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Schlagwort-Archive: Edgar Allan Poe

Horror für Halloween (XX): Die Folterkammer des Hexenjägers – Poe drauf, Lovecraft drin

The Haunted Palace

Von Volker Schönenberger

Horror // Einen der dreistesten Etikettenschwindel der Horrorfilmgeschichte leistete sich das Studio American International Pictures (AIP) 1963: Roger Corman wollte seinem drei Jahre zuvor mit „Die Verfluchten“ gestarteten und bis dato fünf Filme umfassenden Edgar-Allan-Poe-Zyklus eine Pause gönnen. Er verspürte Lust, sich H. P. Lovecraft zuzuwenden und dessen Kurznovelle „Der Fall Charles Dexter Ward“ zu verfilmen. Dabei hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht – eben AIP: Das Studio setzte weiter auf den gegenüber Lovecraft weitaus zugkräftigeren Namen Poe, verpasste dem Film kurzerhand den Titel des Poe-Gedichts „The Haunted Palace“ und ließ ein paar Zeilen daraus einbauen. Das gefiel Corman überhaupt nicht, ändert aber nichts daran, dass er auf „Die Folterkammer des Hexenjägers“ heute noch stolz sein kann. Poes „The Haunted Palace“ war 1839 im „American Museum Magazine“ erschienen. Lovecraft hatte „The Case of Charles Dexter Ward“ 1927 geschrieben, die Geschichte wurde aber erst 1941 im Magazin „Weird Tales“ veröffentlicht – vier Jahre nach dem Tod des Autors. Bei „Die Folterkammer des Hexenjägers“ handelt es sich sogar um die erste Verfilmung einer Lovecraft-Erzählung überhaupt (falls ich mich irre, bitte ich um Nennung der früheren Adaption/en).

Angeführt von Ezra Weeden (Leo Gordon), rotten sich im Jahr 1765 die Bewohner des Städtchens Arkham in Massachusetts zusammen und stürmen das Anwesen von Joseph Curwen (Vincent Price), den sie verdächtigen, schwarze Magie zu praktizieren – zu Recht, wie sich herausstellt. Curwen endet auf dem Scheiterhaufen, nicht ohne vor seinem Tod angekündigt zu haben, er werde aus dem Grab wiederkehren, und seine Henker und all ihre Nachfahren zu verfluchen.

And travellers, now, within that valley,
Through the red-litten windows see
Vast forms that move fantastically
To a discordant melody.

Diese nach dem Prolog eingeblendeten Zeilen aus Poes Gedicht leiten die 110 Jahre später einsetzende Haupthandlung ein. Charles Dexter Ward (Vincent Price) und seine Ehefrau Ann (Debra Paget) treffen in Arkham ein, um ihr Erbe anzutreten: Ward hat den Palast geerbt, Curwen war sein Ururgroßvater. Die Einwohner begegnen dem Ehepaar unwirsch. Ezra Weedens Nachfahre Edgar (Leo Gordon) warnt sie davor, ihren Besitz überhaupt zu betreten. Erst der einzig freundliche Doctor Marinus Willet (Frank Maxwell) weist ihnen den Weg zum seit den damaligen Ereignissen unbewohnten Palast. Ein Ölgemälde zeigt Wards unglückseligen Vorfahr – der Ururenkel schreckt vor der Ähnlichkeit zu ihm selbst zurück. Er scheint das Gebäude obendrein bemerkenswert gut zu kennen. Die Eheleute treffen den Hauswart Simon Orne (Lon Chaney Jr.), der sie bereits erwartet hat.

Wie AIP betrieb auch der deutsche Verleih Etikettenschwindel, denn die Folterkammer eines Hexenjägers – oder irgendeine Folterkammer – gehört nicht zu den Schauplätzen des Films. Offenbar wollte man auf „Witchfinder General“ mit Vincent Price anspielen – deutscher Titel: „Der Hexenjäger“. Der entstand zwar fünf Jahre später, allerdings kamen beide erst 1969 in die deutschen Kinos, „Die Folterkammer des Hexenjägers“ ein halbes Jahr nach „Der Hexenjäger“.

Joseph Curwen stirbt einen grausamen Tod

Ähnlich den Nebelschwaden, die durch den Ort wabern, zieht sich von Beginn an eine rabenschwarze Atmosphäre der Bedrohung und des Grauens durch „The Haunted Palace“. Roger Corman und sein Ausstattungsteam haben ganze Arbeit geleistet, auch wenn einige Masken nach heutigen Maßstäben suboptimal ausgefallen sind. In Arkham kommen ungewöhnlich viele deformierte Menschen zur Welt, oft ganz ohne Augen. Nicht einmal Augenhöhlen haben sie – genau das ist maskentechnisch nicht ganz gelungen ausgefallen. Aber da suche ich das Haar in der Suppe, auch die Mutierten tragen das Ihrige zu der düsteren Stimmung bei, erst recht in einer Szene, in der sich einige von ihnen zusammenrotten und unheilvoll von allen Seiten auf das Ehepaar Ward zustapfen. Eine beängstigende Sequenz, die seinerzeit in den Kinos einiges Schaudern verursacht haben dürfte und das auch heute noch vermag.

Das artifizielle Arkham

Ob die USA (Universal-Horror), das Vereinigte Königreich (Hammer Films) oder das Italien des Mario Bava („Die Stunde wenn Dracula kommt“) – Roger Corman hatte vor „The Haunted Palace“ seine Horror-Hausaufgaben gemacht und sich trefflich inspirieren lassen, wobei er selbst die genannten Felder zweifellos zurückinspirierte. Das Arkham des US-Regisseurs kann und will zu keinem Zeitpunkt seine Studio-Herkunft verleugnen – Realitätsnähe sieht anders aus, das Feld überließ Corman gern anderen. Seine Kulissen sind kunstvoll.

Die Eheleute Ward treten in Arkham ihr düsteres Erbe an

H. P. Lovecrafts kosmisches Grauen manifestiert sich in einer massiv verriegelten Grube tief unten im Keller des Curwen-Palasts. Etwas bewegt sich dort unten, spät bekommt das Publikum es auch zu sehen, doch die bedrohliche Kreatur bleibt unscharf, ebenso wie ihr Daseinszweck und ihre Fähigkeiten. Ist sie telepathisch begabt? Tentakel scheint sie nicht zu haben – um ein altes Chtulhu-Motiv aufzugreifen –, vielleicht aber Schuppen. Sogar der spanische Großinquisitor Torquemada soll viel Zeit an der Grube verbracht haben, wie wir erfahren. Gehört das Wesen zu den „Großen Alten“, jenen mächtigen, kaum greifbaren gottesähnlichen Kreaturen aus Lovecrafts Universum? Viel mehr erfahren wir nicht, Corman war klug genug, nicht jede Frage der Handlung beantworten zu wollen. Damit dürfte er ganz im Geiste Lovecrafts gehandelt haben.

Doppelrolle für Vincent Price

Vincent Price spielt seine markante Mimik voll aus und brilliert in der Doppelrolle als Joseph Curwen und Charles Dexter Ward gleichermaßen. Ein nicht mehr ganz gesund aussehender Lon Chaney Jr. („Der Wolfsmensch“, 1941) taucht in seinem einzigen Roger-Corman-Film als undurchsichtiger Hausverwalter gern unverhofft auf und verschreckt damit besonders Ann Ward. Debra Paget („Die zehn Gebote“, 1956) wird in ihrem letzten Spielfilm etwas verschenkt, ihr Part beschränkt sich auf den der verängstigten Ehefrau und gelegentlichen Stichwortgeberin. Ein Jahr zuvor hatte sie in „Der grauenvolle Mr. X“ („Tales of Terror“) erstmals unter Roger Corman gespielt.

While, like a ghastly rapid river,
Through the pale door
A hideous throng rush out forever,
And laugh – but smile no more.

Mit diesen Zeilen aus Poes Gedicht endet „Die Folterkammer des Hexenjägers“. Lovecraft hin oder her – trotz der erwähnten Flunkerei fügt sich „The Haunted Palace“ ganz wunderbar in Roger Cormans Poe-Zyklus ein. Galt Edgar Allan Poe seinerzeit als deutlich bedeutsamer, hat H. P. Lovecraft im Lauf der Jahrzehnte zu seinem literarischen Kollegen aufgeschlossen, ihn womöglich gar hinter sich gelassen, was den popkulturellen Einfluss angeht. So oder so darf es gern weitere filmische Umsetzungen beider Größen des Grauens geben. Was „Der Fall Charles Dexter Ward“ angeht: Ebenfalls sehenswert ist die in die Moderne verlegte Neuverfilmung „The Resurrected“ von 1991.

Empfehlung: Arrow Video

Über die deutsche Veröffentlichung des Films kann ich mangels Sichtung keine Angaben machen. Ich mag Arrow Video und kann auch in diesem Fall die Blu-ray des englischen Labels nur empfehlen (siehe die ersten drei Fotos). Bild- und Tonqualität, Bonusmaterial, Booklet – alles vorbildlich. Wer keine deutsche Tonspur braucht, ist mit Arrow stets bestens bedient.

Hauswart mit ungesundem Teint

In der ganz H. P. Lovecraft und seinem Einfluss auf die populäre Kultur gewidmeten und hier von mir vorgestellten Erstausgabe der Zeitschrift „Wicked-Vision – Das Magazin für den phantastischen Film“ findet sich ein vierseitiger Artikel über „Die Folterkammer des Hexenjägers“. Das Druckerzeugnis kann im Webshop von Wicked-Vision Media bestellt werden.

Die Ähnlichkeit ist verblüffend

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roger Corman sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Lon Chaney Jr. und Vincent Price unter Schauspieler. Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Regiearbeiten haben wir auch in der Rubrik Filmreihen aufgeführt. Ein lesenswerter Text zu „Die Folterkammer des Hexenjägers“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Veröffentlichung: 24. März 2016 als Blu-ray in der Box „Meisterwerke des Horrors (mit „Tanz der Totenköpfe“, Das Haus der langen Schatten“ und „Lebendig begraben“), 14. April 2015 als Blu-ray und DVD (unter dem Titel „Das Schloss des Grauens), 25. Mai 2012 als Blu-ray und DVD, 7. August 2003 als DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Haunted Palace
USA 1963
Regie: Roger Corman
Drehbuch: Charles Beaumont, nach einem Gedicht von Edgar Allan Poe (Titel) und dem Roman „Der Fall Charles Dexter Ward“ von H. P. Lovecraft
Besetzung: Vincent Price, Debra Paget, Lon Chaney Jr., Frank Maxwell, Leo Gordon, Elisha Cook Jr., John Dierkes, Milton Parsons, Cathie Merchant, Guy Wilkerson
Zusatzmaterial: Trailer
Label/Vertrieb 2015: Ascot Elite Home Entertainment
Label 2012: Spirit Media
Vertrieb 2012: Koch Films
Label/Vertrieb 2003: EMS GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot deutsche Blu-ray „Das Schloss des Grauens“: © 2015 Ascot Elite Home Entertainment, Packshot deutsche Blu-ray „Die Folterkammer des Hexenjägers“: © 2012 Spirit Media

 

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Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen: Schauermär um grausame Psychiatrie

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Eliza Graves

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // In einem Hörsaal in Oxford führt ein Irrenarzt (Brendan Gleeson) im Jahr 1899 einer Schar Medizinstudenten eine junge Frau (Kate Beckinsale) vor, die an Hysterie leide. Zur Sicherheit habe er ihr Heroin verabreicht.

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Edward Newgate (l.) nimmt seine Arbeit auf

Szenenwechsel: Oxford-Absolvent Edward Newgate (Jim Sturgess) kommt im Stonehearst Asylum an, einer abgelegenen Einrichtung für psychisch Gestörte, in der er nach seinem Studium nun praktische Erfahrungen sammeln will. Anstaltsleiter Dr. Silas Lamb (Ben Kingsley) führt das Stonehearst Asylum mit ungewöhnlichen Methoden, verzichtet weitgehend auf medikamentöse Betäubung der Patienten. Einige Mitarbeiter wecken zwar Newgates Misstrauen, etwa der grobe Mickey Finn (David Thewlis); immerhin lernt er mit Eliza Graves auch eine aparte junge Frau kennen (die Zuschauer erkennen sie als die Patientin aus dem Prolog wieder). Als Newgate jedoch eines Nachts in die Kellerräume des Gebäudes vordringt, macht er eine grauenerregende Entdeckung.

Nach einer Erzählung von Edgar Allan Poe

Immer wieder faszinierend, wie aus kurzen Erzählungen von Edgar Allan Poe abendfüllende Spielfilme werden können. In diesem Fall ist es „The System of Dr. Tarr and Prof. Fether“, erstmal im Jahr 1845 veröffentlicht. Regisseur Brad Anderson macht daraus eine wendungsreiche Gothic-Schauermär, die die recht simple Auflösung der Vorlage zwar aufgreift, aber weit hinter sich lässt. Das liegt nicht zuletzt an dem erlesenen Ensemble – diverse Figuren erhalten ausreichend Raum zur Entfaltung ihrer Ab- und Hintergründe. Auch mit der gediegenen Ausstattung und den Kulissen punktet das Drama, es entfaltet sich eine sehr schöne viktorianische Atmosphäre, in der man allerdings gewiss nicht als psychisch Kranker auffällig werden sollte.

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Was verbirgt Anstaltsleiter Silas Lamb?

Edgar Allan Poe mag beim Schreiben eine Anklage gegen die unwürdige und nach heutigen Maßstäben menschenverachtende Behandlung psychisch Kranker in geschlossenen Einrichtungen im Sinn gehabt haben. Dies greift auch „Stonehearst Asylum“ auf – und das funktioniert gut, auch wenn es sich nicht mehr auf heute übertragen lässt. Milos Formans „Einer flog über das Kuckucksnest“ (1975) lässt aber grüßen. Auch „Bedlam“ (1946) mit Boris Karloff sei am Thema Interessierten ans Herz gelegt. Des Weiteren beschäftigt sich die Serie „American Horror Story – Asylum“ mit Zuständen in einer psychiatrischen Einrichtung.

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Weiß Eliza Graves mehr?

Die Karriere von Regisseur Brad Anderson lässt sich nur schwer greifen. Zwar hat er schon zu einem frühen Zeitpunkt seiner Laufbahn mit den verstörenden „Session Nine“ (2001) und „The Machinist“ (2004) nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht, doch damals wie heute ist er hauptsächlich fürs Fernsehen tätig, nur gelegentlich unterbrochen von Kinoausflügen wie dem Krimidrama „Transsiberian“ (2008), dem Horrorthriller „Die Herrschaft der Schatten“ (2010) und dem Kidnapping-Thriller „The Call – Leg nicht auf“ (2013). Derzeit dreht er den Politthriller „High Wire Act“ mit Rosamund Pike und Jon Hamm. Mit „Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen“ hat er wieder einmal seine eigene Handschrift gezeigt und Vorfreude auf mehr geweckt. Gern häufiger auf der großen Leinwand!

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Ein geheimnisvoller Gefangener

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Caine, Jason Flemyng, Brendan Gleeson und Ben Kingsley sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 30. Januar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 113 Min. (Blu-ray), 108 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Eliza Graves
USA 2014
Regie: Brad Anderson
Drehbuch: Joe Gangemi, nach einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe
Besetzung: Kate Beckinsale, Jim Sturgess, Michael Caine, Ben Kingsley, Brendan Gleeson, David Thewlis, Jason Flemyng, Sophie Kennedy Clark, Sinéad Cusack
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Universum Film

 

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Stadt im Meer – Unter dem Ozean lebt sich’s länger

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The City Under the Sea

Von Volker Schönenberger

SF-Abenteuer // Von seinen frühen Horror-Meisterwerken „Katzenmenschen“ und „Ich folgte einem Zombie“ oder dem genialen Film noir „Goldenes Gift“ ist Jacques Tourneurs letzter Kinofilm „Stadt im Meer“ qualitativ weit entfernt. Vincent Price adelt ihn aber, und die mal stilvolle, mal alberne Inszenierung macht ihn durchaus kurzweilig.

Vincent Price als Schmuggler-Kapitän

An der Küste von Cornwall wird die Leiche eines Mannes an den Strand gespült. Er war Gast im Hotel der jungen Jill (Susan Hart). Kurz darauf dringt eine sonderbare Kreatur ins Hotel ein und entführt die Besitzerin – es scheint ein Kiemenmann zu sein. Ihr Freund Harold (David Tomlinson) und der Hotelgast Ben (Tab Hunter) nehmen die Verfolgung auf und gelangen in die von Vulkanen umgebene Unterwasserstadt Lyonesse. Dort lebt seit langer Zeit eine vom Kapitän Sir Hugh (Vincent Price) angeführte Schmugglergesellschaft, deren Mitglieder nicht zu altern scheinen.

Nach einem Gedicht von Edgar Allan Poe

Der Anfang mit dem angespülten Toten und dem Eindringen der Kreatur ins Hotel verheißt eine Spannung, die „Stadt im Meer“ im Verlauf nicht einhält. Lose auf dem Gedicht „The City in the Sea“ von Edgar Allan Poe basierend, wollten die Produzenten offenbar auf den Zug aufspringen, den Roger Corman mit seinem Poe-Zyklus in Fahrt gesetzt hatte. Das ist nur leidlich gelungen. Kostüme und Kulissen sind von uneinheitlicher Qualität – mal erscheint die Ausstattung sorgfältig und durchdacht, mal reizt der Anblick zum Schmunzeln, ohne dass das beabsichtigt war. Die unter dem Ozean lebende Gesellschaft ist obendrein unzulänglich skizziert. Sogar ein Hahn darf eine – nun ja – tragende Rolle spielen, so tragend, dass er sogar in den Credits verewigt worden ist: Herbert hieß er.

In den USA sogar auf Blu-ray erschienen

Das kann man sich schon mal anschauen, aus historischem Interesse allemal. Alles in allem wird „Stadt im Meer“ mich aber nicht zu einer zweiten Sichtung motivieren. In den USA ist der Film unter dem alternativen Titel „War-Gods of the Deep“ sogar auf Blu-ray erschienen. Die recht einfach aufgemachte deutsche DVD überzeugt immerhin mit anständigem Bild. Für Tourneur- und Price-Komplettisten ist sie natürlich Pflicht – aber auch nur für die.

Jacques Tourneur bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Katzenmenschen (1942)
Ich folgte einem Zombie (1943)
The Leopard Man (1943)
Feuer am Horizont (1946, Rezension folgt in Kürze)
Goldenes Gift (1947)
Wichita (1955, geplant)
Der Fluch des Dämonen (1957)
Stadt im Meer (1965)

Vincent Price bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Die Fliege (1958)
House on Haunted Hill (1959)
Schrei, wenn der Tingler kommt (1959)
Die Verfluchten (1960)
Das Pendel des Todes (1961)
Die Maske des Roten Todes (1964)
Stadt im Meer (1965)
Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes (1971)
Die Rückkehr des Dr. Phibes (1972)
Theater des Grauens (1973)
Das Haus der langen Schatten (1983)

Veröffentlichung: 22. Mai 2015 als DVD

Länge: 81 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The City Under the Sea
Alternativtitel: War-Gods of the Deep
GB 1965
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Charles Bennett, Louis M. Heyward
Besetzung: Vincent Price, David Tomlinson, Susan Hart, Tab Hunter, John Le Mesurier, Henry Oscar, Derek Newark, Roy Patrick
Zusatzmaterial: Trailer, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2016 Al!ve AG / Cosmopolitan Pictures

 

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