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Annabelle – Grusel-Puppe ohne Persönlichkeit

Annabelle-Cover

Annabelle

Von Andreas Eckenfels

Horror // Mit „Conjuring – Die Heimsuchung“ schuf „Saw“-Regisseur James Wan einen der intensivsten Gruselschocker der vergangenen Jahre. Nun erzählt er – vom Regiestuhl auf die Produzentenposition gewechselt – in „Annabelle“ eine weitere übernatürliche und angeblich wahre Geschichte aus den Akten der legendären Dämonologen Ed und Lorraine Warren.

Woher hat Annabelle ihren üblen Ruf?

Die Puppe mit den großen Augen, den roten Bäckchen und Zöpfen hatte bereits in „Conjuring – Die Heimsuchung“ einen kleinen, aber schwer verstörenden Gastauftritt, bei dem wohl jede QVC-Verkäuferin kreischend aus dem TV-Studio flüchten würde. In der Ursprungsgeschichte erfahren wir nun, warum die Puppe so einen teuflischen Ruf hat.

Überfall der Satanisten

Die schwangere Mia Form (Annabelle Wallis) ist überglücklich, als sie von ihrem Gatten John (Ward Horton) ein ganz besonderes Geschenk erhält: eine äußerst seltene Vintage-Puppe, die Mia in ihrer großen Sammlung noch gefehlt hat. Doch die Freude an „Annabelle“ währt nicht lange: In einer grausamen Nacht überfallen zwei Mitglieder eines Satanskults das Paar in seinem Haus. Die Polizei kommt glücklicherweise rechtzeitig – die Täter werden erschossen. Eine Satanistin stirbt mit Annabelle im Arm.

Nach dem Vorfall häufen sich merkwürdige Ereignisse im Hause von Familie Form. Selbst ein Umzug aus dem Vorort in einen städtischen Appartement-Komplex bringt keine Besserung. Langsam macht sich in Mia eine üble Vorahnung breit: Ist Annabelle vielleicht für die merkwürdigen Geschehnisse verantwortlich?

Von der Kamera auf den Regiestuhl

Für „Annabelle“ übergab James Wan den Regieposten an John R. Leonetti. Als Kameramann sowohl bei „Dead Silence“, „Conjuring – Die Heimsuchung“ als auch bei „Insidous“ und „Insidious – Chapter 2“ kennt er sich visuell bestens in Wans dämonischen Welten aus. Zudem nahm Leonetti in „Chucky 3“ schon einmal eine der bekanntesten Puppen der Filmgeschichte vor die Linse.

Auch wenn nach der krassen Anfangssequenz die bekannte Grusel-Klaviatur mit knarrenden Türen, verzerrter Musik und plötzlich anspringenden Elektrogeräten gespielt wird, sorgt ausgerechnet die Hauptfigur nur für milden Schrecken. Annabelle besitzt keinerlei Eigenleben und entwickelt nie eine Art Persönlichkeit. Mit schrägen und langen Nahaufnahmen auf das Puppengesicht stellt Leonetti ständig die Erwartungshaltung der Zuschauer auf die Probe. Aber Annabelle bleibt reglos, weder Kopf noch Augen bewegen sich. Die Porzellanpuppe starrt ins Nichts.

Die Puppe ist hässlich

Die Frage, wer sich so ein hässliches Teil zu Dekorationszwecken ins Zimmer stellen würde, lasse ich hier mal außen vor. Immerhin sorgen zwei Schockmomente für ordentlich Gänsehaut: In Erinnerung bleiben eine Blitzverwandlung und eine Fahrstuhlszene, die wie viele andere Storyelemente auf Roman Polanskis Klassiker „Rosemaries Baby“ anspielt.

Veröffentlichung: 19. Februar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Audiodeskription für Blinde: Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch und Italienisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Originaltitel: Annabelle
USA 2014
Regie: John R. Leonetti
Drehbuch: Gary Dauberman
Besetzung: Ward Horton, Annabelle Wallis, Alfre Woodard, Tony Amendola, Kerry O’Malley, Brian Howe, Eric Ladin, Gabriel Bateman
Zusatzmaterial: Der Fluch von Annabelle, nur Blu-ray: Blutige Tränen der Besessenheit, Die Puppen des Teufels, Ein dämonischer Prozess, nicht verwendete Szenen, Wendecover
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels
Packshot: © 2015 Warner Home Video

 

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Conjuring – Die Heimsuchung: Trautes Heim, Spuk allein

The Conjuring

Kinostart: 1. August 2013

Von Volker Schönenberger

Horror // Schon mal was von der New England Society for Psychic Research gehört? Die selbsternannten Dämonologen Lorraine und Ed Warren gründeten diese Gesellschaft 1952 mit dem Zweck, paranormale Phänomene zu erforschen und Geister und Dämonen aus Spukhäusern zu vertreiben. Ihre Arbeit weckte das Interesse der Filmindustrie: So entstanden „Haus der lebenden Toten“ („The Haunted“, 1991) und „Das Haus der Dämonen“ (The Haunting in Connecticut“, 2009), die mehr oder minder frei die Geschehnisse zweier Fälle der Warrens nachzeichnen. „The Amityville Horror“ (1979) beruht ebenfalls auf Ereignissen in einem Spukhaus, das die Warrens untersucht haben.

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Carolyns Tochter hat etwas gesehen

Auch „Conjuring – Die Heimsuchung“ geht auf einen der angeblich wahren Fälle der Warrens zurück. Der Film behandelt die Geschichte der Familie Perron, die 1971 ein Haus in Rhode Island bezieht. Anfangs sind Carolyn und Roger Perron (Lili Taylor, Ron Livingston) und ihre fünf Töchter guter Dinge – man packt Umzugskartons aus und spielt „Hide and Clap“, eine Art „Blinde Kuh“, bei der die suchende Person von den versteckten Mitspielern Händeklatschen zur Ortung einfordern kann. Unerklärliche kleine Vorfälle werden anfangs mit einem Achselzucken abgetan – Uhren, die nachts zur identischen Zeit 3.07 Uhr stehenbleiben, ein Ziehen am Fuß, begleitet von üblem Gestank. Doch bald steigern sich die Ereignisse ins Bedrohliche, sodass sich Carolyn ein Herz nimmt und das Dämonologen-Ehepaar Warren (Vera Farmiga, Patrick Wilson) um Hilfe bittet.

Mit Originalität punktet „Conjuring – Die Heimsuchung“ nicht gerade. Zu viele Haunted-House- und Exorcism-Filme haben etliche Facetten dieser Horror-Subgenres bereits abgedeckt. Die entscheidenden Fragen zur Bewertung sind daher: Gruseln wir uns? Kneifen wir bei sich anbahnenden Schockmomenten bange die Augen zusammen, um nicht allzu sehr zu erschrecken? Sind unsere Hände gelegentlich schweißnass – und auch die Armlehnen, an die wir sie gekrallt haben? Kuscheln wir uns ängstlich an den Partner? Die Antwort auf diese Fragen: ja!

Bekannte Versatzstücke sind versiert eingebaut. Wer hätte gedacht, dass eine sich leise knarrend bewegende Zimmertür nach wie vor gruselig ist? Dass man als Zuschauer den Gang eines Protagonisten in den düsteren Keller mit banger Erwartung verfolgt? Dass ein wie von selbst rollender Ball nicht nur in „The Shining“ unheilvoll wirkt? Aber keine Sorge: Es gibt auch eigenständige Grusel-Ideen, zum Beispiel beim „Hide and Clap“-Spiel …

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Lorraine Warren kämpft gegen das Böse

Auch das hervorragende Sounddesign bringt Horroratmosphäre in den Kinosaal. Die tiefen Töne des Scores dringen durch jede Pore bis in die Bauchhöhle ein. Auch die Dynamik der Lautstärke trägt ihr Teil dazu bei und setzt leise und laute Akzente, ohne plump mittels plötzlichen Aufdrehens des Lautstärkereglers (sogenannte Jump Scares) bis zum Anschlag für Schockmomente zu sorgen – die entstehen stets in erster Linie durch die Inszenierung der Szenen.

Blut gibt’s nur in feinen Dosen zu sehen. Hartgesottene Horror-Connaisseure werden sich womöglich von der FSK-16-Freigabe abschrecken lassen, dann entgeht ihnen aber ein feiner Old-School-Schocker nach wahrer Begebenheit (hüstel).

Eine ausführliche Betrachtung des Warrenschen Wirkens findet sich im Internet unter dem Titel „50 Years of Ghost Hunting and Research with the Warrens“.Die offizielle Internetpräsenz der Warrens hingegen ist tatsächlich gruselig – gute Webdesigner sind anscheinend rar.

Die Darstellerriege hat bereits Erfahrung mit dem Horrorgenre: Patrick Wilson spielte bereits in James Wans „Insidious“ (2010) und wird auch in dessen Fortsetzung mitwirken. Lili Taylor betrat 1999 „Das Geisterschloss“. Vera Farmiga war 2009 im Genre-nahen „Orphan – Das Waisenkind“ zu sehen.

Regisseur James Wan hat die Horrorgemeinde erstmals 2004 mit „Saw – Wessen Blut wird fließen?“ aufgemischt. „Insidious“ gefiel 2010 den Schockerfreunden so gut, dass die Fortsetzung „Insidious – Chapter 2“ bereits abgedreht ist – in Deutschland noch ohne Kinostarttermin. Nach dem starken US-Start von „Conjuring – Die Heimsuchung“ wird es auch dazu voraussichtlich ein Sequel geben.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Vera Farmiga haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Patrick Wilson unter Schauspieler.

Länge: 112 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The Conjuring
USA 2013
Regie: James Wan
Drehbuch: Chad Hayes, Carey Hayes
Besetzung: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Lili Taylor, Ron Livingston, Shanley Caswell
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2013 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Warner Bros. Pictures Germany

 

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