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The Last House on the Left – Das letzte Haus links: Wes Cravens Schlag in die Magengrube

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The Last House on the Left

Gastrezension von Simon Kyprianou

Horror // Zwei Mädchen (Sandra Cassel, Lucy Grantham) aus der Provinz wollen in New York City vor einem Konzert etwas Gras kaufen und geraten dabei an die Falschen: an Krug Stillo (bemerkenswert: David Hess) und seine Gang, die gerade aus dem Gefängnis entflohen ist. Krug und seine Kumpane verschleppen die Mädchen aufs Land, ironischerweise genau in ihr Dorf, wo sie die beiden vergewaltigen und umbringen.

Für die Nacht suchen Stillo und seine Leute Asyl bei der Familie Collingwood, zufälligerweise die Eltern eines der Mädchen, die wegen der Abwesenheit ihrer Tochter krank vor Sorge sind. Als ihnen klar wird, dass die Logiergäste ihre Tochter auf dem Gewissen haben, verüben sie Rache.

Die Hölle der Großstadt

Aus dem beschaulichen Idyll einer dörflichen New Yorker Vorstadt, so klein und ländlich, dass es von der großen Stadt in der Nähe kaum etwas ahnen lässt, kommen Cravens Protagonistinnen her. Am Anfang können die Mädchen im Wald noch träumerisch vom Erwachsenwerden fantasieren. Erfüllt von adoleszenten Träumen und mit den Vorstellungen von ’68 im Kopf fahren sie in die Stadt zu einem Konzert. New York City erscheint anfangs ganz trügerisch als krasse Antithese zum Vorstadtidyll, doch beinahe unmittelbar konfrontiert Wes Craven die Mädchen mit ihren Vergewaltigern in spe, einer Gruppe degenerierter Psychopathen, die der Regisseur beinahe schon als Karikatur darstellt. Auf den ersten Blick wirken sie in ihrem Wahnsinn und ihrer Gewaltbereitschaft wie eine Antithese, nämlich zu den vermeintlich sittsamen Eltern.

Staatsorgane sind bei Craven nicht mehr als eine bloße Randnotiz, für die er hauptsächlich Spott und Hohn übrig hat, am richtigen Ort sind sie erst wenn alles sowieso schon zu spät ist. Am Ende da verwischt er endgültig die Grenzen zwischen Gut und Böse, die zu Beginn noch so trügerisch klar im Raum standen, wenn die Elterngeneration ihre eigenen Werte über Bord wirft und gegen Rache eintauscht, die ebenso blutig und abscheulich ist, wie das Verbrechen selbst. Die dörfliche Idylle, die sich am Anfang vom urbanen Chaos klar abgrenzen konnte, ist endgültig dahin, auch im vermeintlichen Idyll hat die Gewalt schon längst unter der Oberfläche gebrodelt. Auswege, oder Räume in denen sich Jugendliche überhaupt sorgenfrei entfalten könnten gibt es anscheinend keine. Ein unfassbar intelligenter Film.

Frei nach Ingmar Bergmans „Die Jungfrauenquelle“

„Das letzte Haus links“ ist von Craven als loses Remake von Ingmar Bergmans „Die Jungfrauenquelle“ („Jungfrukällan“, 1960) angelegt, welcher wiederum auf einer mittelalterlichen schwedischen Erzählung basiert. Craven legte hiermit einen der Grundsteine für das sogenannte Rape-and-Revenge-Subgenre des Horrorfilms, dem allerdings kaum nennenswerte Filme entsprungen sind. Gelungene Beiträge wie Abel Ferraras „Die Frau mit der 45er Magnum“ („Ms .45“, 1981) sind da eher die Ausnahme. In Deutschland ist „Das letzte Haus links“ lediglich in gekürzter Fassung frei verkäuflich, bei einigen europäischen Nachbarn ist „The Last House on the Left“ aber ungeschnitten erhältlich.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Wes Craven sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 3. Mai 2004 als DVD (sogenannte „neue Fassung“ – im Klartext: um mehr als eine Viertelstunde gekürzt)

Länge: 64 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Last House on the Left
USA 1972
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Wes Craven
Besetzung: Sandra Peabody, Lucy Grantham, David Hess, Fred J. Lincoln, Jeramie Rain, Marc Sheffler, Richard Towers, Cynthia Carr, Gaylord St. James
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: KSM GmbH

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Packshot: © 2015 KSM GmbH

 

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Wenn du krepierst – lebe ich: Auf dem Highway ist die Hölle los

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Autostopp Rosso Sangue

Von Andreas Eckenfels

Psychothriller // „Ein geschmackloses Machwerk voller Perversitäten“, sagt die Cinema. „Ein allein auf Sex und Gewalt ausgerichtetes schäbiges Spekulationsprodukt, das wahllos gesellschaftliche Randgruppen denunziert“, schrieb das Zweitausendeins Filmlexikon. Eine schöne Idee von OFDb Filmworks, einige Zitate aus Filmrezensionen zu dem Franco-Nero-Thriller in ihrem schicken Digipack zu „Wenn du krepierst – lebe ich“ abzudrucken. Zusätzlich verspricht natürlich auch der sleazige deutsche Verleihtitel einen kleinen Drecksfilm – und dann ist auch noch David Hess, der Psycho aus Wes Cravens „The Last House on the Left“, erneut als irrer Sadist besetzt.

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Walter auf der Jagd

Die ersten Minuten bestätigen dann auch die dunklen Vorahnungen: Franco Nero gurgelt als italienischer Journalist Walter Mancini den Whiskey, bevor er ihn literweise in sich hineinschüttet. Auf der Jagd nimmt er seine Frau Eve (Corinne Cléry, „Geschichte der O“) ins Fadenkreuz – und erschießt dann doch einen Hirsch. Dies habe er allerdings nur getan, weil er mit Eve wenigstens noch rumvögeln könne. Das habe sie dem Hirsch voraus, wie Walter ihr mitteilt – was er dann auch gleich in die Tat umsetzt. Sie gibt sich dem Säufer wie schon viele Male zuvor widerstrebend hin.

Psycho im Auto

Als die beiden wenig später auf ihrer Reise durch den amerikanischen Westen mit ihrem Wohnwagen auf einem Campingplatz halten und ein junges Paar beim Sex beobachten, sagt er lapidar: „Sie tun dasselbe wie wir gerade“, worauf sie erwidert: „Die machen Liebe, wir haben gefickt“. Es wird klar: Walter ist ein echtes Ekel – ein obszöner, triebgesteuerter Säufer. Eve ist diesem Tier hilflos ausgeliefert. Doch sobald Anhalter Adam (David Hess) mit einem Koffer voll Geld bei dem krisengeschüttelten Paar ins Auto steigt und sie zwingt, ihn über die mexikanische Grenze zu bringen, ändert sich das „geschmacklose Machwerk“ zu einem natürlich reißerischen, aber dennoch packenden Thriller.

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Walter und Eve sollen Bankräuber Adam über die mexikanische Grenze bringen

Dies liegt vor allem daran, dass sich die Geschlechterrollen ändern: Eve ist nicht das wehrlose Opfer. Wie sich herausstellt, ist Walter ein armer Tropf, der die Tochter seines Chefs geheiratet hat. Eve ist es, die das Geld in die Ehe gebracht hat und versucht, die Beziehung mit der Reise in die USA zu retten. Weil der ebenfalls vulgäre Adam sich schnell an die hübsche Eve ranmacht, fühlt sich Walter in seiner Männlichkeit verletzt. Nur durch seine Pistole bleibt der psychopathische Bankräuber Adam in der Vormachtsstellung. Vorläufig zumindest. Denn Eve hat mit ihrem Körper eine eigene Waffe zu bieten, die sie auch einsetzt, als sie merkt, dass sich Walter niemals gegen den jüngeren Adam durchsetzen wird.

Widerlich und quälend

Der Sündenfall – nicht umsonst heißen die Figuren Adam und Eve –, der zu dem miesen Ruf von „Wenn du krepierst – lebe ich“ beigetragen hat, manifestiert sich schließlich durch die harte Vergewaltigungsszene. Adam vergeht sich an Eve und zwingt den gefesselten Walter, dabei hilflos zuzusehen. Sadistischer geht es nicht. Allerdings gebe ich hier dem Booklet-Text von Christian Kaiser recht: Regisseur Pasquale Festa Campanile inszeniert die Szene vor Lagerfeuer zwar wie in einem Softerotik-Filmchen inklusive zarter Musik von Ennio Morricone – Corinne Cléry zeigt sich komplett nackt und David Hess darf ähnlich wie in Cravens Schocker an ihr herumschlecken, dass es eine widerliche Qual ist; dennoch ist die gesamte Szene, wie der gesamte Film, hervorragend gespielt. Im letzten Drittel bekommt die Geschichte dann noch einen interessanten Dreh, mit dem man so nicht unbedingt rechnen konnte.

Ein Kind der Siebziger

„Wenn du krepierst – lebe ich“, auch unter dem Titel „Der Todes-Trip“ bekannt, ist also kein reines Psychoduell im Sinne von anderen „Anhalter“-Filmen wie „Hitcher – Der Highway Killer“ (1986). Der Film ist mehr Beziehungsdrama angereichert mit einigen Härten, rasant inszeniert und mit großartiger Besetzung. Ein Kind der Siebziger, der heute natürlich nicht mehr so schockiert wie früher. Dennoch muss man aufgrund der Abgebrühtheit einiger Szenen ab und an kräftig schlucken.

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Walter versucht erfolglos, sich zur Wehr zu setzen

Toll, dass OFDb Filmworks den dreckigen Geschlechterkrieg in einer hervorragenden Edition aus dem Hut gezaubert hat. Vorher gab es nur eine geschnittene VHS-Kassette. Neben der extrem limitierten und schon ausverkauften Hartbox gibt es eine auf 2.000 Stück beschränkte, inhaltsgleiche Fassung im Digipack. Außer DVD und Blu-ray mit deutscher, englischer und italienischer Sprachfassung sind Booklet, ein Audiokommentar von Marcus Stiglegger und auf einer zweiten DVD ein rund 80-minütiger Rückblick auf die Entstehungsgeschichte enthalten, bei der alle damaligen Protagonisten zu Wort kommen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Franco Nero sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 5. Juni 2015 als limitierter Digipack (Blu-ray + DVD + Bonus-DVD)

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: Ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Autostop Rosso Sangue
Internationaler Titel: Hitch-Hike
Alter deutscher Verleihtitel: Der Todes-Trip
IT 1977
Regie: Pasquale Festa Campanile
Drehbuch: Pasquale Festa Campanile, Aldo Crudo, Ottavio Jemma nach einem Roman von Peter Kane
Besetzung: Franco Nero, David Hess, Corinne Cléry
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Dokumentation „Road to Ruin“, Bildergalerie
Vertrieb: OFDb Filmworks

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Adam macht sich an Eve ran

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2015 OFDb Filmworks

 

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