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It Comes at Night – Endzeitstimmung im Wald

It Comes at Night

Kinostart: 18. Januar 2018

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // Eine tödliche Pandemie hat die Erde heimgesucht und große Teile der Menschheit ausgelöscht. Paul (Joel Edgerton) und seine Frau Sarah (Carmen Ejogo) haben sich mit ihrem Teenager-Sohn Travis (Kelvin Harrison, Jr.) und dessen Hund Stanley in ihrem einsamen Haus im Wald verschanzt. Sarahs Vater ist dennoch angesteckt worden, die Eheleute geben ihm den Gnadenschuss und verbrennen den Leichnam in einer Grube im Wald.

Beerdigung in Zeiten der Pandemie

In der folgenden Nacht überwältigt Paul im Haus einen Eindringling (Christopher Abbott). Er bindet ihn draußen an einen Baum und stülpt ihm einen Sack über den Kopf. So lässt er ihn über Nacht zurück, um sicherzustellen, dass der Mann nicht den Erreger der Seuche in sich trägt. Will, so der Name des Fremden, berichtet, er sei auf der Suche nach Nahrung und Wasser für seine Frau Kim (Riley Keough) und seinen Sohn Andrew (Griffin Robert Faulkner). Sarah überzeugt ihren Mann, die drei aufzunehmen.

Niemals nachts in den Wald!

In den beengten Verhältnissen versuchen sich die beiden Familien einigermaßen einzurichten. Paul erklärt den Neuankömmlingen die Regeln, die sicherstellen sollen, dass das Dasein Struktur hat. Wichtigste Regel: „Wir gehen nachts nie nach draußen.“ Ab und zu isst das Sextett gemeinsam, auch ein Brettspielabend bringt gelegentlich Abwechslung. Der enorme Überlebensdruck zehrt jedoch zunehmend an den Nerven.

Ein Eindringling wird gestellt

Unten habe ich den Trailer eingebettet, weil er nach Lektüre dieser Rezension keinen Schaden anrichtet. Bedeutende Spoiler enthält er nicht, das hat man schon ganz anders gesehen. Allerdings erweckt er den Eindruck, bei „It Comes at Night“ handle es sich um einen handfesten Horrorschocker – das ist mitnichten der Fall. Aufgrund einiger Horrorelemente und der tödlichen Bedrohung habe ich mich für das Genre Horrordrama entschieden. Jump-Scares gibt es jedenfalls keine.

Kammerspiel mit zwei Familien

Über weite Strecken haben wir es mit einem fesselnden Kammerspiel zu tun, in welchem zwei kleine Familien in einer Situation verharren müssen, in der die Anspannung mehr und mehr steigt. Dass das nicht ewig gutgehen kann, ist von Anfang an klar. Sonderbare Träume von Pauls Sohn Travis tun ihr Übriges, Angst und Schrecken in das Haus einziehen zu lassen. Wie weit kann man gehen, um seine Familie zu schützen? Welchen Preis muss man dafür zahlen?

Paul (M.) erklärt die Regeln

Drei Kurzfilme und das Drama „Krisha“ (2015) hatte Regisseur und Drehbuchautor Trey Edward Shults bis dato inszeniert. Mit dem Drehbuch zu seinem zweiten Langfilm wollte er den Tod seines Vaters verarbeiten, wie er im Interview offenbarte. Ihm zufolge ist seine Arbeit an „It Comes at Night“ von George A. Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ und Stanley Kubricks „Shining“ beeinflusst, zudem auch von den Regisseuren John Cassavetes und Paul Thomas Anderson. Das lasse ich so stehen, die Einflüsse möge jeder Filmgucker selbst erkennen.

Deutschlandstart mehrfach verschoben

„It Comes at Night“ lief 2017 beim Fantasy Filmfest. Den regulären deutschen Kinostart hat der Verleih von September auf Januar verschoben. Das ist oft ein schlechtes Zeichen, es wirkt, als würden die Verantwortlichen ihrem eigenen Produkt misstrauen – und es am Ende nur halbherzig in die Lichtspielhäuser bringen. Wer bedächtig-bedrohliche Endzeit-Stimmung und eine sich stetig aufbauende Spannungskurve mag, darf den Kinobesuch bedenkenlos wagen. Nur: Was mag das sein, was dem Titel zufolge des Nachts kommt?

Kim und Will passen sich an

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: It Comes at Night
USA 2017
Regie: Trey Edward Shults
Drehbuch: Trey Edward Shults
Besetzung: Joel Edgerton, Christopher Abbott, Carmen Ejogo, Riley Keough, Kelvin Harrison Jr., Griffin Robert Faulkner, David Pendleton, Mikey, Chase Joliet, Mick O’Rourke
Verleih: Universum Film / 24 Bilder

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Universum Film / 24 Bilder

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Wenn der Wind weht – Tieftrauriges 80er-Plädoyer gegen Atomwaffen

When the Wind Blows

Von Volker Schönenberger

Zeichentrick-Kriegsdrama // „The Day After – Der Tag danach“ zeigte 1983 in einer heißen Phase des Kalten Kriegs auf drastische Weise die Folgen eines atomaren Angriffs auf eine US-Großstadt. Drei Jahre später ging der japanischstämmige US-Regisseur Jimmy T. Murakami mit der englischen Produktion „When the Wind Blows“ einen ganz anderen Weg: Sein Zeichentrickfilm konzentriert sich voll auf das Rentner-Ehepaar Hilda und Jim Bloggs, der Film spielt nahezu ausschließlich in dem Provinz-Häuschen nicht weit von London, das die beiden bewohnen.

Broschüre für den atomaren Ernstfall

Jim kehrt von seinem Besuch der örtlichen Bibliothek zurück, wo er sich in den Zeitungen über die „internationalen Entwicklungen“ informiert hat. Während sich der redselige ältere Herr aufgrund des drohenden Krieges durchaus Sorgen macht, gibt sich Hilda unverdrossen: „Ach weißt du, wir haben den letzten überlebt, wir werden auch den nächsten überleben. Es braucht schon mehr als ein paar Bomben, um mich kleinzukriegen.“ Nichtsdestoweniger beginnt Jim, das Haus für den Fall eines Atomschlags herzurichten. Wie das anzustellen ist, entnimmt er einer Broschüre des nationalen Zivilverteidigungsprogramms.

Dann kommt die Meldung im Radio: „Soeben ist ein feindlicher Raketenangriff auf unser Land erfolgt. Es wird damit gerechnet, dass die Raketen in etwa drei Minuten ihr Ziel erreichen.“ Jim schnappt sich seine Gattin, die das Geschehen nicht wahrhaben will, und verbirgt sich mit ihr in dem notdürftigen Verschlag, den er aus Türen des Hauses gebaut hat. Dann kommt der Atomschlag.

Ausbruch der Strahlenkrankheit

Die Eheleute Bloggs sind liebenswert und naiv, bisweilen zwar etwas nervig, aber man muss sie einfach lieb haben, so sehr kümmern sie sich umeinander. Mehr schlecht als recht richten sich die beiden im Schutt ihres Hauses ein. „Also ich seh‘ hier nichts“, erwidert Hilda auf Jims Bemerkung, er frage sich, ob hier irgendetwas strahle. Jim ist allerdings nicht viel besser, stellt bei einem Regenguss Behälter auf, um Trinkwasser zu sammeln: „Es gibt doch nichts Reineres als Regenwasser, das weiß jeder Mensch.“ Zum Bildungsbürgertum gehört das Ehepaar zweifellos nicht. Bald zeigen sich die ersten Symptome der Strahlenkrankheit.

Comic-Vorlage als Slideshow im Bonusmaterial

Der Film ist problemlos erhältlich und scheint auf DVD verschiedenfach bei uns veröffentlicht worden zu sein. Die mir vorliegende Fassung ist mit dem Logo „Screen Power Home Entertainment“ versehen. Sehr schön: Im Bonusmaterial findet sich in voller Länge als 100-minütige Slideshow die deutsche Version des Comics von Raymond Briggs, auf dem der Film beruht, ergänzt um ein 14-minütiges Interview mit dem Autor.

Die Bildqualität ist in Ordnung, beim Ton ist die englische Original-Tonspur in puncto Klangqualität der etwas dumpf klingenden deutschen vorzuziehen. Geschmackssache ist hingegen, ob einem die deutsche Synchronisation mit Brigitte Mira und Peter Schiff besser gefällt als die Originalfassung mit Peggy Ashcroft und Oscar-Preisträger John Mills („Ryans Tochter“). Beide Versionen bringen einem die schlichten, aber liebenswürdigen Gemüter der Eheleute nahe.

Titelsong von David Bowie

Den schönen Titelsong „When the Wind Blows“ steuerte David Bowie bei, den Score komponierte Roger Waters von Pink Floyd. Über weite Strecken kommt „Wenn der Wind weht“ aber ohne musikalische Untermalung aus. 2010 verarbeiteten Iron Maiden auf dem Album „The Final Frontier“ ihre Eindrücke aus dem Film mit dem Song „When the Wild Wind Blows“.

Murakami hat seinem Zeichentrickfilm ein paar Realfilm-Schnipsel beigemengt. Angesichts der Vielzahl moderner, am Computer entstandener Animationsfilme wirkt der Zeichenstil zwangsläufig etwas altbacken, das nimmt dem Endzeitdrama aber überhaupt nichts von seiner Intensität. Dem Sterben von Hilda und Jim zuzusehen, bewegt zutiefst. Insofern ist „Wenn der Wind weht“ ein ebenso nachdrückliches Plädoyer gegen Atomwaffen, wie es „The Day After – Der Tag danach“ ist. Der letzte Einfall im Leben der Bloggs’ ist ein Gebet.

Veröffentlichung: diverse als DVD

Länge: 80 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: When the Wind Blows
GB 1986
Regie: Jimmy T. Murakami
Drehbuch: Raymond Briggs, nach seinem eigenen Comic „Strahlende Zeiten“
Originalsprecher: Peggy Ashcroft, John Mills
Deutsche Sprecher: Brigitte Mira, Peter Schiff
Zusatzmaterial: Interview mit Raymond Briggs, Making-of, Comic-Slideshow, Artwork-Gallery
Vertrieb: diverse

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 
 

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Humanoid – Der letzte Kampf der Menschheit: Mit „Mein Kampf“ ins ewige Eis

2307 – Winter’s Dream

Von Volker Schönenberger

SF-Action // Im Jahr 2307 bedeckt eine gewaltige Decke aus Eis und Schnee die Erde – eine von Menschen hervorgerufene Eiszeit. Die erbärmlichen Reste der Menschheit haben sich in unterirdischen Siedlungen mehr schlecht als recht eingerichtet, so etwa in der „Arizona Föderation“, wo satte 2.109 Personen ausharren. Für oberirdisch zu erledigende Arbeiten haben Wissenschaftler Humanoide geschaffen, genannt Noids – intelligente Kreaturen mit überlegener Körperkraft und Widerstandsfähigkeit. Einige von ihnen dienen auch als Lustsklaven. Doch wie das so ist, wenn der Mensch Schöpfer spielt: Die Schöpfung erhebt sich gegen ihren Erschaffer. Es kommt zur Rebellion. Einem von ihnen, ASH-393 (Branden Coles), gelingt die Flucht.

Bishop (r.) wird auf den Trip an die Erdoberfläche vorbereitet

Fünf Jahre später wird der abgehalfterte Soldat Bishop (Paul Sidhu) von seinem Vorgesetzten General Trajan (Brad Potts) reaktiviert, um eine militärische Mission an der Erdoberfläche zu leiten und AHS-393 endlich dingfest zu machen. Bishop lässt sich zu dem Einsatz überreden, weil Trajan ihm berichtet, der Noid habe seinerzeit Bishops ungeborenes Kind aus dem Mutterleib gerissen – die Frau des Soldaten war bei der Rebellion gestorben, was Bishop in die Drogensucht getrieben hatte. Die Aussicht, sein Kind lebendig zu finden, treibt ihn mit seinen Begleitern in die Eiseskälte, wo nicht nur AHS-393 dem kleinen Trupp schnell große Probleme bereitet.

Gruppenbild mit Dame

Für einen mit geringen finanziellen Mitteln produzierten Film sieht „Humanoid – Der letzte Kampf der Menschheit“ überraschend gut aus. Die eisigen Landschaften können sich sehen lassen. Beim Produktionsdesign hat man sich ebenfalls Mühe gegeben, auch wenn die Frage erlaubt sei, ob Soldaten im 24. Jahrhundert wohl wirklich Motorradrockern ähneln. Vieles ist natürlich digital entstanden, auch die gelegentlichen Splattereffekte. Dennoch verströmt der Film ein wenig die Atmosphäre von 80er-Jahre-Action. Nach einer Stunde wird es ein wenig bizarr, wenn Bishop auf den Einsiedler Cage (Harwood Gordon) trifft und sich plötzlich Western-Feeling einstellt – ganz am Ende sogar noch stärker. Aber auch das Absonderliche passt ja zu den 80ern.

Die Dame hat allerdings eine große Wumme – und steht auf Hitler

Gespart wurde deutlich erkennbar an Schauspieler-Gagen und dem Salär für die Drehbuchautoren. Die Figuren sind stereotype Abziehbilder und werden von den Darstellern ohne große Kunstfertigkeit verkörpert. Mit reichlich Testosteron im Leib durch den Schnee zu stapfen, erfordert aber auch kein ausgefeiltes Method Acting.

Spaziergang im Schutzanzug

Für eine Prise Ideologie sorgt Soldatin Kix (Arielle Holmes), die Adolf Hitlers „Mein Kampf“ mit sich herumträgt und den Führer für einen verkannten Propheten hält. Da werden für einen Moment immerhin existenzielle Daseinsfragen über das Überleben der Menschheit – oder des Stärkeren – angerissen. Der Moment vergeht aber schnell, geht es letztlich doch in erster Linie um Endzeit-Action. Aber Hitlers Pamphlet ist später sogar noch für eine kleine Pointe gut. Und immerhin verläst „Humanoid – Der letzte Kampf der Menschheit“ zum Ende hin die reine Actionschiene und widmet sich Bishops Dämonen der Vergangenheit. Eine Wendung bringt dann sogar inhaltliche Tiefe, sodass der SF-Actionfilm insgesamt bei allen spürbaren Einschränkungen, die das Budget mit sich brachte, mehr Substanz hat als manch andere Produktion dieser Gattung.

Die Kälte macht den Soldaten zu schaffen

Veröffentlichung: 19. Mai 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 102 Min. (Blu-ray), 98 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: 2307 – Winter’s Dream
USA 2016
Regie: Joey Curtis
Drehbuch: Joey Curtis
Besetzung: Paul Sidhu, Branden Coles, Arielle Holmes, Kelcey Watson, Anne-Solenne Hatte, Timothy Lee DePriest, Stormi Henley, Harwood Gordon, Fernando Argosino, Sirwan Assad, Brad Potts
Zusatzmaterial: entfernte Szenen, Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Ascot Elite Home Entertainment

 

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