film auf die Leinwand kam. Und das ist eine interessante Erfahrung gewesen, denn viel ist vom ursprünglichen „Civil War“ nicht übrig geblieben. Es werden bestimmte Elemente verwendet, aber Gefängnisse in anderen Dimensionen oder ein mechanischer Klon von Thor hätten einfach nicht ins Kino-Universum gepasst.

Das mag den einen oder anderen Hardcore-Comicfan nerven – aber im originalen „Age of Ultron“ gab es beispielsweise auch Zeitreisen, die es nicht in den Film geschafft haben. Zur Versöhnung gibt es immer wieder kleine Hinweise, die wohl nur Comic-Leser verstehen können – sei es die Beziehung von Vision und Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen) oder aber ein bestimmtes Experiment von „Ant-Man“ Scott Lang. Ohnehin muss sich der Film nicht an dem Comic messen lassen, beide Kriege können parallel zueinander existieren.

Marvel vs. DC – Movie War

Darüber hinaus ist „The First Avenger – Civil War“ einfach gut erzählt. Zack Snyder zeigte kürzlich mit „Batman v Superman – Dawn of Justice“ zwar beeindruckende Bilder, bekam aber mit seiner DC-Comic-Adaption kein erzählerisches Gleichgewicht hin, geschweige denn überhaupt eine Art von Erzählung. Die Russo-Brüder balancieren ihre Action- und ihre Story-Parts perfekt aus, sodass nichts zu kurz kommt. Denn auch wenn sich die Superhelden ordentlich auf die Kauleiste hauen dürfen, alle Figuren machen eine realistische Entwicklung durch.

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Welchen Plan verfolgt der Black Panther?

Realistisch ist ein gutes Stichwort: Wie bereits in „The Return of the First Avenger“ setzen die Regisseure auf einen geerdeten Stil. Es gibt nicht viele bunte Farbkleckse, die Farbpalette ist eher grau gehalten. Das liegt auch daran, dass an Originalschauplätzen gedreht wurde – und Berlin, Leipzig und Bukarest sind eben nicht so farbenfroh wie Lagos.

Nur bei der Action mussten sich die Russos etwas umstellen. Immerhin haben sie mit Vision, Iron Man, Wanda Maximoff und einigen anderen Protagonisten Figuren, die mehr können als nur gut kämpfen. Auch ihre Kräfte werden eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die Action-Sequenzen sind eine weitere große Stärke des Films, auch wenn bei einigen Einstellungen die Kamera für meinen Geschmack zu viel gewackelt hat. Jede einzelne Szene ist herausragend choreografiert, die Kämpfe sind stets übersichtlich und – mit am wichtigsten – man fiebert mit jeder Figur mit.

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Wer schlägt als Erster zu?

Genau das hat „Civil War“ dem bereits erwähnten Konkurrenten von DC voraus, der ja eine durchaus ähnlich gelagerte Story zu erzählen versuchte. Ich wollte immer sehen, was gerade am anderen Ende des Geschehens passiert, wie es wohl um eine andere Figur steht und wer gerade einstecken muss. Ein größeres Kompliment kann man einem Action-Film wohl nicht machen.

Bester Superheldenfilm des Jahres

Damit beantwortet sich auch die zuerst gestellte Frage: Jawohl, die Russos können ein großes Ensemble an Figuren leiten, ohne den Überblick zu verlieren. Wir dürfen uns also auf die nächsten Avengers-Filme freuen. „The First Avenger – Civil War“ hat in seinem Genre bisher keinen Konkurrenten in diesem Jahr – meinen Standpunkt zu „Batman v. Superman“ habe ich klargemacht und obwohl mir „Deadpool“ sehr gefallen hat, war auch der Söldner mit der großen Klappe in seiner Geschichte zu zahm. Und es sollte mit dem Teufel zugehen, sollte dieser Film nicht der Blockbuster des Jahres werden.

Eine Frage aber muss man am Ende stellen: Was hat die deutsche Polizei in Bukarest verloren?

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Spider-Man tut, was eine Spinne tun muss

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Scarlett Johansson haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Paul Bettany, Robert Downey Jr., Chris Evans und Jeremy Renner unter Schauspieler.

Länge: 147 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Captain America – Civil War
USA 2016
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely, nach einem Comic von Mark Millar
Besetzung: Chris Evans, Robert Downey Jr., Anthony Mackie, Sebastian Stan, Scarlett Johansson, Don Cheadle, Chadwick Boseman, Paul Bettany, Elizabeth Olsen, Daniel Brühl, Jeremy Renner, Martin Freeman, William Hurt, Elizabeth Olsen, Paul Rudd, Tom Holland, Emily VanCamp
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Disney/Marvel

 

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Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – Der perfekte Nerd-Film

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Scott Pilgrim vs. the World

Schönes Jubiläum: Dies ist die 200. Gastrezension von Matthias Holm bei „Die Nacht der lebenden Texte“. Er hat sich aus diesem Anlass einen seiner Lieblingsfilme ausgesucht.

Fantasy-Action // Normalerweise versuche ich diesen Satz zu vermeiden – aber bei „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ stimmt er einfach: Entweder man liebt diesen Film oder man hasst ihn. Wer sich nach den ersten fünf Minuten fragt, was das alles soll, sollte sich schnellstmöglich einen anderen Film suchen. Wer aber bei dem 8-bit-Intro des Universal-Logos und dem Bandnamen Sex Bob-omb sein breites Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommt, sei willkommen zu einer verrückten Coming-of-Age-Reise.

Messer oder Blumen?

Scott Pilgrim (Michael Cera) lebt in den Tag hinein. Er ist gerade „zwischen zwei Jobs“, wie er es selbst nennt, und will sein Liebesleben einfach halten. Also beginnt er, mit dem chinesischen Schulmädchen Knives Chau (Ellen Wong) auszugehen. Doch bald schon trifft Scott auf Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead). Die aparte Frau schafft es allmählich, Scott aus seinem Trott herauszuholen. Doch um Ramona wirklich für sich zu gewinnen, muss Scott vorher ihre sieben teuflischen Ex-Freunde besiegen.

Und das ist wörtlich zu nehmen. „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist nämlich eine Art filmgewordenes Videospiel. Überall gibt es Anspielungen auf berühmte Reihen wie „Legend of Zelda“ und „Final Fantasy“ oder Einblendungen, die direkt aus einem Videospiel kommen könnten. Da gibt es eine Combo-Einblendung, eine „Pee-Bar“ und fast alle Sounds werden wie in einem Comic visualisiert. Das grenzt in manchen Einstellungen gern mal an Reizüberflutung, allerdings fällt dem geneigten Zuschauer auf diese Weise bei jeder Wiederholungs-Sichtung immer etwas Neues auf.

Soundtrack vom Loser

Da ich gerade bei der Tonspur bin: Es gibt keinen Soundtrack, den ich wohl häufiger gehört habe. Jede Einstellung ist mit genau dem richtigen Lied unterlegt, seien es die Kampfszenen gegen die bösen Ex-Freunde, die Liebesszenen oder auch die Konzerte. Für die Songs von Scotts Band, deren Name eine Hommage an die Super-Mario-Spiele ist, zeichnet „Loser“ Beck verantwortlich. Und was würde ich nicht dafür geben, die Band mal wirklich live spielen zu sehen – mein Favorit: „Threshold“.

Während Scott versucht, das Mädchen seiner Träume rumzukriegen, muss er sich mit seinen eigenen Verflossenen auseinandersetzen. Das ist kein neues Motiv, doch in diesem Fall aber erfrischend originell umgesetzt. Und könnte jemand all diesen popkulturellen Wahnsinn besser auf die Leinwand bringen als der Schöpfer der Cornetto-Trilogie Edgar Wright? Vermutlich nicht. Das Drehbuch strotzt vor Zitate-würdigen Sprüchen und unvorhersehbaren Wendungen, dass es immer wieder aufs Neue eine Freude ist, den Film zu schauen. Und wenn ich unvorhersehbar sage, dann meine ich das auch hundertprozentig.

Munteres Stelldichein der Stars

Dazu dann noch dieses perfekte Casting. Michael Cera passt hervorragend in die Rolle des schludrigen Jungen, der aus keinem bekannten Grund einfach verdammt gut kämpfen kann. Mary Elizabeth Winstead sieht als Ramona nicht nur gut aus, sondern macht eine ähnliche Heldenreise durch wie Scott Pilgrim. Wer sich dann noch die Nebenrollen ansieht, kommt vermutlich aus den Staunen nicht heraus. Anna Kendrick, Aubrey Plaza, Brie Larson – durchaus angesehene Schauspieler. Auch bei den Ex-Liebhabern sind einige bekannte Gesichter dabei, wie zum Beispiel Chris Evans als schauspielender Skater, Brandon Routh als veganer Bassist und Jason Schwartzman als Musikproduzent.

Doch niemand, nicht einmal die Hauptfiguren, schafft es, gegen Kieran Culkin anzukommen. Der Bruder von Macaulay Culkin stiehlt als Scotts schwuler Mitbewohner Wallace Wells jede Szene, in der er auftritt. Nicht nur, dass er die witzigsten Sprüche in den Mund gelegt bekommt, obendrein ist er auch ein wichtiger Bestandteil von Scotts Reise.

Fast noch besser: Der Comic

Was den Film noch verrückter macht: Er kratzt nur an der Spitze des Eisbergs, den das Ursprungsmaterial darstellt. Tatsächlich ist „Scott Pilgrim vs. the World“ eine sechs Bände umfassende Comicreihe von Bryan Lee O’Malley. In der Vorlage geht der Autor naturgemäß viel stärker auf einzelne Figuren ein und die Kämpfe gegen die Geliebten von Ramona laufen ein wenig anders ab. Doch Wright weiß, dass er nicht alle Aspekte übernehmen kann, kürzt dort, wo es richtig ist, und zollt dem Original Respekt – die Comic-Männchen, die man im Film sieht, sind dem Original nachempfunden.

Nun sind bereits acht Absätze geschrieben, und trotzdem könnte ich noch weiter über „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ fabulieren. Er trägt bei mir das Etikett „Lieblingsfilm“. So vieles ist an diesem Film richtig, dass man ihm auch kleinere Nachlässigkeiten allzu gern verzeiht. Wer nach dieser Tirade denkt, der Film könne etwas für ihn oder sie sein – kauft ihn euch und den Comic gleich dazu! Wer sich allerdings schon nach dem ersten Absatz gefragt hat, was das für ein merkwürdiger Murks ist, sollte lieber die Finger davon lassen. Love it or leave it!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Edgar Wright haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Chris Evans unter Schauspieler, Filme mit Brie Larson in der Rubrik Schauspielerinnen.

Veröffentlichung: 15. November 2012 als Blu-ray im Steelbook, 19. Januar 2012 als Blu-ray, 24. Februar 2011 als DVD

Länge: 112 Min. (Blu-ray), 108 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kantonesisch, Koreanisch, Mandarin, Niederländisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch, Spanisch
Originaltitel: Scott Pilgrim vs. the World
USA/GB/KAN/JAP 2010
Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Edgar Wright, Michael Bacall, nach einem Comic von Bryan Lee O’Malley
Besetzung: Michael Cera, Mary Elizabeth Winstead, Ellen Wong, Alison Pill, Mark Webber, Johnny Simmons, Kieran Culkin, Anna Kendrick, Chris Evans, Mae Whitman, Brie Larson, Brandon Routh, Jason Schwartzman
Zusatzmaterial: Unveröffentlichte Szenen inklusive alternativem Ende, Scott Pilgrim vs. Die verpatzten Szenen, Filmkommentar mit Cast & Crew, Alternatives Material, Making-of, Galerien, Wendecover
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Matthias Holm

Packshots & Trailer: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

 
 

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