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Die letzten Amerikaner – Tödliche Jagd in den Sümpfen Louisianas

Die_letzten_Amerikaner-Cover

Southern Comfort

Gastrezension von Simon Kyprianou

Action-Abenteuer // Walter Hills „Die letzten Amerikaner“ und Wes Cravens „Hügel der blutigen Augen“ sind fast Zwillingsfilme, entstanden auch lediglich vier Jahre auseinander und sind beide eine Aufarbeitung und eine Untersuchung des Vietnamkriegs. Beide gehen ähnlich vor, indem sie den Vietnamkonflikt in die USA tragen, ihn also „zu Hause“ wiederholen.

Bei Craven Wüste, bei Hill die Sümpfe

In einem versuchsanordnungsartigen Mikrokosmos, bei Craven eine Wüste, bei Hill eine Sumpflandschaft, lassen sie logistisch gut ausgerüstete, bewaffnete Amerikaner gegen Wüsten- bzw. Sumpfbewohner kämpfen, die ihnen mit ihren Guerilla-techniken weit überlegen sind. Bei Craven ist das etwas subtiler als bei Hill, bei beiden ist es aber vielschichtig und intelligent.

Wie bringe ich Einheimische gegen mich auf?

Wo Craven eine ganz normale amerikanische Familie mit dem Vietnamkonflikt konfrontiert, sind es bei Hill ganz unsubtil, dafür sehr wirkungsvoll, Nationalgardisten. Überfordert versuchen sie eine vermeintlich ungefährliche Übung in den Sümpfen Louisianas abzuhalten. Als sie dabei aber Kanus stehlen, um einen Fluss zu überqueren, und einer der Ihren auch noch eine Platzpatronensalve auf die am Ufer stehenden Cajuns abfeuert, beginnt ein Strudel aus tödlicher Gewalt.

Nationalgardisten als Aggressoren

Interessant ist, dass sich Walter Hill auf eine Schuldfrage einlässt. Es sind eindeutig die Amerikaner, die den ersten Schritt des Konflikts tun, wenn sie die Kanus stehlen. Lediglich zwei besonnene Soldaten, Spencer und Hardin (Keith Carradine, Powers Boothe) waren gegen den Diebstahl, sie stehen in diesem Film für die Vernunft, die angebrüllt und zum Schweigen gebracht wird. Was dann folgt ist eine unerbittliche Dekonstruktion der USA: Die Soldaten werden mehrheitlich als dümmliche, überforderte, sadistische Ungeheuer dargestellt, gefangen in einem Kampf, den sie nicht mal annähernd begreifen, geschweige denn gewollt haben.

Wenn sich zur Action der Horror gesellt

Zum Ende hin wird „Die letzten Amerikaner“ beinahe zum Survival-Horrorfilm, wenn die Nationalgardisten einer nach dem anderen umgebracht werden. Dann kommt Hills Film dem von Craven wirklich zum Greifen nah. „Die letzten Amerikaner“ ist kluge und hochspannende Selbstreflexion, von Carradine und Boothe roh und kraftvoll gespielt, von Hill kaltschnäuzig und kompromisslos inszeniert.

Walter Hill bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

The Driver (1978)
The Warriors (1979)
Long Riders (1980, geplant)
Die letzten Amerikaner (1981)
Straßen in Flammen (1984)
Red Heat (1988)
Shootout – Keine Gnade (2012)

Veröffentlichung: 5. August 2004 als DVD, 17. Januar 2008 als DVD im limitierten Metallschuber (vergriffen)

Länge: 101 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Southern Comfort
USA/CH/GB 1981
Regie: Walter Hill
Drehbuch: Michael Kane, Walter Hill, David Giler
Besetzung: Keith Carradine, Powers Boothe, Fred Ward, Franklyn Seales, T.K. Carter, Lewis Smith, Les Lannom, Peter Coyote
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: EMS GmbH

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

 

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