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Die Braut des Satans – Hammers letzter Horror

To the Devil a Daughter

Von Lars Johansen

Horror // Eine Vierzehnjährige zieht sich aus, um sich mit einem Teufelsbalg zu paaren. Etwas später macht sie das auch in einem „Tatort“, nur ohne Teufelsbraten. Und vielleicht ist es tatsächlich das, was von der Schauspielkarriere der jungen Nastassja Kinski bleiben wird. Aber erst einmal zurück an den Anfang: Meine erste Begegnung mit diesem Film liegt schon über 40 Jahre zurück, und dabei traf ich nicht auf den Film direkt, sondern auf ein Buch aus dem Tessloff-Verlag über das Filmemachen („Die Braut des Satans – Wie ein Filmteam arbeitet“) von Marjorie Bilbow, für das Christopher Lee ein Vorwort geschrieben hatte.

Nasty Nun

1976 war der Hammer-„Dracula“ mit Lee zum ersten Mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden, und jetzt so etwas in der kleinen Stadtteilbibliothek in den Händen zu halten, war eine große Sache. Dazu kam noch Nastassja Kinski in der Titelrolle, die seit ihrem „Tatort“-Auftritt einem pubertierenden Teenager sehr erotische Träume verpasst hatte. Der Film selber erschien in den 80ern zwar auf Video, wurde aber ziemlich schnell indiziert und dadurch genauso unerreichbar wie die Kinski. 2009 fiel mir dann ein Bootleg in die Hände und ich konnte den Mythos zum ersten Mal sehen. Jetzt endlich, zehn Jahre später, hat sich ein offizielles Label gefunden, das den Film, der mittlerweile schon ab 16 freigegeben ist, legal und in ausgezeichneter Qualität veröffentlicht hat. Denn, so viel vorweg, die Qualität ist tatsächlich sehr gut, was bei einem verlässlichen Label wie Anolis Entertainment nicht wirklich zu verwundern vermag.

Gezwungenes Grinsen

Um etwas zur Entstehungsgeschichte zu sagen, muss man ein wenig ausholen. Der Autor der Vorlage, Dennis Wheatley, war am Okkulten sehr interessiert und gehörte zum Umfeld von Aleister Crowley, den er zwar nicht unbedingt positiv beschreibt, der aber großen Einfluss auf ihn hatte. So drehen sich viele seiner Arbeiten, von denen nur relativ wenige in Deutschland veröffentlicht wurden, um das Thema der schwarzen Messen, welches in den 50er- und 60er-Jahren mindestens in England und den USA äußerst populär war, konnte es doch dadurch relativ explizit Sexualität thematisieren, ohne in der Schmuddelecke zu landen. In der Tradition von Huysmans oder, etwas trivialisierter, William Hope Hodgsons Geisterjäger Carnacki, welchen Wheatley in den 70ern in seiner Anthologie fantastischer Autoren wiederveröffentlichte, hatte er durchaus Erfolg als Bestsellerautor, der aber nach seinem Tod Ende der 70er-Jahre ziemlich schnell abflaute, da seine literarische Qualität mit den Genannten ganz sicher nicht mithalten konnte. Jedenfalls freundete er sich mit Christopher Lee an und gestattete ihm, einige seiner Bücher verfilmen zu lassen. Das klappte endlich 1968 mit „Bestien lauern vor Caracas“ („The Lost Continent“) von Michael Carreras, der eher etwas campy daherkommt und vor allem mit „The Devil Rides Out“, der einer der besten Hammer-Filme der 60er-Jahre geworden ist, auch wenn er gar keinen so großen Erfolg hatte, in den USA floppte und in Deutschland erst sehr spät und nur im Fernsehen als „Die Braut des Teufels“ gezeigt wurde. Christopher Lee ist großartig als okkult gebildeter Duc de Richleau, der einen Freund aus den Klauen des fiesen Teufelsbeschwörers Moccata befreit, den Charles Gray wunderbar unterkühlt spielt. Terence Fishers Regie ist wirklich effizient und zusammen mit dem feinen Drehbuch von Richard Matheson hebt sie dieses unterschätzte kleine Meisterwerk weit hinaus über die ewigen Fortsetzungen von Hammers Erfolgsfilmen Dracula und Frankenstein. Aber im Zeitalter von „Rosemarys Baby“ aus dem gleichen Jahr war damit kein Teufelskind zu gewinnen.

Bettspiele

Es dauerte noch ein paar Jahre, bevor sich Hammer des nächsten Werkes von Wheatley annahm, der gern zusagte, war er doch von „The Devil Rides Out“ sehr begeistert gewesen. Das sollte sich bei „Die Braut des Satans („To the Devil a Daughter“) radikal ändern. Sowohl Lee als auch Wheatley äußerten sich wenig begeistert über das Resultat. Richard Widmark hatte die ganze Drehzeit über schlechte Laune und Klaus Kinski sagte gleich ab – man hatte ihn in der Rolle des Vaters von Nastassja Kinskis Figur besetzen wollen. Schlechte Voraussetzungen für einen Film, den Hammer ohnehin schon mit der deutschen „Terra Filmkunst“ und einem weiteren Partner realisieren musste. Der australische Regisseur Peter Sykes hatte mit „Dämonen der Seele“ („Demons of the Mind“, 1972) schon mal einen Film für Hammer realisiert, versandete aber danach im Fernsehen. Das sprach insgesamt nicht gerade für einen erfolgreichen Film. Aber es sollte dann doch ein wenig anders kommen. Nur leider nicht für Hammer, denn obwohl der Film ein weltweiter Erfolg wurde, blieb der Gewinn vor allem bei den koproduzierenden Firmen hängen. Und so war dies der vorläufig letzte Kino-Horrorfilm des Studios.

Mehr Bettspiele

Pater Michael Rayner (Lee), ein exkommunizierter Priester, plant, den Satan auf die Erde loszulassen. Dazu braucht er zum einen eine jungfräuliche Nonne (Nastassja Kinski), die im Rahmen einer schwarzen Messe gezeugt worden ist, zum anderen einen teuflischen Säugling, der, 16 Jahre später, ebenfalls bei einer solchen Gelegenheit gezeugt und dann mit eben dieser Nonne zusammengebracht werden muss. Aus dieser Verbindung soll Astaroth entstehen, der als teuflischer Avatar die Welt beherrschen wird. Doch der eigentliche Vater des Mädchens (Denholm Elliott) bekommt Gewissensbisse und informiert den Okkult-Bestseller-Autoren John Verney (Widmark), der das Mädchen, welches aus einem deutschen Kloster nach London geflogen wird, am Flughafen abfängt. Als sie seine Agentin (Honor Blackman) ermordet und flieht, kommt es zu einem Wettlauf gegen die Zeit, der weitere Opfer kosten wird.

Teller Dwellar

Das klingt unspektakulär, ist aber ansprechend inszeniert und mit einer Riege exzellenter Schauspieler garniert, zu denen sich als weitere deutsche Beigabe Eva Maria Meineke gesellt. Elliott ist als völlig verängstigter Vater einfach großartig, Lee war selten besser in einer wirklich bösen Rolle, Widmark macht einen mehr als ordentlichen Job und die Kinski ist sehr dekorativ. Aber mehr wird auch nicht von ihr verlangt. Wenn sie durch das zeitgenössische London irrt, dabei wie eine Drogensüchtige wankt und fällt und niemand der Passanten eingreift, hat das tatsächlich hohe Qualität. Honor Blackman bringt hochintelligente Erotik in die Szene und selten ist der Horror „gothic“, vielmehr ganz und gar zeitgemäß. Gerade das macht einige Szenen, die im hellen Tageslicht einer modernen Großstadt spielen, so unheimlich. Also eigentlich alles gut, aber dann gibt es noch das Finale, und das bleibt, ohne dass ich hier spoilern möchte, viel zu unspektakulär. Der Spannungsbogen bis dahin stimmt und wird nicht überdehnt, aber dann passiert – nichts. Ein paar Lichteffekte, eine betrübliche Auflösung und das war es dann. Dieses Ende macht einen wirklich guten Film zu einer dann insgesamt doch nur mittelmäßigen Angelegenheit.

Das kalte Grausen

Das Bild der Blu-ray ist exzellent, die Extras nicht zu üppig, aber zielführend und die kleine Doku sehr klug und informativ geworden. Anolis leistet hier wie gewohnt sehr gute Arbeit. Dann ist da noch der Audiokommentar, den diesmal Dr. Rolf Giesen, Volker Kronz und Uwe Sommerlad eingesprochen haben. Sie werden dabei dem Film, den sie nicht zu mögen scheinen, leider nicht ganz gerecht. Sie fallen einander ins Wort, schweifen ab und Uwe Sommerlad scheint der Einzige zu sein, der weiß worüber er hier redet. Rolf Giesen, den ich einmal sehr geschätzt habe, ist hier nur noch ein Schatten seiner selbst und erzählt ein paar nette Anekdoten, die nichts erklären. Volker Kronz klingt wie ein medienaffiner Buchhalter. Aber diese kleine Einschränkung fällt nicht weiter ins Gewicht, denn die Veröffentlichung ist insgesamt eine runde Sache geworden.

Messerscharf kombiniert

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt, Filme mit Christopher Lee und Richard Widmark unter Schauspieler. Ein lesenswerter Text zu „Die Braut des Satans“ findet sich auch bei den Kollegen von „Evil Ed“.

Veröffentlichung: 23. August 2019 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in drei Covervarianten) und Blu-ray

Länge: 93 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: To the Devil a Daughter
GB/BRD 1976
Regie: Peter Sykes
Drehbuch: Christopher Wicking, nach einem Roman von Dennis Wheatley
Besetzung: Richard Widmark, Christopher Lee, Honor Blackman, Denholm Elliott, Michael Godliffe, Nastassja Kinski, Eva Maria Meineke, Anthony Valentine, Petra Peters, Frances de la Tour
Zusatzmaterial 2019: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Volker Kronz, Dokumentation: „Dark Arts: Inside ‚To The Devil a Daughter‘“, Interview mit Synchronsprecher Christian Rode, britischer Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, Super-8-Fassung, amerikanische Radiospots, amerikanisches Pressbook, deutscher Werberatschlag, Bildergalerie, nur Mediabook: 28-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2019 by Lars Johansen

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 

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Rasputin – Der wahnsinnige Mönch: Erst dämonischer Dracula, dann wollüstiger Wanderprediger

Rasputin – The Mad Monk

Von Volker Schönenberger

Historiendrama // Mit dem legendenumwitterten russischen Mönch bin ich erstmals durch den Disco-Hit „Rasputin“ von Boney M. in Berührung gekommen – meine allererste Lieblingsgruppe, das sei verschämt eingestanden. Ra-Ra-Rasputin, Lover of the Russian Queen – welch tolle Textzeile! War der Rauschebart wirklich Russia’s greatest love machine, wie die seinerzeit höchst erfolgreiche Popkombo von Frank Farian behauptete? Über den historischen Grigori Jefimowitsch Rasputin (1869–1916) bin ich nicht wirklich im Bilde, und es sind Zweifel angebracht, ob Verfilmungen wie „Rasputin, der Dämon der Frauen“ (1932) mit Conrad Veidt in der Titelrolle, „Rasputin, der Dämon von Petersburg“ (1960) oder „Rasputin – Orgien am Zarenhof“ (1983) ein authentisches Bild der historischen Persönlichkeit liefern.

Rasputin kriegt Mecker vom Bischof

Dies lag zweifellos auch nicht in der Absicht von Hammer Films, als sich das Studio entschloss, „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ zu produzieren. Den Regiestuhl übernahm Don Sharp, der mit „Der Kuss des Vampirs“ (1963) und „Die Teufelspiraten“ (1964) bereits für Hammer tätig gewesen war und kurz zuvor für Hallam Productions „Ich, Dr. Fu Man Chu“ (1965) inszeniert und dort ebenfalls Christopher Lee in der Titelrolle geführt hatte. Gedreht wurde in den Kulissen des gerade (oder gleichzeitig) abgefilmten „Blut für Dracula“, in welchem natürlich einmal mehr Lee in der Titelrolle zu sehen ist. „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ hält somit das hohe Niveau des Hammer-typischen Produktionsdesigns. Wer erkennt schon den Unterschied zwischen einem Vampirschloss in den Karpaten und einem Zarenpalast in St. Petersburg?

Vom Vampirkostüm in die Mönchsrobe

In der Rolle des Vampirfürsten Graf Dracula strahlt Christopher Lee bei aller Bösartigkeit stets Würde und Noblesse aus. Als Wanderprediger und Wunderheiler Rasputin darf er sich mal so richtig austoben – und er tut das mit Elan und mit einer Leinwandpräsenz, die seine Ko-Darsteller blass aussehen lässt und der Ausstrahlung seiner Dracula-Darstellungen in nichts nachsteht. Etwas mehr „larger than life“ als bei Dracula ist das angelegt, dennoch wirkt Lees Leistung zu keiner Zeit wie Overacting. Jedenfalls traut man Lees Rasputin jederzeit den Bösen Blick zu. Dem Vernehmen nach hatte Christopher Lee zur Vorbereitung ausgiebig über den historischen Rasputin recherchiert.

Der kann das mit die Frauen

Zu Beginn heilt der Wanderprediger durch Handauflegen die im Fieberwahn dahinsiechende Frau eines Gastwirts in einer Kaschemme im hinteren Russland. Im Anschluss widmet er sich ausgiebig Wein, Wodka und Weib. Ein eifersüchtiger Bauernbursche will das nicht hinnehmen und bezahlt dafür mit dem Verlust einer Hand. Für dieses Verhalten und andere Verfehlungen wird Rasputin vor seinen Bischof (Joss Ackland) beordert, dem er eine an sich nachvollziehbare Rechtfertigung liefert: Wenn ich beichte, biete ich Gott nicht nur Eifersucht und belanglose Streitigkeiten, sondern Sünden, die seine Vergebung wert sind. Eine wunderbare Begründung für Wollust, Trunksucht und sonstige Sünden. Vielleicht sollte ich zum Katholizismus konvertieren, da doch die Beichte eine sehr pragmatische Methode zu sein scheint, Vergebung zu erlangen. Nun gut, der Bischof hält diese Haltung für Blasphemie, aber was wissen die Pfaffen schon von weltlichen Genüssen?

Ab an den Zarenhof

Rasputin entzieht sich seinem geistlichen Boss, indem er sich nach St. Petersburg begibt, wo er sich nach einem siegreichen Trinkspiel bei Dr. Zargo (Richard Pasco) einnistet und Sonia (Barbara Shelley) kennenlernt, ihres Zeichens Hofdame der Zarin und eine der Betreuerinnen des jungen Zarewitsch (Robert Duncan). Mit hypnotischen Kräften und seiner Manneskraft macht er sie sich gefügig, und bald steht er vor der Zarin (Renée Asherson) persönlich.

Wer würde diesen Augen widerstehen?

Die sexuelle Komponente zieht sich mehr oder minder deutlich durch viele Hammer-Produktionen, hier kommt sie umso expliziter zum Tragen, wenn sich Rasputin mit einer Gespielin ins Heu oder Bett verzieht. Mitte der 1960er-Jahre stand das Studio noch in voller Blüte, sodass selbst das vergleichsweise ungewöhnliche Sujet des Historiendramas gemeistert wurde. Rasputins wollüstiges Treiben und sein Streben nach Einfluss bürgen dafür, dass die anderthalb Stunden ohne einen Anflug von Langeweile wie im Fluge vergehen. Der so actionreiche wie dramatische Showdown tut sein Übriges dazu. Insgesamt ist dennoch zu konstatieren, dass „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ ohne Christopher Lee womöglich nur die Hälfte wert wäre.

Üppig ausgestattetes Mediabook

Anolis Entertainment hat das Werk in gewohnt üppiger Manier auf Blu-ray im Mediabook mit zwei Covervarianten gepackt, Mediabook-Verächter können auf eine Blu-ray im Softcase zugreifen, die alle digitalen Boni enthält. Darunter beispielsweise den Film auch im ursprünglichen CinemaScope-Format 2,55:1 – im Vergleich zu den 2,35:1 des Haupt-Features der Blu-ray. An der Bildqualität gibt es wie immer nichts auszusetzen. Beim Ton liegt die Original-Sprachfassung qualitativ deutlich vor der deutschen Synchronisation. Fans von Audiokommentaren werden gleich dreifach bedient: Zu zwei neuen mit bewährtem Personal – siehe unten – gesellt sich ein älterer mit den Darstellern Christopher Lee und Francis Matthews sowie den Darstellerinnen Barbara Shelley und Suzan Farmer. Ein 25-minütiges Making-of und ein viertelstündiges Featurette über Bücher zu Hammer-Filmen runden das Rundum-Sorglos-Paket ab. Englische Untertitel wären für mich das Tüpfelchen auf dem i gewesen, aber womöglich ist die Nachfrage in Deutschland nicht groß genug, dass sich der Zukauf oder die Produktion von diesen für Anolis rechnet. Sammler des Labels werden ohnehin bereits zugegriffen haben, und auch Freunden gepflegter Historien-Exploitation sei „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ empfohlen.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Christopher Lee sind in der Rubrik Schauspieler aufgelistet. Ein lesenswerter Text zu „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ findet sich auch bei den Kollegen von „Evil Ed“.

Sonia scheint etwas zu klammern

Veröffentlichung: 25. Januar 2019 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 19. August 2004 als DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Rasputin – The Mad Monk
GB 1966
Regie: Don Sharp
Drehbuch: Anthony Hinds (als John Elder)
Besetzung: Christopher Lee, Barbara Shelley, Richard Pasco, Francis Matthews, Suzan Farmer, Dinsdale Landen, Renée Asherson, Derek Francis, Joss Ackland, Robert Duncan
Zusatzmaterial: Filmfassung im Originalformat 2,55:1, Audiokommentar mit Christopher Lee, Barbara Shelley, Francis Matthews und Suzan Farmer, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Gerd Naumann, Audiokommentar mit Uwe Sommerlad und Volker Kronz, „Tall Stories: The Making of Rasputin – The Mad Monk“ (25:21), „Hammer Novelisations – Brought to Book“ (15:07), britischer Kinotrailer, US Double Feature Trailer, TV Spots, Bildergalerie, nur Mediabook: 28-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, nur Softcase: Wendecover
Label/Vertrieb Blu-ray: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb DVD: Anolis Entertainment GmbH / EMS GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 
 

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Brennender Tod – Die Hitze des Grauens

Night of the Big Heat

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Hoch im schottischen Norden auf der Insel Fara in der Bucht von Scapa Flow im Orkney-Archipel wundern sich die Einwohner über die tropischen Temperaturen von 40 Grad Celsius – weiter steigend. Im übrigen Land hingegen liegen die Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, was der winterlichen Jahreszeit entspricht.

Dr. Stone und Frankie Callum macht die Hitze zu schaffen

In der von den Eheleuten Frankie und Jeff Callum (Sarah Lawson, Patrick Allen) geführten Herberge „The Swan“ sammeln sich derweil die Gäste, darunter der freundliche Arzt der Gegend, Dr. Vernon Stone (Peter Cushing). Der verschlossene und mürrische Godfrey Hanson (Christopher Lee) ist mit seiner Kameraausrüstung in den Büschen unterwegs, was auch immer er dort abzulichten hofft. Die junge Angela Roberts (Jane Merrow) ist gerade als Sekretärin für Jeff Callum eingetroffen, der nicht nur als Gastronom arbeitet, sondern auch Bestsellerromane schreibt. Der Gute erlebt allerdings eine Überraschung, als er entdeckt, dass es sich bei seiner neuen Sekretärin um die Frau handelt, mit der er vor einiger Zeit eine stürmische Affäre hatte – und sie will ihn partout nicht aufgeben.

Tod eines Landstreichers

Zusätzlich zu den unnatürlichen Temperaturen irritiert ein immer wieder auftretendes Sirren die Menschen. Ein Landstreicher wird erstes Opfer einer unbekannten Bedrohung. Er bleibt nicht der einzige Tote. Bald haben die Temperaturen die 50-Grad-Marke überschritten, und Jeff Callum verdächtigt Godfrey Hanson, mehr über die unbekannte Bedrohung zu wissen.

Angela Roberts will Jeff Callum zurückerobern

Peter Cushing und Christopher Lee in der Besetzung, Terence Fisher auf dem Regiestuhl – das muss doch wohl eine Produktion von Hammer Films sein?! Mitnichten. Planet Film Productions war mir bis vor Kurzem kein Begriff, es handelt sich dabei wohl um einen Epigonen von Hammer Films, also eine Produktionsfirma, die im Fahrwasser des Erfolgsstudios auf „Horror Made in Britain“ setzte. Einiges erinnert daher nicht von ungefähr an Hammer Films, allen voran die sorgfältig in Szene gesetzten Sets. Der Science-Fiction-Anteil des Films mag als weniger Hammer-typisch angesehen werden, aber letztlich sind die „Frankenstein“-Filme des Studios im weiteren Sinne auch Science-Fiction – und „Schock – The Quatermass Xperiment“ sowieso. Dennoch grenzt sich der Plot schon etwas von den Hammer-Storys ab. Dem Booklet des Koch-Films-Mediabook entnahm ich die Information, dass Planet Film Productions mit „Brennender Tod“ an den Erfolg der vorherigen Produktion „Insel des Schreckens“ anknüpfen wollte – den Film hat Koch Films ebenfalls gerade als Mediabook veröffentlicht.

Sexszenen für die Franzosen

Das Publikum bekommt die Bedrohung lange Zeit nicht zu Gesicht. Wenn das Sirren an Lautstärke gewinnt und die bedauernswerten Opfer in gleißendes Licht gehüllt werden, bleibt die Kamera auf ihnen, ohne zu den Auslösern des tödlichen Angriffs zu wechseln. Dafür bekommen die zwischenmenschlichen Interaktionen der Bedrohten ihren Raum, was bisweilen einen Hauch aufgesetzt wirkt. So treibt beispielsweise die schwierige Dreiecks-Gemengelage zwischen den Callums und der neuen Sekretärin Angela die Handlung selbst kaum voran. Allerdings kann man dem entgegenhalten, dass die Hitze den Menschen zu schaffen und sie aggressiv macht, was der Beziehungsstress betont. Eine gewisse sexuelle Spannung in der Luft bringt da zusätzliches Knistern. Den Trivia der Internet Movie Database zufolge wurden für die französische Version des Films sogar zusätzliche Sexszenen mit Doubles gedreht, weil der französische Titel „La nuit de la grande chaleur“ („Die Nacht der großen Hitze“) schon mal per se zweideutig interpretierbar geriet.

Was weiß Godfrey Hanson (r.) über die Bedrohung?

Für einen Kritikpunkt muss ich in diesem Absatz ein wenig spoilern. Weshalb Godfrey Hanson die Natur der Bedrohung erkennt und mit seinen Vermutungen richtig liegt, wird wohl auf ewig das Geheimnis des Drehbuchs bleiben. Zudem gerät das einfallslose Ende enttäuschend, bei welchem die Überlebenden in den letzten Sekunden des Films ansatzlos vor der Bedrohung gerettet werden – Deus ex machina auf eher missratene Weise. Dennoch vermag „Brennender Tod“ zu fesseln, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als bei Hammer Films in jenen Jahren.

Mediabook von Koch Films

Ich mag das gegenüber Veröffentlichungen anderer Publisher kleinere Format der Koch-Films-Mediabooks – ein schönes Herausstellungsmerkmal. Das Booklet überzeugt mit fachkundigem Text von Christoph Huber, über den wir leider nichts erfahren, da ein kurzes Autorenporträt fehlt. Lobend erwähnt sei auch die Tatsache, dass der Publisher eigens einen neuen Audiokommentar in Auftrag gegeben hat. Grundsätzlich auf bekannt hohem Niveau produziert, fiel mir am Mediabook nur durch Zufall auf, dass der Covertext den Handlungsort Fara fälschlicherweise als „Kanalinsel“ verortet, aber das dürfte den meisten Käufern entgehen und ist für den Film auch irrelevant. An Bild- und Tonqualität gibt es nichts auszusetzen. „Brennender Tod“ schließt nicht zu den Glanzlichtern in den Karrieren von Terence Fisher, Peter Cushing und Christopher Lee auf, war aber kurzweilig anzuschauen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terence Fisher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Peter Cushing und Christopher Lee unter Schauspieler.

Auch Angela gerät in Gefahr

Veröffentlichung: 13. Juni 2019 als limitiertes 2-Disc Mediabook mit zwei Covermotiven (Blu-ray & DVD), 27. März 2008 als DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Night of the Big Heat
US-Titel: Island of the Burning Damned
GB 1967
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Ronald Liles, zusätzliche Szenen und Dialoge von Jane Baker und Pip Baker, nach einem Roman von John Lymington
Besetzung: Christopher Lee, Peter Cushing, Patrick Allen, Jane Merrow, Sarah Lawson, William Lucas, Kenneth Cope, Percy Herbert, Thomas Heathcote
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen, Volker Kronz und Uwe Sommerlad, Audiokommentar von Marcus Hearn, Christopher Lee und den Autoren Pip und Jane Baker, „British Legends of Stage and Screen – Sir Christopher Lee“ (Interview, 20:10), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph Huber
Label/Vertrieb: Koch Films
Label/Vertrieb 2008: EMS GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Koch Films

 
 

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