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Captain Marvel – Marvels mächtigste Heldin ist da!

Captain Marvel

Kinostart: 7. März 2019

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Action // Das Marvel Cinematic Universe (MCU) steht vor einem großen Umbruch. Neue Helden kommen, alte Recken gehen. Bevor Phase 3 des MCU ab dem 25. April mit „Avengers – Endgame“ offiziell beendet wird, lernen wir mit Carol Danvers alias Captain Marvel eine der neuen Kämpferinnen für das Gute kennen. Der 21. Film innerhalb des MCU bietet gleich eine doppelte Premiere: Erstmals wird eine weibliche Superheldin in den Mittelpunkt der Handlung gestellt, dargestellt von Oscar-Preisträgerin Brie Larson („Raum“). Gleichzeitig übernimmt mit Anna Boden erstmals eine Frau die Regie bei einem Marvel-Film – wenn auch gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Ryan Fleck. In beiden Punkten hatte zuvor ausnahmsweise die ansonsten stets hinterherhinkende Konkurrenz aus dem DC Extended Universe die Nase vorn. Ob „Captain Marvel“ einen ähnlichen Erfolg an den Kinokassen feiern wird, wie „Wonder Woman“ von Patty Jenkins, wird die nahe Zukunft zeigen.

Mentor und Schülerin: Yon-Rogg und Vers

In der Abspannszene von „Avengers – Inifinity War“ (2018) konnte Nick Fury (Samuel L. Jackson) mit seinem Pager einen letzten Notruf an Captain Marvel (Larson) absetzen. Die erstmals 1968 in Comic-Form in Erscheinung getretene Superheldin ist somit die letzte Hoffnungsträgerin, um mit ihren Fähigkeiten die aussichtslos erscheinende Schlacht gegen Thanos doch noch in einen Sieg umzumünzen. Ihre hier erzählte Vorgeschichte setzt dabei im Jahr 1995 ein, ist also zeitlich vor dem ersten MCU-Film „Iron Man“ (2008) angesiedelt.

Zurück auf der Erde

Wenn wir Carol Danvers das erste Mal begegnen, hört sie auf den Namen Vers und gehört einer galaktischen Elite-Einheit der Krees an. Da sie nachts im Schlaf von Erinnerungen und Visionen heimgesucht wird, trainiert sie in dieser Zeit lieber mit ihrem Mentor Yon-Rogg (Jude Law) ihre Kampftechnik. Doch ihr Temperament und ihre Energiestöße, die sie aus ihren Armen schießen lassen kann, hat Vers noch nicht ganz im Griff. Da kommt ein neuer Auftrag gerade recht. Gemeinsam mit ihrem Team, dem unter anderem auch Korath (Djimon Hounsou) und Minn-Erva (Gemma Chan) angehören, soll sie unter Yon-Roggs Führung ein besetztes Territorium zurückerobern. Dieses ist in die Hände der Skrulls gefallen. Die Alien-Rasse ist der Erzfeind der Krees und verfügt über eine besondere Fähigkeit: Die Kreaturen können ihre Gestalt wandeln.

Auf der Erde macht sich Vers mit dem öffentlichen Nahverkehr vertraut

Der Einsatz geht schief. Vers wird gefangen genommen und erhält von Talos (Ben Mendelsohn), dem Anführer der Skrulls, eine Spezialbehandlung. Doch bevor der Außerirdische ihre Erinnerungen scannen kann, gelingt der Soldatin mit einer Rettungskapsel die Flucht. Vers landet krachend auf der Erde – in einer Blockbuster-Videothek in Los Angeles. Auch einige Skrulls haben es auf den Planeten geschafft und nehmen jetzt zur Tarnung fleißig das Aussehen verschiedener Passanten an. Gemeinsam mit dem herbeigerufenen S.H.I.E.L.D-Agenten Nick Fury jagt Vers schließlich den Aliens hinterher. Dabei werden ihre Visionen und Déjà-Vus immer intensiver. Bald findet Vers heraus, dass sie schon einmal auf der Erde war. Als Air-Force-Piloten, die 1989 einen folgenschweren Absturz hatte. Ihr damaliger Name: Carol Danvers.

Kein Überflieger

„Höher, weiter, schneller, Baby!“ Mit diesem Spruch starten Carol Denvers und Pilotenkollegin Maria Rambeau (Lashana Lynch) in ihren Maschinen in die Lüfte. Doch so ganz will dieses Motto zunächst nicht passen. Ein echter Überflieger ist „Captain Marvel“ nicht geworden, dafür ein solider, unterhaltsamer Blockbuster, dem es allerdings etwas an Spektakel fehlt. Der erste Einsatz gegen die Skrulls könnte aus einer „Star Trek“-Folge stammen, gegen Ende gibt es eine Flug-Verfolgungsjagd durch einen engen Canyon, welche in ihrer Machart an „Star Wars“ erinnert. Diese Actionszenen erfüllen ihren Zweck, wirken aber etwas uninspiriert und es fehlt an der nötigen Dramatik, um wirklich mit ihnen mitfiebern zu können. Vielleicht war die Inszenierung dieser Sequenzen für die Filmemacher Boden/Fleck, die sich mit kleinen Indie-Perlen wie „Half Nelson“ (2006) einen Namen gemacht haben, doch eine Nummer zu groß.

Digitale Verjüngunskur

Dafür spielen sie ihre Qualitäten in anderen Bereichen voll aus und können sich auf ihren namhaften Cast verlassen. Sobald das Geschehen vom All auf die Erde verlagert wird, fühlt sich das 21. MCU-Abenteuer auch überaus geerdet an. Dass ein Großteil der Kulissen und auch die Alien-Masken am Computer generiert sind, erkennt man nur selten. Das Duo Brie Larson und Samuel L. Jackson, die beide schon gemeinsam in „Kong – Skull Island“ (2017) arbeiteten, erweist sich als perfekt eingespieltes Team. Im Stil eines Buddy-Movies fetzen sie sich ordentlich, jagen den Bösewichtern hinterher und geben einander Rückendeckung. Dabei gibt Larson zunächst eine eher zurückhaltende Performance ab, doch je mehr ihre Figur wieder zu sich selbst findet, ihre Erinnerungen zurückkehren, lässt sie ihre verbissene Ernsthaftigkeit hinter sich und es huscht immer häufiger ein Lächeln über ihr Gesicht. Samuel L. Jackson ist natürlich ein Selbstgänger, grandios wie immer. Kaum zu glauben, dass er im vergangenen Dezember seinen 70. Geburtstag gefeiert hat – erst recht nicht, da sein Gesicht einer digitalen Verjüngungskur unterzogen wurde. Marvel hatte diese Methode bereits für einige Szenen mit Robert Downey Jr. in „The First Avenger – Civil War“ (2016) und Michael Douglas in „Ant-Man“ (2015) angewendet, aber den vermeintlich jungen Samuel L. Jackson während der Dauer eines kompletten Films zu sehen, ist überzeugend gelungen. Ebenso wurde auch Clark Gregg als Agent Coulson auf jung getrimmt. Wenn man sich dazu die absolut lächerlich wirkende Anfangssequenz mit Nicole Kidman und Temuera Morrison aus „Aquaman“ (2018) ins Gedächtnis ruft, ist das MCU in diesem Bereich dem Konkurrenten klar überlegen.

Dort sind auch Talos (l.) und die anderen Skrulls gelandet

Die Geschichte gibt zum Glück auch Ben Mendelsohn die Möglichkeit, trotz seiner Alien-Maske und mithilfe der Sprache seiner Figur die nötige Tragik zu verleihen und nicht wie etwa in „Ready Player One“ einen recht generischen Schurken zu geben. Und dann ist da noch der heimliche Star des Films, über den jeder sprechen wird: die coole Katze Goose! Ob das Pelztier nach Anthony Edwards’ Charakter gleichen Namens aus „Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“ (1986) benannt ist?

Die 90er sind wieder da

Nach der allgemeinen Nostalgiewelle auf die 80er-Jahre feiert das Comic-Abenteuer jetzt das darauffolgende Jahrzehnt. Und das mit einem großen Augenzwinkern: CD-Rom-Laufwerke in Windows-95-Rechnern, die Ewigkeiten benötigten, bis die Daten eingelesen waren, Videotheken mit großen Pappaufstellern oder die Grunge-Mode. Für alle, die dabei waren, ein großer Spaß. Gleichzeitig sorgt auch schon wie in „Guardians of the Galaxy“ der passende Soundtrack für Stimmung: Von R.E.M. über Nirvana bis hin zu TLC werden zahlreiche zeitgenössische Hits serviert. Und nur wenn Carol Danvers zu den Takten von „Just a Girl“ von No Doubt die Bösewichte in einer Rockerkneipe verprügelt, dringt die ansonsten eher subtil vermittelte feministische Botschaft etwas zu laut ins Gehör.

Schlummernde Kräfte

Dass die Ursprungsgeschichte von Captain Marvel diesmal unüblich nicht chronologisch erzählt wird, sondern sich durch Rückblenden nach und nach zusammensetzt, ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits durchbricht diese Herangehensweise erfrischend das übliche Muster, andererseits verliert die Titelfigur durch die ständige Ungewissheit und ihre Suche nach ihrer Identität auch etwas von ihrer Stärke. Doch sobald Carol im letzten Akt zu sich selbst gefunden hat, mit voller Energie sowie neuer Anzugfarbe in den Himmel steigt und im Kosmos durch ein Raumschiff wie durch Butter gleitet, dann können wir erahnen, welche Kräfte in Marvels mächtigster Heldin schlummern. Und diese wird Captain Marvel in „Avengers – Endgame“ mit Sicherheit ohne zuvor angezogene Handbremse demonstrieren können.

S.H.I.E.L.D.-Agent Nick Fury in jungen Jahren – und noch mit zwei Augen

Abschließend zwei Hinweise: Ja, die leider verstorbene Comic-Legende Stan Lee (1922–2018) erhält eine Würdigung, und wie üblich bei Marvel-Filmen heißt es: Während des Abspanns sitzen bleiben! In der Mitte und am Ende folgen je noch eine kurze Szene.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brie Larson sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Samuel L. Jackson und Jude Law unter Schauspieler.

Höher, weiter, schneller, Captain Marvel!

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Captain Marvel
USA 2019
Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck, Geneva Robertson-Dworet
Besetzung: Brie Larson, Gemma Chan, Ben Mendelsohn, Samuel L. Jackson, Jude Law, Lee Pace, Annette Bening, Djimon Hounsou, Clark Gregg, Lashana Lynch
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

 

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Valerian – Die Stadt der tausend Planeten: Ein intergalaktischer Augenschmaus

Valerian and the City of a Thousand Planets

Kinostart: 20. Juli 2017

Von Florian Schneider

Science-Fiction // Es gibt Filme, deren Realisierung erst in den vergangenen Jahren möglich geworden ist – dem Computerzeitalter sei Dank. Ansonsten hätte Regisseur und Visionär Luc Besson seiner Kindheitsliebe, dem französischen Kult-Comic „Valérian et Laureline“ (dt. „Valerian und Veronique“) von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin, wohl schon vor Jahrzehnten ein filmisches Denkmal gesetzt. Stattdessen schuf er 1997 mit dem Box-Office-Hit „Das fünfte Element“ einen kleinen aber sehr erfolgreichen Science-Fiction-Bruder von „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“. Übrigens erarbeitete Jean-Claude Mézières zusammen mit der zweiten französischen Zeichnerlegende Jean Giraud (Moebius) das komplette Artwork von „Das fünfte Element“.

Dem mystischen und friedliebenden Volk der Pearls …

Zum Inhalt: Als sich ein triumphal hochgeworfener Knochen in der Luft drehend in eine Raumstation verwandelt, ist dies der Beginn des unvergesslichen Science-Fiction-Epos „2001 – Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick. Bei „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ verfolgen wir zu den Klängen von David Bowies „Space Oddity“ nun das Wachstum einer internationalen zu einer intergalaktischen Weltraumstation. Illustriert wird es durch die Jahrhunderte mit Begrüßungszeremonien, anfangs zwischen Menschen (US-Amerikanern, Russen, Chinesen etc.), im Lauf der Zeit auch zwischen Menschen und Außerirdischen. Sehr schön ist hier die Reminiszenz an „Das fünfte Element“: Die Mondoshawan haben auch einen kleinen Auftritt.

… droht Ungemach – und die Menschen sind mitschuldig

Im 28. Jahrhundert erreicht die Weltraumstation Alpha, längst losgelöst von der Erde und an einem fernen Punkt der Galaxie angekommen, eine gigantische Größe. Alpha beherbergt inzwischen siebzehn Millionen Einwohner, zusammengesetzt aus Tausenden verschiedenen Spezies, womit sie zu einer „Stadt der tausend Planeten“ geworden ist.

Die Raum-Zeit-Agenten Valerian und Laureline auf geheimer Mission

 

Kontrolliert, militärisch und verwaltungstechnisch, wird Alpha allerdings immer noch von Menschen, womit unsere Helden, die Raum-Zeit-Agenten Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne), ins Spiel kommen. Im Auftrag ihres Chefs, Commander Arün Filitt (Clive Owen), machen sich die beiden Agenten zunächst auf die Suche nach einem kleinen Nagetierchen, das mystische Kräfte besitzt, um anschließend dem Commander bei einer diplomatischen Mission auf Alpha zur Hand zu gehen.

Sieht aus wie ein Milchbubi, hat es aber faustdick hinter den Ohren: Major Valerian

Wie es sich für ein ordentliches Abenteuer gehört, geht dabei so einiges schief, und immer wieder nimmt die Geschichte eine neue Wendung. Doch eines ist sowieso klar: die Geschichte selbst dient lediglich als Vehikel für das dialogspritzige Zusammenspiel der beiden Helden und, mehr noch, für die atemberaubende Bilderflut, mit der Besson seiner Kindheitsliebe Leben einhaucht.

Commander Arün Filitt blickt nicht nur finster drein

Wie in einem Panoptikum betrachten wir dabei staunend ein Szenario nach dem anderen, wobei Besson die Ideen nie auszugehen scheinen – ob bei der Gestaltung der fantastischen Welten oder der Vielzahl ihrer unterschiedlichsten Bewohner. Man merkt einfach bei jeder Szene und jedem Detail, wie viel Herzblut Besson in seinen Film gesteckt hat. Das Ergebnis ist ein Bilderrausch, der sogar die US-amerikanischen Blockbuster wie „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ in den Schatten stellt. Auftritte von internationalen Stars wie der Popsängerin Rihanna, dem Musikgenie Herbie Hancock und Schauspielergrößen wie Ethan Hawke und Rutger Hauer leisten ihr Übriges.

Mit „Space-Orks“ ist nicht gut Kirschen essen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Luc Besson sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit John Goodman, Rutger Hauer, Ethan Hawke und Clive Owen in der Rubrik Schauspieler.

Wenn Laureline Fragen stellt, sollten auch sprechende Enten besser antworten

Länge: 137 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Valerian and the City of a Thousand Planets
F/USA 2017
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson, nach der Comic-Vorlage von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières
Besetzung: Dane DeHaan, Cara Delevingne, Clive Owen, Rihanna, Ethan Hawke, John Goodman, Rutger Hauer, Mathieu Kassovitz, Elizabeth Debicki, Aymeline Valade, Kris Wu, Emilie Livingston, Diva Cam, Sam Spruell, Alexandre Willaume, Herbie Hancock, Alexandre Nguyen
Verleih: Universum Film

Copyright 2017 by Florian Schneider

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universum Film

 
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Verfasst von - 2017/07/19 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Doctor Strange – Marvels LSD-Trip

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Doctor Strange

Kinostart: 27. Oktober 2016

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Während das Filmuniversum des Comic-Giganten Marvel durch die Serien auf Netflix im Fernsehen einen durchaus realistischen Anstrich bekommt, setzen die Kinofilme im Gegensatz dazu weiter auf überbordenden Bombast. Nun kommt mit „Doctor Strange“ auch noch eine magische Komponente in das eigentlich schon sehr volle Filmkonglomerat.

Ohne Hände kein Chirurg

Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist ein erfolgreicher Chirurg, dem aber nach einem schlimmen Schicksalsschlag seine Arroganz teuer zu stehen kommt: Ein Unfall zerstört die Nerven in seinen Händen, kein Arzt kann oder will ihm helfen. Auch das Verhältnis zu seiner Kollegin Christine Palmer (Rachel McAdams) geht in die Brüche. Doch Stephen hört von der Wunderheilung eines Querschnittsgelähmten – und trifft bei seiner Suche nach einer Erklärung auf die „Uralte“ (Tilda Swinton, im Original: „The Ancient One“). Diese erklärt Stephen, dass es etliche Universen gibt und man aus diesen Energie abzapfen kann, um in unserer Realität Magie zu bewirken. Das fasziniert den Doktor so sehr, dass er bei der Uralten und ihrem Assistenten Mordo (Chiwetel Ejiofor) in Lehre geht. Bald schon wird Stephen seine neuen Fähigkeiten dringend brauchen, denn der finstere Kaecilius (Mads Mikkelsen) hat es darauf abgesehen, die Realitäten zu zerstören.

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Stephen Strange fällt nach seinem Unfall in ein Loch

Die Zaubertricks, die man bereits im Trailer gesehen hat und ein wenig an Christopher Nolans „Inception“ erinnern, sind tatsächlich nur die Spitze des Eisberges. Wenn die Uralte Stephen Strange die Weiten des Multiversums zeigt, kommt man sich vor wie auf einem exzessiven Drogentrip. Wilde Formen und Farben prasseln auf den Zuschauer ein, visuell ist „Dr. Strange“ wohl der bisher beeindruckendste Film des Marvel Cinematic Universe.

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Die Uralte unterrichtet den Arzt

Das ist dann leider auch schon der prägendste Charakterzug des Films. Gerade die Geschichte wirft immer wieder Fragen auf. So weiß man zum Beispiel nicht, wie viel Zeit über die Dauer der Handlung vergeht, was zu einem merkwürdig losgelösten Gefühl führt. Das wird dadurch verstärkt, dass penibel darauf geachtet wurde, den Film eigenständig zu halten. Zwar werden kleine Details wie der Unfall von War Machine in „Civil War” erwähnt, die Verzahnung im großen Marvel-Universum beschränkt sich jedoch auf ein Minimum.

Humor als Problem

Auch erweist sich eine Sache als Problem, die Marvel bisher dem Konkurrenten DC voraus hatte – der Humor. „Dr. Strange“ ist an sich ein ziemlich ernster Film, dazu passt auch die Inszenierungsweise von Horror-Spezialist Scott Derrickson („Erlöse uns von dem Bösen“, „Sinister“). Dadurch wirken allerdings viele der Witze enorm deplatziert. Natürlich gibt es den einen oder anderen guten Gag, doch das wirkt im Gesamtkontext des Films falsch. Auch kann Derrickson seine Stärken nie ganz ausspielen. Außer am atmosphärischen Anfang, bei dem der Marvel-typisch blasse Bösewicht Kaecilius einen Bibliothekar köpft, und den Spezialeffekten hat der Film kein Alleinstellungsmerkmal, welches ihn visuell von den anderen Superhelden-Produktionen abhebt.

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Mordo überwacht die Lehrlinge

Und dann gibt es noch eine Sache, die sich durch den kompletten Film zieht: Die Macher erklären sämtliche Dinge mehrfach. Gerade in der Szene, in der Stephen das Auge von Agamotto und dessen zeitmanipulierenden Fähigkeiten entdeckt, wird dies dem Zuschauer so lange gezeigt, bis auch der letzte geistige Tiefflieger im Kinosaal verstanden hat, wie das Artefakt funktioniert. Auch die wiederholten Einstellungen, in denen die Hände von Doctor Strage gezeigt werden, wirken spätestens nach dem vierten Mal einfach gekünstelt und unnötig.

Spielfreudig: Tilda Swinton und Benedict Cumberbatch

Zum Glück gibt es einen spielfreudigen Cast, zumindest bei den beiden Hauptakteuren. Benedict Cumberbatch hat sichtlich Spaß an dem magischen Brimborium und verleiht seiner Figur vor allem am Ende eine beeindruckende Tiefe. Auch Tilda Swinton spielt ihre Uralte nicht als weise Lehrmeisterin, sondern gibt der Figur einen spitzbübischen Charme. Der Rest der Figuren wirkt leider noch ein wenig unterentwickelt, gerade Rachel McAdams („Spotlight“) hat als Love Interest nicht viel mehr zu tun als präsent zu sein.

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Christine hilft Stephen – selbst wenn der in merkwürdigen Klamotten ankommt

Das Ganze ist natürlich das bekannte Meckern auf hohem Niveau – „Dr. Strange“ ist bei weitem kein schlechter Film. Dennoch passen nach der tollen letzten Einführung eines neuen Helden in „Ant-Man“ zu viele Zahnräder nicht ineinander, sodass ein sehr unrunder Film entsteht. Allerdings wird in einer der obligatorischen Abspannszenen bereits darauf hingewiesen, dass Dr. Strange in einem der nächsten Marvel-Abenteuer mitmischen wird – und diese Kooperation könnte enorm unterhaltsam werden …

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Kaecilius und seine finstere Gang

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tilda Swinton sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Scott Adkins, Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Chris Hemsworth und/oder Mads Mikkelsen in der Rubrik Schauspieler.

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So sieht ein wahrer Zauberer aus

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Doctor Strange
USA 2016
Regie: Scott Derickson
Drehbuch: Jon Spaihts, Scott Derickson, C. Robert Cargill, nach der Comic-Figur von Steve Ditko
Besetzung: Benedict Cumberbatch, Rachel McAdams, Tilda Swinton, Mads Mikkelsen, Chiwetel Ejiofor, Scott Adkins, Benedict Wong, Benjamin Bratt, Chris Hemsworth
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Marvel. All Rights Reserved.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 2016/10/24 in Film, Kino, Rezensionen

 

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