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Die Unglaublichen – Truly Incredible

The Incredibles

Von Paula Bierend

Computertrick-Fantasy-Abenteuer // „Die Unglaublichen“ gehört zu den Filmen, mit denen meine Generation groß geworden ist. Mittlerweile gilt das Familien-Abenteuer von Pixar als Kinderfilm-Klassiker, und das aus gutem Grund. Wer hat sich nicht schon mal Gedanken darüber gemacht, wer eigentlich die ganzen Schäden bezahlt, wenn Superhelden Superschurken zur Strecke bringen und dabei eine halbe Großstadt zerstören? Oder was passiert, wenn Superhelden im Übereifer, Gutes zu tun, mal den Falschen retten und einen Selbstmörder beim Sprung vom Hochhaus auffangen?

Superhelden werden verboten

In Brad Birds „Die Unglaublichen“ ist dies die Prämisse – eine Prämisse, die in einem Marvel-Film das Marvel Cinematic Universe und in einem DC-Film das DC Extended Universe komplett auf den Kopf stellen würde: Letztlich ist es sicherlich mehr Neid, weil sie selber nur durchschnittlich sind, aber irgendwann haben die Menschen genug von den verwüsteten Städten. Besagter Selbstmörder, von Mr. Incredible gerettet, hat sich bei der unerwünschten Rettung den Hals verrenkt und tritt daraufhin eine Prozesslawine los. Binnen kürzester Zeit zieht die Regierung die Reißleine – Superhelden werden verboten. Wie im Zeugenschutzprogrammen werden sie in normale Existenzen umgesiedelt und müssen fortan all die Jobs machen, die bereits die Leben der Normalsterblichen unerträglich machen.

Bob verzweifelt immer mehr an seinem Job

Bob Parr, der früher als Mr. Incredible für Sicherheit gesorgt hat, hat kurz vor der Verbannung der Superhelden Elastigirl alias Helen geheiratet. Nun leben die Eheleute seit fünfzehn Jahren in einem typischen amerikanischen Vorort und haben drei Kinder, von denen die älteren ebenso wie ihre Eltern besondere Fähigkeiten haben. Nur Baby Jack Jack scheint aus der Art zu schlagen mit seiner Normalität. Dash Parr ist schnell wie kein zweiter und brennt darauf, dies auch mal zur Schau zu stellen. Seine Schwester Violet Parr kann unsichtbar werden, was meist dann passiert, wenn ihr Schwarm in der Schule in ihre Richtung schaut, und sie kann Energiefelder um sich herum erzeugen, die vor ziemlich allem schützen, aber sie wünscht sich eigentlich nur ein normales Teenagerdasein.

Aus Elastigirl ist eine Hausfrau geworden

Helen hat sich mit der neuen Situation abgefunden. Sie ist zur klassischen Hausfrau und Mutter mutiert, weil sie weiß, dass ihre Superfähigkeiten in dieser schönen neuen Welt nichts mehr wert sind. Bob hingegen ist absolut frustriert von seinem Leben. Abends trifft er sich mit seinem alten Kumpel Lucius, früher als Frozone bekannt (der im Original wunderbar von Samuel L. Jackson gesprochen wird), und hört den Polizeifunk ab, um zwischendurch immer mal wieder inkognito der Polizei zu helfen. Denn für eine Helfernatur wie Bob bedeutet sein Job die totale Frustration. Als Sachbearbeiter einer Versicherung ist es seine Aufgabe, berechtigte Forderungen der Kunden abzuwimmeln. Sein Chef wundert sich, dass seine Klienten aus den „Ablehnungsgesprächen“ als Versicherungsfachleute herausgehen, die jedes Schlupfloch kennen um doch an ihr Geld zu kommen. So kommt es, wie es kommen muss: Bob wird gefeuert.

Doch dann kehrt Mr. Incredible endlich zurück

Eine unbekannte Firma bietet ihm einen neuen, besser bezahlten Job an: Im Auftrag einer streng geheimen Organisation soll er wieder Mr. Incredible werden. In der Hoffnung, die glorreichen Tage wieder aufleben zu lassen und den Rausschmiss vor Helen geheim zu halten, nimmt er das Angebot an. Bald stellt sich heraus, dass hinter diesen Aufträgen ein alter Fan von Mr. Incredible steckt: der kleine Buddy Pine, der als Incrediboy der einst Sidekick von Mr. Incredible sein wollte und seinerzeit in jugendlichem Eifer die Katastrophe ausgelöst hatte, wegen der die Superhelden verboten wurden. Nun nennt er sich „Syndrom“ und hat seinen Mangel an Superfähigkeiten mit Erfindergeist kompensiert. Und er will nur eins: Rache.

Modedesignerin E in den Fußstapfen von Q

In bester James-Bond-Manier erklärt Syndrom seinen Plan, wie er sich als neuer Superheld in der Gesellschaft etablieren will. Dafür inszeniert er einen Angriff mit einem unbesiegbaren Roboter, den nur er stoppen kann, weil er die Fernbedienung besitzt. Er überwältigt Mr. Incredible und hält ihn gefangen. Helen, die über das plötzliche Verschwinden ihres Mannes viele Theorien spinnt, besucht ihre alte Freundin und Designerin Edna „E“ Mode (der im Original Regisseur Brad Bird persönlich die Stimme geliehen hat). Diese hat als Mischung aus weiblichem Karl Lagerfeld und James Bonds Q schon die Supersuits für die ganze Familie entworfen. Wer braucht nicht einen feuer- und kugelsicheren Strampler für sein Baby? Da E in alle Anzüge Peilsender eingebaut hat, findet Helen heraus, wo sich Bob aufhält, und nach einer Motivationsrede von E, in der die Tüftlerin Helen daran erinnert, eine Superheldin zu sein, wird Helen wieder zu Elastigirl und eilt ihrem Mann zu Hilfe. Die Kinder schleichen sich gleich mit auf die Mission, Jack Jack haben sie zuvor flugs eine Babysitterin besorgt. Der Kurzfilm „Jack Jack Attack“ im Bonusmaterial der Blu-ray erzählt von ihrem Abenteuer, von dem im Hauptfilm nur die Nachrichten auf Helens Mailbox Zeugnis geben. Am Ende muss die gesamte Familie Parr mit ihren vereinten Superheldenkräften versuchen, Syndroms Plan zu stoppen. Es gibt halt Dinge, die lassen sich nur als Familie schaffen.

Edna Mode (l.) präsentiert Helen alias Elastigirl die neuen Anzüge

„The Incredibles“, so der Originaltitel, schafft spielend den Brückenschlag zwischen Kinderfilm und Superheldenhommage, bei der man sich auch als Erwachsener mitgenommen fühlt. Bei der Schuperschurken-Festung werden vermutlich eher bei den Erwachsenen nostalgische Erinnerungen geweckt, die sich gleich in die Zeiten zurückversetzt fühlen werden, als Sean Connery in „James Bond 007 – Man lebt nur zweimal“ Blohfelds Raketenbasis im Inneren eines Vulkans zerstören musste oder sich Roger Moore noch als Agent mit Lizenz zum Töten selbst nicht ganz ernst nahm. Für jede Altersgruppe gibt es die persönliche Identifikation. Sei es Bob Parr, dem früher die Welt offen stand und der jetzt in einem Leben feststeckt, in dem er seine Talente seiner Familie zuliebe verstecken muss. Sei es Helen, die sich in der Superhelden-Doku zu Beginn abfällig zur Frage nach Familie noch abfällig äußert „Settle down, are you kidding? I’m at the top of my game! I’m right up there with the big dogs!“ und 15 Jahre später doch als Hausfrau und Mutter endet. Sei es Dash, der beweisen will, was in ihm steckt, aber immer wieder zur Ordnung gerufen wird. Violet schließlich muss als ältestes Kind immer für alles die Verantwortung übernehmen. Mit Edna Mode gibt es auch noch ein Rollenvorbild für die künftige Karrierefrau – Brad Bird hat der Guten einige der schönsten One Liner des Films auf den Leib geschrieben.

Wir alle tragen Superkräfte in uns!

Obwohl alle Hauptfiguren Superhelden sind, sind sie sehr menschlich, ihre Superkräfte sind schlussendlich nur eine Metapher für etwas, dass wir alle in uns tragen. Ob wir es bewusst sehen oder ob es irgendwo in uns verborgen ist, sind wir irgendwo doch alle super! Nur die Schurken brauchen technische Gadgets oder Markenprodukte, um besonders zu sein. Das ist eigentlich eine zu schöne Metapher, als dass man sie einer großen Hollywood-Produktion unterstellen will. Die Lektion aus „Die Unglaublichen“ ist eigentlich ebenso schön wie einfach: Es ist unsere Aufgabe, im Leben herauszufinden, wie wir unsere besonderen Fähigkeiten entfalten und in den Zwängen des Lebens einsetzen – und das am besten, ohne dabei die Stadt in Schutt und Asche zu legen. Denn das Miteinander funktioniert auf Dauer nur, wenn jeder die Chance hat, seine Qualitäten auszuspielen und dafür wertgeschätzt zu werden. Wenn man sie mit Rücksicht auf alle anderen hintanstellt, wird auf Dauer keiner damit glücklich.

Die Familie kämpft gemeinsam gegen Syndrom

Man darf gespannt sein, wie Familie Parr beim in Kürze erscheinenden „Die Unglaublichen 2“, weiter zusammenwächst und vor allem, wie sich der jüngste Sprössling Jack Jack mit seinen doch noch entwickelten Fähigkeiten, für die er den feuerfesten Anzug sicher gut gebrauchen kann, in das Familien-Franchise hineinfindet. Feminismus, Gesellschaftskritik und großartige Unterhaltung „Die Unglaublichen“ hat alles und auf jeden Fall mehr als genug, um ihn regelmäßig für den gemütlichen Familienabend auszugraben – erst recht zur Vorbereitung aufs Sequel, das am 27. September in den deutschen Kinos startet.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Samuel L. Jackson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 8. Februar 2018 als 2-Disc DVD, 1. Dezember 2011 als Blu-ray im Steelbook, 28. April 2011 als Blu-ray, 1. März 2011 als 2-Disc Limited Edition DVD im Steelbook

22. September 2005 als 2-Disc Special Collection DVD

Länge: 115 Min. (Blu-ray), 110 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Incredibles
USA 2004
Regie: Brad Bird
Drehbuch: Brad Bird
Originalsprecher: Craig T. Nelson, Holly Hunter, Samuel L. Jackson, Jason Lee, Dominique Louis, Teddy Newton, Elizabeth Peña
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: Walt Disney

Copyright 2018 by Paula Bierend

Szenenbilder, Packshot Blu-ray & Packshot Special Collection DVD: © Walt Disney

 

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The Lego Batman Movie – Fledermausmann für Anfänger

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The Lego Batman Movie

Kinostart: 9. Februar 2017

Von Matthias Holm

Computertrick-Komödie // Es war ja abzusehen. Nachdem „The Lego Movie“ erfolgreich war, konnte man die Uhr danach stellen, wann ein Spin-off des Klötzchen-Abenteuers rund um Emmet in die Lichtspielhäuser kommt. Dabei gingen die Macher den Weg des geringsten Widerstandes – denn Batman ist auch im Kino eine etablierte Marke und war im Lego-Film ein absoluter Szenendieb.

Der Joker mal wieder

Dabei handelt es sich hierbei zum Glück nicht um eine weitere Ursprungsgeschichte, wie man sie bereits aus unzähligen anderen Superheldenfilmen kennt. „The Lego Batman Movie“ startet direkt in die Vollen, als der Joker mitsamt aller möglichen und unmöglichen Schurken Gotham City mit einer riesigen Bombe in die Luft jagen will. Doch zum Glück gibt es ja Batman, der es wie immer prima versteht, sich bei der Beseitigung der Schurken perfekt in Szene zu setzen, und mit seiner egomanischen Art dem Clownprinz des Verbrechens emotional sehr weh tut. Doch im Knast kommt dem Joker eine perfide Idee. Was wäre, wenn man die Schurken, die in der Phantomzone – dem intergalaktischen Gefängnis für die Bösesten der Bösen – eingesperrt sind, allesamt gleichzeitig auf die Stadt loslässt? Für Batman allein wäre das viel zu viel, allerdings hat Bruce Wayne erst vor Kurzem einen Jungen namens Dick Grayson adoptiert. Und die neue Polizeichefin Barbara Gordon lässt sich sicherlich auch nicht so leicht auf der Nase herumtanzen.

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Sowohl Bruce Wayne …

Der Anfang des Films erinnert noch stark an den Geist von „The Lego Movie“. Da kommentiert Batman süffisant aus dem Off, dass im Intro zu viele Logos eingeblendet werden, ein Flugzeug heißt MacGuffin und es gibt eine hektische, rasante Action-Szene. Allerdings wählen Regisseur Chris McKay und seine insgesamt fünf Drehbuchautoren danach einen sehr interessanten Ansatz. In „The Lego Batman Movie“ werden nämlich einige Motive aus den Comics aufgegriffen und dem Zielpublikum vermittelt. Der erzählerische Kern wird dabei aus zwei Komponenten gebildet, die Freunden der Batman-Geschichten bekannt vorkommen dürften: zum einen Batmans Beziehung zum Joker und die Abhängigkeit der beiden voneinander, zum anderen die Isolation, die durch die sogenannte Bat-Familie aufgebrochen wird.

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… als auch Batman werden geliebt

Diese beiden Motive werden dabei allerdings vereinfacht an den Mann gebracht, schließlich ist „The Lego Batman Movie“ ein Kinderfilm. Hier liegt dann auch das größte Problem des Films – er konzentriert sich zu sehr auf die jüngeren Zuschauer. Die haben an der seichten Geschichte sicherlich ihren Spaß, Erwachsene hingegen werden außen vor gelassen. Denn wo „The Lego Movie“ beinahe atemlos von einer Action-Sequenz zur nächsten gehetzt ist, nimmt die Erzählung nun doch einiges an Platz ein. Dadurch fällt allerdings erst auf, wie flach die Geschichte letzten Endes ist, werden einem doch nicht andauernd bunte Bauklötze um die Ohren gepfeffert. Gerade für Kenner des Materials ist dies schade.

The Lego Batman Movie

Barbara Gordon macht Batman verlegen

Auch gab es in „The Lego Movie“ noch Zitate und Verweise quer durch die gesammelte Popkultur. Durch die Thematik sind die Macher bei „The Lego Batman Movie“ allerdings ziemlich eingeschränkt. Es gibt sie, die Verweise auf das berüchtigte Anti-Hai-Batspray und ähnlichen Schabernack, aber die Zielgruppe für solche Anspielungen ist im Vergleich zum Vorgänger doch viel geringer. Um dann nicht diejenigen zu verlieren, die mit dem Namen „Adam West“ zum Beispiel wenig anfangen können, gibt es im Finale den einen oder anderen witzigen Cameo. Aber auch die wirken eher so, als ob man nicht wüsste, was man mit der Figur des Batmans jetzt noch anstellen könnte.

Synchronisation für Fans der Nolan-Filme

Ein kleines Schmankerl gibt es für die deutschen Kinogänger. Denn für die wichtigsten Figuren, wie eben Batman oder auch Alfred, konnten die Synchronsprecher aus der „Dark Knight“-Trilogie gewonnen werden. So hat man durch David Nathan direkt eine Verbindung zu Christian Bale und selbst nur kurz auftretende Figuren wie Bane werden von den richtigen Stimmen gesprochen. Lediglich zwei Sprechrollen wurden ausgetauscht. So leiht nicht mehr Simon Jäger dem Joker seine Stimme, wie er es in „The Dark Knight“ tat, sondern der YouTuber Erik „Gronkh“ Range darf sich an Batmans Nemesis veruschen. Leider schafft er das nicht sonderlich gut, der Joker wirkt nie bedrohlich, sondern eher niedlich. Im Gegensatz dazu ist Luke Mockridge als Robin passend gecastet, das kindlich-naive passt zu dem Comedian.

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Alfred bleibt Vaterfigur – mitsamt Kindersicherung

„The Lego Batman Movie“ hat einige wirklich klasse Momente und an seinen besten Stellen ist er sogar unterhaltsamer als der Vorgängerfilm. Allerdings schleichen sich immer wieder Längen in die kurze Spielzeit ein und die Verweise auf Comic-Events dürften nur die wenigsten verstehen. Damit schränkt sich der Film selbst zu sehr ein und bleibt hinter seinem großen Bruder „The Lego Movie“ zurück. Die Kinder, von denen auch einige in der Pressevorführung waren, werden allerdings damit kein Problem und ihren Spaß haben.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ralph Fiennes und Channing Tatum sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

The Lego Batman Movie

Dick Grayson ist ganz aus dem Häuschen

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK ab 6
Originaltitel: The Lego Batman Movie
DK/USA 2017
Regie: Chris McKay
Drehbuch: Seth Grahame-Smith, Chris McKenna, Erik Sommers, Jared Stern, John Whittigton
Originalsprecher: Will Arnett, Zach Galifianakis, Michael Cera, Ralph Fiennes, Jenny Slate, Channing Tatum, Jonah Hill, Rosario Dawson, Jemaine Clement, Zoë Kravitz, Adam Devine, Seth Green, Mariah Carey, Billy Dee Williams, Conan O’Brien
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2017 Warner Bros. Entertainment Inc. & Ratpac-Dune Entertainment LLC

 

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Vaiana – Das Paradies hat einen Haken: Die Südsee ruft

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Moana

Kinostart: 22. Dezember 2016

Von Matthias Holm

Computertrick-Abenteuer // Das Kinojahr 2016 war ein durchaus interessantes, dem man viele Namen geben könnte. Das Jahr der späten Fortsetzungen. Das Jahr der gefloppten Blockbuster. Oder das Jahr der vielen Animationsfilme. Denn nicht nur Pixar brachte mit „Findet Dorie“ einen neuen Streifen, auch der „Kung Fu Panda“ kam für ein drittes Abenteuer vorbei, mit „Kubo – Der tapfere Samurai“ bewies das Studio Laika mal wieder seine Virtuosität in der Stop-Motion-Technik, und es gab sogar Animes mit richtigem Kinostar, siehe „Miss Hokusai“. Da ist es nur logisch, dass Disney für dieses Jahr gleich zwei Animationsfilme in petto hat. Nachdem „Zoomania“ im März eine äußerst vergnügliche Kriminalgeschichte erzählte und dabei in kluger Form auf Rassismus hinwies, steht mit „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“ ein klassischer Disney-Meisterwerke-Film ins Haus – inklusive Musical-Einlagen.

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Vaiana hat eine Aufgabe zu erfüllen

Vaiana (deutsche Stimme: Lina Larissa Strahl) fühlt sich unwohl auf ihrer Insel. Zwar hat sie als Tochter des Häuptlings (Thomas Nero Wolff) alles, was sie braucht, dennoch träumt sie davon, eines Tages hinter das große Riff zu segeln. Als eine unbekannte Dunkelheit die Ernten der Inselbewohner angreift, sieht Vaiana ihre Chance gekommen. Einer Legende nach verbreitet sich diese Dunkelheit nämlich, seitdem der Halbgott Maui (Andreas Bourani) das Herz der Mutter alles Lebens entwendete. So muss Vaiana über den Ozean segeln und Maui dazu bringen, das Herz zurück an seinen rechtmäßigen Platz zu legen. Keine leichte Aufgabe bei einem zickigen Halbgott.

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Hahn Hei-Hei (r.) mangelt es ein klein wenig an Intelligenz

Man kann Entwarnung geben – auch wenn die Lieder einiges an Zeit in Anspruch nehmen, wirken sie nie so beliebig wie zuletzt in „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“. Gerade die Songs von Vaiana und Maui sind absolute Ohrwürmer, die noch lange im Gedächtnis bleiben. Wenn man auf die Macher des Soundtracks guckt, ist dies keine Überraschung. Denn unter anderem war Lin-Manuel Miranda bei der Produktion dabei. Hier in Deutschland wohl eher unbekannt, hat Miranda die USA mit seinem historischen Rap-Musical „Hamilton“ im Sturm erobert. Auch seine Vorliebe dafür, bestimmte Stellen aus Musikstücken wiederholt zu verwenden, kommt in „Vaiana“ das eine oder andere Mal zum Einsatz.

Starke Frauenfigur geht ihren Weg

Darüber hinaus besinnt sich Disney auf die Stärken, die das Studio in den Jahren seit „Küss den Frosch“ wieder aufgebaut haben. Dazu gehört eine simple und doch starke Botschaft – mit Vaina haben wir eine starke Frauenfigur, die ihren eigenen Weg sucht und findet, ohne die Hilfe irgendwelcher Halbgötter. Der Rest der Figuren greift ihr helfend unter die Arme, allen voran natürlich Maui. Szenendieb ist dieses Mal ein Hahn: HeiHei ist der typische tierische Sidekick der Protagonistin, nur mit dem Unterschied, dass diesem Gockel eigentlich jegliche Intelligenz fehlt, die er zum Überleben benötigt. Dazu kommen kleine, aber umso feinere selbstreferenzielle Gags, fertig ist ein vernünftiges Grundgerüst.

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Von ihrer Großmutter erfährt Vaiana, dass sie …

Leider hat sich auch bei „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“ wieder ein ziemlicher Hänger eingeschlichen. Der Abstecher in die Monsterwelt ist zwar optisch hübsch anzuschauen, wirkt aber merkwürdig losgelöst vom restlichen Film. So ist dann auch der Song einer überdimensionalen Krabbe lästiger als alles andere und weckt unschöne Erinnerungen an die überflüssigen Trolle aus „Die Eiskönigin“. Zum Glück fängt sich der Film schnell wieder und bietet ab diesem Punkt wieder das gewohnte Feuerwerk aus toller Action und guten Gags.

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… den Halbgott Maui finden muss

Auch bei der Synchronisation gibt es einen kleinen Makel. Alle Figuren wurden gut getroffen und auch die Übersetzung der Lieder – aus „You’re Welcome“ wurde beispielsweise „Voll gerne“ – passt meist. Nur ist ausgerechnet Andreas Bourani als Maui ein Problem. Als Popsänger schafft er den musikalischen Part problemlos, allerdings ist seine Stimme viel zu weich, um richtig zum hünenhaften Maui zu passen. Da hat man im Originalton mit Dwayne Johnson einfach die perfekte Besetzung gefunden, die nur schwer zu kopieren ist. Und warum bestimmte Worte wie „Chief“ oder „Grandma“ einfach in ihrer englischen Grundform gelassen wurden, mag sich mir auch nicht wirklich erschließen.

Der schönste Film des Jahres

Zu guter Letzt muss man noch ein Wort zur Technik sagen. Dass wir es hier mit Animationen auf höchstem Niveau zu tun haben, sollte bei einer Produktion dieser Größenordnung klar sein. Nicht zu erwarten war allerdings, dass „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“ der schönste Film des Jahres wird. Die Inseln sehen herrlich aus und die Reise von Vaiana und Maui wirkt stets realistisch – die Boote bewegen sich nämlich den physikalischen Gesetzen entsprechend. Selbst wenn ein riesiges Lava-Monster ins Spiel kommt, kann man kleinste Gesteinsbrocken wegfliegen sehen. Allein für die technische Brillianz lohnt sich eine Kinokarte.

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Sympathisch finden die beiden einander anfangs gar nicht

Auch wenn das Studio Laika mit „Kubo – Der tapfere Samurai“ den insgesamt besten Computertrickfilm des Jahres abgeliefert hat, ist Disney nicht so weit davon entfernt. War „Zoomania“ am Anfang des Jahres noch etwas experimenteller, geht das Mäuse-Studio mit „Vaiana“ wieder mehr den klassischen Weg ihrer Meisterwerke-Reihe. Welchen Film man bevorzugt, dass bleibe jedem selbst überlassen – gut sind auf jeden Fall beide.

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Maui in Aktion

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Dwayne Johnson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 113 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Moana
USA 2016
Regie: Ron Clemens, Jon Musker
Drehbuch: Jared Bush
Originalstimmen: Auli’i Cravalho, Dwayne Johnson, Temuera Morrison, Rachel House, Jemaine Clement, Nicole Scherzinger
Deutsche Stimmen: Lina Larissa Strahl, Andreas Bourani, Thomas Nero Wolff
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Disney. All rights reserved.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2016/12/20 in Film, Kino, Rezensionen

 

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