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Dschingis Khan – Die goldene Horde: It’s a Universal Picture

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The Golden Horde

Von Ansgar Skulme

Abenteuer // Wir schreiben das 13. Jahrhundert: Dschingis Khan (Marvin Miller) rückt mit einer Vielzahl an Getreuen in Richtung Europa vor. Aus dem fernen England wurde Sir Guy of Devon (David Farrar) in den Orient geschickt, um den Mongolen Einheit zu gebieten. In Samarkand kommt es zum Showdown zwischen den Kreuzrittern und Dschingis Khans Vorhut, während sich der sagenumwobene Herrscher bereits bedrohlich aus der Ferne nähert. Es geht nicht nur um die Rettung Europas, sondern für Prinzessin Shalimar (Ann Blyth) auch um den Erhalt ihres schönen Samarkand – Mythos vieler Geschichten aus Tausend und einer Nacht –, das den Aufständischen in die Hände zu fallen droht.

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Von unwiderstehlicher Anmut: Prinzessin Shalimar

Man mag es kaum glauben, dass Koch Media diese frühe Low-Budget-Produktion aus dem reichhaltigen Fundus der nach dem Zweiten Weltkrieg von Universal produzierten farbenprächtigen Abenteuerfilme tatsächlich ausgegraben hat und nun sogar in einer ansehnlichen digital remasterten Fassung präsentiert. Der Film drohte in Vergessenheit zu geraten, zumal er, im Gegensatz zu vielen anderer dieser Abenteuerfilme und Western, nicht mit einem Helden aufwartet, der seinerzeit vertraglich über Jahre fest an Universal gebunden war. Während sich mit Schauspielern wie Jeff Chandler, Tony Curtis, Rock Hudson, Audie Murphy, Rory Calhoun oder Jock Mahoney problemlos eine ganze Reihe an Universal-Filmen veröffentlichen lässt, steht dieses Werk ein wenig außen vor. Für David Farrar war es der erste Hollywood-Film, während der Regisseur George Sherman schon seit Jahren mit teils hervorragenden B-Filmen von sich reden machte und bereits über Jahre auch immer wieder Farbfilme anvertraut bekommen hatte. Sherman war ein Meister darin, aus spärlichen Kulissen und einem charismatischen Ensemble mit einer schicken Farbinszenierung das Beste herauszukitzeln.

Zauber des Orients

Zugegeben: Viel Neues hat dieser Film sicherlich nicht zu bieten, wandelt allerdings sehr gekonnt im Rahmen gewohnter Abenteuerfilm-Konzepte. Ein B-Film durch und durch, jedoch im positiven Sinne, mit Schauspielern, die es meisterhaft verstanden, Stereotypen des Genres ein weiteres Gesicht zu geben. Die Nebendarsteller sind hier schon ein Erlebnis für sich. Angeführt werden sie von dem eigentlich immer überzeugenden George Macready, der auf Schurken abonniert war, aber diesen sehr variable Ausprägungen zu verleihen vermochte – nicht umsonst fiel die Wahl auf ihn, als man für den Jaffar in „Das goldene Schwert“ 1953 einen Nachfolger für Conrad Veidt aus der Version von 1940 brauchte. Aber auch die wunderbare Ann Blyth in der weiblichen Hauptrolle verkörpert all das Bezaubernde des Orients hinreißend, während sich David Farrars recht robuste Darstellung des Helden angenehm abseits prüder Briten-Klischees bewegt.

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Der finstere Schamane, eingerahmt von Juchi und Tugluk

Nicht zuletzt kommt dem Film historisch durchaus eine gewisse Bedeutung zu, da es der wahrscheinlich erste Hollywood-Film war, in dem Dschingis Khan auftaucht und zudem sogar zentraler Motivator der Handlung ist, auch wenn man ihn erst gegen Ende des Films zu Gesicht bekommt. 1950 erschien auf den Philippinen bereits ein Dschingis-Khan-Film, Hollywood jedoch widmete der Legende erst 1956 mit dem skandalumwobenen Streifen „Der Eroberer“ eine größere Plattform. In diesem leichtfertig auf Atomtestgelände produzierten Abenteuer verkörperte kein Geringerer als John Wayne den Khan. Ein weiteres sehenswertes Epos folgte 1965 in Form der internationalen Ko-Produktion „Dschingis Khan“ mit Omar Sharif.

Da geht noch was!

Zu hoffen ist, dass Koch Media mit einer Veröffentlichung wie dieser eine Tür geöffnet hat. Unterhaltsame Universal-Abenteuerfilme dieses Schlages aus den ersten 15 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es dutzendfach, selbst wenn man nur die Farb-Produktionen rechnet. Die wenigsten davon sind bisher auf DVD erschienen, viele noch nicht einmal in den USA. Dabei hat es doch seinen Reiz, in geballten 75 Minuten (etwa die Standardlaufzeit dieser Werke) Action, schöne Frauen, Musik, Tanz, schicke Kostüme und Kulissen in prächtiger Farbkomposition vor historisch angehauchter Geschichte und in exotischem Umfeld präsentiert zu bekommen. Diese Filme sind Musterbeispiele, wie man das Publikum auf den Punkt und ohne Schnörkel unterhalten kann, einfallsreich mit geringen Budgets haushaltet, meist gesegnet mit einem hervorragenden Ensemble von Darstellern, die man nach drei bis vier Filmen bereits wiedererkennt und bei denen man sich über die bekannten Gesichter freut. Wer am Abend einmal nicht die Zeit hat, sich zweieinhalb Stunden vor den Fernseher zu setzen, aber trotzdem Lust auf einen abenteuerlichen Trip verspürt, ist in dieser bunten Universal-Welt genau richtig. Bitte mehr davon auf DVD!

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Sir Guy ist gekommen, um für Ordnung zu sorgen

Veröffentlichung: 3. Dezember 2015 als DVD

Länge: 74 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Golden Horde
USA 1951
Regie: George Sherman
Drehbuch: Gerald Drayson Adams, nach einer Geschichte von Harold Lamb
Besetzung: Ann Blyth, David Farrar, George Macready, Henry Brandon, Howard Petrie, Richard Egan, Marvin Miller
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Ansgar Skulme
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

 

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