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Onward – Keine halben Sachen: Was wäre, wenn …?

Onward

Kinostart: 5. März 2020

Von Philipp Ludwig

Computertrick-Fantasykomödie // Was wäre, wenn sich Frodo Beutlin auf Google Maps verlassen hätte, an der Grenze zu Mordor aber der Handyempfang flöten gegangen wäre? Wenn Jon Snow die Pflege seines Instagram-Profils (#iknownothing) dem beschwerlichen Kampf gegen den Nachtkönig vorgezogen hätte? Oder Geralt von Riva sich nicht seiner Bestimmung widmen würde, als Hexer Monster zu jagen, um lieber auf YouTube seine Routine-Videos zu perfektionieren? Als nerdaffiner, dem Fantasy-Genre in Buch, Film und Videospiel zugeneigter Mensch habe ich mich immer mal wieder bei der Frage erwischt, was wohl gewesen wäre, hätte auch in Mittelerde oder Westeros der technische Fortschritt Einzug gehalten.

Die Lightfoots – sieht so eine ganz normale Elfenfamilie aus?

In gewisser Weise wirkt es schon ein wenig komisch. Da haben wir Welten, in denen allerlei skurrile Geschöpfe und schwer greifbare Kräfte wie die Magie allgegenwärtig sind – einen wirklichen technischen Fortschritt gibt es aber selbst in Hunderten, gar Tausenden von Jahren nicht zu beobachten. Natürlich stellt gerade dies einen entscheidenden Erfolgsgaranten des Genres dar, als Gegenentwurf zu unserer eigenen hektischen und fortschrittshörigen Gegenwart. Ein Hoch auf den Eskapismus. Die kreativen Köpfe der Pixar Studios um Autor und Regisseur Dan Scanlon („Die Monster Uni“) haben sich in ihrem neuesten Animationsstreich „Onward – Keine halben Sachen“ auf filmische Weise genau dieser „Was wäre wenn?“-Fragestellung angenähert. Ob sie dabei an großartige Klassiker aus der langen Erfolgsgeschichte des Studios wie „Wall-E“, „Die Monster AG“ oder die „Toy Story“-Reihe anknüpfen können?

Vom Gegenentwurf zum Partner

Durch bahnbrechende Animationsfilme konnte sich Pixar seit den 1990ern nicht umsonst als größter Konkurrent der Trickfilmgiganten aus dem Hause Disney hervortun. Entgegen der oft allzu moralisch und kitschig angehauchten Disney-Produktionen gelang es den Pixar-Filmen auf ansprechende Weise, verschiedene Aspekte unter einen Hut zu bringen. So bieten ihre meist ausgesprochen intelligenten Werke Anknüpfungspunkte für Jung und Alt. Sei es durch eine vordergründig putzige Inszenierung und den meist hintergründigen Humor mit zahlreichen Anspielungen auf andere Werke der Popkultur – oder durch ihre Behandlung feinfühliger und tiefgründiger Themen des Lebens. Ein filmischer Meilenstein wie „Wall-E“ etwa ist mir in meinem medienwissenschaftlichen Studium in gleich drei Seminaren als analytisches Referenzobjekt über den Weg gelaufen. Ob im Philosophieseminar als Diskussionsgegenstand zu Fragen rund um das Thema der „Personal Identity“ oder im Drehbuchseminar als Beispiel, wie man einen nichtmenschlichen Helden durch den Schreibprozess „menschlich“ werden lässt – das Werk hat deutlich mehr zu bieten als nur die rührende Liebesgeschichte eines niedlichen Müllsammlers. So bieten Pixar-Filme in der Regel nicht nur viel Grund zum Lachen (und mitunter Weinen), sondern sie regen dankenswerterweise stets zum Nachdenken an. Kein Wunder also, dass sich Disney auch diesen Konkurrenten nach bereits anfänglicher enger Zusammenarbeit mittlerweile auch offiziell „einverleibt“ hat.

Der schüchterne Ian (l.) und sein stets auf sein Bauchgefühl vertrauender Bruder Barley

„Onward – Keine halben Sachen“ wirft uns in eine prototypische fantastische Welt. Hier gibt es alles, was das Fantasy-Herz begehrt: Gandalfeske Zauberer bekämpfen monströse Drachen. Tapfere Reckinnen und Recken bestehen Abenteuer aller Art. Elfen leben friedlich neben Zwergen, Meerjungfrauen und Trollen. Majestätische Einhörner fliegen durch die Lüfte. Auch für den Komfort wird gesorgt. Zumindest, wenn sich ein Magier dazu erbarmt, einem ein kleines Feuerchen zu entzünden oder die Hütte zu erwärmen. Doch irgendwie sind es die Bewohner dieser Welt satt, für derlei Bequemlichkeiten stets auf die Hilfe der Zauberer angewiesen zu sein oder den komplizierten Umgang mit der Magie selbst zu erlernen. Vor allem als sich herumspricht, dass es jemanden gelungen ist, etwas viel Bequemeres zu erfinden: die Glühbirne. Da die verheißungsvollen Versprechungen von Technik und Elektrizität auch für magiegewohnte Lebewesen einfach zu verlockend sind, ist der Fortschritt nicht mehr aufzuhalten.

Fantasy im Smartphone-Zeitalter

Zeitsprung: New Mushroomton ist eine moderne mittelgroße Stadt, ausgestattet mit allerlei Hightech-Schnickschnack wie Smartwatches und Navis. Magie oder Zauberer sucht man hier vergebens. Elfen arbeiten jetzt mitunter als Buchhalter, einst vor Kraft strotzende Zentauren als lauffaule Polizisten und die ehemals majestätischen, nun verwahrlosten Einhörner giften sich in den Straßen gegenseitig beim Müllfressen an. Auch die einst gefürchteten Drachen nehmen mittlerweile eher die Rolle von zahmen Schoßhündchen ein. Dort leben die jungen Elfen-Brüder Ian und Barley Lightfoot mit ihrer alleinerziehenden Mutter. An seinem 16. Geburtstag wird der schüchterne Ian von Existenzängsten geplagt und fragt sich, wer er eigentlich einmal im Leben sein will. Zu gern würde er sich den Rat seines als umgänglich bekannten, von allen geliebten Vaters wünschen. Doch leider starb der kurz vor Ians Geburt an einer tödlichen Krankheit. Ians großer Bruder Barley hingegen interessiert sich mehr für die nächste Quest in einem Abenteuer-Brettspiel. Sowieso scheint der tollpatschig veranlagte, aber liebenswerte Nerd einer der letzten zu sein, der sich noch für die spannende Historie einer einst so besonderen Welt interessiert.

Ian lässt ungeahntes Talent hervorblitzen

Zum Geburtstag erhält Ian ein lang gehütetes Geschenk seines toten Vaters, das seine Mutter ihm erst zum 16. Geburtstag überreichen durfte: einen alten Zauberstab samt Zauberspruch! Dieser soll helfen, den Verstorbenen einmalig für einen letzten gemeinsamen Tag zurückzuholen. Erstaunlicherweise zeigt Ian tatsächlich Ansätze eines magischen Talents. Dumm nur, dass der für den komplizierten Zauberspruch existenzielle Part des Stabes – ein Phönixstein – während der noch etwas ungelenken Magieeinlage des Anfängers zerbricht. Um den Vater, von dem aufgrund des Missgeschicks leider nur der (immerhin quicklebendige) Unterleib beschworen wurde, zu vervollständigen, wird rasch Ersatz benötigt. Die Zeit läuft, denn in 24 Stunden wäre selbst dieser halbe Vater endgültig für alle Zeit verloren. Es beginnt für die beiden Brüder eine aufregende Quest, die sie vor allerlei Herausforderungen stellen wird. Da trifft es sich für Ian natürlich gut, mit Obernerd Barley und dessen reichhaltigem Erfahrungsschatz den richtigen Partner an der Seite für ein zünftiges Abenteuer zu haben. Oder etwa nicht?

Eine Ode an die Nerds

Der animationsfilmerfahrene Dan Scanlon und sein Team bieten in den knapp hundert Minuten Laufzeit von „Onward – Keine halben Sachen“ eine gehörige Menge Abwechslung. So handelt es sich in erster Linie um eine liebenswerte Parodie des Fantasy-Genres ebenso wie eine Liebeserklärung an ausgeprägtes Nerdtum. Man merkt an der Qualität der Witze sowie der Liebe zu den einzelnen Figuren und Anspielungen auf Filme, Bücher und Spiele des Genres, dass die Macher selbst eine gewisse Nerdigkeit besitzen dürften. Ihr Werk lässt sich somit als Hommage an all die Leseratten, Filmfreaks und Brettspielhelden da draußen verstehen, statt sich beispielsweise auf ihre Kosten über sie lustig zu machen.

Seine magischen Fertigkeiten reichen zunächst jedoch nur für eine unvollständige Beschwörung

„Onward – Keine halben Sachen“ bietet aber viel mehr als das. Der Animationsfilm enthält weitere Elemente populärer Genres, etwa des Coming-of-Age-Films und des Roadmovies. Ebenso werden auf tiefgründige und emotionale Weise existenzielle Themen des Lebens behandelt. Sei dies die schwierige Frage nach der eigenen Identität oder der Umgang mit dem schmerzlichen Verlust nahestehender Menschen. Durch das obskure Gedankenexperiment, die Auswirkungen technischer Entwicklungen auf eine magische Welt auf amüsante Weise durchzuspielen, bietet sich darüber hinaus auch großes Potenzial zu einer sozialkritischen Betrachtung unserer der Technik verfallenen Gesellschaft. So ist zum Beispiel eine einst gefürchtete und legendäre Mantikora Corey als zahm gewordene Gastronomin eines Familienschnellrestaurants gegenwärtig eher über eine kaputte Karaokemaschine und damit verbundene negative Bewertungen im Internet besorgt. Ebenso droht die Begegnung mit einer nicht zu unterschätzenden Bikergang aus dem Ruder zu laufen, bestehend aus winzigen, Lederjacken tragenden und vollbärtigen Feen mit rosa Flügelchen. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht, seht selbst! Der technische Fortschritt scheint sich für die einst so fabelhaften Bewohner von New Mushroomton aber nicht nur als Segen herausgestellt zu haben, zumindest, was ihre sie einst kennzeichnende Fabelhaftigkeit betrifft.

Barley und Ian erhoffen sich Hilfe von Corey (r.)

Obwohl insbesondere die tragische Geschichte um zwei Brüder, die alles daran setzen wollen, den Verlust ihres Vaters wenigstens für einen kurzen Moment zu negieren, für das eine oder andere feuchte Augenpaar sorgen dürfte – im Vordergrund stehen natürlich ganz klar die Lacher. Und von denen hat „Onward – Keine halben Sachen“ mehr als genug zu bieten. Da uns in der Pressevorführung dankenswerterweise die englischsprachige Originalversion gezeigt wurde: Der Film profitiert hier insbesondere durch die tollen Sprecher Tom Holland (Ian) und Chris Pratt (Barley). Gerade Pratts stimmliche Darbietung als dauerquasselnder und einfach rundherum liebenswerter Tollpatsch Barley ist ein großer Spaß. Auch die zentralen weiblichen Rollen von Ians und Barleys Mutter Laurel sowie Mantikora Corey sind mit „Seinfeld“-Star Julia Louis-Dreyfus sowie Octavia Spencer („Ma“) vortrefflich besetzt.Wie sich dagegen ihre deutschen Kollegen schlagen werden, kann ich demnach nicht in Gänze beurteilen. Der unten verlinkte Trailer lässt aber auf eine gelungene Umsetzung hoffen.

Ein großer Spaß

„Onward – Keine halben Sachen“ ist trotz aller Kreativität, Gefühl und treffendem Humor allerdings kein neuer „Wall-E“ oder „Toy Story“. Um die großen Fußstapfen der imposantem Pixar-Historie vollständig auszufüllen, fehlt am Ende leider doch ein wenig der letzte Funken Genialität. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dem neuesten Werk der Animationsschmiede, die sich trotz Übernahme durch Disney viel von ihrem anarchischen Charme bewahren konnte, um einen fantastischen Spaß. Sowohl junge als auch ältere Vertreter im Publikum dürften hier viel Grund zur Freude haben, auch wenn die Kleineren wohl besser zu Hause bleiben sollten. Gerade der überaus aktive Unterleib von Papa Lightfoot könnte doch für so manche Irritationen sorgen. Trotz der zahlreichen Nerd-Anspielungen dürfte durch die abwechslungsreiche Inszenierung und thematische Vielfalt auch für diejenigen unter euch etwas dabei sein, die ansonsten weniger dem Fantasy-Genre zugeneigt sind. Insbesondere wenn man bereits an anderen Pixar-Streifen Gefallen fand. Diese Angaben sind allerdings ohne Gewähr, da ich mich in weniger nerdig veranlagte Menschen noch nie sonderlich gut hineinversetzen konnte.

Auf das Bruderpaar wartet ein großes Abenteuer

Edle Gefährten, es bleibt mir zum Abschluss daher nur, euch folgenden weisen Rat auszusprechen: Werft euch eure besten Umhänge über, strafft die Gürtel, schnürt die Stiefel und dann mit einem kräftigen „Onward!“ auf den Lippen auf zum nächsten Lichtspielhaus! Immer daran denken: Beim Zaubern stets auf die richtige Körperhaltung achten! Und provoziert auf euren Wegen möglichst keine Feen!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Octavia Spencer haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Chris Pratt unter Schauspieler.

Wird es Ian gelingen, erstmals seinen vollständigen Vater zu treffen?

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Onward
USA 2020
Regie: Dan Scanlon
Drehbuch: Dan Scanlon, Jason Headley, Keith Bunin
Originalsprecher: Tom Holland, Chris Pratt, Julia Louis-Dreyfus, Octavia Spencer, Mel Rodriguez, Tracey Ullman, John Ratzenberger, Lena Waithe, Ali Wong
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2020 by Philipp Ludwig

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2019 Disney/Pixar. All rights reserved.

 

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Roads – Freundschaft kennt keine Grenzen

Roads

Kinostart: 30. Mai 2019

Von Philipp Ludwig

Drama // Ein nachdrücklich vorgetragenes, langgezogenes „Fuck“ entflieht in den nordafrikanischen Nachthimmel – direkt zu Beginn von „Roads“ macht uns dessen Protagonist, der junge Engländer Gyllen (Fionn Whitehead), lautstark auf seine missliche Lage aufmerksam. Ist er doch mit einem Wohnmobil mitten in der marokkanischen Küsteneinöde gestrandet. Da er keinerlei Ahnung hat, warum das alte Ding nicht mehr anspringt, versucht er, per Telefon Hilfe zu holen – vergeblich. Whitehead, der seit „Dunkirk“ (2017) und Netflix’ interaktivem Filmexperiment „Black Mirror – Bandersnatch“ (2018) als einer der größten Shootingstars der britischen Schauspielszene gilt, wird dabei in der Darstellung der frustrierten Verzweiflung seiner Figur nicht nur von uns Voyeuren im Kinosessel beobachtet: Aus dem Gebüsch am Straßenrand betrachtet der junge Schwarzafrikaner William (Stéphane Bak, „Elle“) ebenfalls gespannt die Szenerie.

Es fährt kein Bus nach Nirgendwo: Gyllen (r.) ist in Marokko gestrandet und trifft auf William

Nach einigem Zögern erbarmt sich William und gesellt sich zu Gyllen, der mittlerweile verzweifelt aufgegeben hat und sich der einzig sinnvollen Lösung in einer ausweglosen Situation hingibt: mit einem Bier auf dem Dach des Wohnmobils zu verweilen. Schließlich ist heute ja auch noch dessen 18. Geburtstag, das muss gefeiert werden. Der etwa gleichaltrige William erweist sich als außerordentlich geschickter Motorenkenner und bringt die alte Schrottlaube tatsächlich wieder zum Laufen. Ohne zu zögern bietet Gyllen seinem Helfer anschließend bedeutungsschwanger an, ihn mit seinem nun wieder funktionstüchtigen Gefährt „irgendwohin mitnehmen zu können“. In heutiger Zeit ist wohl allen Beteiligten sofort klar, was in Bezug auf einen jungen Schwarzafrikaner, der sich zuvor in einem Gebüsch in Nordafrika versteckt hat, damit gemeint sein könnte.

Roadtrip nach Europa

Wie sich herausstellt, ist der junge Londoner Gyllen zusammen mit seiner Mutter und deren neuem Ehemann auf Familienurlaub in Marokko. Seit dem einige Jahre zurückliegenden Tod seines kleinen Bruders ist die Beziehung zur Mutter außerordentlich angespannt, ganz zu schweigen vom Verhältnis zu seinem neuen Stiefvater, nachdem auch noch die Ehe seiner Eltern nach dem Todesfall in die Brüche ging. Da Gyllen es in der Gegenwart seiner „neuen“ Familie nicht mehr länger aushielt, hat er kurzerhand das Wohnmobil seines Stiefvaters geklaut und die Flucht aus dem Feriendomizil ergriffen. Ohne Führerschein und nennenswerte Fahrfertigkeiten lautet sein Ziel: Nordfrankreich, wo sein leiblicher Vater mittlerweile lebt. William ist glücklicherweise deutlich besser im Fahren geübt und hat zudem die gleiche Richtung als Ziel. Er will in Calais nach seinem großen Bruder Baptiste suchen, der aus dem heimatlichen Kongo Richtung Großbritannien in ein vermeintlich besseres Leben aufgebrochen war und von dem seit Monaten jedes Lebenszeichen fehlt. Für die beiden verlorenen jugendlichen Seelen beginnt ein aufregender Roadtrip über Landes- und Kontinentalgrenzen hinweg, bei der sich aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft schnell eine innige Freundschaft zwischen den ähnlich gestrickten Jungen entwickelt. Auf ihrem Weg werden sie vor eine ganze Reihe an Herausforderungen gestellt werden und müssen einige Abenteuer bewältigen – und genretypisch natürlich unterwegs auch eine Vielzahl an skurrilen Bekanntschaften machen, unter anderem mit Moritz Bleibtreu als undurchschaubarer Arschlochausgabe eines Rastafari-Hippie-Aussteigers namens Luttger.

Wem können die jungen Reisegefährten trauen – etwa dem deutschen Hippie-Aussteiger Luttger?

Der gebürtige Hannoveraner Sebastian Schipper (* 1968) machte zunächst als Schauspieler in meist kleineren Rollen der deutschen Film- und Fernsehlandschaft wohl nur geringfügig auf sich aufmerksam. Anderes gilt jedoch für seine Aktivitäten hinter der Kamera. Mit dem Hamburg-Mythos „Absolute Giganten“ (1999) schuf er mit seinem Regiedebüt direkt einen absoluten Kultfilm, in späteren Werken wie „Ein Freund von mir“ (2006) dirigierte er bereits namhafte Darsteller wie Daniel Brühl und Jürgen Vogel. Den größten öffentlichen Rummel dürfte jedoch seine letzte Regiearbeit verursacht haben: „Victoria“ (2015). Das 140-minütige One-Cut-Experiment zeigte auf beeindruckend innovative filmische Weise einen verhängnisvollen Abend der jungen Spanierin Victoria, die in einer Berliner Partynacht eine Bande lokaler Draufgänger kennenlernt. Kann Schipper – dem die Produktion seines bislang wohl größten Triumphes so einige schlaflose Nächte bereitete – mit „Roads“ nun an seine Achtungserfolge anknüpfen?

Bunter Genremix

Die Antwort darauf lautet ganz eindeutig: Ja! Und noch weit mehr als das: Mit „Roads“ bietet uns Schipper ein wunderbares filmisches Gesamtkunstwerk, das gleich die Merkmale einer ganzen Reihe an Genres in sich vereint, egal ob Drama, Komödie oder dokumentarisch angehauchter sozialer Realismus. Und als sei dies noch nicht abwechslungsreich genug, sorgt die der Wahl zum Roadmovie meist innewohnende Kurzweiligkeit erst recht für großes Unterhaltungs- und Spannungspotenzial. Unterstützung erhielt Schipper beim Drehbuchschreiben mit Oliver Ziegenbalg durch einen wahren Kenner dieses populären Genres, wie dieser zuletzt mit „25 km/h“ erst eindrucksvoll bewiesen hat. Zentrales Thema des neuesten Werks von Schipper neben Flüchtlingsproblematik und Rassismus: das Coming of Age seiner beiden Protagonisten. Womit durchaus mittlerweile eine Art Leitmotiv in den Filmen des Regisseurs erkennbar ist, handeln doch bereits „Absolute Giganten“ wie auch „Victoria“ von den Problemen des Heranwachsens und deren nicht immer unproblematischen Auswirkungen für die betroffenen jungen Menschen. Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen: „Roads“ dürfte in dieser Reihe den Platz als Schippers bisher komplettester und wohl auch bester Film einnehmen.

Auf einem Roadtrip darf natürlich auch der Spaß nicht zu kurz kommen

Spannend wird die Coming-of-Age-Thematik von „Roads“ vor allem durch das Zusammenführen zweier junger Heranwachsender, die zwar unter vollkommen unterschiedlichen Vorzeichen aufgewachsen sind, im Prozess des Heranwachsens aber vor ähnliche Probleme gestellt werden. Während William im ärmlichen Kongo aufwuchs, stammt Gyllen aus behüteten Verhältnissen in London. Doch entgegen klischeehafter Mutmaßungen über den „armen Flüchtling“ erweist sich William als außerordentlich kultiviert und gebildet, da er zum Beispiel eine christliche Schule besucht hat und darüber hinaus bekennender Filmfreak ist – dank letztgenannter Charakteristik hat der Junge definitiv meine Sympathien. Er betont zudem stets, kein Flüchtling zu sein, da er ausschließlich nach Frankreich will, um nach dem Wohl seines Bruders zu schauen. Sein langfristiger Plan ist vielmehr, in seiner Heimat zu leben und diese zu einem besseren Ort für die Menschen dort zu machen. Gyllen hingegen ist vor allem damit beschäftigt, weiterhin mit den Folgen des Verlustes seines kleinen Bruders fertig zu werden und überhaupt zu ermitteln, welche Richtung sein Leben einmal einschlagen soll und was denn seine Bestimmung sein könnte. Doch wenn es dann beispielsweise um Dinge wie Fußball, Liebe, Freude am Leben oder auch einfach nur ungehemmten Haschisch-Konsum (die Altersfreigabe von sechs Jahren halte ich auch und gerade deswegen übrigens für grundfalsch) geht, spielen unterschiedliche Herkunft und soziale Vorzeichen überhaupt keine Rolle mehr und wir haben es hier einfach nur mit zwei äußerst sympathischen jungen Männern zu tun.

Ziemlich beste Freunde: Gyllen und William

Schipper kann sich hierbei voll und ganz auf ein hervorragendes Darstellerduo verlassen. Gibt Whitehead den gleichzeitig sensiblen wie auch stets kämpferisch-bemühten, loyalen Gyllen sowohl mit einer beeindruckenden schauspielerischen Intensität als auch emotionalen Bandbreite zum Besten, so ist insbesondere der hierzulande bislang weit weniger bekannte Stéphane Bak hervorzuheben. Der 22-Jährige, der in Frankreich bereits seit dem 14. Lebensjahr öffentlich als Stand-up-Comedian auftritt und als „Frankreichs jüngster Comedian“ sowie zunehmend auch als Schauspieler dort mittlerweile äußerst populär geworden ist, kann als nachdenklicher, gewissenhafter aber auch immer wieder äußerst humorvoller William vollauf begeistern. Da auch die Chemie zwischen den beiden Schauspielern zu stimmen scheint, bringen sie uns die stetig enger werdende Beziehung ihrer Figuren glaubhaft und sehr sympathisch rüber. Und wer weiß, ob da in „Roads“ nicht auch noch mehr als freundschaftliche Gefühle bei dem Leinwand-Duo im Spiel sind?

Kein „White Savior“

Als Roadmovie, das sich auch mit kritischen Themen wie Rassismus anhand der gemeinsamen Reise eines vermeintlich ungleichen Duos beschäftigt, bewegt sich „Roads“ zumindest in Teilen in ähnlichen filmischen Gefilden wie der in diesem Jahr Oscar-prämierte „Green Book“. Gerade diese Tragikomödie gilt allgemein als ausgesprochen gut gemachter Film, hat jedoch insbesondere in der amerikanischen „Black Community“ für einigen öffentlichen Aufruhr gesorgt, wie ich im Nachzuge meiner Rezension feststellen musste. Wurde darin vor allem eine mitunter vermeintlich zu harmlose Darstellung des historischen Rassismus in den USA bemängelt, so sorgte vor allem die Debatte rund um den „White Savior“-Diskurs wiederholt zu Kritik an Peter Farellys Film. Obwohl „Roads“ und „Green Book“ etwa gleichzeitig produziert wurden und es demnach für Schipper als Intention natürlich unmöglich ist, so wirkt sein neuestes Werk doch ein Stück weit wie eine passende Reaktion auf die Debatte rund um den US-Erfolg mit Viggo Mortensen und Mahershala Ali. Lässt uns unsere mediensozialisierte Prägung am Beginn von „Roads“ doch vermutlich folgenden Plot erwarten: William als der arme schwarze Flüchtling aus Afrika, der von dem wohlwollenden, gutherzigen und mit den nötigen Ressourcen und Wissen ausgestatteten Europäer Gyllen die dringend benötigte Hilfe auf seinem Fluchtweg nach Europa bekommt, den er allein kaum bewältigen könnte. Seinen ganz persönlichen „weißen Retter“ also.

Gyllens Blick zurück: Die persönliche Vergangenheit lastet schwer auf dem jungen Londoner

Doch Schipper tut uns diesen Gefallen nicht und sprengt in seinem Film vermutlich bewusst derartige Erwartungen. Meist ist es William, der das Heft in die Hand nimmt. Er weiß genau, was er will. Obendrein will er ja überhaupt nicht nach Europa fliehen, sondern dort nur nach dem Wohl seines großen Bruders schauen und dann wieder in die Heimat zurückkehren. Gyllen dagegen ist derjenige, der wiederholt Hilfe benötigt. Er kann das defekte Wohnmobil nicht reparieren geschweige denn überhaupt anständig fahren. Zudem leidet er unter der Trauer um seinen kleinen Bruder und seinen veränderten familiären Verhältnissen, sodass er in diesem Film eigentlich der „wahre“ Flüchtling ist – ein Flüchtling vor der eigenen Vergangenheit, Gegenwart sowie der Angst vor der ungewissen Zukunft als heranwachsender Mann. Doch wäre auch diese Gleichung wiederum zu einfach, denn Schipper zeigt uns in „Roads“, dass es vollkommen gleichgültig ist, wo wir herkommen und welche Probleme wir haben. Nur gemeinsam können wir es schaffen, in dem wir uns gegenseitig zur Seite stehen und uns unter die Arme greifen. Insbesondere, wenn wir gerade erst dabei sind, erwachsen zu werden. Auch wenn bestimmte Aspekte des „weißen Retters“ immer mal wieder – bewusst oder unbewusst – aufgegriffen werden, wie beispielsweise dem materiellen Nutzen von Gyllens europäischem Pass, des Wohnmobils seines Stiefvaters oder dessen väterlicher Kreditkarte für die gemeinsame Reise – Gyllen handelt in erster Linie immer aufgrund einer Mischung aus sozialer Ader und jugendlicher Naivität sowie später zunehmend aus Zuneigung zu seinem Freund William. Und nicht aus Eigennutz, wie es wohl der zu Recht viel gescholtene Held im „White Savior“-Film tun würde. Freundschaft und Menschlichkeit scheren sich halt nicht um so etwas Belangloses und Willkürliches wie nationale oder kulturelle Grenzen.

Refugees still welcome

Mit der Darstellung der Situation in Calais gewinnt „Roads“ noch einmal an zusätzlicher, gesellschaftspolitischer Tiefe. Regisseur Schipper entschied sich bewusst dazu, dort an den original betroffenen Schauplätzen zu drehen, wodurch seine filmische Darstellung der weiterhin existierenden Flüchtlingsproblematik beinahe schon dokumentarische Züge annimmt. Es gelingt ihm hier zudem gekonnt, den Wechsel im Ton des Coming-of-Age-Roadmovies hin zu einem sozialrealistischen Drama zu vollziehen und uns somit ein wichtiges Thema unserer Zeit schonungslos vor Augen zu führen: Die großen, öffentlich massiv wahrgenommenen Flüchtlingsbewegungen der vergangenen Jahre dürften zwar vorerst vorbei sein und auch die mediale Berichterstattung hat sich rapide verringert – die Menschen kommen aber weiterhin nach Europa, in der vagen Hoffnung auf ein eventuell ein klein wenig besseres Leben. Nur, um dann etwa in Orten wie Calais grüppchenweise in Notunterkünften oder Zeltlagern im Wald vor sich hin zu vegetieren, mit der steten Angst vor der wenig zimperlichen Staatsgewalt im Nacken. Ebenso die unermüdlichen Hilfsorganisationen, die trotz Ressourcenmangel und einer repressiven Politik ihr Bestmögliches versuchen, den Menschen vor Ort zumindest etwas zu helfen. Ob es uns gefällt oder nicht: Menschen in Not werden verständlicherweise auch weiterhin ihr Glück in unserer vermeintlich besseren Welt suchen. Und Menschen verdienen Hilfe, jederzeit. Während hingegen diejenigen, deren politische Karrieren nahezu einzig und allein auf Basis hasserfüllter Abgrenzung und Hetze gegenüber diesen Hilfsbedürftigen basieren, beispielsweise auf Ferieninseln im Mittelmeer residieren, um dort bei Koks und Wodka Red Bull nach den Millionen russischer Oligarchinnen zu gieren. Die Welt ist schon ein verrückter, oft leider sehr trauriger Ort.

William ist von den Zuständen in Calais geschockt

In meiner nun ziemlich genau einjährigen Tätigkeit als Schreiber auf diesem wunderbaren Blog habe ich bereits eine stattliche Zahl an Pressevorführungen besuchen und meinen Senf zu allerlei Filmen abgeben dürfen. „Roads“ dürfte in dieser Reihe mit mitunter wirklich tollen Filmen für mich persönlich den bis dato besten Film darstellen. Zumindest hat mich kaum eines dieser Werke so nachhaltig berührt und beeindruckt und ich merke bereits beim Schreiben dieser Zeilen, dass es in meiner Cineasten-Seele schon wieder kribbelt und sie sich wünscht, nach dem Kinostart am 30. Mai den Film gleich noch einmal im Kino anzuschauen.

Großes Kino

Sebastian Schipper bietet uns ein abwechslungsreiches, ausgesprochen unterhaltsames wie emotionales Roadmovie über das Coming of Age zweier herzenssympathischer Jungen, mit denen zusammen wir sehr oft lachen, aber auch weinen und bangen sowie an an deren wachsender Freundschaft wir uns erfreuen. Durch seine schonungslose Darstellung aktueller gesellschaftspolitischer Themen gelingt ihm zudem der anspruchsvolle Spagat zwischen Spaß und Ernst, ohne jemals allzu sehr der Gefahr zu erliegen, zu kitschig, rührselig oder gar oberlehrerhaft zu geraten. Etwas Kitsch und Rührseligkeit sind natürlich immer erlaubt. Für die emotionale Abrundung sorgt der stets stimmige und abwechslungsreiche Soundtrack, der von keinen Geringeren als den deutschen Indierock-Veteranen „The Notwist“ beigesteuert wurde, das soll hier am Ende keinesfalls unter den Tisch fallen. Von ganzem Herzen kann ich daher nur raten: Geht ins Kino und schaut euch „Roads“ an – ihr werdet es nicht bereuen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Sebastian Schipper sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt.

Wohin wird ihr Weg Gyllen und William am Ende führen?

Länge: 99 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Roads
D/F/GB 2019
Regie: Sebastian Schipper
Drehbuch: Sebastian Schipper, Oliver Ziegenbalg
Darsteller: Fionn Whitehead, Stéphane Bak, Ben Chaplin, Marie Burchard, Moritz Bleibtreu, Paul Brannigan, Gabriella de Souza, Josué Ndofusu
Verleih: Studiocanal Filmverleih

Copyright 2019 by Philipp Ludwig

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Studiocanal Filmverleih

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/05/27 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Love, Simon – Wie kompliziert die Liebe sein kann

Love, Simon

Kinostart: 28. Juni 2018

Von Iris Janke

Tragikomödie // Niemand hat gesagt, dass es einfach ist, die große Liebe zu finden. Das muss auch der 17-jährige Simon Spier (Nick Robinson, „Du neben mir“) feststellen, als er erwachsen wird. Nur, dass es bei ihm noch ein wenig komplizierter ist. Denn Simon ist homosexuell – und keiner soll es wissen. Weil sich Simon wie all seine heterosexuellen Freunde trotzdem verlieben will, versucht er in einem anonymen Schul-Chat auf gleichgesinnte Mitschüler zu treffen.

Schwarm vieler Mädchen: Simon

Damit, sich tatsächlich ein halbes Jahr vor dem Highschool-Abschluss zu verlieben und sein eigentlich längst fälliges Coming-out zu wagen, rechnet Simon allerdings nicht wirklich. Schließlich führt er ein amerikanisches Bilderbuch-Familienleben mit glücklichen, halbwegs lockeren Eltern (Jennifer Garner, Josh Duhamel), seiner kleinen Schwester Nora (Talitha Eliana Bateman) und seinen besten Freunden Leah (Katherine Langford), Abby (Alexandra Shipp) und Nick (Jorge Lendeborg Jr.).

Schwarm vieler Jungen: Leah (r.)

Als sich einer seiner Mitschüler anonym als schwul outet, ist Simons Interesse geweckt. Simon und der Junge, der sich Blue nennt, tauschen ihre intimsten Gedanken aus. Wer ist Blue? Kompliziert wird es allerdings, als Simons Mitschüler Martin zufällig einen Chat-Verlauf zwischen Simon und Blue entdeckt und abfotografiert. Martin droht Simon mit dem Zwangs-Outing, es sein denn, Simon organisiert ein Date mit seiner besten Freundin.

Nach dem Debütroman von Becky Albertalli

Die Jugendbuchverfilmung „Love, Simon“ von Greg Berlanti („So spielt das Leben“) nach Becky Albertallis Debütroman „Nur drei Worte“ ist eigentlich eine ganz normale Coming-of-Age-Geschichte über eine Teenager-Liebe. Einziger Unterschied: Die Hauptfigur Simon liebt Männer. Die Verfilmung dieses Themas ist ebenso neu, wie traurig – im Jahr 2018 (!) sollte eine gleichgeschlechtliche Liebe unter Jugendlichen in dieser Zeit auf jeden Fall Filmthema sein können, verwunderlich ist nur, dass sie es erst jetzt das erste Mal ist. Umso wichtiger, dass sich ein großes US-Studio wie Twentieth Century Fox des Themas annimmt.

Ganz normaler Schulalltag für Simon (2. v. l.)

Grund für die besonders feinfühlige Herangehensweise von Regisseur Greg Berlanti mag sein, dass er selbst schwul ist. So nahm er sich bereits im Jahr 2000 mit der Tragikomödie „Der Club der gebrochenen Herzen“ dieses Themas an. Demzufolge gerät die Verfilmung von „Love, Simon“ einfühlsam und leicht, agiert niemals mit erhobenem Zeigefinger, ist dabei immer unterhaltsam, mit witzigen Elementen und unverbrauchten, Darstellern gespickt – so wie jede Verfilmung einer ersten Teenager-Love-Story sein sollte.

Ganz normale Eltern: Emily und Jack

Länge: 110 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Love, Simon
USA 2018
Regie: Greg Berlanti
Drehbuch: Elizabeth Berger, Isaac Aptaker, nach Becky Albertallis Roman „Simon vs. The Homo Sapiens Agenda“
Besetzung: Nick Robinson, Jennifer Garner, Josh Duhamel, Katherine Langford, Alexandra Shipp, Logan Miller, Keiynan Lonsdale, Jorge Lendeborg Jr., Talitha Eliana Bateman, Tony Hale, Natasha Rothwell
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2018 by Iris Janke

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Twentieth Century Fox

 

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