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Hard Powder – Blutige Racheorgie im Schnee

Cold Pursuit

Kinostart: 28. Februar 2019

Von Iris Janke

Actionthriller // In den Bergen der Rock Mountains türmt sich der Schnee meterhoch rechts und links der Straße. Dafür, dass die Bewohner des kleinen Örtchens Kehoe trotz des vielen Schnees von A nach B kommen, sorgt Schneepflugfahrer Nels Coxman (Liam Neeson). Und weil er zu den extrem pflichtbewussten Männern gehört, die die Straße Tag und Nacht räumen, wird er sogar zum „Bürger des Jahres“ gewählt. Coxman fühlt sich zwar geehrt, doch statt große Dankesworte zu schwingen, kehrt er gleich zum Tagesgeschäft in sein riesiges Räumfahrzeug zurück und genießt die Ruhe zwischen den weißen Schneebergen.

Schnee ist sein Element: Nels Coxman

Umso härter trifft es ihn, als er und seine Frau Grace (Laura Dern, „Wild at Heart“) von der Polizei ins örtliche Leichenschauhaus bestellt werden. Der Grund: Ihr gemeinsamer Sohn Kyle ist dort aufgebahrt, die beiden bekommen zu hören, Kyle sei an einer Überdosis gestorben. Beide sind fassungslos, können nicht glauben, dass ihr braver Sohn drogensüchtig gewesen sein soll und sie davon absolut nichts mitbekommen haben. Grace verfällt in tiefe Depression, Nels hingegen macht sich pragmatisch auf die Suche nach der Wahrheit. Schnell erfährt er, dass der Drogenboss Trevor „Viking“ Calcote (Tom Bateman, „Mord im Orient Express“) hinter dem Tod seines Sohnes zu stecken scheint, und startet einen blutigen Rachefeldzug, dessen Opfer originelle Spitznamen wie Speedo, Santa und Limbo tragen und auf Nimmerwiedersehen in der Schneeidylle verschwinden.

Hinter dem Steuer seines Schneepflugs blüht Coxman auf

Hauptdarsteller Liam Neeson, spätestens seit dem ersten „96 Hours“-Teil auf den wortkargen Rächer spezialisiert, schlüpft perfekt in die Rolle des eigenbrötlerischen Schneepflugfahrers, der im Original von Stellan Skarsgård gespielt wird – denn bei „Hard Powder“ handelt es sich um das US-Remake der norwegischen Thriller-Groteske „Einer nach dem anderen“ („Kraftidioten“, 2014) von Hans Petter Moland. Die Tatsache, dass Moland auch das US-Remake des blutigen Frost-Thrillers verfilmt hat, ist gut und schlecht zugleich. Moland sorgt dafür, dass „Hard Powder“ nicht wesentlich schlechter geworden ist als das norwegische Original, zugleich fehlt frischer Wind. Ein Schuss Ironie ist zweifelsohne auch im US-Remake enthalten, trotzdem wirkt der blutlastige Rachethriller mit an die 20 Toten zu Blockbuster-mäßig und weichgespühlt. Trotzdem gelingt Moland auch hier ein durchaus solider Film, und wer das Original nicht kennt oder es auch nicht sehen will, wird nichts vermissen. Schade nur, dass sich offenbar nach wie vor nur wenige US-Zuschauer dazu durchringen können, einem gelungenen ausländischen Film eine Chance zu geben und sich stattdessen Hollywood-Remakes vorsetzen lassen. Liegt das wirklich nur am Fehlen einer amerikanischen Synchronisationskultur?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Laura Dern haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Michael Eklund und Liam Neeson unter Schauspieler.

Auf Drogenboss Viking (l.) hat es der trauernde Vater abgesehen

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Cold Pursuit
GB/NOR/KAN/USA/F 2019
Regie: Hans Petter Moland
Drehbuch: Frank Baldwin
Besetzung: Liam Neeson, Emmy Rossum, Laura Dern, Tom Bateman, Julia Jones, Domenick Lombardozzi, William Forsythe, Elysia Rotaru, John Doman, Raoul Max Trujillo, Michael Eklund
Verleih: Studiocanal Filmverleih

Copyright 2019 by Iris Janke

Filmplakate, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Studiocanal Filmverleih

 

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Das Glück an meiner Seite – In den Fängen von ALS gedeihen Freundschaft und Liebe

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You’re Not You

Drama // Die im Sommer 2014 gestartete Ice Bucket Challenge nervte irgendwann, aber sie rückte immerhin eine tückische Krankheit ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und spülte Geld in ihre Erforschung und Behandlung: ALS – die nach wie vor unheilbare Amyotrophe Lateralsklerose. Sie führt zu Muskelschwund, Muskelzuckungen, Lähmungen, Sprech- und Schluckstörungen und nach drei bis fünf Jahren schließlich zum Tod.

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Ihr 35. Geburtstag wird für Kate zum Wendepunkt

In „Das Glück an meiner Seite“ erkrankt die Pianistin Kate (Hilary Swank) an ALS. Erste Symptome bemerkt sie an ihrem 35. Geburtstag, den sie im Kreis von Freunden und mit ihrem Ehemann Evan (Josh Duhamel) verbringt. Anderthalb Jahre später ist Kate zu einer berufsunfähigen und pflegebedürftigen Patientin geworden. Die Eheleute engagieren gegen den Willen von Evan Bec (Emmy Rossum) als Hilfskraft. Die chaotische und unzuverlässige junge Frau bringt den geordneten Haushalt von Kate und Evan gehörig durcheinander.

Auf dem Tisch bitte Untersetzer!

Kontraste spielen eine große Rolle in „Das Glück an meiner Seite“ – in der ersten Hälfte des Films eine zu große. Da muss dann noch mal und noch mal drauf hingewiesen werden, wie groß die Unterschiede zwischen Kate und Evan auf der einen und Bec auf der anderen Seite sind – und sei es, weil Bec am Couchtisch der Eheleute keinen Getränkeuntersetzer verwendet.

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Ehemann Evan steht ihr anfangs bei

Hilary Swanks zweite Oscar-Rolle „Million Dollar Baby“ (2004) war ein deutliches Plädoyer für Sterbehilfe. Dieses Thema klingt aber nur am Ende von „Das Glück an meiner Seite“ an, dann natürlich mit Macht. Bis dahin geht es vornehmlich um die beiden Frauen und ihren Platz im Leben: Kann Kate die kurze Zeit, die ihr noch bleibt, zumindest mit etwas Lebensmut und -freude füllen? Findet Bec endlich einen Weg, ihr Leben selbstbestimmt souverän zu gestalten? Sie hat viele Baustellen zu beackern – ein Verhältnis mit ihrem verheirateten Professor (Julian McMahon, „Nip/Tuck“), die Entfremdung von ihren Eltern (Marcia Gay Harden, Gareth Williams), ihre Ambitionen als Sängerin, die unter anderem an ihrem chronischen Lampenfieber scheitern. Etwas zu viele Baustellen, die Figur wirkt überladen.

Ein Ehepaar voller Lebensmut

Das Plädoyer für Lebensfreude auch in fatalen Situationen ist immer dann am stärksten, wenn die Eheleute Marilyn (Loretta Divine) und John (Ernie Hudson) ins Spiel kommen. Auch Marilyn ist an ALS erkrankt, John pflegt sie mit unerschütterlicher Liebe. Bei beiden lernen Kate und Bec eine Menge. Evan ist zu dem Zeitpunkt etwas außen vor, seine Figur ist ohnehin recht konturenlos – gegen Ende wird das etwas besser.

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Kann Kate im Angesichts des Todes Lebensfreude bewahren?

Für Schauspieler ist es sicher eine Herausforderung, sich mit Schwergewichten ihres Metiers zu messen – aber eine gefährliche. In diesem Fall können die anderen Akteure Hilary Swank erwartungsgemäß nicht das Wasser reichen. Swank scheint das Krankheitsbild gut studiert zu haben – eine ALS-Beraterin gab es am Set allerdings auch, wie der Abspann verrät. Es ist aber natürlich für eine versierte Schauspielerin eine dankbare Rolle und im Umkehrschluss für ihre Mitspielerinnen und Mitspieler etwas undankbar.

Ähnlichkeit mit „Ziemlich beste Freunde“

„Das Glück an meiner Seite“ erinnert etwas an „Ziemlich beste Freunde“ (2011), wobei der französischen Komödie mit Omar Sy die Tragik abgeht, dem ALS-Drama dafür die komödiantische Tonalität. Bisweilen schrammt „Das Glück an meiner Seite“ haarscharf an der Rührseligkeit vorbei. Großes Krankheitskino ist das nicht, aber gut gemeint und letztlich passabel. Taschentücher dürfen bereitgehalten werden.

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Mit Bec (r.) als Pflegerin ändert sich für Kate einiges

Passend zum Film haben sich selbstverständlich auch Hilary Swank und Emmy Rossum seinerzeit an der Ice Bucket Challenge beteiligt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Marcia Gay Harden und/oder Hilary Swank sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Veröffentlichung: 27. August 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: You’re Not You
USA 2014
Regie: George C. Wolfe
Drehbuch: Shana Feste, Jordan Roberts, nach einem Roman von Michelle Wildgen
Besetzung: Hilary Swank, Emmy Rossum, Josh Duhamel, Marcia Gay Harden, Stephanie Beatriz, Jason Ritter
Zusatzmaterial: Originaltrailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 Koch Media

 

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