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Star Wars: Episode IX – Der Aufstieg Skywalkers: Palpatines Rückkehr

Star Wars: Episode IX – The Rise of Skywalker

Kinostart: 18. Dezember 2019

Von Volker Schönenberger

SF-Abenteuer // Wohin steigt Skywalker auf? In den Himmel? In die Macht? In die Erste Liga? Ist die deutsche Titelübersetzung womöglich ungenau? „Rise“ kann immerhin auch „Auferstehung“ bedeuten. Und welche/r Skywalker ist gemeint? Fragen, für die man nach der Sichtung von „Star Wars: Episode IX – Der Aufstieg Skywalkers“ unterschiedliche Antworten finden kann. Um Spoiler zu vermeiden, will ich darauf aber nicht weiter eingehen.

Rey perfektioniert ihre Jedi-Fähigkeiten

Keinen Spoiler stellt es dar, auf die Wiederkehr des ehemaligen Imperators Palpatine (Ian McDiarmid) hinzuweisen, wird der Sith-Lord doch bereits im traditionell zu Beginn des Films eingeblendeten Text erwähnt. An düsterer Stätte trifft Kylo Ren (Adam Driver) auf der Suche nach der Quelle der dunklen Macht auf Palpatine. Der verspricht ihm eine gigantische Flotte von Sternenzerstörern; als Gegenleistung soll Kylo dem Sith-Lord Rey (Daisy Ridley) ausliefern. Dem Sohn von Leia Organa (Carrie Fisher) und Han Solo (Harrison Ford) winkt unbeschreibliche Macht – sein Regime der Ersten Ordnung würde als „Final Order“ der Rebellion endgültig den Garaus machen.

Von der Schrottsammlerin zur Jedi-Ritterin

Rey ahnt davon anfangs nichts, die vormalige Schrottsammlerin trainiert hart, um ihre Jedi-Fähigkeiten zu perfektionieren. Doch bald schon bricht sie mit ihren wackeren Weggefährten Poe Dameron (Oscar Isaac), Finn (John Boyega), Chewbacca (Joonas Suotamo) und C-3P0 (Anthony Daniels) auf, sich der dunklen Bedrohung entgegenzustemmen.

Unsere Helden werden …

Disney ist für „Der Aufstieg Skywalkers“ auf Nummer Sicher gegangen und hat J. J. Abrams auf den Regiestuhl gesetzt, der bereits „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ (2015) inszeniert hatte. Bei „Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi“ (2017) war er lediglich als Executive Producer in Erscheinung getreten, die Regie hatte Rian Johnson („Brick“, „Knives Out – Mord ist Familiensache“) übernommen. Abrams weiß, dass er Fan-Erwartungen erfüllen muss, was angesichts der Fülle ikonischer Figuren, Motive und Elemente keine Schwierigkeit darstellt. Der aus bekannten Versatzstücken der vorherigen Soundtracks zusammenkomponierte Score von John Williams trägt dazu bei und macht das immerhin gut.

… von Sturmtruppen gejagt

Das vertraute Gefühl stellt sich natürlich zwangsläufig mit dem ersten Fanfarenstoß, dem „Star Wars“-Schriftzug und dem sich von unten ins Sternenbild schiebenden Text ein und verlässt uns bis zum Ende nicht mehr. Kylo Rens und Reys Lichtschwerter kommen ausgiebig zum Einsatz, wobei mir das Design von Kylos Waffe nach wie vor ein Schmunzeln abringt – der Oberste Anführer der Ersten Ordnung musste immerhin trainieren, wie er es vermeidet, sich im Kampf ständig die kurzen Parierstangen am Griff seines Lichtschwerts in den Oberschenkel zu rammen. Auf dem von Sand bedeckten Planeten Pasaana bekommen wir eine rasante Verfolgungsjagd mit schlittenartigen Fahrzeugen geboten, und auch die Raumschiffe bieten großen Wiedererkennungswert, angeführt natürlich vom „Millennium Falcon“.

In den Trümmern des Todessterns

Ihre Mission führt unsere Heldinnen und Helden auf einen weiteren neuen Schauplatz: den von stürmischen Ozeanen bedeckten Mond Kef Bir nicht allzu weit entfernt vom Waldmond Endor, den wir aus „Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) kennen. Dort befinden sich Trümmer des zweiten Todessterns, in deren Innern sich ein dringend benötigtes Artefakt befindet.

Alter Bekannter: Lando Calrissian

Neue Figuren gibt es hüben wie drüben ein paar, sie können es jedoch an Bedeutung nicht mit Rey, Poe, Finn und Kylo Ren aufnehmen. Genannt seien General Pryde (Richard E. Grant) als erster Untergebener von Kylo Ren sowie die Amazonen Zorii Bliss (Keri Russell) und Jannah (Naomi Ackie). Beide Frauen scheinen aber in erster Linie als Love Interest für Poe Dameron und Finn installiert worden zu sein, auch wenn diese Romantik lediglich angedeutet wird. Das wirft die Frage auf, weshalb nicht Finns Beziehung zu Rose Tico (Kelly Marie Tran) ausgebaut worden ist – die beiden hatten in „Die letzten Jedi“ prima harmoniert. Hat Disney etwa Angst vor der eigenen Courage bekommen, eine sexuelle Beziehung zwischen einem Dunkelhäutigen und einer Asiatin zuzulassen, sodass Finn nun unbedingt eine Partnerin gleicher Hautfarbe an die Seite gestellt bekommen musste? Auch Spekulationen über eine Homosexualität Poe Damerons sind nun beendet. Das kann man bedauern oder ignorieren. Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen sucht man vergebens, aber „Star Wars“ stand in meinen Augen immer auch für Eskapismus in Reinkultur. Wenn ich in diese Welt eintauche, dürfen die Probleme der Realität gern draußen bleiben.

Carrie Fisher ruhe in Frieden

Leia Organa hat mit wenigen Szenen durchaus tragende Bedeutung. Der Tod Carrie Fishers im Dezember 2016 stellte Produktion und Regie vor einige Probleme, die gelöst wurden, indem man nicht verwendete Aufnahmen der beiden Vorgängerfilme einmontierte. Das fällt nicht weiter auf und geht in Ordnung, „Der Aufstieg Skywalkers“ erweist der Verstorbenen in würdiger Manier die letzte Ehre. Sie ruhe in Frieden.

BB-8 findet einen Freund

Die 2014 für ihre Nebenrolle im Sklavereidrama „12 Years a Slave“ mit dem Oscar prämierte Lupita Nyong’o („Black Panther“) tritt wieder als Maz Kanata in Erscheinung, auch wenn sie als Alienwesen nicht erkennbar ist. Domhnall Gleeson („Ex Machina“) ist erneut als „First Order“-General Hux zu sehen, seine Rolle hinterließ bei mir allerdings ein Achselzucken.

Kurz vor dem Showdown beschlich mich die Furcht, auch bei „Der Aufstieg Skywalkers“ könne sich das dramatische Logikloch öffnen, eine gewaltige Bedrohung mit einer simplen Achillesferse bezwingbar zu machen. Man erinnere sich nur an die Verwundbarkeit der Todessterne, und auch die Starkiller-Basis in „Das Erwachen der Macht“ ließ sich letztlich recht einfach zerstören. Diese Gefahr umschiffte J. J. Abrams glücklicherweise dann doch, was mich aufatmen ließ. Bei ein paar Aspekten stellen sich mir andere Logikfragen, etwa die der Herkunft der neuen Sternenzerstörer-Flotte, die so gewaltig ist, dass ihr Bau kaum unbemerkt hätte bleiben können. Und auf welche Weise hat Palpatine ihre Besatzungen rekrutiert? Oder lenkt er sie mit Sith-Kräften gar selbst? Wie konnte er überhaupt aus dem Tod zurückkehren?

Ist das gut oder schlecht?

„Der Aufstieg Skywalkers“ eignet sich vorzüglich dazu, sowohl positiv als auch negativ rezensiert und rezipiert zu werden, weshalb es mir schwerfällt, mich für eine Seite zu entscheiden. An der Tricktechnik und den Effekten ist nichts auszusetzen. Derartige Welten mit einer Vielzahl exotischer Schauplätze und Figuren zu erschaffen, erfordert nach wie vor enormen Aufwand, aber so viel Know-how, Kunstfertigkeit und Fantasie haben die Studios. Abrams führt die Story der dritten Trilogie zu einem logischen Finale, so weit, so gut. Die Action inszeniert er mitreißend, sie hält das Niveau der Saga. Auch die Entwicklung der beiden wichtigsten Charaktere Kylo Ren und Rey wirkt jederzeit nachvollziehbar. Besonders Adam Driver überzeugt mit seiner Darstellung der inneren Zerrissenheit seiner Figur. Die Kluft zwischen seinem guten und bösen Ich erscheint mir zwar arg groß, denn immerhin hat er seinen Vater ermordet und ist auch sonst für jede Schandtat zu haben, aber seinerzeit wurden seinem Großvater Anakin Skywalker monströseste Missetaten verziehen – Darth Vader durfte am Ende sogar gütig lächelnd an der Seite von Yoda und Obi-Wan Kenobi eins mit der Macht sein. Daisy Ridley hat es da etwas einfacher, angesichts von Reys Güte stellt sich gar nicht erst die Frage, ob sie Kylo Rens Werben nachgeben wird. Zwar fühlt sie ein sonderbares Band zwischen ihm und ihr, das hindert sie aber nicht daran, mit Macht gegen ihn anzutreten.

Der „Millennium Falcon“ tut’s noch immer

Fanbedienung hat in „Der Aufstieg Skywalkers“ größte Bedeutung, dafür steht nicht zuletzt die Rückkehr von Lando Calrissian (Billy Dee Williams), der beizeiten wieder auf dem Pilotensitz des „Millennium Falcon“ Platz nehmen darf. Für die Star-Wars-Jünger gibt es viel zu entdecken, vor allem wiederzuentdecken. Mutig sieht anders aus, und das verhindert auch, dass „Der Aufstieg Skywalkers“ zu einem herausragenden Film wird. Episch? Ganz sicher. Von epischer Größe? Ganz sicher nicht, dafür mangelt es zu sehr an Originalität.

Das waren noch Zeiten

Ich entsinne mich, am Tag der deutschen Premiere – dem 9. Dezember 1983 – im rappelvollen Kino in Hamburg gesessen und gierig darauf gewartet zu haben, dass „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ endlich beginnt. Mehr als ein halbes Jahr zuvor hatte das vermeintliche Finale der Saga bereits seine Weltpremiere in den USA gefeiert – kein Vergleich zur heutigen Zeit mit ihren weltweiten Startterminen innerhalb weniger Tage. Wie auch immer, jedenfalls hatten wir monatelang auf dieses Kino-Großereignis hingefiebert. Derlei Larger-than-Life-Blockbuster waren damals noch deutlich rarer gesät als heute und daher so oder so etwas Außergewöhnliches. Es mag Krieg-der-Sterne-Junkies geben, die seit „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ jedes Jahr kurz vor Weihnachten unruhig auf ihrem Hosenboden hin und her rutschen, weil sie die neueste Episode oder die nächste „Star Wars Story“ nicht abwarten können, aber die Inflation der Blockbuster von Marvel über DC und Godzilla nebst King Kong usw. lässt all diese Produktionen leider beliebig erscheinen. Damit tut man und tue ich dem einen oder anderen Beitrag sicher unrecht, aber es stellt sich einfach kein Gefühl eines besonderen Erlebnisses mehr ein. Ein solches Gefühl vermitteln zumindest mir nur noch kleinere Produktionen bis hin zum Independent-Film.

Kein Wunder – bei der Besatzung

Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass sich in Cast wie Crew der Star-Wars-Saga etliche Beteiligte tummeln, die sich mit Leib und Seele diesem Projekt verschrieben haben und Herzblut investieren. Es schimmert auch immer wieder durch, sei es mittels toller Tricks oder liebevoll gestalteter Figuren. Dennoch bleibt der schale Beigeschmack, dass es Disney letztlich nur darum geht, den an George Lucas gezahlten horrenden Kaufbetrag fürs Franchise wieder hereinzubekommen.

Werden sich Zorii Bliss und …

Die Sequel-Trilogie aus „Das Erwachen der Macht“ und „Die letzten Jedi“ endet mit „Der Aufstieg Skywalkers“. Die finale Auseinandersetzung erscheint mir dem angemessen und bildet einen echten Schlussstrich. Wobei es meiner Ansicht nach den Disney-hauseigenen Konkurrenten von Marvel besser gelungen ist, die Vorgängerfilme so zu inszenieren, dass alles auf den gigantischen Showdown in „Avengers – Endgame“ hinausläuft, was dazu führte, dass dieser an den Kinokassen explodierte und sogar „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ als erfolgreichsten Film überhaupt ablöste. Im direkten Vergleich ist „Endgame“ fürs Marvel Cinematic Universe deutlich höher einzuschätzen als „Der Aufstieg Skywalkers“ für die Krieg-der-Sterne-Welt.

Wie geht es weiter im „Star Wars“-Universum?

Bleibt abzuwarten, welche Ideen den Machern dereinst für etwaige Episoden X, XI und XII und weitere Star Wars Storys kommen werden, so es denn dazu kommen wird. Im Kino pausiert der Krieg der Sterne vorerst, die Jedi-Jünger können aber auf Serien ausweichen: Der vielgepriesene Ableger „The Mandalorian“ ist zeitlich zwischen „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ und „Das Erwachen der Macht“ angesiedelt. Für 2021 ist eine Prequel-Serie zu „Rogue One – A Star Wars Story“ angekündigt, auch eine Obi-Wan-Kenobi-Serie ist in Planung. Der Krieg der Sterne kennt kein Ende.

… Jannah der Rebellion anschließen?

George Lucas’ Prequel-Trilogie „Die dunkle Bedrohung“ (1999), „Angriff der Klonkrieger“ (2002) und „Die Rache der Sith“ (2005) hatte seinerzeit viel Kritik auf sich gezogen, wobei sich die Fangemeinde längst damit abgefunden hat. Wird sich die jüngste Trilogie mit den Episoden VII, VIII und IX dereinst in puncto Anerkennung zwischen den beiden vorherigen platzieren oder gar hinter den Prequels zurückbleiben? Das vermag ich nicht zu beurteilen. Die Zeit wird es zeigen.

Kylo Ren erliegt der Verlockung der Macht …

Den „Krieg der Sterne“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lupita Nyong’o sind unter Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Adam Driver, Domhnall Gleeson, Richard E. Grant und Oscar Isaac in der Rubrik Schauspieler.

… und tritt erneut gegen Rey an

Länge: 141 Min.
Altersfreigabe: FSK
Originaltitel: Star Wars: Episode IX – The Rise of Skywalker
USA 2019
Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Chris Terrio, J. J. Abrams
Besetzung: Adam Driver, Daisy Ridley, Oscar Isaac, Billie Lourd, Keri Russell, Mark Hamill, Ian McDiarmid, Kelly Marie Tran, Lupita Nyong’o, Domhnall Gleeson, John Boyega, Billy Dee Williams, Joonas Suotamo, Dominic Monaghan, Richard E. Grant, Anthony Daniels, Naomi Ackie, Carrie Fisher, Mark Hamill, Harrison Ford
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 ILM & Lucasfilm Ltd. All rights reserved.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/12/18 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi: Reinfall im All

Star Wars: Episode VIII – The Last Jedi

Kinostart: 14. Dezember 2017

Von Kay Sokolowsky

SF-Abenteuer // Für eilige Leser das Fazit vorab: Nein, ich mag den neuen „Krieg der Sterne“-Film nicht. Ich kann ihn guten Gewissens nur den Fans dieser Kino-Serie empfehlen. „Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi“ hat großartige Szenen, ist überbordend ausgestattet, versorgt den Padawan mit Neuigkeiten über das Wesen der „Macht“, setzt Maßstäbe für visuelle Effekte – aber ein guter Spielfilm ist dies leider nicht geworden.

Der beste Schauspieler am Set: Benicio del Toro als DJ

Das müsste ich im Detail begründen. Was ich aber nicht darf, weil sich die meisten Leser – nicht bloß die eiligen – und außerdem der Verleih wünschen, dass der Kritiker keine Spoiler einbaut. Es wäre in der Tat eine Frechheit, hier schon zu verraten, dass Rey ihre Familie (bricht ab in unverständlichen Störgeräuschen.) Ich will versuchen, Rian Johnsons Regiedebüt im „Star Wars“-Franchise gerecht zu behandeln, aber ich muss das auf Umwegen tun und kann leider nicht im Detail begründen, was mich an Episode VIII irritiert, gelangweilt oder geärgert hat.

Fortsetzung eines Verjüngungsprogramms

Der Film beginnt dort, wo „Das Erwachen der Macht“ endete: Rey (Daisy Ridley) besucht auf dem Planeten Ahch-To den letzten Jedi-Meister Luke Skywalker. Er soll der Résistance im Kampf gegen die ziemlich faschistische Erste Ordnung und Rey im Umgang mit der Macht helfen. Derweil erwarten die Rebellen einen Gegenschlag des Feindes. Mit dieser Raumschlacht eröffnet der Film, und das verspricht ein großes Spektakel, ohne es später halten zu können. Kylo Ren (Adam Driver), der Möchtegern-Vader und Sohn Leia Organas (Carrie Fisher), erhält Lektionen vom Höchsten Führer Snoke (Andy Serkis), und es sieht mal wieder nicht gut aus für unsere Helden.

Adam Driver spielt Kylo Ren spielt Hamlet

Ich schätze weiterhin J. J. Abrams’ Idee, die Storys der klassischen „Star Wars“-Filme, also der Episoden IV bis VI, noch einmal zu erzählen, aber kräftig gegen den alten Strich gebürstet. „Das Erwachen der Macht“ (2015) war eine Hommage und eine Unverschämtheit zugleich, und es ist kein Wunder, dass sich George Lucas über Abrams’ Frivolitäten pikiert zeigte.

„Die letzten Jedi“ versucht gleichfalls einen Relaunch, und zwar des schönsten „Star Wars“-Films „Das Imperium schlägt zurück“ (1980). Rian Johnson („Brick“), der auch das Drehbuch schrieb, lässt sich eine Menge einfallen, um die alte Geschichte zu verfremden und zu modernisieren, die düstere, doch niemals hoffnungslose Stimmung des Klassikers mit den Mitteln des topmodernen Unterhaltungskinos zu beschwören. Einige Reminiszenzen an Episode V sind einfach superb: Achten Sie mal auf das Bügeleisen, das an ein Raumschiff erinnert, das an ein … Ups, Spoiler! Wir besuchen einen Eisplaneten, der gar keiner ist, Lando Calrissian hat einen Wiedergänger in dem zynischen Hacker und Hasardeur DJ (Benicio del Toro), und Prinzessin Leia ist gleich dreimal vertreten – als die Frau, die schon seit 40 Jahren die Galaxis rettet, sowie in zwei recht interessanten Alternativversionen.

Die Erste Ordnung veranstaltet einen Raumparteitag

Rian Johnson hat seinen Film gepflastert mit Verweisen auf andere Ecken des „Star Wars“-Kosmos. Er zitiert aus Peter Jacksons „Herr der Ringe“ ebenso wie aus Howard Hawks’ „Rio Bravo“ und Stanley Kubricks „Wege zum Ruhm“. Einige Witze sind tatsächlich witzig. Als Spielfilm jedoch funktioniert dieser Neustart eines alten Programms nur bedingt. Der Hyperantrieb stottert.

Viel Schatten, wenig Licht

„Krieg der Sterne“ ist ein Moloch, der Kinderträume frisst und Dollars scheißt. Aus dem B-Picture, das George Lucas 1977 inszenierte, ist eine Maschine geworden, fast so groß wie das iPhone, ein Multimilliardendollar-Unternehmen, und so was schränkt die Freiheit der Regie beträchtlich ein. Es geht hier in erster Linie ums Geldscheffeln, und nicht mal in dritter um Kunst. Die „Star Wars“-Serie ist der Inbegriff von allem, was man an Hollywood hassen kann, und sie ist es erst recht, seit Disney die Marke eingekauft hat.

Das Lego-Modell wird ein Hit, wetten? AT-ATs, zweite Generation

„Die letzten Jedi“ versucht zwar, eine Balance zu halten zwischen den Göttern des Merchandising und denen des Unterhaltungskinos, aber das gelingt zu selten. Die selbstironischen Anteile, die es durchaus gibt, wirken manchmal, als hätte sie ein Algorithmus ins Skript geschmuggelt.

Die Dramaturgie ist eine Katastrophe. Probleme werden gelöst, indem ein Deus ex machina eingreift – oder die omnipotente „Macht“. Richtig unangenehm wird die Story, wenn sie auf erwachsen tut. Tragisch gemeinte Momente lassen den Zuschauer kalt, und die politischen Anspielungen auf unsere Gegenwart sind nur einmal überzeugend, wirken sonst peinlich aufgesetzt. Völlig bizarr mutet Rian Johnsons Lobgesang auf den Heldentod an: Gleich vier seiner Figuren opfern sich, um ihre Freunde zu retten. Das ist ein Overkill des Pathos, nur Millimeter entfernt von Kriegspropaganda.

Leider im ganzen Film blass: Daisy Ridley als Rey

Es ist jedoch nicht alles misslungen. Die Eröffnungssequenz und das Finale haben ordentlich Schmackes, die CGI ist State-of-the-art, die Ausstattung üppig bis zur Verschwendung, und es gibt jede Menge knuffiger Aliens.

Mark Hamill erfüllt seine ziemlich undankbare Rolle (der Jedimeister, der versagte) mit einer Würde, der auch hölzerne Dialogzeilen wenig anhaben können. Ich hätte Luke Skywalker gern in einer anderen Verfassung wiedergesehen, aber was mich stört, liegt nicht an Hamill. Seine schauspielerische Leistung tröstet über die vielen Schwächen des Films etwas hinweg, ebenso die von Andy Serkis als Snoke.

Gibt sich alle Mühe, kann R2-D2 aber weiterhin nicht ersetzen: Roll-Robot BB-8

Ein echtes Schmankerl liefert Benicio del Toro als DJ ab. Rian Johnson hätte aus diesem Charakter erheblich mehr machen können. Doch in der Fülle neuer und alter Protagonisten bleibt kaum Platz für den einzelnen. In „Die letzten Jedi“ tummelt sich viel zu viel Hauptpersonal. Adam Driver, der das Zeug zu einem überzeugenden Bösewicht à la Darth Vader hätte, erhält weder die Zeit noch die Dialogzeilen, um Kylo Ren etwas Tiefgang zu verleihen.

Gefühlt vier Stunden

Erheblich zu viel Zeit hingegen verbraucht der Film für die langweiligste Verfolgungsjagd der jüngeren Filmgeschichte. 152 Minuten dauert Episode VIII, und es sind oft zähe Minuten. Johnson verzettelt die Geschichte, zeitweise laufen vier Handlungsstränge simultan. So etwas kann man in TV-Epen wie „Game of Thrones“ machen; in einem Kinofilm geht dergleichen meistens schief, in einem Blockbuster sowieso.

So klein und immer noch nicht bei den Sturmtruppen: Mark Hamill als Luke Skywalker

Enttäuscht hat mich auch die Musik zum schwerfälligen Opus. Dem großen John Williams, nach schwerer Krankheit wieder an Bord, fällt offenbar zu den immer gleichen Motiven – Raumkrieg, Laserschwertduell, Jedi-Hokuspokus, putziger Roboter – nichts Neues mehr ein. Freilich sind die Toneffekte so ohrenbetäubend, daß Williams‘ Score selten eine Chance hat.

Kurz: So wenig Spaß an einem „Krieg der Sterne“-Film hatte ich zuletzt bei „Episode I – Die dunkle Bedrohung“. „Star Wars“-Addicts werden das bestimmt anders sehen und in „Die letzten Jedi“ Qualitäten finden, die mir gar nicht auffielen. Man muss allerdings ein sehr großer Fan sein, um diesen Film zu mögen. Oder zwölf Jahre alt.

Ein altes und ein neues Knuddelviech im „Rasenden Falken“

Den „Krieg der Sterne“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Laura Dern und Lupita Nyong’o sind unter Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Adam Driver, Domhnall Gleeson, Joseph Gordon-Levitt, Oscar Isaac und Benicio Del Toro in der Rubrik Schauspieler.

Sehen wie immer klasse aus: die „Star Wars“-Raumschiffe

Länge: 152 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Star Wars – The Last Jedi
Alternativtitel: Star Wars: Episode VIII: The Last Jedi / Star Wars: Episode VIII: Die letzten Jedi
USA 2017
Regie: Rian Johnson
Drehbuch: Rian Johnson
Besetzung: Mark Hamill, Carrie Fisher, Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Lupita Nyong’o, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Anthony Daniels, Gwendoline Christie, Kelly Marie Tran, Laura Dern, Benicio Del Toro, Joseph Gordon-Levitt (nur Stimme), Peter Mayhew, Kelly Marie Tran, Anthony Daniels,
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2017 by Kay Sokolowsky
Filmplakate: © 2017 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany, Fotos: © 2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

 
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Verfasst von - 2017/12/14 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Mord im Orient Express – Halt auf halber Strecke

Murder on the Orient Express

Kinostart: 9. November 2017

Von Andreas Eckenfels

Krimidrama // Nach zahlreichen ihrer Ansicht nach enttäuschenden Adaptionen wollte Agatha Christie (1890–1976) keine weiteren ihrer Kriminalromane mehr verfilmt sehen. Dennoch konnten sie Nat Cohen, der mächtige Präsident des britischen Produktionsstudios EMI Films, und Filmproduzent Lord John Brabourne mit der Hilfe von Lord Louis Mountbatten Anfang der 1970er-Jahre zu einem Umdenken bewegen. So wurde „Mord im Orient-Express“ 1974 unter der Regie von Sidney Lumet („Die 12 Geschworenen“) mit großer Starbesetzung erstmals verfilmt – 40 Jahre nach der Veröffentlichung von Christies Roman. Nach der Premiere zeigte sich die 84-jährige Schriftstellerin vollends zufrieden mit der Umsetzung. Sie lobte besonders Albert Finneys Darstellung des von ihr erdachten belgischen Meisterdetektivs und berühmten Schnurrbartträgers Hercule Poirot. Die Verfilmung erhielt insgesamt sechs Oscar-Nominierungen. Ingrid Bergman gewann den Preis als beste Nebendarstellerin.

Edward Ratchett tritt mit einer besonderen Bitte an Hercule Poirot heran

Wiederum knapp 40 Jahre später geht der Orient-Express mit und von Kenneth Branagh erneut auf große Fahrt. Der britische Filmemacher ist bestens erfahren in der Verfilmung klassischer Stoffe – sei es Shakespeare oder Disney – und es ist für ihn auch nicht das erste Mal, dass er Regie und Hauptrolle in Personalunion übernimmt. Die Neubesetzung der Zugpassagiere braucht dabei den Vergleich mit der 1974er-Fassung in keiner Weise scheuen: Mit Judi Dench und Penélope Cruz sind zwei Oscar-Preisträgerinnen mit an Bord. Dazu gesellen sich unter anderem Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Willem Dafoe und „Star Wars“-Heldin Daisy Ridley. Da bleiben keine Wünsche offen.

Die üblichen Verdächtigen

Jerusalem, 1934: Hercule Poirot (Branagh) will sich nach einem für ihn kinderleichten Fall eigentlich in den verdienten Urlaub verabschieden, als ihn eine dringende Nachricht erreicht: Er soll so schnell wie möglich nach London kommen, um dort bei Ermittlungen zu helfen. Durch seinen Freund Bouc (Tom Bateman) erhält der Detektiv eine Fahrkarte im exklusiven und eigentlich ausgebuchten Orient-Express, der von Istanbul nach Calais fährt. Während der Reise in dem luxuriösen Zug lernt Poirot die illustre Riege an internationalen Passagieren kennen: von Prinzessin Dragomiroff (Judi Dench) über Geschäftsmann Edward Ratchett (Johnny Depp) bis hin zu Missionarin Pilar Estravados (Penélope Cruz) – unterschiedlicher könnten die 13 Mitfahrer nicht sein. Mitten im Balkan kommt die Fahrt durch eine Schneelawine zu einem abrupten Halt. Ein Weiterkommen ist vorerst nicht möglich. Am nächsten Tag wird ein Passagier in seinem Abteil erstochen aufgefunden – und Poirots Spürnase ist aufs Neue gefordert. Er weiß: Jeder ist ein Verdächtiger!

Hercule Poirot sucht nach dem Mörder

Agatha Christies „Mord im Orient-Express“ gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Whodunits der Krimigeschichte. Die Entführung des Sohns von Flugpionier Charles Lindbergh und ein Bericht über einen Orient-Express, der 1929 tatsächlich im Schnee steckenblieb, inspirierten die Autorin dazu, die großartige Geschichte im Zimmer 411 des Hotels Pera Palace in Istanbul zu schreiben. Bis auf ein paar kleine Anpassungen – so wird etwa aus Colonel Arbuthnot ein Arzt, der von dem schwarzen Darsteller Leslie Odom Jr. verkörpert wird – halten sich Branagh und Drehbuchautor Michael Green („Blade Runner 2049“) eng an die literarische Vorlage. Beiden muss dabei bewusst gewesen sein, dass ein Großteil der Zuschauer bereits im Vorfeld weiß, wer den Mord begangen hat. Gerade deswegen hätte man schon größere Anstrengungen unternehmen sollen, um in der im besten Sinne des Wortes altmodisch inszenierten Romanadaption Spannung zu erzeugen. Aber die Neuverfilmung nimmt niemals wirklich Fahrt auf, bleibt nach einem gelungenen Auftakt wie der Zug im Film auf halber Strecke stecken.

Was haben Prinzessin Dragomiroff (r.) und ihre Zofe Hildegard zu verbergen?

An Branaghs Darstellung liegt es nicht: Sein Poirot, der zu Beginn in Jerusalem zwei exakt gleich große Frühstückseier verlangt, ist zwar äußerst selbstverliebt, aber deswegen nicht unsympathisch. Er spielt nun mal gern damit, dass er durch sein Genie seinem Gegenüber stets einen Schritt voraus ist, und glaubt an eine klare Trennung von Gut und Böse. Umso interessanter ist es anzusehen, wie er im Verlauf der Erzählung in ein tiefes moralisches Dilemma gestürzt wird. Die anderen Stars wirken dagegen in ihren Rollen eher unterfordert. Jeder von ihnen darf während der Vernehmungsszenen für ein paar Minuten glänzen, wie man es von den großen Namen erwarten kann. Dennoch sind diese Dialogszenen so monoton inszeniert, dass der Zuschauer nie wirklich mitfiebert oder in die Psyche der Passagiere eintaucht. Lumets hatte dies in seiner Adaption mit langen, intensiven Einstellungen während der Befragungen wesentlich besser hinbekommen.

70 Millimeter in ausgewählten Kinos

Optik, Ausstattung und Kostüme sind hingegen prächtig anzusehen und bieten große Schauwerte. Man fühlt sich sofort in die 1930er-Jahre versetzt. Es ist großartig, dass Branaghs Film auch in einigen ausgewählten Kinos wie im Hamburger Savoy Filmtheater oder im Zoo Palast in Berlin im fast ausgestorbenen, analogen 70-Millimeter-Format gezeigt wird. Im Gegensatz zu Christopher Nolans „Dunkirk“ bietet „Mord im Orient Express“ hierbei allerdings keinen allzu großen Mehrwert. Die Stadtperspektiven Jerusalems und der perfekt in Szene gesetzte Zug, der durch die schneebedeckte Landschaft rast, wirken so zwar noch eine Spur imposanter, da sich aber ein Großteil der Handlung innerhalb der engen Gänge und Abteile des Orient-Express abspielt, verpufft die Wirkung der überdimensionalen Projektion. Immerhin hat sich Branagh bei der Inszenierung des großen Schlussplädoyers, bei der Poirot die Auflösung des Falls bekanntgibt, eine kleine Freiheit erlaubt und diesen an einen anderen, visuell ansprechenderen Schauplatz verlegt. Hier zeigt er dann, was bei seiner Neuinterpretation möglich gewesen wäre, wenn er sich nicht so strikt an die Vorlage gehalten hätte. Dann wäre „Mord im Orient Express“ auch für jene Zuschauer von größerem Interesse gewesen, die die Geschichte schon auswendig kennen.

Tee im Schnee: Der Detektiv befragt die junge Mary

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kenneth Branagh, Willem Dafoe und Johnny Depp haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Jeder ist ein Verdächtiger!

Länge: 114 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Murder on the Orient Express
MLT/USA 2017
Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Michael Green, nach dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie
Besetzung: Kenneth Branagh, Daisy Ridley, Leslie Odom Jr., Michelle Pfeiffer, Judi Dench, Willem Dafoe, Johnny Depp, Derek Jacobi, Penélope Cruz, Josh Gad, Olivia Colman, Tom Bateman, Lucy Boynton
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Twentieth Century Fox

 

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