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Michael Cimino (IV) / Clint Eastwood (XXI): Die Letzten beißen die Hunde – Famoses Regiedebüt

Thunderbolt and Lightfoot

Von Volker Schönenberger

Krimikomödie // „Thunderbolt and Lightfoot“, so der Originaltitel, das sind zwei von Clint Eastwoord und Jeff Bridges verkörperte Kleinkriminelle, die hinter der Beute eines alten Raubzugs von Thunderbolt her sind. Dabei treibt es sie durchs Land, verfolgt von Thunderbolts alten Komplizen (George Kennedy, Geoffrey Lewis).

Lightfoot (l.) und Thunderbolt hecken etwas aus

Autor Simon hat Michael Ciminos Regiedebüt bereits vor einem Jahr ausführlich eingeordnet, mehr gibt es an kritischer Würdigung des Films gar nicht zu schreiben. „Die Letzten beißen die Hunde“ gibt sich phasenweise wie ein zielloses Roadmovie, was aber sehr gut zu seinen orientierungslosen Figuren vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Spannungen nach Ende des Vietnamkriegs passt. Am Ende wirkt die actionreiche Krimikomödie dann auch rund.

Erstmals als Blu-ray

Nun ist der Film hierzulande endlich als Blu-ray erhältlich, und dann auch gleich im formschönen Mediabook aus dem Hause capelight pictures. Die Bildqualität überzeugt bis ins Detail mit sauberen Farben und gutem Kontrast, Körnigkeit blieb erhalten. An der Tonqualität werden sich nur Konsumenten stören, die selbst bei alten, in Stereoton gedrehten Filmen unbedingt mehr Kanäle brauchen.

Red Leary (M.) ist ihnen auf den Fersen

Mit Ausnahme eines fachkundigen Audiokommentars und einer Tonspur mit isolierter Filmmusik gibt es leider kein nennenswertes Bonusmaterial. Über das eine oder andere Featurette mit Hintergründen hätten sich sicher viele Käufer gefreut, aber womöglich existieren keine. Der lesenswerte Booklet-Text des Medienwissenschaftlers Stefan Jung bietet aber einige Erkenntnisse über „Die Letzten beißen die Hunde“, sodass das Mediabook in Leinenoptik letztlich das übliche hohe Niveau der capelight-Veröffentlichungen hält. Da der Film selbst als gelungener Buddy-Movie über Zweifel erhaben ist, haben wir es mit einer rundum gelungenen Veröffentlichung zu tun.

Man rauft sich vorerst zusammen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Michael Cimino oder Clint Eastwood sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jeff Bridges in der Rubrik Schauspieler.

Das Innere des Mediabooks

Veröffentlichung: 23. März 2018 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD) und DVD, 7. Mai 2007 und 30. Juni 2003 als DVD

Länge: 115 Min. (Blu-ray), 111 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Thunderbolt and Lightfoot
USA 1974
Regie: Michael Cimino
Drehbuch: Michael Cimino
Besetzung: Clint Eastwood, Jeff Bridges, Geoffrey Lewis, George Kennedy, Gary Busey, Catherine Bach, Jack Dodson, Roy Jenson
Zusatzmaterial Neuauflage: Audiokommentar mit den Filmhistorikern Lem Dobbs, Julie Kirgo und Nick Redman, Tonspur mit isolierter Filmmusik, Kinotrailer, Trailershow, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet
Zusatzmaterial alte DVDs: keine Angabe
Label Mediabook & DVD-Neuauflage: capelight pictures
Vertrieb Mediabook & DVD-Neuauflage: Al!ve AG
Label/Vertrieb alte DVDs: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot DVD: © 2018 capelight pictures, Al!ve AG

 

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Clint Eastwood (XX): Die Brücken am Fluss – Sein einziger Ausflug ins romantische Fach

The Bridges of Madison County

Von Simon Kyprianou

Melodram // Meryl Streep hat eingeräumt, sie habe Robert James Wallers Romanvorlage, die Clint Eastwood ihr schickte, nach dem Lesen direkt in die Mülltonne geworfen – an solchem Kitsch habe sie kein Interesse. Das Drehbuch hat sie dann erfreulicherweise doch überzeugt. Bis heute hat der Film einen Sonderstatus im Werk von Clint Eastwood, zwischen Western und Actionfilmen sticht das klassische Melodram schon heraus, genau wie die vielen schönen Musikfilme die Eastwood gemacht hat. „Die Brücken am Fluss“ blieb leider Eastwoods einziger Ausflug in diese Richtung.

Die italienische Einwanderin Francesca Johnson (Streep) lebt in den 60er-Jahren zusammen mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern ein leidenschaftsloses Leben auf einer Farm in Iowa. Kurz nachdem ihr Mann mit den Kindern für ein paar Tage zu einer Landwirtschaftsausstellung nach Illinois gefahren ist, macht der Fotograf Robert Kincaid (Clint Eastwood) zufällig Halt bei der Farm der Johnsons, um nach dem Weg zu einer Brücke zu fragen, die er für National Geographic fotografieren soll. Die beiden verlieben sich ineinander.

Zum Glück sentimental

Eastwood inszeniert den Film in der wunderbaren Tradition des Hollywood-Melodrams. Er versichert sich dabei in seiner Inszenierung nicht gegen Sentimentalität oder Kitsch, um bemüht nüchtern und abgeklärt zu erzählen, glücklicherweise ist das Gegenteil der Fall: Er gibt sich Sentimentalität und Kitsch regelrecht hin, der Film zerfließt geradezu in Gefühlen. Und er vertraut seinen Figuren und ihrer Geschichte, versucht erst gar nicht, dieser intimen Liebesgeschichte etwas hinzuzufügen. Er erzählt die Geschichte aus Francescas Perspektive – in der Rahmenhandlung, die eine Brücke von Liebes- zu Familiendrama schlägt, finden sich ihre Berichte über die Affäre in ihrem Nachlass – sie werden von ihren Kindern entdeckt. Die weibliche Figur ist also Dreh- und Angelpunkt der Erzählung, das rückt den Film abermals in die Nähe der klassischen Hollywood-Melodramen, die ja auch meist „Frauengeschichten“ waren und gerade deshalb von der zeitgenössischen Kritik gern als trivial abgetan wurden.

Zehnte Oscar-Nominierung für Meryl Streep

Eastwood erzählt diese Geschichte geradeheraus und schnörkellos, ohne dabei Distanz zu den Figuren und ihren aufgewühlten Gefühlen zu suchen, mit viel Vertrauen in Lennie Niehaus’ großartige Filmmusik. Meryl Streep war nie wieder so gut wie in diesem Film, sie spielt Francesca ganz ohne Eitelkeiten. So frei wie hier, so scheint mir jedenfalls, hat sie selten gespielt. Das reichte immerhin für die zehnte ihrer mittlerweile 21 Oscar-Nominierungen. Sie wird es verschmerzt haben, dass sie 1996 Susan Sarandon unterlag, die den Academy Award für ihre Hauptrolle in „Dead Man Walking – Sein letzter Gang“ gewann.

Insbesondere in den vergangenen Jahren wünscht man sich, Eastwood werde sich wieder mehr Filmen wie „The Bridges of Madison County“ zuwenden, statt wieder und wieder amerikanische Helden zu porträtieren.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von oder mit Clint Eastwood sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Meryl Streep unter Schauspielerinnen.

Veröffentlichung: 9. Mai 2014 als Blu-ray, 15. August 2008 als Special Edition DVD, 2. Mai 2008 und 25. September 1998 als DVD

Länge: 135 Min. (Blu-ray), 129 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
Originaltitel: The Bridges of Madison County
USA 1995
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Richard LaGravenese, nach einem Roman von Robert James Waller
Besetzung: Clint Eastwood, Meryl Streep, Annie Corley, Victor Slezak
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2018 by Simon Kyprianou

Packshots: © 2018 Warner Home Video

 

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Clint Eastwood (XIX): Ein Fremder ohne Namen – Mystischer Antiheld kommt aus dem Nichts

High Plains Drifter

Von Simon Kyprianou

Western // Ein namenloser Reiter (Clint Eastwood) kommt in dem abgelegenen, kargen Goldgräbernest Lago an. Es scheint, als schäle er sich aus den Hitzewellen heraus, geisterhaft taucht er plötzlich am Horizont auf. Kaum in dem Kaff angekommen, tötet er erst einmal eine Reihe Revolvermänner, die von den Bewohnern zum Schutz angeheuert wurden. Danach vergewaltigt er eine Frau (Marianna Hill).

Ein Fremder ohne Namen trifft ein …

Die Leute in der Stadt sind verängstigt, denn drei weitere Revolvermänner haben dem Ort und seinen Bewohnern Rache geschworen – sie hatten sich die Goldreserven der Stadt angeeignet und die Bevölkerung terrorisiert, bis es irgendwann gelang, sie ins Gefängnis zu verfrachten. Der namenlose Fremde wird, trotz oder gerade wegen seiner kaltblütigen Gewalttaten, schnell als neuer Beschützer eingestellt. Nun fängt er seinerseits an, die Bewohner zu demütigen und zu terrorisieren. Er lässt die Häuser rot streichen, den Ortsnamen in „Hell“ – also Hölle – ändern und will den drei Gangstern einen großen Empfang bereiten. Diejenigen Einwohner, die sich gegen ihn stellen, tötet er kaltblütig.

… und beginnt aufzuräumen

Clint Eastwood, so scheint es, wollte in diesem Film fortführen, was die italienischen Western schon angedeutet, beziehungsweise in weniger radikaler Form in sich getragen haben: mystische, geisterhafte Figuren unbekannter, möglicherweise spiritueller Herkunft und eine allgegenwärtige Amoralität. Das schlägt sich in einigen von Eastwoods US-Western nieder, besonders auch in dem ebenfalls sehr interessanten „Pale Rider – Der namenlose Reiter“ von 1985.

Im folgenden Absatz wird etwas gespoilert

Dabei inszeniert Eastwood den Namenlosen trotz dessen unmoralischen Tuns sehr faszinierend – und er versucht gar nicht erst, dessen Problematik zu umgehen. Sein Fremder ist eine Erlöser-Figur, Eastwood dichtet seinem Protagonisten kaum verhohlen einen jenseitigen Ursprung an, macht ihn zum Wiederauferstandenen oder Wiedergänger. Solche Erlöser-Figuren sind problematisch, weil sie immer auch faschistoid und diktatorisch sind, weil sie qua Definition allen anderen überlegen sind. Und so inszeniert Eastwood diese Figur dann auch hoch problematisch, nicht darum bemüht ihr Sympathien zukommen zu lassen, aber auch die Rezeption dieser Figur bei den Dorfbewohnern ist ambivalent. Das sieht man vor allem in der Vergewaltigungsszene, in der die Frau ihrer Vergewaltigung gegenüber uneindeutige Gefühle entwickelt – sie gibt nach kurzer Zeit ihre Gegenwehr auf, empfindet gar Lust. Man muss aber hier aufpassen: Eastwood verharmlost oder legitimiert diese Tat nicht, er inszeniert sie als brutalen Akt der Gewalt. Natürlich kann und soll man die Szene aufgrund des Lustempfindens der Frau trotzdem kritisch sehen beziehungsweise sie zum besonderen Gegenstand kritischer Rezeption machen.

Das bekommt einigen Personen weniger gut

„Ein Fremder ohne Namen“ ist als Western hervorragend, Eastwood inszeniert den Film elegant und findet viele gute Bilder. Das Dorf wurde als Set an einem See gebaut und nicht im Studio gedreht, und Eastwood nutzt dieses Set visuell sehr schön aus. Insbesondere am Ende, wenn es vollständig rot angestrichen ist, dann in Flammen steht und inmitten dieser Zerstörung die letzten Kämpfe ausgetragen werden, findet Eastwood groteske, brutale Bilder. Das erinnert ein wenig an Sam Fuller und dessen Film „Shock Korridor“ an dessen Ende Fuller sein Set flutet und zerstört und in diesem Chaos die letzten Filmminuten stattfinden.

Clint Eastwood bricht mit Genremustern

Es ist ein überaus sehenswerter, idiosynkratischer Film, der sich geschickt vielen bekannten Genremustern entzieht, wie es immer wieder in Eastwoods Werk zu bemerken ist, zum Beispiel in seinem Regiedebüt „Sadistico – Wunschkonzert für einen Toten“, oder später im erwähnten „Pale Rider“.
„Ein Fremder ohne Namen“ war in Deutschland bislang indiziert und somit nicht einfach zu erwerben, im Fernsehen ist nur eine gekürzte Fassung ausgestrahlt worden. Den Bemühungen von capelight pictures ist es zu verdanken, dass die Indizierung im letzten Jahr aufgehoben wurde und der Film in einer sehr schönen Edition nun endlich frei verkäuflich ist. Das Label hat den Film in einem schmucken Mediabook veröffentlicht, leider ohne Extras, abgesehen von einem informativen Booklettext von Marcus Stiglegger, den man in vielen neuen Veröffentlichungen als Bookletautor lesen oder als Audiokommentator hören kann. Im Mediabook liegt der Film sowohl als DVD als auch als Blu-ray vor.

Ist Lago die Hölle?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von oder mit Clint Eastwood sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Welche Absichten verfolgt der Namenlose?

Veröffentlichung: 19. Januar 2018 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD) und DVD

Länge: 105 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: High Plains Drifter
USA 1973
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Ernest Tidyman
Besetzung: Clint Eastwood, Verena Bloom, Marianna Hill, Geoffrey Lewis, Jack Ging, Stefan Gierasch, Billy Curtis, Walter Barnes, Robert Donner, Paul Brinegar, Richard Bull, John Hillerman
Zusatzmaterial (nur Mediabook): Booklet
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2018 Al!ve AG / capelight pictures

 

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