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House Harker – Vampirjäger wider Willen: Low-Budget-Blutsauger mit Humor

I Had a Bloody Good Time at House Harker

Von Andreas Eckenfels

Horrorkomödie // Wer war noch mal Jonathan Harker? Tja, alle kennen den berühmten Vampirjäger Professor Abraham van Helsing, aber der andere Held aus Bram Stokers Roman, der Graf Dracula am Ende gar die Zähne zieht, fristet ein recht unbekanntes Dasein. Diesen Umstand wollen die amerikanischen Indie-Filmemacher „The Good Cops“ nun ändern. In ihrer Horrorkomödie erweisen sie Jonathan Harker die Ehre, die ihm für seine Taten gebührt. Allerdings nur indirekt, denn in „House Harker“ steht nicht der englische Rechtsanwalt im Mittelpunkt des blutigen Geschehens, sondern die Handlung dreht sich um dessen Nachkommen Charlie (Noel Carroll), Gerry (Jacob Givens) und Paige (Whitney Moore).

Der falsche Vampir steht vor der Tür

Während Paige mit dem lokalen Sheriff (Nathan Lorch) einer glücklichen Zukunft entgegenblickt, sieht es für ihre Brüder Charlie und Gerry weniger rosig aus. Durch ihren festen Glauben an ihre Familiengeschichte und daran, dass Vampire wirklich existieren, sind sie zum Gespött der Stadt geworden. Zu allem Überfluss haben sie reichlich Schulden am Hals. Wenn sie diese nicht bald zurückzahlen, werden sie aus ihrem Haus geworfen.

Erstmal einen heben: Gerry, Charlie und Ned (v. l.) überlegen, wie sie ihre Schulden tilgen können

Da kommen ihnen zwei kuriose Todesfälle gerade recht. Gemeinsam mit ihrem Kumpel Ned (Derek Haugen) schmieden die Brüder einen Plan: Beide Leichen könnten doch Opfer eines vermeintlichen Vampirs gewesen sein, der in ihrem Heimatort umgeht. Die Jagd auf diesen wollen sie publikumswirksam im Haus Harker inszenieren. Doch was sie nicht ahnen: Der Schauspieler, der in die Rolle des Blutsaugers schlüpfen soll, wird von einem echten Vampir ausgesaugt, der dann stattdessen vor der Tür der unwissenden Harkers auftaucht …

Prominente Fans

„The Good Cops“ haben sich durch diverse Comedy-Webserien auf ihrem You Tube-Kanal eine kleine Fan-Gemeinde aufgebaut. 319 von ihnen waren sogar bereit dazu, bei einer Crowdfunding-Aktion insgesamt 37.305 US-Dollar zu spenden. Das Geld wurde in die Postproduktion des ersten Langfilms der Truppe gesteckt – „House Harker – Vampirjäger wider Willen“. Mit zwei prominenten Fans im Schlepptau überraschten die Darsteller Jacob Givens und Noel Carroll die Zuschauer des Fantasy Filmfests 2016 im Savoy Filmtheater in Hamburg: Right Said Fred („I’m Too Sexy“) stellten sich nach der Vorstellung des Films ebenfalls den Fragen des Publikums. Das britische Pop-Duo steuerte zwei Songs zum Soundtrack bei.

Filmtechnische Mängel

Vom Niveau der Kult-Horrorkomödie „Shaun of the Dead“ ist „House Harker“ ein großes Stück weit entfernt. Da hilft es auch nicht, dass „Ned“-Darsteller Derek Haugen in seiner Vampirjäger-Kluft entfernt an Simon Pegg in „The World’s End“ erinnert. Der Truppe fehlt es schlicht am filmtechnischen Handwerk, einem fähigen Regisseur und an finanziellen Mitteln. Einige Szenen sind mies ausgeleuchtet, es wird wild hin und her geschnitten und ab und an eine Splitscreen-Technik eingesetzt, die keinerlei weiteren künstlerischen Nutzen besitzt.

Im Haus Harker wollen die Freunde eine Vampirjagd inszenieren

Dazu wird mal wieder ein Haufen ausgelutschter Gags aufgewärmt: Ned ist schon seit seiner Kindheit in Paige verknallt. Wenn sie den Raum betritt, träumt er vor sich hin, wie sie sexy in Zeitlupe ihr volles Haar schüttelt. Ebenfalls schon zigmal gesehen, hat man die unappetitliche Hommage an „Der Exorzist“, in der das besessene Mädchen dem Priester immer wieder einen grünen Strahl ins Gesicht kotzt.

Ein Funken absurde Originalität

Allerdings blitzt in den zahlreichen Anspielungen auf bekannte Klassiker auch immer wieder mal ein kleiner Funke absurder Originalität auf. Denn die „Good Cops“ sind sich durchaus bewusst, dass sie bekannte Witze recyclen – und drehen diesen dann einfach ein Stückchen weiter: So zeigen sie etwa, was mit dem Priester weiter passiert, nachdem er aufgrund seiner schlechten Erfahrungen mit dem Exorzismus sein Kreuz und damit seinen Glauben an den Nagel gehängt hat.

Doch bald bevölkern echte Blutsauger das Haus

Diese kleinen, eingestreuten Episoden zeigen, dass man trotz vieler Mängel, dennoch eine spaßige Zeit mit der Low-Budget-Vampirkomödie haben kann. Das Team ist durchaus sympathisch, man merkt, dass alle mit Leidenschaft bei der Sache sind, und es spritzt ordentlich Blut, wenn die Harkers die Vampire, die bald das ganze Haus bevölkern, sogar einigermaßen kreativ um die Ecke bringen. Auf die geplante Werwolf-Fortsetzung kann man sich also durchaus freuen. „The Good Cops“ sollten aber vorher noch etwas Nachhilfe-Unterricht bei echten Filmemachern nehmen, bevor sie das Sequel in Angriff nehmen.

Die Jagd kann beginnen

Veröffentlichung: 26. April 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 80 Min. (Blu-ray), 77 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: I Had a Bloody Good Time at House Harker
USA 2016
Regie: Clayton Cogswell
Drehbuch: Clayton Cogswell, Noel Carroll, Jacob Givens, Derek Haugen
Besetzung: Jacob Givens, Noel Carroll, Derek Haugen, Whitney Moore, Nathan Lorch, Nate Lane
Zusatzmaterial: Kinopremiere beim Fantasy Filmfest 2016, Trailer, Wendecover
Vertrieb: OFDb Filmworks

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Ned hat ein fettes und haariges Problem am Hals

Fotos & Packshot: © 2018 OFDb Filmworks

 

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