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Liliane Susewind – Ein tierisches Abenteuer: Die mit den Tieren spricht

Liliane Susewind – Ein tierisches Abenteuer

Kinostart: 10. Mai 2018

Von Volker Schönenberger

Familien-Abenteuer // Auf 18 Bände bringt es Tanya Stewners Kinderbuchreihe „Liliane Susewind“ mittlerweile – sechs davon sind für Sechsjährige angelegt, zwölf für Mädchen und Jungen ab acht Jahren empfohlen. Nun hat es das Mädchen, das mit den Tieren sprechen kann, erstmals ins Kino verschlagen. Und den drei Zehn- und einer Neunjährigen, die mit mir die Hamburger Pressevorführung besucht haben, hat das Abenteuer ausgesprochen gut gefallen.

Liliane Susewind und ihr Hund Bonsai stürzen sich ins Abenteuer

Ihre Gabe erweist sich des Öfteren als Fluch: Weil die elfjährige Liliane Susewind (MALU LEICHER), genannt Lilli, mit einem Esel ein kleines Wettrennen verabredet hat, endet die Enthüllung einer Büste des Bürgermeisters im Chaos. Das kostet ihre Mutter Regina (Peri Baumeister) den Job als Berichterstatterin, einmal mehr muss die Familie umziehen. Dabei sind auch Lillis Vater Ferdinand (Tom Beck), der Kinderbücher schreibt, und Lillis vorlauter Hund Bonsai. Um künftig Unheil zu vermeiden, verspricht das Mädchen ihren Eltern, von nun an nicht mehr mit anderen Tieren zu reden, sondern nur noch mit Bonsai.

Das Rätsel der verschwundenen Tiere

Am neuen Wohnort erweist sich das Versprechen aber als schwierig umzusetzen: Für Lillis neue Schulklasse beginnt gerade eine Projektwoche, und das ausgerechnet im kleinen Tierpark „Paradisia“, der von der skurrilen „Oberst“ Essig (Meret Becker) und ihrem schlichten, aber gutmütigen Tierpfleger Toni (Christoph Maria Herbst) geführt wird. In Lillis Klasse hat die verwöhnte Göre Trixi (Felice Ahrens) das Sagen. Der zurückhaltende Jess (Aaron Kissiov) wiederum scheint etwas zu verbergen. Im Zoo kann Lilli gar nicht anders, als den Tieren bei ihren Gesprächen zuzuhören. Dabei erfährt sie, dass einige von ihnen verschwunden sind. Was hat die durchtriebene Vanessa (Aylin Tezel) damit zu tun?

Ihre Eltern haben ihre liebe Not mit Lillis Gabe

Für einige der Tier-Parts setzte das Filmteam echte Tiere ein, deren Sprechbewegungen nachträglich am Computer eingearbeitet wurden. Lillis Hund Bonsai etwa wird vom Film-erfahrenen Parson Russell Terrier „Kalle Junior“ verkörpert, seine Stimme leiht ihm der Schauspieler und Comedian Bürger Lars Dietrich, der den Vierbeiner heftig berlinern lässt. Andere Tiere wie der Babyelefant entstanden vollständig am Computer.

Vom Regisseur und Autor von „Die wilden Fußballkerle“

Regisseur Joachim Masannek ist erfolgreicher Autor der Kinderbuchreihe „Die wilden Fußballkerle“, deren sechs Verfilmungen er auch inszeniert hat. Wie so oft in deutschen Kinderfilmen fungieren auch bei „Liliane Susewind – Ein tierisches Abenteuer“ die meisten erwachsenen Figuren in erster Linie als Staffage, ohne glaubwürdig angelegt zu sein. Am deutlichsten wird das anhand der beiden Polizisten (Danel Zillmann, Steffen Will), die letztlich nur für ein paar leidlich lustige Slapstick-Einlagen gut sind. Einen der beiden haben die Macher zudem mit einem Running Gag ausgestattet: Er vertauscht im Satz die Silben verschiedener Wörter. Vielleicht soll es ein subversiver Spaß sein, Ordnungshüter als Volltrottel darzustellen, aber für mich funktioniert das jedenfalls nicht. Das gilt leider für viele der humorigen Einlagen, beginnend mit der gesprengten Bürgermeister-Ehrung zu Beginn, bei der der Esel den eitlen Verwaltungs-Chef mit Fäkalien beschmutzen darf. Dass Lillis Vater die erste Nacht im neuen Heim in der Badewanne verbringt, weil sich das Badezimmer dort befindet, wo im vorherigen Haus das Schlafzimmer war, fällt ebenfalls eher unter „Na ja“. Die von Meret Becker und Christoph Maria Herbst verkörperten Oberst Essig und Tierpfleger Toni erscheinen von vornherein als Karikaturen. Das kann man so machen, aber ich wünsche mir endlich mal glaubwürdige Erwachsene in Kinderfilmen. Toni etwa lässt sich von Vanessa wie ein verknallter Depp um den Finger wickeln. Wir Kerle machen ja aus Verliebtheit gern mal Unsinn, aber dass Toni nicht merkt, dass ihn Vanessa klar erkennbar ausnutzt und tatsächlich verachtet, schmälert die Freude an seiner Figur beträchtlich. Die drei „Vorstadtkrokodile“-Filme (2009–2011) haben vorgemacht, dass erwachsene Nebenrollen in Kinderfilmen funktionieren können, sie sind aber zugegeben anders angelegt.

Auftritt Oberst Essig

Ganz gelungen ist die Charakterzeichnung der jungen Protagonisten. Liliane findet in Jess einen Seelenverwandten, der wie sie ein Geheimnis hütet, um nicht als Freak dazustehen – das passt. Für Malu Leicher markiert die Titelrolle ihr Leinwanddebüt. Sie feierte während der Dreharbeiten ihren elften Geburtstag und bringt Erfahrung am Theater und vom Fernsehfilm „Nur eine Handvoll Leben“ (2016) mit.

Der schlichte Tierpfleger Toni …

Die zickige Trixi ist etwas überzeichnet, aber in legitimer Weise. Das Abenteuer um die verschwundenen Tiere schließlich verläuft in vorhersehbaren Bahnen. Am Ende gibt’s von Lilli und ihren Mitschülerinnen und Mitschülern eine Gesangseinlage, die leider weit vom Niveau der Musikdarbietungen etwa der „Bibi & Tina“-Filme entfernt ist. So bleibt von Liliane Susewinds erstem Kinoausflug leider nicht viel Positives haften. Zumindest bei mir, denn ich erinnere an meine vier jungen Begleiterinnen, die allesamt sehr angetan waren. Und sie bilden ja die Zielgruppe, aus der ich bereits vor langer Zeit herausgewachsen bin. Vielleicht ist Liliane Susewinds erster Kinoausflug doch zielgruppengerechter als ich denke. Wie auch immer – bei Erfolg wird das Familien-Abenteuer ziemlich sicher den Auftakt zu einem neuen Kinderfilm-Franchise bilden.

… lässt sich von der übel gesinnten Vanessa becircen

Länge: 98 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Liliane Susewind – Ein tierisches Abenteuer
D 2018
Regie: Joachim Masannek
Drehbuch: Matthias Dinter, Beate Fraunholz, Betty Platz, nach einer Vorlage von Tanya Stewner
Besetzung: Malu Leicher, Peri Baumeister, Christoph Maria Herbst, Tom Beck, Meret Becker, Aaron Kissiov, Felice Ahrens, Aylin Tezel, Bürger Lars Dietrich (Stimme)
Verleih: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Filmplakat & Trailer: © 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH, Szenenfotos: © 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH / Dreamtool Entertainment / Wolfgang Ennenbach

 

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