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Die Schreckenskammer des Dr. Thosti – Stelldichein der Genre-Ikonen

The Black Sleep

Von Andreas Eckenfels

Horror // Jede Rache – und sei sie noch so eiskalt serviert – nimmt einmal ein Ende. Und so schließt jetzt auch „Die Rache der Galerie des Grauens“ mit dem zehnten Titel die letzte Lücke der prall gefüllten Box. Die dritte Staffel der beliebten „Galerie des Grauens“-Reihe von Anolis Entertainment hatte wieder eine Vielzahl von Schauergeschichten, Kuriositäten und Entdeckungen zu bieten. Mit „Der Fluch des Dämonen“ und „Schrei, wenn der Tingler kommt“ gab es echte Highlights, positiv blieben außerdem „Angriff der Riesenkralle“ und „Der 27. Tag“ in Erinnerung. Zudem warf man mit „Das Grauen schleicht durch Tokio“ und „Krieg im Weltenraum“ erstmals den Blick nach Fernost, um zu zeigen, dass die asiatischen Filmstudios in den 1950er-Jahren im Bereich Science-Fiction und Horror auch nicht untätig waren.

Dr. Ramsay soll wegen Mordes gehängt werden

Zum Finale präsentiert uns Anolis Entertainment mit „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ einen etwas konfus erzählten Vertreter der Mad-Scientist-Thematik, der mit einer illustren Darstellerriege glänzt: Mit unter anderem Basil Rathbone, Lon Chaney Jr. und Bela Lugosi bietet die Bel-Air-Produktion von Regisseur Reginald Le Borg ein Stelldichein der Genre-Ikonen. Wie Regisseur Joe Dante im Bonusmaterial berichtet, besitzt der für 225.000 US-Dollar produzierte Film einen etwas zweifelhaften Ruf: In den USA wurde er 1956 zunächst im Doppelprogramm zusammen mit „Schock – The Quartermass Xperiment“ aufgeführt. Während einer Vorstellung sei irgendwo im Mittleren Westen der USA ein Kind im Kinosaal gestorben – allerdings sicherlich nicht aufgrund seiner Filmauswahl, wie Dante betont.

Doch Dr. Thosti (l.) rettet den Sträfling – fortan unterstützt ihn Dr. Ramsay bei dessen Hirnforschungen

In Deutschland kam der im Original „The Black Sleep“ benannte Film am 29. November 1957 in die Kinos. Was sich der Verleih allerdings beim Titel dachte, lässt stutzig werden. Ein Dr. Thosti kommt in der englischen Fassung überhaupt nicht vor. Basil Rathbones Figur heißt in der Originalfassung Sir Joel Cadman. Warum man sich für eine Namensänderung entschied, kann nur gemutmaßt werden: Lag es vielleicht daran, dass man auf den wenige Jahre zuvor veröffentlichten „Das Kabinett des Professor Bondi“ (1953) mit Vincent Price, dem Remake von Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts, anspielen wollte und deshalb einen ähnlich klingenden Namen für die Hauptfigur wählte?

Der schwarze Schlaf

London, 1872: Dr. Gordon Ramsay (Herbert Rudley) sitzt als mutmaßlicher Mörder in der Todeszelle des Newgate-Gefängnisses. Kurz vor seiner Hinrichtung bekommt der Chirurg überraschend Besuch von seinem Kollegen Dr. Thosti (Basil Rathbone), der ihm ein Angebot macht, das er nicht ablehnen kann: Durch eine Droge, die Dr. Thosti „Der schwarze Schlaf“ nennt, will er Dr. Ramsay in einen todesähnlichen Zustand versetzen, um ihn auf diese Weise vor dem Galgen zu bewahren. Im Gegenzug soll Dr. Ramsay ihn mit seinem Wissen bei dessen Gehirnforschungen unterstützen.

Mungo (M.) ist eines der menschlichen Versuchskaninchen

Dr. Ramsay willigt ein. Das Mittel zeigt Wirkung. Der vermeintliche Leichnam wird Dr. Thosti überlassen, welcher Dr. Ramsay wieder ins Leben zurückholt. In Dr. Thostis Anwesen, einem ehemaligen Kloster, tummeln sich außer der jungen Laurie (Patricia Blair) und der Krankenschwester Daphne (Phyllis Stanley) auch der stumme Diener Casimir (Bela Lugosi) und der aggressive Patient Mungo (Lon Chaney Jr.). Wie Dr. Ramsay bald feststellt, ist Mungo nicht das einzige menschliche Versuchskaninchen, welches Dr. Thosti für seine skrupellosen Experimente am lebenden Objekt unter das Messer genommen hat. Denn Dr. Thosti verfolgt mit seinen Forschungen rein private Interessen …

Der letzte Film von Bela Lugosi

Die namhaften Darsteller haben fraglos schon bessere Zeiten gesehen, was sich aber eigentlich nur rein äußerlich bemerkbar macht und sich nicht auf den fertigen Film auswirkt. Die Altstars sind zwar nicht mehr mit voller Leidenschaft bei der Sache, wissen aber genau, was von ihnen verlangt wird und was sie zeigen müssen. Für Bela Lugosi war es das letzte vollendete Werk vor seinem Tod 1956. Wie Ingo Strecker im Booklet-Text berichtet, hatte er den gebürtigen Österreicher Reginald Le Borg darum gebeten, einige Dialogszenen zu erhalten. Seinem Wunsch wurde entsprochen, die abgedrehten Szenen fanden aber später keine Verwendung. Zudem erinnert sich Le Borg, dass es zwischen Lugosi und Lon Chaney Jr. immer wieder zu Zankereien am Set kam. Die Rivalitäten stammten wohl noch aus alten gemeinsamen Universal-Tagen, als das Studio beschloss, den „Ur-Dracula“ Lugosi durch Chaney Jr. zu ersetzen. Die beiden Streithähne konnten laut dem Regisseur während des Drehs nur schwer voneinander getrennt werden.

Casimir (r.) kann nur stumm zusehen, wie Odo (M.) Dr. Thosti bei dessen dunklen Machenschaften unterstützt

Basil Rathbone gehört zu den wenigen Schauspielern, die eine Produktion allein schon aufgrund ihres reinen Präsenz adeln. Dies gelingt im klassischen Gruselfilm sonst vielleicht noch Vincent Price, Christopher Lee und Peter Cushing. Ihnen und dem „Sherlock Holmes“-Darsteller wohnt eine würdevolle Aura inne, der man sich schwer entziehen kann. So verleiht Rathbone auch hier mit einer gewissen Ernsthaftigkeit als Dr. Cadman beziehungsweise Dr. Thosti dem Film den nötigen Glanz. Neben den drei genannten Stars wurden weitere bekannte Darsteller verpflichtet, die Genre-Freunden ein Begriff sind: John Carradine („The Howling – Das Tier“) und Tor Johnson („Plan 9 aus dem Weltall“). Zum Ensemble gesellen sich auch Herbert Rudley („Der Herrscher von Kansas“) sowie der zweifach für den Oscar nominierte Akim Tamiroff („Wem die Stunde schlägt“) – er spielt die Rolle des Leichenbeschaffers Odo, die ursprünglich für Peter Lorre angedacht war.

Der Schmalz quillt aus dem Hirn

Sie alle tragen dazu bei, dass „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ nach einem redseligen Einstieg und trotz inhaltlicher Schwächen ein ansehnliches B-Movie geworden ist. Le Borg hält die Beweggründe, warum der Arzt seine moralischen Werte über Bord geworfen hat, lange im Dunklen. Ihm gelingen einige interessante Einstellungen, wie etwa Dr. Ramsays „Auferstehung“ aus dem Sarg oder die Angriffe von Mungo, die aus der Ego-Perspektive gedreht wurden. Für die damalige Zeit gibt es außerdem eine recht drastisch anzusehende Gehirn-Operation zu sehen. Damit der Hirnschmalz auch authentisch aus dem Hirn quillt, wurde für die Aufnahmen extra ein echter Neurochirurg als technischer Berater hinzugezogen. Am Ende, wenn die Schreckenskammer schließlich geöffnet wird, wird noch eine etwas zu kurz geratene Geisterbahnfahrt geboten, bei der auch die Maskenbildner ordentlich zu tun hatten. Davon hätte man gern mehr gesehen.

Somit ist „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ ein mehr als würdiger Abschluss der dritten „Galerie des Grauens“-Box. Laut Anolis Entertainment soll die Reihe Ende des Jahres auch in die vierte Runde gehen. Dann wird uns voraussichtlich „Der Fluch der Galerie des Grauens“ treffen. Wir freuen uns drauf!

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. Der 27. Tag (The 27th Day, 1957)
10. Die Schreckenskammer des Dr. Thosti (The Black Sleep, 1956)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lon Chaney Jr. und Bela Lugosi sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Ein lesenswerter Text zu „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Dr. Ramsay und Laurie auf dem Weg in Dr. Thostis Schreckenkammer

Veröffentlichung: 30. Mai 2018 als 2-Disc-Edition (Blu-ray & DVD)

Länge: 83 Min. (Blu-ray), 79 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Black Sleep
USA 1956
Regie: Reginald Le Borg
Drehbuch: John C. Higgins, Gerald Drayson Adams
Besetzung: Basil Rathbone, Akim Tamiroff, Lon Chaney Jr., John Carradine, Bela Lugosi, Herbert Rudley, Patricia Blair, Tor Johnson, Phyllis Stanley, Louanna Gardner
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Volker Kronz, deutsche „Grindhouse“-Kinofassung, amerikanischer Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, „Trailers from Hell“ mit Joe Dante, Werberatschlag, US-Pressebuch, Filmprogramme, Bildergalerie, Wendecover
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Anolis Entertainment GmbH

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Krieg im Weltenraum – Kampf gegen die Aliens auf dem Mond

Uchû daisensô

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Vergesst den „Krieg der Sterne“ und den „Krieg der Welten“, lasst den „Kampfstern Galactica“ links liegen, entfernt das „Raumschiff Enterprise“ aus eurem Fundus – hier kommt der „Krieg im Weltenraum“! Und es geht gleich zu Beginn in die Vollen: Eine fliegende Untertasse lässt in Japan eine ganze Eisenbahnbrücke in die Höhe schweben. Der heranrasende Zug kann nicht mehr bremsen und stürzt in die Tiefe. Anschließend senkt sich die Brücke wieder herab. Ein Reporter aus Amerika berichtet dem japanischen Fernsehpublikum weitere ungeheuerliche Phänomene: Ein Frachter im Panama-Kanal sei „von einer ungeheuren Springflut in die Luft geschleudert“ und dabei völlig zerstört worden. Eine ähnliche Springflut hat Venedig verwüstet.

Bedrohliche Ereignisse versetzen die Nationen in Angst

Die Weltengemeinschaft setzt sich zusammen und debattiert die Möglichkeit eines Angriffs Außerirdischer. Mit Unterstützung der anderen Nationen hat Japan Raumschiffe und ein Hitzestrahlengeschütz entwickelt, das Doktor Adachi (Koreya Senda) den UNO-Delegierten im japanischen Weltraumforschungszentrum vorstellt. Der Iraner Dr. Achmed (Malcolm Pearce) ist zuvor unter den Einfluss der Aliens vom Planeten Natal geraten und versucht, die Waffe zu stehlen. Es stellt sich heraus, dass die Aggressoren eine Basis auf dem Mond errichtet haben, von wo sie offenbar die Invasion der Erde angehen wollen. Doktor Adachi und sein Kollege Doktor Richardson (Len Stanford) übernehmen das Kommando zweier Raumschiffe, die zum Erdtrabanten aufbrechen sollen.

Kann das neue Strahlengeschütz helfen?

Nach „Das Grauen schleicht durch Tokio“ (1958) beschert uns Anolis Entertainment mit dem ein Jahr später entstandenen „Krieg im Weltenraum“ zum zweiten Mal einen japanischen Beitrag zu den beliebten „Galerie des Grauens“-Reihen. Regie führte auch dabei Akira-Kurosawa-Weggefährte Ishirō Honda, wohl der wichtigste Regisseur des Filmstudios Tōhō – er drehte etliche der Tōhō-Filme, darunter „Godzilla“ (1954) und „Die fliegenden Monster von Osaka“ (1956).

Zwei Raketen machen sich zum Mond auf

Außerirdische mit finsteren Absichten waren im Kino Ende der 1950er-Jahre keine neue Erscheinung mehr, wie beispielsweise „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1951) und „Die Dämonischen“ (1956) belegen. 1953 tobte der „Kampf der Welten“, 1959 kam Ed Wood mit der Mutter aller Trashfilme um die Ecke: „Plan 9 aus dem Weltall“. Neu an „Krieg im Weltenraum“ war die Verlegung der Auseinandersetzung ins Weltall. Und diese Auseinandersetzung kann sich sehen lassen.

Die Astronauten der Mondmission …

Klar, nach Maßstäben heutiger Tricktechnik wirken die Miniaturkulissen und Modelle etwas veraltet, aber sie sind einfallsreich, mit Liebe zum Detail gestaltet und haben seinerzeit in den Kinosälen zweifellos das Publikum beeindruckt. Ein paar Mal habe ich mich an Sequenzen in einigen „James Bond“-Filmen erinnert gefühlt, und die schauen wir alle ja heute auch noch gern. Es braucht also nur ein klein wenig Wohlwollen, um mit großem Genuss auch in den „Krieg im Weltenraum“ zu versinken.

… kämpfen mit allen Mitteln …

Die Spannungskurve steigt bis zum explosiven Finale stetig an. Daran ändert auch nichts, dass die Aliens in ihren Raumanzügen eher putzig aussehen. Wenn sich in der abschließenden Schlacht die irdischen Weltraum-Abfangjäger unter großen Opfern todesmutig der Alien-Flotte stellen, Raumtorpedos auf die Erde niedergehen und wunderbare Miniaturkulissen von New York City und der Golden Gate Bridge zerstört werden, bleibt kein Auge trocken.

… gegen die Aggressoren

Die Doppel-Disc-Edition der achten Veröffentlichung der „Die Rache der Galerie des Grauens“-Reihe lässt wieder keine Wünsche offen, was Bild- und Tonqualität und Bonusmaterial (siehe unten) angeht. Im schön gestalteten und üppig bebilderten Booklet erfährt man viel über die Entstehung des Films und seine Besetzung. Eine gewohnt schöne Veröffentlichung aus dem Hause Anolis Entertainment. Bei allen altersbedingten Unzulänglichkeiten ist „Krieg im Weltenraum“ doch Pflichtprogramm für Freunde gepflegter Weltraumschlachten. Ein gewisser George Lucas wird das sicher gern bestätigen. Und vielleicht sollten wir es auch tatsächlich mal mit einer außerirdischen Bedrohung zu tun bekommen, damit die irdischen Konflikte sich in Luft auflösen und sich die Nationen vereinen. Wenn es doch nur so einfach wäre …

Die Menschheit rückt zusammen

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. Der 27. Tag (The 27th Day, 1957)
10. Die Schreckenskammer des Dr. Thosti (The Black Sleep, 1956)

Ein lesenswerter Text zu „Krieg im Weltenraum“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Auch New York City wird in Mitleidenschaft gezogen

Veröffentlichung: 18. August 2017 als 2-Disc Edition (Blu-ray & DVD)

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Uchû daisensô
Deutscher TV-Titel: Duell in der Galaxis
Internationale Titel: The Great Space War / Battle in Outer Space
JAP 1959
Regie: Ishirō Honda
Drehbuch: Shin’ichi Sekizawa, Jôjirô Okami
Besetzung: Ryô Ikebe, Kyôko Anzai, Minoru Takada, Koreya Senda, Len Stanford, Harold Conway, Elise Richter, Hisaya Itô, Yoshio Tsuchiya, Nadao Kirino, Kôzô Nomura, Fuyuki Murakami
Zusatzmaterial: japanische Fassung sowie amerikanische und deutsche Kinofassung wählbar, Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Jörg M. Jedner, Audiokommentar von Steve Ryfle und Ed Godziszewski, deutscher Kinotrailer, Super-8-Fassung, deutscher und amerikanischer Werberatschlag, Filmprogramm, Bildergalerie, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Jörg M. Jedner und Jo Steinbeck
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Anolis Entertainment GmbH

 

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Angriff der Riesenkralle – Was ein hässlicher Vogel!

The Giant Claw

Von Andreas Eckenfels

Science-Fiction // „Datum: der 17. des Monats. Wetter: trübe, bedeckt. Zeit: 13.32 Uhr. Ein bedeutsamer Moment in der Menschheitsgeschichte. Der Moment, in dem ein Elektronikingenieur namens Mitch MacAfee etwas am Himmel entdeckte. Etwas, das beinahe der Anfang vom Ende allen Lebens auf dieser Erde war.“

Unheil im Anflug: Mitch und Sally trauen ihren Augen nicht

Wie so häufig in den B-Movies der 1950er-Jahre schwört zu Beginn ein Off-Kommentator die Zuschauer mit unheilschwangeren Worten auf das weitere Geschehen ein. Welches Grauen das Publikum allerdings bei „Angriff der Riesenkralle“ zu sehen bekommen sollte, darauf war niemand vorbereitet. Das unbekannte Flugobjekt mit der Größe eines Schlachtschiffes, welches Ingenieur Mitch MacAfee während eines Testflugs zu Gesicht bekommt, sorgte schon bei der Erstaufführung im Jahr 1957 zunächst für ungläubiges Staunen – und dann für großes Gelächter. Wie überliefert ist, sah auch ein Großteil der Filmcrew das Monster erstmals während der Premieren-Vorstellung. Mitch-Darsteller Jeff Morrow soll aus lauter Scham noch während der Vorführung den Kinosaal verlassen haben.

Riesenvogel aus dem All

Dabei hält Regisseur Fred F. Sears („The Werewolfׅ“) lange die Spannung aufrecht, was für ein seltsames Wesen Mitch gesehen haben will. Weder Offizier Edward Considine (Morris Ankrum) noch Analystin Sally (Mara Corday), mit denen Mitch zusammenarbeitet, schenken ihm zunächst Glauben. Das Geschöpf kann von keinem Radar erfasst werden, auch das Militär findet zunächst keinen Hinweis darauf, dass das unbekannte Flugobjekt wirklich existiert. Erst als sich merkwürdige Geschehnisse häufen, immer mehr Flugzeuge samt Piloten verschwinden und ganze Landstriche verwüstet sind, wird die Bedrohung ernst genommen. Das Monster ist zu Beginn nur als Schatten schemenhaft zu erkennen und gibt krächzende Laute von sich. Erst Fotoaufnahmen bringen Gewissheit: Es handelt sich um einen Riesenvogel aus dem All, welcher die Menschheit auslöschen will!

In der Einführung zum Film bezeichnet Dr. Rolf Giesen den Vogel als „Comic-Bussard“ und als eine „der schlimmsten Attrappen der Monsterfilmgeschichte“. Tatsächlich fällt einem beim ersten Anblick des Monsters die Kinnlade herunter. Der Vogel mit dem langen Hals, den großen Nüstern, den spitzen Krallen und dem kleinen Büschel Haare auf dem Kopf ist ein Wesen, welches wohl nur eine Mutter hübsch finden – geschweige denn lieben – kann. Wie es im Booklet-Text von Ingo Strecker heißt, wurde die Marionette aus Budgetgründen in zwei Varianten für Nah- und Fernaufnahmen vermutlich in Mexiko gefertigt. Eine Endkontrolle wurde wohl nicht vorgenommen.

Ausgewogener Speiseplan

Doch hat man sich an das Federvieh erst mal gewöhnt, besitzt es hohen Unterhaltungswert. Es ist wirklich ein Riesenspaß, dem Vogel dabei zuzusehen, wie er per Rückprojektion angeflogen kommt und schmatzend einen weiteren Piloten verschlingt, der sich mit einem Fallschirm retten wollte. Für eine ausgewogene Ernährung stehen aber auch mal ein paar Teenager auf dem Speiseplan – oder das Wesen krallt sich einfach einen kompletten Zug während voller Fahrt von den Schienen. Dass die Eisenbahn samt angehängten Waggons klar als Spielzeugmodell zu erkennen ist, sorgt dabei für zusätzliche Erheiterung.

Der Riesenvogel aus dem All fordert immer mehr Opfer

Ein großer Pluspunkt von „Angriff der Riesenkralle“ ist, dass es Regisseur Sears trotz des lächerlich wirkenden Monsters tatsächlich gelingt, die Bedrohung für die Menschheit größtenteils aufrechtzuerhalten. Der Riesenvogel stellt sich als äußerst hartnäckiger Zeitgenosse heraus. Selbst Atomwaffen zeigen bei ihm keinen Effekt. Während es sich der Vogel in New York bequem macht, versuchen Mitch und Sally verzweifelt, das Geheimnis des Wesens zu ergründen. Die erfahrenen Darsteller Jeff Morrow („Wenn die Ketten brechen“, „Metaluna IV antwortet nicht“) und Mara Corday („Tarantula“) liefern dabei eine solide Leistung ab.

Recycling aus Kostengründen

Falls euch ein paar Szenen aus anderen Filmen bekannt vorkommen, ist das kein Zufall: Bei der Zerstörung New Yorks und ein paar weiteren Sequenzen, bei denen Menschen panisch durch die Straßen rennen, nutzte Sears teilweise Material aus seiner eigenen Regiearbeit „Fliegende Untertassen greifen an“ (1956). Auch kurze Szenen aus „Dreißig Sekunden über Tokio“ (1944) und „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (1951) wurden aus Kostengründen recycelt.

Die bedrohliche Situation spitzt sich zu

Wie hoch der Film unter Genrefans im Kurs steht, zeigt auch das Ranking der US-Website Cinemassacre, auf der der „Angry Video Game Nerd“ sein Zuhause hat. Dort wurde das sympathisch-hässliche Federvieh auf der Liste der beliebtesten Riesenmonster noch vor Kultfiguren wie Godzilla, Gamera oder King Kong auf Platz 1 gewählt.

„Angriff der Riesenkralle“ kam nie in die deutschen Kinos und wurde erstmals 1996 auf RTL ausgestrahlt. Nun hat Anolis Entertainment dem unvergesslichen Monster innerhalb seiner „Die Rache der Galerie des Grauens“-Reihe einen optimalen Nistplatz in HD bereitet, von wo aus der Riesenvogel aus dem All weiter seine Kreise ziehen kann und für zahlreiche weitere herunterfallende Kinnladen sorgen wird.

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. Der 27. Tag (The 27th Day, 1957)
10. Die Schreckenskammer des Dr. Thosti (The Black Sleep, 1956)

Ein lesenswerter Text zu „Angriff der Riesenkralle“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Fieberhaft wird nach einer wirksamen Waffe gegen das Monster gesucht

Veröffentlichung: 13. April 2017 als 2-Disc-Edition (Blu-ray und DVD)

Länge: 74 Min. (Blu-ray), 71 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Engisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Giant Claw
USA 1957
Regie: Fred F. Sears
Drehbuch: Samuel Newman, Paul Gangelin
Besetzung: Jeff Morrow, Mara Corday, Morris Ankrum, Louis Merrill, Edgar Barrier, Robert Shayne, Morgan Jones
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Ingo Strecker und Thomas Kerpen, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Ivo Scheloske, Einleitung von Dr. Rolf Giesen über die Spezialeffekte, amerikanische Titelsequenz, spanische Titelsequenz, amerikanischer Kinotrailer, Super-8-Fassung, Bildergalerie, Booklet, Wendecover
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Anolis Entertainment GmbH

 

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