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Schlagwort-Archive: Familiendrama

Schieß oder stirb – Feigheit oder Vernunft?

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Gun for a Coward

Von Volker Schönenberger

Western // Der junge Mann, der als Feigling geschmäht wird, die Brüder, die um dieselbe Frau buhlen – zwei Kernmotive des Familiendramas im Westerngewand mit Fred MacMurray („Frau ohne Gewissen“). Er spielt den Will Keogh, der mit seinen beiden jüngeren Brüdern Bless (Jeffrey Hunter) und Hade (Dean Stockwell) die Familienranch führt. Ihr Vater war durch den Biss einer Klapperschlange ums Leben gekommen, was besonders bei Bless Spuren hinterlassen hat. Obendrein sorgt sich die Mutter des Trios speziell um Bless, den mittleren Sohn, und will ihn vor den Härten des Lebens im Westen bewahren. Damit bringt sie ihn vor den Männern der Ranch bisweilen in Verlegenheit.

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Umsichtig führt Will Keogh (l.) die Ranch der Familie

Mit seiner Tüchtigkeit bringt Will derweil die Ranch nach vorn, auch wenn Viehdiebe die Gegend unsicher machen. Gleichzeitig hat er ein Auge auf die junge Audrey (Janice Rule) geworfen, versäumt es aber, ihr seine Gefühle zu offenbaren. Will merkt auch nicht, dass sich zwischen Audrey und seinem Bruder Bless eine Beziehung anbahnt.

Die Liebe im Westen

In schönem Technicolor mit aufrechten Männern gedreht, zeigt „Schieß oder stirb“ typische Ranchszenen wie das Zureiten eines wilden Pferdes und Viehtriebe inklusive Stampede. Der Fokus liegt auf Gefühlen – besonders der Liebe. Im Machismo-getränkten Westerngenre ist es durchaus löblich, wenn ein Film auch mal kritisch die Männlichkeit beleuchtet. Nicht jeder ist ein Feigling, der einer Schlägerei oder einer Schießerei aus dem Weg geht.

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Die kranke Mutter sorgt sich um ihre Söhne

Phasenweise ist das zu unspektakulär, um „Schieß oder stirb“ Klassikerstatus zu geben. Nachhaltig beeindruckend ist das nicht, was Abner Biberman da inszeniert hat. Der Regisseur hat selbst geschauspielert, meist Nebenrollen in schmal budgetierten Filmen, darunter immerhin „The Leopard Man“ (1943) von Jacques Tourneur und „Winchester 73“ von Anthony Mann. Seine Laufbahn auf dem Regiestuhl begann in den 50ern mit einigen Kinofilmen. Nach 1957 drehte er fast ausschließlich fürs Fernsehen.

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Hade (M.) sucht Streit – geht Bless (2. v. r.) dazwischen?

Koch Films bringt „Schieß oder stirb“ als deutsche Erstveröffentlichung ins Puschenkino – sofern es nicht eine mir unbekannte VHS-Fassung gibt. In der Reihe „Edition Western Legenden“ ist der Film gut aufgehoben.

Die „Edition Western Legenden“ von Koch Films:

01. Die weiße Feder (White Feather, 1955)
02. Rache für Jesse James (The Return of Frank James, 1940)
03. Der letzte Wagen (The Last Wagon, 1956)
04. Union Pacific (Union Pacific, 1939)
05. Rio Conchos (Rio Conchos, 1964)
06. Schiess zurück Cowboy (From Hell to Texas, 1958)
07. Herrin der toten Stadt (Yellow Sky, 1948)
08. Die schwarze Maske (Black Bart, 1948)
09. Ritt zum Ox-bow (The Ox-Bow Incident, 1943)
10. 100 Gewehre (100 Rifles, 1969)
11. Shoot Out – Abrechnung in Gun Hill (Shoot Out, 1971)
12. Der große Aufstand (The Great Sioux Uprising, 1953)
13. Der Tag der Vergeltung (Untamed Frontier, 1952)
14. Duell mit dem Teufel (The Man from Bitter Ridge, 1955)
15. Grenzpolizei Texas (The Texas Rangers, 1936)
16. El Perdido (The Last Sunset, 1961)
17. Trommeln des Todes (Apache Drums, 1951)
18. Drei Rivalen (The Tall Men, 1955)
19. Quantez, die tote Stadt (Quantez, 1957)
20. Reiter ohne Gnade (Kansas Raiders, 1950)
21. Die Höhle der Gesetzlosen (Cave of Outlaws, 1951)
22. Western Union (Western Union, 1941)
23. Ritt in den Tod (Walk the Proud Land, 1956)
24. Vorposten in Wildwest (Two Flags West, 1950)
25. Santiago der Verdammte (The Naked Dawn, 1955)
26. Verschwörung auf Fort Clark (War Arrow, 1953)
27. Vom Teufel verführt (The Rawhide Years, 1955)
28. Der große Bluff (Destry Rides Again, 1939)
29. Gold aus Nevada (The Yellow Mountain, 1954)
30. Rivalen im Sattel (Bronco Buster, 1952)
31. Feuer am Horizont (Canyon Passage, 1946)
32. Noch heute sollst du hängen (Star in the Dust, 1956)
33. Frisco Express (Wells Fargo, 1937)
34. Schieß oder stirb (Gun for a Coward, 1957)
35. Der große Minnesota Überfall (The Great Northfield, Minnesota Raid, 1972)
36. Mit roher Gewalt (The Spoilers, USA 1955)
37. Die Welt gehört ihm (The Mississippi Gambler, USA 1953)
38. Rebellen der Steppe (Calamity Jane and Sam Bass, USA 1949)
39. Der Vagabund von Texas (Along Came Jones, USA 1945)
40. Auf verlorenem Posten (The Lone Hand, USA 1953)
41. California (California, USA 1947)
42. Der blaue Mustang (Black Horse Canyon, USA 1954)
43. Die Meute lauert überall (Raw Edge, USA 1956)
44. Rächer der Enterbten (The True Story of Jesse James, USA 1957)
45. Schüsse peitschen durch die Nacht (Showdown at Abilene, USA 1956)
46. Flucht vor dem Tode (The Cimarron Kid, USA 1952)
47. Stunden des Terrors (A Day of Fury, USA 1956)
48. Der große Zug nach Santa Fé (Cattle Drive, USA 1951)
49. Der eiserne Kragen (Showdown, USA 1963)
50. Garten des Bösen (Garden of Evil, USA 1954)
51. Trommeln am Mohawk (Drums Along the Mohawk, USA 1939)
52. Duell in Diablo (Duel at Diablo, USA 1966)
53. Massai – Der große Apache (Apache, USA 1954)
54. Zwischen zwei Feuern (The Indian Fighter, USA 1955)

Veröffentlichung: 28. Januar 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Gun for a Coward
USA 1957
Regie: Abner Biberman
Drehbuch: R. Wright Campbell
Besetzung: Fred MacMurray, Jeffrey Hunter, Janice Rule, Dean Stockwell, Chill Wills, Betty Lynn, Josephine Hutchinson, Iron Eyes Cody, Robert F. Hoy, Bob Steele
Zusatzmaterial: Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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Der Richter – Recht oder Ehre: Gerichtsdrama ohne Inspiration

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The Judge

Drama // Für den Nebenrollen-Oscar hat’s 2015 nicht gereicht. Den hat erwartungsgemäß J. K. Simmons für seinen Part des harten Orchesterleiters in „Whiplash“ abgeräumt, wie auch schon den Golden Globe und etliche andere Preise. Da hatte Robert Duvall keine Chance. Er wird’s verschmerzen können, steht doch immerhin ein Academy Award für seine Hauptrolle in Bruce Beresfords „Comeback der Liebe“ (1983) auf seinem Trophäenregal. Dazu vier Golden Globes und zahlreiche andere Preise – eine gute Ausbeute für eine große Karriere. Obendrein hat Duvall die Ehre, mit 84 Jahren der älteste Schauspieler zu sein, der je für einen Oscar nominiert worden ist.

Richter unter Mordanklage

In „Der Richter – Recht oder Ehre“ spielt Duvall die Titelrolle, den ehrenwerten Kleinstadt-Richter Joseph Palmer. Der Beginn des Films gehört allerdings Robert Downey Jr., der als Palmers entfremdeter Sohn Hank ein berüchtigter Rechtsanwalt geworden ist und in Chicago reihenweise Schuldige vor der Verurteilung rettet. Als Hanks Mutter und Josephs Ehefrau stirbt, sehen Vater und Sohn einander nach langer Zeit erstmals wieder. Zügig nach ihrer Beerdigung will Hank seine Heimatstadt Carlinville in Indiana wieder verlassen. Doch dann sieht sich sein Vater einem Verfahren wegen Fahrerflucht gegenüber, aus dem bald eine Mordanklage wird.

Viel hat Regisseur David Dobkin in den Film hineingepackt – etwas zu viel. Dass „Der Richter – Recht oder Ehre“ zwischen Justiz- und Familiendrama herumlaviert, macht an sich gar nichts. Dennoch hätte dem Film etwas Entschlackung gutgetan. Was haben wir denn alles? Da ist das Verfahren gegen den Richter, der anfangs von dem linkischen jungen Rechtsanwalt C. P. Kennedy (Dax Shepard) vertreten werden will, dann aber – natürlich – doch auf seinen mittleren Sohn Hank als Strafverteidiger zurückgreift, dem Kennedy assistiert. Ein Running Gag um Kennedys Lampenfieber vor dem Gang in den Gerichtssaal wirkt sonderbar bemüht.

Was wurde aus der Baseball-Karriere?

Hanks älterer Bruder Glen (Vincent D’Onofrio) hatte offenbar in jungen Jahren die Aussicht auf eine Karriere als Baseball-Profi. Dass daraus nichts geworden ist, gehört zu den Dingen, die die Familie stets belastet haben. Der jüngere Bruder Dale (Jeremy Strong) ist geistig schlicht und hantiert permanent mit einer alten 8-MM-Kamera. Seine Figur wirkt nebensächlich und bringt den Film kaum voran.

Dass Hank ein Top-Anwalt ist, bringt zwangsläufig eine Ehekrise und einen kurzen Streit um die Tochter mit sich. Das wird aber nicht groß ausgeführt und ist nur insofern von Belang, als das Ende seiner Ehe Hank die Möglichkeit gibt, sich seiner alten Liebe Samantha (ungewohnt hellblond: Vera Farmiga) wieder zu nähern, die in Carlinville ein Restaurant führt. Klar, dass auch da ein paar alte Wunden zu kitten sind.

Justizdrama à la Hollywood

All das ist toll gespielt, keine Frage, ob von Downey Jr., Farmiga, Duvall oder den anderen. Als Antagonist im Gerichtssaal ist Billy Bob Thornton in der Rolle des Staatsanwalts Dwight Dickham zudem eine hervorragende Wahl. Gerichtsdramen sind für Hollywood nur Fingerübungen, die zieht die Traumfabrik problemlos aus dem Hut. Ob das der Grund ist, dass „Der Richter – Recht oder Ehre“ etwas uninspiriert wirkt? Der Funke will über die – ohnehin langen – 141 Minuten nicht recht überspringen.

Nachhaltig in Erinnerung bleiben wird der Film vermutlich ebenso wenig wie er sich auf einem vorderen Rang in der Liste der Gerichtsdramen setzen wird. Um einen der dort platzierten Filme zu entdecken, reicht allerdings ein Blick in Robert Duvalls Filmografie, auch wenn er nur eine kleine Rolle hatte: „Wer die Nachtigall stört“ mit Gregory Peck markierte 1962 sein Leinwandebüt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Robert Duvall sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 26. Februar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 141 Min. (Blu-ray), 136 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Hörfilmfassung für Sehbehinderte Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch und Italienisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Isländisch
Originaltitel: The Judge
USA 2014
Regie: David Dobkin
Drehbuch: Nick Schenk, Bill Dubuque
Besetzung: Robert Downey Jr., Robert Duvall, Vera Farmiga, Billy Bob Thornton, Vincent D’Onofrio, Jeremy Strong, Dax Shepard
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Hinter den Kulissen, Tiefgehende Einsichten mit Nebendarsteller Dax Shepard, nicht verwendete Szenen mit optionalem Audiokommentar von Regisseur David Dobkin, Wendecover
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

Packshot & Trailer: © 2015 Warner Home Video

 

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