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Ridley Scott (V): Black Hawk Down – Tödliches Fiasko in Somalia

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Black Hawk Down

Von Volker Schönenberger

Only the dead have seen the end of war. (Texttafel zu Beginn des Films, fälschlicherweise Plato zugeschrieben)

Kriegs-Action // 18 US-Soldaten sowie ein zu einer UNO-Mission gehörender Malaye starben am 3. und 4. Oktober 1993 während der Schlacht von Mogadischu im somalischen Bürgerkrieg – ein weiterer GI kam zwei Tage später ums Leben. Eine geringe Zahl, vergleicht man sie mit den geschätzt etwa 1.000 getöteten Somaliern auf der Gegenseite, doch höhere Verluste hatte es seit Vietnam nicht gegeben. Die US-Toten resultierten aus dem Abschuss zweier Transporthubschrauber vom Typ Sikorsky UH-60 – genannt „Black Hawk“ während eines Einsatzes in Mogadischu. Ich entsinne mich noch an die Fernsehbilder von damals: Zwei tote US-Soldaten wurden von wütenden Somaliern durch den Staub geschleift. Das brannte sich ins kollektive Gedächtnis ein.

Der Journalist Mark Bowden verfasste für die Tageszeitung The Philadelphia Inquirer eine Reihe von Artikeln über den Konflikt in Somalia und die Ereignisse jener Tage. 1999 fasste er sie in Buchform unter dem Titel Black Hawk Down – A Story of Modern War zusammen, in Deutschland als „Black Hawk Down – Kein Mann bleibt zurück“ erschienen. Von dort war es nur noch ein kurzer Weg, bis sich Hollywood in Gestalt von Regisseur Ridley Scott der Geschichte annahm.

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Zu Beginn erhalten wir einen kurzen Abriss über die Situation in Somalia 1992. Einblendungen nennen 300.000 Tote als Opfer der Hungersnot in Somalia, Folge andauernder Kriege rivalisierender Clans im Lande. Der Warlord Mohammed Farah Aidid kontrolliert Mogadischu und fängt Hilfslieferungen der internationalen Völkergemeinschaft ab. 20.000 US-Marines sichern die Versorgung der hungernden Bevölkerung, doch nach ihrem Abzug nimmt Aidid ab April 1993 die verbleibenden UN-Truppen ins Visier. Nun gerät der Warlord selbst ins Visier: Im August des Jahres machen sich Angehörige der Delta Force, der Army Rangers und Mitglieder des 160th SOAR auf, Aidid auszuschalten.

Tödlicher Irrtum: Es wird ein kurzer Einsatz

Ein schwer bewaffneter „Black Hawk“ kreist über einer Nahrungsmittelausgabe des Roten Kreuzes. Milizionäre Aidids schießen gnadenlos in die Menge, doch die US-Soldaten erhalten keine Genehmigung einzugreifen. Bald darauf geht es in den Einsatz, um zwei wichtige Berater Aidids zu fassen. Staff Sergeant Matthew Eversmann (Josh Hartnett, „Pearl Harbor“) erhält das Kommando über eine Einheit der Rangers, die zum Feuerschutz eingeteilt ist, Männer der Delta Force sollen die Zielpersonen fassen. Ein vermeintlich leichter Einsatz beginnt, eine halbe Stunde später wird er wohl beendet sein, so glauben die Soldaten, lassen Wasser und Nachtsichtgeräte als überflüssigen Ballast zurück. Als sich die „Black Hawks“ in die Luft erheben, ahnt keiner, was für ein Höllenritt ihnen bevorsteht. Bald muss General William F. Garrison (Sam Shepard, „Der Stoff aus dem die Helden sind“) über Funk hören: „We got a Black Hawk Down.“

Stars und kommende Stars am Start

Als Somalia musste Marokko herhalten. Geballte Starpower oder kommende Starpower streifte sich dort die Uniform über: In verschiedenen Rängen und mit mal mehr, mal weniger Leinwandzeit sehen wir Ewan McGregor („Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“), William Fichtner („Lone Ranger“), Eric Bana („München“), Orlando Bloom („Fluch der Karibik“), Jeremy Piven („Entourage“), Nikolaj Costa-Waldau („Game of Thrones“) und Tom Sizemore („Natural Born Killers“) sowie Tom Hardy („Mad Max – Fury Road“) in seinem Kinodebüt.

Sonderlich fordernd oder gar ausgefeilt ist keine ihrer Rollen, denn Ridley Scott und seinem Produzenten Jerry Bruckheimer geht es nach einer etwa vierzigminütigen Exposition in erster Linie um eins: Action! Die folgenden gut anderthalb Stunden sind eine Orgie aus Schüssen und Einschlägen, Raketenwerfern und Explosionen, Stahl und Staub, Straßenkampf und Tod.

Kritik – Fehlanzeige

Sie sind Helden! Ähnlich wie ein Jahr später in Randall Wallaces „Wir waren Helden“ mit Mel Gibson geht es in „Black Hawk Down“ den eingangs skizzierten Ausführungen zum Trotz zu keinem Zeitpunkt um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Konflikt oder gar der amerikanischen Intervention. Kein Wunder, unterstützte die US-Army die Produktion doch nach Kräften. Die Kerle erleiden zwar Todesangst und Schmerzen in nicht zu knapper Dosis, aber sie tragen allesamt das Herz auf dem rechten Fleck, setzen sich für ihre Kameraden ein, harren geduldig aus oder dringen zu den Eingeschlossenen vor. Immerhin verzichtet Scott auf die Inszenierung von US-Patriotismus. Die Somalier auf der anderen Seite werden nicht einer einzigen individuellen Porträtierung gewürdigt. Aidids Truppen haben zu Beginn Zivilisten und Landsleute abgeknallt, das muss wohl als Charakterisierung reichen. Ganze zwei Somalier haben nennenswerte Textzeilen auf den Leib geschrieben bekommen, ansonsten sind sie dunkle Schemen, todbringende Schatten, die von Dächern schießen.

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Nichts gegen die Action, sie ist mitreißend inszeniert und verursacht schweißnasse Handflächen. Von Hans Zimmers Score passend untermalt, kommt der Zuschauer – Männer bilden das Zielpublikum – nicht umhin, mit den US-Soldaten mitzufiebern wie General Garrison: aus der Ferne und in Sicherheit. Apropos Männer: Frauenrollen gibt es keine einzige. Das hätte zwar ohnehin nicht recht gepasst, ist aber dennoch bemerkenswert.

Ausgezeichnet mit zwei Oscars

Die Kamera und Ridley Scotts Regie wurden für den Oscar nominiert. Dass Scott bei den Academy Awards 2002 Ron Howards Regie für „A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“ unterlag, geht völlig in Ordnung, bei aller Wucht der Action wäre ein Oscar für eine derartig eindimensionale Inszenierung zu viel des Guten gewesen. Die beiden Oscars für den Schnitt und den Ton hingegen kann man dem Film ruhig zugestehen. Technisch ist „Black Hawk Down“ über alle Zweifel erhaben. Als Hochglanzprodukt ist er prädestiniert, auf Blu-ray gesichtet zu werden. Der HD-Transfer bringt das scharfe und kontrastreiche Bild perfekt zur Geltung, trotz der überbordenden Action behält der Zuschauer den Überblick. Wer nach dem 144-minütigen Inferno noch nicht genug hat, kann sich das Featurette „The Essence of Combat – Making Black Hawk Down“ geben, das mit 151 Minuten sogar noch länger als der Film geraten ist. Tipp für Steelbook-Sammler, die keine deutsche Tonspur benötigen: Das im Vereinigten Königreich erschienene (siehe oben) sieht deutlich besser aus als das deutsche (siehe unten).

In puncto Kriegs-Action bietet „Black Hawk Down“ großes Kino, als Kriegsdrama versagt der Film auf ganzer Linie.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Ridley Scott sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ewan McGregor in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 4. Januar 2013 als 2-Disc Edition (Blu-ray & DVD) im Steelbook, 8. Juli 2011 als Blu-ray im Steelbook, 9. September 2010 als Blu-ray, 3. September 2010 & 1. April 2004 als DVD, 1. Februar 2007 als Oscar Edition DVD, 14. September 2006 als 3-Disc Deluxe Edition Bulletproof Collection DVD, 20. März 2003 als 2-Disc Special Edition DVD

Länge: 144 Min. (Blu-ray), 138 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Black Hawk Down
USA/GB 2001
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Ken Nolan, nach einer Vorlage von Mark Bowden
Besetzung: Josh Hartnett, Ewan McGregor, Tom Sizemore, Eric Bana, William Fichtner, Ewen Bremner, Sam Shepard, Gabriel Casseus, Kim Coates, Hugh Dancy, Jason Isaacs, Jeremy Piven
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit US-Special Forces Veteranen 1993, Audiokommentar von Mark Bowden und Ken Nolan, Audiokommentar von Ridley Scott und Jerry Bruckheimer, Interviews mit Cast & Crew, Featurette „The Essence of Combat – Making Black Hawk Down“, Image and Design, entfallene und alternative Szenen, Hinter den Kulissen, Kinotrailer
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshot: © Universum Film

 

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Die Schöne und das Biest – Emma Watson zaubert wieder

Beauty and the Beast

Kinostart: 16. März 2017

Von Iris Janke

Fantasy-Melodram // Belle (Emma Watson) ist eine Schönheit und verzaubert, ob im blauen Dirndl als Dorfschönheit oder im gelben Ballkleid im Schloss. Der Name Belle ist Programm – und Emma Watson („Harry Potter“) die perfekte Besetzung dafür. 26 Jahre nach Disneys Oscar-gekröntem Animationsklassiker kommt nun das Realfilm-Remake ins Kino – ebenfalls aus dem Hause Disney.

Auf den ersten Blick ziemlich gruselig: das Biest

Regisseur Bill Condon („Twilight“-Saga) hält sich dabei optisch und inhaltlich eng an das Zeichentrick-Original von 1991: Hier wie dort wird viel gesungen, sogar einige neue Songs wurden neben den bekannten Oscar-gekrönten Titeln von Alan Menken und Tim Rice beigesteuert. Hauptdarstellerin Emma Watson hat sich auf ihren Part monatelang mit Gesangsstunden vorbereitet. Auch Ko-Hauptdarsteller und Biest Dan Stevens und sein Gegenspieler, der Jäger Gaston (Luke Evans, „Dracula Untold“), überzeugen gesanglich.

Der Prinz und die Bettlerin

Zum Inhalt: Ein junger Prinz (Dan Stevens) lädt in seinem prunkvollen Schloss zum Debütantinnenball. Sein Charme und sein Äußeres bestechen die geladenen Damen, seine Diener lesen ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Doch als eine arme Bettlerin im Schloss um Unterkunft bittet und im Gegenzug eine Rose anbietet, zeigt sich der Königssohn unbarmherzig und arrogant. Dass die alte Frau tatsächlich eine schöne Zauberin ist, ahnt der Prinz nicht.

Belle liebt ihren Vater Maurice abgöttisch

Die Strafe für die königliche Unmenschlichkeit folgt unverzüglich: Das ganze Schloss steht plötzlich unter einem Fluch, der schöne Prinz wird zu einem hässlichen Biest und die Schlossbewohner werden zu lebenden Haushaltsgegenständen. Dabei wird Lumière (Ewan McGregor, sang bereits in „Moulin Rouge“), der französische Diener des Prinzen, in einen singenden Kerzenständer verwandelt. Lumières gesangliches Highlight: das extravagante Musical-Stück „Sei hier Gast“. Der Diener liegt in ständigem Zwist mit der singenden Standuhr von Unruh – bemerkenswertes Gesangsdebüt für den 76-jährigen Ian McKellen (Magneto aus den „X-Men-Filmen“, Gandalf aus der „Herr der Ringe“-Trilogie).

Zwei, die sich perfekt ergänzen: Dorfschönling Gaston (l.) und sein ergebener Kumpel LeFou

Derweil lebt Belle mit ihrem Vater, dem etwas zerstreuten, aber liebenswerten Erfinder Maurice (Kevin Kline), in einem französischen Dorf in der Nähe des Schlosses. Belle wird von allen Dorfbewohnern wegen ihrer Anmut bewundert – allen voran der Jäger und Dorfschönling Gaston (Dan Stevens). Die Hübsche kann sich seiner Avancen kaum erwehren. Eines Tages bricht Vater Maurice mit Pferd und Kutsche auf, um eine neue Erfindung zu verkaufen. Er gerät Schließlich in das verwunschene Schloss und damit in die Fänge des Biests. Belle macht sich auf die Suche nach ihrem Vater, findet ihn – und bietet sich im Austausch für den Gefangenen an …

Auch als Realfilm zauberhaft

Für wen ist diese Realverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ zu empfehlen? Ganz einfach: für alle, die sich noch einmal verzaubern lassen wollen, und das ganz im Disney-Stil – nicht einmal das gelbe Kleid aus dem Oscar-gekrönten Zeichentrickfilm fehlt. Besonders schön: die Kulisse von Schloss und Umgebung, die verwunschenen Bewohner und ihre perfekt animierte Verwandlung in lebendige Luxus-Gegenstände einer vergangenen märchenhaften Zeit.

Fast zu schön, um wahr zu sein: der Tanz des Biests mit Belle

Auf ihre Kosten kommen sowohl diejenigen, die das Original bereits kennen – sie können sich von Neuerungen faszinieren lassen; und wer keinerlei Vorkenntnisse besitzt, kann den Film einfach genießen. Und – Vorteil für ganz junge Zuschauer: Im Gegensatz zur ebenfalls ab sechs Jahren freigegebenen französischen Verfilmung von Christophe Gans (2014) mit Léa Seydoux als Belle und Vincent Cassel als Biest fällt diese Version keinesfalls düster und gruselig aus – Disney-like eben – und das Lächeln von Emma Watson zaubert sowieso jeden Anflug von Furcht einfach weg.

Wunderschön im gelben Ballkleid: Belle

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Luke Evans und/oder Ewan McGregor sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 129 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Beauty and the Beast
USA 2017
Regie: Bill Condon
Drehbuch: Stephen Chbosky, Evan Spiliotopoulos
Besetzung: Dan Stevens, Emma Watson, Luke Evans, Ewan McGregor, Josh Gad, Gugu Mbatha-Raw, Ian McKellen, Emma Thompson, Stanley Tucci, Kevin Kline, Henry Garrett, Hattie Morahan, Sonoya Mizuno, Adrian Schiller
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2017 by Iris Janke

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2016 Disney Enterprises Inc. All Rights Reserved.

 
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Verfasst von - 2017/03/14 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Danny Boyle (IV): T2 Trainspotting – Fast so wie damals

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T2 Trainspotting

Kinostart: 16. Februar 2017

Von Andreas Eckenfels

Drama // Choose Life. Ende der 90er-Jahre durfte es in keiner Studentenbude fehlen: ein weiß-orangenes „Trainspotting“-Plakat an der Wand. Ich selbst hatte mich nicht für das klassische Motiv der vier beziehungsweise fünf Hauptfiguren – wenn man Diane (Kelly Macdonald) mitzählt – in ihren Posen entschieden, sondern für ein Standbild der Szene, als Renton (Ewan MacGregor) aus der „dreckigsten Toilette Schottlands“ wieder auftaucht. Selbstredend lief auch der Soundtrack inklusive Iggy Pops „Lust for Life“ hoch und runter, nach durchzechter Nacht holte Lou Reeds „Perfect Day“ einen langsam wieder in den Alltag zurück. Keine Frage, Danny Boyle hat aus dem Roman von Irvine Welsh einen echten Kultfilm geschaffen, ein bitteres und dreckiges Porträt der britischen Jugend und der Generation X.

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Renton (l.) und Spud blicken über ihre Heimatstadt

21 Jahre nach „Trainspotting – Neue Helden“ ist nun doch noch die nicht mehr für möglich gehaltene Fortsetzung mit der kompletten Originalbesetzung entstanden. Danny Boyle fasste auf der Pressekonferenz während der Berlinale, wo „T2 Trainspotting“ im Wettbewerb außer Konkurrenz gezeigt wurde, die Gründe für die lange Wartezeit zusammen – schließlich war Welshs Nachfolgeroman „Porno“ bereits 2002 veröffentlicht worden. Nach vier gemeinsamen Filmen hatte es 2000 zwischen Boyle und MacGregor zum zeitwilligen Bruch geführt: Statt seinem Kumpel entschied sich der Regisseur, Leonardo DiCaprio für die Hauptrolle in „The Beach“ zu besetzen. John Hodge wurde zwar schon früh beauftragt, ein Drehbuch zu „Porno“ zu verfassen, welches aber niemanden wirklich zufriedenstellte. Wie Boyle erklärt, wurde das fertige Skript noch nicht mal an die Darsteller verschickt. So verging die Zeit. Erst 2014 reiften die Pläne, endlich das Sequel zu verwirklichen. „T2 Trainspotting“ greift dabei nur sehr minimal einige Aspekte von „Porno“ auf. Im Grunde ist es eine komplett eigenständige Handlung.

Rückkehr nach Edinburgh

20 Jahre nachdem Renton seine Freunde Sick Boy (Jonny Lee Miller), Spud (Ewen Bremner) und Begbie (Robert Carlyle) übers Ohr gehauen hat und mit einer Tasche voller Drogengeld nach Amsterdam geflüchtet ist, kehrt er nach Edinburgh zurück. Während sich die Innenstadt inzwischen für Touristen herausgeputzt hat, ist der Stadtteil Leith, in dem er aufgewachsen ist, noch immer vergammelt wie und je. Auch sonst hat sich kaum etwas verändert: Spud hängt nach wie vor an der Nadel; Sick Boy führt eine Kneipe und versucht mit der Hilfe seiner bulgarischen Freundin Veronika (Anjela Nedyalkova), zahlungskräftige Ehemänner mit Sexfotos zu erpressen.

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Anstoßen auf die alten Zeiten

Nachdem die Freunde die Friedenspfeife geraucht haben, eröffnet der geschäftstüchtige Sick Boy, dass er seine Kneipe in ein Bordell umfunktionieren will. Mit ein paar kleinen Gaunereien besorgen er und Renton das nötige Startkapital. Während die Umbauarbeiten beginnen, gelingt Begbie die Flucht aus dem Knast. Der alkoholsüchtige Schläger ist auf Renton überhaupt nicht gut zu sprechen und macht sich auf die Jagd nach seinem alten Freund.

Schwelgen in alten Zeiten

„You are a tourist in your own youth“, sagt Sick Boy einmal zu Renton. „What other moments will you be revisting?“. Ja, die Nostalgiewelle schäumt in „T2 Trainspotting“ schon fast über. Das funktioniert, wenn wir die Freunde als Kinder sehen und durch kleine Ausschnitte, die wir noch nicht kannten, mehr aus ihrem Leben erfahren. Auch durch die Musik und einige Szenen werden Erinnerungen an die großen Momente des ersten Teils wachgerufen.

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Nicht alle Gaunereien von Renton und Sick Boy sind von Erfolg gekrönt

Doch dieses Schwelgen in alten Zeiten geht sogar so weit, dass ganze Passagen aus dem Vorgänger erneut gezeigt werden. Boyle traut den Zuschauern etwas zu wenig zu. Dabei dürften die Bilder aus „Trainspotting“ im kollektiven Gedächtnis der Filmfans doch fest verankert sein. Ärgerlich ist es auch, wenn Renton der jungen Veronika die Bedeutung seines legendären „Choose Life“-Monologs haarklein erklärt. Immerhin überträgt er diese für sie auf die heutige, von sozialen Netzwerken und Medien geprägte Generation. Es bleibt einer der wenigen Bezüge zur Gegenwart. Die Figuren leben ansonsten in der Vergangenheit und müssen gleichzeitig damit klarkommen, dass sie Mitte 40 sind, aber keine Ahnung haben, was sie mit dem Rest ihres Lebens anfangen sollen. Das ist das eigentlich spannende Thema in „T2 Trainspotting“.

Irrwitzige Situationen

Die Fortsetzung wäre nach all den Jahren nicht zwingend nötig gewesen und kann dem Vorgänger auch nicht das Wasser reichen. Dennoch schauen wir beim Wiedersehen sehr gern zu. Visuell fällt Boyle wieder einiges ein, auch der Soundtrack stimmt. Die Figuren versprühen dank ihrer Darsteller noch immer die gleiche Energie. Renton und Sick Boy geraten immer wieder in irrwitzige Situationen, der schlaksige Spud scheint das Pech noch immer gepachtet zu haben – bis er seine poetische Ader entdeckt. Begbie schließlich ist noch immer der furcheinflößende Hypochonder, dem jederzeit die Sicherungen durchbrennen können. Renton muss nach einer erneut denkwürdigen Toilettenszene um sein Leben rennen und wird dabei fast von einem Auto angefahren, was er schweratmend mit seinem bekannten grinsenden Blick in die Windschutzscheibe quittiert – fast so wie damals.

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Lebensgefahr: Begbie (r.) entdeckt Renton

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Danny Boyle sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ewan McGregor in der Rubrik Schauspieler.

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Die Gang ist wieder vereint

Länge: 117 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: T2 Trainspotting
GB 2017
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: John Hodge, Irvine Welsh
Besetzung: Ewan McGregor, Ewen Bremner, Jonny Lee Miller, Robert Carlyle, Anjela Nedyalkova, Kelly Macdonald, Gordon Kennedy, James Cosmo, Steven Robertson
Verleih: Sony Pictures Germany

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Sony Pictures Germany

 

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