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Outbreak – Lautlose Killer: Das Todes-Virus aus der hauseigenen Petrischale

Outbreak

Von Lucas Knabe

Actionthriller // COVID-19 hat das Jahr 2020 über das erste Quartal hinaus fest im Griff und gehört weltweit sozial wie medial zum omnipräsenten Thema. Abseits der Tatsache, dass jenes Virus eine schwere Atemwegserkrankung auslösen kann, bietet es aufgrund weitreichender politischer Maßnahmen viel Diskussionsstoff, der erzürnt, erschaudern lässt, spaltet oder leichtsinnig stimmt, sodass sich ein Minenteppich von Fettnäpfchen ausbreitet, der vor lauter Verschwörungstheoretikern, Pseudo-Virologen und WhatsApp-Kettenbriefen die eigene Meinung widerlegt, bevor man sie ausgesprochen hat – ein faktisches Niemandsland, wenn man nicht den Meinungen und Maßnahmen des Bundes seinen Glauben schenkt, bevor konträre Ansichten das übersendete Vertrauen wieder trüben.

Eine Szene, die aktueller nicht sein könnte

Angesichts dessen kann man argwöhnen, dass die Menschen des Sujets Krankheit überdrüssig sind, sodass sie sich bei den verbleibenden kulturellen Angeboten – etwa dem Sehen von Filmen in den eigenen vier Wänden – mit gänzlich anderen Themen beschäftigen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Spannungsgeladene Thriller, Horror und Actionfilme, in denen der Antagonist eine grassierende Krankheit oder zumindest jene ein Auslöser des Horrortrips ist, sind derart hoch im Kurs, dass viele Titel auf Blu-ray und DVD zeitweise ausverkauft sind oder zu Mondpreisen gehandelt werden. Immerhin ist die leider ohne jedes Bonusmaterial ausgestattete Blu-ray von „Outbreak – Lautlose Killer“ zu üblichem Kurs im Handel lieferbar. Wolfgang Petersens 1995er-Regiearbeit bildet derzeit mit „Contagion“ (2011) von Steven Soderbergh wohl die Speerspitze hochfrequentierter Massenerkrankungsfilme und feiert nach 25 Jahren mit vormals ungeahnter Relevanz eine Renaissance auf den Mattscheiben der Menschen.

Bomben gegen die Ausbreitung einer Krankheit

Der Film setzt im Jahr 1967 ein. An einer nicht näher erläuterten militärischen Auseinandersetzung sind in der Republik Zaire (der heutigen Demokratischen Republik Kongo) US-amerikanische Truppen beteiligt, deren Mannstärke sich durch eine nicht identifizierte Krankheit rasch dezimiert. Scheinbar um die Krankheit und deren Ursache aufzuklären, fliegen zwei Experten in Schutzanzügen mittels Helikopter ein, die von den Erkrankten im Lager Blutproben entnehmen und schnelle medizinische Versorgung versprechen. Wenige Stunden später wird das gesamte Militärlager von einer Aerosolbombe in die Luft gesprengt.

Brigadegeneral Ford entsendet …

Schon die Exposition des Films lässt den Stil des Werks erahnen. Mit Militärhelikoptern, Todesengeln in Schutzanzügen und einer verheerenden Explosion eröffnet „Outbreak“ testosterongeladen und gibt zu erkennen, dass es sich hierbei nicht um einen Katastrophenfilm mit ziselierten politische Debatten handeln wird. Doch weiter im Plot: Viele Jahre später tritt jene Krankheit erneut in Zaire, unweit des alten Herds, auf, weswegen ein Trupp aus Virologen die Lage erneut einschätzen und untersuchen soll. Zurück in den USA wird dem Virologen Colonel Sam Daniels (Dustin Hoffman) schnell klar, dass es sich hierbei um einen für ihn unbekannten, aber absolut tödlichen Virus handelt, der das Potenzial besitzt, zu einer globalen Katastrophe zu mutieren. Als durch eine Verkettung unglücklicher Ereignissen erste Fälle mit selbigen Symptomen in einer kleinen amerikanischen Stadt auftreten, steht das Schicksal von 2.600 Einwohnern auf Messers Schneide. Wird Daniels rechtzeitig ein Gegenmitteln zur Austreibung des Virus finden, bevor jede medizinische Rettung vergebens ist und die Militärobrigkeit, geführt von Major General Donald McClintock (Donald Sutherland), zur Operation „Clean Sweep“ schreitet – der explosiven Vernichtung des infizierten amerikanischen Orts?

Dynamischer Thriller mit bravourösem Ensemble

Als erstes möchte ich auf den Cast eingehen, der neben Dustin Hoffmann und Donald Sutherland aus weiteren Hollywood-Schwergewichten besteht: Rene Russo („Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“) ist als Daniels’ Ex-Ehefrau Robby Keough zu sehen, Morgan Freeman („Sieben“) als Daniels’ Vorgesetzter Brigadegeneral Billy Ford. Genannt seien des Weiteren die Oscar-Preisträger Kevin Spacey („American Beauty“) und Cuba Gooding Jr. („Jerry Maguire“) als Kollegen des Colonels. Sie alle kommen dem Film durch ihre Präsenz in jeder Hinsicht zugute und vertiefen ihn. Im Zentrum der Formation steht dabei Dustin Hoffmans Colonel Daniels, der die weiteren Figuren in hohem Tempo mit sich verknüpft, um die Handlung voranzutreiben. Das Ganze kommt dabei keiner unmotivierten Schnitzeljagd gleich, sondern einer spannungsgeladenen und unterhaltsamen Suchmission, ohne jegliche Längen bei der doch satten Laufzeit von über zwei Stunden rund um ein Virus.

… Colonel Daniels, der das Schlimmste verhindern soll

Daneben entpuppt sich allerdings die Suche nach einer Lösung als weitere Gefahr, da die ranghohen Militärs, allen voran Sam Daniels und Donald McClintock, gegeneinander intrigieren und für ihre Ansichten bis aufs Äußerste einstehen würden. Die Rolle des Helden kommt dabei dem untergebenem, aber galligen Sam Daniels zu, der mit philanthropischen Zielen jedes Menschenleben retten will. Anders sein großer Gegenspieler Donald McClintock, dessen Ansichten beiläufig zur existentiellen Gewissensfrage lenken, ob man das Leben einer Kleinstadt zur globalen Sicherheit vernichten darf. Doch „Outbreak“ führt noch tiefer in die Menschenfeindlichkeit, indem sich das Virus als biologische Waffe aus der Petrischale des eigenen Landes herausstellt, das es nun in einer amerikanischen Kleinstadt heimsucht. Folglich handelt es sich beim sogenannten „Motaba“-Virus um eine Ebola-ähnliche Designerkrankheit, die in kriegerischen Auseinandersetzungen – hier im Entwicklungsland Zaire – zum Einsatz kommt.

Dieser Sachverhalt, der ausschließlich der Denke der Antagonisten immanent ist, die ausgerechnet in solch einer prekären Situation die ersten Vertreter des Staates sind, bringt analog zur sehr guten Hollywood-Unterhaltung kritische Töne ein, welche die staatliche Verantwortung im Spannungsfeld zwischen altruistischen und militär-strategische Lösungen zum Negativen pendeln lassen. Im Detail bedeutet dies, dass Donald McClintock lieber 2.600 Menschen dem sicheren Tod ausliefert, als die Wirkungsweise einer chemischen Waffe zu gefährden, indem man das Gegenmittel in der Welt fröhlich ausschenkt, wobei das Virus an dieser Stelle noch ein Wörtchen mitzureden hat, was ich allerdings nicht vorwegnehmen will.

Nützliche Tipps gegen die Corona-Krise?

Wie mehrfach angedeutet, handelt es sich bei „Outbreak“ um einen unterhaltsamen Film aus der Traumfabrik. Opulenz, Dramatik und Effekte haben dabei einen weitaus größeren Stellenwert als die wissenschaftlich fundierte Blaupause eines realen Seuchenszenarios, wobei zahlreiche Helikopter, Waffen, Uniformen und Explosionen ihren effekthascherischen Beitrag leisten. Insofern werden wir als Geplagte des Coronavirus nichts Nützliches aus diesem Film mitnehmen außer guter Unterhaltung im Duell Gut gegen Böse, die hollywoodtypisch nicht ohne eine gefühlsselige Lovestory auskommen kann, um hinter den verbissenen Wissenschaftlern in Schutzanzügen und Uniform die Menschen mit ihren irdischen und profanen Problemen zu zeigen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Rene Russo haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Cuba Gooding Jr., Morgan Freeman, Dustin Hoffman, Kevin Spacey und Donald Sutherland unter Schauspieler.

Daniels holt seine Ex-Frau Robby Keough zu Hilfe

Veröffentlichung: 12. April 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 128 Min. (Blu-ray), 128 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
Untertitel: Französisch, Spanisch
Originaltitel: Outbreak
USA 1995
Regie: Wolfgang Petersen
Drehbuch: Laurence Dworet, Robert Roy Pool
Besetzung: Dustin Hoffman, Rene Russo, Morgan Freeman, Kevin Spacey, Cuba Gooding Jr., Donald Sutherland, Patrick Dempsey, Zakes Mokae, Malick Bowens, Susan Lee Hoffman, Benito Martinez, Bruce Jarchow, Leland Hayward III, Daniel Chodos, Dale Dye
Zusatzmaterial: keins
Label/Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2019 by Lucas Knabe

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2013 Warner Home Video

 

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Salem’s Lot – Brennen muss Salem: Rob Lowe gegen Stephen Kings Vampire

Salem’s Lot

Von Volker Schönenberger

Horror // Eine Einrichtung für Obdachlose in Detroit: Pfarrer Donald Callahan (James Cromwell) gibt gerade Essen aus, als ihn ein Heruntergekommener (Rob Lowe) attackiert. Der Geistliche rettet sich ins erste Stockwerk, doch Benjamin Mears – wir erfahren den Namen des Mannes kurz darauf – folgt ihm. Obwohl Callahan mit einer Pistole auf seinen Angreifer schießt, stürzt der auf ihn zu, und beide krachen durchs Fenster und auf ein unten parkendes Polizeiautor. Schwer verletzt werden der Priester und sein Angreifer ins Krankenhaus eingeliefert. „Nennen Sie mir einen Grund, warum ich Sie als guter Christ nicht einfach verrecken lassen sollte!“ So spricht ein Krankenpfleger Ben Mears an. Dessen Erwiderung: „Jerusalem’s Lot!“ Er beginnt, dem Mann mit letzter Kraft zu berichten, was ihn zu der Tat getrieben hat. Seine Geschichte beginnt einige Jahre zuvor.

Im Marsten-Haus geht etwas vor

Ben Mears trifft in seinem Heimatort Jerusalem’s Lot ein. An sich wollte der erfolgreiche Schriftsteller das alte Marsten-Haus mieten, um dort ein Buch über dessen düstere Vergangenheit zu schreiben. Doch der Makler Larry Crockett (Robert Grubb) hat es trotz bestehenden Vorvertrags mit Mears an zwei Antiquitätenhändler verkauft – Richard Straker (Donald Sutherland) und Kurt Barlow (Rutger Hauer). Mit diesen beiden hält Unheil Einzug in den Ort.

Brennen muss Salem“ von 1979, die erste Verfilmung von Stephen Kings Roman, spielte zur Zeit ihrer Entstehung. Das gilt auch für den TV-Zweiteiler von 2006, was dessen Ausstattung natürlich vereinfacht. In vielen Sequenzen stellt sich dennoch ein hoher Wiedererkennungswert gegenüber der ersten Umsetzung ein, aber das mag daran liegen, dass ich die zweite Version nur wenige Tage nach der ersten geschaut habe. Einige eigene Ideen hat „Salem’s Lot – Brennen muss Salem“ dann aber doch zu bieten, so etwa Ben Mears’ Marsten-Haus-Trauma aus seiner Kindheit.

Nicht nur Rob Lowe adelt die Besetzung

Der im Lauf der Zeit für sechs Golden Globes nominierte Rob Lowe („The West Wing“) hatte zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits 25 Jahre Schauspielerfahrung auf dem Buckel, eine Erfahrung, die man ihm ansieht. Trotz der illustren Ko-Stars Donald Sutherland, James Cromwell und Rutger Hauer trägt Lowes Präsenz „Salem’s Lot – Brennen muss Salem“ über die gesamten knapp drei Stunden. Aber natürlich hat speziell Donald Sutherland („Die Tribute von Panem“-Reihe) einige großartige Szenen als vermeintlich großzügiger und großväterlicher Antiquitätenhändler mit vollem grauem Bart, der die Ankunft seines vampirischen Herrn Barlow vorbereitet. Rutger Hauer („Blade Runner“) wird als Obervampir leider etwas unter Wert verkauft, da er zu wenig Bildschirmzeit erhalten hat.

Von Anfang an wissen wir, dass der Ort Jerusalem’s Lot der Verdammnis geweiht ist. Wie das vonstatten geht, wird mit kontinuierlich anziehender Spannungsschraube fesselnd gezeigt. Das Kleinstadt-Setting überzeugt, die schönste Location stellt zweifellos das in Verrottung befindliche Marsten-Haus dar. Spätestens nach der Hälfte des Films – oder in Teil zwei, wenn man so will – legt sich die Atmosphäre der Ausweglosigkeit drückend über Salem’s Lot.

Was würde Stephen King sagen?

Welcher der beiden Verfilmungen ist der Vorzug zu geben? Kaum zu beantworten. Bei mir gewinnt knapp die 1979er-Version die Oberhand, das mag aber daran liegen, dass ich sie häufiger geschaut habe und länger kenne. Es gibt auch gute Gründe, die zweite Adaption zu favorisieren. Gekonnten Grusel bieten beide, in puncto harter Horror halten sich beide zurück, da wir es mit TV-Verfilmungen zu tun haben. Welche mag Stephen King wohl lieber?

Regisseur Mikael Salomon („Hard Rain“) sitzt bis heute mehr fürs Fernsehen auf dem Regiestuhl als fürs Kino, aber das ist ja schon lange kein Makel mehr, wenn es denn überhaupt mal einer war. Interessanterweise hat er in anderen filmischen Tätigkeitsfeldern Meriten erworben, war für James Camerons „Abyss – Abgrund des Todes“ 1990 als Kameramann und für die visuellen Effekte von Ron Howards „Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen“ 1992 für den Oscar nominiert. Mit „Salem’s Lot – Brennen muss Salem“ hat er dem Vampir-Sujet zwar keine neuen Impulse gegeben, aber bewiesen, dass er die Blutsauger gekonnt in Szene setzen kann.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Stephen-King-Adaptionen sind in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet, Filme mit Rutger Hauer und Donald Sutherland in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 14. Juli 2006 als DVD

Länge: 174 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch und Englisch für Hörgeschädigte, Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Türkisch, Polnisch, Tschechisch
Originaltitel: Salem’s Lot
USA 2004
Regie: Mikael Salomon
Drehbuch: Peter Filardi, nach dem Roman von Stephen King
Besetzung: Rob Lowe, Donald Sutherland, Rutger Hauer, Andre Braugher, Samantha Mathis, Robert Mammone, Dan Byrd, James Cromwell, Andy Anderson, Robert Grubb, Penny McNamee
Zusatzmaterial: keins
Label/Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 
 

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Der Adler der Neunten Legion – Einsamer Römer auf Pirsch hinterm Hadrianswall

The Eagle

Von Volker Schönenberger

Historien-Abenteuer // Im Jahre 120 nach Christus marschierte die Neunte Legion der Römischen Armee in die noch nicht eroberten Gebiete Nordbritanniens ein. Sie kehrte nie zurück. Die 5.000 Mann starke Legion verschwand, gemeinsam mit ihrer geliebten Standarte. Beschämt durch diesen Verlust befahl Kaiser Hadrian den Bau einer riesigen Mauer, um Nordbritannien für immer abzutrennen. Der Hadrianswall markierte das Ende der bekannten Welt.

Zenturio Aquila (r.) trifft in Britannien ein …

Nach dieser per Texttafel eingeblendeten Einleitung beginnt die Handlung von „Der Adler der Neunten Legion“ – 20 Jahre später in Südbritannien. Der junge Zenturio Marcus Flavius Aquila (Channing Tatum) beginnt sein Mandat als Garnisonskommandant. Sein Vater war seinerzeit offenbar als Teil der Neunten Legion ebenfalls in Britannien stationiert. Marcus liegt daran, die Familienehre wiederherzustellen. Bei einem nächtlichen Angriff der Kelten bekommt er Gelegenheit, seine Übersicht zu beweisen, was dem unerfahrenen Centurio die Achtung seiner Männer einbringt. Tags drauf gelingt es ihm sogar, mit einem Ausfall ein paar seiner Soldaten zu befreien, die er auf Patrouille ausgesandt hatte. Dabei verletzt er sich jedoch schwer und wird zu seinem Onkel Aquila (Donald Sutherland) gebracht, der 200 Wegstunden entfernt ein Anwesen bewohnt. Sein Tun bringt Marcus und seiner Garnison zwar Auszeichnungen für Tapferkeit ein, aufgrund seiner Wunden wird er allerdings aus der Armee entlassen, wenn auch ehrenvoll.

Nur ein Sklave als Begleiter

Die legendäre Standarte der Neunten Legion gilt als verloren, doch als Marcus erfährt, sie sei weit nördlich des Hadrianswalls gesehen worden, beschließt er, sie zurückzuholen. Sein Onkel rät zwar dringend davon ab, weil kein Römer allein dort überleben könne, doch Marcus bricht in Begleitung seines Sklaven Esca (Jamie Bell) auf, der seit kurzer Zeit in seinen Diensten steht. Zwar hasst Esca die Römer, aber seinem neuen Herrn fühlt er sich verpflichtet, weil Marcus ihm das Leben gerettet hat.

… und tritt sein Kommando an

Die englische Schriftstellerin Rosemary Sutcliff (1920–1992) verarbeitete die heute nicht mehr vertretene These des Verschwindens der Neunten Römischen Legion zu ihrem bekanntesten Jugendbuch „Der Adler der Neunten Legion“, das 1954 veröffentlicht und 1977 zu einer britischen Fernsehserie umgesetzt wurde – es ist auch in deutscher Sprache erschienen. Kevin Macdonald („Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht“) hat daraus ein an Action orientiertes Historien-Abenteuer mit ein paar Roadmovie-Elementen gemacht.

Esca (r.) wird Marcus’ Sklave

Channing Tatum („White House Down“) und Jamie Bell („Snowpiercer“) harmonieren prima als ungleiches und doch nicht so ungleiches Duo im britischen Hinterland der Antike. Obwohl anhand dieser beiden moralische Fragen über die Unterwerfung anderer Völker aufgeworfen werden, funktioniert „Der Adler der Neunten Legion“ doch in erster Linie als schmutziges, obgleich etwas glattes Action-Abenteuer. Gedreht wurde tatsächlich in Schottland, und Macdonalds Kameramann Anthony Dod Mantle (Oscar für „Slumdog Millionär“) fängt die raue Naturkulisse in famosen Bildern ein. In einer Nebenrolle als einer von wenigen Überlebenden der Neunten Legion tritt der immer gern gesehene Mark Strong („Kingsman – The Secret Service“) in Erscheinung.

In der Tradition von „Braveheart“ und „Gladiator“

Mel Gibsons „Braveheart“ (1995) und Ridley Scotts „Gladiator“ (2000) standen Pate. An beide kommt „Der Adler der Neunten Legion“ nicht ganz heran, muss er aber auch nicht. Das Historien-Abenteuer hat wuchtige Kämpfe mit Schwertern und Äxten zu bieten, kommt zwar etwas schablonenhafter daher als Neil Marshalls „Centurion“, der ein Jahr zuvor bereits Motive aus Rosemary Sutcliffs Roman aufgegriffen hatte; dennoch wird das nur selten etwas ins Pathetische abgleitende Epos um Ehre, Treue und Vertrauen all jene begeistern, die sich an vormodernen Schlachtenszenen erfreuen können.

Jenseits des Hadrianswalls muss Marcus ums Überleben kämpfen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jamie Bell, Mark Strong, Donald Sutherland und Channing Tatum sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Esca (M.) bewahrt ihn davor, getötet zu werden

Veröffentlichung: 15. September 2011 als Blu-ray, 4. August 2011 als Blu-ray im limitierten Steelbook und DVD

Länge:114 Min. (Blu-ray), 111 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Eagle
GB/USA 2011
Regie: Kevin Macdonald
Drehbuch: Jeremy Brock, nach einem Roman von Rosemary Sutcliff
Besetzung: Jamie Bell, Channing Tatum, Donald Sutherland, Mark Strong, Tahar Rahim, Denis O’Hare, Paul Ritter, Julian Lewis Jones, Douglas Henshall, Ned Dennehy
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Kevin Macdonald, Making-of, alternatives Ende, zwei entfallene Szenen, Featurette „Die Entstehung einer epischen Geschichte“, deutscher Kinotrailer, Originaltrailer, Trailershow
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos: © 2011 Concorde Home Entertainment

 

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