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Marcus Stiglegger – Verdichtungen: Über den Zusammenhang von Mythos und Moderne im Film

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Verdichtungen

Gastrezension von Simon Kyprianou

Filmliteratur // Die Texte dieses Bandes ergründen die vielschichtige Dialektik zwischen Mythos und Moderne vor allem mit Blick auf die populäre Kultur und ihre Medien, um daraus deren Ikonologie und Mythologie verständlich zu machen.

So fasst Marcus Stiglegger sein Buch „Verdichtungen – Zur Ikonologie und Mythologie populärer Kultur“ zu Beginn des letzten Kapitels sehr schön und kompakt selbst zusammen. Es ist eine Arbeit über den Zusammenhang von Mythos und Moderne, über den Zusammenhang vermeintlicher Gegensätze, die öfter aufeinanderprallen als man vielleicht vermuten mag.

Einstieg mit Clint Eastwood

Schon die Eröffnung von Stigleggers Buch bereitet Vergnügen: ein Szenenfoto aus Clint Eastwoods „Pale Rider – Der namenlose Reiter“, einem Film, der ganz wunderbar mit Ikonographie spielt (und der beizeiten in der Clint-Eastwood-Reihe von „Die Nacht der lebenden Texte“ vorgestellt werden wird). Dieses Foto ebnet der Thematik des Buchs den Weg.

Stiglegger entfernt sich mit „Verdichtungen“ aber von dem Fokus auf Genre und vom Fokus auf einen bestimmten Filmemacher, vielmehr widmet er sich seiner keinesfalls leichten Grundfragestellung. Dabei geht er kaleidoskopisch vor, nähert sich der Frage von allen Seiten. Er untersucht dabei Themen wie Transzendenz, Opferrituale, Zombies, ikonische Momente, Stars, die Vergänglichkeit des Ikonischen und das Heldenbild in der Modere. In stets kurzen Kapiteln geht er auf die verschiedenen Arten der Ikonen ein, gibt einen Überblick über seine Gedankengänge, wobei er durchaus in die Tiefe geht.

George A. Romero und seine Zombies

Dabei sind seine Thesen mal brillant, hier und da auch mal streitbar, aber niemals beliebig, niemals uninteressant. Obendrein formuliert Stiglegger stets wunderbar. Besonders das Kapitel über Zombies ist wunderbar gelungen. Darin bezieht er sich vornehmlich auf George A. Romeros Filme und ihre politische und ideologische Ausrichtung. Ebenso aufschlussreich ist seine Analyse der Ikonen des Starsystems und deren Vergänglichkeit. Seine herangezogenen Filmbeispiele sind dabei weitläufig: Sie reichen von „Gladiator“ und „Die Passion Christi“, über „Martyrs“ bis hin zu „Das verflixte 7. Jahr“.

Stiglegger legt mit „Verdichtungen“ ein durch und durch wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes Werk vor, dass sich Popkultur im Allgemeinen und Film im Besonderen nähert – und das von einer ungewöhnlichen, aber hochinteressanten Seite. Mit 170 Seiten Länge ist es ebenso elegant knapp gehalten wie sein klangvoller Titel. Ein überaus lesenswertes Buch, sehr ambitioniert und mit äußerst aufschlussreichen Erkenntnissen zur Beschäftigung mit Popkultur.

Zur Person Marcus Stiglegger

Über den Autor: Der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger hat laut eigenen Angaben einen „Hang zum Ungewöhnlichen“. Neben Professuren und Dozententätigkeit an verschiedenen Hochschulen ist er regelmäßiger Kolumnist für „Deadline – Das Filmmagazin“. Er produziert Bonusmaterial für die Labels Camera Obscura, FilmArt, Subkultur, Anolis, X Rated und ’84 Entertainment. Stiglegger ist zudem Musiker (Vortex, MARS) und hat 1999 das Drehbuch zur Episode „Auge um Auge“ der TV-Serie „Der Fahnder“ geschrieben.

Unter seinen zahlreichen Publikationen: „David Cronenberg“ (Bertz + Fischer, 2014), „Kurosawa – Die Ästhetik des langen Abschied“ (edition text + kritik, 2014), „Dario Argento – Anatomie der Angst“ (Bertz + Fischer, 2013), „Nazi-Chic und Nazi-Trash – Faschistische Ästhetik in der populären Kultur“ (Bertz + Fischer, 2011), „Terrorkino – Angst/Lust und Körperhorror“ (Bertz + Fischer, 2010), „Filmgenres – Kriegsfilm“ (Reclam, 2006), „Filmgenres – Western“ (Reclam, 2003)

Autor: Marcus Stiglegger
Deutsche Erstveröffentlichung: 17. September 2014 als Taschenbuch
168 Seiten
Verlag: Eisenhut Verlag Silvia Stolz-Wimbauer, Hagen-Berchum
Preis: 12,90

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

 

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