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Die Rebellen vom Liang Shan Po – Retro-Kung-Fu in feinster Verpackung

Suikoden

Von Matthias Holm

Eastern-Serie // Es regt sich was in China: Der böse Kao Chiou (Kei Satô) wird Oberbefehlshaber der kaiserlichen Garde. Wer nicht nach seiner Pfeife tanzt, wird dafür bestraft. Das muss auch Lin Chung (Atsuo Nakamura) am eigenen Leib erfahren. Der Offizier hält wenig von Kao Chiou, gerät durch dessen Intrigen in Ungnade und muss in ein Straflager. Ein schwerer Schicksalsschlag, auch ausgelöst durch Kao Chiou, veranlasst Lin Chung, die Flucht zu ergreifen. Mit einigen anderen Kämpfern gelangt er in das Sumpfgebiet des Liang Shan Po, wo sich eine Schar von Rebellen gesammelt hat, die gegen die Ungerechtigkeiten von Kao Chiou vorgeht.

Funkt es zwischen Lin Chung und Hu San-Niang?

Es ist unmöglich, „Die Rebellen vom Liang Shan Po“ mit heutigen Maßstäben zu bewerten. Ähnlich wie bei den Filmen der Shaw Brothers sind die gesamte Atmosphäre, das Overacting und die abstrusen Dialoge nicht mit dem zu vergleichen, was man aus den 70er-Jahren aus anderen Filmländern kennt. Und dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, schafft es die Serie, ein warmes Retro-Gefühl aufkommen zu lassen.

„Robin Hood“ in China

Die Geschichte ist dabei herrlich banal: Ein böser Adliger will mehr Macht und Geld, beutet dafür die Armen aus und wird von einer Reihe Helden bekämpft. Das erinnert ein bisschen an „Robin Hood“, allerdings gibt es in der chinesischen Variante deutlich mehr Helden. Denn Kao Chiou plündert am Anfang der Serie einen Tempel und befreit die Seelen von 108 Rebellen, die nun wiedergeboren werden und seinen Untergang besiegeln sollen. Hier liegt das größte Problem der Serie: Die Zahl der Protagonisten ist überwältigend, und wer sich nur schlecht asiatische Namen merken kann, der sollte sich die Gesichter gut einprägen, um nicht vollkommen verwirrt zurückzubleiben.

Kao Chiou (r.) ist wieder am Intrigen spinnen

Interessant war die Ankündigung, dass die Serie ungeschnitten mit einer Freigabe ab 12 Jahren erscheint. Bei ihrer Erstausstrahlung 1980 wurden nämlich einige Gewaltszenen entfernt, die in der nun restaurierten Fassung enthalten sind. So gibt es zum Beispiel bereits in der ersten Folge abgetrennte Köpfe, die auf einem Exekutionsplatz zu bestaunen sind. Dabei ist die Action erstaunlicherweise etwas handzahmer. Ja, es sterben Menschen, das aber eher unblutig und meist auch außerhalb der Kamera. Dabei sind die Kämpfe, mit ziemlich schlecht aussehenden Requisiten, flott und launig inszeniert.

Kitschig, aber charmant

Darin liegt auch die größte Stärke von „Die Rebllen vom Liang Shan Po“ – die Serie ist charmant. Aus heutiger Sicht mag es befremdlich wirken, wenn in einer Folge eine Slapstick-artige Flucht, charakterbildende Momente und vor Kitsch triefende Dialoge direkt aufeinanderfolgen, da aber das gesamte Werk diesen Flair ausstrahlt, nimmt man das gern in Kauf und hat einfach eine gute Zeit.

Sieht unangenehm aus

Dafür sorgt auch die umfangreiche, limitierte Edition von Turbine. Man kann sich nicht zwischen DVD und Blu-ray entscheiden? Kein Problem, die Serie ist auf beiden Datenträgern vorhanden, mit all ihren Interviews und Extras. Wer die ganze Geschichte schon immer mal lieber hören wollte, kann das mit dem vom WDR produzierten, 190 Minuten langen Hörbuch tun, das sich in der hochwertigen Holzbox befindet. Hinzu kommen ein ausführliches Booklet, ein T-Shirt, eine Flagge, alles was das Sammlerherz begehrt. Das einzige Problem: Die Box ist Amazon-exklusiv und nicht ganz billig. Aber das sollte dem geneigten Fan keine Schmerzen bereiten. Wie hoch die Limitierung ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber obwohl die Edition bereits im Juni 2016 erschienen ist, ist sie nach wie vor lieferbar. Von solchen Schmuckstücken darf es ruhig mehr geben.

Auf in den Kampf

Veröffentlichung: 2. Juni 2017 als limitierte Special Edition (5 Blu-rays oder 7 DVDs), 24. Juni 2016 als limitierte Deluxe Collector’s Edition in Holzbox (5 Blu-rays, 7 DVDs, 1 CD)

Länge: 1222 Minuten (26 Folgen à 45 Min.)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Suikoden
CHN/JAP 1973–1974
Regie: diverse
Drehbuch: diverse
Besetzung: Atsuo Nakamura, Takeshi Ôbayahi, Sanae Tsuchida, Kei Satô, Teruhiko Aoi, Hajime Hana, Dajirô Hanada
Zusatzmaterial: Die Rebellen damals und heute, Interview mit Wolfram Wickert, Ein Gespräch mit Dr. Rolf Giesen und Wolfram Wickert, Hörbuch „Die Rebellen vom Liang Shan Moor“, 32-seitiges Booklet, Flagge, T-Shirt, Lesezeichen, DIN-A2-Poster, Postkarten, Sticker
Vertrieb: Turbine Media Group

Copyright 2017 by Matthias Holm

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Turbine Media Group

 

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Das unbesiegbare Schwert des Shaolin – Fliegende Messer und goldene Kettenhemden

Shaw_Brothers_Collection-Cover

To ching chien ko wu ching chien

Gastrezension von Matthias Holm

Eastern // Hätte es das Shaw Brothers Studio nicht gegeben, wer weiß, ob man hier im Westen Martial-Arts-Filme kennen würde. Die Filme aus dem Studio, das in Hongkong seinen Ursprung hatte, lösten auf dem westlichen Markt eine Begeisterung für asiatische Kampfkunst-Filme aus, die bis heute anhält. Nun sind in der „Shaw Brothers Collection“ vier von ihren Filmen in einer Blu-ray-Box erschienen – eine wudnerbare Nachricht für Fans, da es die Filme bisher nur auf VHS zu kaufen gab. Um einen Einblick in das Schaffen der Shaw Brothers zu bekommen, habe ich mir daraus „Das unbesiegbare Schwert des Shaolin“ angeschaut.

Le Huan (Lung Ti), besser bekannt unter dem Namen „Das fliegende Messer“, kehrt nach zehn Jahren zurück in seine Heimatstadt. Hier löst ein rotes Bündel eine Lawine an Ereignissen aus. Darin befindet sich das goldene Kettenhemd des sagenumwobenen Verbrechers Mei Hua, welches ihn unbesiegbar machte. Durch eine perfide Intrige wird Le Huan selbst für den feigen Mörder Hua gehalten. Nun muss er, um sein Leben zu retten und seine Ehre zu bewahren, den wahren Mei Hua finden und zur Strecke bringen.

Kurzauftritte und schnelle Abgänge

„Warum kämpfen diese Männer?“ „Ich habe keine Ahnung.“ Dieses Zitat fasst meine Gedanken während der Sichtung des Films ideal zusammen. Während des gesamten Films werden beinahe willkürlich immer wieder neue Figuren vorgestellt, nur damit sie nach spätestens fünf Minuten in der Versenkung verschwinden und nie wiederkommen oder einfach getötet werden. Wer mehr als diese fünf Minuten Screentime hat, wird später noch eine wichtige Figur in der Geschichte.

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Streit am Lagerfeuer: Le Huan (3. v. r.) versucht zu schlichten

Die ist allerdings in genau dem selben wahnwitzigen Tempo gehalten, in dem die neuen Figuren auftauchen. Hier überschlagen sich Ereignisse, Intrigen kommen in Fahrt und Leute werden verschiedener Verbrechen bezichtigt, dass dem Zuschauer der Kopf schwirrt. Allerdings ist das auch gut so. Denn in der Mitte des Films nimmt er sich einige Szenen Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Hier merkt man, dass es genau diese Geschwindigkeit ist, die den Film so unterhaltsam macht.

Dem Tempo entsprechend gibt es zahlreiche Kämpfe. Dabei wird das komplette Waffenrepertoire des Martial-Arts-Films benutzt: Lange Stäbe, Gifte, Nadeln, Schwerter, Fächer (!) – nichts ist unbrauchbar, wenn es um das Verletzen und Töten von Kämpfern geht. Ein kleines Manko habe ich allerdings: Mehr als einmal fällt es auf, dass die ansonsten großartigen gefilmten Kämpfe hinter einem Busch oder ähnlichen Hindernissen weiter verlaufen, sodass man als Zuschauer schnell das Geschehen aus den Augen verliert.

Theaterhafte Inszenierung

Aber auch das ist vermutlich gewollt. Der gesamte Film wirkt nämlich ein wenig wie eine Theateraufführung. Dies kann damit zusammenhängen, dass er inzwischen knappe 37 Jahre auf dem Buckel hat, aber sämtliche Sets sehen wie in einem Theater aus, mit viel Liebe zum Detail dekoriert. Und um meinen kleinen Kritikpunkt an den Kämpfen aufzugreifen: Bei einer Theateraufführung kann der Zuschauer auch nicht immer alles sehen.

Gelungene Umsetzung auf Blu-ray

Die Blu-ray-Fassung ist übrigens sehr zu empfehlen. Einzig die Soundeffekte, wie das Aufprallen von Stahl auf Holz, waren an wenigen Stellen asynchron. Ansonsten ist der Ton gut geworden, das Bild sieht sogar ganz wunderbar aus – man kann bei den älteren Figuren beinahe die Falten im Gesicht zählen.

„Das unbesiegbare Schwert des Shaolin“ ist kein Film, den man sich wegen der bewegenden Story anschaut. Vielmehr setzt man sich am besten mit ein paar Freunden zusammen, redet ein wenig über seinen Tag und lässt sich einfach von den wunderbaren Kämpfen mitreißen.

Veröffentlichung: 14. August 2014 als Blu-ray in der „Shaw Brothers Collection“ zusammen mit „Zhao – Der Unbesiegbare“, „Die Todeshand des gelben Adlers“ und „Der Todesspeer der Shaolin“

Länge: ca. 101 Min. (Blu-ray)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Kantonesisch, Mandarin
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: To ching chien ko wu ching chien
HK 1977
Regie: Yuen Chor
Drehbuch: Yuen Chor
Besetzung: Lung Ti, Li Ching, Tung-Shing Yee, On-On Yu, Hua Yueh
Zusatzmaterial: Featurettes, Original Kinotrailer, Bildergalerien
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2014 by Matthias Holm
Foto & Packshot: © 2014 Koch Media

 

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