RSS

Schlagwort-Archive: Eric Bana

Ridley Scott (V): Black Hawk Down – Tödliches Fiasko in Somalia

black_hawk_down-packshot-br-sb-uk

Black Hawk Down

Von Volker Schönenberger

Only the dead have seen the end of war. (Texttafel zu Beginn des Films, fälschlicherweise Plato zugeschrieben)

Kriegs-Action // 18 US-Soldaten sowie ein zu einer UNO-Mission gehörender Malaye starben am 3. und 4. Oktober 1993 während der Schlacht von Mogadischu im somalischen Bürgerkrieg – ein weiterer GI kam zwei Tage später ums Leben. Eine geringe Zahl, vergleicht man sie mit den geschätzt etwa 1.000 getöteten Somaliern auf der Gegenseite, doch höhere Verluste hatte es seit Vietnam nicht gegeben. Die US-Toten resultierten aus dem Abschuss zweier Transporthubschrauber vom Typ Sikorsky UH-60 – genannt „Black Hawk“ während eines Einsatzes in Mogadischu. Ich entsinne mich noch an die Fernsehbilder von damals: Zwei tote US-Soldaten wurden von wütenden Somaliern durch den Staub geschleift. Das brannte sich ins kollektive Gedächtnis ein.

Der Journalist Mark Bowden verfasste für die Tageszeitung The Philadelphia Inquirer eine Reihe von Artikeln über den Konflikt in Somalia und die Ereignisse jener Tage. 1999 fasste er sie in Buchform unter dem Titel Black Hawk Down – A Story of Modern War zusammen, in Deutschland als „Black Hawk Down – Kein Mann bleibt zurück“ erschienen. Von dort war es nur noch ein kurzer Weg, bis sich Hollywood in Gestalt von Regisseur Ridley Scott der Geschichte annahm.

black_hawk_down-2

Zu Beginn erhalten wir einen kurzen Abriss über die Situation in Somalia 1992. Einblendungen nennen 300.000 Tote als Opfer der Hungersnot in Somalia, Folge andauernder Kriege rivalisierender Clans im Lande. Der Warlord Mohammed Farah Aidid kontrolliert Mogadischu und fängt Hilfslieferungen der internationalen Völkergemeinschaft ab. 20.000 US-Marines sichern die Versorgung der hungernden Bevölkerung, doch nach ihrem Abzug nimmt Aidid ab April 1993 die verbleibenden UN-Truppen ins Visier. Nun gerät der Warlord selbst ins Visier: Im August des Jahres machen sich Angehörige der Delta Force, der Army Rangers und Mitglieder des 160th SOAR auf, Aidid auszuschalten.

Tödlicher Irrtum: Es wird ein kurzer Einsatz

Ein schwer bewaffneter „Black Hawk“ kreist über einer Nahrungsmittelausgabe des Roten Kreuzes. Milizionäre Aidids schießen gnadenlos in die Menge, doch die US-Soldaten erhalten keine Genehmigung einzugreifen. Bald darauf geht es in den Einsatz, um zwei wichtige Berater Aidids zu fassen. Staff Sergeant Matthew Eversmann (Josh Hartnett, „Pearl Harbor“) erhält das Kommando über eine Einheit der Rangers, die zum Feuerschutz eingeteilt ist, Männer der Delta Force sollen die Zielpersonen fassen. Ein vermeintlich leichter Einsatz beginnt, eine halbe Stunde später wird er wohl beendet sein, so glauben die Soldaten, lassen Wasser und Nachtsichtgeräte als überflüssigen Ballast zurück. Als sich die „Black Hawks“ in die Luft erheben, ahnt keiner, was für ein Höllenritt ihnen bevorsteht. Bald muss General William F. Garrison (Sam Shepard, „Der Stoff aus dem die Helden sind“) über Funk hören: „We got a Black Hawk Down.“

Stars und kommende Stars am Start

Als Somalia musste Marokko herhalten. Geballte Starpower oder kommende Starpower streifte sich dort die Uniform über: In verschiedenen Rängen und mit mal mehr, mal weniger Leinwandzeit sehen wir Ewan McGregor („Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“), William Fichtner („Lone Ranger“), Eric Bana („München“), Orlando Bloom („Fluch der Karibik“), Jeremy Piven („Entourage“), Nikolaj Costa-Waldau („Game of Thrones“) und Tom Sizemore („Natural Born Killers“) sowie Tom Hardy („Mad Max – Fury Road“) in seinem Kinodebüt.

Sonderlich fordernd oder gar ausgefeilt ist keine ihrer Rollen, denn Ridley Scott und seinem Produzenten Jerry Bruckheimer geht es nach einer etwa vierzigminütigen Exposition in erster Linie um eins: Action! Die folgenden gut anderthalb Stunden sind eine Orgie aus Schüssen und Einschlägen, Raketenwerfern und Explosionen, Stahl und Staub, Straßenkampf und Tod.

Kritik – Fehlanzeige

Sie sind Helden! Ähnlich wie ein Jahr später in Randall Wallaces „Wir waren Helden“ mit Mel Gibson geht es in „Black Hawk Down“ den eingangs skizzierten Ausführungen zum Trotz zu keinem Zeitpunkt um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Konflikt oder gar der amerikanischen Intervention. Kein Wunder, unterstützte die US-Army die Produktion doch nach Kräften. Die Kerle erleiden zwar Todesangst und Schmerzen in nicht zu knapper Dosis, aber sie tragen allesamt das Herz auf dem rechten Fleck, setzen sich für ihre Kameraden ein, harren geduldig aus oder dringen zu den Eingeschlossenen vor. Immerhin verzichtet Scott auf die Inszenierung von US-Patriotismus. Die Somalier auf der anderen Seite werden nicht einer einzigen individuellen Porträtierung gewürdigt. Aidids Truppen haben zu Beginn Zivilisten und Landsleute abgeknallt, das muss wohl als Charakterisierung reichen. Ganze zwei Somalier haben nennenswerte Textzeilen auf den Leib geschrieben bekommen, ansonsten sind sie dunkle Schemen, todbringende Schatten, die von Dächern schießen.

black_hawk_down-1

Nichts gegen die Action, sie ist mitreißend inszeniert und verursacht schweißnasse Handflächen. Von Hans Zimmers Score passend untermalt, kommt der Zuschauer – Männer bilden das Zielpublikum – nicht umhin, mit den US-Soldaten mitzufiebern wie General Garrison: aus der Ferne und in Sicherheit. Apropos Männer: Frauenrollen gibt es keine einzige. Das hätte zwar ohnehin nicht recht gepasst, ist aber dennoch bemerkenswert.

Ausgezeichnet mit zwei Oscars

Die Kamera und Ridley Scotts Regie wurden für den Oscar nominiert. Dass Scott bei den Academy Awards 2002 Ron Howards Regie für „A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“ unterlag, geht völlig in Ordnung, bei aller Wucht der Action wäre ein Oscar für eine derartig eindimensionale Inszenierung zu viel des Guten gewesen. Die beiden Oscars für den Schnitt und den Ton hingegen kann man dem Film ruhig zugestehen. Technisch ist „Black Hawk Down“ über alle Zweifel erhaben. Als Hochglanzprodukt ist er prädestiniert, auf Blu-ray gesichtet zu werden. Der HD-Transfer bringt das scharfe und kontrastreiche Bild perfekt zur Geltung, trotz der überbordenden Action behält der Zuschauer den Überblick. Wer nach dem 144-minütigen Inferno noch nicht genug hat, kann sich das Featurette „The Essence of Combat – Making Black Hawk Down“ geben, das mit 151 Minuten sogar noch länger als der Film geraten ist. Tipp für Steelbook-Sammler, die keine deutsche Tonspur benötigen: Das im Vereinigten Königreich erschienene (siehe oben) sieht deutlich besser aus als das deutsche (siehe unten).

In puncto Kriegs-Action bietet „Black Hawk Down“ großes Kino, als Kriegsdrama versagt der Film auf ganzer Linie.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Ridley Scott sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ewan McGregor und/oder Tom Hardy in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 4. Januar 2013 als 2-Disc Edition (Blu-ray & DVD) im Steelbook, 8. Juli 2011 als Blu-ray im Steelbook, 9. September 2010 als Blu-ray, 3. September 2010 & 1. April 2004 als DVD, 1. Februar 2007 als Oscar Edition DVD, 14. September 2006 als 3-Disc Deluxe Edition Bulletproof Collection DVD, 20. März 2003 als 2-Disc Special Edition DVD

Länge: 144 Min. (Blu-ray), 138 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Black Hawk Down
USA/GB 2001
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Ken Nolan, nach einer Vorlage von Mark Bowden
Besetzung: Josh Hartnett, Ewan McGregor, Tom Sizemore, Eric Bana, William Fichtner, Ewen Bremner, Sam Shepard, Gabriel Casseus, Kim Coates, Hugh Dancy, Jason Isaacs, Jeremy Piven, Tom Hardy
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit US-Special Forces Veteranen 1993, Audiokommentar von Mark Bowden und Ken Nolan, Audiokommentar von Ridley Scott und Jerry Bruckheimer, Interviews mit Cast & Crew, Featurette „The Essence of Combat – Making Black Hawk Down“, Image and Design, entfallene und alternative Szenen, Hinter den Kulissen, Kinotrailer
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

black_hawk_down-packshot-br-sb

Fotos & Packshot: © Universum Film

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Hulk – Ein Mann sieht Grün

Hulk-Cover-DVD Hulk-Cover-BR

Hulk

Gastrezension von Simon Kyprianou

I don’t think the Hulk is a superhero. He’s the first Marvel character who is a tragic monster. Really an anti-hero. (Ang Lee im Interview)

SF-Action // Wissenschaftler Bruce Banner (Eric Bana) und seine Kollegin und Liebste Betty Ross (Jennifer Connelly) wollen eine Substanz entwickeln, die Verletzungen heilt und Gewebe widerstandsfähiger macht. Ein Strahlungsunfall löst in Bruce etwas aus, das seit seiner Kindheit in ihm geschlummert hat – Spätfolgen von Selbstversuchen seines Vaters. Sobald er nun wütend wird verwandelt sich Bruce in ein großes grünes Monster – den Hulk. Betty und ihr Vater, ein hochrangiger Millitär-Kommandeur, finden das gar nicht lustig.

Der Hulk ragt aus Lees Filmografie heraus

Schaut man auf die Filmografie von Ang Lee, ist „Hulk“ schon ein Kuriosum: Zwischen Filmen wie „Der Eissturm“, „Brokeback Mountain“ und „Sinn und Sinnlichkeit“ wirkt die Marvel-Adaption beinahe fehl am Platz. Von der internationalen Filmkritik wurde „Hulk“ 2003 ziemlich negativ aufgenommen, bis heute scheint ihm ein schlechter Ruf anzuhaften. Dabei hat Ang Lee nicht nur eine der wundervollsten Comicverfilmungen gedreht, sondern bei genauerem Hinsehen eigentlich auch einen mehr oder weniger typischen Ang-Lee-Film. Lee legt seinen Fokus auf die menschlichen Belange, auf das menschliche Drama, er versteht Hulk nicht als Superheld, sondern im Gegenteil eher als tragisches Monster.

Der Regisseur interessiert sich für das Zusammenbrechen der Zwischenmenschlichkeit, die das Dasein als Monster mit sich bringt, für die Vater-Sohn- bzw. Vater-Tochter-Konflikte, für die tragische Liebe seiner Protagonisten. Jennifer Connellys Rolle nimmt dabei ganz zentralen Charakter ein, sie ist nie nur Beiwerk, ganz im Gegenteil: eine herrlich starke, emanzipierte Frauenrolle.

Sinnliche Comicverfilmung

Dabei ist „Hulk“ ein unheimlich sinnlicher Comic-Film. Lee betört mit einem hinreißenden Spiel aus Farben, mit wunderbar zärtlichen Momenten und auch mit herrlich spaßigem Krawall, wenn er Hulk freien Lauf lässt. Er überträgt die Bildstrukturen eines Comics radikal und konsequent auf seine Film-Bilder und auch seine oft stakkatoartige, sprunghafte Narration erinnert an die Erzählstrukturen eines Comics.

„Hulk“ ist ein schmerzlich verkanntes Meisterwerk.

Veröffentlichung (Auswahl): 4. November 2010 als Blu-ray im Quer-Steelbook, 24. Oktober 2008 als Blu-ray, 1. Juli 2004 als DVD, 27. November 2003 als 3-Disc Limited Edition DVD

Länge: 138 Min. (Blu-ray), 133 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Hulk
USA 2003
Regie: Ang Lee
Drehbuch: John Turman, Michael France, James Schamus, nach dem Marvel-Charakter von Stan Lee und Eric Kirby
Besetzung: Eric Bana, Jennifer Connelly, Sam Elliott, Josh Lucas, Nick Nolte, Cara Buono
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Hulk-Cover-BR-Steel

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Packshots: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Erlöse uns von dem Bösen – New Yorker Cop gegen dunkle Mächte

Erloese_uns_von_dem_Boesen-Cover

Deliver Us from Evil

Gastrezension von Simon Kyprianou

Horror // Ralph Sarchie (Eric Bana) ist ein Cop in New York mit einem Gespür für außergewöhnliche Fälle. Nacht für Nacht fährt er in seinem Streifenwagen durch die Stadt und erlebt die schrecklichsten Dinge. Als er jedoch eines Nachts zu einem Einsatz in den Zoo gerufen wird, trifft er auf das wahre Böse, das mit weltlichen Maßstäben nicht mehr fassbar ist. Mithilfe des Priesters Mendoza (Édgar Ramírez) stellt er sich den dunklen Mächten entgegen.

Erloese_uns_von_dem_Boesen-1

Im unheimlichen Zoo sucht Sarchie nach Verdächtigen

„Erlöse uns von dem Bösen“ will ein waschechter New-York-Film sein; immer wieder gibt es Shots von oben auf die regendurchnässte Stadt, eine endlose nächtliche Odyssee durch triste Appartments, dunkle Gassen und unbehagliche Keller. Auch die Wahl der Schauplätze ist interessant. Effizient nutzt Regisseur Scott Derrickson („Sinister“) den urbanen Kosmos aus, zum Beispiel in einer schönen ausgedehnten Szene im Zoo von Brooklyn. Sie gehört zu den besten des Films, der Schauplatz wird stimmig eingesetzt.

Momente wie in „Maniac Cop“

In den besseren Momenten sieht das schmutzig und rau aus, ist es unheimlich, erinnert es mit organisch inszenierten Splatter-Effekten sogar manchmal etwas an William Lustigs „Maniac Cop“. Eric Bana („München“) führt souverän durch den Film, verkörpert eine klar konturierte Figur. In den schlechteren Momenten sieht „Erlöse uns von dem Bösen“ leider oft fürchterlich glatt und etwas zu steril gefilmt aus. Die nächtlichen Geschehnisse sind aber meist gut visualisiert, es sind düstere, harte Bilder. Nur selten erhellen den Film Szenen am Tag, meistens spielt er in der Nacht.

Erloese_uns_von_dem_Boesen-3

Was bedeuten die Inschriften die überall auftauchen?

Zum Ende hin leidet er aber deutlich an seiner überzogenen Lauflänge: Zwei Stunden kann das doch recht simpel gehaltene, geradlinige Drehbuch nicht stemmen – neunzig Minuten hätten dem Film sicher bessergetan. Sehen wir davon ab, ist „Erlöse uns von dem Bösen“ durchaus ansehnliche Genre-Kost geworden.

Veröffentlichung: 16. Januar 2015 als Blu-ray, 9. Januar 2015 als DVD

Länge: 118 Min. (Blu-ray), 114 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch, Arabisch, Niederländisch
Originaltitel: Deliver Us from Evil
USA 2014
Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: Scott Derrickson, Paul Harris, nach einer Vorlage von Ralph Sarchie und Lisa Collier Cool
Besetzung: Eric Bana, Édgar Ramírez, Olivia Munn, Chris Coy, Dorian Missick, Sean Harris, Joel McHale, Mike Houston, Lulu Wilson
Zusatzmaterial: Erlöse uns von den Dämonen, Die zwei Sergeants, Der Dämonen-Cop, Kommentar des Regisseurs, Making-of
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Sony Pictures Home Entertainment

 

Schlagwörter: , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: