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Phantastische Tierwesen – Grindelwalds Verbrechen: Die dunkle Seite der Macht

Fantastic Beasts – The Crimes of Grindelwald

Kinostart: 15. November 2018

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Abenteuer // Der November 2018 ist zwar noch nicht so kalt, wie er sein sollte – die Temperaturen halten sich recht wacker im zweistelligen Bereich –, dennoch ist nun die perfekte Jahreszeit gekommen, um endlich wieder in die wohlig warme Wizarding World von J. K. Rowling abzutauchen. Zwei Jahre nachdem wir in „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ erstmals Newt Scamander (Eddie Redmayne) begegnet sind, steht für den magiebegabten Zoologen das nächste Abenteuer an. Es wird nicht sein letztes sein, insgesamt soll die Reihe fünf Filme mit fortlaufender Handlung umfassen.

Tina und Newt treffen in Paris wieder aufeinander

1927: Unter Newts Mithilfe konnte der dunkle Zauberer Gellert Grindelwald (Johnny Depp) in New York enttarnt und vom Magischen Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika – kurz MACUSA – festgenommen werden. Doch trotz Hochsicherheitsverwahrung gelingt dem Schurken die Flucht. Grindelwald taucht in Paris unter, wo er seine Gefolgschaft um sich schart und hofft, einen wichtigen Verbündeten auf die dunkle Seite der Macht zu locken: den Waisenjungen Credence Barebone (Ezra Miller), der bereits im ersten Teil aufgrund seiner unterdrückten Zauberkräfte als Obscurus ungewollt allerhand Chaos stiftete und nun in der französischen Hauptstadt nach seiner Mutter sucht. Mit Credences Fähigkeiten will Grindelwald seinen Plan in die Tat umsetzen: die Herrschaft reinblütiger Zauberer über alle nichtmagischen Wesen.

Grindelwald schart seine Gefolgsleute um sich

Albus Dumbledore (Jude Law) erkennt die Gefahr, die von Grindelwald ausgeht, allerdings kann er aufgrund eines alten Schwurs nicht selbst aktiv werden. Aus diesem Grund entsendet er seinen ehemaligen Hogwarts-Schüler Newt nach Paris, um dem magischen Schwerverbrecher Einhalt zu gebieten. Newt kommt dieser Wunsch gerade recht. Er kann etwas Ablenkung gebrauchen, denn seine große Liebe Leta Lestrange (Zoë Kravitz) hat sich mit seinem Bruder Theseus (Callum Turner) verlobt. Unterstützung erhält Newt erneut von den zauberhaften Schwestern Tina (Katherine Waterston) und Queenie (Alison Sudol), dem Muggel Jacob (Dan Fogler) sowie von zahlreichen Tierwesen, die er in seinen Koffer gepackt hat.

Konkurrenz für Lord Voldemort

Schon nach den ersten Minuten, in denen sich Grindelwald im tosenden Unwetter aus seiner fliegenden Gefängniskutsche befreit, wird klar: Die dunklen Wolken werden sich nicht so schnell verziehen. Johnny Depp, dessen Besetzung im Vorfeld für viel Kritik sorgte, ist drauf und dran, eine ernsthafte Konkurrenz für Lord Voldemort als Bösewicht zu werden. Es ist schön, den Star endlich mal wieder außerhalb seiner „Jack Sparrow“-Routine zu sehen. Hier spielt er durchaus ernsthaft und furchteinflößend. Vielleicht kann Depp durch die Rolle seinen tiefen Fall von der Karriereleiter doch noch aufhalten. Bedenkt man die Zeit, in dem die „Phantastische Tierwesen“-Reihe angesiedelt ist, sind die Parallelen zur Naziherrschaft durch Grindelwalds „Arier“-Pläne, seine blonden Haare und seinen Ledermantel offensichtlich. Ebenso wie sein deutsch klingender Name ist dies kein Zufall. J. K. Rowling lässt häufig reale historische Ereignisse in die Handlung miteinfließen. Die Auswirkungen des bevorstehenden Kriegs der Zauberer und der bald beginnende Krieg der Muggel werden im Verlauf der nächsten drei Filme näher beleuchtet werden.

Niffler darf ordentlich mitmischen

Aber auch, wenn es noch so düster in der Fortsetzung zugeht, für die die FSK im Gegensatz zum Erstling eine FSK-12- statt einer FSK-6-Einstufung vergab, gibt es natürlich wieder einige heitere Momente, die für Licht in dunklen Zeiten sorgen. Endlich sehen wir etwas mehr von Newts Arbeitsumfeld und lernen dabei jede Menge neue phantastische Tierwesen kennen. Allerdings: So toll die neuen Wesen auch animiert sein mögen, den süßen Niffler schlägt keines von ihnen. Das maulwurfartige Tier mit dem Entenschnabel, welches eine besondere Vorliebe für Glitzerkram besitzt, erweicht auch diesmal am meisten unser Herz. Schön, dass ihm im Film sogar eine entscheidende Rolle zukommt.

Theseus (l.) hat sich mit Leta Lestrange verlobt

Viele neue Locations, wie das französische Zaubereiministerium, fügen sich mit ihrer Detailfreude bestens in die „Wizard World“ ein. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Eine kurze Rückkehr nach Hogwarts versprüht zusammen mit dem klassischen „Harry Potter“-Thema von John Williams nostalgische Gefühle. Dennoch ist dem zweiten Teil ein wenig die Verspieltheit abhandengekommen. Nur selten, etwa wenn Newt einen Windzauber auf einen Verfolger oder Queenie einen Liebeszauber auf Jacob ausspricht, fühlt man sich zum Beispiel an die wunderbare Kochszene aus dem Erstling erinnert. Auch um die Ernsthaftigkeit noch etwas herunterzuschrauben, hätten ein paar mehr neue Zaubersprüche zusätzliche Auflockerung gebracht.

Experten-Wissen gefragt

Mit Newt werde ich allerdings noch immer nicht ganz warm. Nicht falsch verstehen: An Eddie Redmaynes liebenswert-verhuschter Darstellung ist nichts auszusetzen. Er wirkt nur nicht wie eine echte Heldenfigur. Das mag sich in den weiteren Fortsetzungen noch ändern. Aber in „Grindelwalds Verbrechen“ ist dies wohl auch dem Drehbuch von J. K. Rowling zuzuschreiben, welches sich mehr als der Erstling darum bemüht, sich in die historische „Harry Potter“-Zeitlinie einzuordnen und so häufig den Fokus auf seinen Hauptcharakter verliert.

Der Niffler muss von seinen Abenteuern etwas verschnaufen

Damit kommen wir zum für mich größten Problem des zweiten Teils: Wo echte „Harry Potter“-Experten wahrscheinlich mit der Zunge schnalzen, werden die normalen Zuschauer schnell überfordert sein. Die Geschichte verzettelt sich in einer Vielzahl von Nebenhandlungen und stellt zu viele Figuren vor, die einfach schwer einzuordnen sind, wenn man all die Zauberer-Stammbäume nicht auswendig kennt. So hätte ich nicht mehr gewusst, dass Alchemist Nicolas Flamel, gespielt übrigens von Brontis Jodorowsky, dem Sohn von „El Topo“-Regisseur Alejandro Jodorowsky, der Schöpfer des berühmten Steins der Weisen ist, der im ersten „Harry Potter“-Abenteuer eine große Rolle spielt. Vielleicht fügen sich die Nebenstränge in den weiteren drei Filmen zu einem großen Ganzen zusammen, sodass wir nach dem Finale sagen werden: J. K. Rowling hat alles richtig gemacht. Aktuell spürt man allerdings, dass der Film eben einen Mittelteil bildet und noch nicht alle Karten ausspielt, sodass auch der überraschende Cliffhanger ein wenig an Zauberkraft einbüßt.

Zeit für eine Wachablösung?

Ebenfalls sollten sich die Produzenten Gedanken machen, ob David Yates wie geplant auch die nächsten „Phantastische Tierwesen“-Filme dreht, da seine Arbeit mehr und mehr zur Routine verkommt. Seit „Harry Potter und der Orden des Phoenix“ (2007) ist er am Ruder, somit hat er bis jetzt sechs Filme des Franchises am Stück abgedreht. Gerade der großartige „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ (2004) von Alfonso Cuarón („Gravity“) hat doch gezeigt, dass ein frischer Wind auf dem Regiestuhl der Reihe durchaus guttut.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Johnny Depp, Jude Law und Eddie Redmayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Albus Dumbledore kennt Grindelwald aus früheren Tagen

Länge: 134 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Fantastic Beasts – The Crimes of Grindelwald
GB/USA 2018
Regie: David Yates
Drehbuch: J. K. Rowling
Besetzung: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Jude Law, Johnny Depp, Alison Sudol, Ezra Miller, Zoë Kravitz, Claudia Kim, Callum Turner, Wolf Roth
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Warner Bros. Ent. All rights reserved. Wizarding World™ Publishing Rights © J.K. Rowling, WIZARDING WORLD and all related characters and elements are trademarks of and © Warner Bros. Entertainment Inc.

 

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Full Moon (II): Doctor Mordrid – Von Zauberern und Dinosauriern

Doctor Mordrid

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Abenteuer // Vor langer Zeit wurde der aus einer anderen Dimension stammende Dr. Anton Mordrid (Jeffrey Combs) auf die Erde geschickt, um diese vor finsteren Mächten zu beschützen. Getarnt als Wissenschaftler lebt der Zauberer gemeinsam mit seinem Raben Edgar Allan in einem Appartement-Komplex in New York City. Die Zeit des Wartens ist für Doctor Mordrid bald vorbei: Sein ebenfalls magiebegabter Erzfeind Kabal (Brian Thompson) kann sich aus seinem Gefängnis befreien und will die Erdenbewohner versklaven. Mit Unterstützung seiner Nachbarin Samantha (Yvette Nipar) bereitet sich Doctor Mordrid auf den ultimativen Kampf zwischen Gut und Böse vor.

Der Franchise-Traum

Mitte der 1980er-Jahre schwebte B-Movie-Produzent Charles Band Großes vor: Der Gründer von Empire Pictures holte keinen Geringeren als den legendären Marvel-Comiczeichner Jack Kirby („Fantastic Four“, „Iron Man“, „X-Men“) an Bord und plante, mit ihm ein weit verzweigtes Film-Franchise zu erschaffen, welches durch viele verschiedene Figuren eng miteinander verzahnt werden sollte. Denn was seit Jahrzehnten auf dem Comicmarkt gang und gäbe ist, muss doch auch im Filmbusiness funktionieren. Doch es kam anders. Empire Pictures ging nach einigen Hits wie „Ghoulies“ (1984), „Re-Animator“ (1985) und „Troll“ (1986) im Jahr 1988 pleite. Band hatte sich mit dem Zukauf eines italienischen Studios übernommen und war auch sonst schlicht überschuldet.

Doctor Mordrid soll die Erde beschützen

Dennoch ließ er sich nicht unterkriegen und gab nach dem Bankrott gleich die Gründung eines neuen Studios bekannt: Full Moon Entertainment. Mit ihm wollte Band sein lange geplantes Filmhelden-Universum nun endlich verwirklichen. Den Auftakt übernahm der große, kleine „Dollman“ (1991), der in der Fortsetzung „Tod im Spielzeugland“ (1993) bereits zum Duell mit den fiesen „Demonic Toys“ (1992) antrat. Ein weiterer Charakter war mit der von Jack Kirby aus alten „Empire Pictures“-Tagen entworfenen Figur des „Doctor Mortalis“ schnell gefunden. Dessen mehr als offensichtliche Anleihen an den berühmten Marvel-Zauberer „Doctor Strange“ waren sicherlich beabsichtigt. Nachdem der Name der Figur aus nicht ganz geklärten Gründen leicht verändert wurde, kam 1992 „Doctor Mordrid“ auf den amerikanischen „Direct to Video“-Markt.

Der böse Kabal kann sich von seinen Ketten befreien

Warum das Franchise nicht wirklich in die Gänge kam, erzählt Torsten Dewi, Mit-Autor der englischsprachigen Charles-Band-Biografie „Empire of the ’B’s“, ausführlich im informativen Booklet und zusammen mit Marco Erdmann im Audiokommentar der vorzüglichen Mediabook-Veröffentlichung von Wicked-Vision Media.

Es bleibt in der Familie

Charles Band erklärte die Inszenierung kurzerhand zur Familienangelegenheit, teilte sich mit seinem Vater Albert („Zoltan, Draculas Höllenhund“, 1977) die Regie, Bruder Robert war für den Soundtrack zuständig. Sogar Charles Bands damals elfjähriger Sohn Alex hat gegen Ende als Kind im Museum einen Kurzauftritt. Alex Band feierte Anfang 2000 kurzzeitig als Sänger von The Calling („Wherever You Will Go“) ein paar Charterfolge.

Samantha unterstützt Mordrid

Gleichzeitig verpflichtete Charles Band einen alten Bekannten für die titelgebende Hauptrolle: Nachdem er zuvor meist durchgeknallte Figuren gespielt hatte, durfte der charismatische Jeffrey Combs als geheimnisvoller Doctor Mordrid in seinen Morgenmantel gehüllt endlich auch mal in einer Heldenrolle glänzen. Im Gegensatz zu Doctor Strange ist das Full-Moon-Pendant nicht egozentrisch, sondern introvertiert und wortkarg angelegt, was ihn um einiges sympathischer als die von Benedict Cumberbatch verkörperte Figur macht. Gleichzeitig harmoniert Combs bestens mit Yvette Nipar, die vor und nach „Doctor Mordrid“ hauptsächlich durch TV-Serien wie „21 Jump Street“ und „RoboCop“ tingelte. Mit seiner kantigen Visage erweist sich Brian Thompson („Die City-Cobra“, „Moon 44“) ein weiteres Mal als Idealbesetzung für einen B-Movie-Bösewicht.

Als Saurier die Kinowelt beherrschten

Wer schon vorher nichts mit den eigenwilligen Full-Moon-Produktionen anfangen konnte, bei dem wird die Waage auch mit „Doctor Mordrid“ wohl kaum umschwenken. Dennoch gehört der „Doctor Strange“-Klon zweifelsohne zu den qualitativ besseren Filmen aus der Low-Budget-Schmiede. Wieder gibt es eine Vielzahl von belanglosen Dialogen, welche die mit knapp 70 Minuten sowieso knappe Laufzeit in die Länge ziehen. Die Gespräche werden diesmal aber dafür genutzt, die Hintergrundgeschichte und die Fähigkeiten des Superhelden näher zu beleuchten. Denn wer die Comic-Vorlage nicht kennt, muss natürlich erst mal erklärt bekommen, warum der Doktor seinen Geist vom Körper isolieren kann.

Die Actionszenen sind rar gesät, aber immerhin gibt es beim großen Finale eine Szene, die man garantiert nicht so schnell vergisst: Im Naturkundemuseum erwecken die Zauberer die Urzeit-Skelette eines Tyrannosarus Rex und eines Mammuts zum Leben und lassen sie gegeneinander antreten. Das Gigantenduell wurde unter anderem von David Allen per Stop-Motion-Technik umgesetzt. Der Effektemeister arbeitete bereits bei „Trancers“ (1984), „Ghoulies II“ (1988) und „Puppetmaster“ (1989) mit Charles und Albert Band zusammen. 1986 erhielt David Allen für seine Mitarbeit an Barry Levinsons „Das Geheimnis des verborgenen Tempels“ sogar eine Oscar-Nominierung.

Doctor Mordrid nutzt seine Kräfte

In Zeiten, in denen gerade „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (1991) und „Jurassic Park“ (1993) die Möglichkeiten von Spezialeffekten in neue Sphären hievten, verlieh die von Ray Harryhausen perfektionierte alte Technik auch „Doctor Mordrid“ einen nostalgischen und magischen Charme. Gleichzeitig sorgten diese Sequenz und der Erfolg von Steven Spielbergs Saurier-Abenteuer auch beim deutschen Verleiher von „Doktor Mordrid“ für eine Kuriosität: Highlight entschied sich nicht nur dazu, das VHS-Cover nachträglich zu ändern und darauf statt des Helden das Dinosaurier-Skelett abzubilden – gleichzeitig wurde auch noch der Titel in „Rexosaurus“ geändert. Sachen gibt’s …

Für Nachschub ist gesorgt

Die Fans der Trash-Schmiede scharren schon länger mit den Hufen: Der Nachschub an Veröffentlichungen der Full-Moon-Collection von Wicked-Vision Media ist ins Stocken geraten. Aber keine Sorge: Wie Labelchef Daniel Perée im „Movieside“-Forum verriet, wird es auf jeden Fall weitergehen. Innerhalb der Collection sollen drei weitere Filme erscheinen, voraussichtlich als nächstes „Creepzone“ (1987). Danach ist geplant, eine oder zwei Boxen mit mehreren Filmen aus den Häusern Full Moon Entertainment und Empire Pictures zu veröffentlichen. Wir freuen uns schon drauf!

Dinos im Duell

Die Filme der „Full Moon Collection“ von Wicked-Vision Media haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. April 2017 als 2-Disc-Mediabook-Edition (Blu-ray & DVD) in drei limitierten Covervarianten (Cover A: 222 Stück, Cover B: 333 Stück, Cover C: 444 Stück)

Länge: 75 Min. (Blu-ray), 71 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Doctor Mordrid
Deutscher Alternativtitel: Rexosaurus
USA 1992
Regie: Albert Band, Charles Band
Drehbuch: C. Courtney Joyner
Besetzung: Jeffrey Combs, Yvette Nipar, Jay Acovone, Keith Coulouris, Ritch Brinkley, Brian Thompson, Pearl Shear, Jeff Austin
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Charles Band und Hauptdarsteller Jeffrey Combs, Audiokommentar mit Torsten Dewi und Marco Erdmann, Videozone „Doctor Mordrid“, Uncut Footage: Hinter den Kulissen, Interviews, Trailer, Bildergalerie, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Torsten Dewi und einem exklusiven Interview mit Lee MacLead
Label/Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & Packshots: © 2017 Wicked-Vision Media

 

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BFG – Sophie & der Riese: Der Stoff, aus dem die Träume sind

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The BFG

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Abenteuer // 2016 feierten zwei große Geschichtenerzähler runden Geburtstag: Filmemacher Steven Spielberg wurde am 18. Dezember 70 Jahre alt, der 1990 verstorbene Autor Roald Dahl („James und der Riesenpfirsich) wäre am 13. September 100 Jahre alt geworden. Passend dazu erweckte Spielberg eines der bekanntesten Kinderbücher von Dahl zum Leinwandleben: „Sophiechen und der Riese“ aus dem Jahr 1982. Genau genommen, ist es nicht das erste Mal, dass der Regisseur einen Stoff von Dahl verfilmt. Auch „Gremlins – Kleine Monster“ (1984), bei dem Spielberg als Produzent tätig war, ist von einem Werk des britischen Schriftstellers inspiriert.

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Waisenkind Sophie liest mitten in der Nacht noch ein Buch …

Doch was sich eigentlich wie die perfekte Kombination für einen ordentlichen Kinohit anhörte, entpuppte sich im Sommer 2016 überraschenderweise als einer der größten Flops des Jahres. Bei geschätzten Produktionskosten von 140 Millionen US-Dollar spielte das Fantasy-Abenteuer gerade mal 178 Millionen US-Dollar weltweit ein. Danach wurde spekuliert: Hat Steven Spielberg etwa seine Magie verloren?

Erinnerungen an „E.T.“

Die inhaltlichen Parallelen zu „E.T. – Der Außerirdische“ (1982) hat Iris bereits in ihrer Kritik zum Kinostart herausgearbeitet. Die ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem Waisenkind Sophie (Ruby Barnhill) und dem Riesen (Mark Rylance, „Bridge of Spies“) ist das Herzstück der Geschichte. Melissa Mathison (1950–2015) trug maßgeblich dazu bei, dass diese auch funktioniert. Sie verfasste sowohl für den Spielberg-Klassiker als auch für „BFG – Sophie & der Riese“ die Drehbücher. Ihr sind die Worte „For our Melissa“ im Abspann gewidmet.

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… als sie plötzlich ein merkwürdiges Geräusch hört

Lag es eventuell am Filmtitel? Immerhin kann man heutzutage bei dem „F“ im Akronym von „Big Friendly Giant“ auch an ein nicht gerade kinderfreundliches Wort denken. Schon im Videospiel-Shooter „Doom“ gab es eine Waffe, die auf die Abkürzung „BFG“ hörte, was übersetzt etwa „Verdammt große Waffe“ bedeutet. Auch wären eventuell mehr als die lediglich knapp 300.000 Besucher in Deutschland ins Kino gegangen, hätte man den hierzulande bekannten Titel „Sophiechen und der Riese“ ohne das „BFG“ genutzt. In der Romanübersetzung wird der Riese übrigens „GuRie“ für „Guter Riese“ genannt. Auch der Sommerstarttermin hat womöglich einen Teil zum Misserfolg beigetragen – Fantasystoffe schaut man doch lieber im Winter an, oder?

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Der Riese bläst mit einer Trompete die Träume in die Kinderzimmer

Magische Momente

Das Live-Motion-Capture-Verfahren der Figuren, die Animation der Gesichter und die Erschaffung der digitalen Welt der Riesen ist wunderbar gelungen. Wie der Riese durch das nächtliche London stapft und mit seiner Trompete die Träume in die Schlafzimmer der Kinder bläst, seine Höhle, in dem er den Stoff, aus dem die Träume sind, zusammenmixt, und der Ort, an dem er diese einfängt – das alles sorgt durchaus für märchenhafte Momente. Doch bei dem Zusammenspiel zwischen Ruby Barnhill und den animierten Figuren bleiben die Emotionen etwas auf der Strecke. Die Elfjährige muss den Großteil der Handlung als einzige reale Figur tragen, was nicht immer überzeugend ist.

Recht altbacken wirkt außerdem die Geschichte, bei der am Ende Queen Elizabeth (Penelope Wilton) und das britische Militär um Hilfe gebeten werden, um die neun bösen Riesen zu bekämpfen, die „BFG“ drangsalieren und Kinder fressen. Auch habe ich mich gefragt, ob sich „BFG“ ganz allein im Land der Riesen überhaupt wohlfühlen wird, wenn seine Artgenossen verschwunden sind?

Blubberwasser verursacht Furzelbäume

Kinder ab zwölf Jahren, die das Tempo vom neuesten Superheldenfilm gewohnt sind, können sich bei „BFG – Sophie & der Riese“ vielleicht schnell langweilen. Aber alle anderen Zuschauer werden sich dennoch von dem Märchen verzaubern lassen: Die Großen werden von der technischen Brillianz beeindruckt sein. Die Kleinen dürfen über die merkwürdige Sprache des Riesen und seine „Furzelbäume“ nach dem Genuss von „Blubberwasser“ lauthals lachen.

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Der Riese und Sophia werden beste Freunde

Parallel zur Spielberg-Verfilmung ist hierzulande übrigens auch die britische Zeichentrickadaption „The Big Friendly Giant – Sophie und der Riese“ von 1989 auf DVD erschienen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Steven Spielberg sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 1. Dezember 2016 als 3D-Blu-ray, Blu-ray und DVD

Länge: 117 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The BFG
USA/IND 2016
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Melissa Mathison, nach dem Kinderbuch „Sophiechen und der Riese“ („The BFG“) von Roald Dahl
Besetzung: Ruby Barnhill, Mark Rylance, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall, Bill Hader
Zusatzmaterial: Wie BFG zum Leben erweckt wird (ca. 27 Min.), BFG und ich (ca. 2 Min), Riesensprache: Die wundervollen Wörter bei BFG (ca. 3 Min.), Die Charaktere der Reisen (ca. 5 Min.), Eine Hommage an Melisa Mathison (ca. 6 Min.), Originaltrailer in Deutsch und Engisch (je ca. 2 Min.)
Vertrieb: Constantin Film

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Constantin Film

 
 

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