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Alles steht Kopf – Mitreißende Reise durch den Kopf

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Inside Out

Kinostart: 1. Oktober 2015

Gastrezension von Matthias Holm

Computertrick-Abenteuer // Ein Einspielergebnis von 91,1 Millionen US-Dollar am Startwochenende – damit hatte „Alles steht Kopf“ den besten Start eines originalen Filmstoffs überhaupt (kein Sequel und keine Verfilmung einer Vorlage wie etwa eines Romans). Und das ist berechtigt, denn „Inside Out“, so der Originaltitel, ist der wohl beste Pixar-Film seit „Toy Story 3“ und damit auch der beste Animations-Film seit langer Zeit.

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So sieht es in Rileys Kopf aus

Jeder Mensch hat sie: Emotionen. Das erste Gefühl, das Riley hat, ist Freude. Doch schon bald teilt sie sich die Kommandozentrale in Rileys Kopf mit anderen Emotionen: Da sind Wut, Ekel, Angst und Kummer. Gerade mit Kummer tut sich Freude etwas schwer – schließlich ist Riley immer traurig, wenn Kummer die Steuerkonsole übernimmt. Als Riley elf Jahre alt wird, steht ihr eine große Veränderung vor – sie zieht mit ihren Eltern (im Original gesprochen von Diane Lane und Kyle MacLachlan) aus dem beschaulichen Minnesota nach San Francisco. Ausgerechnet jetzt gibt es einen Eklat in Rileys Kopf und nach einem Handgemenge werden Freude und Kummer aus der Kommandozentrale abgezogen – die beiden landen im Bereich gespeicherter Erinnerungen. Doch wie soll sich Riley in ihrer neuen Umgebung nur mit Wut, Angst und Ekel zurechtfinden?

Gehen Pixar die Ideen aus? Von wegen!

Der letzte Originalfilm von Pixar, „Merida – Legende der Highlands“ von 2012, war zwar ein schöner Familienfilm, jedoch vermisste man die für Pixar typische Kreativität und überbordende Fantasie. Danach kam dann auch noch das konventionelle Prequel „Die Monster-Uni“ und schon wurden die ersten Stimmen laut, Pixar hätte keine Ideen mehr. Das kann das Computertrick-Studio natürlich nicht auf sich sitzen lassen, deshalb schießt Pixar mit „Alles steht Kopf“ aus allen Rohren.

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Kummer fliegt davon

Schon die Grundidee ist so simpel wie genial: Die Menschen werden von fünf zentralen Emotionen direkt gesteuert. Und wenn Kummer und Freude ihren Weg zurück in die Kommandozentrale suchen, gibt es für die Vorstellungskraft der Macher kein Halten mehr. Sei es das Vergessen, abstraktes Denken oder Wünsche – alles wird auf unglaubliche Weise visualisiert.

Bing Bong in der Seifenkiste

So ist die Traumfabrik natürlich eine Institution à la Hollywood, eklige oder beängstigende Gedanken werden einfach tief ins Unterbewusstsein gesperrt. Begleitet werden Freude und Kummer auf ihrer Reise von Rileys altem imaginären Freund: Bing Bong (Richard Kind) ist eine rosa Mischung aus Elefant und Delfin, der in einer Seifenkiste mit Raketen zum Mond fliegt.

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Freude ist nicht mehr allein im Kopf

Dieser Teil der Geschichte ist für Groß und Klein ein absolutes Vergnügen – doch er steht auch im engen Verhältnis zu Rileys Erlebnissen in der neuen Stadt. Sämtliche Handlungen des Mädchens finden ihren Ursprung in den Bildern, die der Zuschauer zu sehen bekommt. Und auch wenn Riley sich sehr klischeehaft verhält, kann der Zuschauer ihre Reaktionen doch durch diese Erzählweise stets nachvollziehen. Hier kommt endlich wieder der Funken Anspruch, der Pixar-Filme auch für Erwachsene interessant werden lässt.

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Die ganze emotionale Bandbreite

Zum Glück sitzt ein Pete Doctor auf dem Regie-Stuhl. Der Mann, der in „Oben“ innerhalb von zehn Minuten eine absolut herzzerreißende Liebesgeschichte ohne Worte inszeniert hat, hat ein wunderbares Gespür dafür, wann er das Tempo erhöht und wann er ruhige Momente einstreut. So wird der Film niemals hektisch oder gar anstrengend, trotz der Fülle an Ideen. Außerdem weiß Doctor ganz genau, an welchen Reglern er drehen muss, um auch bei den Zuschauern Emotionen auszulösen.

Ein Irrsinnsfinale

Am Ende gibt es eine zwar nicht wirklich kreative, aber doch konsequente Moral. Und danach darf sich Doctor mit seinem Team noch einmal so richtig austoben: Hat man vorher schon geschmunzelt und die eine oder andere Träne verdrückt, sind die letzten Minuten des Films so irrsinnig geworden, dass man einfach weinen muss – und zwar vor Lachen.

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Wenn Wut das Steuer übernimmt …

„Alles steht Kopf“ ist ein großer Wurf. Witzig, klug, mit dem Herz am rechten Fleck und – „Avengers – Age of Ultron“ und „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ zum Trotz – vielleicht mein Film des Jahres. Natürlich ist auch der Kurzfilm „Lava“ vorher ganz wunderbar – eine Geschichte über einen Vulkan, der sich so gern verlieben möchte, komplett gesungen und mit Ukulele unterlegt. Mit einem Kinoticket kann man also absolut nichts falsch machen.

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… wird es feurig

Länge: 94 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Inside Out
USA 2015
Regie: Pete Docter, Ronnie Del Carmen
Drehbuch: Meg LeFauve, Josh Cooley, Pete Doctor
Originalstimmen: Amy Poehler, Phyllis Smith, Bill Hader, Lewis Black, Mindy Kaling, Kaitlyn Dias, Richard Kind, Diane Lane, Kyle MacLachlan
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2015 by Matthias Holm

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2015 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

 
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Verfasst von - 2015/09/30 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Black Rock Shooter – Complete: Emotionsbewältigung durch Kampf

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Gastrezension von Matthias Holm

Anime-Serie // Mato ist ein fröhliches, junges Mädchen. Da ihre Mitschülerin Yomi immer allein ist, möchte sich Mato mit ihr anfreunden. Damit tritt sie eine Welle von Ereignissen los, die immer größere Ausmaße annehmen und in der Matos Träume eine wichtige Rolle spielen. In diesen nämlich kämpft das Wesen Black Rock Shooter gegen andere Erscheinungen, die den Mädchen aus der Realität sehr ähnlich sehen.

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Black Rock Shooter kennt keine Gnade

Nur acht Folgen umfasst dieser Anime – verdammt kurz, wenn man es mit Serien wie „Psycho-Pass“ und „Soul Eater“ vergleicht. In diesem Fall ist es jedoch genau die richtige Anzahl an Episoden. Viel mehr hätte mein Kopf vermutlich nicht verkraftet. Denkt man anfangs noch, in der Welt von „Black Rock Shooter“ würden lediglich die inneren Konflikte der Mädchen aus ihrer Realität auf coole Weise visualisiert, kommen ab der dritten Folge immer mehr Verknüpfungspunkte zutage, die beide Welten vereinen.

Ein weiterer Vorteil der geringen Folgenzahl: Man kann alle in einem Rutsch durchgucken. Das ist zwar nicht zwingend notwendig, aber doch stark zu empfehlen. Ich habe es so gemacht und hatte trotzdem nicht immer den Überblick, welche Symbolik was genau bedeuten soll. Auch wenn das alles nicht annähernd so komplex ist wie bei „Evangelion“, macht es einfach Spaß, der immer bizarrer werdenden Geschichte bis zum etwas kitschigen Ende zu folgen. Im Grunde genommen geht es bei Black Rock Shooter ums Erwachsenwerden und darum, sich seinen Gefühlen zu stellen. Und obwohl alle Hauptfiguren weiblich sind, kann sich auch der männliche Zuschauer mit dieser Thematik wunderbar identifizieren.

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Gleich geht die Post ab

Während die reale Welt in herkömmlichen Anime-Stil gehalten ist, glänzt das Reich von Black Rock Shooter mit einem ungewöhnlichen Look. Grund dafür ist das Studio Sanzigen, das die komplette Welt als ein einziges, großes CGI-Ungetüm erschaffen hat. Das verleiht beiden Welten eine eigenständige Identität, wobei sie auf eigentümliche Weise doch zusammengehören – was in Anbetracht der Geschichte Sinn ergibt. Da zur Rezension die DVD vorlag und ich selbst da von den Bildern begeistert war, wird die Blu-ray wohl noch eine Schippe drauflegen. Warum man allerdings die Extras auf eine separate Disc gepackt hat, weiß wohl nur der Hersteller.

Ursprünglich war „Black Rock Shooter“ lediglich eine Illustration des Künstlers Ryohei Fuke. Nachdem jedoch die Band Supercell in Zusammenarbeit mit Fuke und dem Vocaloid Hatsune Miku einen Song zu dem Charakter aufnahm – zu hören im Vorspann der Serie –, entwickelte sich „Black Rock Shooter“ zu einem multimedialen Phänomen. Nach zwei Jahren kommt diese Serie nun auch nach Deutschland und bekommt sogar eine vernünftige Synchronisation spendiert. Danke dafür, Nipponart, denn sonst wäre mir eine interessante Erfahrung verwehrt geblieben.

Die Episoden der Serie:

1. How Much Louder Do I Have to Shout?
2. Dawn Envelopes the Sky
3. That So Full of Tears Endured
4. The World I Dreamed of One Day Closes Up
5. Black Rock Shooter
6. The Hope from When It Shouldn’t Have Existed
7. Wish Upon the Star Shooting Through the Dark
8. Overcome the World

Veröffentlichung: 30. Mai 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 200 Min. (Blu-ray), 200 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Burakku Rokku Shuta
JAP 2012
Regie: Shinobu Yoshioka, Hiroyuki Imaishi
Drehbuch: Mari Okada
Zusatzmaterial: Making Of, Clean Opening, Clean Ending, Trailershow, Postkarten
Vertrieb: Nipponart

Copyright 2014 by Matthias Holm
Szenenbilder & Packshot: © 2014 Nipponart

 

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