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A Quiet Place 2 – Die leisen Überlebenden gehen in die zweite Runde

A Quiet Place Part II

Kinostart: 24. Juni 2021

Von Iris Janke

Horrorthriller // Zunächst schien es, als würde sich „A Quiet Place 2“ von Regisseur, Drehbuchautor und Produzent John Krasinski („Jack Ryan“, „The Office“) in die Reihe der üblichen zweiten Teile eines erfolgreichen US-Kinofilms einreihen. Vielleicht erwartungsgemäß etwas schlechter, weil es ein zweiter Teil mit einer an den ersten Teil anschließenden Filmhandlung meist schwer hat, sein Publikum zu überraschen. Nur wenigen zweiten Teilen gelingt dieses Kunststück, „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ vielleicht, „Stirb Langsam 2“ hingegen hat es, meiner Meinung nach, leider nicht geschafft. Der ist zwar auch gut, dennoch überrascht die Fortsetzung nicht so sehr wie der erste Teil.

Letzte Pressevorführung vor dem Corna-Shutdown

In diesem zweiten Teil ist alles anders: Ich erinnere mich noch sehr genau an den 10. März 2020 (!), den Tag der Pressevorführung in Köln – „A Quiet Place 2“ war meine letzte Pressevorführung, bevor die Kinos geschlossen und damit sämtliche Pressevorführungen und Starttermine verschoben wurden. Die Vorstellung fand im wirklich schönen Kölner Programmkino „Residenz“ statt und war brechend voll. Jede Menge eingeladener Kollegen standen dicht gedrängt auf der Treppe, die in den oberen Saal führt. Es war so voll, weil jeder Pressevertreter noch eine Person mitbringen durfte. Vom neuartigen Corona-Virus und der Krankheit Covid-19 hatte ich bislang nur in Verbindung mit China gehört. Alle schienen sich beim Einlass geistig schon auf die in ein paar Tagen anstehende Kinokritik einzustellen. Dann kann alles anders – schon drei Tage später …

Auf der Suche nach einem Versteck: Familie Abbott

Bald darauf wurde „A Quiet Place 2“ auf den September 2020 verschoben, im August dann sogar auf den April des Folgejahres. Unter normalen Umständen hätte man also vermutlich auch dieses Sequel zu den eher soliden und insofern „normalen“ zweiten Teilen gezählt: Die Handlung schließt nahezu nahtlos an an „A Quiet Place“ (2018) an. Vater Lee Abbott (Regisseur John Krasinski) starb im ersten Teil, also ohne jede Chance auf Rückkehr. Mutter Evelyn (Krasinskis echte Ehefrau Emily Blunt, „Sicario“) musste am Ende des ersten Teils wegen der ebenso Geräusch-empfindlichen wie mörderischen Monster beinahe lautlos ihr drittes Kind gebären. Zu Beginn des zweiten Teils nun scheint für die Mutter und ihre drei Kinder kurz Normalität einzukehren. Doch dann nimmt das Unheil erneut seinen Lauf: Die seltsamen, spinnenähnlichen Ungeheuer mir ihren scharfen, hackenden Mahlwerkzeugen machen Jagd auf die Menschen in der kleinen Stadt. Wieder versucht Mutter Evelyn ihre Familie in Sicherheit zu bringen – diesmal mit einem schreienden Säugling auf dem Arm. Mittels Sauerstoffgerät versucht sie, das Baby zum Schlafen zu bringen, dessen Grebrüll zu unterdrücken und die Monster fern zu halten. Gemeinsam mit ihren beiden anderen Kindern, der gehörlosen Regan (Millicent Simmonds) und dem jüngeren Marcus (Noah Jupe), sieht sie in einem verlassenen Eisenbahnwaggon einen idealen Zufluchtsort. Die Familie ahnt nicht, dass dieses Versteck schon dem undurchsichtigen Emmet (Cillian Murphy, „Dunkirk“) Unterschlupf bietet, der ebenfalls auf der Flucht vor den Monstern ist. Zunächst wenig einladend stellt sich Emmet der kleinen Familie in den Weg.

Erfahrung mit der Apokalypse: Cillian Murphy

Fungierte im ersten Teil Regisseur und Autor John Krasinski zusätzlich als Hauptdarsteller, tritt er diesen Part in „A Quiet Place 2“ ab. Der Spannung des Films tut dies keinen Abbruch, Cilian Murphy füllt den Part des männlichen Hauptdarstellers glaubhaft und souverän aus – mit apokalyptischen Horrorgeschichten kennt er sich seit seiner Hauptrolle in Danny Boyles „28 Days Later“ (2002) bestens aus.

Mucksmäuschenstille ist oberstes Gebot: Mutter Evelyn und Sohn Marcus

Grandios glaubhaft und exellent besetzt sind nicht nur die beiden Haupdarsteller Emily Blunt und Cilian Murphy, sondern auch die beiden Kinderdarsteller: die auch im wirklichen Leben gehörlose Millicent Simmonds als Regan und Noah Jupe als ihr jüngerer, stets etwas unbedarft wirkender Bruder Marcus. Trotz Corona und zweimaliger Startterminverschiebung hoffe ich sehr, dass dieser hoch spannende zweite Teil sein „leises“ Kinopublikum findet. In der Pressevorführung hätte man jedenfalls jedes noch so geräuscharme Popkorngeraschel gehört.

Undurchsichtige Hilfe: Emmet

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Emily Blunt haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Cillian Murphy unter Schauspieler.

Haben die Abbotts endlich Zuflucht gefunden?

Länge: 106 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: A Quiet Place Part II
USA 2020
Regie: John Krasinski
Drehbuch: John Krasinski
Besetzung: Emily Blunt, Millicent Simmonds, Cillian Murphy, Noah Jupe, Djimon Hounsou, John Krasinski, Lauren-Ashley Cristiano, Zachary Golinger, Blake DeLong, Barbara Singer, Okieriete Onaodowan, Gary Sundown, Ashley Dyke, Silas Pereira-Olson
Verleih: Paramount Pictures Germany

Copyright 2020 by Iris Janke

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2020 Paramount Pictures Germany

 

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Anna – Matroschka Nikita

Anna

Von Lars Johansen

Actionthriller // Relativ am Anfang des Films verkauft die Titelfigur Anna (Sasha Luss) Matroschkas auf einem Markt. Bekanntermaßen sind das die russischen Figuren aus Holz, die sich öffnen lassen und in denen immer neue Matroschkas stecken. Irgendwann bist du bei der letzten angelangt und wenn du sie in einer Reihe aufstellst, steht dort immer die gleiche Figur, nur eine kleiner als die andere. Vielleicht kann man so am ehesten Luc Bessons Arbeiten der vergangenen Jahre beschreiben. „Lucy“ (2014) ist eine actionorientierte und gut choreografierte Science-Fiction-Variation von „Nikita“ (1990), ohne dessen Niveau zu erreichen. Die Verfilmung einer damals 50 Jahre alten Comicserie (die bei uns als „Valerian und Veronique“ veröffentlicht wurde) „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ (2017) ist die kindgerechte Fassung von „Das fünfte Element“ (1997), der von der gleichen Vorlage sehr stark beeinflusst war. Und „Anna“ ist erneut „Nikita“ mit Elementen von den nicht von Besson, aber nahezu zeitgleich gedrehten „Atomic Blonde“ (2017) und „Red Sparrow“ (2018).

„Ich bin nicht Nikita, kapiert?“

Unschwer ist zu erkennen, dass man immer wieder bei dem beinahe 30 Jahren alten „Nikita“ landet, der nicht nur ein direktes amerikanisches Remake, sondern auch mindestens zwei aus Hongkong, diverse Imitate aus aller Welt und gleich zwei Fernsehserien (1997–2001; 2010–2013) nach sich zog. Die Geschichte handelt von einer drogensüchtigen jungen Frau, die nach einem Polizistenmord im Knast landet, von einer obskuren Regierungsorganisation befreit, für tot erklärt und zu einer Auftragsmörderin ausgebildet wird. Der Film wurde damals von der Kritik verrissen, entwickelte sich aber zu einem gigantischen Publikumserfolg und tatsächlich wahren Kultfilm. Er wirkte stilbildend für das Actionkino der 90er und erzählte eine neue, unverbrauchte Geschichte, die zur Abwechslung einmal eine starke Frau in den Mittelpunkt stellte, welche als Actionheldin mit gebrochener Biografie überzeugte. Wenn dann noch eine Ikone wie Jeanne Moreau als Lehrmeisterin mitwirkt, schlägt das gleichzeitig den Bogen zur französischen Filmgeschichte.

Luc Besson und die Frauen

Seit „Nikita“ spielen häufig solche starken Frauenfiguren eine wichtige Rolle in Bessons Kino-Universum. Auffallend oft werden diese von sehr jungen Frauen gespielt, manchmal auch ehemaligen Models, die bei ihm zum ersten Mal in größeren Rollen auftreten. Oftmals werden sie dann auch noch seine Partnerinnen im Leben, sodass der Eindruck entsteht, seine Filmarbeit mit ihnen gehe weit über eine reine Arbeitsbeziehung hinaus. Dieses geradezu Obsessive vermag intensive Filmerlebnisse zu erzeugen, wie zum Beispiel bei „Johanna von Orleans“ (1999), in dem seine Ehefrau Milla Jovovich so stark spielte, wie es ihr danach nie wieder gelingen sollte. Kennengelernt hatte er die damals Elfjährige zwölf Jahre zuvor beim Dreh für einen Werbespot von L’Oréal. Mit der dreizehnjährigen Natalie Portman drehte er 1994 „Léon – Der Profi“, in dem sie zur Killerin wird. Immer wieder sind es im wahrsten Sinne des Wortes männermordende Kindfrauen, die er hier einsetzt.

Rosa Klebb

„Anna“ ist die etwas verschachtelt erzählte x-te Variation dieses Themas. Für das russische Model Sasha Luss ist es ihr zweiter Filmauftritt nach einer Minirolle in Bessons „Valerian …“. Sie ist eine drogensüchtige junge Russin, die Ende der 80er-Jahre versucht, sich in Moskau durchzuschlagen. Der KGB macht ihr ein Angebot, das sie nicht abschlagen kann und sie wird zu einem männermordenden Mannequin in Mailand, Moskau und dem Rest der Welt. Als die CIA ihr auf die Schliche kommt, muss sie in der Wendezeit von 1989 zwischen den beiden Weltmächten lavieren. Sie soll sogar den Chef des KGB ermorden. Das klingt nicht nur nikitaesk, das ist es auch, ganze Handlungsstränge werden repetiert, aus dem fehlenden Ausgang beim ersten Auftrag im Original wird eine ungeladene Waffe in „Anna“. In beiden Fällen muss die Heldin unerwartet improvisieren. Helen Mirren spielt die Jeanne-Moreau-Rolle als völlig aus der Zeit gefallene Version von Lotte Lenyas Rosa Klebb in „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963). Man wartet fast auf eine Giftspitze im Schuh. Luke Evans auf russischer und Cillian Murphy auf amerikanischer Seite teilen sich die Ausbilderrolle, die in „Nikita“ mit Tchéky Karyo besetzt worden war. Ihr Freund und Liebhaber im Alltag ist hier zu einer Modelkollegin geworden, mit der sie eine homosexuelle Beziehung zu haben scheint, die aber keine große Rolle für die Handlung spielt, was der Dramatik nicht unbedingt bekommt.

„Ihr Auftrag, Nikita.“

Immer wieder sehen wir einer Variation des besseren Originals zu. Das beginnt schon damit, dass „Anna“ in der gleichen Zeit wie „Nikita“ spielt, ohne dass dieser Zeitbezug sich wirklich herstellt. Mobiltelefone, Laptops, mobile Datenspeicher und SUVs tauchen auf, die es so zu dieser Zeit nicht gegeben hat. Dadurch bekommt die Geschichte, die eigentlich in einem sehr konkreten historischen Kontext spielt, etwas eigenartig Zeitloses, als sei es Besson vollkommen egal, wo und wann die Geschichte verortet wird. Die verschachtelte Erzählweise, die immer wieder vor und zurück springt, nutzt sich schon nach relativ kurzer Zeit ab, denn eigentlich verläuft sie immer nach dem gleichen Schema. Wir sehen eine Handlung, die uns dann mit einer Rückblende erklärt wird. Da sind wir wieder bei der Matroschka, denn in jeder Szene steckt eine andere. Leider sind die Erklärungen eher banal und lassen sich kilometerweit vorausahnen, was die Spannung beträchtlich mindert.

Ein künftiger Kultfilm?

Aber vielleicht ist es auch hier der Kritiker, der sich irrt, und ein künftiger Kultfilm wartet auf uns. Eigentlich gefällt mir die Idee sehr gut, einen Film wieder und wieder zu drehen, bis er endlich die perfekte Version seiner selbst geworden ist. Aber das Problem ist, dass Besson es zwar versucht, dabei aber von Mal zu Mal etwas mehr nachlässt, so als seien die alten Ideen aufgebraucht und die neuen nicht zu gebrauchen. Die Actionszenen sind ordentlich choreografiert, gehen aber nicht über das hinaus, was er vor 30 Jahren gemacht hat. Da haben mittlerweile andere Regisseure größere Maßstäbe gesetzt. Die politisch brisante Situation der späten 80er wird leichtfertig verschenkt und zu kleinen Privatfehden der beteiligten Personen umgedeutet. Das nimmt dem Plot die gesamtgesellschaftliche Brisanz, die er entwickeln könnte. Nun war Gesellschaftskritik nie die Stärke oder überhaupt ein Anliegen Bessons, dem es in seinen Geschichten eigentlich fast immer eher um durchschnittliche Menschen in Ausnahmesituationen ging, die über sich hinauswachsen mussten. Der Look der Filme spielte in Bessons Karriere durchgehend eine größere Rolle als der Inhalt. Das liebt oder hasst man an seinen Werken. Wenn es einen gleichgültig lässt oder gar ein wenig langweilt wie bei „Anna“, dann ist das ein Alarmsignal. Der Luc könnte ganz gut etwas neuen Input vertragen.

„Sehe ich so etwa aus wie Nikita?“

Die Qualität der Blu-ray ist sehr gut, die Extras sind knapp gehalten, gehen aber in Ordnung. Kein Pflichtkauf, aber für Besson-Enthusiasten ein energisches „Vielleicht“.

„Sag mal, bist du jetzt eigentlich Nikita oder nicht?“

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Luc Besson haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Helen Mirren unter Schauspielerinnen, Filme mit Luke Evans und Cillian Murphy in der Rubrik Schauspieler.

„Na gut, von mir aus: Dann bin ich eben Nikita.“

Veröffentlichung: 28. November 2019 als 4K UHD Blu-ray, Blu-ray und DVD

Länge: 119 Min. (Blu-ray), 114 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Anna
F 2019
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson
Besetzung: Sasha Luss, Helen Mirren, Cillian Murphy, Luke Evans, Lera Abova, Alexander Petrov, Nikita Pavlenko, Anna Krippa
Zusatzmaterial: Making-of-Featurettes („Die Kostüme“, „Der Restaurant-Kampf“, „Die Produktion“, „Die Verfolgungsjagd“), Wendecover
Label/Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2019 by Lars Johansen

Felix Leiter

Szenenfotos & Packshot: © 2019 Studiocanal Home Entertainment

 

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Free Fire – Feuer frei!

Free Fire

Von Andreas Eckenfels

Actionthriller // Ob Horror mit „Kill List“, schwarze Komödie mit „Sightseers – Killers on Tour!“ oder Science-Fiction fürs TV mit „Doctor Who“: Der britische Regisseur Ben Wheatley lässt sich in keine Schublade quetschen. Auch mit seinem neuesten Werk betritt er wieder ein persönliches Genre-Neuland. Dabei erinnert der im Jahr 1978 angesiedelte Actionthriller mit Starbesetzung entfernt an zwei seiner anderen Arbeiten.

Ein Waffendeal soll in einer verlassenen Lagerhalle über die Bühne gehen

Ähnlich wie die böse Gesellschaftssatire „High-Rise“ ist auch „Free Fire“ von einem starken Stilwillen geprägt, der in erdigen, aber strahlenden Farben, den Klamotten, Frisuren und der Musik – in diesem Fall größtenteils von John Denver – die 70er-Jahre wiederaufleben lässt. Von seinem in Schwarz-Weiß gedrehten mysteriösen Historiendrama „A Field in England“ übernimmt Wheatley wiederum die Grundidee, das gesamte Geschehen lediglich an einem einzigen Ort stattfinden zu lassen. In diesem Fall in einer verlassenen Lagerhalle in Boston, wo sich des Nachts knapp ein Dutzend zwielichtiger Gesellen versammelt.

Ein Waffendeal geht schief

Justine (Brie Larson) hat die Zusammenkunft der Iren Chris (Cillian Murphy) und Frank (Michael Smiley) mit den Geschäftsmännern Vernon (Sharlto Copley) und Ord (Armie Hammer) in die Wege geleitet. Ein Waffendeal soll über die Bühne gehen – an sich eine simple Angelegenheit. Da beide Seiten einander misstrauen, hat jede Gruppe ein paar ihrer Handlanger zum Übergabeort mitgebracht. Zwei von ihnen lassen die Situation eskalieren: In der Nacht zuvor hatten Stevo (Sam Riley) und Harry (Jack Reynor) eine handfeste Auseinandersetzung wegen einer Frau. Nun treffen sie überraschend wieder aufeinander. Nach einigen deutlichen Wortwechseln zwischen den Streithähnen dauert es nicht lange, bis der erste Schuss fällt. Auch alle anderen Gangster zücken ihre Waffen, und schnell verwandelt sich das Lagerhaus in eine bleihaltige Schützenarena, in der jede/r Anwesende ums Überleben kämpft.

Western-Showdown in Spielfilmlänge

Was wie der Showdown eines klassischen Westerns klingt, macht Wheatley zum Mittelpunkt eines kompletten Spielfilms. Fast eine volle Stunde lang dauern die Schusswechsel an. Die Kugeln fliegen den Protagonisten laut krachend nur so um die Ohren. Wenn ihr den Film schaut, regelt Ihr besser die Anlage etwas herunter, sonst rufen Eure Nachbarn am Ende die Polizei. Kurze Pausen gibt es nur zum Durchschnaufen, Nachladen, um ein paar grobe Nettigkeiten auszutauschen oder ein Ablenkungsmanöver zu initiieren.

Aber die Situation eskaliert

Bei den Feuergefechten setzt Wheatley größtenteils auf Realismus: Nicht jeder Schuss trifft ins Schwarze, nicht jede Kugel führt zum sofortigen Tod. So schleppen sich bald etliche Figuren schwer verwundet durch die staubige Lagerhalle, wo sie verzweifelt nach Deckung suchen, um ihre Wunden notdürftig zu versorgen oder eine Verschnaufpause einzulegen, bevor sie sich wieder in den Kugelhagel stürzen. Auf diese Weise schlagen sogar längst Totgeglaubte noch einmal zurück. Wheatley verlangt seiner namhaften Darsteller-Riege dabei einiges ab, doch die Beteiligten hatten offensichtlich viel Spaß beim Kleinkrieg mit Waffen aller Art.

Prominenter Unterstützer

„Free Fire“ ist ein Ensemblefilm, keiner der Stars ist wirklich Hauptdarsteller. Dadurch verliert man trotz der bleihaltigen Atmosphäre nach einiger Zeit etwas das Interesse daran, welcher der bösen Gesellen lebt oder stirbt. Wheatley gelingt es damit nicht ganz, die Spannung über die gesamte Lauflänge aufrechtzuerhalten. Was aber voll und ganz überzeugt ist, wie virtuos ausgearbeitet die einzelnen Schusswechsel inklusive Schnitt und Ton inszeniert sind. Wer feuert wann, auf wen und was passiert danach?

Auch Justine weiß, wie man sich zur Wehr setzt

Laut eigener Aussage hatte der Brite das gesamte Lagerhaus im Videospiel „Minecraft“ nachgebaut, um alles genau vorauszuplanen. In jeder Sequenz erkennt man, wieviel Arbeit Wheatley mit seinem Team in den Film hineingesteckt hat, um seine Vision so perfekt wie möglich umsetzen zu können. Dieses Talent würdigte kein Geringerer als Meisterregisseur Martin Scorsese, der „Free Fire“ als ausführender Produzent unterstützte.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Ben Wheatley haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Brie Larson, Armie Hammer und Cillian Murphy unter Schauspielerinnen bzw. Schauspieler.

Für Chris, Stevo und Frank (v. l.) bleibt nicht viel Zeit zum Verschnaufen

Veröffentlichung: 25. August 2017 als Blu-ray im limitierten Futurepak, Blu-ray und DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Free Fire
GB/F 2016
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Ben Wheatley, Amy Jump
Besetzung: Sharlto Copley, Brie Larson, Cillian Murphy, Armie Hammer, Enzo Cilenti, Sam Riley, Michael Smiley, Babou Ceesay, Noah Taylor, Jack Reynor
Zusatzmaterial: Making-of, B-Roll, Interviews, Wendecover
Vertrieb: Splendid Film

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Splendid Film

 

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