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Schlagwort-Archive: Dystopie

Island of the Condemned – Knackis auf die Insel!

Novaya Zemlya

Von Volker Schönenberger

SF-Actiondrama // Irgendwo in einem russischen Knast befragt der Anstaltsleiter seine Gefangenen über ihre Träume – aus was für Gründen auch immer. Will er sie quälen? Die Insassen werden im Jahr 2013 auf einem alten Frachtschiff eingepfercht und deportiert. Es stellt sich heraus, dass die Männer für das „Projekt Terra Nova“ als Versuchskaninchen auserwählt worden sind: 600 Kriminelle erhalten eine ganz spezielle Form der Freiheit: Sie sollen die im Nordpolarmeer gelegene Doppelinsel Novaya Zemlya besiedeln. Da weltweit die Todesstrafe abgeschafft wurde, sind die Gefängnisse anscheinend überfüllt.

Die Knackis balgen sich um …

Immerhin hat Väterchen Russland Vorräte bereitgestellt, die für drei Monate reichen sollen. Ob sie nun Teil eines ohne Skrupel konzipierten sozialen Experiments sind oder einfach nur entsorgt werden sollten – schon bei der Verteilung der Schlüssel für ihre Handfesseln zeigt sich, dass das Gros der Männer aus bösartigen Halsabschneidern besteht. Keine gute Grundlage für den Aufbau einer kleinen Zivilisation. Der besonnene Ivan Georgevitch Zhilin (Konstantin Lavronenko) schaut sich das nicht lange an, er schnappt sich ein paar Vorräte, etwas Ausrüstung und zieht allein von dannen. Kurz darauf schließt sich ihm Sipa (Andrey Feskov) an, der ihm gefolgt ist.

Erinnerung an „Flucht aus Absolom“

Knackis auf einer einsamen Insel – kein nagelneues Sujet. 1994 wagten Ray Liotta und Lance Henriksen die „Flucht aus Absolom“ („No Escape“). 2007 bildeten unter anderen Steve Austin und Vinnie Jones „Die Todeskandidaten“ („The Condemned“). Trotz der Titelnähe zu letztgenanntem Actionfilm findet der russische „Island of the Condemned“ einen eigenen Ansatz. Das knallharte Survival-Abenteuer wirkt auf den ersten Blick wie reine Exploitation, offenbart nach kurzer Zeit aber dramatische Qualitäten und erweist sich sogar als anständig gespielt. Hauptdarsteller Konstantin Lavronenko hat 2007 mit dem Darstellerpreis in Cannes für das russische Drama „Die Verbannung“ immerhin schon internationale Meriten erworben. Ihm und seinen Mitstreitern mit ihren vom Wetter oder dem Leben gegerbten Gesichtern nimmt man ihre Lage jederzeit ab. Hoffnung ist in den Augen der Männer jedenfalls kaum zu erkennen.

… die Schlüssel ihrer Handfesseln

Als Studie über die Verrohung des Menschen funktioniert „Island of the Condemned“ nur bedingt, erweisen sich die Insulaner wider Willen doch als von vornherein verroht. Dystopisches Survival-Abenteuer trifft es ganz gut, und als solches lässt sich das Actiondrama auch vorzüglich schauen. Die heftigen Gewaltausbrüche mit Äxten und anderem Instrumentarium lassen die FSK-18-Freigabe der ungeschnittenen Fassung gerechtfertigt erscheinen, auch wenn die Kamera nie voll drauf hält. Wer auf derben Splatter hofft, wird enttäuscht. Immerhin braucht man nicht zu befürchten, im Regal die falsche Fassung zu ergattern. Zwar ist „Island of the Condemned“ in Deutschland auch unter den Titeln „Cannibal Massacre“ und „Terra Nova – Insel des Todes“ veröffentlicht worden, alle Editionen enthalten aber die Uncut-Version des Films. Die schmutzige kleine Dystopie aus Russland lohnt sich.

Spoilerwarnung für den letzten Absatz

In diesem Absatz spoilere ich zwar nicht den Ausgang des Films, beschreibe aber eine Entwicklung gegen Ende. Wer das Finale ungespoilert erleben will, möge diesen letzten Absatz ignorieren. Einen sonderbaren, gar bizarren Unterton bekommt „Island of the Condemned“ im letzten Viertel, wenn plötzlich UNO-Blauhelme auf der Bildfläche erscheinen, die offenbar mit den russischen Organisatoren von „Projekt Terra Nova“ gemeinsame Sache machen, und kurz darauf eine Schar neuer Gefangener eintrifft, welche Englisch sprechen und orangefarbene Overalls tragen. Was wollten uns die Produzenten damit sagen? Soll das eine Aussage gegen die Vereinten Nationen sein? Oder handelt es sich lediglich um eine skurrile Drehbuchidee? Meine Interpretationsansätze finden dort ihre Grenzen, also macht euch selbst ein Bild!

Veröffentlichung: 30. Januar 2015 (unter dem Titel „Cannibal Massacre“), 3. Oktober 2014 (unter dem Titel „Terra Nova – Insel des Todes“) sowie 18. Februar 2010 (unter dem Titel „Island of the Condemned“), jeweils als Blu-ray und DVD

Länge: 120 Min. (Blu-ray), 115 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Russisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Novaya Zemlya
Alternativtitel: Cannibal Massacre / Terra Nova – Insel des Todes
Internationaler Titel: Terra Nova
RUS 2008
Regie: Aleksandr Melnik
Drehbuch: Arif Aliev
Besetzung: Konstantin Lavronenko, Andrey Feskov, Marat Basharov, Pavel Sborshchikov, Sergey Zhigunov, Aleksandr Samoylenko, Tommy „Tiny“ Lister, Ingeborga Dapkunaite, Sergey Koltakov
Zusatzmaterial 2010: russischer und US-Trailer, Diashow, Trailer „Nobel Son“ und „Alexander“, Wendecover
Label/Vertrieb 2015: True Grit / Soulfood
Label/Vertrieb 2014: Edel Germany
Label/Vertrieb 2010: SchröderMedia HandelsgmbH & Co. KG

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2010 SchröderMedia HandelsgmbH & Co. KG

 

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I Am Mother – Android zieht Menschenkind groß

I Am Mother

Kinostart: 22. August 2019

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // In einer nicht allzu fernen Zukunft haben die Menschen ihren Heimatplaneten mittels Weltkrieg verwüstet und vergiftet, sich dabei selbst dahingerafft. In einer hermetisch abgeriegelten Einrichtung lagern 63.000 Embryonen, die der Menschheit eine Zukunft geben und die Erde zu gegebener Zeit neu besiedeln sollen. Ein Android – genannt „Mutter“ – hat ein Embryo hervorgeholt und in eine künstliche Gebärmutter gelegt. Das Ungeborene reift zu einem weiblichen Baby heran und wird schließlich „geboren“. Mutter zieht ihre „Tochter“ zärtlich groß, das Mädchen wird zu einem aufgeweckten Teenager (Clara Rugaard, „Teen Spirit“), das aufrichtige Liebe zu Mutter entwickelt hat.

„Mutter“ zieht ihre „Tochter“ auf

Mit dem Heranwachsen wächst zwangsläufig auch die Neugier der Tochter auf die Außenwelt. Und natürlich hätte sie gern menschliche Gesellschaft. Eines Tages hört sie an der Schleuse, die den einzigen Zugang zur Außenwelt darstellt, von außen eine Stimme, die um Hilfe fleht. Eine Frau (Hilary Swank) mit einer Schusswunde bittet um Einlass. Ist die Erde am Ende doch nicht so verseucht, wie Mutter es Tochter beigebracht hat?

Das Mädchen hat sich zu einem wissbegierigen Teenager entwickelt

Wie werden sich in den kommenden Jahrzehnten Automatisierung, künstliche Intelligenz, Kybernetik und Robotik entwickeln? Voraussichtlich enorm, wenn man sich vor Augen führt, was heute schon möglich ist. „I Am Mother“ treibt das mit seinem endzeitlichen Szenario auf die Spitze und zeigt sich kurz sogar von „Terminator“ inspiriert. Auch Anspielungen auf (oder Einflüsse von) Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ und Ridley Scotts „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ sind zu bemerken. Atmosphärisch erinnert der weitgehend kammerspielartige „I Am Mother“ ein wenig an Duncan Jones’ Regiedebüt „Moon“ (2009) mit Sam Rockwell. Alex Garlands „Ex Machina“ (2015) sei ebenfalls als Referenz genannt, wobei sich „I Am Mother“ nicht so intensiv mit der Frage befasst, ob Roboter ein Bewusstsein oder gar eine Seele entwickeln können.

Auswüchse des technischen Fortschritts

Der technische Fortschritt bietet gigantische Möglichkeiten, aber auch große Gefahren für die Menschheit, wie wir nicht erst seit der Atombombe wissen. Wenn es nach ihrer sogenannten Mutter geht, sollte die Tochter nicht alles wissen, so viel wird schnell deutlich. Doch ist die fremde Frau ehrlich zu ihr? Wem darf und soll die Tochter mehr trauen? Aus dieser Frage zieht „I Am Mother“ viel Spannung. Das Kinodebüt des australischen Regisseurs Grant Sputore bietet visionäre und intelligente Science-Fiction, technisch und schauspielerisch perfekt umgesetzt.

Ist Mutter zu Emotionen fähig?

Das beginnt schon bei Mutter: Die vom Schauspieler und Spezial-Effekt-Techniker Luke Hawker („Krampus“) verkörperte und im Original von Rose Byrne („X-Men – Apocalypse“) gesprochene Androiden-Figur entstand bei den vielfach prämierten neuseeländischen Trick-Experten von Weta Workshop, seit „Der Herr der Ringe“ dick im Geschäft, aber schon früher mit Peter Jackson groß geworden. Im Presseheft von „I Am Mother“ verrät Regisseur Grant Sputore, er und Drehbuchautor Michael Lloyd Green hätten einfach eine noch nicht mal fertige Fassung des Skripts an die auf der Website von Weta genannte E-Mail-Adresse geschickt und darum gebeten, Weta möge ihnen einen Roboter bauen. Kurz gesagt: Mutter ist einfach umwerfend geraten! Viel besser, als ein CGI-Android hätte werden können. Das Design der Einrichtung, in der die künstliche Mutter ihre menschliche Tochter aufzieht, entspricht üblichen Raum-Settings in der Science-Fiction – das passt.

Mit dem Eintreffen der Frau ändert sich alles

Das Drehbuch landete 2016 auf der sogenannten „Black List“, einer jährlichen Liste noch nicht umgesetzter, gleichwohl begehrter Skripts. Schließlich entstand „I Am Mother“ in Sputores Heimat Australien. Als Tochter wurde die im Dezember 1997 geborene dänische Schauspielerin Clara Rugaard verpflichtet – ein Glücksgriff, was natürlich von immenser Bedeutung ist. Rugaard verleiht ihrer Figur genau das richtige Maß an Stärke, Schwäche, Neugier und Misstrauen. Auf die doppelte Oscar-Preisträgerin Hilary Swank („Boys Don’t Cry“, „Million Dollar Baby“) ist natürlich ohnehin Verlass, und Allerdings interessiert sich der Regisseur irgendwann nicht mehr wirklich dafür, was das Aufwachsen in völliger Einsamkeit mit einem Menschen macht. Kann die künstliche Mutter die zwischenmenschlichen Kontakte wirklich ersetzen, sodass die Tochter zu einem geistig gesunden sozialen Wesen heranreift?

Vision vom Ende der Menschheit

Ist Mutter fürsorglich oder bedrohlich? Ist sie die letzte Hoffnung der Menschheit oder ihr Untergang? Schließlich verlässt der Film auch die abgeriegelten Räumlichkeiten, und wir bekommen in einigen Totalen etwas von der Außenwelt zu sehen. Die dystopische Vision lässt frösteln, doch am stärksten bleibt „I Am Mother“ in der Interaktion zwischen Mutter, Tochter und der Frau von draußen. Science-Fiction, die etwas zu sagen hat und existenzielle Fragen des Miteinanders von Menschen und künstlicher Intelligenz aufwirft.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Hilary Swank sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt.

Feindinnen?

Länge: 113 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: I Am Mother
AUS 2019
Regie: Grant Sputore
Drehbuch: Michael Lloyd Green
Besetzung: Luke Hawker, Rose Byrne (Stimme im Original), Maddie Lenton, Hilary Swank, Summer Lenton, Hazel Sandery, Tahlia Sturzaker, Clara Rugaard, Jacob Nolan
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Concorde Filmverleih GmbH

 

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Running Man – Wann ist unsere Gesellschaft so weit?

The Running Man

Von Volker Schönenberger

SF-Action // In den 80er-Jahren lag 2017 noch in ferner Zukunft. „Running Man“ geht von der Vorstellung aus, dass in jenem Jahr die Weltwirtschaft kollabiert ist, was zu einer enormen Verknappung von Nahrung, Rohstoffen und Erdöl geführt hat. Wir befinden uns in einem mit harter Hand geführten Polizeistaat. Das Fernsehen ist in der Hand der Obrigkeit, Kunst, Musik und Kommunikation werden zensiert. Die TV-Show „The Running Man“ hat sich zum erfolgreichsten Fernsehformat der Geschichte entwickelt. Aber es regt sich Widerstand.

Ben will Amber zwingen, ihm zur Flucht zu verhelfen

So erfahren wir es zu Beginn mittels Texteinblendungen. Die Handlung setzt mit einem Polizei-Helikopter im Einsatz ein. Als der Pilot Ben Richards (Arnold Schwarzenegger) den Befehl erhält, das Feuer auf eine Schar unbewaffneter Demonstranten auf Nahrungssuche zu eröffnen, verweigert er das, was ihm schnurstracks die Deportation in ein Arbeitslager einbringt. Dessen Insassen tragen Halsbänder, die im Falle einer Flucht detonieren. Dennoch gelingt Richards mit ein paar anderen Häftlingen das Entkommen, darunter die Widerstandskämpfer William Laughlin (Yaphet Kotto) und Harold Weiss (Marvin J. McIntyre). Weil Ben nur überleben will, lehnt er es ab, sich dem Widerstand anzuschließen.

Schlächter von Bakersfield wird Kandidat bei „The Running Man“

Bemerkenswert: Als die TV-Komponistin Amber Mendez (Maria Conchita Alonso) ihre Wohnung betritt, lässt sie per Sprachsteuerung das Licht angehen und sich Toast und Kaffee bereiten. Dort sind wir heute ja schon fast, Alexa anyone? Jedenfalls ist Amber gerade erst in die Wohnung gezogen – sie gehörte Bens Bruder, der allerdings ohne Bens Wissen zur „Umerziehung“ deportiert wurde. Der wollte mit seiner Hilfe das Land verlassen, nun zwingt er Amber, ihm zu helfen. Doch sie überlistet ihn, Ben wird gefangen genommen. Er gilt als „Schlächter von Bakersfield“, weil ihm das Massaker an der Menschenmenge in die Schuhe geschoben wurde, dessen Ausführung er verweigert hatte. Der gewissenlose Produzent und Moderator Damon Killian (Richard Dawson) nötigt ihn zur Teilnahme an „The Running Man“.

Stattdessen landet er in der Show von Damon Killian

Unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlichte Stephen King 1982 seinen Roman „Menschenjagd“, der im Original „The Running Man“ betitelt ist. Als Executive Producer Rob Cohen die Filmrechte erwarb, wusste er angeblich nicht, dass sich hinter Bachman tatsächlich King verbarg. Ob Horror-Großmeister King den deutschen Fernsehfilm „Das Millionenspiel“ von 1970 je gesehen hat? Nach einem Drehbuch von Wolfgang Menge inszeniert, dreht sich die Handlung um die titelgebende Fernsehshow, in der ein Kandidat eine Woche lang von Auftragsmördern gejagt wird. Einer davon: ein gewisser Dieter Hallervorden. Als Moderator tritt Dieter Thomas Heck auf, die echten Journalisten Arnim Basche, Werner Sonne und Heribert Faßbender spielen Reporter, die Journalistin Gisela Marx eine Reporterin. „Das Millionenspiel“ ist unbedingt ebenfalls die Sichtung wert.

Paul Michael Glaser, in der Rolle des Starsky in der TV-Serie „Starsky & Hutch“ auch hierzulande bekannt geworden, übernahm für die Verfilmung den Regiestuhl, war allerdings alles andere als erste Wahl. Vordergründig reduziert Glasers „Running Man“-Adaption den gesellschaftskritischen Aspekt der Vorlage zugunsten plakativer Action, wie sie in den 80ern üblich war und die Genrefans auch heute noch in Ehren halten. Wer genau hinschaut, entdeckt aber problemlos den dystopischen Subtext. Klar, noch sind wir nicht bei TV-Shows mit realen Menschenjagden, aber das Niveau heutiger Fernsehshows bewegt sich in diese Richtung. Und angesichts der offenbar steigenden Gaffer-Problematik bei Verkehrsunfällen und anderen tragischen Ereignissen in der Öffentlichkeit erscheint ein Pöbel wie das begeisterte Publikum im „The Running Man“-Saal nicht unwahrscheinlich.

I’ll be back!

Arnold Schwarzenegger gibt wie üblich kernige Einzeiler zum Besten, sogar sein legendäres I’ll be back! aus dem drei Jahre älteren „Terminator“ darf er recyclen. So macht man aus der Not begrenzter Fähigkeiten eine Tugend. Weitere interessante Personalien: Mick Fleetwood, Gründungsmitglied und Schlagzeuger von Fleetwood Mac, ist als Widerstandskämpfer Mic zu sehen, die Rolle soll womöglich sogar er selbst sein. Frank Zappas Sohn Dweezil spielt ebenfalls einen Revolutionär. Richard Dawson war tatsächlich ein beliebter Show-Moderator. Für „Family Feud“, Vorbild der deutschen Show „Familien-Duell“, erhielt er einen Emmy. Maria Conchita Alonso wirkte kurz nach „Running Man“ an der Seite von Robert Duvall und Sean Penn in Dennis Hoppers „Colors – Farben der Gewalt“ mit. 2012 rekrutierte Rob Zombie sie für „The Lords of Salem“.

Dort wollen ihm mächtige Jäger an den Kragen

Visuell kann „Running Man“ die 80er nicht leugnen. Es lässt mich immer wieder schmunzeln, wie sich die Macher von Science-Fiction-Filmen jener Dekade die Zukunft vorstellten. Allein schon die Frisuren und Klamotten! Und das Fernsehballett! Mehr 80er geht nicht. Der Synthie-Score und die visuellen Spezialeffekte tragen dazu bei. Manchen mag das als schlecht gealtert erscheinen, aber wer wie ich damals Teenager war und all diese Actionfilme im Kino gesehen oder sich in der Videothek ausgeliehen und mit Kumpeln und Bier geschaut hat, freut sich auch heute noch daran. Als Arnold Schwarzenegger 2003 zur Gouverneurswahl von Kalifornien antrat, reiste er zu seinen Wahlkampfauftritten mit einem Bus, den er „The Running Man“ nannte.

Ähnlichkeiten mit „Total Recall“

„Running Man“ erinnert nicht nur wegen Arnold Schwarzenegger an Paul Verhoevens drei Jahre später entstandenes SF-Spektakel „Total Recall – Die totale Erinnerung“. Das gefällt mir vielleicht noch einen Hauch besser, aber die Richard-Bachman-Verfilmung hat bei meiner Sichtung anlässlich dieser Rezension dazugewonnen. Die vorherige liegt ewig zurück, es wurde mal wieder Zeit.

Auch „Running Man“ durfte vom Index runter

Der Film teilt das Schicksal vieler zeitgenössischer Produktionen: Er wurde 1989 indiziert und 2014 turnusmäßig nach einem Vierteljahrhundert von der Liste der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gestrichen. Im Fernsehen häufig verstümmelt ausgestrahlt, gab es über die Jahre aber ausreichend DVD-Veröffentlichungen der ungeschnittenen Fassung, wenn auch in teils suboptimaler Qualität. Dem hat capelight pictures 2018 mit einem Rundumschlag abgeholfen. Der geneigte Sammler darf sich aus diversen Editionen diejenige seiner Wahl aussuchen oder bei ausreichend Budget alle Versionen ins Regal stellen – Auflistung siehe unten. Mein Favorit: das Mediabook mit Blu-ray und DVD inklusive einer weiteren Blu-ray mit umfangreichem Bonusmaterial sowie dem Soundtrack auf CD. An der Bild- und Tonqualität gibt es für meinen Geschmack nichts zu mäkeln, das fette Booklet enthält einen erwartungsgemäß fachkundigen Text von Nando Rohner sowie Konzept- und Storyboard-Zeichnungen zum Film. Nando steuert einige Hintergrundinformationen bei, darunter zum plötzlichen Wechsel auf dem Regiestuhl, von dem Arnold Schwarzenegger alles andere als begeistert war. „Running Man“ war dann auch an den Kinokassen weniger Erfolg beschieden, als es sich Schwarzenegger erhofft hatte – immerhin war der Österreicher damals auf der Höhe seines Ruhms als Filmstar. Heute kann sich Arnold Schwarzenegger über den Ruf des Films nicht beklagen. „Running Man“ hat über die Jahre seine Fangemeinde um sich geschart und steht in seiner Filmografie durchaus auf einer Stufe mit Klassikern wie „Total Recall – Die totale Erinnerung“, „Predator“ und „Phantom Kommando“. An den ikonischen Status der „Terminator“-Filme kommen sie alle natürlich nicht heran, aber das gilt ja für viele Action-Klassiker mit anderen Topstars.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Arnold Schwarzenegger sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Stephen-King-Adaptionen haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Veröffentlichung: 28. Juni 2019 als Doppel-Blu-ray und Blu-ray, 14. Dezember 2018 als Limited 4-Disc Edition Mediabook (2 Blu-rays, DVD & Soundtrack-CD), Retro VHS-Edition Blu-ray (limitiert auf 3.000 Exemplare), Blu-ray im Steelbook und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Running Man
USA 1987
Regie: Paul Michael Glaser,
Drehbuch: Steven E. de Souza, nach einem Roman von Stephen King alias Richard Bachman
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, Maria Conchita Alonso, Yaphet Kotto, Jim Brown, Jesse Ventura, Erland van Lidth, Marvin J. McIntyre, Gus Rethwisch, Mick Fleetwood, Professor Toru Tanaka, Dweezil Zappa, Richard Dawson, Karen Leigh Hopkins
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Paul M. Glaser und Produzent Tim Zinnemann, Audiokommentar vom ausführenden Produzenten Rob Cohen, „Running On Empty“ (Interview mit Robert Grasmere über die visuellen Effekte in „Running Man“), „Back to Bachman“ (Interview mit Drehbuchautor Steven E. de Souza), „Muscular Memories“ (Interview mit Susan Jeffords über den Actionfilm-Boom der Achtzigerjahre), „The Sound of The Running Man“ (Gespräch mit Harold Faltermeyer), „Lockdown on Main Street“ (über die Bürgerrechte in den USA seit dem 11. September 2001), „The Game Theory“ (über die Dystopie in „Running Man“ zur Gegenwart des Reality-TVs), nur Mediabook: Booklet mit einem Text von Nando Rohner
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2018 capelight pictures

 
 

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