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Die Eiskönigin II – Elsa zaubert wieder Eis und Schnee

Frozen II

Kinostart: 20. November 2019

Von Iris Janke

Computertrick-Abenteuer // Ganze sechs Jahre hat es gedauert, bis zu Disneys überaus erfolgreichem „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ von 2013 (weltweites Einspielergebnis knapp 1,3 Milliarden Dollar) der zweite Teil erschienen ist. Dass eine Fortsetzung kommt, war klar – die Möglichkeit, noch einmal mit Kinobesuchern und jeder Menge Merchandising-Produkten so richtig Kasse zu machen, hätte sich wohl keine Filmproduktionsfirma entgehen lassen.

Gute Freunde: Rentier Sven und Schneemann Olaf

Aber: Was soll ich sagen, das lange Warten hat sich gelohnt. Die bekannten liebevollen Figuren sind wieder an Bord. Natürlich die ungleichen Schwestern Elsa und Anna, der sprechende Schneemann Olaf (deutsche Stimme: Hape Kerkeling), Rentier Sven und der attraktive Kristoff. Getreu dem Motto „Never Change a Winning Team“, hat Disney bei der Regie auf das bewährte Duo Chris Buck und Jennifer Lee gesetzt. Ergebnis erneut: ein gelungener, äußerst professionell inszenierter Animationsfilm in zauberhafter Kulisse.

Was würde Anna nur ohne den Schneemann Olaf tun?

Auch die Story ist keineswegs mit heißer Nadel gestrickt: Die ältere Elsa ist nach dem Tod ihrer Eltern Königin von Arendelle. Dann bedroht ein eigenartiger böser Zauber die idyllische, ruhig scheinende Fjordlandschaft. Elsa fühlt sich magisch von einer geheimnisvollen Stimme angezogen, die ein Unheil für das Königreich ankündigt. Um Arendelle zu schützen, folgt sie mit ihrer Schwester Anna deren Freund Kristoff, dem Rentier Sven und dem Schneemann Olaf dem Ruf der Stimme in den Wald. Erneut nutzt Elsa ihre Fähigkeit, mit den Händen Schnee und Eis zu zaubern …

Dunkle Wolken über der Idylle – ein böser Zauber?

Positiv: „Die Eiskönigin II“ ist, wie schon der erste Teil, nicht nervig mit Gesangseinlagen überfrachtet. Der Oscar-prämierte Ohrwurm „Let It Go“ aus dem überaus erfolgreichen Soundtrack des ersten Teils muss natürlich sein (deutsche Version: „Ich lass los“). Trotzdem begleiten und unterstreichen die Lieder eher sinnvoll den Inhalt des Films. Der Zuschauer hat keineswegs den Eindruck, dass das allseits gefürchtete „Kasse machen“ im Vordergrund steht, fühlt sich einfach gut unterhalten.

Ein starkes Team: Elsa, Anna, Kristoff und Rentier Sven (v. l.)

Natürlich wendet sich auch „Die Eiskönigin II“ vor allem an das jüngste Kino-Publikum. Die Kinder, die ihre Eltern in den ersten Teil hineingezerrt und diese danach um Merchandising-Produkte angebettelt haben, fühlen sich inzwischen vielleicht zu alt dafür. An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass dem Thema Liebe (zwischen Prinzessin Anna und Kristoff) nun inhaltlich mehr Platz zugestanden wird und auch die Witze von Schneemann Olaf irgendwie erwachsener wirken – somit eventuell doch nicht nur etwas für die Jüngsten.

Vielleicht haben die Kinder, aus denen nun Teenager geworden sind, inzwischen jüngere Geschwister und „Die Eiskönigin II“ erreicht ein ganz neues, junges Publikum. Zu wünschen wäre es der aufwendigen, sorgfältig gestalteten Disney-Produktion jedenfalls. Lehrreiche Botschaft des Films: Mut, Vertrauen und Völkerverständigung lohnen sich.

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Frozen II
USA 2019
Regie: Chris Buck, Jennifer Lee
Drehbuch: Jennifer Lee, nach Motiven eines Märchens von Hans Christian Andersen
Originalsprecher: Kristen Bell, Jonathan Groff, Evan Rachel Wood, Jason Ritter, Idina Menzel, Sterling K. Brown, Josh Gad, Alan Tudyk, Rachel Matthews, Jeremy Sisto, Ciarán Hinds, Alfred Molina, Martha Plimpton, Mattea Conforti, Hadley Gannaway
Verleih: Walt Disney Motion Pictures Germany GmbH

Copyright 2019 by Iris Janke

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2019 Disney. All rights reserved

 

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Elizabeth Harvest – Gefährliche Neugierde

Elizabeth Harvest

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Frisch verheiratet fährt der geniale Wissenschaftler Henry (Ciarán Hinds) seine wesentlich jüngere und bildhübsche Braut Elizabeth (Abbey Lee) in sein luxuriöses Anwesen in den Bergen. Hier wird es Elizabeth an nichts mangeln, wie ihr Ehemann ihr erklärt, auch die beiden Hausangestellten Claire (Carla Gugino) und der blinde Oliver (Matthew Beard) stehen ihr zur Verfügung. Teure Kunstwerke, edle Weine, schicke Kleider und viele weitere Kostbarkeiten warten in diesem modernen Märchenschloss auf sie. Elizabeth ist überwältigt von all dem Prunk. Henrys Hausführung endet schließlich an einer verschlossenen Kellertür: „Der einzige Raum, den du nicht betreten darfst, ist dieser Raum. Versprichst du mir, ihn nicht zu betreten?“ Natürlich verspricht sie es.

Frisch verheiratet: Elizabeth und Henry

Doch es kommt, wie es kommen muss: Elizabeth kann ihrer Neugierde nicht lange widerstehen. Was hat ihr Gatte zu verheimlichen? Sie könnte einfach ihren Daumen auf den Sensor drücken, schon wäre die Tür offen. Und so passiert es: Als Henry auf einer Geschäftsreise weilt, betritt Elizabeth den verbotenen Raum – und traut ihren Augen nicht …

Das Märchen vom „Blaubart“

Regisseur und Drehbuchautor Sebastian Gutierrez macht öffentlich keinen Hehl daraus, welches bekannte Märchen ihn zum Schreiben von „Elizabeth Harvest“ inspirierte: „Blaubart“ vom Franzosen Charles Perrault, welches 1697 veröffentlicht wurde. Auch im Interview mit Deadline-Autor Nando Rohner, welches im Mediabook von capelight pictures zusammen mit einigen Szenenbildern abgedruckt wurde, bestätigt er seine Faszination für die zeitlose Botschaft des Stücks: „Viele Geschichten bis hin zu jener von Adam und Eva vermitteln eine Botschaft, die besagt, dass, wenn eine Frau Fragen stellt oder Wissen sucht, die Männer deswegen vollkommen durchdrehen. Gerade dies finde ich eine großartige Basis für eine Geschichte, weil diese Schwäche der starken Männer zeitlos ist.“

Was verbirgt sich hinter der Tür im Keller?

Wer also das Märchen „Blaubart“ kennt, was nicht wenige sein dürften, kann sich denken, was Elizabeth hinter der Kellertür findet und welche Konsequenzen ihr Handeln haben kann, wenn sie kurze Zeit später von Henry mit einer Machete durchs Haus gejagt wird. Doch dies ist nur der Anfang von Gutierrez’ Geschichte, die immer wieder mit neuen Wendungen aufwartet, von denen einige vorhersehbar und andere äußerst überraschend daherkommen. Damit sein mysteriöses modernes Märchen lange die Spannung aufrechterhält, springt er auch einmal einige Jahre in der Zeit zurück, um uns über die Hintergründe von Henry und seinen sinisteren Hausangestellten aufzuklären und seinen Figuren so mehr Tiefe zu verleihen.

Traumähnliches Kammerspiel

Das abgeschieden gelegene Anwesen und die gerade mal fünf Figuren – zu den bereits genannten Darstellern stößt Dylan Baker als Polizist Logan – ist natürlich wie gemacht für ein rätselhaftes kleines Kammerspiel, welches Gutierrez äußerst elegant in Szene gesetzt hat. Neben der stilvollen Ausstattung des Hauses hervorzuheben: Er nutzt mitunter Splitscreen-Technik und Spiegeleffekte und hüllt die ganze Leinwand in grelle Farbpaletten, wie sie auch aus einem Werk von Dario Argento stammen könnten. Wenn dann in der traumähnlichen Erzählung Fragen nach Identität, Liebe und Narzissmus angerissen werden, kann auch nicht wie so häufig von einem Fall von Stil über Substanz gesprochen werden.

Elizabeth hätte die Tür nicht öffnen sollen

Das schauspielernde Model Abbey Lee („The Neon Demon“) mag anfangs in seiner Darstellung noch etwas affektiert wirken, dies liegt aber in der Rolle begründet. Carla Gugino („San Andreas“, „Spuk in Hill House“) ist die langjährige Freundin des Regisseurs. Der Venezolaner drehte mit ihr unter anderem auch „Judas Kiss“ (1998) und „Women in Trouble“ (2009). Die Werke, die auf seinen Drehbüchern beruhen, sind da wesentlich bekannter und lassen auch eine Parallele zu „Elizabeth Harvest“ erkennen: Sowohl in „Gothika“ (2003) als auch in „The Eye“ (2008) hat er mit Halle Berry beziehungsweise Jessica Alba zwei weibliche Hauptfiguren, die er langsam in den Wahnsinn treibt. Aber Gutierrez zeigt in seinem Schaffen ein breites Spektrum: Am Skript zu „Snakes on a Plane“ (2006) schrieb er ebenfalls mit. Nun fügt sich ein weiterer stilvoller Horrorthriller mit gelungenen Mystery-Elementen passend in seine Filmografie ein.

Das Haus wird für Elizabeth zum goldenen Käfig

Veröffentlichung: 25. Januar 2019 als 2-Disc Limited Edition im Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 109 Min. (Blu-ray), 104 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Elizabeth Harvest
USA 2018
Regie: Sebastian Gutierrez
Drehbuch: Sebastian Gutierrez
Besetzung: Abbey Lee, Ciarán Hinds, Carla Gugino, Matthew Beard, Dylan Baker
Zusatzmaterial: Making-of, Kinotrailer, Trailershow, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet mit einem Interview von Nando Rohner mit Regisseur Sebastian Gutierrez
Vertrieb: capelight pictures

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & Packshots: © 2019 capelight pictures

 

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Silence – Das Schweigen Gottes

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Silence

Kinostart: 2. März 2017

Von Andreas Eckenfels

These people are the most devoted of God’s creatures on earth. Father Valignano, I confess, I began to wonder. God sends us trials to test us, and everything He does is good. And I prayed to undergo trials, like his Son. But why must their trial be so terrible? And why, when I look in my own heart, do the answers I give them seem so weak? (Sebastião Rodrigues)

Religionsdrama // Nach einer Sondervorführung seines Skandalfilms „Die letzte Versuchung Christi“ in New York überreichte Erzbischof Paul Moore Martin Scorsese 1988 ein Exemplar des historischen Romans „Schweigen“ des japanischen Autors Shūsaku Endō (1923–1996). Das Werk hinterließ einen tiefen Eindruck beim Meisterregisseur: Das Thema, das Endō hier behandelt, ist in meinem Leben seit meiner frühesten Jugend präsent. Ich wurde in einer streng katholischen Familie groß und beschäftigte mich stark mit Religion. Die Spiritualität des römischen Katholizismus, in die ich als Kind eintauchte, ist das Fundament meines Lebens, und diese Spiritualität hing mit dem Glauben zusammen. Scorseses vorige Versuche, den Stoff zu verfilmen, scheiterten meist an der Finanzierung. Erst mehr als 25 Jahre nachdem der Regisseur den Roman erstmals in den Händen hielt, sollte er die Adaption endlich realisieren.

Verschollen in Japan

Im Jahr 1638 brechen Pater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garpe (Adam Driver) von Portugal nach Japan auf. Dort wollen die beiden Jesuiten nach ihrem verschollenen Lehrer und Mentor Christovão Ferreira (Liam Neeson) suchen, der als christlicher Missionar nach Fernost reiste und dort seinem Glauben abgeschworen haben soll. Vom Christentum sei er zum Buddhismus übergetreten und habe eine Japanerin geheiratet.

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Die jungen Pastoren Sebastião Rodrigues (r.) und Francisco Garpe suchen in Japan nach ihrem Mentor Ferreira

Doch in Japan dürfen die jungen Pastoren keinen warmen Empfang erwarten. Es ist die Zeit der Shimabara-Aufstände. Christen werden von den Machthabern gnadenlos verfolgt, gefoltert und getötet, da die zunächst geduldete fremde Religion zunehmend als Gefahr für die Shōguns angesehen wird. Schon der Besitz eines Kruzifixes kann den Tod bedeuten. Der christliche Glauben ist besonders beim einfachen Volk verbreitet. So werden Rodrigues und Garpe von Bauern versteckt gehalten, die als Kakure Kirishitan ihren Glauben im Verborgenen ausüben müssen. Ständig in Gefahr entdeckt zu werden, machen sich die Jesuiten auf die Spurensuche nach ihrem einstigen Lehrmeister.

Quälende Fragen, brutale Folter

Der später im Verlauf der Handlung in Gefangenschaft geratene Rodrigues, aus dessen Perspektive ein Großteil des Films erzählt wird, setzt sich mit tiefgreifenden Glaubensfragen auseinander. Die quälendste Frage dabei: Warum schweigt Gott zu diesen Zuständen und diesem Leid? So eine Brutalität, mit der die japanischen Machthaber gegen die Christen vorgehen, hat der junge Pastor noch nicht erlebt. Und Scorsese spart dabei nicht mit grausamen Details: Menschen werden an Kreuze gehängt, ihre nackten Körper mit heißem Wasser übergossen oder sie werden kopfüber in eine Grube gesteckt. Wenn sie nach all den Qualen nicht dem Christentum entsagen, werden auch ihre Angehörigen bei lebendigem Leibe verbrannt. Das ist schwer zu ertragen. Dennoch muss man Scorsese zugutehalten, dass er diese Szenen nicht bis zur letzten Konsequenz ausschlachtet. Er dokumentiert lediglich die Zustände dieser Zeit. Auch die Japaner werden nicht als Monster gezeichnet; Scorsese betrachtet ihre Taten und Gründe stets so objektiv, wie ihm das möglich ist.

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Verboten: Rodrigues und Garpe halten für christliche Bauern eine geheime Messe ab

Um den Grausamkeiten zu entgehen, genügt ein Schritt, der sich für Nichtgläubige einfach anhört, für gläubige Christen aber die eigentliche Folter darstellt, weil sie damit eines ihrer heiligsten Sakrilege begehen: Wenn sie den nackten Fuß auf ein Abbild von Jesus Christus stellen, entsagen sie damit ihrer Religion und dürfen auf Begnadigung hoffen. Erst, wenn Rodrigues nach etwa zweistündiger Laufzeit endlich auf Ferreira trifft, kann der Jesuit auf mögliche Antworten auf seine drängendsten Fragen hoffen.

Reale Vorbilder

Schon die Romanvorlage, die in Japan zum Besteller avancierte, basierte auf der wahren Geschichte von Cristóvão Ferreira (1580–1650), der seinen Glauben ablegte. Auch die Figur Sebastião Rodrigues ist angelehnt an einen italienischen Jesuiten: Giuseppe Chiara (1602–1685), der als Missionar in Japan tätig war. Wie von Scorsese gewohnt, packt er sein mediatives Glaubensdrama und den spannenden historischen Kontext in mächtige Bilder, für die Kameramann Rodrigo Prieto eine Oscar-Nominierung erhielt. Das karge Leben der einheimischen Christen, die die Pastoren begeistert aufnehmen, ist beeindruckend eingefangen. Endlich, nachdem sie so viel Leid erfahren haben, können sie wieder Predigten lauschen und ihre Sünden beichten – auch, wenn dies nur im Verborgenen stattfinden darf. Muss man also mächtige Kirchen bauen, wenn der ganze Glaube sich vornehmlich im eigenen Geist abspielt?

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Rodrigues (l.) nimmt Kichijiro die Beichte ab

Für die rauhen Naturaufnahmen wurde als Drehort allerdings nicht Japan gewählt, sondern Taiwan. Passend zum Titel entschied man sich für einen ruhigen Soundtrack, der sich häufig auf die Umweltgeräusche beschränkt.

Harte Geduldsprobe

Nach einer hervorragenden ersten Hälfte stellt Scorsese die Geduld der Zuschauer zunehmend auf die Probe. Besonders Nichtgläubige könnten Rodrigues‘ spirituellen Überlebenskampf, seine Zweifel an sich selbst und an Gottes Existenz als zu ausufernd und Garfields mit sanfter Stimme vorgetragene Voice-overs als zunehmend ermüdend empfinden. Die Motive wiederholen sich: Während draußen Christen zu Tode gefoltert werden, sitzt der Jesuit grübelnd mit seinen Gedanken und Gebeten beschäftigt in seinem Gefängnis. Rodrigues selbst könnte das sinnlose Töten verhindern, wenn er nur seinen Fuß auf das Heiligenbild stellt. Ist er also ein Egoist, weil er nichts dagegen tut, oder ist dies seine Prüfung, die ihm von Gott auferlegt wurde? Der eigene Glaubenskampf und die Suche nach religiöser Wahrheit sind zwar die zentralen Punkte der Geschichte, aber eine etwas kürzere Laufzeit hätte „Silence“ dennoch gutgetan. Hier hat sich Scorsese wohl etwas zu sehr in die Leidenschaft zum Ausgangsmaterial und den eigenen Überlegungen über seinen Glauben verrannt.

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In Gefangenschaft zweifelt Rodrigues zunehmend an seinem eigenen Glauben

Auf seine Darsteller kann sich Scorsese verlassen. Nach seinem Oscar-nominerten Auftritt in „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ spielt Andrew Garfield erneut einen zutiefst religiösen Menschen, der für und mit seinem Glauben kämpft. Wie sein Partner Adam Driver („Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“) gab Garfield auch körperlich alles für die Rolle: Beide magerten für den Film mehrere Dutzend Kilos ab. Den stets verlässlichen Liam Neeson kannte Scorsese schon von ihrer gemeinsamen Arbeit an „Gangs of New York“ (2002). Neeson konnte in seine Figur sicherlich auch sein Wissen aus „The Mission“ einbringen, in dem er ebenfalls einen missionarischen Jesuiten spielte.

Glauben und Zweifel

2007 schrieb Scorsese für die englische Ausgabe des Romans ein Vorwort, in dem er auch sein eigenes Glaubensbekenntnis und die Faszination des Stoffes darstellt: Das Christentum gründet sich auf den Glauben. Aber wenn man seine Geschichte studiert, so zeigt sich, dass es sich ständig neu anpassen musste – und stets mit enormen Schwierigkeiten kämpft, wenn es als Glauben weiter gedeihen will. Das ist ein Paradox, das sehr quälend sein kann. Auf den ersten Blick stehen Glauben und Zweifel im Gegensatz zueinander. Und doch glaube ich, dass sie Hand in Hand gehen. Der eine nährt den anderen. Aus Zweifel mag große Einsamkeit entstehen, aber wenn er mit dem Glauben eine Koexistenz eingeht – dem wahren, beständigen Glauben – dann kann er ein überaus freudenvolles Gemeinsamkeitsgefühl bringen. Und genau diesen schmerzvollen Prozess – von Sicherheit über die Einsamkeit bis hin zur Gemeinsamkeit – versteht Endō so gut.

Es handelt sich übrigens nicht um die erste Verfilmung von Endōs Roman. Bereits 1971 – gerade mal fünf Jahre nach Veröffentlichung des Bestsellers – entstand „Chinmoku“ des japanischen Regisseurs Masahiro Shinoda, für den Endō auch das Drehbuch beisteuerte. Der Film ist unter dem Titel „Silence“ vom britischen Label Eureka! in deren „Masters of Cinema“-Reihe auf DVD erschienen.

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Liefert Ferreira (r.) die nötigen Antworten auf Rodrigues quälende Fragen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Martin Scorsese sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Adam Driver und Liam Neeson in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 162 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Silence
USA 2016
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Martin Scorsese, Jay Cocks, nach dem Roman „Schweigen“ von Shūsaku Endō
Besetzung: Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Tadanobu Asano, Ciarán Hinds, Yōsuke Kubozuka, Yoshi Oida, Shin‘ya Tsukamoto
Verleih: Concorde Filmverleih

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Concorde Filmverleih

 

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