RSS

Schlagwort-Archive: Ed Skrein

Der Pazifikkrieg (III): Midway – Für die Freiheit: Emmerich schafft’s nach zwei Jahrzehnten

Midway

Kinostart: 7. November 2019

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Es fällt mir schwer, „Midway – Für die Freiheit“ angemessen einzuordnen. Ich schau gern Kriegsfilme in allen Facetten, die das Genre hergibt und habe mich deshalb während der Pressevorführung von Roland Emmerichs aktueller Regiearbeit sehr gut unterhalten gefühlt. Dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack, der auch beim Namen zu nennen ist: Ein patriotisches Kriegsdrama, bei dem man auf den Gedanken kommt, es könne Donald Trump animieren, sich eine Privatvorführung im Weißen Haus organisieren zu lassen, muss sich Kritik gefallen lassen – unabhängig von der Frage, ob man sich den aktuellen US-Präsidenten als Filmfan vorstellen kann.

Admiral Nimitz steht ebenso vor einer schweren Aufgabe …

Ins US-patriotische Horn hat der Regisseur bereits in der Vergangenheit gestoßen, aber der Zweite Weltkrieg war nun mal ein anderes Kaliber als all die anderen Konflikte, in denen US-Soldaten in den vergangenen Jahrzehnten und speziell seit dem 11. September 2001 zu den Waffen gegriffen haben. 1941 und 1942 wollten die USA keinen Krieg führen, erst Pearl Harbor machte sie zur Kriegsnation – ein Angriff auf amerikanischem Boden. Heute hingegen entsteht der Eindruck, das Land sei schnell bei der Hand, sein Militär in ferne Länder zu schicken, wenn wirtschaftliche US-Interessen berührt sind – und das oft unter Missachtung des Völkerrechts. In diesen Zeiten den US-Soldaten des Zweiten Weltkriegs ein weiteres Denkmal zu setzen, so verdient das sein mag, begeistert womöglich die falschen Leute.

Keine Einladung von Donald Trump?

Natürlich inszeniert Roland Emmerich („White House Down“) keinen Jubel-Patriotismus – das kann man ihm zugutehalten. Tatsächlich hat er im Interview geäußert, ihm war der Film gerade jetzt wichtig, weil man momentan sehe, wie hässlich die Politik der USA geworden sei. Immerhin, sofern Donald Trump das liest, sieht er vielleicht von einer Privatvorführung ab, zumindest wird er Emmerich nicht dazu einladen.

… wie Vize-Admiral Yamamoto

Der 1955 in Stuttgart geborene und Anfang der 90er-Jahre nach Hollywood ausgewanderte Regisseur wollte die Schlacht um Midway bereits vor 20 Jahren verfilmen. Doch erst verhinderte das seine vertragliche Bindung an Sony – der japanische Konzern wollte für die Inszenierung einer der großen japanischen Niederlagen kein Budget lockermachen, also drehte er erst einmal „Der Patriot“ mit Mel Gibson und Heath Ledger, ein Kriegsdrama um den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Dann kam Emmerich ein gewisser Michael Bay mit „Pearl Harbor“ (2001) zuvor. Ein weiteres aufwendiges Epos um den Pazifikkrieg lag damit in weiter Ferne von zwei Jahrzehnten.

Ähnlichkeiten zu „Schlacht um Midway“ sind kein Zufall

„Midway – Für die Freiheit“ hält sich in der Darstellung der Ereignisse recht streng an die historischen Fakten und Daten, das hat Emmerichs Regiearbeit mit „Schlacht um Midway“ von 1976 gemein. Zur geschichtlichen Einordnung der Schlacht um Midway im Juni 1942 verweise ich daher auf meine Rezension des älteren Films mit Charlton Heston und Henry Fonda.

Anne Best ängstigt sich um ihren Mann

Der Regisseur beginnt sein Schlachtengemälde mit dem Angriff auf Pearl Harbor, den er in heftigen Bildern zeigt – inklusive des sich ins kollektive Gedächtnis der Amerikaner eingebrannten Motivs des in Schlagseite liegenden brennenden Schlachtschiffs „USS Arizona“. Viel Raum nimmt auch der Doolittle Raid ein, die erste Bombardierung japanischer Städte durch US-Flieger unter Lieutenant Colonel Jimmy Doolittle (Aaron Eckhart).

Woody Harrelson als Admiral Nimitz

Da sich Emmerich wie sein Vorgänger um historische Authentizität bemüht, finden sich die bedeutsamen Protagonisten der Ereignisse auch bei ihm, etwa der von Woody Harrelson souverän verkörperte Admiral Chester W. Nimitz, Oberbefehlshaber auf US-Seite, und sein japanisches Pendant Vize-Admiral Isoroku Yamamoto (Etsushi Toyokawa). Emmerich fügt aber auch Figuren hinzu, die im 1976er-Film unter den Tisch gefallen waren, so den Nachrichtenoffizier Edwin T. Layton (Patrick Wilson), dessen offenbar bedeutsamer Rolle bei der Beschaffung höchst wichtiger Geheiminformationen entsprechend er viel Raum im Film gibt. Etwas mehr Leinwandzeit als 1976 erhält Admiral William F. Halsey (Dennis Quaid), den vor der Schlacht um Midway eine Hauterkrankung außer Gefecht setzt.

Kann Nachrichtenoffizier Layton die richtigen Informationen beschaffen?

Einen großen Fokus legt Emmerich auf die US-Kampfflieger, allen voran Richard „Dick“ Best, den Ed Skrein klischeehaft als ungestümen Teufelskerl porträtiert, der gern mal die Vorschriften außer Acht lässt und damit den Unwillen seines Vorgesetzten Lieutenant Commander Wade McClusky (Luke Evans) auf sich zieht. Allerdings weiß der Offizier auch, was er an seinem besten Mann hat. Weitere Mitglieder der Flugzeugträger-Fliegerstaffeln sind unter anderen der Bomberpilot Frank Woodrow O’Flaherty (Russell Dennis Lewis) und sein Bordschütze Bruno Peter Gaido (Nick Jonas). Letztgenannter hatte sich Anfang Februar 1942 eine Heldentat geleistet, die „Midway – Für die Freiheit“ auch zeigt.

Wer traut sich in einen Sturzkampfbomber?

Die Action ist erwartungsgemäß fulminant. Klotzen kann der „Master of Desaster“ Roland Emmerich, das weiß man und muss man ihm lassen. Wenn Dick Best im Sturzkampfbomber zur Attacke auf die Flugzeugträger ansetzt, ihm japanische Jäger im Nacken sitzen und das Sperrfeuer von den feindlichen Schiffen um die Ohren geballert wird, bekommt man den Hauch eines Gefühls davon, wie riskant diese Einsätze waren. Muss man wahnsinnig oder lebensmüde sein, um sich in ein solches Cockpit zu setzen? Vielleicht beides. Wer Kriegs-Action zur See und in der Luft etwas abgewinnen kann, kommt voll auf seine Kosten. Auch tricktechnisch gibt es nichts auszusetzen, und die große Leinwand in Verbindung mit aufwendigen Soundsystemen bringt die Intensität des Spektakels bestens zur Geltung. Etwas absurd wirkt es allerdings, wenn sich Kampfpiloten mitten in der Luft trotz Flugwind und Motorenlärm im offenen Cockpit problemlos mit den hinter ihnen sitzenden Bordschützen unterhalten können, ohne dafür Funkgeräte zu benötigen – der Lärm muss so immens gewesen sein, dass man nicht mal sein eigenes Wort verstehen würde. Sonderbar, dass Emmerich bei diesem Detail so schlampig gearbeitet hat.

Wade McClusky (l.) und Dick Best raufen sich zusammen

Wie „Tora! Tora! Tora!“ und „Schlacht um Midway“ zeigt Emmerich die Japaner nicht als Schurken, sondern als Kontrahenten der Amerikaner, die für ihr Land einen ehrenvollen Sieg erringen wollen. Ein paar Spitzen gibt es dann aber doch, sie sind womöglich dem chinesischen Geld geschuldet, das in die Produktion von „Midway – Für die Freiheit“ geflossen ist. China hatte unter der japanischen Invasion und Besatzung ab 1937 großes Leid erfahren, das bis heute nachwirkt. So werden wir Zeuge eines Kriegsverbrechens an gefangenen US-Soldaten an Bord eines japanischen Schiffs. Gegen Ende erfährt das Publikum obendrein per Texteinblendung, die Japaner hätten aus Vergeltung für die Hilfe, die Jimmy Doolittle und seine Männer nach der Bombardierung Tokios und ihrer anschließenden Landung in China durch die Bevölkerung erhielten, 250.000 chinesische Zivilisten hinrichten lassen.

Regielegende John Ford als Nebenfigur

Ein nettes, wenn auch für die Handlung von „Midway – Für die Freiheit“ völlig verzichtbares Gimmick stellt Roland Emmerichs Hommage an den Regisseur John Ford (Geoffrey Blake) dar, der zufällig auf Midway anwesend war, um dort eine Dokumentation über das Leben auf einer isolierten Militärbasis zu filmen. Stattdessen drehte er Schlachtenszenen, wurde dabei sogar leicht verwundet. Das 18-minütige Resultat trägt wie der 1976er-Spielfilm den Titel „Schlacht um Midway“ („The Battle of Midway“) und kann – da Public Domain – kostenlos im Netz angeschaut und heruntergeladen werden. Eine restaurierte Fassung gibt’s bei YouTube.

Bruno Gaido leistet Heldenhaftes

Der seinerzeitige Drang des kaiserlichen Japans, mit aller Macht und viel Gewalt im Pazifik die tonangebende Nation zu sein und zur Weltmacht aufzusteigen, mag die kriegerische Gegenwehr gerechtfertigt haben, zumal die Amerikaner angegriffen wurden und jedes Recht zur Selbstverteidigung hatten. Heutzutage sieht das ganz anders aus, wenn irgendwo auf der Welt US-Militär in den Einsatz geht. Ein komplexes Thema, bei dem es mir schwerfällt, die richtigen Gedanken zu finden und in Worte zu kleiden. Jedenfalls wirkt es wenig zeitgemäß, wenn ein Kriegsdrama, das ein gewisses Anspruchsdenken ausstrahlt, so gar keine Aussage gegen den Krieg trifft. Ich erwarte gar keinen Antikriegsfilm, das wäre die ganz hohe Schule, die in der Geschichte des Kriegsfilm-Genres im Vergleich zur großen Zahl der Produktionen selten genug eingelöst worden ist. Aber dass es möglich ist, ein Kriegs-Epos mit Fokus auf die vermeintlich oder tatsächlich „Guten“ zu inszenieren und gleichzeitig kritisch mit militärischen Auseinandersetzungen ins Gericht zu gehen, haben 1998 Steven Spielberg mit „Der Soldat James Ryan“ und Terrence Malick mit „Der schmale Grat“ hinlänglich bewiesen. Diese beiden Produktionen haben das Genre enorm geprägt, und Emmerich fällt weit hinter sie zurück, weil es ihm einzig darum geht, Helden ins rechte Bild zu setzen und ihnen ein Denkmal zu setzen. Vielleicht haben Menschen wie Dick Best und Bruno Gaido dieses Denkmal sogar verdient. 2019 sendet es ein falsches Signal.

Zur Inszenierung der Helden passt auch die Porträtierung ihrer Ehefrauen als brave Gemahlinnen, die pflichtbewusst die vielen Beerdigungen besuchen und es hinzunehmen haben, dass ihre Gatten permanent dem Tod ins Auge sehen. Als Dick Bests Ehefrau Anne ist Mandy Moore („The Darkest Minds – Die Überlebenden“) zu sehen. Diese Darstellung der weiblichen Randfiguren ähnelt frappierend der in „Wir waren Helden“ mit Mel Gibson.

Emmerich mag seine Version lieber

Der Kino-Starttermin 7. (bei uns) und 8. (in den USA) November ist passend gewählt, da in den Vereinigten Staaten der Veterans Day bevorsteht: Am 11. November, dem Tag des Waffenstillstands am Ende des Ersten Weltkriegs, gedenkt man dort der Veteranen aller Kriege, an denen die Nation teilgenommen hat. Die mit Charlton Heston in einer der Hauptrollen umgesetzte 1976er-Darstellung der Ereignisse hält Roland Emmerich für keinen guten Film. Gestehen wir ihm zu, dass ihm seine Version besser gefällt. Ob sie es wirklich ist? Ich habe meine Zweifel. Die Zeit wird es zeigen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roland Emmerich haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Luke Evans, Woody Harrelson, Dennis Quaid, Ed Skrein und Patrick Wilson unter Schauspieler.

Jimmy Doolittle ist in China gelandet

Länge: 138 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Midway
CHN/USA 2019
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Wes Tooke
Besetzung: Woody Harrelson, Luke Evans, Patrick Wilson, Ed Skrein, Dennis Quaid, Mandy Moore, Alexander Ludwig, Aaron Eckhart, Darren Criss, Nick Jonas, Luke Kleintank, Jake Weber, Keean Johnson, Tadanobu Asano, David Hewlett, Geoffrey Blake, Etsushi Toyokawa, Russell Dennis Lewis
Verleih: Universum Film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Universum Film

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/11/06 in Film, Kino, Rezensionen

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

James Cameron (IV): Alita – Battle Angel: Mehr Schein als Sein?

Alita – Battle Angel

Kinostart: 14. Februar 2019

Von Philipp Ludwig

SF-Action // Ich gebe zu: Als ich die Einladung zur Pressevorführung von „Alita – Battle Angel“ in den virtuellen Händen meines E-Mail-Accounts hielt, war ich zunächst äußerst skeptisch. Braucht es wirklich den Auftakt zu einem weiteren pompösen Kino-Franchise? Ein weiterer Film, bei dem die spektakuläre visuelle Schöpfungskraft der Macherinnen und Macher im Vordergrund steht, während Story und Figuren meist nur lästiges Beiwerk darstellen? 3D-Wahn und IMAX-Fetischismus in Reinkultur? Ein neues Mammutprojekt unter Mitwirkung des Bombast-Filmemachers James Cameron? Den ich zwar für eine ganze Reihe von Filmen zutiefst schätze (ja, auch für „Titanic“), wohingegen mich „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ als ein meiner Meinung nach visuelles Blendwerk vollkommen kalt gelassen hat. Meine persönlichen Vorzeichen hätten also durchaus positiver sein können. Aber vielleicht ist es gerade dieser skeptischen Erwartungshaltung zu verdanken, dass ich mich von dem beeindruckenden Popcorn-Kino in Reinkultur durchaus mitreißen ließ, das uns „Alita – Battle Angel“ bietet. Oder habe ich mich schlussendlich eventuell doch bloß, entgegen meiner Grundsätze, von der visuellen Wucht der 200 Millionen Dollar schweren Manga-Verfilmung blenden lassen?

Cyber-Mediziner Dr. Ido macht auf dem Schrottplatz der „Iron City“ einen bemerkenswerten Fund

Das dem Film zugrundeliegende Setting ist wie aus einem dystopischen SF-Baukasten entnommen und bietet daher beste Voraussetzungen für ein interessantes Zukunftsszenario: Im 23. Jahrhundert hat ein massiver weltweiter Krieg stattgefunden, in welchem sich die Menschen der Erde und die menschlichen Kolonialisten vom Mars als Feinde gegenüberstanden. Nach einem Ereignis, dass von allen nur „The Fall“ genannt wird, erfolgte ein technologischer Absturz. In dessen Folge fielen sämtliche der mächtigen Himmelsstädte vom Himmel, die bis dahin über den Landschaften der Erde thronten.

A Tale of Two Cities

Nur eine dieser beeindruckenden Himmelsstädte blieb bestehen: Zalem. Unter der sich die gigantische Iron City in den Ruinen einer alten Metropole aus längst vergessenen Zeiten ausgebreitet hat. Während das abgeschottete Zalem zu einem Wohnort der Oberklasse wurde und für Außenstehende nahezu unerreichbar ist, wurde Iron City zum Sammelbecken sämtlicher Überlebender der Erde. Die fristen dort nun ein eher trauriges Dasein, besteht ihre Hauptaufgabe doch vor allem darin, Zalem mit den nötigen Rohstoffen zu versorgen. Selbst das Gesetz müssen sie in die eigenen Hände nehmen – in Form von freiberuflichen, rauen Jäger-Kriegern, die im Auftrag der „Firma“ aus Zalem Kopfgeldjägertätigkeiten übernehmen. Die bekannte Fabel von den gegensätzlichen Städten also, von arm und reich, von sprichwörtlich oben und unten.

„Alita – Battle Angel“ setzt im Jahr 2563 an, etwa 300 Jahre nach „The Fall“. Die Menschen in Iron City versuchen mit einer Vielzahl an Cyber-Erweiterungen, ihre körperlichen Fertigkeiten zu verstärken oder etwa Behinderungen und Missbildungen zu beseitigen. Dies hat nicht nur zur Folge, dass teils die aberwitzigsten, mitunter gemeingefährlichen Cyborg-Kreationen entstanden sind – die wertvollen technischen Erweiterungen rufen auch zahlreiche kriminelle Banden auf den Plan. So sind die technischen Erweiterungen für einen persönlich zwar empfehlenswert, um im harten Alltag von Iron City zu bestehen. Es empfiehlt sich jedoch auch dringend, stetig ein Auge nach denjenigen offenzuhalten, die einem die kostbaren Gadgets abluchsen wollen: den sogenannten Cyber-Jackern. Die gehen dabei gewiss nicht zimperlich vor. Einen weiteren Grund für die technischen Optimierungen stellt der populäre Sport Motorball dar – eine irre Kreuzung aus Gladiatorenwettkämpfen, American Football und Rollerderby, ohne Rücksicht auf Verluste. Mit freundlicher Reminiszenz an den dystopischen SF-Action-Klassiker „Rollerball“ (1975). Der Sport dient nicht nur der Unterhaltung der breiten Masse: Dem jährlichen Champion winkt zudem ein begehrtes Ticket nach Zalem.

Die unerreichbare Himmelsstadt Zalem – darunter: Iron City

Doch nicht alle nutzen die fortgeschrittene Cybertechnologie zur mitunter abstrusen Selbstoptimierung, bei der der reale Mensch im Cyborg häufig kaum noch zu erkennen ist. Der Cyber-Mediziner Dr. Dyson Ido (Christoph Waltz) etwa hilft mit Implantaten und Cyber-Prothesen, seinen Patienten verlorene Körperteile zu ersetzen oder andere Handicaps zu überwinden. Auf der Suche nach neuen Bauteilen macht er auf dem gigantischen Schrottplatz im Herzen von Iron City eines Tages einen folgenreichen Fund: Den Kern eines jugendlich anmutenden weiblichen Cyborgs, sprich, dessen Kopf.

Pinocchio im Science-Fiction-Gewand

In seinem privaten Labor stellt er zu seinem eigenen Erstaunen fest, dass dieser Kopf ein voll funktionsfähiges menschliches Gehirn enthält, und implantiert ihn auf den künstlichen Cyber-Körper, den er einst für seine gehbehinderte Tochter angefertigt hatte – diese hat tragischerweise keinen Bedarf mehr für ihren Ersatzkörper. Schnell baut Ido eine innige Beziehung zu dem von ihm gefundenen, sympathischen Cyborg-Mädchen (Rosa Salazar) auf, dass keinerlei Erinnerungen an ein früheres Leben zu haben scheint. Er tauft seine neueste Entdeckung daher passenderweise nach seiner verstorbenen Tochter: Alita.

Die Titelfigur Alita ist fortan auch unser Zugang zu der faszinierenden Welt dieses filmischen Spektakels. Ohne jede Erinnerung an ihre Herkunft oder ihr früheres Leben erkunden wir mit ihr gemeinsam die gefährliche und aufregende Welt von Iron City. Schon bald wird sich herausstellen, dass Alita nicht nur deutlich älter ist, als man annehmen könnte, sondern unter dem jugendlich-naiven, fast schon niedlichen Wesen mit dem warmen Herzen ganz andere Qualitäten stecken. Und die wecken Begehrlichkeiten einer ganzen Reihe übler Gestalten, sowohl in Iron City als auch aus Zalem. Der Titel „Alita – Battle Angel“ kommt in Bezug auf die Heldin gewiss nicht von ungefähr.

Populäre Manga-Reihe als Vorlage

Als Vorlage dient die populäre japanische Cyber-Punk Manga-Reihe „Battle Angel Alita“ (im Original „Gunnm“) von Yukito Kishiro. Seit 1990 erzählt dieser in mittlerweile knapp 30 Ausgaben die zahlreichen und umfangreichen Abenteuer seiner Titelheldin Alita in Iron City, Zalem und dem Weltall. Ende der Neunziger wurde auch der Erfolgsregisseur James Cameron auf die Reihe aufmerksam und sofort zu einem großen Fan. Ebenso entstand bei dem so leidenschaftlichen wie visionären Filmemacher natürlich direkt der Wunsch, diese Story auf die große Leinwand zu bringen. Schaut man sich darüber hinaus etwa Neill Blomkamps „Elysium“ (2013) an, so war Cameron offenbar nicht der einzige Filmemacher, der sich durch die Manga-Vorlage hat inspirieren lassen. Nur ist Alita dort kein jugendlich anmutender, weiblicher Cyborg, sondern Matt Damon.

Wie Vater und Tochter: Dr. Ido und seine Entdeckung Alita

Cameron, bekannt als detailversessener und penibler Arbeiter, stürzte sich direkt in die Arbeit. Er beauftragte Künstler, ihm Zeichnungen einer filmischen Version von Iron City anzufertigen. Ebenso verfasste er ein mehr als 600 Seiten umfassendes Manuskript, in dem er bis ins kleinste Detail das Leben in Iron City beschrieb. Alles sollte Sinn ergeben, die Technik, die gesellschaftlichen Strukturen. Auch zu den einzelnen Figuren fertigte er umfangreiche Dossiers an, damit diese zusätzlich an Leben gewinnen. In Zusammenarbeit mit Laeta Kalogridis („Shutter Island“), mit der er auch bei „Avatar“ zusammenarbeite, schrieb er ein Drehbuch. Doch trotz all der jahrelangen Arbeit – seine Vision umzusetzen, dazu fehlte Cameron offenbar stets die Zeit. Dies lag vor allem an seinem weiteren Herzensprojekt „Avatar“, dessen Fortsetzungen für ihn weiterhin höchste Priorität haben. Das Projekt „Alita – Battle Angel“ schien am Ende zu sein.

Kreative Freundschaft

Wäre da nicht Kult-Regisseur Robert Rodriguez („From Dusk Til Dawn“, „Sin City“) gewesen. Der pflegt seit Jahren eine enge Freundschaft mit Cameron, wie er jüngst im Interview in „Deadline – Das Filmmagazin“ bekräftigt (das Gespräch führte übrigens unser geschätzter „Die Nacht der lebenden Texte“-Kollege Leonhard Elias Lemke): „Wir kennen uns seit über 25 Jahren, sind schon lange Freunde, da wir aus der gleichen Ecke im Filmgeschäft kommen. (…) Eines Tages, als ich gerade am Schnitt von „Desperados“ saß, klopfte er an meine Haustür. Er hatte gehört, dass ich ein Avid zum Filmeschneiden in meinem Wohnzimmer hatte. Es war damals fast schon unerhört, dass ein Regisseur seinen Film selbst schnitt – noch dazu zu Hause. Ich bat ihn herein, er war total interessiert.“ In einem der zahlreichen Treffen und Gespräche mit Cameron kam auch das Thema „Alita“ zur Sprache, wollte Rodriguez, selbst Fan der Manga-Reihe, doch wissen, wann mit einem Film denn nun endlich mal zu rechnen sei. Da Cameron der Meinung war, es selbst wohl nicht mehr zu schaffen, bot er Rodriguez an, die Regie zu übernehmen. Dieser nahm dankend an und erweiterte die umfangreiche Vorarbeit seines Kumpels mit eigenen Ideen. Auch Cameron blieb als Produzent und kreativer Ideengeber weiter eng mit dem Projekt verbunden. In dem „Deadline“-Interview merkt Rodriguez zu dieser besonderen Zusammenarbeit seines bisher teuersten als Regisseur zu verantwortenden Films an: „Jim hat normalerweise die Einstellung, dass er lieber sein Drehbuch in der Schublade lässt, als es jemand anderem zu geben. Ich wusste also, dass ich mich unbedingt an seiner Vision, an seinen Ideen orientieren musste, sonst würde der Film nicht funktionieren. Er hat so klar geschrieben, dass es mir leichtfiel, mich ganz auf meinen Job als Regisseur zu konzentrieren und sein Drehbuch zu filmischem Leben zu erwecken. Natürlich würde der Film mit Jim als Regisseur noch mehr nach einem seiner Filme aussehen, aber er ist sehr überrascht, wie nah ich seiner persönlichen Vorstellung mit dem Film gekommen bin.“

Idos Ex-Frau Chiren hat ebenfalls ein Auge auf die mysteriöse Alita geworfen

So lassen sich in „Alita – Battle Angel“ die kreativen Einflüsse gleich zweier großer Könner erkennen, was dem Film definitiv zugutekommt – eine für Rodriguez typische, zünftige Bar-Keilerei inklusive. Überhaupt profitiert der Film insbesondere von der kohärenten Welt seiner umfangreichen Manga-Vorlage, die durch die Detailversessenheit der Vorarbeit James Camerons nochmals an Qualität gewinnt. Denn die Welt von Iron City weiß mit ihrer Liebe zum Detail absolut zu überzeugen. Lobenswert ist hierbei auch, dass für die Kulissen dieses Schmelztiegels auf Wunsch von Rodriguez eine größtenteils reale Requisitenstadt erbaut und nicht etwa ausschließlich auf die pure Macht des CGI vertraut wurde. Bei einem unter anderem so auf eine starke Visualität setzenden Film wie „Alita – Battle Angel“ wirkt dies zunächst etwas überraschend. Dem Film wird hierdurch aber erfolgreich zusätzliche Authentizität und Tiefe verliehen.

Manchmal ist weniger vielleicht mehr

Doch sind die umfangreiche Vorlage und die damit verbundene, mehr als solide kreative Basis interessanterweise auch eine der Ursachen für die unübersehbaren Schwächen des ansonsten beeindruckenden Films. Denn Cameron nahm sich bei seinem Projekt zum Ziel, für den Auftaktfilm einer auf mehrere Teile angelegten Filmreihe direkt die ersten vier Bände der Manga-Reihe in die Handlung zu integrieren. Bei einer Laufzeit von gerade einmal 122 Minuten ein ambitioniertes Vorhaben. Muss das breite Publikum ja nicht nur in eine umfangreiche, unbekannte Welt mit einer Vielzahl an Figuren eingeführt werden, sondern darüber hinaus auch eine hohe Zahl schicksalhafter Wendepunkte der Hauptfigur unterbringen. So entsteht aufgrund des vollgepackten Drehbuchs oft der Eindruck, der Film hetze von Ereignis zu Ereignis, von Szene zu Szene. Zeit zum Durchatmen bleibt so kaum. Zum Aufkommen von Langeweile aber natürlich auch nicht. Das ist jedoch insofern bedauerlich, denn wann immer „Alita – Battle Angel“ kurz davor ist, szenisch auch mal tiefer unter die Oberfläche zu gehen, nimmt er doch lieber eine dramaturgische Abkürzung in Form von knappen Dialog-Einzeilern oder schnell eingeschobenen Ereignissen, die fix zum nächsten Punkt der Handlung führen müssen.

So viel darf bereits verraten sein: Der Film endet mit einem deutlichen Schielen auf eine mehrteilige Reihe natürlich offen. Genau hier liegt der nächste Kritikpunkt: Die Offensichtlichkeit, mit der man die Botschaft „Fortsetzung folgt“ aufs Auge gedrückt bekommt, stört mitunter etwas. Hat die Tendenz zur lang angelegten Filmreihe in den vergangenen Jahren doch ein wenig überhandgenommen. Die Konkurrenz der populären TV-Serien scheint immer mehr Eindruck in der Filmwelt zu hinterlassen. Natürlich muss das kein Nachteil sein, denn es gibt ja eine Reihe ausgesprochen guter Mehrteiler. Doch liegen die meisten davon meiner Meinung nach einige Zeit zurück. Aber diese Selbstverständlichkeit, davon auszugehen, wir würden schon irgendwann die Fortsetzung schauen, weil wir wissen wollen, wie es weitergeht, finde ich schon etwas nervig. Gerade wenn man nicht weiß, wann dies denn sein wird und ob „Alita – Battle Angel“ überhaupt genügend Resonanz an den Kinokassen erfahren wird, um eine Fortsetzung zu ermöglichen. Dagegen wird man zum Abschluss mit dem Anblick eines längst verschollen geglaubten Hollywoodstars in der Rolle des großen, in Zalem lebenden Antagonisten Nova belohnt, den man bis dato im Film immer nur als mysteriösen Strippenzieher im Hintergrund vernommen hatte, ohne ihn zu Gesicht zu bekommen. Wer dies sein könnte, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht. Irgendwelche Tipps? Der Gewinner bekommt zur Belohnung ein Stück selbst gemachter Seife.

Ein Fest für Augen und Ohren

Die große Stärke von „Alita – Battle Angel“ ist auf jeden Fall die visuelle Gestaltung. Die Kombination von James Camerons Trickfirma Lightouse Entertainment mit den Kreativen der Troublemakerstudios von Robert Rodriguez kommt hier zur vollen Entfaltung. Denn nur mit realen Requisiten kann man eine zeitgemäße, technisch anspruchsvolle und publikumswirksame Manga-Verfilmung kaum gewährleisten. Und ich kann sagen, dass hier tricktechnisch beste Arbeit geleistet wurde, sieht der Film doch einfach phänomenal aus. Iron City, die variationsreichen Cyborg-Kreationen, die alles überthronende Stadt Zalem, die zahlreichen toll choreografierten Kämpfe, das imposante Ereignis Motorball – ein wahres Fest für die Augen. Und glücklicherweise nicht nur Mittel zum Zweck, entdeckt man in der Arbeit doch stets auch die Liebe daran. Insbesondere die Figur der Alita ist besonders gelungen, handelt es sich hier doch um eine digitalisierte, verjüngte Version der 33-jährigen Hauptdarstellerin Rosa Salazar. Große Manga-Kulleraugen inklusive. Die Künstlerinnen und Künstler von Lighthouse bewiesen hier nach „Avatar“ erneut ihr Können im Umgang mit Motion Capturing, und es ist erstaunlich zu sehen, welchen Fortschritt die Technik mittlerweile gemacht hat. Auch werden die 3D-Effekte hier tatsächlich mal sinnvoll eingesetzt. Ebenso lohnt es sich, den Film in einem IMAX-Kino anzuschauen, wurden doch etwa 40 Minuten des Films speziell dafür produziert. Und auch das imposante Sounddesign ist imstande, die Kinosessel gelegentlich in vibrierende Massagestühle zu verwandeln.

So viel Zeit muss sein: Entdeckt Alita im Cyber-Jacker Hugo die große Liebe?

Die Besetzung der Hauptfigur Alita vertraut Rodriguez mit Rosa Salazar einer Schauspielerin an, die einem größeren Publikum bisher wohl bestenfalls aus ihren Auftritten in zwei Filmen der „Maze Runner“-Trilogie bekannt sein dürfte. Mit 33 Jahren sollte „Alita – Battle Angel“ für sie nun das große Los zum Durchbruch sein. Sie macht aber auch einen wirklich phänomenalen Job. Schafft sie es doch nicht nur, ihrer Alita mit jugendlich-naiver, neugieriger und positiver Seele mit viel Herz Leben zu verleihen, sondern auch den körperlichen Aspekten der zahlreichen intensiven Kampfszenen gerecht zu werden. Hierfür nahm Salazar nicht nur monatelang Unterricht in verschiedenen Kampfsportarten, auch eine Reihe der Stunts übernahm sie selbst. Da sie dennoch über gleich neun verschiedene Stunt-Doubles verfügte, lässt sich vermutlich erahnen, dass es bei der Manga-Verfilmung ordentlich zur Sache geht. Ein weiteres neues Gesicht ist Keean Johnson, der als Alitas Love Interest, Cyber-Jacker Hugo, ebenfalls überzeugen kann. Ein unbeschriebenes Blatt im wahrsten Sinne des Wortes – hat er doch bislang nicht einmal einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Das dürfte sich bald ändern.

Rodriguez dirigiert aber auch eine ganze Reihe bekannter Schauspielgrößen durch sein Werk, die mit einer gehörigen Portion Oscar-Glanz ausgestattet sind: Christoph Waltz (Oscars für „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“) gibt gewohnt souverän Alitas väterlichen Mentor Dr. Ido, der seine ganz eigenen Geheimnisse zu hüten pflegt. Er wurde Rodriguez übrigens von einem weiteren kongenialen Kumpel aus dem Filmbusiness ans Herz gelegt: Quentin Tarantino. Jennifer Connelly (prämiert für „A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“) spielt dessen Ex-Frau Chiren, die ebenfalls ein erhöhtes Interesse an Alita entwickelt. Gleiches gilt für den zwielichtigen und mit besten Verbindungen zu Zalem ausgestatten Motorball-Macher Vector, dargestellt von Mahershala Ali (ausgezeichnet für „Moonlight“ und vielleicht auch bald für „Green Book – Eine besondere Freundschaft“). Schade nur, dass gerade die von Connelly und Ali verkörperten Figuren vergleichsweise wenig Screentime zugestanden bekommen und für zwei so ausgeprägte Talente der Schauspielkunst ein Stück weit zu blass konzipiert worden sind.

Alita betritt die Motorball-Arena

Der Rest des Casts ist wie für Rodriguez typisch mit einer Reihe von Genrestars besetzt, die mitunter auch gerne schon längere Zeit mal vom Radar verschwunden waren. Jackie Earle Haley („Watchmen – Die Wächter“) etwa verkörpert die von Antagonist Nova kontrollierte Cyborg-Monstrosität Grewishka, die unsere Protagonistin vor einige Herausforderungen stellen wird. Michelle Rodriguez („Avatar“) gibt einer wichtigen Persönlichkeit aus Alitas Vergangenheit ihr ebenfalls komplett digitalisiertes Gesicht. Und selbst Casper Van Dien („Starship Troopers“) darf sein Comeback in einer großen Kinoproduktion feiern. Und dann ist da natürlich noch der britische Rapper und Schauspieler Ed Skrein („Deadpool“) in der Rolle des Zapan, des am meisten gefürchteten Jäger-Kriegers von Iron City. Aufgrund seiner ausgeprägten Badass-Fertigkeiten übrigens auch die heimliche Lieblingsfigur des Regisseurs.

Ein bisschen Spaß muss sein

Trotz der kleineren Schwächen des etwas überladenen Drehbuchs, das sich gelegentlich im eigenen rasanten Erzähltempo selbst zu überholen scheint, sowie dem allzu offensichtlichen offenen Ende für weitere Fortsetzungen bietet „Alita – Battle Angel“ dennoch allerbeste Kino-Unterhaltung. Die Bildgewalt ist einfach fantastisch und die Liebe zum Detail überzeugt. Die gesunde Balance aus bombastischer, toll inszenierter Action-Sequenzen mit leiseren und sogar humorvollen Tönen stimmt ebenfalls. Insbesondere das aus der Manga-Vorlage entnommene Zukunftsszenario überzeugt mit seiner Stimmigkeit, wobei die kreativen Erweiterungen durch die Filmschaffenden unter Führung von Cameron und Rodriguez diesem sogar einen deutlichen Mehrwert verleihen. Dank der tollen 3D-Effekte erwacht die imposante Iron City mit tollen Kulissen und vielfältigem Figurenensemble jederzeit zum Leben. Und die Hauptfigur Alita muss man einfach gern haben als Mischung aus herzensgutem, liebem Mädchen und tödlicher Kampfmaschine. „Alita – Battle Angel“ ist also glücklicherweise nicht mehr Schein als sein, denn liegt hier unter der visuell beeindruckenden Fassade ein äußerst unterhaltsamer Film bereit – den man auf jeden Fall im Kino genießen sollte. Und wenn man dann, während man beispielsweise staunend das beeindruckende Motorball-Spektakel beobachtet, durch die Bässe des Sounddesigns in seinem Kinosessel durchgerüttelt wird – dann muss sich auch die noch so zarte Cineasten-Seele eingestehen, dass hin und wieder eine Portion guten alten Popcorn-Kinos ganz guttun kann. Es kann auch einfach mal Spaß machen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von James Cameron – auch seine Produktionen – sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jennifer Connelly unter Schauspielerinnen, Filme mit Mahershala Ali, Ed Skrein und Christoph Waltz in der Rubrik Schauspieler.

Brot und Spiele für das Volk: das äußerst brutale Spektakel Motorball

Länge: 122 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Alita – Battle Angel
KAN/ARG/USA 2019
Regie: Robert Rodriguez
Drehbuch: James Cameron, Laeta Kalogridis, Robert Rodriguez, nach der Manga-Reihe „Gunnm“
Besetzung: Rosa Salazar, Christoph Waltz, Jennifer Connelly, Mahershala Ali, Ed Skrein, Keean Johnson, Michelle Rodriguez, Casper Van Dien, Jackie Earle Haley, Elle LaMont, Jeff Fahey, Eiza González, Derek Mears, Lana Condor, Sam Medina, Billy Blair, Alan Nguyen
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2019 by Philipp Ludwig

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2019 Twentieth Century Fox

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , ,

Deadpool – Schlagfertiger Superheld im roten Dress

Deadpool-Plakat

Deadpool

Kinostart: 11. Februar 2016

Von Iris Janke

SF-Action // Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds) flucht, ballert und prügelt den lieben langen Tag. Nach seinem Auftritt als DC-Superheld „Green Lantern“ (2011) hat Ryan Reynolds für seinen neuen Einsatz als Comicfigur die Anzugfarbe gewechselt – von grasgrün zu knallrot. Reynolds hatte die Marvel-Gestalt Wade Wilson bereits 2009 in „X-Men Origins – Wolverine“ gespielt.

Deadpool-02

Die Ex-Prostituierte Vanessa liebt Wade Wilson

Zum coolen Superhelden wird der eigentlich ziemlich langweilige Schönling Wade Wilson ebenso zufällig wie unfreiwillig. Bis es so weit ist, betet er seine hübsche Freundin an, die Ex-Prostituierte Vanessa (Morena Baccarin, „Homeland“). Zudem zehrt er noch immer von seinem halbwegs „normalen“ Ex-Job als Mitglied einer Spezialeinheit und entspannt ab und zu in seiner Lieblingsbar.

Krebstherapie mit Folgen

Als bei ihm Krebs diagnostiziert wird, ist es vorbei mit dem Dasein als Normalo. Wade sieht panisch all seine Lebensgeister schwinden und sämtliche Zukunftspläne in Gefahr. Einzige Chance, die heimtückische, lebensbedrohliche Krankheit zu bekämpfen, scheint in der Teilnahme an einem geheimen Genexperiment des zwielichtigen Ajax (Ed Skrein) zu liegen.

Deadpool-04

Deadpool räumt auf – ohne Rücksicht auf Verluste

Vorteil der Behandlung: Wades geschundener Körper bekommt die Möglichkeit zur kompletten und schnellen Regeneration und Gesundung. Einziges Manko: Wade ist entstellt. In einer Art Glassarg wurde er eingeschlossen, sein Körper darin verbrüht und verätzt. Ergebnis: Wade ist zwar gesund und enorm widerstandsfähig, allerdings von hässlichen Tumoren übersät. Er sieht keine andere Möglichkeit, als aus seinem alten Leben zu verschwinden und sich auch vor seiner Freundin zu verstecken – im roten Ganzkörperanzug mit Maske. Aus Wade Wilson wird Deadpool, der unzerstörbare Superheld.

Flammenwerferin greift ein

Mit seinem Äußeren ist Deadpool nun so unglücklich, dass er das Experiment rückgängig machen will. Außerdem will sich Wade am fiesen Ajax rächen. Dabei helfen ihm sein tiefschwarzer Humor und die beiden anderen Superhelden, der riesenhafte, gutmütige Colossus (Stefan Kapicic) und die blutjunge Flammenwerferin Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand).

Deadpool-06

Mutantin Teenage Warhead unterstützt Deadpool

Insgesamt überzeugt die Marvel-Adaption von Regisseur Tim Miller und den Drehbuchautoren Rhett Reese und Paul Wernick (beide auch „Zombieland“) dank ihrer quietschbunten Comic-Optik, dem passend besetzten Hauptdarsteller Ryan Reynolds, den ebenfalls gut ausgesuchten Nebendarstellern und dem mit Bedacht eingesetzten Budget von 50 Millionen Dollar.

Blutig mit FSK-16-Freigabe

Vielleicht ist es der Not der geringen Finanzen geschuldet, dass die Inszenierung von Tim Miller eher dosiert und eben nicht superheldenmäßig überfrachtet wirkt, vielleicht ist die Reduktion des Mitteleinsatzes aber auch gewollt. Dass es über zehn Jahre gedauert hat, bis es der Comicheld als Hauptfigur im quietschroten hautengen Ganzkörperanzug auf die große Leinwand geschafft hat, lag vermutlich auch daran, dass man den Film möglichst authentisch drehen wollte – und damit eher nicht familientauglich, sondern eben laut, brutal und blutig. Beim Ü-16-Publikum dürfte das gut ankommen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ryan Reynolds und Ed Skrein haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 108 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Deadpool
USA/KAN 2016
Regie: Tim Miller
Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick
Besetzung: Ryan Reynolds, Karan Soni, Ed Skrein, Michael Benyaer, Stefan Kapicic, Brianna Hildebrand, Kyle Cassie, Taylor Hickson, Naika Toussaint, Randal Reeder
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2016 by Iris Janke
Filmplakat & Fotos: © 2016 Twentieth Century Fox

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2016/02/10 in Film, Kino, Rezensionen

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: