RSS

Schlagwort-Archive: Diego Luna

Blood Father – Mel Gibon mischt die Drogengangster auf

Blood Father

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Seine harten Tage hat er eigentlich hinter sich gelassen: Der Ex-Biker, Ex-Knacki und trockene Alkoholiker John Link (Mel Gibson) lebt zurückgezogen in einem Trailerpark, wo er sich als Tätowierer über Wasser hält. Die Zurückgezogenheit findet ein jähes Ende, als seine Tochter Lydia (Erin Moriarty, „True Detective“) in sein Leben platzt, von der er seit Jahren nichts gehört hatte. Lydia hat sich mit einem mexikanischen Drogenkartell eingelassen, nun trachten ihr die Gangster nach dem Leben. Schnell tauchen die ersten Halsabschneider vor Links Trailer auf. Nur das beherzte Eingreifen seines Nachbarn Kirby (William H. Macy, „Fargo – Blutiger Schnee“) verhindert ein Blutbad. Link muss mit seiner Tochter die Flucht ergreifen.

Der Ärger beginnt

Der dreckige Actionthriller wurde in New Mexico gedreht, ist aber eine französische Produktion mit einem französischen Regisseur: Jean-François Richet inszenierte 2005 das Remake „Das Ende – Assault on Precinct 13“ und 2008 die beiden „Public Enemy No. 1“-Filme mit Vincent Cassel. „Blood Father“ folgt nicht gerade neuen Pfaden: Ein vormals am Leben Gescheiterter bekommt auf seine alten Tage Gelegenheit, wenigstens etwas zu kitten – zum Beispiel das Verhältnis zu seiner Tochter. Das kann Action-Ikone Mel Gibson natürlich routiniert herunterspulen. Herausgekommen ist schnörkellose, flirrende Action mit einer ohne Rührseligkeit erzählten Vater-Tochter-Story und schonungslosem Body Count – denn Leben zählen nicht viel, wenn es um mexikanische Drogengeschäfte geht.

Die Nachbarn eilen zu Hilfe

Die gute Besetzung tut ihr Übriges. In einer Nebenrolle als Lydias Gangster-Freund Jonah setzt Diego Luna Akzente. Der Mexikaner ist bereits seit Anfang der 90er-Jahre stetig im Filmgeschäft aktiv, ergatterte aber erst jüngst als Cassian Andor in „Rogue One – A Star Wars Story“ seine erste große Hollywood-Hauptrolle. Als John Links alter Weggefährte tritt Tarantino-Favorit Michael Parks in Erscheinung, der nicht erst seit „From Dusk Till Dawn“ gern gesehener Gast in harten Genrefilmen ist.

John Link ist im Herzen stets Vater geblieben

Drehbuchautor Peter Craig schrieb auch an den Skripts von „Die Tribute von Panem – Mockingjay (1)“, „Die Tribute von Panem – Mockingjay (2)“ und „The Town – Stadt ohne Gnade“ mit. Der rohe „Blood Father“ ist kein Meilenstein des Actionkinos, überzeugt aber als stilsicherer Genrebeitrag.

Ein geheimnisvoller Killer heftet sich an die Fersen der Links

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Mel Gibson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Showdown in der Wüste

Veröffentlichung: 28. Oktober 2016 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Blood Father
F 2016
Regie: Jean-François Richet
Drehbuch: Andrea Berloff, Peter Craig, nach Craigs Roman
Besetzung: Mel Gibson, William H. Macy, Erin Moriarty, Diego Luna, Michael Parks, Miguel Sandoval
Zusatzmaterial: Interviews, B-roll, Original-Trailer
Vertrieb: Splendid Film / WVG Medien GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Splendid Film / WVG Medien GmbH

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Rogue One – A Star Wars Story: Private Ryan im Weltall

rogue_one_a_star_wars_story-teaserplakat rogue_one_a_star_wars_story-hauptplakat

Rogue One – A Star Wars Story

Kinostart: 15. Dezember 2016

Von Kay Sokolowsky

SF-Abenteuer // Ein paar Jahre, nachdem der letzte Jedi-Ritter ein Baby namens Luke auf dem Wüstenplaneten Tatooine versteckte, bekommt auf einem anderen, ebenfalls recht wüsten Planeten der geniale Ingenieur Galen Erso (Mads Mikkelsen) ungebetenen Besuch. Direktor Orson Krennic (Ben Mendelsohn) braucht den Bastler, damit die ultimative Waffe des Imperiums gebaut werden kann: der Todesstern. Um zu zeigen, dass er es mit dem Headhunting ernst meint, hat der Direktor eine Abteilung Sturmtruppen mitgebracht. Erso, der nie wieder für den Imperator arbeiten wollte und mittlerweile zur Rebellenallianz Kontakte pflegt, hat keine große Wahl: Entweder pariert er oder seine Familie muss sterben.

So beginnt „Rogue One“, das erste echte Kino-Spin-off der „Star Wars“-Serie – die beiden „Endor“-Filme von 1984 und 1985 waren ursprünglich Fernsehproduktionen. Die düsteren Farben und bedrohlichen Schattenspiele der Anfangsszenen bestimmen auch das weitere Geschehen. In diesem Film ist der Himmel selten blau, sondern meistens mit Qualm oder Smog verhängt, wenn es nicht gleich Nacht ist. Greig Fraser stand stilsicher an der Kamera, und so ahnt der Betrachter ziemlich bald, dass die Sache für einige Protagonisten kein fröhliches Ende finden wird.

Ouvertüre für ein Geheimkommando

Wir ahnen aber auch, wer am Ende gewinnt. Denn „Rogue One“ erzählt von dem Spezialkommando der Rebellen, das die Baupläne des ersten Todessterns erbeuten soll. Und wie das ausgegangen ist, kann sich selbst der oberflächliche „Star Wars“-Kenner an zwei Fingern abzählen. Ich möchte auf Spoiler verzichten. Doch weil das Filmteam sich glücklich bemüht hat, so oft wie möglich auf den allerersten „Krieg der Sterne“ anzuspielen, und weil Gareth Edwards weit mehr serviert hat als ein „Spin-off“, nämlich ein intelligentes Addendum zu „Eine neue Hoffnung“, kann ich nicht alles verschweigen. Die echten Überraschungen behalte ich selbstverständlich für mich.

rogue_one-1

Ein Genie nicht nur in seiner Rolle als Galen Erso: Mads Mikkelsen

Zurück zum Anfang: Während Direktor Krennic versucht, den abtrünnigen Ingenieur mit dem diskreten Charme von Lasergewehren für die Sache des Imperators zu begeistern, kann Ersos Töchterchen Jyn zu Papas Freunden von der Gegenkultur fliehen. Unvermittelt springt die Geschichte ein gutes Dutzend Jahre weiter. Jyn (Felicity Jones) sitzt in einem Knast des Imperiums und hat nichts als trübe Aussichten. Da sprengt ein Scherflein vom Rebellengeheimdienst die Mauer und einige Sturmtruppler in die Luft. Angeführt wird der zähe Haufen von dem etwas zwielichtigen, gleichwohl charmanten Spion Cassian Andor (Diego Luna). Er ist nicht aus Mitleid erschienen, sondern weil er von der jungen Frau etwas will: Informationen über ihren Vater, den Verräter Galen Erso, der dem Imperator eine unfassbar mächtige WMD (weapon of mass destruction) zusammenschraubt.

rogue_one-2

Hat auch sonst viel mit Katniss Everdeen aus „Die Tribute von Panem“ gemeinsam: Jyn Erso

Es geht weiter nach Yavin, wo sich die Zentrale der Rebellenallianz eingeigelt hat. Der freundliche Himmelskörper ist uns bereits aus „Episode IV“ bekannt. Die Sorgfalt und Detailfreude, mit der das „Rogue One“-Team die Sets und Hintergründe aus dem alten Film neu gestaltet hat, sollte jedem Hardcore-Addict das Herz schwellen lassen. Es ist gar kein Wunder, dass „Star Wars“-Erfinder George Lucas sich von „Rogue One“ äußerst angetan zeigte – was Regisseur Edwards wiederum zu dem Ausruf hinriss: „Ich kann jetzt glücklich sterben.“ Mon Mothma (Genevieve O’Reilly), die Anführerin der Rebellen – die in „Episode VI“ einige Sekunden zu sehen war, diesmal sind’s immerhin einige Minuten –, schickt Jyn und Cassian los, um Saw Gerrera (Forest Whitaker) aufzuspüren. Dieser knurrige Charakter – der aus der Animationsserie „The Clone Wars“ übernommen wurde – ist ein alter Freund der Familie Erso, redet aber mit niemandem über den Verbleib des Ingenieurs. Außer mit, hoffentlich, Jyn.

Nun gewahren wir, wie unter Galen Ersos Aufsicht der gigantische Laserprojektor in den Todesstern eingebaut wird – vielleicht die beeindruckendste CGI-Szene, die ich jemals in einem „Star Wars“-Film gesehen habe. Des Imperators Weltvernichtungsmaschine hat noch nie so enorm und wuchtig gewirkt, so bedrohlich und unbezwingbar. Direktor Krennic verlangt gegen den Rat Ersos einen Test des Monsterlasers, der Kommandant ist einverstanden, und während des Disputs bekommen wir einen der drei schlimmsten Ausrutscher von „Rogue One“ viel zu lange zu Gesicht. Denn Grand Moff Tarkin, in „Eine neue Hoffnung“ hundeschnauzenkalt von Peter Cushing verkörpert, wird vom Computer nachgebildet, und das bietet keinen guten Anblick. Der digitale Klon mag zwar bis in die kleinste Runzel mit dem Original identisch sein. Aber nichts an ihm überzeugt, die Mimik schon gar nicht. Wahrscheinlich können CGI-Schauspieler erst dann mit der Ausstrahlung ihrer menschlichen Kollegen wetteifern, wenn es echte künstliche Intelligenz geben wird, doch bis dahin müssen noch viele, viele „Star Wars“-Spielfilme gedreht werden. Mögen sie auf derlei Frankenstein-Experimente einstweilen verzichten!

Damit beende ich die Nacherzählung, denn ab jetzt würde ich zu viel verraten.

Licht und Schatten

Die Rezension ist aber noch nicht vorbei; schließlich lässt sich dieser durchaus unterhaltsame Film auch loben, ohne Spoiler einzubauen. Ein spontanes Kompliment an Donnie Yen, der als stockblinder Kämpfer Chirrut Îmwe die spielerische, gleichsam zenbuddhistische Eleganz seiner Moves endlich mal einem Weltpublikum vorführen darf. Îmwes Mantra lautet zwar: „Die Macht ist mit mir, und ich bin eins mit der Macht.“ Trotzdem hat er keine Jedi-Kräfte, nur einen festen Glauben und verdammt gute Ohren.

rogue_one-3

Der einzige echte „Rogue“ (dt. „Schelm“ oder „Galgenstrick“) in „Rogue One“: der zwielichtige Geheimagent Cassian Andor

Bei der Gelegenheit ein Sonderlob an Edwards, der seine Helden völlig ohne Hokuspokus auskommen lässt: Sie sind gewöhnliche Sterbliche, und das sorgt für Szenen, deren Realismus und Heftigkeit in keinem „Star Wars“-Film etwas Vergleichbares haben. Erwachsene mit Padawanen unter 12 sollten deshalb auf die FSK hören und den Kindern den Kinobesuch nicht zu Weihnachten schenken. Zu viel Blut, zu viele Körperfetzen und insgesamt eine Präsenz von Tod und Schrecken, die auch dem erwachsenen Zuschauer an die Nieren geht. „Rogue One“ hat zur Ablenkung von all dem Leid bloß einen Roboter namens K-2SO zu bieten, einen reprogrammierten Droiden der imperialen Streitkräfte. Der Blechkamerad redet wie eine Macho-Version von C-3PO, was meistens nicht komisch, sondern leicht peinlich anmutet, wie eine Anbiederung ans minderjährige Publikum, das auch über Jar Jar Binks gelacht hat. Angeblich. Ich vermute, dass für diesen drittschlimmsten Fauxpas des Films weniger Gareth Edwards als vielmehr das Studio die Verantwortung trägt, dazu später Näheres.

Nun werden wieder Komplimente verteilt. Zunächst an Mads Mikkelsen, dessen von Jahr zu Jahr männlicheres, markanteres Gesicht – wenn Rodin es hätte meißeln können! – die Skrupel, die Scham und die Verzweiflung des Ingenieurs Galen Erso mit einem Minimum an Regungen widerspiegelt. Es gibt mehrere tragische Figuren in „Rogue One“, doch allein Mikkelsen spielt seinen Part, als seien die Dialogzeilen von Shakespeare oder Ibsen und nicht von zwei soliden Skriptschreibern wie Chris Weitz (u. a. „Der goldene Kompass“) und Tony Gilroy (u. a. „Die Bourne Identität“). Die übrigens auch inspirierte Momente haben, und sie sollen nicht unterschlagen werden. Es ist eine Demonstration menschlicher Würde und sogar ein bisschen zeitkritisch, wenn Mikkelsen seinem Erpresser sagt: „Sie verwechseln Frieden mit Terror.“

Memories are made of this

Neben Donnie Yens „Die Macht ist mit mir …“-Mantra schreibt sich ein Satz ins Gedächtnis, den Ben Mendelsohn alias Orson Krennic mit der Menschenverachtung eines echten Technokraten stammelt, als der Todesstern aktiv wird und, einen halben Kontinent zerstäubend, gerade mal einen Bruchteil seines Potenzials offenbart: „Es ist wunderschön … nicht wahr?“ – Die dritte erinnerungswürdige Zeile des Skripts wird im nächsten Sommer, glaube ich, auf vielen T-Shirts zu lesen sein: „Rebellion ist auf Hoffnung gebaut.“ Felicity Jones sagt das zu den Kameraden und zu uns so, wie sie die Jyn insgesamt spielt: unaffektiert und dennoch anrührend.

rogue_one-4

Ein Mann wie Albert Speer: Direktor Orson Krennic

Umwerfend sind nicht nur ein paar Bilder und Sequenzen des Films, sondern viele. Gareth Edwards durfte 2014 in „Godzilla“ ausprobieren, wie man etwas schrecklich Großes, das es nur im Computer gibt, auf der Leinwand echt erscheinen lässt, und diese Erfahrung nutzt er mit grandiosen Szenen aus. Eine physische Dominanz wie hier hatte der Todesstern noch nie. Reine Augenweide ist das physikalisch absurde, aber mordsspektakuläre Ramm-Manöver à la „Ben Hur“ mit einem Rebellenschiff und zwei Sternenzerstörern: Nicht allein in dieser Bildfolge holt Edwards aus der 3D-Schwindelei etwas Imposantes raus, wie ich es seit, genau, seit „Godzilla“ nicht beobachtet habe.

Das gilt auch für die „Star Wars“-obligatorischen Verfolgungsjagden in „Rogue One“: Wenn mir sowieso schon von der 3D-Pappe schlecht wird, dann wenigstens mit dem Kribbeln, das ich sonst nur nach einer Achterbahnfahrt habe. Die drei Männer vom Filmschnitt – Jabez Olssen, John Gilroy und Colin Goudie – haben sich respektvoll an die Montageregeln gehalten, die George und Marcia Lucas für „Star Wars“ entwickelten, und da gäb’s schlechtere Vorbilder. Wenn in „Rogue One“ die Action übernimmt, fährt die Montage ein Tempo auf wie der „Rasende Falke“, und für so was, Hand aufs Herz, für das Spektakel und die unglaublichen Ereignisse, für die schiere Überwältigung besucht man einen „Star Wars“-Kracher. Die Schauwerte dieses Films sind jedenfalls beträchtlich.

rogue_one-5

Moves, von denen manche Jedi nur träumen können: Donnie Yen macht als Chirrut Îmwe eine Sturmtruppe platt

Als, zum Beispiel, der Todesstern in den Orbit um einen Planeten eintritt, schneidet Edwards auf die Ansicht der Planetenbewohner um und nun taucht das monumentale Ding hinter Wolkenschleiern auf, geisterhaft und fürchterlich real zugleich. Geradezu surrealistisch wirkt auch die X-Wing-Fighter-Staffel, die bei strömendem Regen eine Urwaldfestung attackiert – eine atemberaubende Verschmelzung von Hightech- und Naturgewalten. An solchen Bildern erkennt man den Science-Fiction-Nerd Edwards, sie sind tiefe Verbeugungen vor den Meistern der SF-Illustration – Chris Foss etwa oder Peter Goodfellow. Und sie enthalten eine Kostbarkeit, die nur Science-Fiction im Angebot hat (obschon „Star Wars“ eher zum Fantasy-Genre gehört), sie bergen den „sense of wonder“. Das meint unter SF-Nerds die Atemlosigkeit und Begeisterung vor den Wundern des Kosmos, vor Supertechnik-Artefakten oder etwas einfach unerhört Fremdartigem. Gareth Edwards hat mit „Rogue One“, wie bei „Godzilla“, eine Kindheitsliebe ausgelebt, und es ist meist ein Vergnügen, ihm beim Huldigen zuzuschauen.

Mäkeln am Schluss

Natürlich wird keine der heiligen „Star Wars“-Direktiven verletzt. Wie immer beherbergt jeder Planet, den die Helden aufsuchen, nur eine einzige Stadt. Wie es sich gehört, sind die Raumschiffe der Rebellen fliegende Schrotthaufen und die des Imperiums frisch aus der Werft. Und wie der Fan es erwartet, treten mehrere nie zuvor gesehene, recht bizarre Aliens auf, die aber nicht viel zu melden haben. So weit alles im Lot.

„Rogue One“ leistet sich im Finale jedoch einen Verstoß gegen die „Krieg der Sterne“-Dogmen, der im Fandom für erregte Diskussionen sorgen dürfte. Ich weiß selbst nicht, ob mir gefällt, wie Jyns Geschichte endet. Wie pathetisch sie endet. Und dann ist in der letzten Szene noch der zweitschlimmste Schnitzer des Films zu sehen, ein weiterer CGI-Unfall, den ich der Spannung zuliebe nicht genauer beschreiben kann. Sie werden schon sehen.

rogue_one-6

Das ist leider nicht der Weihnachtsstern

Dies sollte ein „Star Wars“-Stück für Erwachsene werden, und das gelingt Gareth Edwards manchmal etwas zu gut. Er wollte den „Krieg“ im Serientitel ernst nehmen und sich etwas genauer angucken, was diesseits prächtiger Weltraumschlachten und gigantischer Zerstörungsorgien mit Menschen und Nichtmenschen in Kriegszeiten passiert.

Dabei wird in „Rogue One“ nicht mehr, sogar weniger gestorben beziehungsweise getötet als in den Episoden I bis VII. Doch das Sterben und Töten wirkt bei Edwards erheblich schmutziger und schmerzhafter als gewohnt. Einige Szenen nehmen sich aus wie eine futuristische Variante von „Der Soldat James Ryan“. Gareth Edwards hatte eine sehr genaue Vorstellung vom Stil seines Films: „Das ist die Wirklichkeit des Krieges. Die Guten sind böse. Die Bösen sind gut. Es ist kompliziert, vielschichtig“ – und damit zweifellos für etliche „Star Wars“-Apostel nicht geeignet. Die haben es nämlich gern schön aufgeräumt in ihrer Fluchtwelt, mit Guten, die gut, und Bösen, die böse sind.

rogue_one-7

Gigantisch wäre noch untertrieben: die Endmontage eines Planetenkillers

Die erste Schnittfassung von „Rogue One – A Star Wars Story“ dürfte noch bärbeißiger und finsterer ausgefallen sein als die letzte. Die Studiobosse von Disney ordneten einen massiven Nachdreh mit mehreren völlig neuen Szenen an – allerdings nicht unter Edwards‘ Regie, sondern der von Tony Gilroy, dem überdies ein Mitspracherecht am Final Cut eingeräumt wurde. Was Edwards von seiner Ausbootung hält, hat er nicht erzählt. Aber in Hollywood wird kein Geheimnis älter als ein Jahr, und dann werden wir möglicherweise ein paar Geschichten über das Medienimperium Disney und seine Dunklen Marketing-Lords zu hören kriegen, für die sich das Aufbleiben lohnt. So wie sich ein Abend mit diesem Film lohnt, trotz einigen Abstrichen.

rogue_one-9

I see the steel moon a-risin‘: eines von mehreren atemraubenden Todesstern-Panoramen

Der Krieg der Sterne bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Episode I – Die dunkle Bedrohung (The Phantom Menace, 1999)
Episode II – Angriff der Klonkrieger (Attack of the Clones, 2002)
Episode III – Die Rache der Sith (Revenge of the Sith, 2005)
Episode IV – Eine neue Hoffnung (A New Hope, 1977)
Episode V – Das Imperium schlägt zurück (The Empire Strikes Back, 1980)
Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter (Return of the Jedi, 1983)
Episode VII – Das Erwachen der Macht (The Force Awakens, 2015)
Rogue One – A Star Wars Story (Rogue One – A Star Wars Story, 2016)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Mads Mikkelsen und/oder Forest Whitaker sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

rogue_one-8

Kolossal wie nie zuvor: AT-ATs im Anmarsch

Länge: 133 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Rogue One – A Star Wars Story
USA 2016
Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: Chris Weitz, Tony Gilroy
Besetzung: Felicity Jones, Diego Luna, Mads Mikkelsen, Forest Whitaker, Ben Mendelsohn, Alan Tudyk, Donnie Yen, Wen Jiang, Riz Ahmed, Jimmy Smits, Paul Kasey
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2016 by Kay Sokolowsky

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Walt Disney Studios Motion Picture Germany & Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2016/12/16 in Film, Kino, Rezensionen

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: