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Der Pazifikkrieg (II): Schlacht um Midway – Wendepunkt im Pazifik

Midway

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // In den ersten Monaten des Kriegsjahrs 1942 frohlockte das kaiserliche Japan: Nach dem vernichtenden Angriff auf Pearl Harbor und der damit einhergehenden enormen Schwächung der Pazifikflotte der USA wähnte sich die Kaiserlich Japanische Marine als Herrscherin des Pazifik.

Bis es im Juni 1942 zur Schlacht um Midway kam …

Das mit Top-Stars gespickte monumentale Kriegsdrama „Schlacht um Midway“ vom heute nicht mehr vielen Filmfans bekannten Regisseur Jack Smight („Der Tätowierte“) setzt mit Schwarz-Weiß-Bildern amerikanischer B-25-Langstreckenbomber ein, die von einem Flugzeugträger aus starten – es handelt sich um den sogenannten Doolittle Raid. Die tödliche Luftfracht trifft Tokio und andere japanische Metropolen, wie kurz darauf Vize-Admiral Isoroku Yamamoto (Toshirô Mifune), Oberbefehlshaber der Vereinigten Flotte, von seinem Adjutanten Commander Watanabe (Clyde Kusatsu) erfährt. Die Schäden und Opfer halten sich in Grenzen, aber dass die United States Army Air Forces zu einem solch frühen Zeitpunkt des Konflikts zwischen Japan und den USA einen Schlag gegen das japanische Festland führen konnten, darf als kleiner psychologischer Erfolg gewertet werden.

Vater und Sohn ziehen in den Krieg

Der im Hauptquartier der US-Pazifikflotte stationierte Captain Matt Garth (Charlton Heston) erlebt eine Überraschung, als er auf seinen Sohn Thomas Garth (Edward Albert) trifft, der sich als Fähnrich freiwillig gemeldet hat. Die nächste Überraschung folgt auf dem Fuß: Thomas hat sich mit der japanischstämmigen Haruko Sakura (Christina Kokubo) verlobt – die allerdings wurde kürzlich in der Folge des Angriffs auf Pearl Harbor im Verbund mit ihren Eltern in Honolulu interniert (die Internierung japanischstämmiger Amerikaner und auf US-Boden lebender Japaner gehört zu den wenig ruhmreichen Kapiteln der US-Geschichte des Zweiten Weltkriegs).

Captain Matt Garth bereitet sich auf den Einsatz vor

Derweil plant der japanische Generalstab, die Amerikaner aus ihren Höhlen zu locken. Im Mai 1942 kommt es zur Schlacht im Korallenmeer mit schweren Verlusten auf beiden Seiten, einer ersten sogenannten Trägerschlacht, bei der auf beiden Seiten Flugzeugträger zum Einsatz kommen und ihre tödlichen Schwärme aussenden. Vize-Admiral Yamamoto plant, den japanischen Einflussbereich weiter auszudehnen und den US-Vorposten auf den Midway-Inseln im Nordpazifik anzugreifen, ein zwar kleines Atoll, für die Amerikaner aber nicht unbedeutend. Und während die Aufklärungsflugzeuge auf beiden Seiten versuchen, in den Weiten des Pazifiks die feindlichen Schiffe zu entdecken, bringen sich diese unausweichlich in Position für die große Schlacht.

Das ist großartige Schnitttechnik, die „Schlacht um Midway“ da auffährt: Wenn das Geschehen noch vor den Hauptgefechten eine ganze Weile permanent zwischen den Fliegern in der Luft und den Entscheidungsträgern an Bord der Flugzeugträger hin und her wechselt, baut sich kaum fassbare Spannung in der Erwartung der tödlichen Kämpfe auf, zu denen es dann auch kommt. Als friedliebender Mensch sollte man sich der Faszination dieses schweren militärischen Geräts eigentlich entziehen, aber das fällt schwer, und als bekennender Fan des Kriegsfilmgenres in all seinen Facetten will ich auch gar nicht moralisieren.

Perfekter Kriegsfilm?

Perfekter Kriegsfilm zitiert Koch Films auf dem Cover der Blu-ray das „Lexikon des internationalen Films“, verkürzt die Aussage damit allerdings gehörig – anderswo findet sich der Satz in voller Länge: Ein handwerklich perfekter Kriegsfilm mit prominenter Besetzung, der jedoch den Krieg auf fatale Weise zu einem „Spiel für harte Männer“ reduziert und keine historischen Zusammenhänge aufzeigt. Das trifft es schon eher, besteht doch allein schon zwischen perfekter Kriegsfilm und handwerklich perfekter Kriegsfilm ein großer Unterschied. Mich wundert das etwas, habe ich Koch Films doch in den vergangenen Jahren als seriösen Publisher kennengelernt. Aber die Veröffentlichung liegt auch schon fünf Jahre zurück. Historische Zusammenhänge bekommen wir in der Tat nicht erklärt, deutlich wird lediglich, dass Japan einen Angriffskrieg führt und die USA als defensive Kriegspartei agieren und reagieren. Letztlich geht es einzig um die Darstellung der titelgebenden Schlacht.

Die US-Kampfpiloten suchen die feindlichen Flugzeugträger

Verstehen wir uns nicht falsch: Sofern man sich kriegerische Auseinandersetzungen als fesselndes Entertainment geben will, ist „Schlacht um Midway“ dafür vorzüglich geeignet. Ich habe mich über die gesamte Dauer von mehr als zwei Stunden hervorragend unterhalten gefühlt. Die reine Darstellung der Entwicklung und Vorbereitung der Schlacht sowie die kriegerischen Auseinandersetzungen und Verluste scheinen mir auch den historischen Fakten zu entsprechen. Was das individuelle Agieren der Handlungs- und Entscheidungsträger angeht, bleibt vieles zwangsläufig der Fantasie und Interpretation der Drehbuchautoren überlassen, völlig legitim.

Parallelen zu „Tora! Tora! Tora!“

„Schlacht um Midway“ ist zweifellos alles andere als ein Antikriegsfilm und will das auch gar nicht sein. Das Sterben zahlloser junger Soldaten wird zwar gezeigt, hat aber eher den Charakter einer Randnotiz. Welch schicksalhafte und tragische Wucht der Krieg auf Individuen und Familien haben kann, bleibt ungesagt. Hier geht es um das große Ganze, den Erfolg in der Schlacht. Das eint Jack Smights Regiearbeit mit dem epischen Pearl-Harbor-Kriegsdrama „Tora! Tora! Tora!“ von 1970, und ohnehin ähneln beide Kriegsdramen einander, allein schon durch den permanenten Schwenk von Amerikanern zu Japanern und zurück. Dieser Perspektivwechsel steht ihnen gut zu Gesicht. Schurken gibt es keine, dafür zu allem entschlossene Männer, die schwere Entscheidungen treffen und gleichzeitig die Entscheidungen ihrer Kontrahenten vorausahnen müssen – Irrtümer können und werden für viele Soldaten den Tod bedeuten. Immerhin sind hochrangige Offiziere mit gewaltigen Entscheidungsbefugnissen an Bord der Flugzeugträger mitten im Geschehen, scheuen sich also nicht, sich selbst in Gefahr zu bringen. Wir haben es mit Heldenkino zu tun. Großes Kino – das lässt sich ohne Übertreibung feststellen.

Einen gewichtigen Unterschied zum qualitativ und vom Anspruch ebenbürtigen „Tora! Tora! Tora!“ gibt es allerdings: Während der sich ganz auf das Kriegsgeschehen konzentriert, wartet „Schlacht um Midway“ mit der Geschichte um Vater und Sohn Garth auf, im Übrigen zwei fiktive Figuren. Auf mich wirkte der Konflikt der beiden um die Liebe des Sohns zu einer Japanerin gar nicht mal aufgesetzt, sondern fügte dem Film eine interessante Facette hinzu. Stirnrunzeln löste es bei mir allerdings aus, dass sich der vom Mittvierziger Charlton Heston verkörperte Captain Garth am Ende selbst in einen Sturzkampfbomber setzt und persönlich den vierten japanischen Flugzeugträger angreift. Meines Wissens beenden Kampfpiloten ihre aktive Zeit deutlich früher.

Stars in Uniform

Zu Heston gesellen sich weitere große Namen: Henry Fonda spielt Admiral Chester W. Nimitz, den Oberbefehlshaber der alliierten Marineeinheiten im Pazifik. Um den 20 Jahre älteren Seeoffizier darzustellen, ließ sich Fonda dem Vernehmen nach die Haare grau tönen. Glenn Ford ist als Rear Admiral Raymond Ames Spruance zu sehen. Hal Holbrook tritt als Codeknacker Joseph Rochefort auf, der maßgeblich am Abfangen geheimer japanischer Nachrichten beteiligt war. Robert Mitchum wiederum spielt in einem denkbar kurzen Auftritt Admiral William F. Halsey, der das Geschehen aufgrund einer schweren Erkrankung nur vom Krankenhausbett aus verfolgen kann. Den als Assistenten des Gerichtsmediziners „Quincy“ bekannten Robert Ito bekommen wir als japanischen Luftkampf-Strategen Genda Minoru zu Gesicht, der Vize-Admiral Nagumo Chūichi (James Shigeta) berät, welcher den Angriff auf Midway führt. In weiteren, nicht allzu großen Rollen: James Coburn, Cliff Robertson und Robert Wagner.

Der Kampf um Midway hat begonnen

Am Soundtrack des x-fach Oscar-nominierten und fünf Mal auch prämierten „Star Wars“-Komponisten John Williams gibt es ebenso wenig etwas auszusetzen wie an der Kamera von Harry Stradling Jr. („Little Big Man“). Für die Flugzeugaufnahmen bediente sich „Schlacht um Midway“ bei existierendem Material: Die Bombardierung Tokios zu Beginn beispielsweise stammt aus Mervyn LeRoys „Dreißig Sekunden über Tokio“ (1944). Wenn die japanischen Flugzeuge Midway attackieren, erinnert das nicht zufällig an „Tora! Tora! Tora!“. Die unsanfte Landung eines Flugzeugs, bei dem eins der Fahrwerke nicht ausgefahren war, habe ich jedenfalls sofort wiedererkannt. Den Trivia der Internet Movie Database zufolge wurden weitere Luftkampfsequenzen womöglich dem englischen Kriegsdrama „Die Luftschlacht um England“ von 1969 entnommen. Auch aus dem weniger bekannten „Klar Schiff zum Gefecht“ (1956) entlieh man offenbar ein paar Szenen. Sogar beim japanischen „Banzai-Banzai, die Piloten des Teufels“ von 1960 bediente sich „Schlacht um Midway“, und last not least wurden auch Farbaufnahmen echter Luftkämpfe eingebaut. Selbstverständlich erkennt man die unterschiedliche Bildqualität sofort, aber das suggeriert Authentizität und wirkt daher nicht störend. Sieht man von diesen Schwankungen ab, lässt sich konstatieren, dass die Bildqualität hervorragend ist. Auch beim Ton fielen mir keine Makel auf, dieses Urteil steht aber unter dem Vorbehalt meiner akustisch suboptimalen technischen Ausstattung. In die Kinos kam der Film seinerzeit mit dem sogenannten Sensurround-Tonverfahren, das ein intensives akustisches Erlebnis versprach, aber keine große Verbreitung erfuhr und bald eingestellt wurde.

Zeitzeuge John Ford

Der legendäre Western-Regisseur John Ford („Faustrecht der Prärie“) war während der Schlacht um Midway vor Ort und filmte die Gefechte. Dabei wurde er sogar leicht verwundet. Das Resultat trägt wie der 1976er-Spielfilm den Titel „Schlacht um Midway“ („The Battle of Midway“). Weil die 18-minütige Doku als Teil der Public Domain gemeinfrei ist, kann sie kostenlos im Netz angeschaut und sogar heruntergeladen werden. Eine restaurierte Fassung findet sich bei YouTube. Bei der Verleihung der Academy Awards 1943 erhielt sie einen Oscar. Aufgrund der Gemeinfreiheit hätte Koch Films Fords Dokumentarfilm an sich problemlos ins Bonusmaterial der Blu-ray stecken können. Vielleicht wurde das übersehen, oder es gab andere, mir nicht bekannte Gründe, weshalb das nicht geschehen ist. Auch so enthält die Blu-ray aber interessante Featurettes, die eine Bereicherung darstellen – gelungene Veröffentlichung eines großartigen Kriegs-Spektakels. Roland Emmerichs „Midway – Für die Freiheit“ (2019) muss sich daran messen lassen.

Im Anschluss: Guadalcanal

Die Schlacht um Midway brachte die US-Pazifikflotte wieder auf Augenhöhe mit der japanischen Kriegsmarine und versetzte die US-Streitkräfte in die Lage, initiativ vorzugehen und nicht mehr nur zu reagieren wie in den Monaten nach Pearl Harbor. Diese setzten die Amerikaner ab August 1942 mit der Landung auf der Salomonen-Insel Guadalcanal zügig in die Tat um. Die Schlacht um Guadalcanal gilt gegenüber der Schlacht um Midway als nächster, womöglich größerer Wendepunkt des Pazifikkriegs. Terrence Malick hat sie für sein meisterhaftes Kriegs-Epos „Der schmale Grat“ (1998) aufgegriffen. Die zehnteilige Miniserie „The Pacific“ von 2010 beginnt mit der Landung auf Guadalcanal.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit James Coburn, Henry Fonda, Charlton Heston, Hal Holbrook, Toshirô Mifune und Robert Mitchum haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 20. März 2014 als Blu-ray, 29. November 2007 als DVD

Länge: 132 Min. (Blu-ray), 126 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Midway
USA 1976
Regie: Jack Smight
Drehbuch: Donald S. Sanford
Besetzung: Charlton Heston, Henry Fonda, James Coburn, Glenn Ford, Hal Holbrook, Toshirô Mifune, Robert Mitchum, Cliff Robertson, Robert Wagner, Edward Albert, Robert Webber, Ed Nelson, James Shigeta, Christina Kokubo, Monte Markham, Biff McGuire, Clyde Kusatsu
Zusatzmaterial: Making-of (39 Min.), Featurette über die Musik (6 Min.), Featurette zum Sensurround-Ton (4 Min.), geschnittene Szenen der TV-Version (11 Min.), Doku-Special „Sie waren dabei“ mit Charlton Heston (6 Min.), Super-8-Fassung (18 Min.), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, deutscher und amerikanischer Kinotrailer
Label/Vertrieb Blu-ray: Koch Films
Label/Vertrieb DVD: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos: © 2014 Koch Films, Packshot DVD: © 2007 Universal Pictures Germany GmbH

 

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Brian De Palma (VII): Schwarzer Engel – Obsession als „Vertigo“-Hommage

Obsession

Von Simon Kyprianou

Thriller // „Schwarzer Engel“ ist ein etwas unglücklicher deutscher Titel für Brian De Palmas Film, trifft der Originaltitel „Obsession“ den Ton des Thrillers doch eigentlich ideal. Dem Vernehmen nach wollten De Palma und Drehbuchautor Paul Schrader einen ganz anderen Film machen, entschieden sich aber nach einer gemeinsamen Sichtung von „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (1958), dazu eine Hommage, bzw. eine bizarre Nachahmung zu drehen, die die Perversion von Hitchcocks Klassiker mit James Stewart zuerst an die Oberfläche führt und dann die Geschichte wiederholt. Deswegen passt der Originaltitel auch so gut: „Obsession“. Schon im Titel führen De Palma und Schrader zur Essenz ihres Vorbildes, weisen darauf hin, worum es gehen wird, während der Titel „Vertigo“ das Gegenteil tut und verbirgt, worum es tatsächlich geht.

Kidnapping setzt die tragische Geschichte in Gang

In „Schwarzer Engel“ geht es um den Geschäftsmann Michael Courtland (Cliff Robertson), dessen Frau Elizabeth (Geneviève Bujold) und Tochter Amy (Wanda Blackman) entführt werden. Bei der misslingenden Lösegeldübergabe wird seine Familie getötet. 15 Jahre später wird Courtland von seinem Geschäftspartner Lasalle (John Lithgow) überredet, ihn auf eine Geschäftsreise nach Florenz zu begleiten. Dort trifft er die junge Sandra, die seiner Frau zum Verwechseln ähnlich sieht.

Eine Frau wird zerstört

Regisseur Christian Petzold sagt über Hitchcocks Film: „,Vertigo‘ von Alfred Hitchcock habe ich gut 50 Mal gesehen. […] Er zeigt die Obsession, man schaut einem Perversen zu, der versucht, wieder einen hochzukriegen. Und die Frauen werden dafür zugerichtet. Mindestens 20 Mal habe ich den Film auch gehasst.“ In „Schwarzer Engel“ passiert etwa dasselbe: Ein Mann ist besessen von einer Frau und am Ende führt die Besessenheit zur Zertrümmerung der Frau.

Michaels Leben wird danach vom Tod bestimmt

De Palma hat sich für seinen Film Hitchcock-Komponisten Bernard Herrmann geholt, es ist dessen letzte Arbeit: Kurz nach Fertigstellung des Soundtracks starb er. Herrmanns Musik legt sich über den Film als eine unheimlich romantische, melodramatische Patina, eine auf den ersten Blick eigentlich unpassende, auf den zweiten Blick mit ihren waghalsigen emotionalen Untiefen den Film aber völlig begreifende Musik. Und es dreht sich ja auch alles um eine unglückliche Liebe, besser noch: um eine unmögliche Liebe. „Schwarzer Engel“ ist ohnehin viel mehr Melodram als Thriller, De Palma ist hauptsächlich daran interessiert, den schicksalshaften Strömungen der Liebe durch die Zeit nachzuspüren und mit anzusehen, wie die Wellen, die diese Liebe schlägt, den Verstand der Liebenden langsam abtragen und die Menschen nach und nach in die Tiefe bröckeln lässt.
Die wirklich wunderbare Kameraarbeit stammt vom genialen Kameramann Vilmos Zsigmond, der unter anderem auch Steven Spielbergs fantastischen Film „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, De Palmas „Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren“, Robert Altmans „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ und Michael Ciminos „Die durch die Hölle gehen“ bebildert hat.

Die dunklen Untiefen kommen ans Licht

Man mag „Schwarzer Engel“ ablehnen, weil er es sich anmaßt, die Dinge, die in „Vertigo“ als dunkle Untiefen stattfinden, die den Film aus der Tiefe heraus so gefährlich und kalt machen, an die Oberfläche zu führen und im Licht zu begutachten. Zwar nicht in einem kalten analytischen Laborlicht, als ein Film der die Vorlage zwanghaft erklären und analysieren will, sondern im warmen Sonnenlicht von Italien. Vermutlich sollte man aber so nicht denken, es gibt genug zu mögen an „Schwarzer Engel“: die hemmungslose Romantik, diese fantastische letzte Musik von Herrmann, das wunderbare Spiel von Geneviève Bujold, die Bilder von Zsigmond und der wenn auch etwas problematische, so doch auch kühne Ansatz von De Palma und Schrader.

Mit seinem Geschäftspartner Lasalle reist Michael nach Italien

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Brian De Palma sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit John Lithgow in der Rubrik Schauspieler.

Dort stolpert er erneut in eine von Tod überschattete Liebesgeschichte

Veröffentlichung: 25. August 2017 als Blu-ray und DVD, 7. April 2017 als Blu-ray im Mediabook, 7. Juli 2011 als DVD (Concorde Home Entertainment)

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Obsession
USA 1976
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: Paul Schrader
Besetzung: Cliff Robertson, Geneviève Bujold, John Lithgow, J. Patrick McNamara, Sylvia Kuumba Williams, Wanda Blackman, Stanley J. Reyes, Nick Kreiger, Stocker Fontelieu, Don Hood
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Simon Kyprianou

Fotos & Packshot Blu-ray: © 2017 Al!ve AG / Endless Classics, Packshot DVD: © 2011 Concorde Home Entertainment

 

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Der große Minnesota Überfall – Jesse James reitet wieder

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The Great Northfield, Minnesota Raid

Von Volker Schönenberger

Western // Jesse James (1847–1882) gehört zu den großen mythischen Figuren des Wilden Westens. Die Verbrecherlaufbahn seiner Bande hat sich daher zwangsläufig in vielfacher Weise auf der Kinoleinwand niedergeschlagen. Tyrone Power hat ihn 1939 in „Jesse James – Mann ohne Gesetz“ gespielt, Audie Murphy 1950 in „Reiter ohne Gnade“ und 1969 in „A Time for Dying“, Robert Wagner 1957 in „Rächer der Enterbten“. Bemerkenswert ist Walter Hills ohnehin großartige Umsetzung „The Long Riders“ (1980), in dem vier Brüdergespanne der Story jeweils von Schauspieler-Brüdergespannen gespielt worden sind – Jesse und Frank James von James und Stacy Keach. 1986 entstand der Fernsehfilm „Die letzten Tage von Frank und Jesse James“ mit Johnny Cash und Kris Kristofferson in den Titelrollen.

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Jesse James lässt die Vergangenheit nicht los

Kongenial verfilmt hat Andrew Dominik das Ende des Outlaws 2007 in „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ mit Brad Pitt – obwohl (oder gerade, weil?) Dominik bemüht war, die historischen Details so akkurat wie möglich nachzuerzählen.

Robert Duvall als Jesse James

Robert Duvall sehen wir ja immer wieder gern. Der siebenfach Oscar-nominierte und für „Comeback der Liebe“ (1983) immerhin einmal Oscar-prämierte Kalifornier spielte Jesse James 1973 in „The Great Northfield, Minnesota Raid“, so der Originaltitel. „Der große Minnesota Überfall“ hat tatsächlich stattgefunden: am 7. September 1876. Sein Ausgang wird in Northfield – Vorsicht, Spoiler – sogar jährlich gefeiert: bei „The Defeat of Jesse James Days“, einem fünftägigen Volksfest mit zahlreichen Attraktionen, darunter natürlich Inszenierungen des Überfalls.

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Die Bande bereitet sich auf den Überfall vor

Der Film beschreibt, wie die Banditen um Jesse und Frank (John Pearce) James sowie Cole Younger (Cliff Robertson) nach dem Ende des US-Bürgerkriegs um ein Haar amnestiert werden. Einige Bankiers hintertreiben die Begnadigung aber. Die jagen ihnen die legendäre Pinkerton-Agentur auf die Fersen. Dennoch planen die Gangster einen großen Coup: den Überfall auf die Bank von Northfield in Minnesota.

Die Ära des Spätwesterns

1973 war New Hollywood in vollem Gange, was sich auch aufs Westerngenre auswirkte: Sam Peckinpah hatte mit „The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“ (1969) und „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ (1973) ebenso eher Abgesänge abgeliefert wie George Roy Hill mit „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (1969). Es geht – auch durch den Einfluss des Italo-Westerns – schmutziger, staubiger und schlammiger zu als in den Edel-Western mit John Wayne oder James Stewart. Das gilt auch für „Der große Minnesota Überfall“, einem Frühwerk von Philip Kaufman („Die Körperfresser kommen“, „Der Stoff, aus dem die Helden sind“, „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“).

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Fatale Folgen

Kaufman kontrastiert famos die beiden treibenden Kräfte der Bande: Cole Younger, dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan, ist willens, sich dem veränderten Lauf der Dinge anzupassen, Jesse James hingegen will weiter das machen, was er vorher gemacht hat. Für ihn ist der Bürgerkrieg gegen die Yankees noch lange nicht vorüber.

Deutsche Erstveröffentlichung – auch als Blu-ray

Das macht „Der große Minnesota Überfall“ zu einem mehr als würdigen Vertreter der „Edition Western Legenden“ von Koch Films – in deutscher Erstveröffentlichung (eine uralte VHS-Version mag es geben, das entzieht sich aber meiner Kenntnis) und sogar auf Blu-ray. Bild und Ton haben anständige Qualität, aber ohne Wow-Effekt. Trotzdem natürlich eine bedeutsame Veröffentlichung eines sehenswerten Films – ein toller Spätwestern.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Robert Duvall sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Die „Edition Western Legenden“ haben wir in der Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Veröffentlichung: 28. Januar 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Great Northfield, Minnesota Raid
USA 1972
Regie: Philip Kaufman
Drehbuch: Philip Kaufman
Besetzung: Cliff Robertson, Robert Duvall, Luke Askew, R. G. Armstrong, Dana Elcar, Donald Moffat, Matt Clark, Royal Dano, Elisha Cook Jr., William Callaway
Zusatzmaterial: Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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