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Phantastische Tierwesen – Grindelwalds Verbrechen: Die dunkle Seite der Macht

Fantastic Beasts – The Crimes of Grindelwald

Kinostart: 15. November 2018

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Abenteuer // Der November 2018 ist zwar noch nicht so kalt, wie er sein sollte – die Temperaturen halten sich recht wacker im zweistelligen Bereich –, dennoch ist nun die perfekte Jahreszeit gekommen, um endlich wieder in die wohlig warme Wizarding World von J. K. Rowling abzutauchen. Zwei Jahre nachdem wir in „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ erstmals Newt Scamander (Eddie Redmayne) begegnet sind, steht für den magiebegabten Zoologen das nächste Abenteuer an. Es wird nicht sein letztes sein, insgesamt soll die Reihe fünf Filme mit fortlaufender Handlung umfassen.

Tina und Newt treffen in Paris wieder aufeinander

1927: Unter Newts Mithilfe konnte der dunkle Zauberer Gellert Grindelwald (Johnny Depp) in New York enttarnt und vom Magischen Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika – kurz MACUSA – festgenommen werden. Doch trotz Hochsicherheitsverwahrung gelingt dem Schurken die Flucht. Grindelwald taucht in Paris unter, wo er seine Gefolgschaft um sich schart und hofft, einen wichtigen Verbündeten auf die dunkle Seite der Macht zu locken: den Waisenjungen Credence Barebone (Ezra Miller), der bereits im ersten Teil aufgrund seiner unterdrückten Zauberkräfte als Obscurus ungewollt allerhand Chaos stiftete und nun in der französischen Hauptstadt nach seiner Mutter sucht. Mit Credences Fähigkeiten will Grindelwald seinen Plan in die Tat umsetzen: die Herrschaft reinblütiger Zauberer über alle nichtmagischen Wesen.

Grindelwald schart seine Gefolgsleute um sich

Albus Dumbledore (Jude Law) erkennt die Gefahr, die von Grindelwald ausgeht, allerdings kann er aufgrund eines alten Schwurs nicht selbst aktiv werden. Aus diesem Grund entsendet er seinen ehemaligen Hogwarts-Schüler Newt nach Paris, um dem magischen Schwerverbrecher Einhalt zu gebieten. Newt kommt dieser Wunsch gerade recht. Er kann etwas Ablenkung gebrauchen, denn seine große Liebe Leta Lestrange (Zoë Kravitz) hat sich mit seinem Bruder Theseus (Callum Turner) verlobt. Unterstützung erhält Newt erneut von den zauberhaften Schwestern Tina (Katherine Waterston) und Queenie (Alison Sudol), dem Muggel Jacob (Dan Fogler) sowie von zahlreichen Tierwesen, die er in seinen Koffer gepackt hat.

Konkurrenz für Lord Voldemort

Schon nach den ersten Minuten, in denen sich Grindelwald im tosenden Unwetter aus seiner fliegenden Gefängniskutsche befreit, wird klar: Die dunklen Wolken werden sich nicht so schnell verziehen. Johnny Depp, dessen Besetzung im Vorfeld für viel Kritik sorgte, ist drauf und dran, eine ernsthafte Konkurrenz für Lord Voldemort als Bösewicht zu werden. Es ist schön, den Star endlich mal wieder außerhalb seiner „Jack Sparrow“-Routine zu sehen. Hier spielt er durchaus ernsthaft und furchteinflößend. Vielleicht kann Depp durch die Rolle seinen tiefen Fall von der Karriereleiter doch noch aufhalten. Bedenkt man die Zeit, in dem die „Phantastische Tierwesen“-Reihe angesiedelt ist, sind die Parallelen zur Naziherrschaft durch Grindelwalds „Arier“-Pläne, seine blonden Haare und seinen Ledermantel offensichtlich. Ebenso wie sein deutsch klingender Name ist dies kein Zufall. J. K. Rowling lässt häufig reale historische Ereignisse in die Handlung miteinfließen. Die Auswirkungen des bevorstehenden Kriegs der Zauberer und der bald beginnende Krieg der Muggel werden im Verlauf der nächsten drei Filme näher beleuchtet werden.

Niffler darf ordentlich mitmischen

Aber auch, wenn es noch so düster in der Fortsetzung zugeht, für die die FSK im Gegensatz zum Erstling eine FSK-12- statt einer FSK-6-Einstufung vergab, gibt es natürlich wieder einige heitere Momente, die für Licht in dunklen Zeiten sorgen. Endlich sehen wir etwas mehr von Newts Arbeitsumfeld und lernen dabei jede Menge neue phantastische Tierwesen kennen. Allerdings: So toll die neuen Wesen auch animiert sein mögen, den süßen Niffler schlägt keines von ihnen. Das maulwurfartige Tier mit dem Entenschnabel, welches eine besondere Vorliebe für Glitzerkram besitzt, erweicht auch diesmal am meisten unser Herz. Schön, dass ihm im Film sogar eine entscheidende Rolle zukommt.

Theseus (l.) hat sich mit Leta Lestrange verlobt

Viele neue Locations, wie das französische Zaubereiministerium, fügen sich mit ihrer Detailfreude bestens in die „Wizard World“ ein. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Eine kurze Rückkehr nach Hogwarts versprüht zusammen mit dem klassischen „Harry Potter“-Thema von John Williams nostalgische Gefühle. Dennoch ist dem zweiten Teil ein wenig die Verspieltheit abhandengekommen. Nur selten, etwa wenn Newt einen Windzauber auf einen Verfolger oder Queenie einen Liebeszauber auf Jacob ausspricht, fühlt man sich zum Beispiel an die wunderbare Kochszene aus dem Erstling erinnert. Auch um die Ernsthaftigkeit noch etwas herunterzuschrauben, hätten ein paar mehr neue Zaubersprüche zusätzliche Auflockerung gebracht.

Experten-Wissen gefragt

Mit Newt werde ich allerdings noch immer nicht ganz warm. Nicht falsch verstehen: An Eddie Redmaynes liebenswert-verhuschter Darstellung ist nichts auszusetzen. Er wirkt nur nicht wie eine echte Heldenfigur. Das mag sich in den weiteren Fortsetzungen noch ändern. Aber in „Grindelwalds Verbrechen“ ist dies wohl auch dem Drehbuch von J. K. Rowling zuzuschreiben, welches sich mehr als der Erstling darum bemüht, sich in die historische „Harry Potter“-Zeitlinie einzuordnen und so häufig den Fokus auf seinen Hauptcharakter verliert.

Der Niffler muss von seinen Abenteuern etwas verschnaufen

Damit kommen wir zum für mich größten Problem des zweiten Teils: Wo echte „Harry Potter“-Experten wahrscheinlich mit der Zunge schnalzen, werden die normalen Zuschauer schnell überfordert sein. Die Geschichte verzettelt sich in einer Vielzahl von Nebenhandlungen und stellt zu viele Figuren vor, die einfach schwer einzuordnen sind, wenn man all die Zauberer-Stammbäume nicht auswendig kennt. So hätte ich nicht mehr gewusst, dass Alchemist Nicolas Flamel, gespielt übrigens von Brontis Jodorowsky, dem Sohn von „El Topo“-Regisseur Alejandro Jodorowsky, der Schöpfer des berühmten Steins der Weisen ist, der im ersten „Harry Potter“-Abenteuer eine große Rolle spielt. Vielleicht fügen sich die Nebenstränge in den weiteren drei Filmen zu einem großen Ganzen zusammen, sodass wir nach dem Finale sagen werden: J. K. Rowling hat alles richtig gemacht. Aktuell spürt man allerdings, dass der Film eben einen Mittelteil bildet und noch nicht alle Karten ausspielt, sodass auch der überraschende Cliffhanger ein wenig an Zauberkraft einbüßt.

Zeit für eine Wachablösung?

Ebenfalls sollten sich die Produzenten Gedanken machen, ob David Yates wie geplant auch die nächsten „Phantastische Tierwesen“-Filme dreht, da seine Arbeit mehr und mehr zur Routine verkommt. Seit „Harry Potter und der Orden des Phoenix“ (2007) ist er am Ruder, somit hat er bis jetzt sechs Filme des Franchises am Stück abgedreht. Gerade der großartige „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ (2004) von Alfonso Cuarón („Gravity“) hat doch gezeigt, dass ein frischer Wind auf dem Regiestuhl der Reihe durchaus guttut.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Johnny Depp, Jude Law und Eddie Redmayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Albus Dumbledore kennt Grindelwald aus früheren Tagen

Länge: 134 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Fantastic Beasts – The Crimes of Grindelwald
GB/USA 2018
Regie: David Yates
Drehbuch: J. K. Rowling
Besetzung: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Jude Law, Johnny Depp, Alison Sudol, Ezra Miller, Zoë Kravitz, Claudia Kim, Callum Turner, Wolf Roth
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Warner Bros. Ent. All rights reserved. Wizarding World™ Publishing Rights © J.K. Rowling, WIZARDING WORLD and all related characters and elements are trademarks of and © Warner Bros. Entertainment Inc.

 

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Early Man – Steinzeit bereit: Am Anfang war der Fußball

Early Man

Von Lutz R. Bierend

Puppentrick-Steinzeit-Abenteuer // In Zeiten, in denen sich Disney schon lange vom Zeichentrick zugunsten computergestützter Animation verabschiedet hat, halten Nick Park und Peter Lord mit ihrer Firma Aardman immer noch an ihren Plastilin-Animationen fest. Zwar haben sie unter Beibehaltung der Knetfigurenoptik mit „Flutsch und weg“ (2006) auch einen überzeugenden Versuch im CGI-Bereich abgeliefert, aber Nick Park bleibt oldschool, und jetzt kommt sein pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 fertiggestellter Film „Early Man – Steinzeit bereit“ auch für die Heimkinos auf den Markt.

Raquel Welch hatte recht

Die Geschichte muss neu geschrieben werden. Wie schon im Raquel-Welch-Vehikel „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“ (1966) teilten sich unsere vorgeschichtlichen Ahnen bereits mit den Dinosauriern diese Welt. Und der Meteor, der die Dinosaurier von der Erde fegte, brachte den Menschen ihr größtes Heiligtum: den Fußball. Da der Meteoritensplitter zu heiß zum Anfassen war, mussten die primitiven Urmenschen den Fels mit den Füßen kicken – im Nullkommanix war das Fußballspiel erfunden.

Ein duftes Team: Steinzeitmensch mit Steinfreund

Diese Kulturerrungenschaft ist sogar in Höhlenmalereien verewigt. Einige Epochen später weiß jedoch niemand mehr, was diese Bilder bedeuten. Der Steinzeitstamm von Dug (Originalsprecher: Eddie Redmayne, deutsche Stimme: Friedrich Mücke) interpretiert die Bilder der Vorväter so, dass sie nur kleine Tiere wie Hasen und Kaninchen jagen sollen, um sich über Wasser zu halten, was schon schwer genug wäre, selbst wenn das Kaninchen nicht cleverer wäre als der ganze Steinzeitstamm. Als Dug seinem Stammesältesten Bobnar (Timothy Spall / Uli Krohm) vorschlägt, lieber mal etwas Großes wie ein Mammut zu jagen, wird er als Träumer abgetan, denn das habe man schließlich noch nie getan.

Der Nachrichtenvogel hat offensichtlich Spaß an seinem Job

Doch dann bricht die Bronzezeit an. Lord Nooth (Tom Hiddleston / Kaya Yanar) erobert mit seinen zivilisierten Männern und Kampfmammuts das Tal und vertreibt die Bewohner in die kargen Badlands. In ihrem Tal gibt es Erze und bei deren Abbau stören die primitiven Höhlenmenschen nur. Stolz verkündet Lord Nooth, die Steinzeit sei beendet, die Bronzezeit habe begonnen. Doch Dug will sich damit nicht abfinden. Bei seinem Versuch der Gegenwehr verliert er allerdings das Bewusstsein und landet in der Zivilisation der Bronzezeit – ausgerechnet in einer Fußball-Arena, was ihn veranlasst, Lord Nooth herauszufordern: Dugs Steinzeitmannschaft tritt gegen das Eliteteam der Bronzezeit an. Wenn sie gewinnen, bekommen sie ihr Tal zurück, wenn nicht, arbeiten sie bis ans Lebensende für Lord Nooth in den Minen.

Da ist die Welt noch in Ordnung

Zum Glück kann Dug die fußballbegeisterte Goona (Maisie Williams / Palina Rojinski) für seine Idee begeistern. Obwohl sie in der Bronzestadt lebt, ist ihr Traum, einmal in der Arena das entscheidende Tor zu schießen, unerreichbar fern. Denn Fußball ist ein Männersport, Frauen sind auf dem Platz verboten. So modern ist das Bronzezeitalter dann halt doch nicht. Da kommt ihr Dug gerade recht. Jetzt muss Goona nur noch aus dem primitiven Stamm eine Mannschaft formen.

Selbst ist die Frau, die Torjägerin werden will

So brillant komisch und verwegen absurd die Kurzfilme von Nick Park sind, seine Langfilme „Chicken Run – Hennen rennen“ (2000) und „Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ (2005) konnten mich nie überzeugen. Es erfordert einfach eine andere Dramturgie als bei einem 20-Minuten-Film, eine Geschichte und ihre Figuren über anderthalb Stunden interessant zu halten. Für mich wirkte es ein wenig, als seine seine Knetfiguren und all die großartigen Gags, welche die Wallace-und-Gromit-Kurzfilme auszeichnen, und die originellen Ideen wie bei der aus einem Oscar-gekrönten Kurzfilm hervorgegangenen Serie „Creature Comforts“ (2003–2006) nicht für einen abendfüllenden Spielfilm gemacht. Zum Glück ist diese Kritik bei „Early Man“ komplett unangebracht, denn der Film weiß von der ersten bis zur letzten Minute zu überzeugen. Die Charaktere werden über die gesamte Dauer von 89 Minuten nicht langweilig, und Park feuert ausreichend Gags und optische Gimmicks ab, um einen schönen Film für die ganze Familie zu servieren. Und dafür muss man nicht einmal Fußballfan sein.

Vom vierfachen Oscar-Preisträger Nick Park

Klar werden die Kleinen nicht jedes Ray-Harryhausen-Zitat verstehen, aber es zeichnet einen guten Familienfilm schließlich aus, dass jede Altersgruppe ihre eigenen Lacher hat. Park erschafft eine Gruppe an liebenswerten Figuren, die mit dem Hauskeiler Hognob, der zum Schluss auch als Torwart einspringen darf, und dem cleveren Hasen deutlich machen, weswegen Nick Park bereits vier Oscars verdient hat – drei davon für Kurzfilme, den vierten 2006 für „Wallace & Gromit – Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“.

Dribbel-Training auf dem Vulkan

Parks Plastilinfiguren haben liebenswerten Charakter, der süchtig nach mehr macht und wenn man noch Fingerabdrücke auf der einen oder anderen Nase erkennt, dann ist das keine Schludrigkeit, sondern ein überzeugtes Statement, dass der Kampf von Altertum gegen Moderne, der sich auch im Fußballspiel des Films widerspiegelt, auch in der Machart ausgefochten wird. Wenn man im Making-of zu sehen bekommt, wie 1.000 Fußballfans ins Stadion strömen, um die klassischen Stadionschlachtrufe moderner Fußballfans Bronzezeit-gerecht aufzunehmen, kann man den Stolz der Macher und ihrer Helfer verstehen, denn sie haben eine entzückende Geschichte mit Liebe zum Detail umgesetzt. So etwas kann man sich ruhig öfter ansehen.

Das vielseitige Hausschwein: Wachhund, Torwart und sogar Masseur

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tom Hiddleston und Eddie Redmayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Unsere Vorfahren haben auch nur diese kleinen runden Dinger gejagt

Veröffentlichung: 20. September 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Early Man
USA/GB/F 2018
Regie: Nick Park
Drehbuch: Mark Burton, James Higginson
Originalsprecher: Eddie Redmayne, Tom Hiddleston, Maisie Williams, Timothy Spall, Miriam Margolyes, Rob Brydon, Kayvan Novak, Richard Ayoade, Johnny Vegas, Mark Williams, Gina Yashere
Deutsche Sprecher: Friedrich Mücke, Uli Krohm, Kaya Yanar, Palina Rojinski
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Nick Park, Making-of, Featurette Stadionatmosphäre, Wendecover
Label/Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Szenenbilder, Packshot & Trailer: © 2018 Studiocanal Home Entertainment

 

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Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – Ich packe meinen Koffer

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Fantastic Beasts and Where to Find Them

Kinostart: 17. November 2016

Von Matthias Holm

Fantasy // Fünf Jahre sind vergangen, seit mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ der letzte Film über den berühmtesten Zauberlehrling der Welt in die Kinos kam. Doch die Film-Welt wäre nicht die, die sie ist, gäbe es nicht Schlupflöcher, um mit den bekannten und erfolgreichen Franchises noch mehr Inhalte zu produzieren und Geld zu scheffeln. So mag es kaum jemanden verwundert haben, als ein Film zu „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ angekündigt wurde.

FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM

An Englishman in New York

Das Buch umfasst allerdings in der deutschen Übersetzung lediglich 64 Seiten und ist wie ein Schulbuch aufgebaut, mit Erklärungen zu den verschiedenen Wesen, die in der Welt der Zauberer leben. So setzte sich die Autorin J. K. Rowling höchstpersönlich an den Schreibtisch und verfasste aus dieser Vorlage ein Drehbuch, in dem der Autor des Nachschlagewerks für Zauberschüler aus aller Welt die Hauptrolle inne hat – Newt Scamander (Eddie Redmayne).

Mit dem Koffer durch New York

Newt ist nicht im uns bekannten England des Harry Potter unterwegs, sondern im New York des Jahres 1926. Und er reist nicht allein: Bei ihm ist ein Koffer voller magischer Tierwesen. Diese werden von den Zauberern häufig als gefährlich wahrgenommen, doch Newt Scamander hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Wesen zu erforschen und zu verstehen. Durch eine Verwechslung trifft er auf den Nicht-Zauberer – oder Muggle, wie es in England heißt – Jacob Kowalski (Dan Fogler) und die ehemalige magische Polizistin Porpentina Goldstein (Katherine Waterston).

FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM

Tina unterstützt Newt

Unglücklicherweise hat Jacob einen Blick in Newts Koffer geworfen, soass einige der darin hausenden Kreaturen entwischt sind. Doch die kleine Gruppe muss sich nicht nur damit herumschlagen: Die amerikanische Zauberer-Gemeinschaft und ihr oberster Ermittler Percival Graves (Colin Farrell) stehen der Zucht von magischen Tieren äußerst skeptisch gegenüber. Zu allem Überfluss versucht die fanatische Mary Lou (Samatha Morton) mit ihren Kindern, die Welt davon zu überzeugen, dass es Hexen und Zauberer wirklich gibt.

FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM

Präsidentin Picquery und der zwielichtige Graves

Rowling hat aus ihrem schmalen Buch eine Menge herausgeholt. Die Geschichte ist nicht minder komplex als in den großen literarischen Vorlagen, auch wenn bestimmte Gegebenheiten während des Films sehr praktisch für den übergreifenden Plot wirken. Voll zu Geltung kommt vor allem Rowlings Stärke, viele Themen nur kurz anzuschneiden, woraus ein riesiges Universum mit viel Interpretationsspielraum erwächst. Immer wieder werden bestimmte Geschehnisse angesprochen oder erwähnt, die den Fan aufhorchen lassen, oder sogar völlig neue Informationen liefern. Gerade der letztgenannte Punkt ist ein großer Bonus für „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“.

Frei vom Zwang der Bücher

Denn anders als bei den „Harry Potter“-Filmen können sich die Macher kreativ in diesem Franchise austoben, ohne einem vorgeschriebenen Pfad zu folgen. Dabei sorgt Regisseur David Yates dafür, dass sich alles nach „Harry Potter“ anfühlt – immerhin saß er bereits bei den letzten vier Filmen der Hauptreihe auf dem Regiestuhl. Doch etwas abseits wird viel freier mit dem Stoff umgegangen: Komponist James Newton Howard lehnt sich bei seiner Arbeit zwar an den kongenialen Stücken von John Williams an, versetzt diese aber immer wieder mit thematisch passenden Jazz-Klängen. Auch die Geschichte fühlt sich, trotz eines überlangen Finales und den angesprochenen praktischen Zufällen, frisch und neu, aber nie fremd an. Getragen wird das alles durch einen schüchtern-verhuschten Eddie Redmayne als sympathische Hauptfigur, dem jedoch Dan Fogler als nicht-magischer Sidekick das eine oder andere Mal die Show stiehlt.

FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM

Jacob ist mit der Gesamtsituation überfordert

Das Highlight bilden aber tatsächlich die titelgebenden Tierwesen. Früh sorgt ein Niffler, ein maulwurfsartiges Tier mit einer Vorliebe für glänzende und glitzernde Gegenstände, in einer Bank für die ersten Höhepunkte. Und sobald man den Protagonisten das erste Mal in den Koffer von Newt Scamander folgt, will man dort so schnell nicht mehr raus. Überall gibt es kleine Sachen zu entdecken, etwa winzige Insekten und übergroße Mistkäfer. Und sobald die großen Kreaturen auf den Plan treten, muss man vor der Abteilung für Computereffekte den Hut ziehen. Alle Tierwesen haben etwas Majestätisches an sich und bleiben nachhaltig in Erinnerung. Schade nur, dass diese Abschnitte jedes Mal so kurz sind, will man doch viel mehr das Innere des Koffers erkunden als ins graue New York zurückzukehren.

Schön, dass es dich gibt

Vermutlich hat niemand diesen Film gebraucht. Und dennoch ist es eine Wohltat, dass es ihn gibt. Denn auch wenn mit dem Harry-Potter-Theaterstück „The Cursed Child“ das nominell achte Buch hierzulande erhältlich ist, ist es toll zu sehen, was J. K. Rowling aus dem Stoff auf der Leinwand alles herausholen kann. So ist es zu verkraften, dass aus „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ wieder ein fünf Filme umspannendes Franchise gebaut werden soll. Der Grundstein wurde mit diesem Film gelegt und daraus lassen sich viele tolle, neue Geschichten erzählen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Johnny Depp und Eddie Redmayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

FANTASTIC BEASTS AND WHERE TO FIND THEM

Der Niffler sorgt für Ärger

Länge: 133 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Fantastic Beasts and Where to Find Them
GB/USA 2016
Regie: David Yates
Drehbuch: J. K. Rowling, nach ihrer eigenen Vorlage
Besetzung: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Alison Sudol, Samantha Morton, Colin Farrell, Carmen Ejogo, Ezra Miller, Jon Voight, Johnny Depp
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

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Harry Potter and Fantastic Beasts Publishing Rights © JKR.

 
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Verfasst von - 2016/11/16 in Film, Kino, Rezensionen

 

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