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Deadpool 2 – (K)ein Familienfilm

Deadpool 2

Kinostart: 17. Mai 2018

Von Lutz R. Bierend

SF-Action // Als „Deadpool“ 2016 antrat, um mit viel tiefsitzender Respektlosigkeit gegen das alteingesessene Helden-Franchises des Marvel Cinematic Universe die Leinwand zu erobern, hatten die Verantwortlichen bei Marvel und Twentieth Century Fox nicht allzu viel Vertrauen in die Publikumstauglichkeit des vorher nur als Schurke in „X-Men Origins – Wolverine“ aufgetretenen Mutanten. Lächerliche 58 Millionen stellten sie Ryan Reynolds und seinen Koproduzenten als Budget zur Verfügung, um diese ungewöhnlich blutige Marvelgeschichte umzusetzen. Ein Einspielergebnis von 780 Millionen Dollar später war es nur eine Frage der Zeit, wann Reynolds seinen knackigen Arsch ein zweites Mal in rote Spandexhosen quetscht.

Kommt zornig aus der Zukunft, um seine Familie zu retten: Cable

Nun ist es soweit. Wade Wilson alias Deadpool darf seine wenig superheldenhaften Rachegelüste und seine manchmal auf angenehme Weise pubertär wirkende Zerstörungswut erneut ausleben. Diesmal muss er ein Team aus Mutanten zusammenstellen, um den jungen Mutanten Russell „Firefist“ (Julian Dennison) vor dem Terminator-artigen Zeitreisenden Nathan Summers alias Cable (ein herrlich grimmiger Josh Brolin) zu schützen. Keine einfache Aufgabe angesichts all der technischen Gimmicks, die Cable aus der Zukunft mitbringt. Besonders wenn die Superfähigkeit der einzigen kompetenten Mitstreiterin seiner neugegründeten, gendergerechten Superheldenriege X-Force das Glück ist. Richtig gelesen, Neena Thurman alias Domino (Zazie Beetz) hält das Glück in ihren Händen, um es zu manipulieren. Aber zum Glück wird Deadpool auch von den meisten der in Teil 1 lieb gewonnen Figuren unterstützt.

Kopf ab!

Wer befürchtet, dass der zweite Teil aus kommerziellen Gründen mehr Zugeständnisse an die amerikanische Prüfstelle MPAA macht, der sei beruhigt: Spätestens wenn die Eröffnungssequenz „Rambo II“ wie eine Disneygeschichte wirken lässt und der rote Rächer einen frisch abgetrennten Kopf per Roundhousekick durch den Raum fliegen lässt, weiß das Publikum: Dies ist eher ein Film, den sich Männer allein ansehen werden – wäre da nicht der „John Wick“-Moment: Für alle Actionfilm-Unkundigen: Das ist der Moment, bei dem aufgrund eines dramatischen Ereignisses der Einsatz exzessiver Gewalt selbst der überzeugtesten Kriegsdienstverweigererin als einzig sinnvolle Lösung erscheint. Bei „John Wick“ ist dieser Zeitpunkt gekommen, als der verzogene Russenjunge den armen Welpen tötet. Von da an hätte selbst meine zartbesaitete Frau es akzeptabel gefunden, wenn Keanu Reeves die gesamte Russenmafia mit einem Gurkenhobel häutet. Passenderweise haben die Produzenten von „Deadpool 2“ – wie uns die wieder einmal namensbefreite Vorspannsequenz informiert – für den Regiestuhl jenen Mann gewonnen, „der John Wicks Welpen umgebracht hat“ (auch wenn David Leitch seinerzeit bei seinem Debüt „John Wick“ noch nicht als Regisseur genannt werden durfte). So liefert also auch „Deadpool 2“ diesen Moment, der die Gewaltorgie legitimiert und damit auch den Kinobesuch mit Freundin möglich macht, auch wenn Ryan Reynolds wieder wie eine verbrannte Pizza aussieht und er eher mit humoristischen als mit Womanizerqualitäten punkten muss.

Professor Xavier bekommt sein Fett weg

War „Deadpool“ schon ein Füllhorn an Respektlosigkeit und Witzen auf der Metaebene, bei der die vierte Wand nur Makulatur war, so hat der Erfolg die Macher ermutigt, in dieser Hinsicht eine Schippe draufzulegen. Es scheint fast unmöglich, all die Witze über Patrick Stewart, die Gender-Issues seiner X-Men, das „Fatshaming“ von Superhelden und die Minderwertigkeit von Ryan Reynolds’ Heimat Kanada beim ersten Mal komplett mitzubekommen. Während der Vorgänger bei all der sinnlosen Gewalt seinem Versprechen gerecht wird, ein Liebesfilm zu sein, wird „Deadpool 2“ seinem Versprechen gerecht, ein Familienfilm zu sein – trotz all der abgetrennten Körperteile, herrlich choreografierten Kampfsequenzen und einem Schimpfwortkanon, der allein schon in den USA eine Freigabe ab 17 gerechtfertigt hätte.

Das Glück an Deadpools Seite

Für Ryan Reynolds schien es auf jeden Fall ein dringendes Anliegen gewesen zu sein, mit „Deadpool 2“ seine frühere Rollenwahl in Superheldenfilmen vergessen zu machen. Deadpool ist sehr erfolgreich darin, die eine oder andere Timeline im Marvel oder DC-Universum zu korrigieren: Auch wenn die IMDb neben „Deadpool 3“ auch schon einen eigenständigen „X-Force“-Film angekündigt hat, mag man sich kaum vorstellen, was hier noch als Steigerung aus dem Hut gezogen werden kann. Ryan Reynolds hat allerdings auch angezweifelt, dass es einen dritten Teil geben wird.

Wolverine ziert sich noch

Hugh Jackman wiederum hat dem von Ryan Reynolds gewünschten Superhelden-Merger mit Wolverine und Deadpool vorerst eine Absage erteilt. Nun ja, in „Deadpool 2“ hat man sich ganz gut mit einem kurzen Wolverine-Cameo zu helfen gewusst. Wir schauen mal, wo ihn seine neue Familie noch so hinführt. Im Sequel hat man auf jeden Fall viel richtig gemacht, um alte Fans zu halten und den einen oder anderen neuen Fan zu gewinnen.

Es kommt nicht nur aufs Aussehen an

Fans des ersten adipösen Superhelden der Filmgeschichte sei der neuseeländische Überraschungserfolg „Wo die wilden Menschen jagen“ („Hunt for the Wilderpeople„, 2016) empfohlen. Darin schlägt sich Firefist-Darsteller Julian Dennison mit einem grimmigen Sam Neill auf der Flucht vor dem Jugendamt durchs neuseeländische Unterholz – das tut der im Oktober 2002 in Neuseeland geborene Nachwuchsstar auch da schon sehr überzeugend. Das ist dann auch mal ein Familienfilm mit adäquater Altersfreigabe.

Auch gern mal ungehalten: Deadpool

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Josh Brolin, Nicholas Hoult und Ryan Reynolds sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Ein lesenswerter Text zu „Deadpool 2“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Deadpool 2
USA 2018
Regie: David Leitch
Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick, Ryan Reynolds
Besetzung: Ryan Reynolds, Josh Brolin, Julian Dennison, Zazie Beetz, Morena Baccarin, Brianna Hildebrand, Bill Skarsgård, T. J. Miller, Rob Delaney,Terry Crews, Lewis Tan, Nicholas Hoult
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Twentieth Century Fox

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2018/05/15 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Deadpool – Schlagfertiger Superheld im roten Dress

Deadpool-Plakat

Deadpool

Kinostart: 11. Februar 2016

Von Iris Janke

SF-Action // Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds) flucht, ballert und prügelt den lieben langen Tag. Nach seinem Auftritt als DC-Superheld „Green Lantern“ (2011) hat Ryan Reynolds für seinen neuen Einsatz als Comicfigur die Anzugfarbe gewechselt – von grasgrün zu knallrot. Reynolds hatte die Marvel-Gestalt Wade Wilson bereits 2009 in „X-Men Origins – Wolverine“ gespielt.

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Die Ex-Prostituierte Vanessa liebt Wade Wilson

Zum coolen Superhelden wird der eigentlich ziemlich langweilige Schönling Wade Wilson ebenso zufällig wie unfreiwillig. Bis es so weit ist, betet er seine hübsche Freundin an, die Ex-Prostituierte Vanessa (Morena Baccarin, „Homeland“). Zudem zehrt er noch immer von seinem halbwegs „normalen“ Ex-Job als Mitglied einer Spezialeinheit und entspannt ab und zu in seiner Lieblingsbar.

Krebstherapie mit Folgen

Als bei ihm Krebs diagnostiziert wird, ist es vorbei mit dem Dasein als Normalo. Wade sieht panisch all seine Lebensgeister schwinden und sämtliche Zukunftspläne in Gefahr. Einzige Chance, die heimtückische, lebensbedrohliche Krankheit zu bekämpfen, scheint in der Teilnahme an einem geheimen Genexperiment des zwielichtigen Ajax (Ed Skrein) zu liegen.

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Deadpool räumt auf – ohne Rücksicht auf Verluste

Vorteil der Behandlung: Wades geschundener Körper bekommt die Möglichkeit zur kompletten und schnellen Regeneration und Gesundung. Einziges Manko: Wade ist entstellt. In einer Art Glassarg wurde er eingeschlossen, sein Körper darin verbrüht und verätzt. Ergebnis: Wade ist zwar gesund und enorm widerstandsfähig, allerdings von hässlichen Tumoren übersät. Er sieht keine andere Möglichkeit, als aus seinem alten Leben zu verschwinden und sich auch vor seiner Freundin zu verstecken – im roten Ganzkörperanzug mit Maske. Aus Wade Wilson wird Deadpool, der unzerstörbare Superheld.

Flammenwerferin greift ein

Mit seinem Äußeren ist Deadpool nun so unglücklich, dass er das Experiment rückgängig machen will. Außerdem will sich Wade am fiesen Ajax rächen. Dabei helfen ihm sein tiefschwarzer Humor und die beiden anderen Superhelden, der riesenhafte, gutmütige Colossus (Stefan Kapicic) und die blutjunge Flammenwerferin Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand).

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Mutantin Teenage Warhead unterstützt Deadpool

Insgesamt überzeugt die Marvel-Adaption von Regisseur Tim Miller und den Drehbuchautoren Rhett Reese und Paul Wernick (beide auch „Zombieland“) dank ihrer quietschbunten Comic-Optik, dem passend besetzten Hauptdarsteller Ryan Reynolds, den ebenfalls gut ausgesuchten Nebendarstellern und dem mit Bedacht eingesetzten Budget von 50 Millionen Dollar.

Blutig mit FSK-16-Freigabe

Vielleicht ist es der Not der geringen Finanzen geschuldet, dass die Inszenierung von Tim Miller eher dosiert und eben nicht superheldenmäßig überfrachtet wirkt, vielleicht ist die Reduktion des Mitteleinsatzes aber auch gewollt. Dass es über zehn Jahre gedauert hat, bis es der Comicheld als Hauptfigur im quietschroten hautengen Ganzkörperanzug auf die große Leinwand geschafft hat, lag vermutlich auch daran, dass man den Film möglichst authentisch drehen wollte – und damit eher nicht familientauglich, sondern eben laut, brutal und blutig. Beim Ü-16-Publikum dürfte das gut ankommen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ryan Reynolds und Ed Skrein haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 108 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Deadpool
USA/KAN 2016
Regie: Tim Miller
Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick
Besetzung: Ryan Reynolds, Karan Soni, Ed Skrein, Michael Benyaer, Stefan Kapicic, Brianna Hildebrand, Kyle Cassie, Taylor Hickson, Naika Toussaint, Randal Reeder
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2016 by Iris Janke
Filmplakat & Fotos: © 2016 Twentieth Century Fox

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2016/02/10 in Film, Kino, Rezensionen

 

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