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Schlagwort-Archive: Christopher Lee

Der Gigant – Zack, Chuck, bumm!

An Eye for an Eye

Von Florian Schneider

Actionthriller // Drogenfahnder Sean Kane (Chuck Norris) und sein Partner sind in den Straßen von San Francisco (sic ;-)) einer großen Sache auf der Spur, doch ihr Informant Tony Montoya (Mel Novak), nicht zu verwechseln mit Tony Montana, dem Narbengesicht, lockt die beiden Undercover-Cops in eine Falle. Sekunden später ist Kanes Partner tot, also so richtig, denn er wird nacheinander angeschossen, von einem Auto angefahren und verbrannt! Als Kane an einem der Täter blutige Rache übt, nimmt ihn sich sein Chef, Captain Stevens (Richard Roundtree, „Shaft“) zur Brust. Doch statt sich, wie gefordert, vom Fall zurückzuziehen, quittiert Kane den Dienst und macht sich auf eigene Faust an die Aufklärung.

Der Undercover-Einsatz endet für Kanes Partner tödlich

Als die Reporterin Linda Chan (Rosalind Chao), Freundin von Kanes Partner, augenscheinlich von den gleichen Finsterlingen ermordet wird – auch sie recherchierte in dem Fall –, kommt ihr trauernder Vater, der Karategroßmeister James Chan (Mako Iwamatsu) mit ins Racheboot. Gemeinsam folgt das Gespann der Täterspur bis zum Fernsehsender des sinistren Chefredakteurs Morgan Canfield (Christopher Lee).

Um die schöne Landschaft zu genießen bleibt wenig Zeit …

Legendenstatus hin oder her, schauspielern konnte Chuck Norris natürlich noch nie. Eine gewisse Leinwandpräsenz ist dem erfolgreichen Kampfsportler aber bereits in den 70er- und 80er-Jahren, also bereits lange vor den Chuck-Norris-Memes, nicht abzusprechen und so erweisen sich bereits einige seiner frühen Action-Streifen als veritable Kassenschlager. Mit dem 1984 erschienenen Blockbuster „Missing in Action“ etablierte sich Norris endgültig als Action-Star, verdiente eine Million Dollar pro Film und wechselte 1993 schließlich zum Fernsehen, um dort als Texas Ranger Cordell Walker im Dauerbrenner „Walker, Texas Ranger“ die Hauptrolle zu übernehmen.

… denn Kane (Chuck Norris) hat alle Hände voll zu tun …

„Der Gigant“ zählt sicherlich noch zu den früheren Filmen des Karateweltmeisters, ist aber mit Christopher Lee und Richard Roundtree in den Nebenrollen ziemlich prominent besetzt. An der Kinokasse zahlte sich dies zwar nicht wesentlich aus, es verleiht dem ansonsten recht belanglosen Streifen aber wenigstens etwas Starglanz.

… um den finsteren Schergen ordentlich aufs Maul zu hauen

Erwähnenswert ist der Auftritt des Wrestlers Professor Toru Tanaka, von der Statur her der eigenliche Gigant des Films und neben Christopher Lee (nein, das ist kein Spoiler, sondern selbstverständlich) der zweite Endgegner des Films. Der Professor dürfte vor allem durch seine Rolle im Schwarzenegger-Streifen „Running Man“ (1987) als sadistischer Eishockeyspieler Subzero bekannt sein und erinnert frappierend an Harold Sakata, den legendären Bösewicht Oddjob aus „James Bond 007 – Goldfinger“ (1964). Sakata war allerdings Gewichtheber und nicht Wrestler und irgendwie auch cooler mit seinem fliegenden Zylinder.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Christopher Lee und Chuck Norris haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Der Professor ist ein harter Brocken

Veröffentlichung: 12. März 2020 als Limited 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 2 Covermotive)

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: An Eye for an Eye
USA 1981
Regie: Steve Carver
Drehbuch: James Bruner, William Gray
Besetzung: Chuck Norris, Christopher Lee, Richard Roundtree, Matt Clark, Mako, Maggie Cooper, Rosalind Chao, Professor Toru Tanaka, Stuart Pankin, Terry Kiser, Mel Novak
Zusatzmaterial: Audiokommentar, exklusive Interviews, Bildergalerie, Trailer, Booklet
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2020 by Florian Schneider
Szenenfotos & Packshot: © 2020 Koch Films

 

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Funny Man – Irre Konkurrenz für Chucky und den Leprechaun

Funny Man

Von Andreas Eckenfels

Horrorkomödie // „Haben Sie auch Staub gewischt?“, fragt der arrogante Musikproduzent Max Taylor (Benny Young) süffisant, nachdem er von Mitspieler Callum Chance (Christopher Lee) dessen alte Familienvilla in England beim Pokerspiel gewonnen hat. „Sie sind ein witziger Bursche, Mr. Taylor“, antwortet Chance, „aber ich kenne noch witzigere. Sie werden schon sehen …“

Mr. Chance verspielt seine Familienvilla

Während Max mit Gattin Tina (Ingrid Lacey) und den zwei Kindern zum Anwesen vorausfährt, macht sich sein Bruder Johnny (Matthew Devitt) in einem Lieferwagen mit ein paar Umzugskisten auf den Weg. Auf seiner Reise gabelt er ein paar seltsame Anhalter auf. Was die Gruppe bei ihrer Ankunft nicht ahnt: Max und Familie haben bereits unwissentlich einen mörderischen Harlekin (Tim Jones) im Haus zum Leben erweckt, der seine fröhlich-fiesen Spielchen mit den Neuankömmlingen treibt.

Dort treibt der Funny Man sein Unwesen

Eigentlich wollte der englische Regisseur Simon Sprackling mit ein paar Freunden Anfang der 1990er-Jahre für eine Handvoll britischer Pfund einen ernstzunehmenden Horrorfilm drehen, doch Tim Jones ging in seiner Rolle als Funny Man dermaßen irrsinnig ungezügelt auf, dass das ursprüngliche Konzept geändert wurde. Aus dem geplanten Schocker „Hand of Fate“ wurde die Horrorkomödie „Funny Man“. Dass während des Drehs, bei dem passenderweise unter anderem ein ehemaliges Irrenhaus als Kulisse diente, recht schnell auch das komplette Skript über Bord geworfen wurde, lag wohl auch am gesteigerten Alkohol- und Drogenkonsum aller Beteiligten. Weil auch immer wieder Crewmitglieder aus unterschiedlichen Gründen nur kurzfristig bei dem Projekt dabei sein konnten oder komplett absagten, war somit von den Filmemachern besonders eine Fähigkeit gefragt: großes Improvisationstalent!

Tina lernt gleich ihren neuen Mitbewohner kennen

Das fehlende Drehbuch merkt man „Funny Man“ jederzeit an. Viele Szenen wirken den Umständen entsprechend wild aneinandergereiht. Ein Großteil der Schauspielerleistungen ist nicht der Rede wert. Sprackling beweist auch bei Weitem nicht das inszenatorische Talent eines frühen Peter Jackson, dennoch schlägt sein Regiedebüt in seiner Machart in eine ähnliche Kerbe wie etwa „Bad Taste“ (1987): Die handgemachten Splattereffekte überzeugen im Rahmen des geringen Budgets und es gibt eine ordentliche Prise absurden Humors. Dazu zaubert Sprackling mit dem schon erwähnten Tim Jones, der die gelungene Maske voller Stolz trägt, ein urkomisches Ass aus dem Ärmel.

Irrer Harlekin in Action

Als Funny Man kennt Jones kein britisches Understatement und darf herrlich verrückt die Sau rauslassen: Der irre Harlekin spielt mit einem abgeschlagenen Kopf Fußball, lässt Max’ Tochter in Flammen aufgehen und ballert der Anhalterin Thelma (Rhona Cameron), die mit voller Absicht so wie Velma aus der „Scooby-Doo“-Zeichentrickserie kostümiert wurde, im wahrsten Sinne des Wortes das Hirn aus dem Schädel. Somit muss sich der Funny Man mit seinem blutigen Treiben nicht vor ähnlichen Killern wie dem Kobold Leprechaun oder der Mörderpuppe Chucky verstecken. Wenn Funny Man dann auch noch verschiedene Outfits trägt – ja, auch übergroße Gummibrüste sind dabei – und seine Opfer wie Freddy Krueger in surreale Traumwelten entführt, erkennt man, zu welch ungeahnten Kreativschüben Sprackling und Kollegen fähig waren, wenn sie zuvor nur ausreichend Flüssig- und Rauchwaren zu sich genommen hatten. Wie hätte die Horrorkomödie nur ausgesehen, wenn alle nüchtern ihren Job verrichtet hätten?

Christopher Lee kehrt zurück

Als „zielstrebig, enthusiastisch und professionell“ bezeichnet der große Christopher Lee auf jeden Fall die jungen Filmemacher in einem Interview, welches im Bonusmaterial zu finden ist. Simon Sprackling gelang es tatsächlich, Lee aus dem Horrorruhestand zurückzuholen. 22 Jahre habe er keinen Horrorfilm mehr gedreht, erzählt der „Dracula“-Star. Ob sich Lee hier vielleicht ein wenig verrechnet hat – man denke nur etwa an „Die Braut des Satans“ (1976) oder „Das Haus der langen Schatten“ (1983) – lassen wir mal dahingestellt. Das Skript zu „Funny Man“ sei überaus originell gewesen, außerdem wolle er junge Talente aus seinem Heimatland gern unterstützen, nennt er als Gründe für seine Zusage. Lees Gastauftritt wurde innerhalb eines Tages abgedreht. Viel zu tun hat er als Callum Chance nicht, aber alleine seine Präsenz adelt natürlich jeden Film – gerade auch Low-Budget-Produktionen und Erstlingswerke.

Deutschland-Premiere im Mediabook

Wie das erste Treffen zwischen Sprackling und Lee verlaufen ist, erfahrt ihr im Booklet des Mediabooks von Wicked-Vision Media. Bei dem mit einem großen Augenzwinkern geschriebenen Text handelt es sich diesmal um das persönliche Produktionstagebuch des Regisseurs, in dem er auch über etliche Eskapaden während des Drehs berichtet. Im Vereinigten Königreich genießt „Funny Man“ einen gewissen Kultstatus, was auch an der derben Sprache und den One-Linern des Harlekins begründet ist. Hierzu findet sich im Booklet ein kleines Wörterbuch mit Begriffserklärungen. Überhaupt ist die Deutschland-Premiere von „Funny Man“, der bislang hierzulande nur ab und an im TV zu sehen war, äußerst liebevoll gestaltet.

Der Harlekin liebt Verkleidungen …

Sogar den Copyright-Hinweis nach Einlegen der Blu-ray hat sich der lustige Kerl einverleibt. Und wer vom Titelsong und den restlichen Liedern nicht genug bekommen kann, für den liegt sogar der komplette Soundtrack mit 19 Tracks auf CD bei. Der Wicked Vision Distribution GmbH ist hier mit dem Segen von Regisseur Simon Sprackling wirklich die ultimative Edition von „Funny Man“ gelungen, bei der keine Wünsche offenbleiben. Wer Splatterkomödien mit einem Hang zu abseitigem Humor mag, sollte bei diesem limitierten 4-Disc-Mediabook zugreifen. Vielleicht habt ihr noch Glück und erhaltet im Online-Shop von Wicked Vision ein vom Regisseur signiertes Exemplar.

… und hochhackige Schuhe

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Christopher Lee haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 28. Februar 2020 als 4-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray, DVD, Bonus-DVD & Soundtrack-CD) in drei Covervarianten (A: 444 Exemplare, B & C: je 333 Exemplare)

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Funny Man
GB 1994
Regie: Simon Sprackling
Drehbuch: Simon Sprackling
Besetzung: Tim James, Christopher Lee, Benny Young, Ingrid Lacey, Pauline Black, Matthew Devitt, Chris Walker, Rhona Cameron
Zusatzmaterial: 24-seitiges Booklet mit Produktionsnotizen von Regisseur Simon Sprackling, Audiokommentar mit Regisseur Simon Sprackling und Darsteller Tim James, Vorwort von Regisseur Simon Sprackling, Making-of: „Sorting Funny Man“, Featurette: „Who the Fuck Is Tim Jones?“, Interview mit Simon Sprackling, Interview mit Christopher Lee, Outtakes, Deleted Scenes, „Hand of Fate” aka „The Funny Man“: Der Kurzfilm, Kurzfilm „Piss Artist”, Social Media Promo, Pop Promo, Originaltrailer, Trailer zu „Hand of Fate”, Artwork-Galerie, Bildergalerie, Soundtrack-CD mit dem Original Motion Picture Soundtrack zum Film (19 Tracks)
Label/Vertrieb: Wicked Vision Distribution GmbH

Copyright 2020 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & untere 3 Packshots: © 2020 Wicked Vision Distribution GmbH

 
 

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Horror für Halloween (XXIX): Draculas Rückkehr – Maigret fällt vom Dach

Dracula Has Risen from the Grave

Von Lars Johansen

Horror // 1958 hatten die Hammer-Studios den Vampirfürsten mit „Dracula“ zu neuem Leben erweckt. Christopher Lee war großartig, Peter Cushing als Van Helsing ebenso. Der kehrte schon 1960 zurück, in „Dracula und seine Bräute“, welcher aber ohne den echten Vampirgrafen auskommen musste. Dracula ruhte bis 1966, als ihn Terence Fisher in „Blut für Dracula“ auferstehen ließ. Lee hatte davor aber schon 1959 „Schlechte Zeiten für Vampire“ in Italien erlebt, 1961 im antiken Griechenland erneut, wo er in Mario Bavas „Vampire gegen Herakles“ einen bissigen König gegeben hatte. Nachdem Hammer ihm nach seinem ersten Tod als Vampir immerhin acht Jahre Ruhe zugebilligt hatte, musste er jetzt schon nach nur zwei Jahren wiederauferstehen und dann in immer kürzer werdenden Abständen bis 1973 noch viermal. Die erste dieser fast schon seriellen Produktionen war „Draculas Rückkehr“ von 1968.

Geläute(r)t

Die Handlung knüpft nahezu direkt an „Blut für Dracula“ an, wo Dracula in seinem Schloss in der Nähe von Karlsbad im Eis versunken und ertrunken ist. Können Vampire eigentlich ertrinken? Natürlich nicht, ein paar Tropfen Blut von der Hand des Dorfpfarrers reichen aus, um ihn erneut zu erwecken. Schuld daran ist eigentlich Monsignore Ernst Müller (Rupert Davies), der aus dem fernen Keinenberg angereist ist, um sich die Kirchen im Lande anzusehen. In Karlsbad (oder wie auch immer der Ort jetzt heißt) ist das Gotteshaus nicht nur leer, Pfarrer und Bevölkerung halten sich sogar während des Gottesdienstes im Wirtshaus auf. Schuld sei der Schatten Draculas, und so macht sich der Monsignore mit dem überforderten Priester auf zum Schloss, um das Gemäuer mit einem großen Kreuz für alle Zeiten für den Vampir zu versiegeln. Dabei kommt es während eines Unwetters zu dem besagten Unfall, der den Vampir wieder auferstehen lässt. Mit dem eher unwilligen Priester als Diener im Schlepptau folgt Dracula dem Monsignore bis nach Keinenberg, wo er sich an dessen Nichte (Veronica Carlson) labt. Nebenbei vampirisiert er die örtliche Kellnerin und tötet auch den Monsignore. Aber da ist ja auch noch Paul (Barry Andrews), der Freund der Nichte. An ihm ist es nun, den Vampir endgültig zu vernichten.

Vom Eise befreit

Die Handlung ist nicht wirklich überraschend und es ist klar, ohne groß zu spoilern, dass es für Dracula am Ende nicht gut ausgeht. Auch wenn er diesmal nach nur zwei Jahren gleich in zwei Filmen, „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ und „Dracula – Nächte des Entsetzens“, erneut sterben durfte. Man merkt „Draculas Rückkehr“ an, dass die guten alten Zeiten von Terence Fisher vorbei sind. Vieles hier wirkt standardisiert, wenn auch auf hohem Niveau. Es sind die Kleinigkeiten, die zeigen, dass anders gearbeitet wird. Wenn der Kirchendiener in der ersten Szene sein Fahrrad vor dem Kirchentor hinwirft, ist es verschwunden, wenn der Priester die Kirche kurz danach betritt. Entweder ist Karlsbad die Hauptstadt der Fahrraddiebe oder man hat ein wenig bei der Kontinuität geschlampt. Nun ist Freddie Francis beileibe kein schlechter Regisseur, als Kameramann hat er sogar zwei Oscars erhalten, und in den Vorjahren hatte er für Hammer ein paar schöne, altmodische, schwarz-weiße Thriller („Ein Toter sucht seinen Mörder“, „Haus des Grauens“ und „Der Satan mit den langen Wimpern“) gedreht, die alle unbedingt sehenswert sind. Dabei versuchte er, seinem großen Vorbild James Whale („Frankenstein“, „Der Unsichtbare“) nachzueifern. Und obwohl er eigentlich nur in Schwarz-Weiß filmt, auch wenn er in Farbe dreht, wie er selbst sagt, so ist er doch hier in der Farbgestaltung sehr originell und innovativ. Immer wenn Dracula erscheint, wird der Auftritt, der dadurch erst zum echten Auftritt wird, von fast schon psychedelischen Farbspielen begleitet, die trotzdem eine angenehme Dezenz ausstrahlen.

Trinkspiele

Ein wenig vermisst man Peter Cushing, der aber von Rupert Davies ausgezeichnet vertreten wird. Er und Lee waren sich im Vorjahr in „Die Pagode zum fünften Schrecken“ begegnet und hatten 1968 auch noch „Die Hexe des Grafen Dracula“ überstanden, wo aber von Dracula weit und breit nichts zu sehen war. Davies war Anfang der 60er-Jahre vor allem als „Kommissar Maigret“ in der gleichnamigen Fernsehserie bekannt geworden, einer Rolle, in der er sogar von Maigret-Erfinder Georges Simenon als ideale Besetzung gelobt wurde. Sein Monsignore Ernst Müller ist glaubwürdig als liebevoller Onkel und jovialer Kirchenmann, der trotzdem nach strengen Regeln lebt, handelt und von anderen erwartet, dass sie diese ebenfalls einhalten. Sein relativ früher Tod ist wirklich ein Verlust, denn Barry Andrews („In den Krallen des Hexenjägers“) als jugendlicher Held gewinnt nur wenig Profil. Ihm war dann auch keine große Karriere beschieden.

Bettspiele

Auch Veronica Carlson, die für Hammer noch zwei Frankenstein-Filme drehen würde, blieb eher farblos. Sie kommt leider nicht über die Rolle einer hübschen Dreingabe hinaus, ihre Seelenqual bleibt Behauptung. Der Priester, der am Ende im Angesicht der Not seinen Glauben wiederfindet, wird von Ewan Hooper eher unauffällig gestaltet. Bleibt also nur Christopher Lee, der wunderbar dämonisch wirkt, aber den charmanten Verführer völlig unter den Tisch fallen lässt. Eher spielt er seinen Dracula wie ein tollwütiges Tier, das sich nur mit den allernötigsten Dialogfetzen verständigt und alles andere über reine Gewalt regelt. Er macht wirklich Angst. Aber warum ihm die Frauen verfallen, bleibt letztlich unklar.

Falsches Zimmer, Herr Pfarrer

An all diesen Dingen ist das Drehbuch nicht ganz unschuldig. Das hatte Anthony Hinds routiniert unter seinem Standard-Hammer-Pseudonym John Elder verfasst. Hinds produzierte einen Großteil der Hammer-Produktionen mit, bis er sich Ende der 60er-Jahre auf Druck von außen von diesem Posten zurückziehen musste. In dieser Phase scheint das Drehbuch entstanden zu sein, dem eine gewisse Lustlosigkeit nicht ganz abzusprechen ist. Dazu kommen Unwahrscheinlichkeiten, die dem Ergebnis auch nicht bekommen sind. So kann sich Dracula auf einmal einen Pfahl aus seinem Herzen ziehen, weil beim Vorgang des Pfählens keine Gebete gesprochen wurden. Dafür stürzt er am Ende über die Mauerbrüstung seines Schlosses direkt auf das anscheinend nur dafür bereit stehende Kreuz. Und wenn der jugendliche Held erst ein langweiliges und unsinniges Trinkspiel über sich ergehen lassen muss und später seine Geliebte in dem doch eher übersichtlichen Keller der Gaststätte sucht, dann sieht man deutlich, dass Zeit geschunden werden soll, was dem Tempo des Films nicht bekommt.

Ein Mann sieht rot

Alles in allem bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Schöne Momente stehen neben eher öden, unsinnige Handlungelemente neben atmosphärisch sehr gelungenen und zwei exzellente Schauspieler vor einem farblosen Ensemble. Man spürt schon, dass hier eine Serie droht, der Erfolg stellte sich zwar noch einmal ein, aber die nachfolgenden Produktionen fanden nur noch schwer ihr Publikum. Kein Wunder, denn in einem Jahr, dass „2001 – Odysse im Weltraum“ und „Rosemarys Baby“ hervorgebracht hatte, aber mit Jean Rollins „Die Vergewaltigung des Vampirs“ und George A. Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ auch eine ganz andere, neue Ästhetik des Schreckens, musste ein altmodischer Vampir wie das Relikt einer vergangenen Zeit wirken.

Zwei Männer sehen röter

Die Veröffentlichung von Anolis Entertainment beziehungsweise in der Neuauflage der Blu-ray Studio Hamburg Enterprises ist sehr solide geraten, wie man es vom Label gewohnt ist. Die Extras sind ordentlich, nur mit dem Audiokommentar tue ich mich mal wieder ein wenig schwer. Die Kompetenz von Uwe Sommerlad wird immer wieder durch wenig zielführende Fragen und Anmerkungen von Dr. Rolf Giesen unterlaufen. Wer sich mit Hammerfilmen auskennt, kann vielleicht zusätzlichen Nutzen daraus ziehen, alle anderen dürften eher ein wenig verwirrt werden.

Wem die Stunde schlägt

Das Mediabook von 2018 ist im Handel sogar noch zu finden, Sammler sollten aber nicht zu lange warten. Es enthält mehr Bonusmaterial und wie gewohnt ein informatives Booklet, wobei auch hier ein Kritikpunkt ins Auge fällt: Es erscheint suboptimal, dass Anolis fürs Booklet zwei Autoren verpflichtet, beiden aber außer „Schreibt mal etwas über den Film und die Entstehung“ anscheinend keine Vorgaben macht und die beiden sich offenbar auch nicht absprechen. Trotzdem lohnt ein Kauf unbedingt – ob im Amaray-Case oder dem etwas teureren Mediabook-Format sei jedem Sammler selbst überlassen. In besserer Qualität wird man „Draculas Rückkehr“ in Deutschland schwerlich zu Gesicht bekommen.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Freddie Francis sind unter Regisseure zu finden, Filme mit Christopher Lee in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 27. September 2019 als Blu-ray, 31. Oktober 2018 als Blu-ray im limitierten Mediabook (drei Covervarianten) und Blu-ray, 24. September 2004 als DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Dracula Has Risen from the Grave
GB 1968
Regie: Freddie Francis
Drehbuch: Anthony Hinds (als John Elder)
Besetzung: Christopher Lee, Rupert Davies, Veronica Carlson, Barry Andrews
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, Dokumentation „Dracula – The Antichrist“, Dokumentation „Composing for the Count“, britischer Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, britische Ad Card, britischer und deutscher Werberatschlag, Filmprogramm, Bildergalerie, 24-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Lars Dreyer-Winkelmann
Zusatzmaterial 2019: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, englischer und deutscher Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie mit Musik
Label/Vertrieb 2019: Studio Hamburg Enterprises
Label 2018: Anolis Entertainment GmbH
Vertrieb 2018: Studio Hamburg Enterprises
Label/Vertrieb 2004: Warner Home Video

Copyright 2019 by Lars Johansen

Szenenfotos & Packshots: © Anolis Entertainment GmbH / Studio Hamburg Enterprises

 

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